meine texte

Man muss zumindest versuch zu beschreiben , was man nicht verändern kann

(Rainer Werner Fassbinder)

 

"Provozierend wie Satire reizt mein Wort deine Begier,

wenn es Verse ziert, die mich reflektieren.

Die Geschichte wohnt zunächst in mir, wird unter Schmerzen verfasst 

mit Liebe bedacht, dann zeigt sie sich dir.

Erst schwach, doch mit jedem Satz gewinnt sie an Macht

und lacht ueber die Angst,

 die sie zu verschweigen gedachte.

Ich hab geschmachtet fuer das Werk, um's mit Stolz zu praesentieren."

CHIMA

 

 

 

Auf dieser Seite zeige Ich euch einige

Auszuege meiner Gedichte und

Kurzgeschichten Sammlung die Ich so

ueber die Jahre geschrieben habe.

(Allerdings alle aus der Zeit von 15-18 !!!

also putzig klein hehe.) Aktuelle

Geschichten benoetigen erst noch die

Distanz und einige sind auch nicht

geeignet hier veroeffentlicht zu werden

(wen sowas interessiert kann sich ja

"Über die Verführung von Engeln"

von Bertolt Brecht ansehen ;) )

Zusätzlich stelle ich meine Lieblingsgedichte,

von anderen Autoren (einige wenige) hier on.

/Leider werden umlaute und das sz nicht

dargestellt also musste ich

meist ss schreiben , bitte um Nachsicht ;)

 

 

Eben noch

 

Frueher einmal war der Hafen zu jeder Tages und

Nachtzeit mehr oder weniger reichlich bevoelkert gewesen.

Niemand der dort wohnte, war ausserhalb des Hoerbereiches

der Schiffshupen und des Moewengekreisches.


Dann eines Tages gab es kaum noch Schiffe die anlegten.

Diese die noch im Hafenbecken lagen, begannen nach

und nach ihre Farbe zu veraendern. Sie rosteten und

hielten der Zeit nicht stand.

Man nahm auch nach und nach alle kleinen Boote von

den Stegen des nahegelegenen flachen Strandes

und die Fabriken am Hafen schlossen ihre Tore.


 

Die einstoeckigen Schlafquartiere, die Pension und

die Muehle standen verlassen und voller Taubendreck da.

Das kleine Speisehaus das auf der sumpfigen Wiese am Ufer

weiter unten stand, erweckte durch die halbheruntergelassenen

Rollos einen schlaefrigen Eindruck.

 

Zehn Jahre spaeter war nur noch der zerfallene

weisse Kalkstein der Grundmauern der Fabrikgebaude uebrig,

den Florian und Sophie als sie am algenbewachsenen Ufer neben

den stillgelegten Hafenbecken entlang ruderten durch die

sumpfige in zweiter Bluete stehenden Wiese schimmern sahen.

Sie fuhren weiter hinaus vorbei am Rande der Fahrrinne

an der der Grund ploetzlich vom flachen Ufer bis zum

12 Meter tiefen, dunkelgruenen Wasser abfiel.

Sie fuhren langsam auf dem Weg zu der Stelle

an der sie die Koerbe auslegten.

Hummer wird in Koerben gefangen,

die auf dem Meeresboden befestigt und

mit einer Boje gekennzeichnet werden.


"Da vorne ist unsere Ruine."

Florian sah durch die Boeschung am Ufer entlang,

auf die weissen Steine die sich vor dem zerfallenen

Gebaude tuermten. "Ja, da ist sie."

"Erinnerst du dich, als es noch die Fabrik mit dem hohen

Schornstein war?" fragte sie ihn.

Ja, im Moment dachte ich daran"

"Aber so sieht sie aus wie eine alte Burg,

schoen nicht?"

Er schwieg.

 

Sie ruderten weite an der Boeschung entlang, verloren

die Fabrik aus den Augen und folgten der Uferlinie.

Dann kreuzte Florian die Bucht.

"Keine Hummer im Korb".sagte erpessimistisch.

 

Sophie lächelte, "Sicher, siehst du."

Sie zogen den naechsten Korb herauf und tatsaechlich

darin lagen zwei grosse Hummer die ihre Scheren ineinander

verkreuzt hatten.


"So wenige nur" sagte er.

"Nein", sagte Sophie.


Auch waehrend sie redete, passte sie die ganze Zeit ueber scharf

auf und blickte auf die Koerbe herab.


Sie fuhr sehr gern mit Florian hier raus. Die Wasseroberflaeche

kraeuselte sich und ein Forellenschwarm von den Ruderschlaegen

angelockt und auf der Suche nach Futter schwamm nah

an ihrem Boot vorbei.

Noch naeher bei ihnen durchbrach eine

besonders grosse Forelle den Wasserspiegel.

Als der Ruecken der Forelle aus dem Wasser auftauchte,

sprangen die Wassertropfen hoch, sprenkelten die

Oberflaeche als haette man eine Handvoll Kieselsteine

ins Wasser geworfen.

Er ruderte das Boot herum, um zwischen den Fischen 

hindurchzufahren; dann nahm er Kurs auf die Landspitze.

Sophie trennte die in sich verklammerten Hummer erst als das Ufer

die Bootsspitze beruehrte. Sie zogen das Boot auf den Strand,

und Florian hob den Eimer heraus.

"Was ist denn los Florian?" fragte Sophie. 

"Ich weiss nicht" sagte Florian und holt Holz um Feuer zu machen.

Sie machten ein Feuer aus dem Holz das am Rande des alten

Saegewerkes lag. Sophie ging zum Boot und holte eine Decke.

Die Abendbrise blies den Rauch auf die Landspitze zu, darum

breitetet Sophie die Decke zwischen dem Feuer und dem See aus.


Sie lehnten in die Decke gewickelt an dem Boot.

Der Schatten des Feuers reichte bis zum Wasser hinunter.

Die Wellen trugen die Schattenspitzen des Feuers bald

hinauf bald weiter hinab.

Die jungen nachwachsenden Baeume am Rande der

Boeschung knarrten ganz leise als koenne man ihnen beim

wachsen zuhoeren. Es war nicht ganz dunkel, im Feuerschein

sah Sophie zu Florian hinueber. Er bemerkte ihren Blick nicht.

