FO-MA-LI
Live Reviews - Copyright für Bild und Text: Angela Stamm Am 11. und 12.12.2009 fand in Sittard (NL), Odasingel 90, im Fenix ( Jugendzentrum, das seit 2005 vielseitige Musikrichtungen in Form von Events, Tanzparties und Livekonzerten für Gäste aus verschiedenen Ländern bietet) nun schon zum 6. Mal statt. Eine Mischung aus Electro, Gothic und Metal bot das von Johan van Mulken ins Leben gerufene zweitägige Downhill Festival. Nachdem leider die deutsche Band Das Ich abgesagt hatten, fand sich bald ein würdiger "Ersatz" mit der deutschen Band Funker Vogt als Headliner des ersten Festivaltages. Sittard zeigte sich in der Vorweihnachtszeit gemütlich beleuchtet:
Der Startschuss fiel mit der Band Nafta-2, die nicht nur eine fetzige Musik, sondern auch eine tolle Bühnenshow präsentierten.Auffällig war hier die Ansammlung von äußerst individuellen starken Charakteren, bei denen einer dem anderen die Show zu stehlen schien, was der Musik aber nicht abträglich war. Sie hatten sich im Internet kennen gelernt und gaben sich den Namen nach einer Explosion einer ortsnahen Fabrik Nafta-Krake 2 im Jahr 1975, die sie sicherlich noch nicht als Zeitgenossen erlebt haben dürften. Vorbilder sind nach ihrer eigenen Aussage die so oft genannten Front 242 , VNV Nation, Welle: Erdball, Mechanical Sekt, Chemical Brothers, Vive La Fete, Fatboy Slim. Kurz darauf war diese Band noch einmal im Aachener Musikbunker als Vorband von den Crüxshadows zu erleben. Impressionen von der durchaus spannenden und gelungenen Show:
Dafür gab´s dann Deutschunterricht von der Band Schwarzblut, die in puncto Musik und Show den Vorgängern in nichts nach standen. Charakteristisch für diese Dark Electro-Industrial Band aus den Niederlanden ist die Kombination von dunkler Musik zum Tanzen mit klassischer deutscher Lyrik, die mit wechselnden weiblichen und männlichen Stimmen, teils auch verzerrt und orchestral, vorgetragen wird. Die Texte stammen von Goethe, Ludwig Tieck und Friedrich Rückert - hier zeigten sich die Niederländer bewanderter als mancher Deutscher mit Bildungslücken. So wechselten sich harmonische Chöre, verzerrte Vocals, einhämmernde Beats mit schwarzer Romantik ab.
Omen est Nomen, kann man da nur sagen. Das neue Album "Mausoleum" gibt´s in Kürze zu erwerben. Anleihen an Peter Gabriel, Qntal, Front 242, Feindflug und viele andere waren nicht zu überhören.
Im Anschluss daran präsentierten Vomito Negro aus Belgien ihre Musik live on stage. Der Name sagt es bereits: hier wurde keine leicht verdauliche Kost geboten. Im Gegenteil, der portugiesisch-spanische Name besagt nichts anderes als "schwarzes Erbrechen" , was die letzte Phase des Gelbfiebers, aber auch im übertragenen Sinne, das Ausspucken von gereinigten Innereien bedeutet. Mit diesem "Spirit of Skulls and Bones", der sich schon seit Jahrzehnten gut vermarkten lässt, faszinierte die Band jenseits des Sonnenlichts mit düsteren, betont harten Klängen. Als Vorbilder dienten hier wie so oft Kraftwerk, Depeche Mode, Klinik, Front 242, Front Line Assembly.
Als Abschluss dann eine mitreissende Show von Klinik, die es bereits seit 1984 gibt und in Antwerpen nach der Rückkehr von einem Konzert in Norwegen als Band mit dem Namen ABC umgetauft wurde. Die Musik ist der elektronischen, Post-Industrial Richtung zuzuordnen und hat ihre Ursprünge Anfang der Achtziger Jahre mit Marc Verhaegen. Es gibt hier über ein Dutzend wechselnde Mitglieder seit der Gründung, und da sie alle komplett eingewickelt waren, konnte man die einzelnen Musiker nicht identifizieren. Macht aber nichts, es geht ja um die Musik und den tollen Rhythmus. Zu nennen ist Dirk Ivens, der ABC im Jahr 1980 gründete - beeinflusst von deutschen und englischen Elektrobands. Klinik ist nach über drei Jahrzehnten immer noch mit führend in der Elektromusik. Das nächste Konzert gibt es am 13. März in Sao Paolo, Brasilien.
