Vollständiger Name:Madonna Louise Veronica Ritchie, geb. Ciccone
Spitznamen: Maddy, Mo, Madge
Bezeichnungen:Pop-Queen / Queen of Pop, Material Girl
Geburtstag: 16. August 1958
Geburtsort: Bay City, Michigan
Eltern: Mutter: Madonna Fortin Vater: Sylvio "Tony" Ciccone (Automobilingenieur)
Geschwister: 3 Schwestern: Melanie, Paula und Jennifer (Halbschwester) 4 Brüder: Martin, Christopher, Anthony und Mario (Halbbruder)
Familienstand: verheiratet mit Guy Ritchie (britischer Regisseur)
Kinder: Tochter: Lourdes Maria Ciccone Leon (*14. Oktober 1996) Sohn: Rocco Ritchie (*11. August 2000)
Wohnort: London, Los Angeles
Größe: 1.58 m
Gewicht:51 kg
Maße:84 - 61 - 86
Haarfarbe: dunkelbraun (zeitweilig hell- oder dunkelblond bzw. schwarz gefärbt)
Augenfarbe:grün
Besondere Merkmale: Muttermal rechts unterhalb der Nase, Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen
Frühere Tätigkeiten:Tänzerin, Aktmodel, Darstellerin in der "Patrick-Hernandez-Revue"
Nebentätigkeiten: Schauspielerin in Filmen und am Broadway, Produzentin
Musikalische Vorbilder: Diana Ross, Stevie Wonder, The Pretenders, The Police
Erste Solo-Single: Everybody (1982)
Erster No.1-Hit:Like A Virgin (1984)
Alben: Madonna - The First Album (1983), Like A Virgin (1984), True Blue (1986), Who's That Girl (1987), You Can Dance (1987), Like
A Prayer (1989), I'm Breathless (1990), The Immaculate Collection (1990), Erotica (1992), Bedtime Stories (1994), Something To
Remember (1995), Evita (1996), Ray Of Light (1998), Music (2000)
Filme: A Certain Sacrifice (1979), Vision Quest (1985), Desperately Seeking Susan (1985), Shanghai Surprise (1986), Who's That Girl
(1987), Bloodhounds Of Broadway (1989), Dick Tracy (1990), Truth Or Dare (In Bed With Madonna) (1991), Shadows & Fog
(1992), A League Of Their Own (1992), Body Of Evidence (1993), Snake Eyes (Dangerous Games) (1993), Four Rooms (1995),
Blue in the Face (1995), Girl 6 (1996), Evita (1996), The Next Best Thing (2000)
Erfolge: 140 Mio. verkaufte CDs, 12 No.1-Hits, 34 Top 10-Platzierungen, davon 17 in Folge (alles USA), Golden Globe für "Evita" (1997),
unzählige Musikpreise
Kindheit und Jugend in Michigan:
Als Tochter eines italienischen Einwanderers erblickt Madonna am 16. August 1958, während eines Besuchs der Eltern bei ihrer Großmutter, in Bay City,
Michigan, das Licht der Welt. Familie Ciccone lebt damals in Pontiac, einer mittelgroßen Stadt etwa 30 km nördlich von Detroit, später zieht sie in die
naheliegende Kleinstadt Rochester, wo ihr Vater heute noch lebt. Einen ersten tiefen Einschnitt in ihrem bis dahin kurzen Leben erlebt Madonna im Alter
von 5 Jahren, als ihre Mutter einem Krebsleiden erliegt. Ihr Vater engagiert für die damals fünkköpfige Famile eine Haushälterin, die er später sogar
heiratet. Madonnas Kindheit und Jugend verlaufen streng konservativ, so besucht sie unter anderem eine katholische Klosterschule. Das
überdurchschnittlich intelligente Mädchen (IQ: 140), das davon träumt, Ballett-Star oder Tänzerin zu werden, nimmt mit 12 Jahren klassischen Ballett-
Unterricht und Gesangssunden. In jahrelanger Auseinandersetzung mit ihrer Stiefmutter entwickelt sie einerseits einen verbissenen Ehrgeiz in Verbindung
mit eiserner Disziplin, andererseits eine tiefe Abneigung gegen ihre Erziehung, die sich später in ihrer Musik (Papa Don't Preach) und anti-kirchlichen
Haltung wiederspiegeln sollte. Als sie von ihrer Stiefmutter in ein Kloster abgeschoben werden soll, zieht sie von zuhause aus und schreibt sich an der
University of Michigan ein, wo sie 3 Semester lang Tanz studiert.
