Nachdem es im Teil fünf um stehende Gewässer ging, beschäftigen wir uns diesmal mit Fliessgewässern. Das grundsätzliche Vorgehen ist zunächst gleich, es gibt aber einige Dinge zu beachten, auf die ich im Folgenden eingehen werde.
Gerade in Flüssen ist eine sorgfältige Auswahl der Angelstelle von grösster Wichtigkeit. Im Gegensatz zum Teich verteilen sich hier recht wenige, meist grosse Karpfen, auf eine sehr grosse Wasserfläche. Dementsprechend schwer sind diese zu finden bzw. zu fangen. Gute Stellen im Fluss sind: Abschnitte oberhalb und unterhalb von mehreren, Buhnenfeldern, Buchten und Kurven in denen Rückströmungen entstehen, Häfen, sowie Einmündungen von Bächen, Flüssen und Kanälen. Ausser diesen Stellen, die man oft recht schnell findet, gibt es auch noch andere Hot-Spots, auf die man meist erst durch intensive Suche stösst. Dazu gehören z.B.. Mulden und andere Bodenunebenheiten, Unterwasser Hindernisse und Muschelbänke. Das Ausloten gestaltet sich in Fliessgewässern oft schwierig, da die Pose der Lotrute meist durch die Strömung unter Wasser gedrückt wird und dadurch eine genaue Ermittlung der Tiefe kaum möglich ist. Für eine erste Einschätzung der Tiefe reicht dies aber erstmal aus. Ein genaues Ausloten mittels Echolot ist allerdings auch nicht leicht, da es fast unmöglich ist eine Stelle im Fluss genau abzufahren. Der Vorteil des Echolotes liegt allerdings in der Möglichkeit, grössere Flussstrecken abfahren zu können und dabei früher oder später auch eine interessante Stelle zu finden. Hat man nun eine erfolgversprechende Stelle gefunden, so kann man sein Glück auch erstmal mit der Stipprute versuchen. Meist sind Stellen, an denen sich Weissfische aufhalten, auch gute Fangplätze für Karpfen.
Hat man sich nun auf eine Stelle festgelegt, so sollte man zunächst einige Tage anfüttern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Stellen erst nach einer Woche Füttern, Karpfenbisse gebracht haben. Die Futtermenge richtet sich zum ein nach der Strömung, zum anderen nach dem Fischbestand. Damit meine ich sowohl den Karpfen-, als auch den Weissfischbestand. Grundsätzlich kann man im Fluss mehr füttern als in stehenden Gewässern. Das liegt an der Strömung, die immer einen Teil des Futters weiterträgt, aber auch an den meist reichlich vetretenen "Mitessern", wie Brassen, Döbeln, Barben usw. Eine Futtermenge von 3-5 kg Partikelködern und 2 kg Boilies sollte in vielen Fällen ausreichen. Bei grossen Flüssen wie Rhein und Weser kann allerdings auch eine wesentlich grössere Futtermenge erforderlich sein, um den Karpfen auf die Stelle aufmerksam zu machen und kurzfristig dort zu halten. Oft kommen die Karpfen, die in kleineren Trupps umher ziehen nur alle paar Tage an unserer Stelle vorbei. Dann kann man innerhalb kürzester Zeit gleich mehrere Fische landen, andererseits kann man auch zwei oder drei Tage keine Aktion haben. Man sollte daher ruhig ein paar Tage (und Nächte!) an der neuen Stelle verbringen, bevor man einen anderen Futterplatz anlegt. Besondere Probleme ergeben sich im Unterlauf grösserer Flüsse, in denen sich bereits die Gezeiten bemerkbar machen. Hier haben schon einige Angler böse Überraschungen erlebt, weil plötzlich der Köder nicht mehr im Wasser sondern auf dem Trockenen lag oder weil der schöne Standplatz für das Zelt auf einmal überflutet wurde!!! Um diese Katastrophen zu vermeiden sollte man sich vorher genau anschauen wie weit der Wasserstand variiert. Äusserst unangenehm kann es auch an Flüssen mit starkem Schiffsverkehr werden. Zum Einen, wenn ein grosser Kahn sämtliche Schnüre "einsammelt", zum Anderen durch den starken Wellengang der beim Vorbeifahren entsteht. Ein gewisser Sicherheitsabstand zum Ufer ist daher empfehlenswert.
Ruten mit Testkurven von 2,5-4 lbs und grosse Rollen wie Shimano Baitrunner 4500 oder Daiwa Emblem sind empfehlenswert. Desweiteren sollten die Rollen mit abriebsfester Schnur in der Stärke 0,30-0,38 mm bespult sein. Bleie in flacher Form und entsprechenden Gewichten sollten ausreichend vorhanden sein. Ich bevorzuge eher etwas schwerere Bleie als erforderlich, da durch kleinere Schmutzansammlungen an der Schnur, die sich meist zwangsläufig bilden ein leichtes Blei sehr schnell ans Ufer gedrückt wird. Standardmässig verwende ich Gewichte von 80-120 g. Bei starker Strömung sind auch schon mal Gewichte bis 200 g erforderlich. Zum Füttern hat sich bei mir der Cobra Groundbaiter bewährt. Damit kann man schnell und präzise grössere Mengen Futter ausbringen.