Sein Ausdruck war angespannt, der Blick starr in die ferne.

Als er ihren musternden Blick bemerkte erschien sein Gesicht

ploetzlich abwesend, regelrecht nach innen gekehrt.


"Es gibt heute Mondschein" sagte er.


Er sah ueber die Bucht hinweg zu den Bergen,

die sich immer deutlicher gegen den Horizont abzuzeichnen begannen.

Er wusste, dort hinter der Kette kam der Mond herauf.

"Ich weiss", sagte Sophie vergnuegt.

"Du weisst alles"  sagte Florian.

"Oh bitte Florian, lass das, sei nicht so."

"Ich kann nichts dazu"  sagte Florian.

"Es ist doch so.

Du weisst alles, dass ist das Unglueck.

Du weisst dass es so ist.

Ich habe dir alles beigebracht.

Du weisst, dass es so ist.

Ueberhaupt, was weisst du eigentlich nicht?"

"Ach hoer auf, sagte Sophie, da drueben kommt der Mond."

Sie saßen auf der Decke ohne sich zu beruehren und

sahen zu wie der Mond aufging.

"Du brauchst doch nicht so dumm zu reden, sagte Sophie.

Was ist denn eigentlich los?"

"Ich weiss es nicht"

"Natuerlich weisst du es."

"Nein wirklich nicht."

"Los sags."

Florian blickte immer noch leer auf den Mond.

"Es ist gar nicht mehr schoen."

Er hatte Angst Sophie anzusehen.

Dann sah er sie an.

Sie saß da und wandte ihm den Ruecken zu.

Er blie einfach hocken und starrte ihren Ruecken an.

"Es ist nicht mehr schoen, ueberhaupt nichts mehr."

Sie sagte nichts.

Er fuhr fort. "Weißt du es ist als ob alles in mir drin auf

einmal voelig ausgeloescht waere, vollkommen leer."

"Ich weiss nicht Soph, ich weiss nicht was ich sagen soll."

Er blickte weiter auf ihren Ruecken.


"Ist Liebe denn nicht schoen?" Sie sah ihn immer noch nicht an.

"Nein", sagte Florian.


 "Ich nehme das Boot",

Sophie stand auf.

"Du kannst die Landspitze rum zu Fuss zurueckgehen.


"Schoen" sagte Florian.

"Ich stosse das Boot fuer dich ab."


"Ist nicht noetig"
Sie stieß sich ab und glitt mit dem Boot auf das vom Mond beschienene Wasser. Florian ging zurueck und legte sich neben das Feuer mit dem Gesicht zur Decke.


Er konnte Sophie auf dem Wasser rudern hoeren.

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Bertolt Brecht

Über die Verführung von Engeln
Engel verführt man gar nicht oder schnell.
Verzieh ihn einfach in den Hauseingang
Steck ihm die Zunge in den Mund und lang
Ihm untern Rock, bis er sich naß macht, stell
Ihn das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock
Und fick ihn. Stöhnt er irgendwie beklommen
Dann halt ihn fest und laß ihn zweimal kommen
Sonst hat er dir am Ende einen Schock

Ermahn ihn, daß er gut den Hintern schwenkt
Heiß ihn dir ruhig an die Hoden fassen
Sag ihm, er darf sich furchtlos fallen lassen
Dieweil er zwischen Erd und Himmel hängt -

Doch schau ihm nicht beim Ficken ins Gesicht
Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht.


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Die folgende Geschichte entstand zusammen mit N.FB.  in gaaaanz jungen Jahren

 

 

Kein Sterbenswoertchen

 

Thomas kann man alles anvertrauen. Er wird es nicht weitererz?hlen, kein Sterbensw?rtchen. Eigentlich spricht Thomas gar nicht mehr, seitdem er sich die Zunge abgebissen hat, nachts, im Rausch.

Bevor er nur noch stammelnde Laute von sich gibt spricht Thomas lieber gar nicht mehr.

Keine unverst?ndlichen A??hchm?s mit denen er seinen Mitmenschen Ekel- und sich

selbst Schamgef?Ele einbringen w?rde.

Zum Gl?ck hat Thomas Humor. Und zum Glueck kann er schreiben, denn schreiben muss er

jetzt viel. Zum Beispiel  "ein Zungenpiercing" auf seinen Wunschzettel.

Thomas Freundin h?lt sich auch fuer humorvoll und legte ihm einfach IHRE

frisch gepiercte Zunge unter den Weihnachtsbaum.

Als Thomas damals im Krankenhaus lag und damit fertig werden

musste nicht mehr sprechen zu k?nnen fing er an Geschichten

zu schreiben. Seine erste Geschichte handelte von einer M?nnerfreundschaft,

die zweite leitete seine blutruenstige Phase ein: ALLES ABSCHLACHTEN

h?tte er wohl in dieser Zeit sabbernd, wei??ugig und geisteskrank

vor sich hingemurmelt, wenn er noch ein ganzer Mann gewesen w?re.

Danach kam eine Phase mit pornographischen Gedichten, bis er jeder

Krankenschwester die er kannte eines Gewidmet hatte. E

r hatte sogar mal seine Mutter nach dem Namen seiner Hebamme

gefragt um ihr ein Gedicht zu widmen.

Nach dieser Phase hielt Thomas es fuer angebracht

sich in einem Brief an seine Nachwelt zu wenden.

Wenn man schon seine Zunge so schnell verliert,

wer wei? dann schon, wie lange man noch zu leben hat?


Brief an die Nachwelt:

 

Liebe Nachwelt,

 

Es begann alles damit, dass ich anfing, meine Kaffeemaschine zu moegen,

das war vor allem deshalb merkwuerdig weil ich sie noch nie richtig zur Kenntnis

genommen hatte.

 

Doch als ich mir gestern gewahr wurde, was fuer sanfte wohlklingende kleine

Laute sie von sich gibt, wenn sie fuer mich arbeitet, erschien sie mir wie

ein pulsierendes kleines Lebewesen, und noch mehr wie ein Freund, der mich

seit so langer Zeit begleitet.

