Sillenbucher Straßengeschichten
Es lohnt sich, in einer Stadt die Straßennamen aufmerksam zu lesen; sie geben nämlich oft Auskunft über die Vergangenheit eines Ortes. An den Beispielen der Stuttgarter Innenstadt und Cannstatts lässt sich dies gut zeigen.
Manche Namen der kleinen Sträßchen zwischen dem Schillerplatz und dem Rathaus weisen auf das mittelalterliche Stuttgart hin: Unter der Mauer, Am Fruchtkasten, Turmstraße, Bebenhäuser Hof. Und die Residenzstadt Stuttgart lässt sich unschwer an den Namen vieler Straßen und Plätze der Innenstadt ablesen, die alle nach Mitgliedern der württembergischen Herrscherfamilie benannt sind: Friedrichstraße, Karlsplatz, Eugensplatz, Eberhardstraße, Katharinenstraße, Olgastraße, Werastraße, Charlottenplatz. Die Entwicklung Cannstatts von einer Römersiedlung über eine mittelalterliche Handwerkerstadt, der Bäderstadt im 19. Jahrhundert bis zur Industriestadt spiegelt sich in den Straßennamen wieder: Am Römerkastell; Schmiedgasse, Küblergasse, Bäckergasse, Tuchmachergasse; Brunnenstraße, Erbsenbrunnengasse, Kühlbrunnengasse; Daimlerstraße, Benzstraße, Mercedesstraße, Terrotstraße und Mahlestraße.
Doch wie steht es damit in Sillenbuch?
Beim Betrachten des heutigen Stadtplans fallen einem Namen ins Auge, wie: Fridinger Straße, Trossinger Straße, Tuttlinger Straße usw. usw. Ist Sillenbuch denn ein Ort auf der Schwäbischen Alb oder eine geschichtslose Neusiedlung?
Beginnen wir unseren Streifzug durch den Ort vor etwa 100 Jahren. Damals kam das Dorf mit vier Straßen aus, mit der Hauptstraße, der Brunnengasse, der Weinberggasse und der Gartenstraße. Diese Namen sagen allerdings Wichtiges über das alte Sillenbuch aus.
Ein Ort, der praktisch mit e i n e r Hauptstraße auskommt, kann nicht groß gewesen sein. Tatsächlich zählte Sillenbuch im Jahre 1900 gerade mal knapp 700 Einwohner, und diese lebten fast alle an der Hauptstraße (einem Teil der heutigen Tuttlinger Straße). Noch heute drängen sich hier die Häuser dicht aneinander, zur Hangseite hin oft zwei oder drei Gebäude hintereinander. Hier finden sich auch die Zeugen der früheren Bauern- und Weingärtnergemeinde. Noch heute besitzt die Straße im Dorfkern stellenweise keinen Gehweg, ist an mehreren Stellen die alte Kandel erhalten geblieben, vermitteln die elektrischen Freileitungen ein Bild des Ortes um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Viele barocke Bauernhäuser an dieser Straße, zum größten Teil aus dem 18. Jahrhundert stammend, sind leicht an den Jahreszahlen in den Schlusssteinen über den Tenneneinfahrten oder über den Rundbögen der Kellertore zu erkennen.
Alle öffentlichen Gebäude der früher selbständigen Gemeinde finden sich; sie sind jünger als die alten Bauern- und Weingärtnerhäuser. Sillenbuch wird urkundlich bereits im 13. Jahrhundert erwähnt, selbständige Gemeinde wurde der Ort aber erst 1819, vorher gehörte er kommunal zu Rohracker. Die amtlichen Gebäude reihen sich fast chronologisch an der Hauptstraße auf. Zuerst das Rathaus von 1821 mit seinem Glockentürmle (Tuttlinger Straße Nr. 80), dann die alte Schule (Nr.90), gleich dahinter das Lagerhäuschen und die Verkaufsstelle der Raiffeisengenossenschaft, schräg gegenüber das neue Rathaus von 1907 und schließlich ? schon in der Buowaldstraße gelegen ? das neue Schulhaus von 1879. Der Friedhof, 1832 angelegt, befand sich bereits außerhalb des eigentlichen Ortes.
