Lenormand Kartenlegen Fantasy Stories


Tretet ein in das Reich der Geschichten, Träume und Erzählungen!

Diese Seite schenke ich einem langjährigen Freund von mir.

Er schrieb diese Geschichten, die manchmal auf mysteriöse Art und

Weise entstanden sind. Ich freue mich darüber, daß ich sie hier veröffentlichen darf.

   Wenn Seelen weinen 

  

Wenn es einem in die Ferne zieht, sollte man dem Ruf folgen, denn meistens steckt mehr dahinter, als man denkt. Auch ich  mußte eines schönen Sommertages diese  Erkenntnis machen.
Ich wollte eine Reise unternehmen, doch wußte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wohin sie mich führen sollte. Einige Nächte lang zuvor hatte ich schon wirre Träume über ein Schloß in Schottland.
Die Reise konnte und mußte nur zu diesem alten Gemäuer führen. Ich packte meine Sachen, telefonierte noch schnell einem Freund, um mich zu verabschieden und trat die Reise an. Als ich in Schottland ankam, informierte ich mich noch  kurz  darüber, wie ich am schnellsten zu diesem besagten Schloß gelangen würde. Ich nahm mir ein Taxi und ließ mich dort hinfahren. Als ich ankam war ich überwältigt von dieser Mystik, die dieses prachtvolle Gebilde verbreitete. Der Taxifahrer fragte mich, ob ich wirklich hierbleiben wolle. Ich verstand die Frage nicht und wollte wissen, was er damit meine. „ Ist ja ihre Entscheidung“ erwiderte er und ließ mich auf dem Schloßhof stehen.

Einige Minuten verstrichen in denen ich dieses mächtige Bauwerk ansah, als aus der großen Eingangstür ein alter, gebrechlicher Mann auf mich zukam.
„Guten Tag! Darf ich ihr Gepäck ins Schloß tragen?“ fragte er mit sanfter Stimme.
„Danke, aber das muß nicht sein“ antwortete ich und wir gingen zusammen hinein. „Mein Name ist Dougall und ich bin der Butler in diesem Schloß“ sagte er mit stolzer Stimme. „Meine Frau wird ihnen ihr Zimmer zeigen“.
Ich folgte ihr durch eine große Halle, eine Treppe hoch und einen langen Gang entlang, bis wir schließlich an das Zimmer gelangten, das mir zugedacht war. Als ich das Zimmer betrat, überkam mich ein kalter Schauer, so als wolle es mir eine Geschichte erzählen. Überhaupt war die Verschmelzung von Gefühlen der Angst, Trauer und auch der Hoffnung und des Friedens sehr intensiv in diesem alten Gemäuer zu spüren. Ich beschloß erst einmal meine Koffer auszupacken und danach eine Erkundungstour zu unternehmen.
Im bewohnten teil des Schlosses war nur wenig davon zu sehen, wieviel Zeit an diesem Stück Geschichte vorbeigegangen sein mußte, was sich aber im unbewohnten Teil um so mehr widerspiegelte, indem ich mich alsbald verirrte.
Ich wanderte durch Gänge, kam durch Zimmer in denen seit Jahren kein Mensch mehr gewesen sein konnte. Alles war überzogen mit Staub und Spinnweben. Trotz des hellichte4n Tages machte sich eine gespenstische Stimmung breit. Da sich meine Fußspuren im Staub abzeichneten, hatte Dougall mich nach einiger Zeit gefunden. Ich fragte ihn warum dieser Teil des Schlosses so verfallen und schmutzig ist. Doch auf meine Frage bekam ich nur eine knappe Antwort. „Das Schloß ist einfach zu groß um es sauber zu halten, da wir nur fünf Leute auf dem Gut sind"“
“Fünf?“ fragte ich verwundert, da ich außer dem Butler und seiner Frau noch niemand auf diesem gepflegten Stück Land gesehen hatte.
„Ja, fünf! Meine Frau, meine Wenigkeit, unsere Tochter, die sich um die Pferde und die Stallungen kümmert und der Gärtner, der aber sobald es dunkel wird sofort das Weite sucht. – Jeden Abend!“

