Internetnutzer kennen das: wirklichkeitsgetreu lodernde Flammen als Blickfang in Websites. Vor zwei Jahren schon existierte über die Freiwillige Feuerwehr Riedenberg eine privat angelegte Website, auf der als Blickfang lodernde Flammen integriert waren. Damalige selbstironische Bildunterschrift: "Wir machen auch Hausbesuche". Korrekt formuliert: es sind wirklich Hausbesuche, wenn es einmal brennt.
Unter www.ff-riedenberg.de gibt es seit Ende Januar 2001 eine Website, als deren Inhaber laut Impressum die Freiwillige Feuerwehr Stuttgart-FF.Abt.Riedenberg (FFR) genannt ist. Unter völligem Verzicht auf Web-Schnickschnack ist hier ziemlich viel zu erfahren über Aktivitäten, Probleme und Geschichte einer freiwilligen Vorortfeuerwehr.
In so kleinen Orten, wie es Riedenberg einmal war, wird jede Organisations- oder Vereinsgeschichte recht schnell auch zu einer ortsgeschichtlichen Darstellung. Gestützt auf die 1997 zum 75jährigen FFR-Jubiläum erschienenen Festschrift wird in der FFR-Website aufgezeigt, wie sich das Feuerwehrwesen im Örtchen am Eichenhain entwickelt hat. 1919 sei die damalige Pflichtfeuerwehr für Birkach (samt Riedenberg) in freiwillige Feuerwehren umgewandelt worden. Die Riedenberger Gründung sei dann im Jahr 1922 erfolgt. Damals sei in der Riedenberger Turnhalle, die dem Gesang- und Turnverein gehörte, ein Wagen mit Steig- und Schiebleiter, sowie eine Handspritze mit unterbrochenem Wasserstrahl stationiert gewesen, ergeben die spärlichen noch vorhandenen Unterlagen der FFR her.
Eine Archivrecherche ergab, dass die kleine Turnhalle am Eichenhain noch vom Turnverein Riedenberg wohl in Eigenarbeit vor 1907 erbaut worden ist. 1919 wurde der Turnverein mit dem Gesangverein verschmolzen zum Gesang- und Turnverein. Dieser wurde von den Nazis 1933 als missliebiger Verein aufgelöst wie viele andere Vereine. Nach dem Weltkrieg II hat sich dann der Gesangverein Riedenberg neu gegründet, wobei anscheinend auf eine Rückübertragung des Besitzes an der Turnhalle verzichtet worden ist.
1940 wurden einfache Umbauten am Feuerwehrhaus vorgenommen; Befehlsstation/Alarmzentrale für Kriegseinsätze bei Luftangriffen war das Gasthaus Rössle. Von 1949 bis 1975 war eine Schulung Riedenberger Feuerwehrleute nur möglich gewesen, weil Karl Dieterich seine Privaträume zur Verfügung stellte; nach Auflösung der Riedenberger Schule konnte das Riedenberger Schulhaus für Schulungen genutzt werden. Gemeindearmut, Krieg und Grossstadt-Vernachlässigung haben den Neubau der Riedenberger Feuerwehrstation unumgänglich gemacht.
Dieser Neubau-Fortschritt wurde von der FFR-Website anfangs nahezu wöchentlich mit neuen Fotos begleitet, die nun im Archiv noch ansehbar sind. Konnten die Riedenberger den Neubau der Turnhalle vor hundert Jahren fast täglich in Augenschein nehmen, wenn sie den Sandweg entlang Eichenhain und Hoher Bopser nach Stuttgart zur Arbeit gegangen sind, so war es anno 2001 für Gross-Riedenberg möglich, den Neubau-Fortschritt innen und aussen mitzuverfolgen, quasi in einer Art Riedenberger Web-Kino.
Weit über normale Websites hinaus geht auch die Präsentation von Lösch-, Ausrück- und Wachbezirk der Riedenberger Wehr ? Wasserleitungsnetzdarstellung inbegriffen. Ebenso neuartig für eine lokale Feuwerwehr-Website sind Herunterladungmöglichkeiten z.B. einschlägiger Bestimmungen aus der Strassenverkehrsordnung. Dasselbe gilt für eine Tauschbörse feuwehrspezifischer Gegenstände.
Eine Zugriffsstatistik der FFR-Site rundet das Bild sach- und fachkundig nicht nur webtechnisch ab. Oder haben Sie als Internet-User den Unterschied mitbekommen zwischen Session- und Pageview-Zählern ?
Fast schon von selbst versteht sich, dass auch die Darstellung aller Funktionsträger der Fire Brigade Riedenberg nicht zu kurz kommt. Viele Bilder zeigen Übungseinsätze. Ziemlich viele eMail-Adressen (mutmasslich jüngerer FFR-Mitglieder) zeigen an, wie modern man geworden ist. Danach befragt, ob eine Alarmierung der Firemans auch schon per Handy/SMS erfolgt, die Blitzantwort des FFR-Webmasters: No, Sir. Weil der Empfang nicht allzeit an jedem Ort gesichert sei. Es gäbe dafür ein besonderes Funknetz, das Erreichbarkeit z.B. auch in Kellerräumen herstellt.
Die Frage, ob ein Hilfsersuchen direkt an die Riedenberger Wehr möglich sei, wird ebenfalls negativ beantwortet. Die Informations- und Alarmierungsschiene laufe in Stuttgart über die Berufsfeuerwehr, die stadtweit die bestmöglichen Rettungsmöglichkeiten organisiere.
"Dies ist nicht die offizielle Homepage der Feuerwehr Stuttgart". Dieser Satz steht unübersehbar auf der Homepage-Startsite der Freiwilligen Feuerwehr Riedenberg. Wohl wahr: haben die Riedenberger Firebrigadiers doch mit www.ff-riedenberg.de etwas geleistet, was nicht nur vorbildlich ist für ganz Stuttgart, sondern
weit darüber hinaus. Das zeigen nicht nur die Eintragungen im FFR-Gästebuch, sondern auch die Teilnahme an einem Verbund von Feuerwehr-Websites. Die Englisch-Version der FFR-Site allerdings, die ist nach Meinung Sachkundiger noch verbesserungsfähig.
Kleine Randbemerkung des Riedenberger Chronisten: Betrachtet man Freiwillige Feuerwehren als lokale Vereine, so ist die FFR unversehens zum ältesten Riedenberger Verein, ja sogar zur ältesten Organistaion überhaupt geworden (die Kirchengemeinde entstand erst in den fünfziger Jahren). Der Turnverein ist in den Wirren von Nazi- und Kriegszeit untergegangen; der nach dem Krieg wiedergegründete Gesangverein musste in den neunziger Jahren (ebenso wie der Liederkranz Sillenbuch) wegen Überalterung seine Tätigkeit einstellen. Es bleiben somit nur noch sehr wenige Vereine übrig, die als Nachnutzer des alten Feuerwehrmagazins am Eichenhain und/oder des alten Schulhauses in Frage kommen könnten. Die Freiwillige Feuerwehr selbst wird ja demnächst optimale Arbeitsmöglichkeiten mit dem neuen Haus bekommen.
Dietrich Hiller
Der Artikel ist erschienen im Sillenbucher "Blättle" (Nussbaum Medien) am 3. Mai 2002 und wurde am alebn Tag in diese Website eingestellt; "Blättle"-Artikel werden in der Fassung in Websites eingestellt, die der Autor an die Redaktion gemailt hat. Bedingt durch redaktionelle Überarbeitungen können sich geringfügige Unetrschiede ergebn zwishen Print- und Internetfassung.