 

Thomas nahm das Papier, faltete es sorgfaeltig und uebrlegte sich , dass er es mit dem sterben ja sowieso nicht so eilig hatte.

 

Was er jedoch eben geschrieben hatte, wuehlte ihn innerlich auf.

Er wollte sich ablenken, kam aber nicht von dem Gedanken los, dass er

?hnliche Gefuehle fuer seinen Spiegel hatte.

 

Diesen hatte er soeben aus einem unerkl?rlichen Wutanfall heraus, dessen Gruende

ihm nun pl?tzlich fremd und abstrakt erschienen, zertruemmert.

Aber trotz seiner Zuneigung zu dem unschuldigen Spiegel empfand er keine Reue.

Viel mehr bewunderte er das was die Scherben ueber denen er nun kniete abbildeten.

Und er fuehlte sich ueberaus geschmeichelt, als ihm auffiel dass es sein Gesicht war

, dass ihm dort entgegen l?chelte. ?Du Charmeur, dachte er genuesslich, stand

dann auf um sich eine Zigarette anzuzuenden.

Sein Feuerzeug erwachte mit einem brennenden Freudenschrei zum Leben

und entzuendete die Zigarette zwischen seinen Lippen. Der Rauch

kr?uselte sich nicht, sondern tanzte in der Luft, immer neue Bilder

aus blauem Dunst formend, die ihm so plastisch erschienen dass er sie

festhalten wollte, doch als er nach ihnen griff, entzogen sie ihm

sich spielerisch und riefen fang uns doch... fang uns doch..Das brachte

ihn zum lachen und er bemerkte, dass er sich an seinem Feuerzeug verbrannt

hatte.Er nahm es dem Feuerzeug aber nicht uebel, denn der Purpurne Fleck

auf seinem Daume pulsierte so heftig, dass er daran

denken musste wie                           

nur aus Schmerz und Zerstoerung neues Leben entstehen konnte...


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BERTOLT BRECHT


Sonett Nr. 19


Nur eines möcht ich nicht: daß du mich fliehst.
Ich will dich hören, selbst wenn du nur klagst.
Denn wenn du taub wärst, bräucht ich, was du sagst
Und wenn du stumm wärst, br�ucht ich was du siehst

Und wenn du blind wärst, möcht ich dich doch sehn.
Du bist mir beigesellt als meine Wacht:
Der lange Weg ist noch nicht halb verbracht
Bedenk das Dunkel, in dem wir noch stehn!

So gilt kein "Laß mich, denn ich bin verwundet!"
So gilt kein "Irgendwo" und nur ein "Hier"
Der Dienst wird nicht gestrichen, nur gestundet.

Du weißt es: wer gebraucht wird, ist nicht frei.
Ich aber brauche dich, wie's immer sei
Ich sage ich und könnt auch sagen wir.

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Robert Frost


Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth.

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same.

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I--
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

 

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das erste mal das ich mich an einem englischen Gedicht versucht habe mit 13 Jahren

 

 

A Reflection

 

Tiny drops of Water sliding down the glass

Turning and weaving to find the best path

 

The slower ones cautiously letting the faster ones pass

Knowing that soon they will all end in the same bath

 

 

Watching as two faster ones collide

Observing the weaker ones wither and die

 

Seeing the smaller ones grow increasingly wide

Washing away the tyranny of everyone?s lies

 

Tiny drops of water moving so fast

Never knowing if each step will be there last

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das folgende Gedicht schrieb Ich mit 15

 

ein haschen nach wind

 

die leuchtenden sterne am firmament

der sture zeitenlauf er rennt

 

die kraniche am himmel ziehen

sonne und mond koennen sie vergehen

 

all diese kostbaren fragen

ich werd sie wohl ewig bei mir tragen

 

da hoer ich was fluestern ,denk nach wie ein kind

all dies ist nichtig

ein haschen nach wind

 

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Die folgende Geschichte ist ebenfalls schon ziemlich alt. Ich schrieb sie als Ich 14 war, finds aber immer ganz interessant zu sehen, wie sich die Themen so ueber die Zeit veraendern und auch die schreibweise.    ;-)

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wenn alles mies ist...

 

Als Hausaufgabe sollten wir einen Aufsatz schreiben. Thema: Kommentieren sie anhand von Beispielen aus dem ?Kleinen Prinzen? de Saint-Exup?rys Ausspruch  ?Man sieht nur mit dem Herzen gut...? Meine G?te, ich habe keine Ahnung , was dem armen  Exup?ry an dem Tag zugesto?en ist als er das sagte, ich wei? auch nicht ob er mit diesem Ausspruch besonders mich ?rgern wollte, aber eines wei? ich ganz genau, der Typ mu? einen genauso kaputten Franz?sischlehrer wie ich gehabt haben. Meine G?te die Kultur kann einem manchmal wirklich ?ber den Kopf wachsen. Mir ist aufgefallen , das ich mein ganzes Leben nur mit Kommentaren zubringe. ?Man sieht nur mit dem Herzen gut...? Auf diese Weise kann man wohl so ziemlich alles sagen. Meine Oma zum Beispiel sieht fast  gar nichts mehr. Und das Herz springt bei ihr auch  nur noch wenn der Musikantenstadel l?uft.

Na, ja ich werde jetzt erst einmal Informationen zu meinem  Aufsatz sammeln, indem ich ein kleines Nickerchen mache.

Nach einer Stunde sammelte ich noch immer Informationen, als pl?tzlich meine Mutter ins Zimmer st?rmte .

?Na wie kommst du mit deinem Aufsatz voran ??  Um unsere Wohnung  wenigstens etwas in Glanz erscheinen zu lassen trat ich an den Lichtschalter heran. Doch.. es blieb dunkel. ?Oh man ein Stromausfall? st?hnte ich auf.

Doch meine Mutter  l?chelte gequ?lt: ?Nein mein Schatz, das ist kein Stromausfall sondern eine unbezahlte Rechnung.?