Nun war ich zwar kein Genie in Mathematik, konnte aber doch zusammenzählen und feststellen, daß es sich bis jetzt nur um vier Personen handelte. Auf die Frage nach der fünften Person erstarrte der Butler und wurde bleich wie eine Wand.
Als wir wieder in der großen Halle ankamen, hatte die Frau von Dougall das Essen serviert und rief uns zu Tisch.
Ein mächtiger Tisch, muß ich anmerken!
Er erstreckte sich über mindestens fünf Meter Länge, auf dem drei riesige Kerzenständer mit jeweils fünf Kerzen bestückt, den inzwischen vom Abend verdunkelten Raum mit flackerndem Licht erhellten.
Nach diesem großartigen Mahl beschloß ich in die Schloßbibliothek zu gehen, um mir noch ein Buch für den Abend zu holen.
Ein Kronleuchter an der Decke ließ die Bibliothek in einem unheimlichen Licht erstrahlen. In der Mitte des Raumes stand ein großer lederner Lehnensessel auf dem ich es mir natürlich sofort gemütlich machen wollte, sobald ich das passende  Buch gefunden hatte. Nach einigem Stöbern hatte ich ein sehr interessantes Buch in meinen Händen. Die Chronik der Familie und des Schlosses. Neugierig wie ich nunmal war, begann ich auch gleich damit das Buch zu lesen.
Es mußten einige Stunden vergangen sein, in denen ich in aller Seelenruhe diesen Geschichtsschinken verschlang, als ich
Bemerkte, daß sich außer mir noch  jemand in der Bibliothek befinden mußte, da ich deutlich Schritte hinter mir vernahm.
Nun bin ich wirklich kein Angsthase, mußte jedoch zugeben, daß diese Situation zu denen gehört, die man nicht jeden Tag erleben möchte.
Ich sah ganz vorsichtig um die Lehne des Sessels herum, doch erblicken konnte ich nichts und niemanden. Doch als ich wieder nach vorne schaute, erschrak ich um so mehr, denn am Kamin in dem ein kleines Feuer brannte, stand ein Mann und starrte die Bilder an, die auf dem Kaminsims standen.
Er sah traurig aus, dieser Mann.
Mir schoß dieser eine Gedanke plötzlich durch den Kopf.
Es konnte sich eigentlich nur um diese fünfte Person handeln.
Aber warum hatte Dougall eine solche Angst im Gesicht stehen, als ich ihn danach fragte?
Verwunderlich war nur, daß dieser Mann am Kamin Gewänder aus einer anderen Epoche trug. Das hatte jedoch bestimmt einen plausiblen Grund. Ich wollte den Mann gerade anreden, als er mich bemerkte und auf mich zukam und ungefähr zwei Meter vor mir wie vom Erdboden verschwand. Das was ich da sah, oder besser gesagt nicht mehr sah, war mir eindeutig zu viel und ließ die Chronik ein Buch sein.
Ich beschloß auf schnellstem Weg in mein Gemach zu gelangen. Dort angekommen, verschloß ich die Tür und legte mich mit einem sehr unguten Gefühl ins Bett.
Am nächsten Morgen war mein erster Weg zu Dougall, dem Butler, um endlich in Erfahrung zu bringen, um wen es sich bei dieser Gestalt denn nun handle. 
Auf meine Frage kam nur eine Gegenfrage. „Haben sie ihn etwa gesehen?“ fragte Dougall mich  mit ängstlicher Stimme.
„Ja! Ich habe ihn gestern gesehen“ antwortete ich. „ Er stand in der Bibliothek am Kamin und sah sich die Bilder auf dem Kaminsims an“.
Ich wurde langsam aber sicher etwas ungehalten, da mir offensichtlich niemand Auskunft geben wollte.

