zitateundausdruecke


Zitate und Aussprüche

Zitate, Aussprüche, Bonmots, Sentenzen und Aphorismen- von der klassischen Antike bis hin zur modernen Werbesprache, von der Bibel bis zum Fernsehfilm.

A

1) Ab urbe condita

Der römische geschichtsschreiber Livius (59v.Chr. - 17.n.Chr) hat seiner Darstellung der römischen Geschichte diesen Titel gegeben. "Ab urbe condita" bedeutet dabei soviel wie "Von der Gründung der Stadt Rom an", deren zeitpunkt Livius mit dem Jahr 753v.Chr. angiebt.- Man charakteriziert mit dem Zitat heute (in eher bildungssprachlichen Texten) eine sehr weit zurückgreifende, von den ersten Anfängen ausgehende Abhandlung oder Erzählung.

2) Alea iacta est

Die Würfel sind gefallen

3) Auditur et altera pars

Der alte lateinische heute immer noch gültige Grundsatz des Prozeßrechts bedeutet übersetzt "Man muß auh die Gegenpartei anhören" (wörtl: "Auch der andere Teil möge gehört werden").Er geht in seiner lateinischen Form zurück auf eine Stelle om der Tragödie "Medea" des römischen Dichters, Philosophen und Politikers Sencea (um 4.v.Chr.- 65.n.Chr.), Heute gebraucht man den lateinischen Spruch ganz allgemein, um vor voreiligen Schlüssen, vor einem allzuraschen Urteil zu warnen und um auszudrücken, dass man sich eine abschließende meinung erst dann bilden sollte, wenn man die Darstellung aller Beteiligten kennt.

4) Aurea mediocritas

Die goldene Mitte

C

1) Carpe diem, quam minimum credula postero.

Diese Lebensregel findet sich in den "Oden" (I,11,8) des römischen Dichters Horaz(65-8 v.Chr.), wo es heißt: Carpe diem quam minimum credula postero("Greif diesem Tag, nimmer traue dem nächsten"). Sie läßt sich auch mit "Nutze den Tag !" oder "Genieße den Augenblick !" wiedergeben und wird dementsprechend entweder als Aufforderung zitiert, seine zeit nicht mit nutzlosen Dingen zu vertun, oder als Rechtfertigung für eine auf Genuß und dieseitige Lebensfreude ausgerichtete Einstellung, die wenig Sinn im ängstlich-vorsorgen-den Sparen und Planen für die Zukunft sieht.

2) Cave canem !

Dieser lateinische Spruch wird heute in zwei bedeutungen verwendet: "Vorsicht, der hund ist bissig !" und ganz allgemein "Nimm dich in acht ! Sieh dich vor !". in alten römischen Villen findet er sich (mit der ersten bedeutung) als Inschrift auf Tür oder Schwelle. Eine entsprechende Schilderung gibt der römische Schriftsteller Petronius Arbiter (gestorben 66 n.Chr.) im "Gastmahl des Trimalchio, einer Einlage seines Romans "Satyricon".

3) Ceterum censeo.

 Das Zitat wird als Audsdruck einer hartnäckig wiederholten forderung, einer festen Überzeugung gebraucht. Mit dem Satz "ceterum censeo Carthaginem esse delendam"- "Im übrigen bin ich der meinung, dass Karthago zerstört werden muss"- soll der römische Staatsmann und Schriftsteller Cato der Ältere (23-149 v.Chr.) jede seiner reden im römischen Senat abgeschlossen haben. Cato sah in Karthago einen gefährlichen Handelskonkurrenten der Römer, den es seiner Meinung nach unbedingt auszuschalten galt.

4) Citius, altius, fortius.