Schwere Zeiten in New York:
Von ihrem Tanzlehrer ermutigt, zieht sie nach New York, um sich dort ihren Traum zu erfüllen; alles, was sie bei sich hat, sind ganze Dollar. Um die
Übungen mit dem Choreographen Alvin Ailey an dessen renommierter Dance Company finanzieren zu können, versucht sie sich mit verschiedenen Jobs
über Wasser halten. Doch das Geld, das sie als Serviererin oder Verkäuferin von Doughnats verdient, reicht hinten und vorne nicht, Madonna lebt lange
Zeit am Rande des Existenzminimums. Sie selbst sagt Jahre später über diese Zeit: "Ich bin manchmal mit Typen in ihre Wohnung, nur damit ich duschen
konnte." Daher nimmt Madonna das Angebot an, als Aktmodel zu posieren, ihr Körper wird zu ihrem Kapital. So entstehen in diesem Zeitraum zahlreiche
Nacktaufnahmen, mit denen sich Madonna halbwegs über Wasser halten konnte, unter anderem auch für die beiden populären Blätter Penthouse und
Playboy (die Gage des Playboys betrug 30 Dollar, Jahre später verdiente das Blatt Millionen mit den Fotos). Der Traum vom professionellen Ballettstar ist
zu diesem Zeitpunkt längst ausgeträumt.
Der Weg zur Solokarriere:
1979 hat sie ihre erste größere Rolle in der gleichnamigen Disco-Revue von Patrick Hernandez, dessen hieraus entstammender Song Born To Be Alive
später zu einem Mega-Hit wird. In diesem Zeitraum bringt sie sich autodidaktisch das Spielen einiger Instrumente (Schlagzeug, Gitarre und Keyboards)
bei. Bei einem kurzen Aufenthalt in Paris lernt sie ihren späteren Lover Dan Gilroy kennen; nach New York zurückgekehrt, gründen sie gemeinsam die Pop-
Formation Breakfast Club, in der Madonna ursprünglich Drums spielt und wenig später die Rolle der Leadsängerin übernimmt. Bereits 1980 verlässt
Madonna die Gruppe und gründet noch im selben Jahr mit dem Detroiter Drummer Steve Bray die Band Emmy, die jedoch bereits nach wenigen Monaten
wieder zerbricht. Zusammen mit Bray arbeitet sie in der Folgezeit an eigenen Stücken, die sich an Dance- und Disco-Musik orientieren. Bray vermittelt
Madonna an die Plattenfirma Sire Records, die sie 1981 unter Vertrag nehmen.