Der Begriff EBM (Electronic Body Music) wurde 1982 von Daniel Bressanutti der Band Front 242 (die ich in Utrecht auf dem Summer Darkness Festival erlebte) erstmals genannt, doch bereits Gabi Delgato-Lopez von der Band DAF hatte von "Körpermusik" schon im Jahr 1980 gesprochen, und das zu Recht. Die Klänge üben einen solchen Reiz auf den Körper aus, dass selbst die älteren Semester, die hier nur vereinzelt anwesend waren, das Tanzbein mitschwingen mussten - im Takt mit Klinik aus Belgien, die ganz vermummt ähnlich wie Monokrom auf dem Maschinenfest auftraten. Ist das nun die Masche, um die stets wechselnden Musiker zu tarnen? Ein Rätsel, spielt aber keine große Rolle angesichts der tollen Klänge und Rhythmen. Volle Halle am Ende, tanzende Menge bei Klinik
Alles in allem, ein tolles Festival..
Winternachtstraum Festival - Arnsberg-Oeventrop 23. u. 24.2.07
28 Bands waren angekündigt. Kann ein Mensch so viel verkraften? Zwei Bands hatten kurzfristig abgesagt – Disillusion, die bereits beim Winternoise Festival durch Abwesenheit glänzten und Coppelius, sowie weitere fünf zuvor. Dank der hervorragenden Organisation wurde das Line-Up kurzfristig geändert, Everflow und Menerra als Ersatzbands eingesetzt. Das von Seeb (Orden Organ) bestens organisierte WNT fand nun schon zum vierten Mal als Best of the Best des German Underground in der Schützenhalle Oeventrop wie immer im Februar statt. Es handelte sich hier um ein „Luxus-Festival“ mit wunderschönem Ambiente, zwei Videoleinwänden, professionellen Bands und Technikern, die flexibel auf die anfänglichen Schwierigkeiten (Ausfall eines Sound-Technikers für die Mainstage und Ausfall der Videoanlage auf der Talent Stage, Absage von Bands) reagierten, mit einer 16x9 m großen Bühne, und einer Kapazität von 800 – 1200 Leuten in der zweiteiligen Halle, Bier vom Fass, einem überschaubaren Preissystem, einem kleinen angeschlossenen Imbiss mit preisgünstigem Angebot, einem tollen Catering für die Musiker, Merchandiseangeboten in beiden Teilen der Halle, große und moderne Sanitäranlagen.
Bei angekündigtem Regenwetter für das Wochenende packte mich dank der Möglichkeit, an der Bühne fotografieren zu dürfen, die Reiselust in Richtung Sauerland, und ich muss sagen, dieser Ausflug hat sich gelohnt. Schon ein Hinweisschild WNT führte sicher zum Zielort. Da gab es im Programm keine Überschneidungen oder nervige Pausen – der Wechsel von der Mainstage zur Talent Stage verlief wie am Schnürchen. Während auf der Main Stage noch eine Band spielte, hörte man bereits den Soundcheck der Band nebenan, wobei es manchmal sogar interessanter war, den Soundcheck mitzuerleben, als das Konzert einer Band zu Ende zu hören. Das kam selbstverständlich auf die jeweilige Band an. Bei der Mischung aus Death-, Thrash-, Black-, Prog-, Nu-, Power Metal und Grindcore war sicherlich für jeden etwas dabei, aber eben nur etwas – man kann nicht alles mögen.
Freitag
So viele unbekannte Namen… Um 15.30 Uhr war ich dann pünktlich bei der ersten Band an der Talent Stage zur Stelle. Hier handelte es sich um die Nachwuchsband Moshcircus, und das Publikum ließ sich nicht lange bitten – schon entstand ein wilder Moshpit, wo sich das „junge Gemüse“ nach Herzenslust austoben konnte – und das schon bei der ersten Band! Wenn das so weiter geht, bin ich wohl nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort, war da mein Gedanke, der sich jedoch bald wie von selbst auflöste.
Als nächstes waren dann Menerra auf der Talent Stage zu erleben. Diese Band war ein angenehmer Ersatz für andere ausgefallene Bands und brachten mit ihrem melodischen Death Metal das Publikum schon am frühen Morgen, sprich, Nachmittag, in Stimmung.
Es folgten Everflow auf der Mainstage. Der Progmetal aus Recklinghausen kam beim Publikum, das die Halle noch nicht ganz füllte, gut an.
Es folgten Burden of Grief aus Kassel - mein persönlicher Favorit an diesem Tag. Melodischer Death Metal klingt ja immer gut, wenn es sich wie In Flames, Dreaming in Red, oder Hypocrisy anhört – aber bitte keine Vergleiche! Burden of Grief spielen ihre eigenen Lieder.
