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Die Eigentumsbestie

Der Mensch ist unter den Raubtieren das schlimmste. Das ist ein Ausspruch,

den heutzutage viele tun, der aber nur bedingungsweise richtig ist. Nicht

der Mensch als solcher ist ein Raubtier, sondern nur der Mensch in

Verbindung mit Reichtum. Je reicher der Mensch ist desto stärker ist seine

Gier nach weiterem Vermögen. Solch ein Untier, welches man Eigentumsbestie

nennen kann, und das gegenwärtig die Welt beherrscht, die Menschheit

unglücklich macht und mit dem Fortschreiten der sogenannten "Zivilisation"

an Grausamkeit und Schlingkraft gewinnt, soll im Nachstehenden

gekennzeichnet und der Ausrottung empfohlen werden.

Blickt Euch um! In jedem sogenannten "Kultur"-Lande gibt es unter je

hundert Menschen etwa 95 mehr oder minder vollendete Habenichtse und

ungefähr fünf Geldprotzen.

Es ist nicht nötig, alle Schleichwege aufzusuchen, auf denen die Letzteren

ihr Vermögen erworben haben. Der Umstand, daß sie Alles besitzen, während

die Übrigen lediglich existieren, resp. vegetieren, läßt allein schon

keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die Wenigen auf Kosten der Vielen

reich geworden sind.

Bald durch das direkte brutale Faustrecht, bald durch List, bald durch

Betrug hat sich diese Rotte des Grund und Bodens und aller darauf

befindlichen Güter bemächtigt. Vererbung und vielfacher Händewechsel haben

diesem Raub einen "altehrwürdigen" Anstrich verliehen und dessen wahres

Wesen verwischt; deshalb wird die Eigentumsbestie noch immer nicht als

solche erkannt; sondern sogar mit heiliger Scheu respektiert.

Und doch sind Alle, welche nicht zu dieser Art gehören, deren Opfer. Jeder

Sprößling eines Nichteigentümers (Armen) findet bei seinem Eintritt in die

Welt jedes Fleckchen Erde besetzt. Es gibt keine Güter, die nicht einen

"Herren" hätten. Ohne Arbeit entsteht aber nichts und um heutzutage

arbeiten zu können, sind nicht nur Fähigkeit und Wille erforderlich,

sondern auch Werkzeuge, Rohstoffe und Lebensmittel. Der Arme wendet sich

daher notgedrungen an Jene, die alle diese Dinge in Hülle und Fülle

besitzen. Und siehe da, es wird ihm seitens der Reichen die Erlaubnis

erteilt, weiter zu existieren. Dafür hat er sich aber sozusagen seiner

Kraft und Geschicklichkeit zu entäußern. Diese verwenden fortan seine

vermeintlichen Lebensretter für sich. Denn Letztere spannen ihn einfach ins

Joch der Arbeit; sie zwingen ihn, bis zur äußersten Grenze körperlicher und

geistiger Anstrengung neue Schätze zu erzeugen, nach denen er aber nicht

seine Hände auszustrecken berechtigt ist. Würde er sich lange besinnen

wollen, solch' einen ungleichen Handel abzuschließen, so belehrte ihn doch

bald sein knurrender Magen, daß der Arme hierzu keine Zeit hat.

Und da viele Millionen ganz in der nämlichen Lage sich befinden, wie er, so

setzt er sich obendrein der Gefahr aus, daß sich, während er sich besinnt,

hundert Andere um seine Stelle bewerben, so daß er neuerdings in der Luft

hängt. Furchtbar schwingt seine Peitsche der Hunger über dem Kopfe des

Armen. Um zu leben, muß er sein eigenes Ich täglich und stündlich

freiwillig verkaufen.