Ich sch?tze das mu? ich euch jetzt erst mal genauer erkl?ren. Also mein  Bruder und  ich leben mit meiner Ma Allein . Meinen ?biologischen Erzeuger?  kenne ich gar nicht, aber  dass tut ja nichts zur Sache.  Auf jeden Fall kamen wir immer gut zu recht. Meine Mutter hatte eine kleine Modeboutique in der Hamburger Stra?e, die ziemlich bekannt war. F?r hohe Preise und  gute Qualit?t wie meine Ma immer sagte. Doch vor einem halben Jahr hatte auf der anderen Stra?enseite ein gro?er Modediscount  er?ffnet und seitdem blieben ihr immer mehr Kunden aus. ?Die kaufen lieber Schrott zu Schleuderpreisen.? hatte ich Silvia, meine Mutter,  schon oft st?hnen geh?rt. Seit ein paar Wochen  zahlte mir meine Ma auch kein Taschengeld mehr. Ich tat so als w?rde ich es nicht bemerken, doch welcher Teenager in den neunzigern  h?lt es heutzutage schon ohne Geld aus? Niemand:

Und schon gar nicht Ich.

So lag ich am n?chsten Tag  nach der Schule in voller Montur auf dem Bett und gr?belte dar?ber nach was ich denn in den Ferien f?r einen Job annehmen k?nnte indem ich nicht viel arbeiten, aber daf?r um so mehr verdienen w?rde. Da klopfte es pl?tzlich an der T?r. Noch ganz in Gedanken rief ich ?H?hh, wer issen da?? ?Engel, Gerichtsvollzieher ich m?chte zu Silvia K?nig, wohnhaft in der... , er machte eine Pause und schien auf einen Zettel zu blicken ...in der  Ziegelstr.34. Das ist doch hier ?! Ich stand mit offenem Mund in meinem Zimmer und mu? ziemlich bl?d ausgesehen haben. . Ganz langsam regte sich Leben in mir, ich tat einen  Schritt zur T?r und ?ffnete sie. Ich sah den Mann an. Er war klein, dick und hatte schmale zusammengekniffene Augen, er erinnerte mich an irgend jemand doch im Moment kam ich nicht darauf. Ich sah den kleinen Mann mit festem Blick an. ?Ja und warum , wenn man fragen darf ??   ?Bez?glich der Zahlung von 6.637.50 DM Steuerschulden .?  ?Die 50 Pfennig h?tte ich da , wenn ihnen das hilft.? versuchte ich zu scherzen. Doch dieser Typ war anscheinend aus Holz, nicht ein  Anflug von L?cheln  war auf seinem Gesicht zu erkennen . Jetzt wu?te ich, an wen er mich erinnerte, an den Sheriff  von Notingham  in Robin Hood . Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sagte laut ?Es tut mir wirklich leid, dass sie sich den Weg umsonst gemacht haben aber ich m?chte sie bitten wiederzukommen , wenn meine Mutter wieder hier ist.? Er grinste noch einmal und erwiderte dann ?Da ich es offensichtlich mit einer sehr mutigen jungen Dame zu tun habe will ich ihrer Argumentation nachgeben und ein anderes mal erscheinen .? Als er abzog atmete ich erleichtert auf. So ein ekliger Kerl und wie der sich ausdr?ckte . Mich sch?ttelte es bei dem blo?em  Gedanken an ihn.

 Meiner Mutter habe ich nichts von diesem Besuch erz?hlt.

Am n?chsten Tag  wollte ich sofort losziehen  um mich bei  einer entfernten Bekannten  meiner Mutter  um einen Job als Babysitterin zu bem?hen. Ich streifte meine Lieblingsjacke ?ber und wollte gerade aus der T?r, als mein Bruder an mir vorbeilief und Naser?mpfend bemerkte ?Deine Jacke stinkt wie ein nasser Hund.? Sooo... willst du dich doch nicht um eine Stelle bewerben?!?  ?Warte einen Moment Schwesterchen,  ich hole schnell das Duftspray f?rs Bad  Das ist mit Fichtennadelduft.?( Mein Bruder ist f?r einen 11 j?hrigen gar nicht so bescheuert. )

Er kam die Treppe herunter gesprungen die Flasche Duftspray stolz wie eine Troph?e in der Hand.

Er schraubte den Spr?hkopf herunter und tr?nkte die Jacke mit dem Zeug. Anschlie?end  f?hnte er meinen Lieblingsfummel trocken und ?berreichte ihn mir grinsend.

Das Ergebnis unserer zweist?ndigen Badezimmersession:

Ich werde Mutters Bekannte in einer Jacke aufsuchen die wie nasser Hund im Kiefernwald stinkt.

Mutters Bekannte teilte mir mit gro?em Bedauern mit , dass sie die Stelle schon vergeben h?tte. Ob das wirklich stimmte oder ob es an meinem au?ergew?hnlichem Duft lag werde ich wohl nie heraus bekommen. Jedenfalls h?uften sich die besch.. eidenen Ereignisse in dieser Woche. Und meine, bis zu diesem Zeitpunkt, einigerma?en  heile Welt lief irgendwie den Bach herunter.

Denn als ich nach Hause kam erz?hlte  Mum mir , dass sie die Boutique nun endg?ltig  schlie?en m?te und als ob das nicht genug w?re brachte mir mein Mathelehrer am n?chsten Tag so ?schonend? es Lehrer halt k?nnen bei, das ich sitzenbleiben w?rde. ?Hier Mona dei guter alter Freund die 6, dir ist doch hoffentlich klar, dass du dieses Schuljahr nicht schaffen wirst.?

 Damit war das Chaos perfekt.

Ich  war am Ende . Ich ?berlegte, wem ich mein Leid klagen k?nnte . Freundinnen hatte ich eigentlich keine richtigen. Klar kannte ich einige M?dchen aus meiner Klasse aber eine richtige Busenfreundin , wie sie die meisten in meinem Alter haben, hatte ich nicht. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich nie Interresse an einer Freundschaft zu anderen M?dchen gehabt hatte, typische Einzelg?ngerin, diesen Satz hatte ich schon zu oft ?ber mich geh?rt.

Da erinnerte ich mich an Mark, er ging fr?her auch in meine Klasse, war jedoch zwei Jahre ?lter als ich, weil er damals von einer h?heren Schule auf unsere abgegangen war. Als er in einen anderen Stadtteil  gezogen war hatten wir uns aus den Augen verloren. Das war vor zwei oder drei Jahren gewesen. Ehrlich gesagt hatte ich auch kein Interesse an weiterem Kontakt gehabt aber jetzt....