Danach die bereits auf dem UFTG erlebten Ja-Ka (Japanische Kampfhörspiele) aus Krefeld. Unverwechselbar der Sänger mit dem knallroten Haar und den erzieherischen Ratschlägen wie „Schalt den Fernseher aus!“ Richtig! Und „ Zieh die Jacke falsch rum an!“ (kommt ganz auf die Jacke an).
Und dann die 1998 gegründeten Thashband Scornage aus Aachen mit Guido Grawe am Mikro. Da ich diese Band schon mehrfach in Aachen und Köln gehört und gesehen hatte, wusste ich ja, was zu erwarten war – solider, eingängiger Thrash – so gespielt gefällt mir das sogar als Nicht-Thrash-Fan. Da geht die Post ab, selbst wenn die Eisenbahn streikt!
Chaoswave, die ich auf dem Progpower Europe in Baarlo in besserer Erinnerung hatte, boten mehr Chaos als Wave, und Prog Metal war das auch nicht – was war nur los – man hatte den Eindruck, die Band hatte den roten Faden irgendwie verloren und fragte sich die ganze Zeit, ob sie wirklich an das glaubten, was sie da präsentierten und wozu das alles gut sein sollte. Wenn das Prog sein soll, würde dem Dream Theater Sänger die Haare zu Berge stehen wie es bei Chaoswave der Fall ist.
Klarer dann auf der Talent Stage Runamok, die noch in diesem Jahr auf dem Dong Open Air zu erleben sind.
Wohltuend dann endlich die Lokalmatadoren und Organisatoren dieses Festivals Orden Ogan – wieder ein Highlight dieses Tages. Hier erinnerte melodische Rockmusik manchmal an die Stones, und sie selbst kündigten einen Running Wild Song an, der modern gespielt wurde . Jedenfalls klangen Running Wild im Bonner Brückenforum wirklich wie Running Wild und Orden Ogan eben wie Orden Ogan. Mit Winds of Vale haben sie ein hörenswertes Werk herausgebracht. Schön war zu erleben, dass alle Fans von 15 bis 55 mitrockten. Die Band mischten Mittelalter- Fantasy und Irish Folk in ihre rockige Metalmusik ein. Schwer zu beschreiben, man muss es hören!
Mit Face Down Hero ging es dann auf der kleineren Bühne weiter, diese Band kam beim Publikum hervorragend an.
und der Abend klang mit der Thrash Band Delirious, auf die ich verzichtete (Thrash ist nicht so mein Ding), aus. Dieser Gig soll aber, man höre und staune, ein Highlight des Festivals gewesen sein.
Samstag
Am Samstag begann das WNT am Nachmittag mit einer Nachwuchs Nu Metal/Rockband namens Njected, und wer nicht pünktlich an der Bühne war, verpasste halt etwas, denn Pünktlichkeit war auf diesem Festival wie auch perfekte Organisation und hochmoderne Technik das oberste Gebot.
Dann brachten Skull Wave die mit zwei sich abwechselnden Sängerinnen, die das Gute und das Böse, das zarte weibliche und das starke männlichen Prinzip darstellten und dieses musikalisch mit wunderschönem melodischem Gesang bzw. brutalem Death Metal Growl interpretierten, etwas Abwechselung in das Geschehen – diese Band war die Perle, die man fand, wenn man eine Nadel im Heuhaufen suchte. Hier wurde auch klar, warum „Winternachtstraum“ der passende Name war, denn bei einigen Parts geriet man wirklich ins Träumen, und das mag sicherlich an der zarten Stimme der Frontlady gelegen haben.
Headshot spielten dann auf der Hauptbühne
und dann kam die Black Metal Band Varg aus Coburg. Erst bei diesem Gig wurde mir klar, dass sich die Reise ins sauerländische Oeventrop gelohnt hatte. Selbst in den hintersten Reihen, ja sogar hinter den Verkaufsständen in der letzten Ecke des Raumes wurde mitgebangt. Leider gab es keine Setlist – auch das spricht für Professionalität – das Programm der Band wurde auch ohne Spickzettel bewältigt. Einfach toll. Die gruselig geschminkten Gesichter erinnerten etwas an Endstille, doch für ein Gespräch mit den Fans nach dem Gig nahm sich am Bühnenrand ein sehr freundlicher Musiker sogar noch Zeit. Irritierend war, dass der auf der WNT-Homepage für Varg angebrachte Link zu einer anderen Website führt. Das bedarf noch einer Erklärung. Auch der Name gibt Rätsel auf – erinnert er doch stark an den Vornamen eines gewissen norwegischen Musiker, der wegen Mordes zu 21 Jahren Haft verurteilt wurde. Zufall? Mehr Infos gibt es auf der bandeigenen Website. Diese Band stellte musikalisch (fast) alles in den Schatten, was noch folgte.