Es waren entsetzliche Zeiten, als die herrschenden Klassen auf die

Sklavenjagd gezogen waren und Jene, die in ihre Hände fielen, in Ketten

schlugen und mit Gewalt zur Arbeit zwangen. Ungeheuerlich sah es aus in der

Welt, als die christlich-germanischen Räuber ganze Länder stahlen, den

Boden den Völkern unter ihren Füßen hinweg zogen und sie zum Frondienst

preßten. Den Gipfel der Schmach aber hat erst die heutige "Ordnung"

erzeugt: denn sie hat mehr als neun Zehntel der Menschheit um ihre

Existenzbedingungen betrogen, in Abhängigkeit einer winzigen Minderheit

versetzt und zur Selbsthingabe verdammt, gleichzeitig jedoch dieses

Verhältnis dermaßen durch allerlei Formeln verhüllt, daß die Hörigen der

Neuzeit - die Lohnsklaven ihre Rechtlosigkeit und Knechtschaft nur zum Teil

erkennen und geneigt sind, sie dem Glücks-, resp. Unglücksfalle

zuzuschreiben.

Diesen gräßlichen Zustand zu verewigen, das ist das einzige Streben der

"vornehmen" Welt. Unter sich sind zwar die Reichen nicht immer einig; im

Gegenteil sucht Einer den Anderen durch Handelskniffe, Spekulantenlist und

Konkurrenzmaximen zu übervorteilen; allein dem Proletariate gegenüber

stehen sie als eine geschlossene feindliche Masse da.

Ihr politisches Ideal ist daher - aller freisinnigen Redensarten ungeachtet

- ein möglichst starker und ruppiger Büttelstaat.

Bettelt der Arme, der momentan außer Stande ist, sich an einen Ausbeuter zu

verkaufen, oder den die Eigentumsbestie bereits zur Arbeitsunfähigkeit

ausgeschunden hat, so sagt der satte Bourgeois, das sei Vagabundage, und er

ruft nach Polizei; er verlangt Stockprügel und Zuchthäuser für den armen

Teufel, der nicht zwischen Bergen von Lebensmitteln verhungern will.

Greift der Arbeitslose gar zur sonst so viel gepriesenen Selbsthilfe, tut

er im Kleinen, was die Reichen täglich ungestraft im Großen tun, d.h.

stiehlt er etwa, um existieren zu können, so sammelt die Bourgeoisie

glühende Kohlen "sittlicher" Entrüstung über seinem Haupte und

überantwortet ihn mit strenger Miene dem Staatszwinger, um ihn dort desto

entschiedener (wohlfeiler) auszubeuten.

Verbinden sich die Arbeitsleute, um gemeinsam höhere Löhne, kürzere

Arbeitstage u. dgl. zu ertrotzen - sogleich zetert das Protzentum, das sei

Konspiration und müsse hintertrieben werden. Organisieren sich die

Proletarier politisch, so ist das ein Verstoß gegen "göttliche

Weltordnung", der durch Ausnahmegesetzgebung zu Nichte gemacht werden muß.

Denkt schließlich das Volk ans Rebellieren, so erschallt in der ganzen Welt

ein Wutgeheul der Goldtiger ohne Ende. Sie lechzen nach Massakres und ihr

Blutdurst ist unstillbar.

Das Leben des Armen gilt dem Reichen ohnehin für Nichts. Als Schiffseigner

setzt ganze Bemannungen aufs Spiel, wenn es darauf ankommt, hohe

Versicherungsprämien für halbverfaulte Fahrzeuge zu ergaunern. Schlechte

Ventilation, zu tiefer Bau, mangelhafte Stützung usw. bringen jährlich

vielen Tausenden von Bergleuten den Tod, erhöhen aber den Gewinn, daher es

für die Grubenbesitzer dabei sein Bewenden hat. Nicht mehr kümmert sich

Fabrikpascha darum, wie viele "seiner" Arbeiter von Maschinen zerrissen,

durch Chemikalien vergiftet oder in Dunst und Schmutz langsam erstickt

werden. Der Profit ist die Hauptsache.

Weiber sind billiger als Männer, daher saugt jeder kapitalistische Vampir

mit ganz besonderer Vorliebe Weiberblut. Obendrein liefert ihm die

Frauenarbeit wohlfeile Maitressen. Kinderfleisch ist das billigste; was

Wunder, daß die Kannibalen der modernen Gesellschaft ständig ihre Zähne

fletschen nach jugendlichen Opfern. Was haben sie darnach zu fragen, daß

die armen Kleinen auf solche Weise verwahrlost und verkrüppelt werden!