Wo sollte ich sonst hin ??? Ich hatte von allem genug.

Ich sah Zuhause ins Telefonbuch und suchte Marks Adresse heraus . Er war wie gesagt zwei Jahre ?lter als ich ,also 19  und lebte wahrscheinlich schon  nicht mehr Zuhause.

 Da stand es ja, Mark Vorweg  ,  Am Berg 54 ...

Das war ja gar nicht so weit, vier Stationen mit der Bahn.

 

Als ich vor seiner Wohnung stand kamen mir pl?tzlich Zweifel. Wenn er gerade Besuch hatte, einen Freund oder noch schlimmer eine Freundin ... Vielleicht erinnerte er sich auch gar nicht mehr an mich. Oder er denkt sich ?Was will diie denn hier??

Ich warf alle Zweifel ?ber Bord und klingelte. 

Mark  schien ganz und gar nicht ?berrascht oder tat er nur so gelassen ? Im ersten Moment schien es sogar als w?rde er sich freuen. Er sah mich lange an und fragte dann fast verlegen ?Magst was trinken, nen Tee vielleicht?? Ich mu?te mir das Grinsen verkneifen, machte man das so mit 19, Tee trinken, war das irgendwie in? Doch ich nickte nur, von wegen H?flichkeit und so. Er setzte sich auf die Couch und zeigte neben sich. Ich setzte mich also und sah in an. Mir fiel ein, dass ich noch nicht einmal gesagt hatte warum ich vorbeigekommen war. Er fragte nicht.

Es fiel mir auf, das er eine ganz eigenartige Augenfarbe hatte. Opalfarben,irgendwie irre, das mir das fr?her nicht aufgefallen war.

Er erz?hlte  von seiner Ausbildung und seinem Amerikanischen Arbeitskollegen, von dem er viele englische Witze kannte, die er  nat?rlich zum besten gab. Er lachte obwohl er sie kannte, lauthals mit. Versuchte jedoch, dabei den Mund geschlo?en zu lassen, damit man seinen etwas schief geratenen Eckzahn nicht sah. Was ihm nat?rlich nicht sehr oft gelang.

Doch die meiste Zeit redete wohl ich. Dazu war ich ja auch hergekommen. Um mir alles von meinem armen Sch?lerseelchen zu reden.

. Es wurde trotz allem noch ein sehr lustiger Abend, doch nach einer Flasche Burgunder, Kartoffelchips bis zum Abwinken  und mindestens einer Schachtel Zigaretten  war mir so schlecht, dass ich fast alles wieder hochgekommen w?re, der Burgunder , der Tee und der Gerichts-vollzieher. Als ich schwankend zur Haust?r ging kam mir der eben so schwankende Mark  hinterher nahm mich in den Arm und lallte mit schwerer Zunge ?Vergi? nicht Mona, du kannst immer zu mir kommen ,wann immer  du willst . Und denk dran wenn alles mies scheint, wird alles gut.?(Ich habe wirklich  keine Ahnung wozu diese Philosophie gut sein soll. )

Als ich wieder Zuhause ankam  wankend und mit leichtem Herzen , hatte ich gar nicht mehr genug vom Leben.

Doch das sollte sich schnell ?ndern. Denn meine Mutter sa? im Nachthemd und ziemlich ?bern?chtigt in der K?che und der Aschenbecher quoll schier ?ber. ?Wo warst du , warum kommst du erst jetzt und weshalb um Himmelswillen hast du mir nicht gesagt das der Gerichtsvollzieher hier war ?? So viele Vorw?rfe auf einmal hielt mein kleiner brummender Sch?del einfach nicht aus . Ich wankte ohne eine Antwort zu geben in mein Zimmer und kippte in voller Montur aufs Bett. Ich h?rte meine Mutter in der K?che toben. Wenn sie so weiter macht bekommt sie mit 40 einen Herzinfarkt  dachte ich und war im Begriff selig wegzuschlummern als es pl?tzlich ganz ruhig wurde.  Die Klinke zu meinem Zimmer wurde langsam heruntergedr?ckt  und ich sah meine Mutter kreidebleich  und nach Luft schnappend in der T?r stehen. ?Mona.? In diesem Moment kippte sie um .

 

?Deine Mutter hatte einen Herzinfarkt , Mona, aber  du brauchst keine Angst haben, sie ist lediglich ?berarbeitet  und braucht  ein paar  Wochen Ruhe. Sie wird f?r zwei Wochen auf Kur fahren. In dieser Zeit kommt dein Bruder zu deiner Tante in den Schwarzwald und du kannst die zwei Wochen bis zu den Sommerferien auch allein klarkommen, meint deine Mutter.?  Ich war unendlich erleichtert, dass alles gekl?rt war . Am n?chsten Tag kam ein Pfleger aus dem Krankenhaus mit meiner Mutter und sie holten ihren Koffer den ich schon gepackt hatte. Klar tat mir meine Mutter leid, aber je schneller sie aus dem Haus war um so besser. Desto schneller konnte ich wieder zu Mark.

Die gesamte n?chste Woche verbrachte ich bei ihm. Nach der Schule ging ich gleich hin und am Abend wieder zur?ck. Es war perfekt.

Doch heute war irgendwie alles anders. Es war Samstag und wir wu?ten nicht so recht was wir tun sollten.?Wir k?nnten ja ins Kino gehen , wenn du m?chtest.? schlug er unsicher vor.   ?Was l?uft den so ? Der neue Woody Allen .? Meine Augen richteten sich auf  seine H?nde...

...seine sch?nen schlanken Finger.

?Mark ?...?

?Mhh??

Mir traten Tr?nen in die Augen. Er nahm meine Hand in seine, streichelte sie und sagte mit unertr?glich sanfter Stimme ?Was ist denn  nicht in Ordnung??

?Ich liebe dich.?

Er antwortete nicht. Meine Hand lag in seiner und war gl?hend hei?.

?Man mu? ja nicht unbedingt ins Kino gehen.? murmelte er .

M?chtest du mein neuestes Graffiti sehen fragte er dann.

