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Sommersonnenwende-der längste Tag im Jahr. Der Abend vor dieser Nacht ist unvergleichlich,denn diese Stunden sind mit Zauberkraft erfüllt.

Sie stehen in der Mitte einer Lichtung im Wald,fernab von allen Treiben,umringt auf drei Seiten von den dunklen immergrünen Röcken der Erdmutter.Hinter ihnen wellt sich ein Kornfeld,das noch ganz am Anfang seines Wachstums steht.

Über ihnen hängt der Mond.Er gießt sein milchiges Licht auf den ganzen Planeten und ist dabei so rund und voll wie eine Mutterbrust.Seine glänzende Kugel schwebt am samtschwarzen, mit Sternen bestückten Firmament.

Sie holen tief Luft und saugen den süßen Duft des langsam erkühlenden Sommertags ein.Undnun verschmelzen Kornfeld,Dunkelheit,Nachtgeräusche,Wald und Mond mit der Zeit,die nicht existiert.

Sie sehen sich auf der Lichtung um und werden gewahr,dass sie nur einer von vielen sind.Alt und jung,stämmig und zart...,von überall her sind sie gekommen,um n dieser Nacht zur Stelle zu sein,genau wie sie.Ein Meer von Gesichtern,alle kaum fähig,ihre Vorfreude im Zaum zu halten.Da wird getuschelt und geraunt,kaum hörbar,kaum zu unterscheiden von dem Flügelschlag taumelnder Nachtfalter.Friedliche Eintracht herrscht zwischen beiden Welten....

Leise rollt etwas Wellengleiches heran,bewegt die Menge.Lautlos formen alle einen Kreis.Eine Wolke eilt dem Mond entgegen...verbirg seinen Glanz sekundenlang...

Im Dunklen nehmen Männer,Frauen und Kinder einander an den Händen.Gleich darauf strömt das Mondlicht erneut herab,und sie hören ein staunendes "Ahh!!!" durch die Menge laufen,denn in der Mitte des Kreises erscheint mit eienm Mal ein Licht-die leuchtend weiße Aura einer Frauengestalt.

Sie ist wie keine andere.Sie ringen um einen Vergleich und finden keinen,weder in diesem Leben,noch in den Gedächtnisfetzen vergangener Leben...

Ihre Haltung ist aufrecht,gebieterisch.Sie hat die Arme zum Himmel erhoben und zieht das Mondlicht in ihr Herz,in den Kern ihrer Seele hinein.Sie wird umwogt von schimmernden Stoffen,die kein Mensch gewirkt haben kann.Wie zärtlich das Gewebe ihre Gliedmaßen umspielt,als hätte es ein Eigenleben und küsste die Nacht...

Wer ist sie?Eine schwarzhäuptige Titanin,die weizenblonde Himmelskönigin,eine feuerspeiende Kriegerin?Strahlt ihre Haut wie pures Gold oder ist sie so schwarz wie Ebenholz?Sie wissen,sie erscheint jedem in der Runde auf andere Weise,es ist,als könnten sie die Gefühle und Gedanken der staunenden Menge lesen...

Und damit geht ihnen auf,dass sie im Geiste mit allen Lebewesen verbunden sind,weil ihre Präsenz sie durchdrungen hat.Der Anblick ihres Gesichts verschlägt ihnen den Atem;sie verspüren einen Anflug von Furcht-sie werden im Nichts versinken müssen,um den Verstand gebracht.Die Auflehnung durchzuckt sie und vergeht...sie bleiben gefasst vor dieser Schönheit stehen und ertragen den Anblick...

In ihr Herz hineinzusehen ist ein Gotteserlebnis...sie ist die Göttin selbst!O nein!Das können sie nicht ohne Einwände akzeptieren! Ein Streitgespräch entsteht in ihrem Kopf.Woher wissen sie,das sie eine Gotteerscheinung vor sich haben? Ist sie Aradia ,die Königin der Hexen? Ein Mensch? Die fleischgewordene Göttin? Die Tochter der Gottheit,die ihr gesamtes Selbst nicht in eine menschliche Form zwingen konnte,wie sie doch gehört haben?

Trotz aller Zweifeel wissen sie,dass sie sich seit Urzeiten danach gesehnt haben,sie irgentwann einmal leibhaftig zu sehen;und sie fühlen sich zu Hause an diesem Platz, obwohl sie von lauter Fremden umringt sind.In der Tat,hierher gehören sie!

Und nun richtet sie ihr Wort an die Rund.Ihre Stimme klingt voll und wahr.Ergriffen sehen sie zu,wie die Wipfel der Bäume sich vor ihr verbeugen,wenn sie den Aufruf ertönen lässt:

"Hört mich an.Unter unzähligen Namen bin ich allen sprechenden Wesen bekannt.Ich bin die ewig Junge! Ich bin die Urmutter! Ich bin die Alte mit dem Schlüssel zur Unsterblichkeit!Verborgen in dem Mysterium,bin ich doch jeder Seele bekannt."

