Zeittafel zum Leben von Else Ury

                                                        Stammbaum von Familie Ury

1877 Am 1. November wird sie in Berlin geboren. Ihre Mutter ist Franziska Ury, geb. Schlesinger (1847 bis 1940). Ihr Vater ist Emil Ury (1835 - 1920), Tabakfabrikant. Sie hat zwei ältere Brüder. Ludwig (1870 - 1963) wird Rechtsanwalt und Hans (1873 - 1937) wird Arzt.

Geburtsanzeige von Else Ury

 

1881 Ihre Schwester Käthe (1881 - 1943) wird geboren.

1884 Schulbeginn in der Königlichen Luisenschule

1894 Sie beendet das Lyzeum nach der Selecta

                    

                     Berlin ca. 1896

 

1900 Sie schreibt wahrscheinlich erste Artikel in der Vossischen Zeitung unter Pseudonym

1905 Ihre erste Buchveröffentlichung im Globus Verlag in Berlin erscheint. Was das Sonntagskind erlauscht, Erzählungen und Märchen für Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren

1909 Sie hat Kontakt zu der Illustrierten Mädchen - Zeitung "Das Kränzchen". Die Erzählung Vierzehn Jahr und sieben Wochen erscheint dort als Fortsetzungsgeschichte.

1912 Sie veröffentlicht Das graue Haus als Fortsezungsgeschichte

1913 Die Jugendschriftenwarte empfiehlt Goldblondchen als lesenswert für die dritte Klasse.

1914 Sie veröffentlicht Huschelchen, eine Sammlung von Schulmädchengeschichten und schreibt für "Das Kränzchen" Dornröschen als Fortsetzungsgeschichte

1914-1918 Sie schreibt an der Nesthäkchenreihe und veröffentlicht im Kränzchen einen Kriegsroman Lieb Heimatland. Sie beteiligt sich an der Kriegsfürsorge des Nationalen Frauendienstes.

1918 Klaus Heymann, Sohn ihrer Schwester Käthe, wird geboren.

1919 Sie arbeitet an weiteren Nesthäkchen - Bänden

1920 Im Januar stirbt ihr Vater, Emil Ury

1921 Sie arbeitet an weiteren Bänden der Nesthäkchen - Serie.

1923 Sie arbeitet an einer neuen Serie Professors Zwillinge

1925 Die zehn Bände der Nesthäkchen - Serie sind fertig

1926 Sie unterschreibt den Kaufvertrag für das spätere "Haus Nesthäkchen" in Krummhübel. Im Radio werden ihre Geschichten vorgelesen

1927 Sie fährt mit ihrem Bruder Hans wahrscheinlich in diesem Jahr nach Italien.

 

                                   

                                        Haus Nesthäkchen 1928

1929-1932 Im Kinderkalender von Meidinger beantwortet sie die "Nesthäkchenpost" und gibt weitere Kinderbücher heraus. Frau und Tochter ihres Bruders Ludwig sterben, und die Geschwisterfamilie zieht mit Mutter und Pflegerin zum Kaiserdamm 24

1933 30.1.: Machtergreifung durch die Nationalsozialisten

        27.2.: Reichstagsbrand

          1.4.: Boykott jüdischer Geschäfte

          7.4.: Gesetz erlassen, das Juden vom Beamtenstatus ausschließt

         22.4.: Kassenzulassung für jüdische Ärzte wird entzogen (ehemalige Frontkämpfer werden noch von der Regelung ausgeschlossen)

Else Ury schreibt Jugend voraus                     

1934 Januar: Verbot der Sozietät mit "arischen" Rechtsanwälten

        Dezember: Jüdische Rechtsanwälte müssen sich Konsulenten nennen (ehemalige Frontkämpfer werden noch von der Regelung ausgeschlossen)

