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Lauter Marsch im Zentrum

PFORZHEIM. Es hatte was von Karneval: Die flanierenden

Bürger in der Fußgängerzone standen am Samstagnachmittag staunend am Straßenrand und betrachteten den bunten Menschenzug.

Etwa 150 junge Leute hatten sich in Pforzheim versammelt, um zu demonstrieren. Demonstrieren für das Autonome Zentrum (AZ) Schlauch, dessen Räume im Frühjahr 2000 geschlossen wurden. Und weil sie schon am Marschieren waren, wurde der gemeinsame Rundgang in der Innenstadt genutzt, um gegen Neonazis zu brüllen. Vorneweg marschierten einige Jugendliche mit einem großflächen Banner: "Kampf dem Faschismus". Ansonsten kündete das ein oder andere Plakat vom AZ Schlauch, das wieder eröffnet werden solle.

Kurz nach halb drei wurde das Stadtzentrum erfüllt von abwechselnden Rufen "AZ Schlauch" und "Nazis raus", über allem lag ein zarter Hauch von Bierdunst - Dosen, gefüllt mit Gerstensaft, machten die Runde.

Es war ein bunter Zug junger Menschen. Zum einen jene, die sich schon rein äußerlich der linken Szene zuordnen lassen und deren Anblick manch älteres Semester am Wegesrand stumm den Kopf schütteln ließ. Aber auch solche, die jugendlich, jedoch adrett gekleidet im Pulk marschierten und die der Meinung sind, Pforzheim brauche ein autonomes Zentrum.

Belustigte Blicke

Während also einige Pforzheimer die Nase rümpften, wirkten andere belustigt und nahmen ihre Kinder auf die Schultern, um denen einen besseren Überblick zu gewähren.

Sicher indes durften sich alle zuschauenden Passanten fühlen. Rund 120 Polizisten waren im Einsatz, darunter Beamte der Bereitschaftspolizei Baden-Württemberg. Hintergrund: Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Gruppierungen am 23. Februar dieses Jahres. Zwischenfälle gab es diesmal freilich nicht, Polizeirat Jürgen Rieger, der den Einsatz leitete, war zufrieden. Oder wie es ein Beamter im Einsatz ausdrückte: "Die sind ruhig." Andere Polizisten plauderten und lachten mit den Demonstranten.

In der Tat, friedlich zog die Demo zum Waisenhausplatz, wo im Rahmen einer Abschlusskundgebung zwei Redner forderten, dem AZ Schlauch wieder Räume zur Verfügung zu stellen. Gerade eine Stadt wie Pforzheim mit so viel rechtem Potenzial, so hieß es, brauche Platz für die antifaschistische Bewegung. Einer der Redner: "Das Schlauch war ein großartiger Freiraum für die antifaschistische Arbeit." Nach der Kundgebung löste sich die Versammlung schnell und diszipliniert auf. Allerdings nicht ohne den Hinweis, möglichst in größeren Gruppen zu bleiben. Der Grund: Neo-Nazis hatten per E-Mail gedroht, die autonome Demo aufzumischen.

Artikel wurde erstellt von: Alexander Huberth am 29.04.2002.



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