
20.April 2002
" Wenn ich mich im Herzen Gottes befinde,
gibt es kein Hasten von hier nach dort,
denn ich bin bereits angekommen."

Ein Abschiedsbrief als Trauerrede:
3.5.2002

Lieber Papa
es freut uns, daß du so einen schönen Urlaub verbracht hast. Danke für die schönen Sachen, die du für uns ausgesucht hast, wir werden sie in Ehren halten. Die Mutti hat erzählt, daß ihr schönes Wetter hattet, und daß ihr viel gelacht habt!
Na klar, mit dir ists halt immer eine Gaude!

Kannst dich noch an unsere früheren Urlaube erinnern, wie wir mit unserem alten, kleinen, orangenen Auto auf der Autobahn Richtung Italien gedüst sind!? Wenn wir ein anderes Auto überholen wollten, haben wir alle vier gemeinsam „hauruck“ gerufen, damit wir es schafften.
Gott, haben wir gelacht!

Du hast uns immer das Gefühl gegeben, daß man gemeinsam alles schaffen kann!
Nie hast du uns ausgeschlossen, auch nicht beim Zelt aufbauen, oder beim Wohnung tapezieren. Weißt noch, wie wir die Küchenmauer alleine weggestemmt haben, boah, war das eine Arbeit, und wie wir dreckig waren, aber was waren wir stolz, als wir das geschafft hatten!! Alles hast du uns mitmachen und ausprobieren lassen.
DU hast dich sowieso schon immer über alles drüber getraut!

Meine Güte, was hast du nicht alles gemacht. Immer hast du geschufftet, nein, so kann man das gar nicht sagen, für dich war das keine Schuffterei, du hast das gebraucht! Alles wolltest du probieren, alles hat dich interessiert! Aber kein Hektiker, nein, alles mit Bedacht! Alleine dir Gartenarbeit! Wieviele Gärten hast du eigentlich bislang betreut?
Immer das Beste geben, alles probieren und niemals aufgeben...typisch Papa!


Wievielen Menschen bist du schon mit Rat und Tat zur Seite gestanden? Für jeden hattest du ein offenes Ohr, an allem hast du Anteil genommen! Und dein Keppeln, folglich als Ventil für Dinge, die dir sehr nahe gegangen sind und dein Herz zu sehr berührten... haben wir doch sowieso längst durchschaut.

Haben wir dir eigentlich jemals gesagt, wie dankbar wir sind, dich als Vater zu haben!




Wie stolz wir immer von deinen Aktivitäten erzählt haben. Die Gogartfahrten in Italien, die traumhaften Urlaube, deine Tätigkeit im Pensionistenclub, dein Hobby das Fischen, der Fallschirmflug 1998, die Ballonfahrt 2000, die Computerkurse im vergangenen Monat, dein beachtlicher sportlicher Ehrgeiz auf deinem Rennrad, deine kilometerweiten Spazier – und Wandertouren, und so weiter, und so weiter, man kann ja kaum alles aufzählen.
Tja, schlichtweg ein Tausendsassa.
Dennoch war die Familie immer das Wichtigste für dich!



Wenn wir krank waren, bist du auch an unserem Bett gesessen, hast deiner Tochter über den Kopf gestreichelt, und gesagt, „schlaf mal, und wenn du aufwachst ist wieder alles gut“. Du hattest recht damit! Ja, man konnte dir einfach vertrauen!


Mit Mutti hast du uns eine vorbildliche Ehe vorgelebt und mit uns Kindern war sie der Mittelpunkt deines Lebens. Die Enkel, Markus, Melanie und Mario, dein Ein und Alles, und auch sie haben dich von anfang an abgöttisch geliebt.
Du warst immer nur dann glücklich, wenn auch bei uns alles in Ordnung war!
“Wie hob´mas?“
„Ois laiwaund?
„halt die Ohren steif!“
... deine Standardworte.




Nun sollst du aber angeblich nicht mehr nach Hause kommen...nie wieder!
Das können wir uns gar nicht vorstellen! Wie soll das denn weitergehen – ohne dich!?!?!? Wir hatten doch noch sooooooo viel vor, hast du das etwa vergessen? Wir hätten dich noch so sehr gebraucht!
Wir wollten dir noch so viel sagen!
Papa, es war einfach viel zu früh, weißt du! Wie sollen wir das jemals verstehen können? Was sollen wir bloss deinen geliebten Enkeln erklären?
Aber nun, wenn es so sein soll...Wir werden es schon irgendwie schaffen. Papa, wir versprechen dir, dass wir uns zusammenreissen werden, wie du immer so schön sagst!
Wir werden in deine Fußstapfen treten, und versuchen deine Lebensphilosophie aufrecht zu erhalten.
Wir werden tapfer sein, und das Schöne im Leben nicht vergessen! Auch wenn es nie wieder so sein wird wie mit dir!
Unersetzlich und unvergessen bis in alle Ewigkeit. Du wirst uns wahnsinnig fehlen.
Mit dir ist auch ein Teil von uns gegangen, aber wo immer du auch bist, wir wissen dass du dennoch immer irgendwie da bist und auf uns aufpasst.

In unserem Herzen wirst du für alle Zeit weiterleben!



Machs gut, und halt die Ohren steif, bis wir uns dann irgendwann mal wiedersehen.
In ewiger Liebe und Treue,
deine, dich vom ganzen Herzen liebenden Töchter
(c)byClaudschi







Ihr mögt mich ja vermissen - aber laßt mich gehen,
wenn ich am Ende meines Weges angekommen bin
und meine Sonne sich dem Untergehen zuneigt.
Bitte keine Ritualien in einem mit Trübsinn geschwängerten Raum.
Warum weinen um eine befreite Seele?

Vermißt mich ein wenig - aber nicht zu lange.
Und schon gar nicht mit hängenden Köpfen.
Erinnert euch der Liebe, die wir geteilt haben,
vermißt mich, aber laßt mich gehen!
Wir alle haben einmal diese große Reise anzutreten
Und jeder von uns muß sie allein antreten.
Das alles ist Teil des Herrns Wille
ein Schritt auf dem Weg nach Hause.

Wenn ihr euch einsam fühlt und euer Herz wird schwer,
geht zu unseren Freunden, die wir kennen
und begrabt eure Sorgen mit guten Taten.
Vermißt mich - aber laßt mich gehen.











Wenn ich sterbe, bitte ich dich,
steh nicht am Grab, beweine mich nicht.
Spiel keine traurige Musik,
sing vom Leben und vom Glück!
Laß bloß keinen Pfarrer in der Bibel lesen,
und erzähl wie gut ich gewesen.
Laßt bei mir bitte Gerechtigkeit siegen,
und begrabt mich nicht unter Lügen.
Ich war mal gut, ich war mal böse -
macht mich nicht besser als ich gewesen.
Am Ende werd ich doch selber wissen,
was ich tun oder lassen hätt müssen.
Das, was ihr begrabt in aller Stille,
ist im Endeffekt nur eine Hülle.
Indem die Seele gewisse Frist
hier auf dieser Erde ist.
Ganz gewiß seh ich euch zu,
wenn ihr mich bettet zur letzten Ruh.
Ich, die dann gewisse Zeit,
hier im Lande Frieden bleibt.
Und mich, wenn die Zeit gegeben,
reinstürze in ein neues Leben.

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