Clara Zetkin und ihre Sillenbucher Zeit

Von Dr. Hans-Georg Müller

Der Stuttgarter Kriminalsekretär Roell schrieb am 4. Januar 1892 einen Bericht an die Königliche Stadtdirektion folgenden Inhalts: "Am 24. Januar 1891 ist in hiesige Stadt angezogen: Eißner, Clara Josephine mit zwei unehelichen Kindern. Beide sind in Paris geboren und zwar das eine im Jahre 1883 und das andere im Jahre 1885. Beide Kinder besuchen die Hayersche Elementarschule Rotebühlstraße 33 ½ und sollen dieselben den Namen Zetkin führen, wozu die Eißner nicht berechtigt sein dürfte. Ich bringe hiemit die Eißner wegen unrichtiger Namensführung ihrer Kinder zur Anzeige. Dieselbe wohnt Rotebühlstraße 147, 4. Stock." Die Polizei suchte also einen Grund, die Clara Zetkin aus Stuttgart abzuschieben. Bei einem anschließenden Verhör auf der Stuttgarter Stadtdirektion konnte sie aber die Geburtsscheine der beiden Söhne vorweisen, ausgestellt vom Pariser Standesamt, auf denen die beiden Buben mit dem Namen Zetkin eingetragen waren, weil ihr Vater so hieß. Darauf verfügte die Stadtbehörde: "Das gegen die Eißner eingeleitete Strafverfahren ist mangelnden Tatbestandes halber einzustellen." Aber die Polizei ließ nicht locker. Nun wurde versucht, ihre Staatsangehörigkeit als Hebel für eine Ausweisung zu benutzen. Auch vergeblich, die Juristen des Innenministeriums verfügten: " ist zweifelsfrei festgestellt, dass die Eißner sächsischer Staatsangehörigkeit ist und - da sie nicht vorbestraft ist - nach dem Freizügigkeitsgesetz aus Stuttgart nicht ausgewiesen werden kann. Doch wird ihr Tun und Treiben stets überwacht werden." Der frühere Sillenbucher Dorfpolizist Ernst Baur veröffentlichte 1984 ein kleines Büchlein, aus dem ich ein Gedicht zitieren möchte: "A nett's Erlebnis aus meiner allerfrühesta Jugend? (1910 oder 1911) Als kloiner Bub mit fenf, sechs Jahr Han i scho Geld verdient - s'ist wahr. Wia i d'Kirchheimer Straß naus lauf Ond Veigelessträußla verkauf Kommt am letzta Haus da lenks A Frau raus ond sagt, Bua komm brengs Ond kauft m'r om 5 Pfennich Stück Da Rest voll ab - i war em Glück! 30 Pfennich hane da kassiert Ond denk na, was isch jetzt bassiert? Weil des war selbichsmal viel Geld! 10 Brezaza! - o heile Welt! Ond na secht selbichsmal dui Frau Zo mir - des woiß i no genau: "Bua kast m'r du en Hasa b'sorga? Weil i han d'Wäschfrau Mödichmorga! Wer schafft, der braucht au a guats Essa! Des derfemer gar nia vergessa ! Breng's Häsle g'schlachtet da vorbei.? I hans versprocha ond halt's ei! Se hat mer na 6 Märkla zahlt Ond i han bei meim Vatter prahlt: Von dera Frau des war doch schö! Ond des ischt Clara Zetkin gewä! Clara Zetkin - eine gefährliche Person ? eine gute Frau ? Warum interessierte sich die politische Polizei denn so sehr für die 34jährige, die mit ihren beiden sechs und acht Jahre alten Söhnen in der Rotebühlstraße wohnte? Herkunft und Beruf waren doch nicht auffällig. Clara Eißner stammte aus einer bürgerlichen Familie. 