Das lateinische Motto der Olympischen Spiele der Neuzeit- auf deutsch 2Schneller, höher, weiter (eigentlich: stärker)"- wurde von Pierre de Coubertin (1863-1937) propagiert, der den Rekord, die sportliche Höchstleistung an die Spitze eines pyramidenförmig gedachten Modells des modernen Sports stellte. der "Vater" der neuzeitlichen Olympischen Spiele griff dabei auf eine Formulierung des französischen Dominikanermönchs henri-martin Didon(1840-1900) zurück, der als Schriftsteller, Prediger und Erzieher wirkte.- Der Wahlspruch ist in der Sportdidaktik heute nicht mehr umstritten, da er der Spitzenleistung ein höheres Gewiht beimißt asls dem zumindest gesundheits-politisch wichtigeren breitensport.

5) Cogito, ergo sum

Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes (1596-1650) faßte in seinem 1644 erschienenen lateinisch geschreibenen Hauptwerk "Principia philosophiae" ("Die Prinzipien der Philosophie", 1863 deutsch unter diesem Titel) die Ereignisse seines Denkens und Forschens in der Aussage zusammen: Haec cognitio: ego cogito, ergo sum, est omnium prima et certissima ("Diese Erkenntnis: ich denke, also bin ich, ist von allen ie erste und zuverlässigste"). Bereits 1637 hatte er diesen Satz in seinem anonym erschienenen "Discours de la méthode" kurz und prägnant französisch formuliert: Je pense, donc je suis. Populär wurde die lateinische verkürzte Form Cogito, ergo sum und die Übersetzung "Ich denke, aslo bin ich". Besonders die Jugend- und Spontisprache hat zahlreiche scherzhafte Abwandlungen des Zitats hervorgebracht, etwa "Ich denke, aslo bin ich hier falsch". Auch die lateinische Form wird gelegentlich unter Anlehnung an "Koitus" scherzhaft entstellt zu "Coito, ergo sum". Weitere Varianten finden sich in Sätzen wie "Ich schreibe, aslo bin ich" oder gar "Ich jogge, aslo bin ich", mit denen man zum Ausdruck bringt, dass eine bestimmte Tätigkeit entweder im Zentum des eigenen Lebens steht oder so etwas wie den eigenen gesellschaftlichen "Stellenwert" bestimmt.

6)  Coincidentia oppositorum

Der philosophische Fachausdruck (auf deutsch "Zusammenfall der Gegensätze") ist ein zentraler begriff im denken des Kirchenrechtlers und Philosophen nikolaus von Kues (1401-1464). Am Beispiel der kreislinie, die bei einem unendlich großen Radius des kreises mit ihrem "Gegensatz", der Geraden, zusammenfällt, verdeutlicht der humanistischeGelehrte seiner Vorstellung von Gott als einem allumfassenden Wesen, in das alle, auch die gegensätzlichen Dinge eingebettet sind.- der Ausdruck wird bildungssprachlich gelegentlich zitiert, wenn man sich auf das gleichzeitige Auftreten zweier einander eigentlich ausschließender ereignisse bezieht oder - vordergründiger - wen zwei sehr gegensätzliche meinungen, Standpunkte, Charaktere aufeinandertreffen.

7) Corpus delicti

In der juristischen Fachsprache versteht man unter "Corpus delicti" den Gegenstand, mit dem eine Straftat begangen worden ist und der dem Gericht als beweisstück dient. In der Allgemeinsprache wird "Corpus deliciti" auch in übertragener Bedeutung gebraucht. Der lateinische Ausdruck geht auf den römischen Rechtswissenschaftler Prosper Farinacius (1544-1613) zurück, der in seinen "Variae Quaestiones" damit den Gesamtbestand eines vergehens bezeichnete.