Ich stand auf und  ?ffnete die T?r zu seinem Schlafzimmer.

?Es liegt auf dem Schreibtisch.?

W?hrend ich seine Zeichnung ansah , schlo? er die T?r , zog die Gardinen zu und seinen Pullover aus . Ich drehte mich um und l?chelte .Er versuchte wie immer mit geschlossenem Mund zu l?cheln. Ich mochte seine Art zu lachen .Seine sch?nen Lippen.  Herausfordernd  fragte ich dann ?Und nun?? Er zog mich an sich, ?ffnette meine Arme und k?te mich.

 

Ich wei? ihr platzt vor Neugier, doch, ich mu? euch entt?uschen, Ta,taa  ?berraschung wir haben es nicht getan. Trotzdem ich war unvorstellbar gl?cklich. Bis jetzt hatte ich gar nicht gewu?t , wie gl?cklich man sein kann.? Mark  ich liebe dich.? Das waren nichtssagende , langweilige und abgegriffene Worte . Vielleicht haben alle gelogen , die das jemals gesagt haben. Aber ich nicht . ?Ich liebe dich ? Bei mir gilt das f?r das ganze Leben. Ja okay , vielleicht fange ich an zu spinnen , aber trotzdem ?Ich liebe dich.?

 

 

Als ich mit der Bahn nach Hause fuhr brauchte ich fast den gesamten Gang, da ich meine Beine ausstreckte, ich war aber auch unmenschlich m?de. Da kam eine ?ltere Dame auf mich zu, doch anstatt auszuweichen rannte sie direkt gegen meine m?den F?e. Sie regte sich schrecklich auf. Na,ja eben das ?bliche. Die heutige Jugend u.s.w . Da mischte sich ein Rentner ein der mit im Abteil sa?. ?Diese jungen Leute werden doch schon m?de geboren... bla, bla, bla. Sie sollten mir dankbar sein. Schlie?lich hatte ich ihnen nun  Gespr?chsstoff f?r den ganzen Tag geliefert.

 

Die letzten Tage bevor meine Mutter zur?ck kam verbrachten wir bei mir. Es war supersch?n. Wir hatten es uns richtig gem?tlich gemacht und stundenlang geredet. Na, ja eigentlich weniger... Doch als er gerade zehn Minuten weg war, es war Montag und er mu?te wieder zur Arbeit, stand meine Mutter in der T?r. Sie sah ziemlich erholt aus und  strahlte mich an. ?Na, s?e bekommt deine Ma keinen Ku? zur Begr?ung, ich bin extra einen Tag fr?her gekommen, weil du doch heute Ferien hast und... sie h?rte auf zu reden um Luft zu holen und bekam so Gelegenheit sich umzusehen. Dass h?tte sie lieber nicht getan, denn ich hatte noch keine Gelegenheit gehabt aufzur?umen.

Sie schnaubte durch die N?stern, wie ein w?tender Stier,  stellte die Koffer ab und fing wieder ohne Pause an zu reden. ?Kann man dich nicht mal zwei Wochen alleine lassen, mu? ,die Wohnung gleich aussehen wie ein Schweinestall?? Ihr Blick fiel auf den vollen Aschenbecher und sie quiekte ? Du rauchst!!!? ?Nein Ma ich hatte nur eine Freundin zu Besuch, es ist alles O.K? ?War es nicht eher ein Freund?? fragte sie und sah mich irgendwie ganz eigenartig an.  Ich wei? nicht was sie letztendlich  daraus schlo?, vielleicht dass  ich langsam erwachsen wurde.

Doch da fiel mir siedendhei? ein, dass Mark ja nach der Arbeit herkommen w?rde. Doch so wie Ma augenblicklich drauf warf ging dass auf gar keinen fall.

Ich w?hlte hektisch seine Handynummer....         Mark Vorweg... 

Mark?

Ja?

Komm nicht her.

Wieso?

Meine Mutter ist wieder da.

Und, ist sie sauer auf mich?

 ?Quatsch, aber sie wei? noch nichts von dir.? Ich machte eine Pause ?Von uns? sagte ich  dann.

Ein Schweigen am anderen Ende der Leitung.

?Also gut, sagte er dann ,Ciao bis in ein oder zwei Jahren vielleicht.?

 

 

Mein Bruder,  war wieder zur?ck und ich sollte mit ihm auf den Spielplatz gehen. Da ich nicht zu Mark gehen konnte war mir das eigentlich ganz recht. Also lief ich mit Ben an der Hand in Richtung Park. Er h?pft neben mir her wie ein Pferd und ich frage ihn  ob er ein Eis m?chte , das Pferd nickt begeistert und ich mu? es am Rucksack festhalten damit es nicht gegen ein Auto galoppiert. Vor uns l?uft engumschlungen ein P?rchen und ich mu? unwillk?rlich an Mark denken, wir haben uns seit zwei Wochen nicht mehr gesehen.

Es war mir  klar, das etwas passieren mu?te , aber was ???

Ich fuhr  mit der n?chsten Bahn zu ihm.

Ich hatte immer ?ber die M?dchen gespottet,die erz?hlten, dass sie, wenn sie ihrem liebsten gegen?berstehen weiche Knie bekamen.

Jetzt war ich es die am ganzen Leib zitterte. Das Blut scho? durch meine Adern und rauschte laut in meinen Ohren, wie hohe Wellen, die gegen Felsen gesp?lt werden und daran zerkrachen. Kalter Schwei? lief in Rinnsalen meinen R?cken hinunter und das Shirt klebte an meiner Haut. Zitternd streckte ich meine Hand zur Klingel aus, soll ich, soll ich nicht? Ich konnte mich nicht entscheiden. Erschrocken zuckte ich zusammen und zog  blitzschnell meine Hand zur?ck, als sich die T?r ?ffnete . Die Hausmeisterin trat heraus und grinste mich freundlich an, wobei sie ihre Zahnl?cken im Unterkiefer entbl?te. ?Guten Tag Fr?ulein Neumann, da hane se awer Glieck jehabt, der Herr  Vorbersch  is grade ers  komme . Ganz freudestrahlend isser rauf jeh?pft in seine Wohnung un ne Strau? Blume hatter auch jabei jehabt . Aber se sehen schlecht aus, jehts inne nich jut? Wolle se vielleicht en Tass Tee ? Ich mu?te unwillk?rlich  grinsen. Tee. Das schien ja als Allheilmittel weit verbreitet  zu sein. Doch ich wollte keinen Tee. ?Ich will meinen Mark:? h?tte ich das alte Weiblein am liebsten angebr?llt. Doch statt dessen  sch?ttelte ich nur unwillig den Kopf und fl?sterte ?Nein , Danke.? Vorsichtig, Stufe um Stufe stieg  ich die Treppe hoch. Meine Beine waren Schwer wie Blei. Und als ich endlich oben war wiederholte sich das Schauspiel. Soll ich klingeln, soll ich nicht? Ich klingelte.