1857 wurde sie als Tochter eines Lehrers in Wiederau in Sachsen geboren. Sie wollte den Beruf des Vaters ergreifen und legte mit 22 Jahren ihr Lehrerinnenexamen in Leipzig ab. Aber: 1880 war sie dann, mit 23 Jahren, aus politischen Gründen aus der Heimat emigriert, hatte in Paris mit dem russischen Sozialisten Ossip Zetkin zusammengelebt und mit ihm zwei Söhne, war nach dem Tod Zetkins (er starb 1889 an Tuberkulose) nach Deutschland zurückgekehrt, hatte in der Stuttgarter Rotebühlstraße Wohnung und Arbeit beim linken Dietz-Verlag in der Furtbachstraße gefunden, und im Nachbarhaus in der Rotebühlstraße persönlichen Kontakt geknüpft zu der Familie des Robert Bosch. Gründe genug offensichtlich für die Stuttgarter Polizei, diese lästige Person, die als politische Schriftstellerin den Namen Clara Zetkin führte, loswerden zu wollen. Mit der Herausgabe der Zeitschrift "Die Gleichheit - Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen" im Dietz-Verlag hatte Clara Zetkin ihr politisches Thema gefunden: Die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Auf dem Internationalen Arbeiterkongreß in Paris 1899 sprach die 42jährige gegen die Abschaffung der Frauenarbeit. Nur in der ökonomischen Unabhängigkeit durch eigene Arbeit sieht sie die Möglichkeit einer Emanzipation der Frauen. Und diese kann nach ihrer Meinung nur in einer sozialistisch organisierten Gesellschaft verwirklicht werden. Damals ein revolutionärer Gedanke, nicht nur für die Kinder-Küche-Kirche-Ideologen, sondern auch für viele von Zetkins SPD-Genossen. Hier drehte jemand die bisherigen Vorstellungen dialektisch um. In zahllosen Artikeln und Broschüren, die auch in fremde Sprachen übersetzt wurden, setzte sie sich für die Emanzipation der Frauen ein. So wurde Clara Zetkin zu Beginn unseres Jahrhunderts zu einer der führenden Vorkämpferinnen für die Gleichstellung der Frauen - und sie wurde gehört, ihr Wort hatte Gewicht. So wurde am 8.März 1911 auf ihre Initiative hin zum ersten Mal der Internationale Frauentag begangen. Aus derselben Haltung heraus wurde Clara Zetkin zur entschiedenen Gegnerin des Krieges. 1913/14 - am Vorabend zum 1. Weltkrieg - wandte sie sich vehement gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. In diesem Zusammenhang ist ihr Wort zu verstehen: "Ich will dort kämpfen, wo das Leben ist." Diese ihre antimilitaristische Haltung veranlasste den damaligen deutschen Kaiser Wilhelm II. zu der Feststellung, sie sei "die schlimmste Hexe in Deutschland". 1915 - schon während des Krieges - sprach sie auf dem Frauenkongreß in Bern. Zurückgekehrt wurde sie wegen "Landesverrat" angeklagt und vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Wieder holten sie ihre Herkunft und ihre Vergangenheit ein. Sie war keine württembergische Staatsangehörige, ihre Auslandsaufenthalte, die Zeit der Emigration in Frankreich, ihre Verbindung zu russischen Emigranten - all dies wurde gegen sie vorgebracht. Clara Zetkin - eine feindliche Spionin gar? Gleich nach Kriegsausbruch fand bei ihr eine Hausdurchsuchung statt, im Nachbarhaus quartierten sich Polizeispitzel ein. Aber nicht nur mit der Polizei, auch mit den eigenen Parteifreunden bekam sie Schwierigkeiten. Hauptstreitpunkt war die Bewilligung der Kriegskredite durch die Reichstagsfraktion der SPD im August 1914. Dabei hatte die Clara Zetkin eine steile Parteikarriere hinter sich. Bereits 1895 rückte sie als erste Frau - und noch nicht einmal 40jährig - in die Führungsspitze der Sozialdemokraten auf, 1909 bis 1917 gehörte sie dem Parteivorstand an, auf internationaler Ebene war sie Erste Sekretärin der Internaionalen Frauenbewegung. Clara Zetkin war vor dem Ersten Weltkrieg die Vorzeigefrau der deutschen Sozialdemokratie und einer der bekanntesten Frauenpolitikerinnen in Europa. 