Während Tausende davon im zarten Alter, ausgemergelt und elend in die Grube

sinken, steigen die Aktien. Das genügt!

Da die Bourgeoisie vermöge ihres Kapitals alle neuen Erfindungen nur für

sich allein in Anspruch nimmt, hat jede neue Maschine, statt

Arbeitszeitverkürzung und Erhöhung des Lebensglücks für Alle, nur

Entlassung aus dem Geschäft für die Einen, Lohnherabsetzung für anderen,

stärkere Verelendigung für das ganze Proletariat zur Folge. Wenn aber die

Vermehrung der Produkte begleitet ist von einer zunehmenden Verarmung der

Volksmassen, so muß die Konsumtion gleichzeitig abnehmen; es müssen

Stockungen und Krisen eintreten. Eine Fülle von vorhandenen Schätzen in den

Händen Weniger muß Hungertyphus unter der Masse erzeugen. Das Verkehrte, ja

Wahnsinnige eines solchen Zustandes liegt auf der Hand. Die Protzen aber

zucken mit den Achseln darüber. Das werden sie so lange treiben, bis über

ihren Achseln ein wohlgeschlungener Strick alle Zuckungen endet.

Aber nicht bloß als Produzent wird der Arbeiter in der mannigfaltigsten

Weise geschröpft, sondern auch als Konsoment. Sein kärgliches Einkommen

suchen ihm zahlreiche Schmarotzer schleunigst wieder abzujagen.

Wenn die Waren bereits durch allerlei Börsen und Grossistenlager gewandert

sind und durch verschiedenartige Makler- und Jobberprofite, durch Zölle und

Taxen Preisaufschläge erfahren haben, kommen sie endlich zum Krämer, dessen

Kunden fast ausschließlich Proletarier sind. Großkapitalisten "machen" d.

h. ergaunern vielleicht 10 - 20 Prozent Gewinn bei ihren Umsätzen; der

Krämer will mindesten 100 Prozent haben. Er bedient sich zur Erzielung

dieses Resultats verschiedenartiger Kniffe; insbesondere treibt er die

schamloseste Warenverfälschung. Verwandt mit diesen Betrügern sind die

zahllosen Bierpantscher, Schnapsverderber und sonstigen Giftmischer, welche

in alle großen Städten und industriellen Distrikten jede Gasse unsicher

machen. Ferner sinnen die Hauspaschas ohne Unterlaß darüber nach, wie sie

das Leben der Proletarier verbittern könnten. Die Wohnungen werden immer

schlechter, die Mieten höher, die Kontrakte niederträchtiger. Mehr und mehr

werden die Arbeiter zusammen gepfercht in Hintergebäuden, in Dachkammer und

Kellerlöchern, die voll von Wanzen, feucht und moderig sind.

Gefängniszellen sind häufig von zehnfach gesünderer Beschaffenheit.

Ist der Arbeiter beschäftigungslos, so lauert wiederum eine ganze Bande von

Hungerspekulanten darauf, ihn vollends zu ruinieren. Pfandleiher und

ähnliche Schufte borgen auf die letzten Habseligkeiten der Armen kleine

Beträge zu hohen Zinsen. Deren Verträge sind gewöhnlich derart abgefaßt,

daß sie nicht leicht eingehalten werden können; das verpfändete Gut

verfällt und der Proletarier sinkt abermals um eine Stufe tiefer. Jene

Halsabschneider aber sammeln sich in kurzer Zeit große Vermögen an. Sogar

den Bettler betrachten viele Parasiten als eine rentable Figur. Jede

Kupfermünze, die er sich mühselig verschaffte, erregt das Verlangen von

Inhabern schmutziger Herbergen und Spelunken. Ja, selbst Diebe entgehen der

kapitalistischen Ausbeutung nicht. Sie sind die Sklaven von raffinierten

Hehlern und Unterschlupfgebern, welche ihnen gestohlene Wertsachen für eine

Bagatelle abnehmen. Und jene armen Mädchen, welche die heutige

Schandwirtschaft in die Arme der Prostitution getrieben, werden durch

Bordellwirte und ähnliche Schmachgestalten ganz scheußlich geplündert.