Und als Mark ?ffnete fiel ihm eine v?llig fertige Mona in die Arme.

Ein kleiner, frecher  Sonnenstrahl tanzte ?ber mein verschlafenes Gesicht und ich drehte mich auf die andere Seite. Doch schlafen konnte ich nicht mehr. Ich setzte mich auf und sah umher. Kein Zweifel, ich lag auf Marks Couch, in seinem Wohnzimmer. Doch wo war Mark? Pl?tzlich  durchzuckte es mich und ich erinnerte mich an alles. G?hnend rieb ich mir den  Schlaf aus den verweinten Augen. In diesem Moment trat Mark ins Zimmer. Er war strahlend sch?n und seine Augen leuchteten mehr denn je. Erst als er n?her kam bemerkte ich die dunklen Ringe die sie umgaben.. Er setzte sich mir gegen?ber auf den Sessel und schaute mich an, bis ich dachte ich m?te vor Schmerz in Ohnmacht fallen. Es war die reine Qual, die absolute H?llenqual. Ich dachte mir m?te jeden Moment die Luftwegbleiben. Ich war zu gar nichts mehr f?hig. Es war der heftigste Schmerz den es gibt. Und dass schlimmste war, dass ich  nichts dagegen unternehmen konnte.

 Alles war auf einmal so anders. Alles. Dabei war noch nichts gesagt, nichts ausgesprochen. Aber ich merkte es an Marks Art, wie er die Schultern hochzog, wie er gelangweilt den Bleistift auf dem Teppichboden mit seiner Fu?spitze  hin und her schob. ?Er will weg? dachte ich .Er h?lt es nicht aus. Am liebsten w?re ich in Tr?nen ausgebrochen  aber diese Schw?che gestattete ich mir nicht. ?Irgend etwas ist passiert? sagte ich mit rauher Stimme. ?Aber ich wei? nicht was?. Das ich meiner Mutter nicht gleich alles erz?hlt habe tut mir leid.?  ?Das ist es nicht Mona. Er kam langsam auf mich zu.Es ist aus. Endg?ltig.? Wie elektrisiert sprang ich auf, ich zitterte am ganzen K?rper. Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Er fa?te mich an den Schultern und zwang mich ihn anzusehen. ?Es ist Schlu?, verstehst du?? ?Nein.? wisperte ich und ich verstand wirklich nicht. ?Das habe ich mir gedacht, du verstehst mich einfach nicht.?

Doch pl?tzlich war mir alles klar und ich schrie: ?Doch ich wei? was es ist, du liebst eine andere , na,klar die, die  Blumen, deine gute Laune die Hausmeisterin hat gesagt... weiter kam ich nicht weil ich mich fast an meinen eigenen Tr?nen verschluckt h?tte .Er leugnete es nicht Ich sprang auf und lief aus der Wohnung. Er versuchte nicht mich aufzuhalten.  Ich hatte solche Angst,  jetzt nicht mehr. Jetzt wei? ich wenigstens Bescheid.

 Es ist aus.

So ist das Ende.

So ist das eben.

So ist das.

.

 

?Was ist los?? Meine Mutter stand vor meinem Bett. Sie beugte sich ?ber mich und sch?ttelte mich sanft, als wollte sie mich wieder zur Besinnung  bringen. Mona, was ist los warum weinst du so, hast du schlecht getr?umt ? Ich blickte umher. Mein Bett. Mein Kuschelsessel. Ich war Zuhause Nur ein Traum? Nein das w?re zu sch?n. Doch da ist mein Mutter die mir sanft ?bers Haar streicht und sagt: ?Mona, beruhige dich, du hast nur schlecht getr?umt. Und ?brigens da steht ein junger Mann in der T?r und will zu dir. War der nicht fr?her bei dir in der Klasse? Er hat mir Blumen mitgebracht. Ist das dein Freund? Ja , warum hast du ihn den nicht mal mitgebracht. So ein netter Junge.

Ohne auf Mutters Vorw?rfe einzugehen laufe ich zur T?r. Und als ich in Marks Augen blicke ,Opalfarben,  wei? ich ?Wenn alles mies scheint, wird alles gut.?

 

 

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Dieser folgende Text wurde von Nils F.B verfasst, es ist wie unten stehend ein Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer, aber was fuer einer. Nils konnte es nicht mal bei seiner Verweigerung lassen einfach briliant ironisch zu sein :-) Post Scriptum: Es wurde uebrigens tats?chlich so abgeschickt ...

UND BEWILLIGT!!! :-))

 

Antrag auf Anerkennung als Kriegdienstverweigerer

 

Personenkennziffer: 00000000000 (Nils F.B)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

dieses Schreiben soll meinen Zweifeln ueber einen Kriegseinsatz meiner Person und den damit verbundenen Konsequenzen Ausdruck geben.

Von meinen Eltern wurde ich gewaltfrei erzogen, ebenso wie mir meine ganze Umgebung Zeit meiner Kindheit h?chst friedlich vorkam. Dies lag sicherlich auch daran, dass ich das Glueck hatte in einem Land aufzuwachsen, das sich auf Frieden und pers?nliche Freiheit begruendet.

Ich musste feststellen, dass diese Werte auf Schulh?fen leider nicht immer von allen geteilt werden, jedoch ist es mir gr?tenteils gelungen mich gewaltt?tigen Auseinandersetzungen zu entziehen. Geriet ich doch hinein, hielt ich mehr von den christlichen Grunds?tzen, auch noch die andere Wange hinzuhalten, als das vergeltende Auge um Auge und Zahn um Zahn zu zelebrieren. Gluecklicherweise gab es ja auch Hilfe von Lehrern, die immer gewaltfrei schlichteten.