Warum, so wird oft gefragt, bauten sich die Menschen ihren Ort da unten am Hang, in der unbequemen buckeligen Lage und nicht oben auf der schönen Ebene an der alten Heerstraße, der heutigen Kirchheimer Straße? Die Antwort ist recht einfach: da oben mangelte es an Wasser. Der Name der alten "Brunnengasse" (heute Bußbachstraße) erinnert daran, dass es in Sillenbuch nur einen öffentlichen Brunnen im Dorf gab, an dem alle Bewohner, die keinen eigenen Brunnen hatten, ihr Wasser holen mussten. Die fünf anderen Quellen des Ortes liegen alle weiter unten in den früheren Weinbergen, nur einige wenige Bauern besaßen eigene Pumpbrunnen. 1901-1903 wurde eine Wasserleitung gebaut, und die Wassernot war auf Jahre hinaus beseitigt. Nicht aber für immer: als Sillenbucher in den 1930er Jahren rasch wuchs, wurde der Wassermangel wieder rasch deutlich. So untersagte die Gemeindeverwaltung in den Neubaugebieten die Inbetriebnahme von Wasserklosetts.
Das Stichwort Wasser führt nun zum Wein, ohne den Sillenbucher Weingärtner zu nahe treten zu wollen. Der Name "Weinberggasse" zeigt, dass Sillenbuch in früheren Zeiten auch eine Weinbaugemeinde war. Doch waren die Sillenbucher Gewächse nicht von bester Qualität, so dass die klugen Bauern schon Ende des 19. Jahrhunderts dazu übergingen, ihre Weinberge auszustocken und dort Obst- und Beerengärten anzulegen, deren Erzeugnisse leichter auf den Stuttgarter Märkten abzusetzen waren. An die ausgedehnten Beerenfelder in Sillenbuch erinnern der "Himbeerweg", der "Brombeerweg", der "Erdbeer-" und der "Brestlingweg".
"Hauptstraße, Weinberggasse, Brunnengasse" ? dies sind alte Straßennamen, die es heute nicht mehr gibt. Welche Namen heutigen Namen weisen auf das alte Sillenbuch hin?
Mitten im Stadtteil gelegen, finden sich Straßen, deren Namen das Wort "Wald" beinhalten: Silberwaldstraße, Buowaldstraße, Äckerwaldstraße. Sie erinnern daran, das rund ein Drittel des heutigen Sillenbuchs vor etwa 100 Jahren noch vom Wald bedeckt war. Die Nutzflächen für die Landwirtschaft waren also sehr beschränkt. Der Wald war das Kapital der Gemeinde. Er diente beispielsweise als Viehweide: "Im Lauch", der Straßenname bedeutet nichts anderes als ein lichtes Wäldchen, ein Gehölz, in das man das Vieh zum weiden trieb. Das althochdeutsche Wort "loh, loch, lauch" findet sich in Ortsnamen wie Degerloch, Gütersloh, Waterloo, Oslo. Erst seit Luther ist dies Wort im Deutschen durch "Hain" ersetzt worden.
Und "Äckerwald" ist ein Wald, der zur Schweinemast diente. Und wenn wir bei den Schweinen sind: der "Wetteweg" hat seinen Namen von einer Wette, das heißt einem Gewässer, das als Viehtränke genutzt wurde. In Sillenbuch nannte man die Wette "Sauwette", weil dort offenbar noch um 1900 herum sich Wildschweine suhlten. Während des Zweiten Weltkriegs zum Feuerlöschteich ausgebaut, ist die ehemalige Sauwette heute das so beliebte Sillenbucher "Bädle".