Zwar waren die 2004 gegründeten Bereaved, was so etwas wir „beraubt“ oder „hinterblieben“ bedeutet, als melodische Death Metalband gut zu ertragen, und musikalisch wertvoll (epische Passagen, Blastbeatstücke) waren sie auch.
aber auch Broken Marble, die mit Nu Metal auf der Talent Stage agierten, erschienen im Vergleich zu Varg dann irgendwie belanglos.
Mit Suicide by Cop (Trash Metal aus Berlin mit dem ehemaligen Sänger von Morgoth), Stormage, die vor einer gut gefüllten Halle auch zwei neue Songs auf der kleinen Bühne spielten), der Münsteraner (von In Flames und Testament beeinflussten) Thrash Metal Combo Misery Speaks, sowie Absence aus Arnsberg/Dortmund, die melodischen Thrash spielten, ging die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – Newcomer aus dem deutschen Underground, weiter.
Warum die in Polen etablierte polnische, synphonisch angehauchte Black Metal Band Darzamat in diesen Rahmen (Deutsches Underground Metal Festival) passen sollte, ist mir nicht ganz klar, man kann aber gegen Darzamat, die ich in der Bonner Klangstation erleben durfte, nichts haben. Auf dem Rockharz Festival ist Darzamat dann noch als Band zu erleben.
Es bleibt zu wünschen, dass nicht nur das WNT fortgesetzt wird, sondern dass noch möglichst viele Metalkonzerte in der Schützenhalle Oeventrop, die wirklich beste Voraussetzungen bietet, stattfinden mögen. Gut auch die Idee, in einem kleinen Nebenraum als Imbiss mit gutem Angebot einzurichten und die Getränkepreise einheitlich und mit dem Ein-Euro-Pfand System überschaubar zu machen. Beste Organisation! Musiker wie Fans waren begeistert.
Bericht über einen Konzertabend in Wommelgem (Antwerpen)
Am 23.03.2012 fand in einem Ortsteil von Antwerpen ein recht interessantes Konzert statt. Etwas für Insider, wie es sich herausstellte.
Zunächst einmal das Line-Up:
Hier eine Impression von der Location - innen und außen:
Vor Beginn des Konzerts noch gähnende Leere, aber der Raum füllte sich zur späten Stunde. Das Publikum sprach überwiegend französisch.
Es gab hier Getränke zu akzeptablen Preisen, und ganz wichtig, auch Kaffee!
Wermut, nicht nur Headliner, sondern auch Highlight zur späten Stunde. Die Musik erinnerte etwas an Tangerine Dream oder Pink Floyd, natürlich viel moderner, ging dann teils in afrikanische Rhythmen über - allein vom Zuhören konnte man in Trance geraten!
Schwer zu beschreiben, diese traumhaft schöne und sehr vielfältige Musik, die an diesem Abend geboten wurde und unter dem Namen "Dark Ambient" bekannt ist. Festzustellen war, dass jeder Auftritt nahezu perfekt war und sowohl musikalisch als auch optisch nichts zu wünschen übrig ließ. Eine vielseitige Veranstaltung, die ein paar Besucher mehr verdient gehabt hätte. Unbegreiflich, dass das Eintrittsgeld freiwillig war. Ein Geheimtipp, versteckt in einem alten Fort, fast nicht zu finden der Eingang bei den unzähligen Türen, hinter denen auch Foto- und andere Kreativkurse stattfinden.
Einziger Minuspunkt: Es gab nichts zum Essen, nur Getränke. Und keine Frittenbude weit und breit. Das bedeutete, auf die ersehnten belgischen Fritten zu verzichten und zu versuchen, das mehrstündige Konzert durchzuhalten!
... und vielleicht auf Wiedersehen!
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Marktplatz von Sittard, nicht weit vom Poppodium Fenix
Nafta 2
Mal Clown, mal Bösewicht
Schwarzblut, ein Germanist als Sänger
Verstörungssyndikat (E-Bass)
Tolle Lightshow bei The Goth Factory
Der PC darf nicht fehlen...






Das Programm wurde recht diszipliniert eingehalten.
Fort II in Wommelgem, Innenhof
Kriegsbemalung muss manchmal sein!
Es kamen immer wieder andere Musikinstrumente zum Einsatz, die elektronisch verzerrt wurden. So kam es zu einer "Doppelbelastung" - die Arbeit am PC und das Spielen des Instruments
Hohe Konzentration auf Gitarre und PC
Niedowierzanie - was für ein Name!
Lichteffekte auch auf dem Fußboden!
Hier konnte man sich fast verirren!
Wärmende Flammen am Eingang des Forts, versteckt hinter einer leeren Bierflasche - Beschäftigung in der Pause