Krieg war fuer mich lange Zeit einfach ein Grund dafuer, dass viele Kinder keine Opas mehr hatten und Omas keinen Mann. Nach dem Golfkrieg und schlaflosen N?chten mit den Tagesschau- bzw. CNN-Bildern von Flak ueber Bagdad im Kopf erfuhr ich langsam, dass Krieg auch der Grund dafuer ist, dass manche Kinder keine Beine mehr haben, dass ihnen unter Umst?nden andere Kinder(-soldaten) das angetan haben und warum die Opas, die es hier noch gab, so launisch waren.

Damit zusammenh?ngend interessierte ich mich fuer Deutschlands dunkle Vergangenheit. Ich musste erkennen, dass auch in Fotoalben meiner Familie Menschen mit Uniform oder noch schlimmer mit Nazi-Abzeichen zu sehen waren. Das kam sogar in den besten Familien vor. Unweigerlich rueckte mir somit noch n?her wohin all die Opas waren und gleichzeitig kam der Krieg, der normalerweise immer nur in fernen, mutma?lich primitiven L?ndern, bei den Kindern ohne Beine und Arme vermutet wurde, bis in meine Familie vor.

Ich wurde noch ?lter, kam auf eine Schule auf der auch der Schulhof etwas befriedeter war und stellte mir immer mehr die Frage warum meine Verwandten so etwas getan haben und zu was ich wohl alles f?hig bin. Nun sitze ich hier und schreibe meine Verweigerung, um niemals in die Situation zu kommen erfahren zu muessen, wozu ich f?hig bin.

?hnlich wie mit dem Krieg ging es mir mit deutschen Soldaten. Von einer wagen Vorstellung, n?mlich der Kaugummi kauender GI?s, in deren L?den man immer so gern einkaufen wollte, ueber die Verwandten im Familienalbum differenzierte sich zunehmend mein Bild. Ich realisierte, dass es in Deutschland auch l?ngst wieder deutsche Soldaten gab. Dass auch mein Vater mal an dem Punkt stand, an dem ich heute stehe.

Dieses Schuljahr haben wir im Englischunterricht Hemingway gelesen. Geschichten ueber den Krieg, geschrieben von einem, der selbst im Krieg gek?mpft hat. Hemingway beschreibt die Entwicklung, die die Soldaten durchmachen. Aus enthusiastischen K?mpfern fuer das Vaterland werden resignierte Bordellbesucher und Trinker. Mit zunehmenden Gebietsabtretungen an den Feind w?chst der Druck auf jeden einzelnen und einige beginnen unter gro?er Angst den Verstand zu verlieren, was dazu fuehrt, dass keinem mehr vertraut wird, jeder sich selbst der N?chste ist und verst?rkte Sicherheitsvorkehrungen die Soldaten ihre eigenen Kameraden mehr fuerchten lassen als den Feind. Schlie?lich beginnen sie aus den nichtigsten Anl?ssen zu t?ten.

Viele kritische Werke mit dieser Thematik zeigen, dass Krieg, wenn man erst mal drinsteckt, kompliziert ist. Dass dem Soldaten edle Motive wie Schutz fuer Schw?chere, oft der Machtgier der Herrschenden oder ?konomische Interessen gegenueberstehen. Damit macht sich der Soldat zum schmutzigen Werkzeug.

Ich hingegen sehe das Leben als h?chstes Gut, dass es zu wahren gilt, daraus folgt, dass ich nicht das Recht habe ein anderes Menschenleben zu beenden.

Sicherlich ist mir klar, dass es leider Menschen und L?nder gibt, die nicht auf Frieden und Freiheit beruhen, dass die Welt leider wie mein Schulhof ist und ab und zu ein Lehrer kommen muss um fuer Ruhe zu sorgen. Auch ist mir bewusst, dass dies im Gegensatz zum Schulhof nicht immer mit gewaltfreien Mitteln klappt. Leider. Unter Umst?nden muss in solch einer Situation eingegriffen werden, vielleicht manchmal auch mit milit?rischer Gewalt, um die Schw?cheren und die Unschuldigen zu schuetzen. Klar ist mir jedoch, dass ich nicht derjenige sein kann, der seine Waffe auf einen Unterdruecker richtet. Ich habe Angst jemals in eine Situation zu geraten, in der ich ueber Leben und Tod entscheiden muss. Was passiert, wenn ich falsch entscheide? Unnuetz ein Menschenleben beende, oder gar das falsche. Die Konsequenz falsch gerichtet zu haben scheint mir zu unertr?glich, als dass ich jemals riskieren wollte sie zu erfahren. Und selbst wenn es die M?glichkeit gibt, dass ich mit meinem Todesurteil und seiner Vollstreckung helfe Leid abzuwenden, glaube ich doch, dass das Leid dann in mir weiterlebt und mein Leben nicht mehr Lebenswert sein wird. Ich denke ich habe ganz einfach Angst davor einem Menschen gegen?Eerzustehen, den ich nicht kenne, der aber vielleicht nicht schlechter ist als ich. Vielleicht aus dem gleichen Grund k?mpft, der auch unsere Opas in der Wehrmacht k?mpfen lie?.

Ich habe fuer mich selbst beschlossen, zu versuchen die Welt besser zu machen und dafuer all meine M?glichkeiten zu investieren. Ich denke alles was ich Gelernt habe, oder fuehle bringt mich zu dem Punkt, dass der Weg, die Welt zu befrieden nur ein friedlicher Weg sein kann, an dem ich gerne mitwirken m?chte.

Deshalb habe ich mich entschieden den Kriegsdienst unter Berufung auf Artikel vier Absatz drei des Grundgesetzes zu verweigern. Weil ich nicht einer von den toten Opas sein will, ebenso wie die Frau meines vermeintlichen Feindes keine Oma ohne Mann werden soll und unsere Enkel nicht unter mir als verbittertem Opa leiden sollen.

 

Mit freundlichen Gruessen

 

Nils. F. B

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