ARTIKEL DER PZ ZUR ANTIFA-DEMO IN PF von 
Polizei verhindert Randale
PFORZHEIM. Ein Abend voller Blaulicht: Am Samstag musste die Polizei zwei Hundertschaften und sechs Diensthunde aufbieten, um zu verhindern, dass Linke und Rechte in der Nordstadt aufeinander losgingen.
Bereits seit Wochen tobte der verbale Kleinkrieg im Internet, liefen hinter den Kulissen die Drähte heiß: Die "Antifaschistische Aktion" warnte vor einem Fackelzug von Neonazis - ausgerechnet am 23. Februar, dem Tag, an dem Pforzheim 1945 in Schutt und Asche gelegt wurde. Aufgerufen zu diesem "gespenstischen Unwesen" (SPD-Stadtrat Jürgen Schroth gegenüber der PZ) hätten "Rechtsterroristen". Er habe den Ordnungsamtsleiter informiert und die Benachrichtigung des Landesamts für Verfassungsschutz empfohlen. Ein Brandbrief der Friedensinitiative an Oberbürgermeisterin Christel Augenstein sei mit verharmlosendem Inhalt beantwortet worden.
Auch dem "Freundeskreis ein Herz für Deutschland" war bekannt, was der Gegner vorhatte: eine Mahnwache vor dem Rathaus "gegen das Wegsehen". Mögliche Zielrichtung nach den Reden: der Treffpunkt der Deutsch-Nationalen auf dem Parkplatz beim Wartberg-Freibad. "Das machen wir seit zehn Jahren so", sagt Silvio Corvaglia, Chef des "Freundeskreises". Mit ihren Gesinnungsgenossen aus Stuttgart und Karlsruhe trafen sich die meisten Pforzheimer Rechten auf dem Parkplatz bei der Autobahnausfahrt Nord - rund 120 Leute.
"Alles im Griff"
Beide Mahnwachen - aus unterschiedlichen Beweggründen initiiert - waren zunächst genehmigt gewesen. Staatsschutz und Ordnungsamt hätten, so Schroth, signalisiert: Alles im Griff. Doch dafür bedurfte es mehr als der zur Verfügung stehenden Beamten der Polizeidirektion Pforzheim. Sie wurden verstärkt durch Kräfte der Bereitschaftspolizei Baden-Württemberg und sechs Vierbeinern der Diensthundestaffel. Oberstes Ziel: ein Aufeinandertreffen der beiden Gruppen zu verhindern.
Freiwillig verzichtet
Während rund 300 Teilnehmer der Rathaus-Demo sich in Richtung Nordstadt auf den Weg machten und die Polizisten die Christophallee abriegelten, redete die Polizeiführung den rechten Demonstranten an der Autobahn gut zu - diese verzichteten schließlich auf ihre Wartberg-Mahnwache und bliesen die Aktion ab. Stattdessen versammelten sie sich in ihrem Vereinslokal auf dem Weiherberg. Unterdessen verteilten sich die Antifa-Demonstranten in mehrere Kleingruppen, drangen bis zum Wartberg vor. Während Polizeirat Jürgen Rieger, Leiter des Polizeireviers Nord, zufrieden davon spricht, man habe insgesamt 300 Menschen zum Wartberg marschieren lassen können, "ohne dass es zu einer Eskalation kam", sieht dies die Antifa anders: "Die Absperrungen wurden jedoch alle trotz mehrfachen Schlagstockeinsatzes durch massive Entschlossenheit durchbrochen." Beschädigt wurden nach Polizeiangaben drei Privatautos. Schaden: rund 3500 Euro.
Von wegen "spontan"
Zwar ist die Aussage der "Antifaschistischen Aktion", deren Anhänger zum Teil Flugblätter während des zentralen Gedenkgottesdienst auf dem Hauptfriedhof verteilten, von einer "Spontandemonstration" falsch. Denn der Großteil der Versammlungsteilnehmer setzte sich keineswegs "plötzlich" in Richtung Wartberg in Bewegung - denn das Konzept war bereits auf der Internet-Seite ersichtlich. Das Freibad ist auf einem Kartenausschnitt sogar als Einsatzzone mit "X 2" gekennzeichnet. Dennoch nimmt Jürgen Schroth den Grundgedanken der Antifa in Schutz: "Die Nationalsozialisten waren ursächlich für die Zerstörung dieser Stadt verantwortlich - was erlauben sich diese Neonazis eigentlich, solch einen Zauber wie einen Fackelzug hier und gerade an diesem Tag zu veranstalten? Wenn sie einen Funken Ehre im Leib hätten, würden sie im Gedenken an die Toten auf den Friedhof kommen."
"Brauchen Sie hier nicht"
Schroth hatte in seinem Schreiben an Christel Augenstein an die Worte des großen alten Mannes der Freidemokraten und Pforzheimer Ehrenbürgers Walter Witzenmann erinnert, der beim Einzug der rechtsextremistischen Republikaner ins Kommunalparlament gerufen hatte: "Wir brauchen Sie in diesem Gremium nicht."
Erstellt am: 25.02.2002 von Olaf Lorch
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