Ein bißchen frische Luft könnte mir jetzt gut tun, dachte ich mir und ging zur großen Eingangstür. Draußen angekommen war das erste das ich bemerkte ein alter, verdorrter Baum, der einsam auf dem Land stand, das um das Schloß herum weithin überschaubar war.
Es war doch mehr als sonderbar, daß auf einer so grünen Wiese ein solch vertrockneter Baum stand.
Auf einmal hörte ich hinter mir eine Frauenstimme.
„Wissen sie, es gibt schon unheimliche Dinge hier in Schottland, die man sich einfach nicht erklären kann“.
„So wie dieser Baum?“ fragte ich sie.
„Ja! So wie dieser Baum“ antwortete sie mit einer wunderbar sanften und faszinierenden Stimme.
„Mein Name ist Catherine Dougall. Ich bin die Tochter dieser beiden Angsthasen im Schloß.“
Ich lachte und stellte mich ihr ebenfalls vor.
Daß sie eine Frau war, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stand, war mir nach diesem Statement mehr als klar. Da lag auch der Hase im Pfeffer, denn was in Teufels Namen ging nur in diesem Gemäuer vor sich?
Ich fragte Catherine nach diesem ungewöhnlichen Gast.
„Glauben sie an Geister?“ fragte sie mich.
Oh Gott, immer diese Gegenfragen, doch verneinen konnte und wollte ich sie nicht. „Mir sind solche Vorkommnisse durchaus nicht fremd“ gab ich ihr zu verstehen.
„Nun, wenn man der Chronik dieses Hauses Glauben schenken darf, handelt es sich wohl um den unglückseligen Geist des Lord McAllister, den man im Jahre 1735 hier im Schloß einmauern ließ“ verkündete mir Catherine.
„Aber warum um Gottes Willen wurde er eingemauert?“ wollte ich wissen.
„Er hat etwas mitbekommen, was er besser nicht hätte herausfinden sollen. Mehr ist aus der Chronik leider nicht zu entnehmen“ , antwortete sie mir. Es ließ mir keine Ruhe. Ich wollte es unter allen Umständen in Erfahrung bringen. Doch was war es nur, daß diese arme Seele nicht ruhen ließ?
Etwas unerledigtes, das zu Ende gebracht werden muß.
„Durch eine Geisterwelt schien ich zu wandeln und fühlt mich selbst als Schatten eines Traumes“ sprach ich vor mich hin.
Wie hatte Lord Tennyson doch recht, als er diese Zeilen niederschrieb.
Catherine war erstaunt darüber, mit was für ausgefallenen Zitaten ich um mich warf. „ Haben sie viele Bücher über die Geschichte dieses Fleckchens Erde?“ wollte sie von mir wissen.
„Nun, ich weniger, aber mein Freund, dem ich übrigens gleich anrufen werde, hat eine umfassende  Sammlung von Büchern der irischen, englischen und schottischen Geschichte“.

