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Von Null auf Hundert

Sein Können hat Stephan Hocke bereits im vergangenen Sommer angedeutet. Bei den Mattenspringen in Sapporo und Hakuba war der Nachwuchs-Adler jeweils bester Deutscher. Für Reinhard Heß führte kein Weg mehr an dem 18-jährigen Oberhofer vorbei. Der Bundestrainer nominierte 'Honk‘, wie ihn seine Freunde nennen, als achten Weitenjäger für das DSV-Team. ”Er setzt Korrekturen beim nächsten Sprung um“, erläuterte Heß die Stärke seines Schützlings. Dass er noch in der Saison 2000/2001 den Startplatz für die Junioren-WM verpasste, interessiert heute keinen mehr.

Seine Aufstellung rechtfertigte der Hobby-Skateboarder prompt. Beim Weltcup-Auftakt in Kuopio schaffte er gleich den Sprung unter die Top-Ten. In Neustadt zeigte der Suhler, dass die Erfolge aus Finnland keine Eintagsfliege war. Und bereits bei der zweiten Konkurrenz (5. Platz) erfüllte Hocke die interne Olympia-Norm. Plötzlich war der Abiturient in aller Munde. Sogar die finnischen Zeitungen interessierten sich für den Shooting-Star. Nach seinem siebten Rang beim Auftakt war er in den Medien noch fälschlicherweise als 'Locke‘ bezeichnet worden – spätestens jetzt wird jeder den Namen des Thüringers kennen.

Die Schulbücher hat Stephan stets dabei. Aber unterwegs fällt es ihm jedoch schwer reinzuschauen. Dennoch will er die Schule nicht vernachlässigen und bsatelt zurzeit an seinem Abitur.

 

Nach 11 Stunden Flug von Tokio bis Frankfurt/M und der anschließenden mehrstündigen Busfahrt nach Oberhof ist der 17 jährige Schanzenpilot Stephan Hocke und sein Vereinskamerad Jörg Ritzerfeld Anfang der Woche wieder in der Rennsteigstadt eingetroffen. "Zum Glück hat meine Klassenleiterin Frau Witter die geplante dreistündige Deutscharbeit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben " zeigte sich der Sportgymnasiast der 11. Klasse sichtlich erleichtert über ihr Entgegenkommen, da die Auswirkungen der Zeitumstellung auch an dem jungen Athleten nicht spurlos vorübergingen. Aber nach drei Tagen waren Physis und Psyche wieder in Lot. Trainer Knut Klinzing und Rainer Schmidt konnten ihre Schützlinge wieder ins volle Trainingsprogramm einbeziehen.

Anfang des Jahres war noch nicht daran zu denken, das zur Deutschen Juniorenauswahl gehörenden WSV- Skispringer dieses Sommer Grand Prix in Japan mitbestreiten werden. Durch die vom Trainer Reinhard Heß verordnete Wettkampfspause für Schmitt, Hannawald und Duffner bekamen die Youngsters die Chance, sich mit der Weltspitze beim Sommerfinale in Japan zu messen. Stephan Hocke, der mit sechs Jahren durch seinen Vater Wilfried, der am Sportgymnasium Nachwuchstrainer der Kombinierer ist, erste Bekanntschaft mit den Sprunghügeln in Suhl und am Zella-Mehliser Stachelsrain machte, hat diese große Bewältigungsprobe in Sapporo und Hakuba bestens bestanden.

Co-Bundestrainer Henry Glaß zeigte sich besonders von dem 127m und 112,5 m von Stephan Hocke auf der Olympiaschanze von Sapporo und Platz neun als bester Deutscher angenehm überrascht. "Auf dieser Schanze konnte ich meine Stärke als guter Flieger voll nutzen, "kommentierte er rückblendend seinen internationalen Start im deutschen Männer- Auswahlteam. "Dass ich auch in Hakuba bei beiden Wettkämpfen im Endkampf der 30 Besten stand, war für mich ein toller Erfolg."

Mit 58 kg bei einer Körpergröße von 177 cm hat der schnellkräftige Athlet, der mit 15-Jahren bereits Deutscher Jugendmeister wurde, gute Flugvorraussetzungen. Seine Oberhofer Trainer bescheinigen sein Talent, wenn ihm auch noch die Konstanz für mehrere gute Sprünge fehlt und im Absprung noch Reserven bestehen.

Stephan, der in seiner knapp bemessenen Freizeit gerne Hip Hop Musik hört, Basketball spielt und gerne mit Inlineskatern oder Snow Blades unterwegs ist, wird in der nächsten Woche beim Trainingslehrgang der A- und B- Kader der Spezialspringer in Oberhof dabei sein. Die nächste Bewährungsprobe für Stephan und seinen Trainingsgefährten Jörg Ritzerfeld wird der im Kanzlersgrund stattfindende Intercontinentalcup sein.



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