Sie senkt ihre Anrme der Versammlung entgegen.Ein kleines Mädchen stößt einen Schreckensschrei aus.Seine Mutter beeilt sich die Kleine aus der Runde zu entfernen.    Doch Aradia gibt der Kleinen einen lächelnden Wink,vollzieht die Geste des Wiegens mit leeren Armen,und plötzlich liegt das Kind in ihren Armen.Die Mutter verscheucht nur noch leeren Raum aus dem Kreis.                                                                                      Jeder Zwiefel an der Wirklichkeit der Erscheinung verfliegt in diesem Moment.Das Kind still und zufrieden in Aradias Armbeuge,während ihr zweiter Arm zum Himmel weist und sie sagt:

"Hört mich und erkennt mich.Immer wenn der Mond sein volles Maß erreicht hat,sollen meine Kinder zu mir kommen. Versammelt euch an einem geheimen Platz wie diesem und ehrt den großen Geist,den ich als Hexenkönigin verkörpere!Unter meinen wachsamen Blicken werden meine Kinder die Mysterien der Erde und der Naturkräft beherrschen lernen. Was unbekannt ist,soll erkannt werden,was verborgen ist,offenbart;                                    auch die verlorenste Erdenseele soll von meinem Licht durchdrungen werden.Aus dem Kessel sollt ihr Allwissen schöpfen und die Unsterblichkeit erlangen."

Sie hält inne ,um den Kopf des kleinen Mädchens zu streicheln.Dann stellt sie es sanft auf den Erdboden.Es läuft zu seiner Mutterr,ein seliges Lächeln auf dem kleinen Engelsgesicht.Langsam gleidet Aradia im Kreis von einem zum nächsten und blickt aufmerksam in dei schattenhaften Gesichter.Sie spricht:

"Frei von Knechtschaft sollt ihr sein und tanzen und singen. Musik wird euch beim Gottesdienst erheben,denn ich bin die Herrin der geistigen und sinnlichen Ekstasen!"

Ihre Augen werden größer,leuchtender und ihre Stimme vibriert vor Kraft,da sie verkündet:

"Ich verlange keine Opfer!Denn seht ich bin die Mutter aller lebenden Geschöpfe..."  

Sie legt ihre Handfläche auf die Stirn eines Mannes.Sie ruft:

"Schaffe und heile!"

Dann wird ihre Stimme weicher,sie zwinkert einem anderen zu:

"Sei stark und mild zugleich!"

Rasch wendet sie sich an eine alte Frau:

"Sei nobel,doch ehrerbietig!"

Dann berürht sie das Gesicht einer jungen,hübschen Frau:

"Bring zur Welt,und lass dich neu erfüllen!"

Sie dreht sich mit einem verführerischen Lachen um sich selbst,geht weiter im Kreis,berührt jeden einzelnen,murmelt Zuspruch und ermuntert alle,ihre Ängste und Hassgefühle zu überwinden.

"Und wie der Mond in ewigen Zyklen schwillt und verebbt,um wider neu zu schwellen;wie die Jahreszeiten im stetigem Wechsel übergehen,von Saat zu Ernt,zu Todesgleiche und Neugeburt...so werden meine Kinder ihre eigen Rythmen erkennen,in beiden Welten zugleich!"

Ihr Herz schlägt in seinem gottgewollten Rythmus,während sie weitergeht,nein,weitergleitet-auf sie zu...Als ihnen unversehensKlar wird,dass sie sie auserkohren hat,schlägt ihr Magen ein paar Purzelbäume.Jetzt steht sie dirskt vor ihnen.Ihre Wärme umspült sie miz Moschusduft oder ist es Lavendel und Rosenholz?Sie ist so schün das ihre Augen nie wieder sehen werden wie zuvor.

Wie ein Hauch senkt sich die Hand der Hexenkönigin auf ihre Schulter und sendet den Strom der Kraft durch ihre Glieder.Schlagartig werden sie in Ekstase versetzt,und während alle Kraft in ihrer Körpermitte zusammenkommt,raunt sie ihnen etwas zu-vertraulich,doch für alle hörbar:

"Und du wirst die Worte sagen:                                                                                   Ich  werde lieben und niemanden schaden.                                                                  Ich  werde leben und sterben und wieder leben.                                                              Ich werde entdecken,erkennen und wissen und das Verlorene in neuer Form umarmen.      Zum Wohle aller und im Gesetz des freien Willens:                                                       Wie mein Wille ist,so sei es getan.Von nun an und für immer!"

Sie sprechen die Worte nach.Alle anderen wiederholen das Gelübde der Hexen. Sie weicht in die Mitter der Lichtung zurück,scheinbar ohne irgenteine Bewegung zu vollführen.Ihr Kraftstrom kursiert in jeder Pore ihres Wesens.

Panflöten erschallen.....ihr Klang fließt in nebligen Spiralen auf Aradia zu.An ihrer Seite erscheint ein Fabelwesen,halb Tier,halb Mann,schimmernd in changierenden Farben auf einem Untergrund aus Gold.Starke Bronzearmen legen sich um ihre Taille,so behutsam,als bestünde seine Gefährtin aus Feenflügeln.

Die gezwirbelten Hörner auf seiner Stirn leuchten von innen.Sein Antlitz erschrckt sie nicht.Sie wissen das er ein Gott ist.das Gegenstück der Königin,die goldene Hälfte ihres silbrigen Seins.

Sie lächeln sich verständnisinnig an.Und allmählich verschmelzen die beiden zu einem einzigen strahlend weißem Lichtwesen.Plötzlich verschwindet alles in jäher Dunkelheit.

Beunruhigt sehen síe zum Himmel auf und sehen,dass der Mond hinter einer Wolke verschwunden ist.

Gleich darauf wird die Lichtung wieder in helles Mondlicht getaucht.Alle starren wie gebannt auf die Mitte des Kreises.Doch sie ist leer.

Silver Ravenwolf

 

 



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