Da man ja heutzutage nirgendwo mehr ohne Handy hingeht, beschloß ich ihn an Ort und Stelle anzurufen, da ich seine Hilfe unbedingt in Anspruch nehmen mußte. Er meldete sich mit etwas verschlafener Stimme. Ich berichtete ihm von meiner Begegnung mit dem Geist, worauf er plötzlich sehr fit klang und mir verkündete, daß er noch am selben Tag zum Schloß kommen würde.
Voller Neugier wollte Catherine wissen, um wen es sich bei meinem Freund denn handle.
„Sein Name ist Simon Marsden“ antwortete ich kurz.
„Der Simon Marsden? Der bekannte Fotograf?“ fragte sie völlig fassungslos.
„Ja!“ antwortete ich wiederum nur sehr kurz.
„Kennen sie ihn etwa?“ wollte ich wissen.
„Kennen ist gut! Ha! Ich liebe seine Fotografien“.
Dem konnte ich nur zustimmen, denn seine Fotos waren etwas ganz besonderes. Düster und doch voller Anmut und Schönheit sind sie, - seine Bilder- . Und einfach interessant sie anzusehen und auf sich wirken zu lassen.
Als er am späten Nachmittag eintraf, machte ich ihn gleich mit Catherine bekannt, die sichtlich stolz und erfreut war, ihn kennenzulernen. „So! Dann wollen wir dieser Geschichte mal auf den Grund gehen“, sagte er mit lauter Stimme.
„Laß uns in der Bibliothek anfangen, da er mir dort erschienen ist“, schlug ich Simon vor.
„Eine gute Idee“, antwortete er. „Dann kann ich mich noch ein wenig mit der Chronik des Hauses befassen und mich schlau machen“ fügte er hinzu.
Als ich spät abends auf die Uhr sah, es war 0.25 Uhr, tippte mir Catherine  von hinten auf meine linke Schulter und legte ihren Kopf auf meine rechte und flüsterte mir ins Ohr: „Schauen sie mal zum Kamin rüber!“ Ich sah hin und erblickte den Geist. Auch Simon bemerkte ihn und war sichtlich fasziniert von dieser verirrten Seele.
Es war unglaublich, denn anscheinend hatte Catherine nicht mal einen kleinen Hauch von Angst, während ich doch etwas überfordert war mit dieser Situation. Leise und vorsichtig schlichen wir zu meinem Freund rüber, der sich hinter der Gestalt befand. „Was sagst du dazu, Simon?“ fragte ich ihn. „Er ist offensichtlich auf der Suche nach etwas“, stellte Simon fest. „Und ein böser Geist scheint es auch nicht zu sein“, fügte Catherine hinzu. Nun wurde ich hellhörig! „Das heißt du hast ihn heute nicht zum ersten Mal gesehen?“ Kleine Anmerkung – in der Aufregung hatte ich einfach begonnen, Catherine mit Du anzureden, was ihr aber nicht unangenehm war. Aber zurück zum Thema!
Sie verneinte meine Frage. „Ich habe ihn schon sehr oft gesehen und höre ihn jede verfluchte Nacht schluchzen und weinen“ erzählte Catherine mit trauriger Stimme. Nun kennt man ja aus Geschichten und Überlieferungen daß ein Spuk fast immer solche Geräusche von sich gibt, doch sie wehrte ab und berichtete uns, daß dieses Schluchzen und das markerschütternde Weinen aus tiefstem Herzen kommen muß. „Er muß etwas sehr schlimmes herausbekommen haben und ich denke, daß er völlig schuldlos eingemauert wurde“.
„Wir müssen diesem armen Geist einfach helfen!“ sagte Catherine vorwurfsvoll. Simon und ich konnten dem natürlich nur beipflichten und versuchten alles zu tun, was in unserer Macht stünde. Ich fragte mich, warum der Geist fortwährend auf den Kamin starrte und weshalb er überhaupt noch da war, obwohl er uns längst bemerkt hatte? Dieser Kamin mußte irgendeine Bedeutung haben.
„Wir müssen zuerst herausfinden, wo er damals eingemauert wurde, denn vielleicht bekommen wir dort einen Hinweis“, sagte ich und sah zu Simon rüber. „Du hast völlig recht, aber wo sollen wir nur anfangen?“ fragte mich Simon.