Eine "Jungfrau" erobert die Welt:
Zusammen mit dem New Yorker Star-DJ und Produzenten Mark Kamins nimmt sie den Song Everybody auf. Das Stück und sein Nachfolger Physical
Attraction werden jeweils zu Club-Hits, Everybody schafft es sogar in die Single-Charts (wenn auch nur auf Platz 107). Mit der Pop-Nummer Holiday
gelingt ihr Mitte 1983 der Durchbruch in Amerika, im September erscheint das nach ihr benannte Debüt-Album. Die Auskopplung Borderline wird ihr
erster Top 10-Hit (dem allein bis 1989 ohne Unterbrechung noch 16 weitere folgen werden), zudem bekommt sie dafür auch ihre erste Gold-Auszeichnung;
Lucky Star schafft es Anfang 1984 sogar bis auf Platz 4. Ende des Jahres erscheint die Vorabsingle Like A Virgin des gleichnamigen zweiten Albums; im
November wird es ihr erster Nr. 1-Hit, der 6 Wochen lang die Spitze der Charts verteidigt. Das Video des Nachfolgers Material Girl verpasst Madonna
das Langzeit-Image der blonden, prunk- und glemmarsüchtigen Sexbombe, das sie im weiteren Verlauf ihrer Karriere trägt und erst Jahre später wieder
ablegen kann. Die weiteren Auskopplungen des Albums eroberten ebenfalls die Charts und können sich allesamt unter die Top 5 platzieren. Übertroffen
wird der Erfolg nur noch vom Album selbst, von dem alleine in den USA mehr als 11 Millionen Stück über den Ladentisch wandern (weltweit 19 Mio.).
Nach der Veröffentlichung von Material Girl geht Madonna erstmals auf Tournee; ihre Virgin Tour, bei der die Beasty Boys als Vorgruppe auftreten,
begeistert ihre Fans mit einer Show ohnegleichen, während selbsternannte Moralhüter durch die lasziven Live-Auftritte regelrecht geschockt werden. Im
Juli kommt der Film Desperately Seeking Susan (Susan - Verzweifelt Gesucht) in die Kinos, in dem Madonna ihre erste große Hauptrolle spielt (und laut
Kritikern für lange Zeit die beste). Madonnas erster Versuch, den Spagat zwischen Sangeskarriere und Schauspielerei zu schaffen, dem in den kommenden
Jahren weitere folgen werden.
Doch mit ihrem Erfolg tauchen auch die Schatten aus ihrer Vergangenheit auf: Das Low-Budget-Erotikdrama A Certain Sacrifice, in dem sie 1979
mitgespielt hat, wird im Erfolgssog von Desperately Seeking Susan veröffentlicht, Playboy und Penthouse kramen die alten Nacktaufnahmen von
Madonna hervor, um so auf ihre Weise vom plötzlichen Ruhm der Sängerin zu profitieren. Dem Erfolg von Madonna tut dies allerdings keinen Abbruch.
Längst hat sie eine weltweite Fangemeinde, zahlreiche weibliche Teenager ahmen ihren Look nach - Madonna wird auch noch ein Mode-Phänomen.
Privat scheint sie ebenfalls ihr Glück zu finden: August 1985 schließt sie mit dem Schauspieler Sean Penn den Bund fürs Leben.
True Blue: Madonna in der 2. Hälfte der 80er
Nach einer kurzen Schaffenspause Ende des Jahres, um den Trubel der letzten Monate zu verarbeiten, beginnt Madonna zu Beginn 1986 die Arbeiten an
ihrem dritten Album. In Patrick Leonard findet sie einen hervorragenden Komponisten, mit dem sie die meisten ihrer Hits in den 80er Jahren schreibt.
Erstes Ergebnis der Zusammenarbeit ist Live To Tell, die Vorab-Single des kommenden Albums, die im Juni des Jahres die Spitze der US-Charts erklimmt.
Im folgenden Monat erscheint True Blue, eine ehrgeizige und scheinbar vollkommene Platte, die sowohl Fans (20 Millionen mal verkauft) als auch Kritiker
überzeugt (für viele ist es bis heute ihr bestes Album). Die vier weiteren Auskopplungen schlagen ebenfalls ein wie eine Bombe: Papa Don't Preach und
Open Your Heart werden jeweils Nr.1, True Blue und La Isla Bonita schaffen es ebenfalls in die Top 5. Mit La Isla Bonita gelingt Madonna Anfang 1987
ihr erster Nr. 1-Hit in Deutschland. Doch dem musikalischen Erfolg (Madonna wird ab diesem Zeitpunkt als Queen of Pop betitelt) stehen Misserfolge im
Filmgeschäft gegenüber: Der Streifen Shanghai Surprise, in dem sie zusammen mit ihrem Mann Sean Penn spielt, und die Komödie Who's That Girl fallen
bei Kritikern und Zuschauern gleichermaßen durch (obwohl der Soundtrack von Who's That Girl, zu dem Madonna 4 Songs - inklusive dem Nr. 1-
Titeltrack - beisteuert, ein kommerzieller Erfolge wird).