Wichtig ist ein solides Rodpod, bzw. stabile Rutenständer, weil die Karpfenbisse im Fluss oft recht heftig verlaufen und die Rute dabei auch schnell mal von den Auflagen heruntergerissen werden kann. Ein Rodpod sollte daher nach Möglichkeit mit Abspanngurten am Boden fixiert werden.
In letzter Zeit sind sogenannte Highpods in Mode gekommen. Es handelt sich hierbei um grosse stativartige Rutenständer die in Ihrer Grundform einem Ständer für Brandungsruten sehr ähnlich sind. Durch die spezielle Form der Highpods kann man die Ruten fast senkrecht aufstellen. Das wiederum kann von Vorteil sein, wenn man in starker Strömung weit draussen fischt, weil die Angelschnur erst relativ spät ins Wasser eintaucht und daher nur ein geringer Teil der Schnur dem Strömungsdruck ausgesetzt ist. Kurz gesagt: Das Blei bleibt auch in Flussmitte relativ ruhig liegen. Eine andere Situation, in der ein Highpod recht hilfreich ist, sind grosse Seen mit Unterwasserhindernissen, in denen man auf sehr weite Distanzen fischt. Hier kann man durch die steile Rutenaufstellung verhindern, dass sich die Schur bereits im Uferbereich festsetzt bzw. sich bei einem Biss verfängt oder durchgescheuert wird. Der Effekt des Highpods ist also, einen möglichst grossen Anteil der Angelschnur ausserhalb des Wassers zu halten. Genau dies kann aber auch zum Nachteil werden, sobald der Wind ins Spiel kommt. Bei Seitenwind bilden sich grosse "Schnurbäuche", bei Wind von vorne können die Ruten abheben. Ich kann daher ein Highpod nur für einige spezielle Extremsituationen empfehlen.
Es hat sich gezeigt, dass Karpfen- und Weissfischaktivitäten eng verbunden sind. Das bedeutet, dass sich vor dem Eintreffen des Karpfen oft Brassen, Barben usw. auf der Stelle tummeln. Dies bemerkt man am Wippen der Rutenspitzen, sowie an Einzeltönen. Oft geht dann auch eine Brasse oder ein anderer unerwünschter "Esser" an den Haken. Ich bin aber immer froh wenn ich Weissfischaktivität auf der Futterstelle habe, denn der Karpfenbiss lässt dann meist nicht lange auf sich warten. Wie schon erwähnt, verlaufen Karpfenbisse im Fluss oft recht heftig. Man sollte daher gerade am Fluss immer in der Nähe der Ruten sein. Flusskarpfen kämpfen sehr gut. Wer vorher nur im Teich gefischt hat, wird sich wundern was für Kraftpakete in Fliessgewässern herumschwimmen. Manchmal ist man dann fast enttäuscht, wenn nach einem harten Drill statt einem sicher geglaubten 30 Pfünder dann doch "nur" ein 10 Pfünder im Kescher liegt. Wie auch in jedem anderen Gewässer versucht der Karpfen, irgendwie in Sicherheit zu kommen dass kann ein Busch am anderen Ufer sein, aber auch die starke Strömung in Flussmitte oder ein Baumstamm am Ufer. Ziel ist es, die erste Flucht zu stoppen und den Karpfen von der Gefahrenzone zu entfernen. Wenn der Karpfen erst in der Haupströmung ist, dann ist es oft nicht mehr möglich, den Fisch auch nur einen Zentimeter ans Ufer zu bewegen. In Ufernähe befinden sich oft noch einige Hindernisse in Form von Büschen, Spundwänden, Booten und Steinschüttungen. Ist die Landung dann gelungen, so ist auch hier eine weiche und ausreichend grosse Abhakmatte unerlässlich. Beim Zurücksetzen sollte man den Fisch zunächst mit dem Kopf entgegen der Strömungsrichtung einige Zeit festhalten. Der Karpfen hat dadurch die Möglichkeit, sich etwas zu erholen, ansonsten wird er nämlich von der Strömung einfach erfasst und abgetrieben.
nicht an den Kescher herankommt !!! Am besten ist es sicherlich gerade in der Anfangszeit, mit einem Angelkollegen zusammen fischen zu gehen, damit immer, falls Probleme auftreten sollten, Hilfe zur Hand ist. Ausserdem wird es dann beim Warten auf den Biss auch nicht so langweilig !
von Holger Mayer
Viele Leute fragen mich, warum ich meine Boilies selber rolle, da es doch jede Menge Fertigboilies in den Angelgeschäften zu kaufen gibt. Hier möchte ich einige Gründe nennen.