1917 kam es zum endgültigen Bruch mit der SPD. Clara Zetkin begrüßte die Leninsche Revolution in Russland vorbehaltlos als ersten Schritt zur Verwirklichung der sozialistischen Weltordnung. Zeit ihres Lebens blieb sie eine überzeugte Anhängerin Lenins, seiner Ideologie und seiner Politik. Nie nahm sie eine kritische Haltung gegenüber der bolschewistischen Revolution ein, wie sie etwa ihre enge Freundin Rosa Luxemburg formulierte. Ein Satz wie der von Rosa Luxemburg "Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden" findet sich bei Clara Zetkin nicht. 1917 wurde sie vom württembergischen Landesvorstand der SPD als Redakteurin entlassen; sie trat den Linkssozialisten der USPD bei. 1919 zog sie als USPD-Abgeordnete in die württembergische Verfassungsgebende Landesversammlung ein. Im gleichen Jahr noch trat sie der neugegründeten Kommunistischen Partei bei. Von 1920 bis 1933 war sie als Abgeordnete der KPD Mitglied des Deutschen Reichstags. Aber: Clara Zetkin spielte in der deutschen Kommunistischen Partei nur eine zweitrangige Rolle, wurde allerdings von der KPD als internationales Aushängeschild benutzt. Dieses Zurücktreten der Clara Zetkin aus einer führenden politischen Rolle wurde von parteioffizieller Seite und nach 1945 von SED-Historikern mit ihrer körperlichen Gebrechlichkeit erklärt. Tatsächlich nahm ihr Augenlicht seit den 20er Jahren rapide ab und seit Mitte der 20er Jahren war Clara Zetkin praktisch so gut wie erblindet. Doch nach Öffnen der SED-Archive im Jahre 1990 wissen wir: dies ist nur die halbe Wahrheit. Clara Zetkin wurde eine entscheidende Einflussnahme auf die Linie der deutschen KP verwehrt, weil sie den Schwenk der deutschen Kommunisten unter der Führung Thälmanns zum Stalinismus nicht guthieß. So sehr sie Lenin bewunderte, so sehr hielt sie Distanz zu Stalins Ideologie und zu Stalins Methoden. Dennoch blieb sie dank ihrer Bekanntheit ungefährdet, auch in Moskau, wo sie neben ihrem Wohnsitz in Birkenwerder bei Berlin seit Mitte der 20er Jahre lebte. Noch einmal trat Clara Zetkin - nun 76jährig - in die deutsche Öffentlichkeit. Am 30. August 1932 eröffnete sie als Alterspräsidentin im Berliner Reichstagsgebäude das neugewählte deutsche Parlament. Die Worte, die sie dabei sprach, zeigen die Entrücktheit der fast erblindeten, kranken Greisin von der deutschen Wirklichkeit des Jahres 1932 in fast tragischer Weise: "Ich eröffne den Reichstag in Erfüllung meiner Pflicht und in der Hoffnung, trotz meiner jetzigen Invalidität das Glück zu erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongreß des Sowjetdeutschland eröffnen zu können." Dann übergab sie statutengemäß die Präsidentschaft einem Vertreter der stärksten Fraktion des Parlaments, dem Nationalsozialisten Hermann Göring! Am 20. Juni 1933 starb Clara Zetkin in einem Erholungsheim in Archangelskoje bei Moskau. Stalin und Molotow trugen neben anderen Sowjetgrößen ihren Sarg zur letzten Ruhestätte im Kreml. Ihre persönliche Lauterkeit ist bei allen politischen Gegensätzen grade auch von ihren politischen Kontrahenten (den Nazis selbstredend ausgenommen) nie in Frage gestellt worden. Was hat dies Leben nun mit Sillenbuch zu tun? Alles begann mit einer außergewöhnlichen Heirat. 