Das Wattenmeer
Vor fast 20 Jahren begann ein Prozeß, in dessen Verlauf der Schutz und die Erhaltung des gesamten Wattenmeeres mit Naturschutzgebieten und Nationalparken gesichert und die trilaterale Wattenmeerkooperation zwischen den Niederlanden, Deutschland und Dänemark begründet und erweitert wurden. Parallel dazu wurden Teile des Gebietes als Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung (Ramsar-Gebiete), als Gebiete im Rahmen der Vogelschutz- und der Habitatrichtlinie und als Biosphärenreservate im Rahmen des Programms "Man and the Biosphere" (MAB) ausgewiesen.
Vorwort
Die Annahme der Erklärung von Stade und des Wattenmeerplans ist das Ergebnis von zwei Jahrzehnten der Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden, Deutschland und Dänemark auf dem Gebiet des Naturschutzes. Sie ist Ausdruck von 20 Jahren gemeinsamer Verantwortung für den Schutz eines Naturraums, dem national wie international außerordentliche Bedeutung zukommt.
Während des ersten Jahrzehnts der trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit lag der Schwerpunkt auf dem Schutz von Vögeln und Robben.
Seit Ende der 80er Jahre wird im Naturschutz ein verstärkt integrierter Ansatz verfolgt. Auf der 6. Wattenmeerkonferenz in Esbjerg 1991 wurde die gesamte Bandbreite menschlicher Aktivitäten im Wattenmeer behandelt. Drei Jahre später, auf der Konferenz von Leeuwarden, wurde die Regulierung der menschlichen Nutzung integriert in ein System ökologischer Ziele für alle typischen Wattenmeerhabitate.
Die Annahme der Erklärung von Stade und des Trilateralen Wattenmeerplans auf der 8. Wattenmeerkonferenz 1997 in Stade (Deutschland) kann als ein summarisches Ergebnis von fast 20 Jahren politischer Zusammenarbeit im Bereich des internationalen Naturschutzes gelten.
Gleichzeitig bildet die Konferenz von Stade den Ausgangspunkt für eine neue Phase in der trilateralen Wattenmeer - Kooperation, deren Ziel es ist, Naturschutz und menschliche Nutzung miteinander in Einklang zu bringen. Grundlage hierfür sind die im Wattenmeerplan festgelegten gemeinsamen Ziele und der Maßnahmenkatalog für die Erreichung dieser gemeinsamen Ziele.
Die aktive Beteiligung aller Betroffenen an diesem Prozeß ist eine der großen Herausforderungen für die nächsten Jahre. Unsere Bemühungen um einen nachhaltigen Schutz und eine nachhaltige Entwicklung des Gebietes werden nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn all die Menschen, die dort arbeiten und leben, sich für die Erreichung dieses Ziels einsetzen. Ein erster Schritt in diese Richtung waren die öffentlichen Diskussionen während der Vorbereitung des Wattenmeerplans. Wir danken all denjenigen, die sich an diesen Diskussionen aktiv beteiligt haben.
Angela Merkel
Svend Auken
Josias van Aartsen
Fanø wird Nationalpark
Die dänische Regierung hat das Wattenmeer zum neuen Nationalpark ab 2009 ernannt.
Ganz Fanø wird ein Teil des neuen Nationalparks, und wird damit Dänemarks einzigste Kommune, deren gesamtes Areal Nationalpark ist.
Der Nationalpark Wattenmeer ist eines der wertvollsten Gezeitengebiete der Welt. Und für viele Wasservogelarten ist das Wattenmeer der wichtigste Rastplatz so wie das wichtigste Überwinterungsgebiet in Europa.
Der Nationalpark Wattenmeer wird sich von Blåvandshuk im Norden bis zum Tønder Marschgebiet im Süden erstrecken.
Die folgenden Links enthalten mehr Informationen um das Wattenmeer
www.zeeinzicht.nl/vleet/index-dui.php
Wattenmeer
Nichts bleibt wie es ist. Das Wattenmeer verändert ständig sein Gesicht. Dafür sorgen die Kräfte von Ebbe und Flut. Material, das an einer Stelle weggeschwemmt wird (Erosion), wird an anderer Stelle wieder abgelagert (Sedimentation). Je nach Strömungsgeschwindigkeit des Wassers werden die vom Wasser mitgeführten Sedimentteilchen an unterschiedlichen Stellen im Watt abgelagert. Die feinen Teilchen sinken in ruhigen und geschützten Bereichen zu Boden und bilden das Schlickwatt. Wo mehr Turbulenz herrscht, können sich nur die schwereren, gröberen Körner absetzen: hier entsteht das feste und wanderfreundliche Mischwatt und Sandwatt.
Die Flut spült zweimal täglich Rohstoffe und Nahrung ins Watt. Nährstoffreiche Sedimente lagern sich am Boden des Wattenmeeres ab. Diese organische Substanz bildet, zusammen mit den Kleinstlebewesen des Planktons, einen fruchtbaren Nährboden für Kleintiere. Auf einem Quadratmeter Wattboden leben Millionen von Kieselalgen, Tausende von kleinsten Krebsen und viele Muscheln, Schnecken und Würmer. Auf einer Fläche von 100 x 100 m haben die Tiere eine Biomasse von 3 -12 t Nassgewicht; das ist mehr als im Urwald.
Ebbe und Flut
Ohne die Gezeiten gibt es kein Wattenmeer. Sie entstehen durch das Zusammenspiel von Erde und Mond. Beide drehen sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt, der noch im Inneren der Erde liegt, aber nicht mit dem Drehpunkt der Erde zusammenfällt. In den Weltmeeren gibt es dadurch seit ihrem Bestehen zwei Flutberge: auf der mondzugewandten Seite der Erde entsteht er durch die Anziehungskraft des Mondes, auf mondabgewandten Seite durch die Fliehkraft des sich drehenden Erde-Mond-Systems. Beide Flutberge sind etwa einen halben Meter hoch.
Die Erde dreht sich bei ihrer täglichen Rotation in 24 Stunden unter diesen beiden Flutbergen hinweg. Dadurch gibt es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser.
Die relativ großen Tidenunterschiede in der relativ kleinen Nordsee sind Fernwirkungen aus dem Atlantischen Ozean: die atlantische Flutwelle schwappt vom Osten her durch den Ärmelkanal und zwischen Schottland und Norwegen vorbei in die Deutsche Bucht. Auf Borkum ist daher das Hochwasser etwa sechs Stunden eher als in Brunsbüttel. Der Wasseraustausch der großen Ozeane mit der Ostsee dagegen ist durch Skagerrak und Kattegat nur gering - deshalb machen sich die Gezeiten an der schleswig-holsteinischen Ostküste kaum bemerkbar.
Die Sonne hat an dem Ebbe-Flut-Geschen nur einen 10-Prozent-Anteil: Stehen Sonne,. Erde und Mond in einer Achse, also zu Neumond und Vollmond, so bewirken die relativ schwachen Anziehungskräfte der weit entfernten Sonne eine leicht Erhöhung der Flutberge. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt dann 3,30 m. Dies nennt man Springtide. Wenn die Anziehungskräfte von Sonne und Mond dagegen im ersten und letzten Mondviertel senkrecht zueinander stehen, verflachen die Gezeitenwellen zur Nipptide und der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt dann 3,0 m.
Ebbe (ablaufendes Wasser) und Flut (auflaufendes Wasser) sind übrigens Vorgänge, während Hoch- und Niedrigwasser die dazwischen liegenden Zeitpunkte bezeichnet