Ich lehnte mich an den Kamin, als plötzlich ein Teil des Bücher-
Regals links neben uns aufsprang und ein verborgener Gang zum Vorschein kam. Ich bemerkte daß ich beim Anlehnen an einen etwas lockeren Stein gekommen war, der Wohl diesen Mechanismus auslöste. „Wie wäre es, hier anzufangen?“ bemerkte ich etwas rechthaberisch. „Das Glück der Dummen ist wohl mit dir“ kam es von Simon und holte mich wieder auf den Boden zurück. Catherine konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Sehr witzig, hahaha!“ konterte ich zurück. Wir waren noch dabei, uns zu fragen, ob wir lieber bis zum nächsten Tag mit der Suche warten sollten, als der Geist uns die Frage beantwortete indem er in diesen Geheimgängen verschwand.
Er wollte uns offensichtlich etwas eigen. Wir folgten ihm in die Dunkelheit. „Hast du eine Idee , in welche Richtung des Schlosses dieser Gang  führen könnte?“ fragte ich Catherine. „Wenn wir diese Richtung beibehalten, müßten wir zum Verließ kommen“, antwortete sie mit einem ängstlichen Unterton. Nun, das Verließ bot sich ja geradezu an, einen Menschen für immer und ewig verschwinden zu lassen. Doch plötzlich stoppte der Geist McAllisters‘ vor einer Steinmauer, die so gar nicht in das Gesamt-
Bild paßte. „Wir sind am Ziel, meine Freunde!“ hauchte Simon.
Ich rannte nochmals zurück um den Butler zu suchen. Er sollte uns Werkzeug geben, um die Wand einzuschlagen, hinter der sich der Raum befinden mußte, in dem der Lord damals auf so schreckliche Weise den Tod fand.
Ich ließ mir von Dougall zwei Spitzhacken geben und rannte zurück zu Catherine und Simon. Wir schlugen schon einige Zeit auf die Wand ein, als langsam die ersten Steine nach innen fielen. Als das Loch in der Mauer groß genug war um durchzusteigen, verschwanden wir drei in der Ruhestätte des Lords‘. „Ich gehe schnell zurück und hole eine Taschenlampe“ sagte Catherine und verschwand in der Dunkelheit. „Darauf hätten wir aber auch kommen können“, kam es wie aus einem Mund. Tja, aber so ist es eben bei uns Männern! Sobald eine schöne Frau in der Nähe ist, werden wir vergeßlich.
Als die bezaubernde Catherine mit der Taschenlampe zurückkam, leuchtete sie zuerst auf die gegenüberliegende Mauer, auf der anscheinend etwas geschrieben stand. Wir versuchten die Wörter irgendwie zu entziffern, was aber eine sehr lange Zeit in Anspruch nahm. – Kein Wunder! – 260 Jahre  hinterlassen eben ihre Spuren. Wir waren alle drei geschockt, als wir lesen konnten was da an der Wand geschrieben stand!
  „ Mein Bruder hat mir dies angetan.
    Mein Weib an sich genommen und mich
   Der Dunkelheit des Todes überlassen“

Catherine begann zu weinen. Auch Simon und ich standen erschüttert und regungslos vor der Wand, auf der das Unmißverständliche zu lesen war. „Der eigene Bruder hatte ihn getötet. Welch eine arme Seele“ , flüsterte Simon vor sich hin.
„Es ist schrecklich, aber wenigstens ein Anfang, um dem armen Lord zu helfen“, erwiderte ich und ging zu Catherine, die immer noch Tränen in den Augen hatte, und nahm sie in den Arm, um sie zu trösten. Wir beschlossen einige Stunden zu schlafen, was auch mehr als nötig war. Ich hatte wohl höchstens drei Stunden geschlafen, als ich plötzlich aufschreckte und wie vom wilden Affen gebissen zu Simons Zimmer rannte, das sich am Anfang des Ganges befand. Er schreckte kreidebleich auf. „Jesus! Willst du mich umbringen? Gott, mein Herz!!! , brauste er mich an. „Simon! Hör zu! Es muß einen Zusatz geben!“
„In der Chronik?“ fragte Simon. „Ja, es muß einen versteckten Teil geben, der beschreibt, was damals passiert ist“, entgegnete ich ihm. „Da ist was dran, mein Freund“, sagte er mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck des verschlafen und erschrocken Seins.
„Sag mal, ist dir nichts aufgefallen, als du die Chronik durchgeblättert hast?“ wollte Simon von mir wissen.
„Nein, eigentlich nicht! Bis auf.....“
„Ja! Was?“ fragte Simon mit einem Grinsen.
„Verdammt! Eine Seite im Buch war doch dicker als die anderen!“ meinte ich dazu. „Genau das ist mir auch beim Lesen aufgefallen“, bemerkte Simon. „Los! Nichts wie ab in die Bibliothek“ forderte ich auf und war schon auf dem Weg. Catherine kam uns entgegen, da auch sie offensichtlich keinen Schlaf finden konnte. Ich berichtete ihr sofort, was wir bemerkt hatten. „Laß uns versuchen die Seiten mit einem Skalpell voneinander zu lösen“, war Catherines Idee. Es schien zu funktionieren. Als wir die Seiten voneinander getrennt hatten, begannen wir gespannt zu lesen. Doch dieser mißratene Bruder hatte es tatsächlich geschafft, diese Lüge auch noch in der Familienchronik zu verewigen. „Simon, ich verstehe es einfach nicht. Wie können wir ihm jetzt noch helfen?“ wollte ich von meinem Freund wissen, der ebenfalls ratlos dreinblickte. „Wenn wir doch nur ein Tagebuch von der Frau des Lords hätten“, stammelte Catherine vor sich hin. „Wie war das?“ fragte ich.
„Wir brauchen das Tagebuch von seiner Frau“ wiederholte Catherine  etwas lauter. „Es muß existent sein, und wir werden es auch finden“, fügte Simon überzeugend hinzu.

