Das Land im Süden Mallorcas ist flach und karg. Hier wachsen nur dürres Gras, Mandelbäume und Kapernsträucher. An der Landstraße von Ses Salines nach Santanyi bietet sich plötzlich ein völlig anderes Bild: Ein riesiger Garten mit Palmen- und Laubwäldern, einer Kakteenplantage und einem See breitet sich auf einer hügeligen Landschaft von 150.000 Quadratmetern aus. Es ist der Botanische Garten "Botanicactus" - ein Ausflugsort für Touristen und Pflanzenliebhaber. Jean Marc Maccario, Eigentümer und Direktor der Anlage, schwört, dass es der größte Botanische Garten Europas sei.
"Vor 30 Jahren hat mein Vater das Gelände gekauft", sagt der 50-jährige Franzose. "Er betrieb in Südfrankreich eine Pflanzenzucht. Auf Mallorca wollte er einen Kakteengarten als Besucherattraktion anlegen." Mit Hilfe eines Landschaftsarchitekten wurde ein Plan erarbeitet, der das öde flache Land in drei Bereiche teilt: Auf 25.000 Quadaratmetern entstand ein mallorquinischer Garten, auf 40.000 Quadratmetern der Kaktusgarten und auf 50.000 Quadratmetern ein tropischer Garten mit einem großen künstlichen See. Mit dem Erdaushub aus dem See, der an manchen Stellen bis zu vier Metern tief ist, wurde die Parklandschaft angelegt. Darüberhinaus gibt es Flüchen für Gewächshäuser und ein Restaurant, das für besondere Anlässe angemietet werden kann. Vor 20 Jahren wurde die Anlage eröffnet.
Betritt man den Botanischen Garten, so gelangt man zunächst in die balearische Pflanzenwelt: Man durchwandert Laubengänge, dicht überwuchert von Trompetenblumen und Prunkwinden. Es folgen Alleen und Pflanzungen von Granatapfel- und Olivenbäumen, Eukalyptus- und Mandelbäumen, Zypressen, Pinien und Orangenbäumen. Hibiskus-Sträucher und Paradiesvogelblumen blühen in kräftigen Farben. Inmitten der Pflanzenpracht fließt Wasser in schmalen Kanälen. Auf einem kleinen Hügel steht der Nachbau einer traditionellen mallorquinischen Schäferhütte aus unverfugten Steinen.
Nach dem eindrucksvollen Spaziergang durch die mallorquinische Flora gelangt man in den Kakteengarten, der eine riesige Vielfalt an exotischen und stacheligen Gewächsen aufweist. "In dieser künstlich geschaffenen Wüste zeigen wir 10.000 verschiedene Kakteen." Der besondere Stolz des Gartenbesitzers war eine mehr als 300 Jahre alte Carnegiea gigantea aus Mexiko - ein bizarres Stachelgewächs - das vor kurzem eingegangen ist. "Ich lasse die Pflanze als Skulptur stehen", sagt Jean Marc.
Wer sich für tropische Landschaften begeistern kann, findet hier auch sein Terrain. Auf riesigen Rasenflächen stehen verschiedene Palmenarten und Bambusgewächse. Dazwischen liegen zwei kleine Tümpel mit Seerosen und Zypergras sowie ein großer künstlicher See mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern. Darauf befinden sich eine über eine Brücke zugängliche dicht bepflanzte Insel und mehrere Wasserspiele. Wildenten haben sich auf dem Gewässer eingefunden, in dem sich auch Wasserschildkröten tummeln. "Kinder aus dem Dorf haben sie gebracht. Sie wollten sie nicht mehr als Haustiere haben", sagt Maccario.
Der Mann hält die Anlage mit einer Hand voll Helfern in Schuss. "Das Geschäft läuft mehr schlecht als recht", sagt er. "Es kommen nicht genug Besucher. Um die Kosten zu decken, müssten 150 Leute am Tag den Weg zu uns finden. Das passiert aber fast nie." So arbeitet der Chef mit seinem Team auch in Privatgärten der Insel.
Botanicactus
Landstraße von Ses Salines nach Santanyí, km 1
Ses Salines, Tel.: 971-64 94 94
www.botanicactus.com
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