Die erste Jahreshälfte von 1988 spielt sie am Broadway in David Mamets Speed The Plow mit, in der zweiten ist es ziemlich ruhig um das Material Girl,
was nicht zuletzt an ihrer privaten Krise liegen dürfte. Bereits zu Jahresbeginn reichen sie und Penn die Scheidung ihrer Ehe ein, die Anfang 1989
vollzogen wird. Ein Vorgang, der die Öffentlichkeit nicht weiter verwundert, denn bereits bei den Dreharbeiten zu Shanghai Surprise ist das gespannte
Eheverhältnis unübersehbar, am Set und privat fliegen oft die Fetzen. Möglicherweise ist das der Grund, dass Madonna in den folgenden Jahren zwar
zahlreiche Verhältnisse (darunter mit einigen Branchenkollegen) hat, diese aber nie über einen längeren Zeitraum halten.
Express Yourself - die Zeit um 1990:
Wenig später erscheint Like A Prayer, ein erneut durch hohen Ehrgeiz und vielen musikalischen Elementen bestechendes Album, das neben der
Vermischung von Pop-, Rock- und Dance-Musik auch viele biografische Züge beinhaltet. Das Album schafft es wiederum auf Platz 1 der US-Charts und
verkauft sich weltweit ganze 13 Millionen mal. Einen Eklat bietet das zum Titeltrack gehörige Video: Die katholische Kirche reagiert empört auf die
Darstellung eines farbigen Heiligen, brennende Kreuze und den ihrer Meinung nach blaphemischen Inhalt überhaupt; dabei trägt der Clip auch
offenkundige sozialkritische Züge. Der Cola-Konzern Pepsi kündigt daraufhin den Werbevertrag mit der Sängerin (so wie Jahre später bei Michael
Jackson). Dem Erfolg der Single tut das jedoch - wie in den meisten Fällen - keinen Abbruch, Madonna kann einen weiteren Nr. 1-Hit verbuchen. Mit dem
Emanzipationssong Express Yourself, sowie Cherish und Keep It Together können sich drei weitere Auskopplungen in den Top Ten behaupten. Ab April
1990 ist Madonna auf Blonde Ambition Tour, die sich bis Jahresende hinzieht. Parallel dazu kommt der Film Dick Tracy in die Kinos, in dem Madonna die
Rolle der Breathless (Heißerchen) Mahoney spielt. Vogue aus dem Film-Soundtrack schafft im Mai den Sprung auf Platz 1 und bleibt dort 6 Wochen lang -
ihre bis dahin erfolgreichste Single. Ende 1990 erscheint das "Best Of"-Album The Immaculate Collection, das neben ihren erfolgreichsten Hits auch zwei
neue Songs bietet: Justify My Love als erste Auskopplung ist ein weiterer Nr. 1-Hit, das hocherotische Video ein neuer Skandal. Rescue Me schreibt
Anfang 1991 mit Platz 15 in der ersten Woche Musikgeschichte, es ist der bis dahin höchste Einstieg einer Sängerin in die US-Charts aller Zeiten. Im
selben Jahr erscheint der autobiografische Dokumentarfilm Truth Or Dare: In Bed With Madonna, der Ausschnitte der Blonde Ambition Tourmit
Schwarz-Weiß-Sequenzen verbindet. In der Art eines ästhetischen Werbefilms will man so aus den körperlichen Vorzügen Madonnas Kapital schlagen,
was im Endeffekt auch eindrucksvoll gelingt. Zu diesem Zeitpunkt sind beide Singles aus den Charts ausgestiegen, was den Kauf der Immaculate
Collection aber scheinbar wenig beeinträchtigt. Noch Jahre nach der Veröffentlichung geht das Album über den Ladentisch, bis heute über 18 Millionen
mal.
