Wolhynien

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INHALTSVERZEICHNIS:

Die Entstehung Wolhyniens

Wolhynien: in der nordwestlichen Ukraine, eine historische, multikulturelle Landschaft von der Größe des Bundeslandes Bayern und etwas mehr.
Hier lebten vor 1915 etwa 250.000 Deutsche Einwohner.
Diese historische Landschaft zwischen Bug und Dnjeper befindet sich im Nordwesten der Ukraine. Das Gebiet gehörte im 9. und 10. Jahrhundert dem Kiewer Reich an und bildete bis zur Vereinigung mit Galizien 1188 das unabhängige Herzogtum Lodomerien mit der Hauptstadt Wladimir-Wolynskij.
Geographisch gesehen handelt es sich im Norden um ein Gebiet, das eben und vielfach sumpfig ist. Im Süden dagegen hügelig bis zu einer Höhe von 400m NN, teilweise Steppe mit dem Hauptfluß Pripjat der ins Schwarze Meer mündet und weiteren kleineren Flüssen wie; Turija, tyr, Goryn, Slutsch, Ush, Teterew durchsetzt.
Im Ritterschen Geographisch-Statistischen Lexikon von Johannes Penzler des Jahres 1910 ist als Hauptstadt Shitomir (7.700 km2) mit einer Einwohnerzahl von 434.725 angegeben von denen davon 13.000 Deutsche waren. Der Große Brockhaus von 1935 gibt an, dass im ukrainische Anteil Wolhyniens des Jahres 1926 - 80.087 deutsche Einwohner, umgerechnet 43% der Gesamtbevölkerung ansässig waren.


Deutsche Einwanderer besiedeln Wolhynien


Seit Jahrhunderten besiedelten Deutsche die weiten Gebiete Russlands.
Die Siedlungsgebiete mit der höchsten Konzentration von Deutschen Einwohnern lagen an den Wolgaufern, am Schwarzen Meer, in Bessarabien und in Wolhynien. Kleinere Siedlungsgebiete waren an der Ostsee, um St.Petersburg und im Kaukasus zu finden. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges gab es hier eine antideutsche Hetze. So wurden viele dieser Siedler von den Russen verbannt und mußten sich in Sibirien oder Kasachstan niederlassen.
Wie die polnischen und ungarischen Herrscher rief auch Fürst Daniel deutsche Kaufleute und Handwerker in sein Land.
Ein Großteil dieser deutschen Einwanderer waren Protestanten (Lutheraner) oder Mennoniten. In einigen Gebieten schlossen sich Siedler bestehend aus Juden, Katholiken, Babtisten und Mitglieder der Reformierten Kirche der Hernhuter Brüdergemeinden (Moravier) an.
Wegen der enormen Größe Rußlands ist auch die Geschichte der dort lebenden Deutschen vielseitig und komplex. Sie kamen aus verschiedenen Provinzen Deutschlands und lebten über mehrere Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Teilen des russischen Zarenreichs, so dass sich ihre Geschichte am zeitlich am besten in drei Abschnitte der Einwanderung unterscheiden läßt:


1. 1736 -1769 - Mittlere Wolga, Petersburg, Woronesch,

2. 1787 -1823 - Südukraine, Krim, Bessarabien, nördlicher Kaukasus,

3. 1830 -1870 - Wolhynien, Wolgagebiet.

Die meisten Siedler kamen in der Zeit bis 1823. Die Zarin Katharina II., die Große (geboren am 2. Mai 1729 in Stettin, gestorben am 17. November 1796 in Zarskoje Sele - heute Puschkin; Regierungszeit: 1762-1796) aus dem Hause Anhalt-Zerbst Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst) stammend, ließ aufgrund ihres Edikts vom 22. Juli 1763 in Deutschland Siedler (die als Kolonisten bezeichnet wurden) anwerben und betrieb so eine intensive Siedlungspolitik.

Die Wolhyniendeutschen sind zum großen Teil Niederdeutsche aus der Weichselgegend und aus Pommerellen; Mitteldeutsche aus Schlesien und Polen und Oberdeutsche (Schwaben) aus Mittelpolen. Wolhyniendeutschen sind der Religion nach evangelisch.

Während die Wolga- und Schwarzmeerdeutsclien in großen geschlossenen Dörfern siedelten, waren die Wolhyniendeutschen zum großen Teil in Streusiedlungen und Einzelhöfen angesiedelt worden. Das erschwerte das Gemeinschaftsleben. In der Sowjetzeit wurden allerdings die Einzelhäuser ,versetzt" und geschlossene Kolchossiedlungen gebildet. Diese Kolonisten sollten das brachliegende Land südöstlich von Moskau, besonders entlang der Wolga, urbar machen. Große Landstriche an der Wolga, die bereits 1556 von den Russen erobert wurden, lagen noch vollstänig unkultiviert.

Der Boden war sehr fruchtbar und Katharina II. wollte mit der Ansiedlung von Kolonisten, diese Wildnis urbar machen. Sie schufen sich unter schwersten Bedingungen, aus zuvor verwahrlosten Boden eine neue Heimat und machten aus Wald, Sand und Sumpf fruchtbares Ackerland.



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