Wir erschraken beinahe zu Tode, als auf einmal ein Ruf die Grundfesten des Schlosses zum Erschüttern brachte.
Es war der Lord, und er wollte uns abermals den Weg weisen.
Wir folgten dem Ruf in die oberen Gemächer des alten Gemäuers und kamen alsbald an ein Zimmer, deren Tür verschlossen war. Ich ging zu Dougall, der gerade in der großen Halle am Staubwischen war und ich fragte ihn nach dem Schlüssel dieses seltsamen Zimmers. „Ich werde den Schlüssel sofort holen und ich darf hinzufügen, daß dies das einzige Zimmer ist, das der Geist noch nie heimgesucht hat“ berichtete mir der alte Butler ohne irgendwelche Fragen zu stellen.
Wir waren auf dem richtigen Weg,-soviel war sicher -.
Als wir das Zimmer aufschlossen und betraten, überkam mich ein seltsames Gefühl. Es war eine unangenehme Atmosphäre, die sich hier breit machte. Wir nahmen das komplette Zimmer auseinander, als ich auf einmal bemerkte, daß einer der Bettpfosten, - ein ca. ein Meter hoher Holzpfosten - , eine lockere Deckelplatte hatte. Ich nahm die Platte ab und stellte fest, daß der Pfosten innen hohl war. Ich griff hinein und fühlte auch gleich ein mürbes kleines Büchlein.
„Leute, es ist so weit“, flüsterte ich leise durch den Raum.
„Was meinst du damit?“ wollte Simon wissen. „Ich glaube , ich habe es gefunden, Simon“ , gab ich ihm zu verstehen.
Ich hielt es in meinen Händen und begann sofort, daraus zu lesen. Die Frau hatte, - aus welchem Grund auch immer - , tatsächlich alles aufgeschrieben, bis ins Detail! Von der Intrige bis hin zum Mord an ihrem Gatten in dem alten Verließ.
Mich packte die Wut beim Lesen dieses Schicksals und übergab Catherine das Buch. Sie las leise weiter und war ebenso von Zorn erfüllt. Nun waren die juristischen Kenntnisse von Simon gefragt. Ich bat ihn, sich um das Umschreiben und die Richtigstellung der Chronik zu kümmern und die Bestattung der sterblichen Überreste des Lord McAllister in geweihter Erde zu kümmern. Simon leitete sofort das Nötige in die Wege.
Als die Dinge vollbracht waren, konnte man im Schloß ein leises Lachen vernehmen, daß durch die Gänge hallte.
Er hatte endlich seinen Frieden gefunden. Nach der Beerdigung des Lords fragte mich Catherine, was ich denn nun vorhätte?
„Nun, ich denke ich habe mir etwas Urlaub vom Urlaub verdient, oder Simon?“
Er lachte laut und schelmisch und verabschiedete sich von uns und stieg in seinen Wagen. Als er am Anfahren war, fiel ihm offensichtlich noch ein dummer Satz ein: „Du bist hier ja in guten Händen, oder?“ brüllte er aus dem Fahrerfenster heraus. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht versteht sich. Er fuhr durch den großen Torbogen des Schloßhofes mit einem Hupen.