8) Credo, quia absurdum

Dieser Satz- "Ich glaube, weil es der Vernunft zuwiderläuft"- geht möglicherweise auf den lateinischen Kirchenschriftsteller Tertullian (160- nach 220) zurück. In seiner Schrift "De carce Christi" heißt es: Et mortuus est Dei Filius; prorsus credibile, quia ineptum est- "Das Gottes Sohn gestorben ist, ist geradezu eine Sache für den Glauben, weil es ungereimt ist (und sich nicht begreifen lässt)." Außerhalb des theologisch-philosophischen Bereiches wird der Ausdruck wohl nur selten verwendet; er wäre zum Beispiel als Kommentar zu einer Geschichte denkbar, die zu unwahrscheinlich klingt, als dass sie sich jemand ausgedacht haben könnte.

9) Credo, ut intellegam

Dieser Satz- "Ich glaube, damit ich erkenne"- stammt von dem Philosophen und Theologen Anselm von Canterbury (1033-1109), der sich damit auf den propheten jesaja im Alten Testament (7,9 in der Septuagintaübersetzung: "Glaubt ihr nicht, so werdet ihr nicht verstehen") und den Kirchenvater Augustinus (345-430) bezieht. Augustius formulierte im "Tractatus in Sanctum Joannem": credimus ut cognoscamus, non cognosciumus ut credamus- "Wir glauben, damit wir erkennen; wir erkennen nicht, damit wir glauben." Anselm von Canterbury vertrat die Ansicht, dass auch der Glaube mit philosophischen Mitteln, mit der Sprache der philosophischen Argumentation zu interpretieren sei, wobei der Glaube aber der Ausgangsprunkt der Erkenntnis bleibt. der Ausdruck ist außerhalb der theologisch-philosophischen Fachsprache kaum gebräuchlich. Denkbar wäre er als Kommentar zu einer eher unglaubwürdigen Darstellung, die man aber dennoch zunächst einmal als wahr ansieht, weil sie hilft, eine damit zusammenhängende Handlungsweise oder ein entsprechendes Ereignis zu verstehen.

10) Cui bono ?

Diese kernfrage der kriminalistik nach dem Tatmotiv bei der Aufklärung eines Verbrechens-auf deutsch "Wem nützt es, wer hat einen Vorteil davon ?"- ist ein Zitat, das Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.) in seinen reden "Pro Milone" und "Pro Roscio Amerino" als einen Auspruch von Lucius Cassius Longinus Ravilla (Konsul 127 v.Chr) anführt.

11) Cuius regio, eius regilio

Das auch im etwas erweiterten Sinne von "Wer die macht ausübt, bestimmt in seinem bereich die Weltanschauung" anwendbare Zitat bedeutete eigentlich "Wes das Land, des der Glaube". es war ein wichtiger Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens von 1555, nach dem der Landesfürst die Konfession der Untertanen bestimmte. Geprägt wurde diese Formel von dem Greifswalder Kanonisten J.Stephani (1544-1623).

12) Cum grano salis

Dieser lateinische Ausdruck geht auf eie Stelle in der "Naturalis historia" (="Naturgeschichte") von Plinius d.Ä. (23-79 n.Chr) zurück, wo er schreibt,dass die Wirkung eines bestimmten gegengifts nur durch die Beigabe von einem Körnchen Salz gewährleistet sei. Im heutigen Sprachgebrauch hat das Zitat die bedeutung von "mit Einschränkungen, nicht ganz wörtlich zu nehmen"

13) Cum tacent, clamant

In seiner ersten Rede "In L.Catilinam" (="Gegen Catilina") fordert Marcus Tullius Cicero (106-43 V.Chr) den Politiker Catilina auf, Rom zu verlassen, da Catilina erneut eine Verschwörung geplant hatte. Dabei ist Cicero sich, trotz des Schweigens, der Zustimmung der Senatoren sicher, denn : "Cum tacent, clamant" (" In dem sie schweigen, rufen sie laut"). Das Zitat wird bildungssprachlich gelegentlich im Sinne von "Es herrscht stillschweigendes Einverständnis" verwendet, wenn eine Zustimmung nicht ausdrücklich gegeben wird, aber wohl vorausgesetzt werden kann. (Siehe auch "Quousque tandem?")