So geht es dem Armen von der Wiege bis zum Grabe. Ob er produziert, ob er

konsumiert; ob er existiert oder vegetiert; er ist stets umlagert von einer

Schar von heißhungrigen Vampiren, die nach jedem Tropfen seines Blutes

lechzen. Auf der anderen Seite stellt der Reiche nie sein

Ausbeutungshandwerk ein, wenn er auch noch so wenig in der Lage ist, einen

Grund für seine Habgier anzugebeben. Wer eine Million hat, will 10

Millionen haben; wer deren 100 besitzt, geizt nach einer Milliarde usw. Zur

Habgier gesellt sich Herrschsucht.

Das Besitztum ist eben nicht nur ein Mittel zu immer weiterer Bereicherung,

sondern auch eine politische Macht. Unter dem jetzigen Kapital-System ist

die Käuflichkeit fast ein allgemeines Laster. Es handelt sich gewöhnlich

nur darum, den richtigen Preis anzusetzen, um Diejenigen zu kaufen, welche

geeignet sein können, durch Sprechen oder Schweigen, durch Schrift oder

Druck, durch Gewaltakte oder durch was immer der Eigentumsbestie zu dienen.

Sie ist vermöge ihrer goldenen Diktate die wahre allmächtige Gottheit.

Da werden in Europa und Amerika mehr als 500.000 Pfaffen unterhalten, um,

wie in der "Gottespest" (No. 3 der 1. B.) nachgelesen werden kann, die

Volksmassen ihres gesunden Menschenverstandes zu berauben. Daneben

strolchen zahlreiche "Missionäre" von Haus zu Haus, um alberne Traktätchen

zu verteilen oder sonstigen "geistigen" Unfug zu treiben. In den Schulen

wird Alles aufgeboten, um das wenige Gute, welches die Lese-, Schreib- und

Rechen Dressur allenfalls mit sich bringen könnte, möglichst hinfällig zu

machen. Eine blödsinnige Malträtierung der "Geschichte" erzeugt jenen

aufgeblasenen Dünkel, der die Völker verunreinigt und sie nicht erkennen

läßt, daß ihre Bedrücker gegen sie längst sich geeinigt haben, und daß Im

Grunde genommen die ganze bisherige Politik nur den Zweck hatte, die Macht

der Herrschenden zu befestigen und die Ausbeutung der Armen durch die

Reichen zu sichern.

Den Hausierhandel mit dem Loyalitäts- und "Ordnungs"-Fusel besorgen des

Weiteren insbesondere die Schmierfinken der Tagespresse, zahlreiche

literarische Geschichtsfälscher, die politischen Klopffechter eines

tausendfältig verzweigten Vereins- und Versammlungslebens,

Parlaments-Quatschmichel mit dem ewig süßlächelnden Gesichte, den stetigen

Versprechungen auf den Lippen und dem Verrat im Herzen, und hunderterlei

andere Politiker von mehr oder weniger Lumpazi-Vagabundus Qualität.

Speziell zur Verdunkelung der sozialen Frage sind ebenfalls ganze

Schwadronen von Strauchrittern tätig. Die Professoren der Nationalökonomie

spielen z. B. so recht die Leibkosaken der Bourgeoisie, indem sie das

goldene Kalb als die wahre Sonne des Lebens preisen und die Gerbereien von

Arbeiterfellen "wissenschaftlich" in allgemeine Wohltätigkeit an der

Menschheit umlügen. Ein Teil dieser Schulpfaffen empfiehlt gleichwohl

soziale Reformen, d. h. natürlich mit anderen Worten Prozeduren, bei denen

der Pelz gewaschen aber nicht naß gemacht werden soll. Außerdem foppen sie

noch die Arbeiter durch Empfehlung von Spar- und Bildungsrezepten.