Sex und Erotica - hüllenlos in den Karriereknick:
1992 gründet Madonna das Label Maverick, ihre eigene Platten-, Verlags- und Filmgesellschaft innerhalb des Time-Warner-Imperiums. Neben Tom Hanks
und Gina Davis spielt sie im Film A League Of Their Own (Eine Klasse Für Sich), der Song zum Film This Used To Be My Playground ist ihr nächster Nr.
1-Hit. Einige Monate später veröffentlicht sie das Softcore-Pornografie-Buch mit dem schlichten, aber treffenden Namen Sex, das neben zahlreichen
Aufnahmen von ihr selbst und anderen Stars (u.a. Naomie Camphell, Vanilla Ice, Isabella Rosselini) auch einige ausgewählte Gedichte enthält. Die Kritik
ist vernichtend, doch die Erstauflage ist innerhalb weniger Stunden vergriffen. Nicht viel anders ergeht es den nachbestellungen, sodass heute vereinzelt
bis zu vierstellige Summen für das Buch geboten werden. Der Trubel um Sex hat allerdings Auswirkungen auf Musik und Film: Von ihrem Album Erotica
werden zwar mehr als 5 Millionen Stück verkauft, zu einem anderen Zeitpunkt wären es aber deutlich mehr gewesen. Der Film Body Of Evidence, eine
Mischung aus Erotikthriller und Gerichtsdrama, wird gnadenlos zerrissen und floppt an der Kinokasse; hinzu kommt die Auszeichnung mit der Goldenen
Himbeere als schlechteste Schauspielerin des Jahres (Jahre später wird der Film weitaus positiver bewertet). Als das zu Beginn 1994 erschienene Album
Bedtime Stories anfangs hinter den Erwartungen zurück bleibt (die gleichnamige Single verfehlt erstmals seit Everybody die Top 40), verleitet das viele
Kritiker zu der Vermutung, Madonna stünde bereits am Ende ihrer Karriere. Doch die Single Take A Bow, die 7 Wochen an der Spitze der Charts steht,
lässte vorerst alle Lästereien verstummen, die wenig später wieder an Stärke gewinnen, als mit Human Nature ein weiterer Song im Mittelfeld der Charts
hängen bleibt. Obwohl das Album trotz alledem allein in den USA über 2 Millionen Käufer findet, ist die Zeit zwischen 1992 und 94 die musikalisch
erfolgloseste seit 1984.
Vom Bad Girl zur argentinischen First Lady:
Madonna muss erkennen, dass ihre öffentlich ausgelebte Sexualität ausgereizt ist, also entscheidet sie sich zu einem radikalen und unerwarteten
Imagewandel. Anlass dazu bietet die Rolle der argentinischen Nationalheldin Evita Perón in der geplanten Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers
Musical Evita, um die sich Madonna 1995 bewirbt. Um ihre Ambitionen zu unterstreichen und ein älteres Publikum anzusprechen, erscheint die
Compilation Something To Remember, die durchweg aus Balladen besteht. Neben Songs aus ihrer langjährigen Karriere gibt es auch einige neue Titel. Mit
über 8 Millionen Käufern bringt das Album letztendlich den gewünschten Erfolg. Madonna bekommt die Rolle der Evita und beeindruckt am Ende auch
zahlreiche Kritiker. Anfang 1996 fällt die letzte Klappe und der Film könnte im Kino anlaufen, würde Madonna die Welt nicht mit einer unerwarteten
Botschaft überraschen: sie ist schwanger. Am 14. Oktober bringt sie ihre Tochter Lourdes zur Welt, deren Vater Carlos Leon gleichzeitig Madonnas
Fitnesstrainer ist. Im selben Zeitraum hat Evita Premiere in den Kinos, der äußerst positiv bewertete Film wird der erfolgreichste in Madonnas Karriere, für
ihre Darbietungskunst wird sie mit guter Kritik überschüttet. Wenig überraschend daher die jeweilige Nominierung für Golden Globe und Oscar als beste
Hauptdarstellerin (nicht zuletzt dank einer groß angelegten Werbekampagne). Den Golden Globe bekommt sie, doch der Traum vom Oscar-Gewinn
zerplatzt in der Nacht der Verleihung. Dennoch hat Madonna eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch auf der Leinwand erfolgreich sein kann. Abgerundet
wird der Erfolg von "Evita" noch durch den millionenfach verkauften Soundtrack und die ebenfalls erfolgreichen Auskopplungen Don't Cry For Me
Argentina und You Must Love Me.