Mehrmals musste der Wald dazu herhalten, um die Gemeinde und deren Bewohner vor allzu bitterer Armut zu bewahren. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden 61 Morgen Gemeindewald im Gewann "Kuhwasen" geschlagen, um durch den Verkauf des Holzes die Gemeindefinanzen wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen und um neues Nutzungsland für den Ackerbau zu gewinnen. Die "Neugütlestraße" weist auf diesen Tatbestand hin. Neues Ackerland war?s, das man gewonnen hatte, und Gütle waren es, kleine Flächen, in die das gerodete Gebiet geteilt wurde.
Dazu doch einige wenige Zahlen: die gesamte Gemarkung Sillenbuchs betrug damals rund 300 Hektar Fläche. Davon waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts gerade mal 40 Hektar Äcker und 47 Hektar Wiesen. Diese an sich schon geringe Nutzfläche war in 1.081 Parzellen geteilt, also in kleine und kleinste Äckerle, ein Acker war durchschnittlich knapp 10 Ar groß. Das hieß: Acker lag neben Acker, Wiese neben Wiese on sogenannter Gemengelage, also zum größten Teil ohne eigene Zufahrt. Wer also auf sein Feld wollte, musste zwangsläufig über den Acker des anderen gehen oder fahren. Diese Verhältnisse machten innerhalb einer Gemeinde eine strenge Reglementierung für den Feldanbau notwendig. Seit dem späten Mittelalter lag dieser Ordnung die sogenannte Dreifelderwirtschaft zugrunde, an die sich jeder im Dorf halten musste. Wie bei der Weinlese so war auch für Aussaat und Ernte je ein bestimmter Zeitraum festgesetzt. Daran erinnern ebenfalls zwei Straßennamen in Sillenbuch:
"In der Werre" und die "Zelgmadenstraße".
Eine Werre ist eine Schranke, die die Einfahrt zu einem verbotenen Weg auf ein Flurstück sperrt. Zelge heißt ein Drittel der Fläche bei der Dreifelderwirtschaft. Das Wort Mad schließlich bezeichnet eine Wiese, die nur einmal im Jahr gemäht wird, auf der sonst das Vieh weidet.
Und seit 1911 gibt es hier die "Madenstraße", über deren Schreibweise schon mancher verwundert war. Muß es denn nicht heißen: Mahdenstraße? Und tatsächlich, der Duden weist das Wort mit einem "h" aus. Doch das Schwäbische Wörterbuch (Anfang des letzten Jahrhunderts von Hermann Fische in sieben dicken Bänden begonnen) gibt der Sillenbucher Schreibweise Recht: im Schwäbischen schreibt man "Mad" eben ohne "h".
Die heutige Buowaldstraße, die aus dem Ort hinaus führte, hieß seinerzeit "Stuttgarter Straße", sie war der Verbindungsweg vom alten Sillenbuch über die Stelle nach Stuttgart, und nicht die heutige Kirchheimer Straße. Kein vernünftiger Mensch wäre ja auf die Idee gekommen, erst den steilen Buckel hinauf auf die Ebene und dann wieder hinunter zu gehen.
Die Namen der Straßen sagen also auch etwas über die geringe Ausdehnung des alten Ortes aus: "Stuttgarter Straße" hieß also die Buowaldstraße, "Riedenberger Straße" die Tuttlinger Straße von der Madenstraße an bergaufwärts, "Degerlocher Straße" nannte sich die Straße In der Werre noch bis in die 1920er Jahre. Später wurden die Straßennamen dann weiter nach außen verschoben. Sillenbuch hatte sich vergrößert. Die "Riedenberger Straße" war nun nicht mehr im alten Ort, sondern wirklich die Verbindung zum Nachbardorf, die heutige Spaichinger Straße, und die "Degerlocher Straße" war ebenfalls weiter nach außen gewandert, die heutige Trossinger Straße hieß so.