1935 Frühjahr: Reichsverband jüdischer Kultur gegründet

        September: Nürnberger Gesetze und Reichsbürgergesetze erlassen

        6.3. Ausschluß von Else Ury aus der Reichsschrifttumskammer und damit Schreibverbot

        15.9. Schwager Heymann wird amtsentlassen. Die Tochter Ilse Heymann emigriert im Herbst nach Palästina

1936 Juden unerwünscht-Schilder wegen Olympiade in Berlin entfernt

        Schwager Heymann wird zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Der Neffe Klaus macht Abitur und geht ins Exil nach London

1937 Keine neuen antijüdischen Gesetze, aber harte Urteile gegen Juden wegen geringster Verstöße gegen die Gesetze

        Im Sommer stirbt der Bruder Hans. Versuche, Übersetzungen ihrer Märchen in England zu verkaufen, sind erfolglos

1938 März: Kultstätten der Juden wird der staatliche Schutz entzogen

        April: Jüdische Vermögen müssen registriert werden

        Juni: Verhaftung von 1500 Juden in Berlin

        Juli: Alle jüdischen Ärzte verlieren ihre Praxis

        August: Zwangsvornamen Sara und Israel werden eingeführt

        September: Alle jüdischen Anwälte sind nur noch Konsulenten

        Oktober: In alle Reisepässe von Juden wird ein "J" eingestempelt

        November: Pogromnacht

        Im April besucht sie ihre Neffen Klaus Heymann und Fritz Ury in London. Im Sommer ist sie mit der Mutter in "Haus Nesthäkchen". Im September verliert der Bruder Ludwig die Rechtsanwalts-Praxis. Kurz vor der Pogromnacht schreibt sie an Klaus Heymann.

1939 17.1.: Aufhebung des Mieterschutzes für Juden

        24.2.: Ablieferungspflicht für Juwelen

        30.4.: Schaffung von Judenhäusern

        1.9.: Beginn des Zweiten Weltkriegs

       20.9.: Juden wird verboten, ein Radio zu besitzen

       Im März emigriert die Familie ihrer Schwester nach Amsterdam, der Bruder Ludwig nach London. Im August kann sie zum letzten Mal nach Krummhübel reisen. Umzug in die Solinger Straße 10

                           

1940 Der Krieg verschärft die Entrechtung der Juden. Telefonanschlüsse werden entzogen, Kleiderkarten entzogen, kurze Einkaufszeiten und Geschäfte werden speziell vorgeschrieben. Für alle Juden herrscht Ausgehverbot nach 20 Uhr. Die Lebensmittelmarken werden weiter gekürzt.

        Im April stirbt die Mutter mit 93 Jahren. Sie kann einen letzten Brief an Klaus Heymann nach London schicken

1941 September: Zwang zum Tragen des Judensterns. Weitere Kürzung der Lebensmittelrationen für Juden. Sie haben kein Recht auf einen Sitzplatz in Verkehrsmitteln.

        Oktober: Beginn der Massendeportation aus Berlin

Im April wird Haus Nesthäkchen beschlagnahmt. Sie muß eine Vermögenserklärung abgeben. Im Juli geht über das Rote Kreuz ein letzter Brief an ihren Bruder.

 

1942 Januar: Wannsee - Konferenz über die systematische Vernichtung der europäischen Juden. Die SS macht Jagd auf jeden Juden in Berlin.

Am 29.9 bekommen Schwester und Schwager eine letzte Nachricht über Else Ury nach Amsterdam. Sie schreibt ihr Testament und hinterlegt es bei Dr. Kurt Landsberger

1943 Am 6.1. wird sie in die Große Hamburger Straße - Deportationssammelstelle - gebracht. dort wird ihr am 11.1. die Verfügung über die Einziehung ihres Vermögens zugunsten des Deutschen Reiches überbracht. Am 12.1. wird sie unter der Nummer 638 mit der "Welle XL" nach Auschwitz deportiert.

  

   Grabstein der Familie Ury auf dem Friedhof Berlin-Weißensee

                        

      Ausschnitt aus dem Grabstein mit dem Memorium für Else Ury

Quelle: Marianne Brentzel: Nesthäkchen kommt ins KZ

edition ebersbach 1992 und Fischer Taschenbuch 1996



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