„Und wo wirst du nun Urlaub machen?“ fragte Catherine mit etwas gedrückter Stimme. „Na hier bei dir“ antwortete ich.
„Hier habe ich die Ruhe, die ich brauche . Jetzt!“
„Bist du sicher?“ fragte Catherine und lächelte mich an.


              

                     Mondtanz     

An einem schönen Sommertag wanderte ich ziellos durch die Gegend. Ein langer Tag neigte sich dem Ende zu und die Dunkelheit legte sich wie ein schwarzes Tuch auf das Land.

Als ich mich in einem mir bekannten und geliebten Stück Erde bewegte, fiel mir auf, wie spät es schon sein mußte, da langsam aber mit einer majestätischen Eleganz sich der Mond hervorschob.

Da ich ohnehin kein festes Ziel im Auge hatte, dachte ich mir einfach auf diese große helle Scheibe zuzulaufen. Auf meiner nächtlichen Wanderung kam ich langsam auf eine Anhöhe zu. Als ich näher kam, entdeckte ich plötzlich eine Gestalt.

Die Gestalt einer Frau, die sich erhob und vor dem hell scheinenden großen Mond zu tanzen begann. Von der neugier getrieben, wollte ich unbedingt wisen, um wen es sich wohl handle.

Ich kam zu der Erhöhung in diesem ansonsten weithin überschaubaren Land und sah diese Frau. Sie war wunderschön und ihr Körper zeichnete sich auf mystische Art und Weise von der Mondscheibe ab, vor der sie sich so grazienhaft bewegte. Die Ruhe und die Kraft dieser Nacht verzauberte mich. Auf die Frage , wer sie sei, und was sie hier tue antwortete sie nur kurz!

Ich solle nur mein Herz und meine Gefühle leiten lassen, denn sie sei nur wegen mir hier. Ich war überrascht, doch auch entzückt, wußte aber nicht, was sie damit meine.

Ich stand auf der Anhöhe neben diesem seltsamen Geschöpf, und wartete darauf, was als nächstes geschehen würde. Sie drehte sich plötzlich um, schaute mich an und hob den Zeigefinger in die Höhe.

Was dann  geschah, war sonderbar und doch faszinierend. Kleine Lichtpunkte kreisten um ihren Finger. Sie flüsterte in mein Ohr: "Es ist eine Art von Magie!" Ich sah sie an. Doch konnte ich mit all dem nichts anfangen. Sie begann zu lächeln und fragte micht, ob ich verstehe was sie meine. Ich stellte ihr die Gegenfrage, warum sie denn gerade mich ausgesucht hatte. Sie antwortete mir, daß sie mich beobachten würde. Jede Nacht!

Wieder und immer wieder würde es mich hinausziehen. Hinaus in die Dunkelheit der Nacht, berichtete sie mir. Auf die Frage, ob sie immer bei mir gewesen sei, antwortet sie nur: " Glaube mir! Ich kenne deine Gedanken, deine Gefühle und deine Zurückhaltung gegenüber Menschen und dem Leben". Ich wollte wissen, ob diese Begebenheiten alle der Realität entsprächen, oder ob ich nur Opfer meiner Vorstellungskraft geworden wäre. Sie ließ mich wissen, daß es im Grunde genommen völlig belanglos sei, ob es nun Realität oder ein Traum war, denn letztendlich habe ich mich daran erinnert, und  könnte daraus meinen Nutzen für das Weiterleben ziehen.

