Bananenrepublik Altenheim

Hierarchie-Leidfaden für Außenstehende und Mitarbeiterinnen

Für alle, die wissen möchten, wer im Heim was zu sagen hat und wofür verantwortlich ist, hat Altenpfleger-Autor T.P. Westerhaus den nachfolgend wiedergegebenen Hierarchie-Leitfaden zusammengestellt. Ob es sich dabei um einen Aprilscherz oder bittere Wahrheit handelt, möge jede(r) Leser/in für sich selbst entscheiden.

Der Heimleiter:

Sieht alles, weiß alles.... vergisst alles;besonders wenn es um Zusagen gegenüber Mitarbeitern geht. Umgibt sich gern mit der Aura des Allwissenden(daher auch die Bezeichnung ,,lieber Gott des Altenheimes"),obwohl er als Kaufmann (oder Sozial- Futzi  oder  ,,christliche Persönlichkeit")überhaupt keine Ahnung von Pflege hat. Vielleicht auch gerade deswegen....

Die Pflegedienstleitung:

Sieht alles, weiß alles....vergisst nie etwas; besonders wenn Untergebene Widerworte gegeben haben. Hauptaufgabe : Krisenmanagement. Standart- Grußformel:,,Wer war das ?"Oberste Fachkraft, meistens kompetent, was aber niemandem auffällt ,da sie es sich nicht leisten kann, schlauer zu sein als der Heimleiter.

Der Vorstandsvorsitzende des Trägers:

Sieht nichts, weiß nichts....merkt sich alles; weil er auf Gerüchte und Verräter angewiesen ist. Kommt nur ins Heim, wenn Feiern anstehen (Alkohol!), hält dann unvermeidlicherweise eine Rede, in der er tut, als hätte er den gesamten Etat des Hauses mit seinen eigenen Händen durch Kohlen-Schleppen bestritten. Setzt sich anschließend in seinen Dienstwagen (8 Zylinder, 200 PS)und fährt nach Hause.

Der Betreuungsdienst:

Sehen alles, verstehen nichts und erzählen es dann weiter. Alles Doppelagenten, weil sie der Station erzählen, der Träger wäre Alkoholiker und würde seine Frau schlagen, und dem Träger erzählen, die Bewohner würden schlecht versorgt.

Die Stationsleitung:

Undankbarster Job in einen Altenheim, für alles verantwortlich und von keiner Seite Hilfe. Wird beim kleinsten Fehler vom HL zur Schnecke gemacht, hat was geklappt, war es das Verdienst des Allmächtigen (siehe Heimleiter).Sieht es gar nicht ein, für Kr 5 den Helden zu spielen, und gibt folgerichtig den Druck nach unten weiter.

Die stellvertretende Stationsleitung:

Wie der Enkel von Willi Brand wartet ewig auf ihre Chance, und wenn sie da ist, vermurksen sie es. Meistens eine examinierte Kraft, die ab und zu wichtig tun darf und dafür von ihren Kollegen geschnitten wird.

Examinierte Kräfte:

Sehen, was zu tun ist, wissen, was getan werden könnte, entscheiden, was getan werden soll, verantworten, was tatsächlich getan wird. Prototyp des ,,Front- Schweins". Tragen die Hauptlast der Stationsarbeit, weil sie neben ihrer eigenen Arbeit auch noch hinter allem, was unausgebildet arbeitet, her sein müssen und von diesen immer alles zugeschoben bekommen. Haben alle Hände voll zu tun, sich gegen Leute zu wehren, die alles besser wissen. Irgendwann kommen sie auf die bescheuerte Idee, sich für den Job zu bewerben, der für eine Lohnstufe mehr noch viel schlimmer ist...Stationsleitung.

Hilfskräfte:

Befinden sich ständig im Konflikt zwischen ,,Geht mich nichts an" und ,,Ich bin der Stations- Profi". Haben die Indianapolis-Position  (wenn`s eng wird, bin ich als erster weg).Zeigen ihre Inkompetenz dadurch, dass sie sich einbilden, mit Kompetenz glücklich zu sein. Ansonsten  unverzichtbar als unterste Stufe der Pflegehierarchie. Die Betroffenen trösten sich mit Intrigen gegen Examinierte.

Zivildienstleistende:

Die Stars der Station, da a: (der Kran von Schifferstadt) und b: ober- cool, weil sie keinen Vorgesetzten zu fürchten haben. Machen deswegen, was sie wollen, und das immer zum Nutzen der Bewohner.