D

1) Dies irae , dies illa

Der Franziskaner Thomas von Celano (um 1190- 1260) soll die ergreifende Hymne "Dies irae, dies illa" verfaßt haben, die auch als Sequenz in die katholische Totenmesse aufgenommen wurde. Der lateinische Text beginnt mit den Versen: Dies irae, dies illa/Solvet saeculum in favilla (in freier deutscher Nachdichtung: "Tag der Rache, Tag der Zähren,/ Wird die Welt in Asche kehren"). Mit diesem lateinischen text wird auch Gretchen in Goethes Faust (I, "Domszene") in Anspielung auf das Jüngste Gericht konfrontiert. Heut wird das Zitat "Dies irae, dies illa" (wörtl. " Tag des Zornes, jener Tag") in gebildeter Ausrucksweise auf einen Tag bezogen, an dem man heftige Vorwürfe, laute Auseinandersetzungen befürchtet oder diese über sich ergehen lassen muss.

2) Do ut des

Diese altrömische Rechtsforme, die bei Vertragsabschlüssen oder Tauschgeschäften gebraucht wurde, bedeutet übersetzt: "Ich gebe, damit du gibst." Sie findet sich in dem Hauptwerk des niederländischen Rechtsgelehrten Hugo Grotius (1583-1645), das unter dem Titel "De jure belli ac pacis libri tres" ("Drei Bücher über das Recht des krieges und des Friedens") im Jahre 1625 veröffentlicht wurde. Heute wird sie gebraucht um anzudeuten, dass man mit einer gegengabe oder einem Gegendienst rechnet.

3) Dulce et decorum est pro patria mori

Im dritten Buch der "Oden" (III,2,13) des römischen Dichters Horaz (65-8v.Chr.) steht dieser den Heldentod verherrlichende Spruch. Er bedeutet übersetzt "Beglückend(oft auch mit >>süß<< übersetzt) und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben" und ist noch auf Heldengedenktafeln u.ä. zu finden.

Q

1) Qui tacet, consentire videtur

Dieser lateinische Satz (übersetzt: "Wer schweigt, scheint zuzustimmen") findet sich im Corpus Iuris Canonici, und zwar im sogenannten Liber Sextus. Diese Sammlung von Konzilbeschlüssen und päpstlichen Erlassen ist von Papst Bonifatius VIII. (Amtszeit von 1294 bis 1303) angelegt worden. Schon in der Rechtssprechung der Griechen und Römer hatte der Grundsatz Geltung, wie ähnliche Formulierungen bein Sophokles, Platon und Cicero zeigen. Auch heute noch wird er im gleichen Sinne (lateinisch und deutsch) zitiert.

2)

3) Quod erat demonstrandum.(Euklid)

In den "Elementa" des griechischen Mathematikers Euklid (4.Jh. v.Chr), einer neuartigen systematischen Zusammenfassung und Umformung der gesamten mathematischen Kentnisse vor seiner Zeit, enden die Beweisführungen mit der Feststellung "was zu beweisen war". In einer lateinischen Übersetzung des früheren 16.Jahrhunderts findet sich dafür zum ersten male das auch heute zitierte Quod erat demonstrandum.

4) Quod scripsi, scripsi

Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben

5) Quousque tandem ?

"Wie lang noch, Catilina, willst du unsere Geduld missbrauchen?" Mit diesen Worten (lateinisch: Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nostra) beginnt der römische Staatsmann und Philosoph Cicero (106-43 v.Chr.) seine erste Rede gegen den Verschwörer Catilina. Er fordert ihn darin auf, Rom zu verlassen. man zitiert heute meist nur den Satzanfang "Quousque tandem" ("Wie lange noch?"), um Ungeduld oder ein Ungehaltensein über etwas, was als zu lange dauernd empfunden wird, ausdzudrücken.

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