1995 - Herbst 96
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Jülle war im Winter 1994/1995 das erste Mal bei Happach - und sofort begeistert! Ich weiß gar nicht mehr, wann wir sie genau kennenlernten - auf jeden Fall kurz nach den Weihnachtsferien, denn ich erinnere mich noch gut daran, wie wir bei ihrem ersten Lieblingspferd Thor an der matschigen Wäldchenkoppel saßen und uns unterhalten haben...

Die Latzhosen-Jule und mein Schwesterchen verstanden sich auf Anhieb prächtig, während ich anfangs ja mal gar nichts mit dem Rotschopf zu tun hatte, sondern mich mit Irene zusammen tat... Ja, auch diese Verbindung ging in die Brüche - aber unsere Jülle aus der Gülle, die haben wir so lieb, daß uns nicht einmal der Streit unserer Eltern auseinanderbringen konnte...

Jedenfalls verlebten wir einfach zwei geniale Jahre mit Ästhaaa, Tammy, der Geister-Yvonne, der enttäuschenden Sabrina, Verena, Alexanusch, Dirk, Dennis, dem Plätten im Sommer, spannenden Nachtritten und jeder Menge Abenteuer, Freude, Lachen, Unsinn und Pferdeliebe...

Bald erkannte dann auch das im Halbschlaf immer soooo schnell redende Julchen, das heulend in die Schwemme rannte, nachdem wir sie immer wieder mit allen möglichen Namen bedacht und so wachgehalten hatten... *schweife-ab* ;-)... - na, jedenfalls kam dann auch die Erleuchtung für sie, daß Thor nicht halb so klasse ist, wie Frauke - wir hatten ab sofort die gleiche Freundin...

 

In einem Pferdeforum habe ich letztens zur Verteidigung von Ferienreithöfen folgendes geschrieben:

"War schon mal jemand auf 'nem vernünftigen??

Jaaaaaa! Muß Dich leider mal ein bißchen ausbremsen... ;-)
Es gab da mal einen, der hat mich acht Jahre lang begleitet und geprägt...
Besitzerin: Alte Dame, heute 79, liebt Kinder und Tiere über alles, liebenswürdig, bestimmt, "unsere Leitstute", nur streng, wenns um Unrecht oder Schaden an Tieren oder anderen Menschen ging, sonst gutmütig und tolerant ohne Ende,...
Stallmeister: beide über sechzig, voll auf'm Damm, mit der Zeit mitgegangen was sanften Umgang mit den Hottas angeht - instinktiv! Konnte eine Menege lernen, wenn man sie verstand ;-) (redeten oft Mundart -> holl. Grenze, Geldern in NRW)
Teten, Betreuer, Ausbilder: Waren immer alles in einem, zwei bis vier junge Frauen von 18-28, ritten gut und waren sehr verantwortungsvoll und doch einfach welche "von uns",...
Pferde: Fjordis, Hafis, Gemischte, ein Isländer - alles robuste Ponies, nur auf Koppel gehalten mit Unterstand, kamen nur zum Fressen (oder bei krassem Unwetter) rein (leider Ständer, aber für eine bis drei Stunde(n)...), super-geländesicher, teilweise sehr gut ausgebildet, sonst ideale Anfänger-/Freizeit-/Kinderponies (konnten halt kein Stück Dressur, aber...), je nach Kindern wurden die Pferde täglich getauscht oder auch mal öfter von derselben geritten; perfekt sitzendes, zwar älteres aber sehr gepflegtes (unsere Fettsessions...) Sattelzeug, grundsätzlich keine Gerten und Sporen (will nicht verurteilen, aber dazu mehr in "Reitweise"!!!) und nur Wasser-/Olivenkopfgebisse.

Reitweise: Nur Gelände, keine Halle/Platz vorhanden. (Deshalb auch weder Gerten noch Sporen nötig, und die meisten Pferde waren echt noch sensibel, gingen teilweise sogar am Zügel etc.)
Anfänger und Unsichere: Grundsätzlich ohne Sattel im Schritt und je nach Gruppe auch mal Trab tägl. anderthalb Stunden Ausritt mit Bodenpersonal und Tete zu Fuß. Dabei "Unterricht", gelegentlich "zu Hause" Theorie für alle.
Fortgeschrittene: tägl. zwei Stunden Gelände in allen drei Gangarten, sorgfältig ausgesuchte Wege, nur eine zu überquerende Straße. Wer wollte, ohne Sattel. Immer wieder Kontrolle durch Tete(n) zu Pferde.
Im Sommer ritten wir nur nachts wegen der Hitze und Bremsenbelästigung. Mit Beleuchtung und absolut genialen Hottas!!! Einfach aufs Pferd vertrauen, lange Zügel, Muskeln, Wärme, Finsternis, Rascheln, Schnauben, ab und zu ein Flüstern...

Okay, hier lernten Kinder und Jugendliche (höchstens 25 auf einmal, meist weniger) wohl keine Dressur, kein Springen, kein Trailreiten - aber Liebe, Verantwortung, Vertrauen! Und jeder half jedem - die "Alten" den "Neuen", die Großen den Kleinen, die Mutigen den Schüchternen... Viel Unsinn im Kopf - aber NIEMALS auf Kosten der Pferde! Viel Spaß - nur MIT den Tieren, gemeinsam!

Und dann kam der Herbst 1996... Ich trauere noch heute um diese eigene Welt, die tatsächlich das verkörperte, was wir uns wünschen, was uns Forumsteilnehmer (das Kasperletheater mal ausgenommen ;-) ) wohl verbindet: Das Streben nach der unbeschreiblichen Einheit mit dem Pferd in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten!

LG, Charly"

 

Ja, und das stimmt! Die Trauer, die uns im Herbst 1996 erschütterte, hält bis heute an...

Herbst '96...


 




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