Durch das rapide Wachstum des Ortes in den 1930er Jahren wurden im großen Umfang Um- und Neubenennungen von Straßen erforderlich. Auslöser für den Sillenbucher Bauboom war die Einrichtung der Straßenbahnlinie 10 im Jahre 1930, mit der nun eine bequeme Verbindung nach Stuttgart geschaffen war. Ständiger Motor und Antreiber dieser Straßenbahnverbindung war der damalige SPD-Gemeinderat Eduard Steinle, dessen Verdienste mit der Benennung einer Straße mit seinem Namen im Jahre 1945 anerkannt wurde: die "Eduard-Steinle-Straße".
Zwischen der Oberwiesen- und der Trossinger Straße entstand ein völlig neuer Ortsteil, Neu-Sillenbuch, wie man damals sagte. Die neu entstandenen Straßen erhielten schöne Namen: Blumenstraße, Birkenstraße, Lindenstraße, Panoramastraße, Waldstraße.
Das Jahr 1933 bedeutete auch für die Sillenbucher Straßen einen Einschnitt. Die neuen NS-Herrscher tauften hier, wie überall in Deutschland, Straßen nach ihren Größen um. In Sillenbuch gibt es alsbald einen Adolf-Hitler-Platz und eine Horst-Wessel-Straße. Übrig geblieben aus der Nazi-Zeit bis heute ist eine Kuriosität. Die Straßen im Gebiet zwischen der Rudolf-Brenner-Straße und der Liliencronstraße wurden nach Kriegs- und Fliegerhelden des Ersten Weltkriegs benannt: der Heinrich-Gontermann-Weg, der Werner-Voß-Weg, der Paul-Bäumer-Weg und andere. Auch Hermann Löns und Walter Flex bekamen ihre Straßen nicht, weil sie Schriftsteller waren, sondern weil sie im Krieg gefallen sind.
Zu einer Groteske wurde diese Kuriosität mit der Umbenennung einer dieser Krieger-Straßen im Jahre 1946 nach der zwanzig Jahre lebenden Clara Zetkin. So fristet also die bekannte Frauenpolitikerin, die sich vor und während des Ersten Weltkriegs für den Frieden ausgesprochen hatte, ihr Straßendasein mitten zwischen den Weltkriegskämpfern.
Die umfangreichste Neuordnung der Straßen wird mit der Eingemeindung Sillenbuchs nach Stuttgart im Jahre 1937 fällig. Derselbe Name darf nämlich nicht für zwei Straßen innerhalb einer Gemeinde vorkommen, um Verwechslungen vorzubeugen. Da Sillenbuch innerhalb der Stadt Stuttgart weniger Gewicht hatte als die Stuttgarter Innenstadt oder als schon lange vorher eingemeindete Orte wie Gablenberg oder Feuerbach, werden bei uns alle Straßen umbenannt, deren Namen anderweitig in Stuttgart bereits vorhanden sind. Dies trifft: die Brnnengasse, aus der die Bußbachstraße wird, die Stuttgarter Straße wird die Buowaldstraße, aus der Birkenstraße wird die Rankestraße, aus der Friedhofstraße die Treiberstraße.
Die Bezeichnung "Treiberstraße" führt uns zum letzten Kapitel der Sillenbucher Straßengeschichten. Wo finden sich die Namen echter Sillenbucherinnen und Sillenbucher oder solcher Personen, die eng mit Sillenbuch verbunden waren, auf den Straßenschildern wieder? In den 40er und 50er Jahren kamen dazu die "Schweitzerstraße", die "Oelschlägerstraße" und der "Ruffweg". Diese Straßen tragen die Namen alter Sillenbucher Familien. Eine Familie Strauß gibt es bereits im 17. Jahrhundert in Sillenbuch, einen Straußweg aber nicht. Der Grund ist einfach: bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts existiert ein Straußweg in Stuttgart-Ost, benannt nach David Friedrich Strauß, dem bekannten Theologen und Philosophen.
