Während die Tempelritter es in Europa zu Wohlstand brachten, verschlechterte sich die Lage im Heiligen Land zusehends. König Balduin IV. von Jerusalem starb 1185. In dem Gerangel um seine Nachfolge brach Gerhard von Ridefort, der Großmeister des Tempelordens, seinen geleisteten Eid und brachte damit die christliche Gemeinde in Palästina an den Rand des Bürgerkrieges. Die Anmaßung, mit der er den Sarazenen begegnete, führte zum Bruch der seit geraumen Zeit bestehenden Waffenruhe. Im Juli 1187 führte Ridefort seine Ritter zusammen mit dem Rest des christlichen Heeres überstürzt in eine schlecht vorbereitete Schlacht, die mit der katastrophalen Niederlage bei Hattin endete. Die christlichen Streitkräfte wurden völlig aufgerieben, und zwei Monate später befand sich das hundert Jahre zuvor eroberte Jerusalem wieder in den Händen der Sarazenen.
Ein Kreuzfahrerstaat nach dem anderen wurde von den Sarazenen erobert. Einzig Akkon konnte ihren Angriffen zunächst standhalten. Doch im Mai 1291 fiel auch diese letzte Festung der Christen, obwohl sie von den Tempelrittern wahrhaft heldenmütig verteidigt worden war. Zwar errichteten die Tempelritter auf Zypern einen neuen Hauptsitz, doch der Verlust des Heiligen Landes hatte sie praktisch ihrer selbstgesetzten Aufgabe beraubt. Und da sich für sie in absehbarer Zeit keine Möglichkeit eröffnete, ein anderes Land für das Christentum zu erobern, wandten die Templer ihre Aufmerksamkeit stärker Europa zu, in der Hoffnung, dort eine Rechtfertigung für den Fortbestand des Ordens zu finden.
Gegen Ende des zwölften Jahrhunderts hatten die Tempelherren bei der Gründung eines anderen geistlichen Ritterordens Pate gestanden: Des Deutschen Ordens. Dieser hatte sich nur mäßig an den Unternehmungen im Nahen Osten beteiligt und um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts seine ganze Aufmerksamkeit auf die nordöstlichen Grenzen der christlichen Welt gerichtet. Dort schuf er sich ein unabhängiges Fürstentum, den Deutschordenstaat, der sich über fast das gesamte östliche Baltikum erstreckte. In diesem Gebiet übten die Deutschherrenritter ihre Herrschaft aus.
Seit Gründung des Ordensstaates hatten die Tempelritter den Orden um seine Unabhängigkeit und seine Privilegien beneidet. Nachdem sie aus dem Heiligen Land vertrieben worden waren, wurde der Wunsch nach einem eigenen Staat immer stärker. Ebenso wie der Deutsche Orden wollten die Tempelritter die uneingeschränkte Autorität über ein Land besitzen. Der unwirtliche Wildnis Osteuropas konnten sie jedoch nichts abgewinnen, zu sehr waren sie an Luxus und Überfluß gewöhnt.
Die Templer nahmen in Spanien auch an der Requonquista teil, den Kampf der Christen gegen die Mauren. Ihre Beteiligung an der Schlacht von Las Navas de Tolosa 1212 ist belegt; sie unterstützen zusammen mit anderen französischen Kreuzfahrern die Truppen aus Kastillien, Navarra und Aragon.