Lilli Liliput

In dem Lehrerhaus der Familie Steffen wurde es lebendig. Die Zwillinge Lilli und Ludwig erblickten das Licht der Welt und obwohl Lilli die Ältere war, war das kleine Mädchen ausgesprochen winzig. Das blieb auch so als beide älter wurden und durch einen Zufall erhielt die Kleine den Kosenamen Liliput.

Mit ihrem Bruder Lulu verband sie innige Freundschaft und die beiden waren nur gemeinsam anzutreffen. Nachdem Lilli bereits in der Schule mit ihren Leistungen glänzte, bekamen beide noch ein kleines Schwesterchen und auch die kleine Margot wurde von den Geschwistern liebevoll aufgenommen.

 Der einzige Makel in Lillis Leben bildete ihre Größe und der damit verbundene Kosename, der auch vor den Schulmauern nicht halt machte. Lilli hatte die Gabe, Märchenwesen in ihrer Phantasie entstehen zu lassen und oft träumte sie vor sich hin und erdachte Märchengeschichten.

Lillis beste Freundinnen waren Lena Ritter und Ilse Gerhard. erstere war Lillis Klassenkameradin die in sehr einfachen Verhältnissen lebte, letztere aber, deren Bekanntschaft sie einer glücklichen Fügung verdankte, lebte mit ihrem Vater in einer Villa am Wannsee. Die Mutter jedoch, weilte aus gesundheitlichen Gründen fast immer im Ausland.

Lillis Größe und ihr verträumtes Wesen machten ihr das Leben oft schwer, denn ob in der Schule oder im Theater, sie wurde stets für jünger gehalten als sie eigentlich war. Lillis Märchenbegabung brachte sie zum Einsatz als sie zu Mutters Geburtstag ein Märchenspiel verfasste.

 Eine große Veränderung in das Leben der Familie brachte die Aufnahme der beiden russischen Kinder Sonja und Iwan. Sonja, das zwölfjährige Mädchen war verstockt und faul und der neunjährige Iwan war ungezogen und frech. Beide stifteten sehr viel Unfrieden in dem Lehrerhaus, mit der Zeit gelang es jedoch, die beiden Kinder zu verändern, bis dahin war es jedoch ein weiter Weg.

Für Ilse hatte sich ihr sehnlichster Wunsch erfüllt, endlich kehrte die Mutter heim.Durch ein regelmäßig mit Lena, Lilli und Sonja abgehaltenes Kränzchen war sie nicht mehr so einsam wie vorher, doch die heimgekehrte Mutter konnte eben niemand ersetzen.

Lilli, Sonja und Iwan besuchten seit Lillis 14. Geburtstag eine Turnstunde und mit der verehrten Turnlehrerin wurde im Sommer sogar ein Wanderverein gegründet. Das größte Ereignis für Lilli war jedoch, daß sie sich heimlich an einem Märchenpreisausschreiben beteiligte und dies auch gewann. Die eintausend Mark Preisgeld sollten für ihre Ausbildung verwahrt werden. Der Vater war stolz auf sein Kind, die Mutter erlaubte jedoch keine weiteren Veröffentlichungen von Lillis Geschichten um diese nicht zu eitel werden zu lassen.

Für die beiden fünfzehnjährigen Zwillinge brachte das Jahr 1914 den Krieg. Doktor Steffen musste als Leutnant der Reserve Abschied von seinen Lieben nehmen und auch von Sonja und Iwan musste man sich trennen, da Rußland jetzt zu Deutschlands Feinden gehörte und man die beiden Kinder nicht von der Heimat abschneiden wollte.

 



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