Vielen Betroffenen ist gar nicht klar, dass sie selber auch etwas gegen die Depersonalisationsphasen tun können! Auch wenn die DP 24/7 anhält, gibt es fast immer Abstufungen des Erlebens und der Intensität, die von außen beeinflußbar sind. Natürlich muß ganz klar differenziert werden, woher die DP Symptome eigentlich kommen. Ist die Grundstörung:
eine Angst- oder Panikstörung?
eine posttraumatische Belastungsstörung?
Depression?
eine Persönlichkeitsstörung?
Borderlinestörung oder tatsächlich die primäre Depersonalisationsstörung? Die folgenden Überlegungen gelten natürlich nicht für alle Betroffenen gleichermaßen, aber sie können ein kleiner Leitfaden sein, die DP Phasen besser überstehen zu können. Besonders auch, dass jenseits der Medikamente etwas getan werden kann! Das kann der Hilflosigkeit entgegenwirken, die sich ansonsten in den extremen Phasen endlos ausbreiten kann. Hilfreich kann sein, sich die Umstände anzuschauen, warum die DP gerade jetzt sich verstärkt hat. Welche Gefühle spielten eine Rolle?
Ärger
Wut
Hilflosigkeit
Scham
Angst
Trauer
usw. Gibt es Möglichkeiten aus dem unerträglichen "NICHT-FÜHLEN" wieder herauszukommen? vielleicht durch:
Sport (körperliche Anstrengung)
Ablenkung durch andere Aktivitäten
Legt Eiswürfel ins Eisfach, um sie bei Bedarf herauszuholen
kalt duschen (Sagt mir, was ihr sonst noch so macht!)
Dinge berühren, um zu merken, dass diese sich nicht wirklich auflösen (draußen Bäume, Blätter, Blumen, in der Stadt: Laternen, Ampeln, Häuserwände berühren), dadurch kann auch die Ich-Außenwelt-Grenze stabiler werden, sich auf die verspürten Empfindungen konzentrieren und aussprechen, ohne gleichzeitig zu bewerten
ein sicherer Ort, an den man sich zurückziehen kann
bei drohendem Identitätsverlust den eigenen Namen laut sagen, gleichzeitig betonen: ich bin DA, oder von anderen bestätigen lassen
Ablenkungen suchen, um die Aufmerksamkeit besser fokussiert halten zu können
kreative Arbeiten
Sich darauf konzentrieren wie Bewegungen sich anfühlen, um zu schauen, dass der eigene Körper noch vorhanden ist und die Auflösungserscheinungen "nur" gefühlt sind (Kopf hin und her bewegen, Arme schlendern lassen, mit den Beinen stampfen)
Sport, auch Gemeinschaftssport wie Volleyball, Basketball, Fußball, um die Isolationsgefühle zu überbrücken und Körpergefühle zu festigen
Duschen oder auch Eiswürfel auf die Haut legen, um die Grenzen zu spüren
Wenn Nähe ertragen werden kann, sich in den Arm nehmen lassen
den Boden als tragenden Halt versuchen wahrzunehmen
Singen, auch als Begleit-Singen während des Radiohörens, um wieder einen Bezug zur eigenen Stimme bekommen zu können
Sensorische Reize aktivieren, über Geruch (Duftstoffe), Geschmack (scharfes Essen), Hören (Musik, die klar strukturiert ist), aber sensorische Überlastung vermeiden
ausreichend schlafen
Selbstberuhigung
Kalender oder Uhren können eine erste Orientierung bieten
Kinästhetische Aktivierung durch z.B. Igelbälle oder Massagehandschuhe
sich mit anderen Dplern austauschen
Unterstützung holen!