1899 schlossen der Kunstmaler Friedrich Zundel und die Journalistin Clara Zetkin auf dem Stuttgarter Standesamt die Ehe. Außergewöhnlich deshalb: die Braut war 42 Jahre alt, der Bräutigam gerade 24 Jahre. Zudem brachte die Frau zwei Söhne im Alter von 16 und 14 Jahren mit in die Ehe. Diese "unmögliche" Verbindung der Clara Zetkin widersprach nicht nur bürgerlichen Moralvorstellungen, auch der Vorsitzende der SPD, August Bebel, schrieb der Zetkin seine ernsthaften Bedenken und machte ihr Vorhaltungen, schließlich sei sie ja keine x-beliebige Privatperson, sondern eine bekannte Politikerin, sie müsse ihre öffentliche Stellung bedenken und die abträgliche Wirkung nach außen, usw. usf. Clara Zetkin ließ sich aber nicht beirren und heiratete ihren jungen Maler. Und fast zwanzig Jahre ging die Ehe dann auch recht gut. 1904 zog die Familie Zetkin/Zundel in ihr neues Haus nach Sillenbuch, in die heutige Kirchheimer Straße 14. Das Gebäude fällt noch heute auf. Wer aus Richtung Ruhebank nach Sillenbuch kommt, sieht rechter Hand ein schönes Landhaus stehen, mit verbrettertem Dachgeschoß, mit einem Halbwalmdach, mit Jugendstilschnitzereien an Fenstern, Türen und Balkonen und mit schönen Bäumen im Garten. Dies ist das Haus, das sich das Paar nach Entwürfen Friedrich Zundels 1903 bauten. Wie konnten sich der junge Kunstmaler und die sozialistische Redakteurin ein solches Haus mit großem Anwesen leisten? Friedrich Zundel hatte bereits zu der Zeit lukrative Portraitaufträge für eine reiche Kundschaft durch Vermittlung des Stuttgarter Kunstmäzens Graf Casanova. Und der Grund und Boden war seinerzeit billig in Sillenbuch; gerade mal eine Mark zahlten die beiden für den Quadratmeter Bauland. Wie das? Sillenbuch war um die Jahrhundertwende ein kleines, abseits gelegenes Dorf mit etwa 850 Einwohnern. Der Ort lag unten im Tal, oben an der heutigen Kirchheimer Straße waren Äcker und Wiesen, lag einsam das Ausflugslokal zur "Wilhelmshöhe". Es war den Sillenbuchern ziemlich unverständlich, dass sich da oben jemand ein Wohnhaus baute, so weit ab vom eigentlichen Dorf und noch direkt am Wald gelegen. Doch oben in der Kirchheimer Straße wurde das Haus von Clara Zetkin bald zu einem Treffpunkt der sozialistischen Prominenz (1907 übernachtete sogar Lenin dort). Häufigster und liebster Gast im Sillenbucher Haus ist Rosa Luxemburg. Von ihrer Hand haben wir auch die schönsten Beschreibungen der ländlichen Idylle am Rande des Silberwalds. In einem Brief vom April 1909 schrieb sie an die abwesende Hausherrin: "Seit Du fort bist, haben wir nur einen sonnigen Tag gehabt, sonst nur stillen Frühlingsregen. Der Garten gedeiht, die Kirschbäume sind ganz in Blüte, ebenso die Forsytien. Die zwei eigenartigen Pflaumenbäumchen am Eingang zu der großen Gartenallee blühen ganz blaß blau-rötlich, auch das Mandelbäumchen öffnet sich, der Pfirsich ist halb offen, die ersten Birn- und Apfelbäume sind aber nicht so fürwitzig und warten erst mit der Myriadenzahl von Knospen auf Deine Ankunft. <...> Die Katzenfamilie ist wohl. Die Kleinen werden sorgsam gehütet und gemästet von Costia und mir <...