Zurück an die Spitze der Charts:
Abgesehen von den Preisverleihungen Anfang des Jahres ist es 1997 ziemlich ruhig um Madonna. Das liegt einerseits an der Babypause, andererseits
beginnt sie zusammen mit William Orbit die Arbeiten für das nächste Album Ray Of Light. März 1998 kommt der Longplayer auf den Markt und wird zu
ihrem erfolgreichsten Album der 90er Jahre; in den USA wird der Sprung auf Platz 1 lediglich durch den Titanic-Boom verhindert. Und abermals überrascht
Madonna mit einem Imagewandel, sie gibt sich jetzt gläubig und spirituell. Passend zum Video der Single Frozen, in dem sich viele Gestiken aus der
buddhistischen Lehre wiederfinden, kreiert sie den Esotherik-Look (ihre Haare trägt sie jetzt lang, dazu die passenden Assecoires wie dunkle Kleidung
und Tattoos an den Händen). Ray Of Light enthält aber nicht nur religiöse Züge, sondern auch viele autobiografische, allen voran die spätere
Auskopplung Drowned World mit dem selbstsagenden Untertitel Substitute For Love. Vielleicht ist es gerade diese Mischung, die Kritiker für das Album
begeistert. Und diese Anerkennung macht sich bei der Verleihung der Grammy-Awards zu Beginn 1999 bezahlt: Madonna gewinnt gleich 4 der
bedeutenden Musiktrophäen, darunter die Preise als beste Sängerin und für das beste Album. Für den Film Austin Powers 2 steuert sie den Song
Beautiful Stranger, der mit seinen psychedelischen Klängen fast wie ein Titel aus den späten 60ern klingt. Nicht nur im Klang setzt sich Beautiful
Stranger deutlich von den Ray Of Light-Stücken ab, der Song ist grooviger, club-orientierter als seine Vorgänger. Somit gibt Madonna bereits frühzeitig
die musikalische Richtung für ihr kommendes Album vor.
Neues Album und privates Glück:
Ab Ende 1999 dreht Madonna die Beziehungskomödie The Next Best Thing (Ein Freund zum Verlieben), die im Folgejahr in den Kinos anläuft. Wie viele
seiner Vorgänger bleibt der Film hinter den Erwartungen zurück, Madonna erhält sogar eine weitere Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin.