Beitrag von Outsider: in der Rubrik "interaktiv" bittest Du um Mitarbeit. Ich sende Dir hiermit ein paar Tipps und Vorschläge im Umgang mit DP / DR . Folgende Verhaltensmaßnahmen haben mir in Phasen schwerer Depersonalisation und Derealisation geholfen, "am Boden" (d.h in der Realität) zu bleiben , und mich wenigstens teilweise von DP/DR abzulenken : - lange, ausgedehnte Spaziergänge. Möglichst immer die gleichen Wege, um ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit aufzubauen. Spazieren in der Natur kann ich sehr empfehlen, auch wenn es so scheint, als sei es einem die Umgebung völlig egal hat es doch seine Wirkung (es heißt nicht umsonst "Dr. Wald"). Außerdem fällt das Einschlafen leichter wenn man sich tagsüber körperlich betätigt hat. -Schwimmen gehen ist auch sehr hilfreich, vielleicht weil man dabei verschiedene Dinge gleichzeitig tut und wahrnimmt. -lange und ausgiebig duschen -Tagesablauf struktuieren. Macht Euch einen Tagesplan (1.Duschen, 2.Spazieren, 3.Frühstücken u.s.w.). Wenn man sich an den Ablauf gewöhnt hat, gibt auch dies ein Gefühl von Sicherheit und Normalität. - seichte TV-Shows, Talkshows und Nachrichten vermitteln ebenfalls Normalität und lenken ab. -Mir haben große Kaufhäuser und -Center immer ein Gefühl von Normalität und Vertrautheit vermittelt, mitsamt den geschäftigen Menschen dort. -Täglich wenigstens ein bischen lesen (und wenn es nur 1-2 Absätze sind).Wenn`s gar nicht geht, leiht Euch in der Stadtbibliothek Hörbücher (auf Kassette oder CD gesprochene Texte) aus. Ihr übt damit Euer Gedächtnis und Konzentration. Spürbare Erfolge lassen vielleicht lange auf sich warten, aber es lohnt sich !Hörbücher vor dem Einschlafen kann ich auch sehr empfehlen. -Singen hilft mir persönlich sehr ,um wieder ein Gefühl von Identität und Selbst-Vertrautheit zu entwickeln. Versucht unbedingt etwas Kreatives zu machen (Musik, Schreiben, Malen...),dies nimmt viele Bereiche des Be- und Unterbewußtseins in Anspruch und weckt diese. Es ist eine unschätzbare Möglichkeit, Druck abzulassen (besonders wenn es Euch so geht wie mir, daß Ihr nicht weinen könnt) und Eurem bizarren Erleben und Leiden Ausdruck zu verschaffen. -Tut Euch etwas Gutes! Alles ,was auch nur den Hauch von positivem Gefühl in Euch weckt solltet Ihr tun (solange Ihr Euch dabei NICHT schadet). Kauft Euch z.B etwas, das Euch im Normalfall Freude bereiten würde, tut Dinge, die Euch im Normalfall Spaß machen würden. Alles was man tut und denkt hat seine Wirkung, auch wenn man es nicht gleich spürt. -Auch in Phasen extremer Emotionslosigkeit gibt es meistens doch Etwas, das wenigstens einen Hauch von Emotion in Euch weckt (ich entdecke oft erst im Nachhinein, das ich doch Emotionen hatte). Sei es ein Lied , ein Thema ,ein Mensch oder was auch immer .Sucht nach so etwas, mir hat es sehr geholfen, wenn ich z.B. ein Lied entdeckte ,das seltsamerweise doch Gefühl in mir auslöste (und keine seltsamen Assoziationen wie andere Musik), im Idealfall sogar Hoffnung. Wenn es etwas gibt ,das Euch zum Lachen bringt, perfekt. -positive Gefühle wie Hoffnung, Freude, Liebe, Zuversicht sind unglaublich stark in ihrer Wirkung und ersetzen jedes Medikament. Phasen, in denen ich Hoffnung und Zuversicht habe sind bei weitem meine Besten und drängen DP/DR und Ängste zurück. Die Lebensqualität wird bei weitem gehoben (was ja auch nicht schwer ist...). Was immer diese Gefühle in Euch wecken könnte - probiert es aus. Ich bin mir sicher, es bringt Euch ein weites Stück voran. - Geduld ,Geduld ,Geduld. Verbesserung des Zustandes WIRD eintreten, aber es kann zum Teil `ne Weile dauern .Man braucht einen langen Atem (glaubt mir, ich bin mir absolut bewußt ,was das heißt). Je ruhiger und gelassener Ihr die Sache angeht, desto größer sind die Erfolge. -Die Einstellung zur DP ändern .Zunächst muß man akzeptieren das sie da ist ,und vielleicht auch `ne ganze Weile bleiben wird. Füttert sie nicht unnötig mit Ängsten und übertriebener Beachtung und Respekt. Macht ihr klar ,daß sie unerwünscht ist und versucht sie so wenig wie möglich zu beachten; konzentriert Euch auf andere Dinge; glaubt fest daran ,daß Ihr stärker seid. Euer Selbstbewußtsein steigt in dem Maße, in dem Ihr es schafft, Eure Wünsche trotz DP durchzusetzen. Man sollte sich aber auch nicht zuviel zumuten ,man darf die DP auch nicht wegleugnen. Jeder muß für sich selber versuchen, das richtige Maß zwischen Selbstforderung und Schonung zu finden. Ich hoffe sehr, das jemand sich hilfreiche Anregungen daraus gewinnen kann. Falls jemand Fragen hat , kann er/sie gerne mit mir in Kontakt treten. Liebe Grüße und alles Gute , outsider