> Ich arbeite den ganzen Tagmund fühle mich ausgezeichnet. Der Kuckuck hört nicht auf bei diesem dumpfig feuchten Wetter, abends aber geben die ?Vroschen? ein Konzert." Obwohl der Lebensstil der Clara Zetkin und des Friedrich Zundel und ihr Bekanntenkreis - auch viele Künstler fanden den Weg nach Sillenbuch - ganz anders geartet waren als das Altsillenbucher Milieu, stellte sich bald ein gutes Verhältnis zwischen den Alteingesessenen und den Neuzugezogenen her. Die Zetkin erkannte sehr rasch die - oft verheimlichte - Not in vielen Sillenbucher Familien und sie half. Mit regelmäßigen Geldspenden an die Armenkasse der Gemeinde, mit Weihnachtspäckchen für die Dorfkinder, mit getragener Kleidung, aus der ihre Söhne herausgewachsen waren; den aus Stuttgart zurückkehrenden Marktfrauen kaufte sie meist ihre dort nicht abgesetzten Waren ab, Friedrich Zundel fuhr öfters mit seinem 1907 erworbenen Auto in Notfällen Patienten in ein Krankenhaus nach Stuttgart. Das Waldheim in Sillenbuch hätte 1909 nicht errichtet werden können ohne die tatkräftige Mithilfe der beiden. Friedrich Zundel nutzte seine guten Beziehungen zur Gemeindeverwaltung, damit die Kommune dem Waldheimverein den Grund und Boden zu günstigen Konditionen verkauft, Clara Zetkin sorgte dafür, dass Robert Bosch eine kräftige Spende machte. Noch Ende der 30er Jahre stellt der evangelische Pfarrer von Sillenbuch in seinem Pfarrbericht fest: die skeptische Haltung vieler Alt-Sillenbucher dem Nazi-Regime gegenüber sei wesentlich auf den Einfluß der Clara Zetkin zurückzuführen. Und doch blieb das Verhältnis zu den Sillenbuchern nicht völlig ungetrübt, das hatte vor allem politische Gründe. Clara Zetkins pazifistische Haltung bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs widersprach der allgemeinen Begeisterung in der Bevölkerung, auch der in Sillenbuch. Der Übertritt der Zetkin von der SPD zu den Kommunisten wurde von den meist konservativen Sillenbuchern SPD-Mitgliedern nicht verstanden. Dennoch: Als Clara Zetkin 1919 - nach der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs - auch auf der Todesliste der Rechtsterroristen stand und auch ein Überfall auf ihr Sillenbucher Haus unternommen wurde, bewachten wochenlang jede Nacht freiwillige Helfer aus Sillenbuch das Anwesen "ihrer" Clara. Auch im ganz persönlichen Leben der Clara Zetkin haben die Sillenbucher zwanzig Jahre nicht nur positive Seiten. Die Ehe des ungleichen Paares blieb nicht bestehen. Bereits 1914, als sich Zundel freiwillig zum Militärdienst meldete, deuteten sich Differenzen an. Diese wurden verstärkt durch den Übertritt der Zetkin zur KPD. Und die Bekanntschaft zur Familie Bosch führte letztlich zur Trennung des Paares. Friedrich Zundel wendete sich der Tochter Paula zu. Seit Anfang der 20er Jahre war die Ehe zerrüttet, die enttäuschte alte Frau widersetzte sich jedoch einer förmlichen Trennung, erst 1928 wurde die Ehe geschieden. Clara Zetkin lebte ja schon seit 1924 in Birkenwerder. Ihr Sohn Costia löste den Haushalt in Sillenbuch auf und verkaufte das Haus in der Kirchheimer Straße. Etwa zwanzig Jahre hat Clara Zetkin in Sillenbuch gelebt. Der Gemeinderat der Stadt Stuttgart hat 1946 eine Straße in Sillenbuch nach der prominenten Bewohnerin des Ortes benannt.
Der Text ist ein Vortragsmanuskript, gehalten am 16. November 1995 vor dem Gesprächksreis der Katholischen Kirchengemeinde St. Michael Sillenbuch.

Weitere ortshistorische Artikel über Sillenbuch von Dr. Hans-Georg Müller finden Sie in der HGM-Übersichtssite.
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