Lillis Weg

Lilli und Ilse haben ihre Ausbildung im Lettehaus beendet und Lilli begann ihre Lehre in einer Sparkasse, während Ilse sich zur Röntgenassistentin ausbilden ließ. Der Krieg brachte große Entbehrungen. Der Vater erholte sich nur schwer von einer Verwundung und war zur Erholung im Schwarzwald. Die Familie hatte jetzt nur noch das Notwendige zum Leben und Lilli steuerte einen Teil ihres Gehalts dazu bei, um Ludwigs Studium sicherstellen zu können.
Lilli fand sich nur schwer in ihrer neuen Stelle ein. An Fleiß fehlte es ihr nicht, aber Lillis Märchenwesen lenkte immer mal wieder von der Arbeit ab. Schwerer jedoch als Lilli hatten es Ilse und ihre Mutter. Der Vater war Kriegsgefangener in Rußland und da sie es nicht anders kannten, lebten sie in dem gleichen Luxus wie zuvor. Jedoch ereilte beide die böse Nachricht, daß das Geld aufgebraucht ist und daß sie ihre Villa mitsamt dem Inventar verkaufen mussten.
Lilli und Ilse machten sich also auf die Suche nach einer Wohnung und nach etlichen Schwierigkeiten fanden sie eine vier Zimmer Wohnung mit einer freundlichen, wenn auch eigenwilligen Wirtin. Für Mutter und Tochter war der Abschied schwer und auch an das neue Leben gewöhnten sie sich nicht so leicht.
Lilli aber brachte ein kleines armes Mädchen mit nach Hause, deren Geschichte sie zu einem neuen Märchen "Die Lumpenprinzessin" animierte. Das Kind war jedoch nicht einfach zu erziehen und nachdem die kleine Ingeborg erst bei Lillis Familie und dann bei Onkel Martin und Tante Gretchen in Pflege war, fand sie dann schließlich auf einem Gut in Ostpreußen ein neues Zuhause. Auch Lena Ritter ging als Lehrerin nach Ostpreußen.
Für Lilli tat sich unterdessen ein neuer Lebensweg auf. Nach langem Ringen entschied sie sich, eine Stelle als Sekretärin in einer Zeitungsredaktion anzunehmen. Nach mehr als zwei Jahren in der Fremde war auch endlich der Vater heimgekehrt, wenn auch noch nicht ganz gesundet.
Die neue Stelle war nun eher etwas für Lilli, als jedoch ihr Chef krank wurde, wird Doktor Rabe ihr neuer Vorgesetzter und nach langen Überlegungen gibt sie schließlich eines ihrer Weihnachtsgedichte anonym zum Abdruck an die Zeitung.
Endlich kehrte Ilses Vater aus der Gefangenschaft heim und mit ihm Sonja, die als Musikstudentin wieder Einzug bei Familie Steffen hielt. Mit Unterstützung der Freundin ersann sich Lilli ein Pseudonym und gab immer wieder eigene Werke an die Zeituing, die sehr begeistert aufgenommen wurden.
Doktor Rabe gegenüber hatte Lilli jedoch ein schlechtes Gewissen, als schließlich ein Märchenspiel von Lilli in einem Theater aufgeführt werden sollte, brachte sie nicht den Mut auf, ihm ihr Pseudonym zu verraten. Da nach der absolut erfolgreichen Aufführung der Autor auf die Bühne geholt wurde, erfuhr auch Dr. Rabe wer "Stefan Limann" war und seine Krikik in der Zeitung fiel als einzige nicht sehr positiv aus.
Nach einigem Hin und Her tauschte Lilli schließlich doch den Lorbeerkranz mit dem Myrthenkranz und Lilli und Hans Rabe zogen bei Frau Gemoll in die Wohnung ein, die Ilse vorher mit ihrer Mutter bewohnt hatte.
Anders als man es sonst bei Else Ury findet, ist es hier fast selbstverständlich, daß die jungen Mädchen arbeiten und Lillis dichterische Tätigkeit ist zwar anfangs nicht gern gesehen, jedoch aus anderen Gründen, denn über ihren Erfolg freuen sich schließlich alle. Auch die Schattenseiten des Krieges sind hier sehr deutlich zu spüren und lange nicht so "humorvoll" und "verherrlicht" dargestellt wie bei Nesthäkchen. Am Ende des Buches findet man die "Heldin" zwar auch verheiratet, jedoch wird dies nicht als einzig möglicher Ersatz für die berufliche Tätigkeit angepriesen.
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