Die Clara-Zetkin-Straße wurde bereits erwähnt. Clara Zetkin und ihr Mann, der Kunstmaler Friedrich Zundel , beziehen 1903 ihr Haus in der Kirchheimer Straße 14. In zweiter Ehe heiratet Zundel Paula Bosch; beide bauen in der Kirchheimer Straße neben dem alten Haus eine Villa und ein großes Atelierhaus. 1932 benennt der Sillenbucher Gemeinderat nach dem Maler eine Straße, die "Friedrich-Zundel-Straße". Eigentlich ein ungewöhnlicher Vorgang, denn üblicherweise werden Straßen erst nach dem Tode der Namensgeber nach ihnen benannt.
Im Gebiet der "Neugütle", das erst in den 50er Jahren so richtig erschlossen wird, liegen die "Bazlenstraße" und die "Göllerstraße". Beide sind nach verdienstvollen Sillenbucher Lehrern aus dem 19. Jahrhundert benannt. Georg Julius Bazlen war der erste Lehrer an der Sillenbucher Schule, er unterrichtete hier von 1820 bis 1836. Warum der Nachfolger Bazlens ale Lehrer in Sillenbuch, ein Mann namens Schüssler, keine Straße verdient hat, ist nicht bekannt. Ernst Karl Göller jedenfalls war erst der dritte Lehrer am Ort.
Erst in den 80er Jahren kamen wieder Sillenbucherinnen und Sillenbucher zu Straßenehren. 1989 wird die erweiterte Einmündung der Eduard-Steinle-Straße in die Oberwiesenstraße, also gar kein wirklicher Platz, zum "Johann-Heinrich-Strauß-Platz" erhoben. Dieser Johann Heinrich Strauß war 22 Jahre lang Schultheiß der Gemeinde und hat diese Ehre verdient. In seiner Amtszeit fällt die Modernisierung des Ortes: 1903 wird die Wasserleitung gebaut, 1907 das neue Rathaus gebaut, 1909 elektrischer Strom in die Ortschaft gelegt.
1986 erhielt der frühere Feldweg und heute beliebte Spazierweg entlang des Eichenhains bis zum Sillenbucher Markt den Namen "Ilse-Beate-Jäkel-Weg". Er erinnert an die bekannte Malerin, die 49 Jahre in ihrem Haus in der Trossinger Straße lebte.
Vergeblich sucht man jedoch in Sillenbuch Straßen nach den Namen Anna Haag und Hermann Reichert. Anna Haag, die bekannte Schriftstellerin und engagierte Demokratin, die zeitweise Vorsitzende der Internationalen Frauenliga für Freiheit und Frieden war, die während der NS-Diktatur mit Publikationsverbot belegt wurde, sich nach dem Krieg sofort für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft in Deutschland einsetzte, Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung und später Landtagsabgeordnete war, Anna Haag wohnte seit 1939 mit ihrer Familie in der Landstadt und lebte in Sillenbuch bis 1953, dann zog sie nach Birkach.
Hermann Reichert wurde in Sillenbuch geboren und ist nach einem langen, 84 Jahre währenden Leben 1974 auch hier gestorben. Der Maler, Kunstmaler, Obst- und Beerenbauer war eine echte Sillenbucher Institution. Er war so gut wie allen Einwohnern bekannt, wenn er mit seinem Handwägele durch den Ort oder durch die Obstgärten zog. So manches Sillenbucher Haus wurde von dem Handwerker-Maler H.R. angestrichen, und in vielen Sillenbucher Wohnungen hängen Bilder des Kunst-Malers H.R. Auf ihnen ist die alte unverbaute Sillenbucher Landschaft festgehalten. Aber "richtig" malen konnte er eigentlich nur sonntags; seine Frau achtete darauf, dass er auch sein Handwerk ausübte, Schließlich musste ja regelmäßig Geld ins Haus kommen. Dabei war H.R. beileibe kein Sonntagsmaler, er hatte eine gründliche Ausbildung, ein Studium auf der Kunstakademie hinter sich.
Die Sillenbucher täten ein Gutes, sich beider, Anna Haag und Hermann Reichert, zu erinnern, in dem sie eine Straße oder einen Weg nach ihnen benennen würden. Verdient, jedenfalls, hätten beide.