Raumpflegerinnen:

Geliebt, weil sie einem so hässliche Arbeiten abnehmen, gefürchtet, weil fast alle eine Verwandte unter den Bewohnern haben, und wenn nicht, dann wenigstens eine Vertraute, und so jeden Fehler des Pflegepersonals als erste entdecken und einem natürlich gleich aufs Brot schmieren. Alles in allem Grund genug, sie an der kurzen Leine zu halten.

Praktikanten von Altenpflege-Schulen:

Geliebt, weil Überstunden abgebaut werden, wenn sie kommen, gefürchtet, weil sie alles besser wissen, sie auch noch meistens recht haben und so echten Stress verbreiten. Niemand will schließlich hören, dass er seit zehn Jahren falsch gespritzt hat, hat sich ja auch noch keiner beklagt, oder? Spielen sich oft als Robin Hood der Bewohner auf, und die Bewohner finden das auch noch gut.

Beschäftigungstherapeuten:

Der natürliche Feind des Altenpflegers. Nicht nur, dass diese Burschen etwas tun, wozu man selbst auch qualifiziert ist, sie machen auch noch so tolle Sachen wie Strick-Papageien oder Reißwolle-Mobiles, die dann überall hängen und die Bewunderung von Heimleitung und PDL finden. Examinierte fühlen sich zum Windelwechsel-Dienst degradiert. Wenn die BT`s dann anfangen, an der Pflege herumzunörgeln (Oma Krausees Windel war wieder nass, stellen sie das ab),weicht die kooperative, ganzheitliche Turbo- Pflege einem alles verschlingenden Blutrausch.

Sozialarbeiter:

Völlig überflüssiger Traumtänzer, der als einziger noch glaubt, es ginge im Heim sozial zu.

Supervision:

Andere Bezeichnung für bezahlte Langeweile, weil a: keiner weiß was Supervision auf Deutsch heißt, und b: niemand so dämlich ist, seine Kritik am Boss vor allen Leute rauszulassen und sich so ans Messer zu liefern. Wird vom Psychologen abgehalten, die sich dabei selbst blöd vorkommen.

Der Arzt:

Kleinkarierter Type, unfreundlich und in Eile, will nichts rezeptiveren. Redet selbstgefällig in übertriebener Fachsprache, um zu zeigen, dass die Schwester für ihn nur der geduldete Blöde ist. Aber wenn er ledig wäre und sich anbaggern ließe....

Bewohner:

In der komplizierten Welt des Personals absolut störend. Alles würde wunderbar funktionieren, wenn nicht dauernd die Bewohner irgendein Problem hätten, und Probleme gibt`s auch ohne Bewohner schon genug. Meist hilft nur noch die Flucht ins Stationszimmer.

Verwandte:

Die Pest ! Wissen absolut alles besser, weil sie a: ihrer Oma so gut kennen (darum hassen sie sich auch)und b: im Geschwollenen Blatt ein Bericht stand. Meistens geht es in Wirklichkeit nur darum, alte Rechnungen zu begleichen oder irgendwie an die Erbschaft zu kommen.

Stationszimmer:

Trutzburg des Pflegepersonals. Wird mit zwei magischen Sprüchen kraftvoll verteidigt.1.Ich bin beschäftigt.2.Wir haben Pause. Optimal kann bei beiden Sprüchen der Halbsatz :,,Pinkeln sie in ihre Windel, dafür ist sie ja da"beigefügt werden.Ansonsten beherbergt das Stationszimmer die Dokumentation,die Rapport-Kladde,das Nachtwachen- Buch, das Heft für Besonderheiten, das Spezial-Buch für persönliche Botschaften zwischen den Schichten und jede Menge Merkzettel.

Die Pflege:

Tätigkeit zwischen zwei Intrigen.

Die Kaffee-Kasse:

Gibt es gar nicht, und wenn es sie gäbe, wär`s bestimmt nicht für Kaffee.

Dienstzeit:

Die Zeit, in der man das beschauliche und ruhige Zuhause verlässt , um mit ein paar Hexen unter Aufsicht eines unfähigen Ekels, Bestien zu hüten. Man hätte weiß Gott Besseres zu tun, aber wir sind ja so sozial und hilfsbereit.

Altenheim:

Getreues Abbild eines mittelamerikanischen Kleinstaates dem mit Elementen einer deutschen Endlos-Serie aus  Fernsehen ,nur dichter, rasanter und gefährlicher, eben Realität


Gratis Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!