Ich möchte auch nichts gegen Fertigboilies sagen, denn sicherlich fängt man auch den einen oder anderen Karpfen auf Fertigboilies. Aber im Vergleich Fertigboilie zu Selfmade-Boilie habe ich immer auf den Selfmade-Boilie besser gefangen. Dazu kommt noch, dass der selbstgerollte Boilie billiger und nicht ausverkauft ist. Ich weiß, wie alt er ist und dass sich nichts ohne mein Wissen geändert hat.
Frische Zutaten beim selbstgerollten Boilie sind sehr wichtig. Beim Angeln habe ich festgestellt, das Boilies mit frischen Zutaten besser fangen als Boilies mit alten Zutaten. Deshalb verwende ich auch immer frische Zutaten und bunkere nicht Unmengen davon. Darum solltet ihr beim Kauf der Zutaten immer drauf achten, dass sie frisch sind.
Aber letztendlich ist das Wichtigste am selbstgerollten Boilie, das Vertrauen, dass man in seinen Boilie hat.Nun möchte ich zwei Trockenmixe vorstellen, die ihr nach Belieben noch verfeinern könnt.
Fischmix:
30% Fischmehl
20% Sojamehl vollfett
20% Grieß
10% Maismehl
10% Blutmehl
10% CaseinBirdfoodmix:
30% gemahlenes Vogelfutter
20% Sojamehl vollfett
20% Grieß
20% Maismehl
10% CaseinDie einzelnen Zutaten müsst ihr genau abwiegen, dann in einen verschließbaren Behälter geben und kräftig durchschütteln.
Für 1 kg Trockenmix schlagt ungefähr 10 Eier in eine Schüssel. Gebt nun die gewünschten Flüssigzutaten wie Flavour, Sweetner, Ambio, Konservierer usw. bei und rührt alles gut durch. Nun den Trockenmix bei ständigem Umrühren langsam beigeben. Der Teig ist fertig, wenn er nicht mehr an den Händen klebt.
Nun könnt Ihr den Teig zu Würsten rollen oder ihn in eine Gun füllen und die Würste dann rauspressen. Für 16 mm Boilies müssen die Würste auch 16 mm dick sein, bei 18 -18 mm, bei 20 - 20mm.
Die fertigen Würste legt Ihr nun auf den Boilieroller und formt daraus die Kugeln. Sollten die Boilies mal nicht ganz rund sein, ist die Wurst zu dick und ihr müsst sie 1-2 mm dünner machen.
Nun kommen die fertig gerollten Boilies in kochendes Wasser. Hierfür eignet sich am besten eine Friteuse. Gebt aber immer nur soviel Boilies ins Wasser, das der Boden nicht ganz bedeckt ist. Rührt am Anfang die auf dem Boden liegenden Boilies vorsichtig um, damit sie nicht am Boden festkleben. Das Wasser darf nicht aufhören zu kochen. Wenn die Boilies fertig sind, kommen sie an die Wasseroberfläche und ihr könnt sie aus dem Wasser fischen.
Nun legt die fertig gekochten Boilies auf eine Zeitung, ein saugfähiges Tuch oder am besten auf ein Sieb. Sie sollten aber so liegen, dass sie nicht aneinander backen. Jetzt könnt ihr die Boilies trocknen lassen. Wie lange ihr die Boilies trocknen lasst, kommt darauf an, was ihr damit machen wollt. Wenn ihr sie einfrieren möchtet, reichen in der Regel 20-24 Stunden. Wenn ihr sie normal im Keller aufbewahren möchtet, müssen sie solange getrocknet werden bis sie steinhart sind. Ich persönlich verwende einen Konservierer, wobei ich die Boilies dann 1-2 Tage trocknen lasse( kommt auf die Temperatur an), dann in einen Eimer mit Deckel gebe, den ich zu ¾ fülle, ihn verschließe und in den Keller stelle. Einmal in der Woche schüttele ich die Boilies im Eimer durch. Die Boilies entwickeln im Eimer so richtig ihren Duft, bleiben geschmeidig und sind sofort benutzbar. So habe ich meine Boilies immer bereit, wenn ich mich Morgens entschließe; abends doch mal einige Stunden Angeln zu gehen.
Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass es noch viele Boilie Rezepte gibt und dieses nur zwei meiner Favoriten sind. Tüftelt am besten selber noch etwas damit herum und ihr habt bestimmt bald euern eigenen Favoriten.
PS. Versucht es auch mal mit Frolic ist eine sehr gute Alternative zum Boilie vorallem an Gewääsern wo die Fische Boilies noch nicht kennen!
OK bis dann und
Big Carp's wünscht euch Thomas