Das konnte ich so natürlich schon bestätigen. Aber die Frage, warum sie so voller Freude und Anmut auf der Anhöhe tanzte war somit ja immer noch nicht beantwortet. Da mich meine Neugier plagte, wies ich sie nochmal auf die Frage hin. Sie antwortete mir: "Wenn du glücklich bist, bin auch ich glücklich, und wenn du traurig bist, bin auch ich traurig. Aber als du heute durch die Felder und Wiesen gewandert bist, warst du doch glücklich?"

Nun! Das mußte ich zugeben. Sie hatte nicht ganz unrecht, mit dem was sie mir da sagte. Aber richtig freute ich mich ja erst als ich sie sah. Darauf flüsterte sie abermals mit ihrer sanften Stimme in mein Ohr:" Dann hast du doch einen Grund, dich zu freuen. Die Dunkelheit macht dich und mich glücklich. Also denke an mich, wenn du durch die Nacht gehst, und du wirst glücklich sein, weil ich bei dir bin! Dein Leben lang!

Träume und Gedanken sind die Existens des Lebens!"

             

    Ein Friedhof bei Mondlicht

Es ist nacht! Ich gehe durch die Dunkelheit auf der Suche nach Ruhe. Meine Schritte verklingen in der Unendlichkeit. Es ist die Wiese der Toten. Meine Suche ist beendet. Diese Stille ist so faszinierend. Der Mond strahlt durch die Baumwipfel und ein lauer Wind streicht an mir vorüber. Arme Menschen! Die Angst vor ihren eigenen Freunden und Bekannten haben, deren Körper auf dem Totenacker begraben wurden. Sie haben ein beklemmendes Gefühl bei Nacht auf dem Friedhof zu sein. Sagen sie!

Ich dagegen liebe dieses Gefühl der Umgebenheit der Toten.

Ich sitze auf einer Holzbank und denke über mein Leben nach.

Die Schatten der Bäume und Grabsteine wandern von Stunde zu Stunde, als wären sie auf der Flucht. Ich suche Antworten auf meine Fragen in der Dunkelheit und Stille. Es erscheint mir beinahe unsinnig über mein Leben nachzudenken, wenn man immer nur stiller Betrachter war.

Ich träume von einem Leben in Frieden und Harmonie. Doch weder das Eine noch das Andere finde ich.

Die Nacht, mein Freund, hilft mir durch diese schreckliche Zeit.

Ich stehe vor dem Grab eines Freundes, der freiwillig aus dem Leben geschieden ist. - Ob er nun glücklich ist? -

Sieht er mich? Steht er vielleicht sogar gerade neben mir, als Schatten der Nacht und möchte mir auf meine Fragen antworten? - Die Frage nach seinem letzten Schritt? - Alles scheint sinnlos, wenn um einem herum alles zusammenbricht!

Der Mond strahlt auf mich herunter. Wenn er erzählen könnte was er schon alles gesehen und erlebt hat. Dagegen ist mein Leben nur eine Flamme im Wind. Ich laufe weiter durch die Dunkelheit und komme an eine kleine Halle. Einsam stehe ich vor einer geschlossenen Tür.

wer wohl dahinter in diesem kalten Raum liegt und des Todesschlafes ruht? Ist es wirklich nur die Ruhe, die ich suche auf dem Friedhof? Oder sit es die ewige Ruhe, die einem hier umgibt? Etwa Todessehnsucht?

Der Wind streicht durch mein Haar und mir wird auf einmal innerlich kalt. Ich muß mich auf den Weg machen, bevor der Tag anbricht. Die Schatten werden immer länger. Ich entschwinde nun von diesem Ort der Ruhe und Geborgenheit. Es ist wie eine andere Welt, die erwacht aus ihrem Schlaf, den ich wiedereinmal nicht finden konnte, in dieser Nacht. Bei Mondlicht auf dem Friedhof - es ist so schön!-

IN BEARBEITUNG!!!! Weitere STORIES KÖNNT IHR HIER IN DEN NÄCHSTEN TAGEN LESEN! :-) Gruß ...Eure Jesti

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