Weitaus erfolgreicher die Soundtrack-Auskopplung American Pie, ein Cover des Don-McLean-Klassikers: Anfang 2000 veröffentlicht, kann sich der
Song an der Spitze zahlreicher Charts behaupten, in Deutschland wird es ihre 2. Nummer 1 überhaupt. Lediglich in den USA steht man der Neu-
Interpretation des Songs im modernen Pop-Gewand skeptisch gegenüber. Dies dürfte auch der Grund sein, warum American Pie nicht auf der US-Version
von Madonnas neuen Album Music zu finden ist. Während sie einerseits die Arbeit mit William Orbit fortsetzt, bedient sie sich andererseits der Hilfe des
Elektro-Pop-Produzenten Mairwais, von dem unter anderem der Titeltrack stammt. Doch bevor das Album veröffentlicht wird, gibt Madonna eine erneute
Schwangerschaft bekannt. Der Vater ihres Sohnes Rocco, der am 11. August das Licht der Welt erblickt, ist der britische Regisseur Guy Ritchie, den
Madonna Ende 1999 kennengelernt hat. Seitdem tauchen vermehrt Gerüchte auf, Madonna würde Guy heiraten, doch zunächst wird durch ihr Umfeld alles
dementiert. Aber irgendwann ist es gewiss: Madonna, die nach dem Ehe-Desaster mit Sean Penn eigentlich nie in fest binden wollte, wird mit dem Vater
ihres zweiten Kindes heiraten. Als Ort der Trauung wird das schottische Schloss Skilo ausgewählt, denn die anglikanische Kirche erlaubt - im Gegensatz
zur katholischen - die Trauung bereits geschiedener Personen. Am 22. Dezember ist es soweit, Madonna und Guy geben sich vor einigen ausgewählten
Gästen das Ja-Wort.
Dass Madonna auch nach fast 20 Jahren Karriere noch angesagt ist, zeigt einerseits der Direkteinstieg von Music auf Platz 1 der Album-Charts (ihr erster
überhaupt), andererseits der Andrang nach den Karten für ihren halbstündigen Auftritt in einem New Yorker Club im November, der ihr Bühnen-
Comeback einläutet.
Madonna im neuen Jahrtausend:
2001 beginnt musikalisch zunächst wie das vorangegangene Jahr: Madonna gibt in einem Club ein halbstündiges Konzert, diesmal allerdings in London,
ihrem neuen Wohnsitz. Ein Novum ist die Live-Übertragung des kompletten Auftritts im Internet, den weltweit viele Millionen Fans verfolgen. Eine weitere
Premiere gibt es bei der Verleihung der Brit-Awards im Februar: Madonna erhält erstmals den englischen Musikpreis, immerhin der zweithöchste seiner Art
weltweit. Dass sie es auch als scheinbar geläuterte Frau noch versteht, für genug Gesprächsstoff zu sorgen, zeigt das Video zu ihrer Single What It Feels
Like For A Girl, das von MTV für zu gewalttätig befunden und ins Abendprogramm verbannt wird. Doch die Aufregung gerät schnell in Vergessenheit,
als bekannt wird, dass Madonna wieder auf Welttournee geben wird. Der Ansturm auf die Karten übertrifft noch die höchsten Erwartungen; innerhalb
weniger Minuten und Stunden sind ganze Konzerte ausverkauft. Folge: In den Städten, in denen Madonna auftreten soll, werden reihenweise
Zusatzkonzerte angekündigt. Da auch die Karten für die neuen Termine schnell vergriffen sind, versuchen viele Fans ihr Glück im Internet, wo mehrere
tausend Mark für Tickets geboten werden. Dann der Schock für die deutschen Fans: Die beiden Auftaktkonzerte in Köln werden abgesagt, Wut und
Verbitterung machen sich unter den Fans breit. Um die wenigen noch vorhandenen Karten bemühen sich jetzt noch mehr Fans, doch bei vielen wird es
vergeblich sein. Tourauftakt wird nun am 9. Juni in Barcelona sein, vom 19. bis zum 23. Juni wird sie 4 Konzerte in Berlin geben. Nach ihren Auftritten in
Europa wird sie die Tour bis Mitte September in den USA fortsetzen. In naher Zukunft will sie auch einen Film zusammen mit Guy Ritchie drehen,
außerdem soll Ende des Jahres ein neues "Best Of"-Album erscheinen. Was daraus wird, bleibt abzuwarten...