Während die kapitalistischen Raubholde solchermaßen das Volk nasführen

lassen, erweitern sie auf der anderen Seite ihren eigentlichen

Gewaltmechanismus immer entschiedener. Es werden immer mehr Ämter

errichtet. An die Spitze derselben stellen sich in Europa die Nachkömmlinge

der ehemaligen Straßenräuber (die "Edelleute"), in Amerika die

geschicktesten

Stellenjäger und geriebensten Gauner, welche mit ihrem eigentlichen Zweck,

der autoritätsmäßigen Knebelung des Proletariats, auch noch die angenehme

Beschäftigung von Kassendieben und Fälschern höheren Grades verbinden. Sie

dirigieren ganze Armeen von Soldaten, Gendarmen, Polizisten, Spionen,

Gefängniswärtern, Zollwächtern, Steuereinnehmern, Exekutoren usw. Die

letzteren Gattungen des Bütteltums sind fast durchgängig dem

nichtsbesitzenden Volke entnommen, auch werden sie selten besser als

proletarisch entlohnt. Dennoch spielen dieselben mit großem Eifer die

Spähaugen, Schnüffelnasen und Lauschohren, die Klauen, die Zähne und die

Saugrüssel des Staates, welch' letzterer solchermaßen augenscheinlich

nichts weiter ist, als die politische Organisation einer Rotte von

Betrügern und Ausbeutern, die ohne eine solche Macht- und

Tyrannisierungs-Maschinerie nicht einen einzigen Tag vor dem gerechten Zorn

und Unwillen des geschundenen und geplünderten Volkes sich zu halten

vermöchten.

In den meisten älteren Ländern ist dieses System natürlich auch in der

äußeren Form am schärfsten zugespitzt worden. Es konzentriert sich der

ganze staatliche Zuchtapparat in einer monarchischen Spitze. Die

Repräsentanten der selben, die Gottesgnädlinge, sind denn auch der Ausbund

aller Schurkerei. In ihnen sind sämtliche Laster und Verbrechen der

herrschenden Klasse bis zum Ungeheuerlichsten verkörpert. Ihre

Lieblingsbeschäftigung ist der Massenmord (Krieg); wenn sie stehlen, (und

sie stehlen oft) nehmen sie immer gleich ganze Länder und Hunderte, ja

Tausende von Millionen. Die Brandstiftung in großartigem Maße dient ihnen

nur zur Beleuchtung ihrer Greuel. In ihren Schädeln hat sich die Marotte

festgesetzt, daß die Menschheit lediglich dazu da sei, um von ihnen

geknufft und angespieen zu werden. Höchstens erachten sie es der Mühe wert,

die schönsten Weiber und Mädchen "ihrer" Länder zur Befriedigung ihrer

viehischen Lüste auszuwählen. Die Übrigen haben das Recht,

"alleruntertänigst zu verrecken".

An direkter Brandschatzung nehmen diese gekrönten Raubmörder in Europa

jährlich 200 Millionen Mark ein. Der Militarismus, ihr Kind, kostet, ganz

abgesehen von den aus ihm entspringenden Verlusten an Gut und Blut, per

Jahr weitere 4000 Millionen Mark, und eine gleiche Summe zählt man an

Zinsen für die 80.000 Millionen Staatsschulden, welche die Halunken in

verhältnismäßig kurzer Zeit gemacht haben. Somit kostet der Monarehismus in

Europa jährlich 8200 Millionen Mark, d. h. mehr als 10 Millionen Arbeiter,

respektive die Ernährer von 50 Millionen Menschen an Lohn einnehmen!

In Amerika nehmen die Stelle der Monarehen die Monopolisten ein. Und wenn

sich in der angeblich "freien" Republik der Vereinigten Staaten von

Nord-Amerika der Monopolismus nur noch kurze Zeit so weiter entwickelt, wie

in den letzten 25 Jahren, so werden gar bald nur noch Luft und Licht von

der Monopolisierung verschont geblieben sein. 500 Millionen Acker Landes,

ungefähr das Sechsfache der Bodenfläche von Großbritannien und Irland, sind

im Laufe eines Menschenalters in den Vereinigten Staaten zur Hälfte den

Eisenbahngesellschaften, zur anderen Hälfte Großgrundhesitzern

(europäisch-aristokratischer Abstammung) zugefallen. - - - In wenigen

Jahrzehnten hat Vanderbilt allein 200 Millionen Dollars sich ergaunert. Ein

paar Dutzend seiner Raubkollegen stehen im Begriffe, ihn einzuholen. San

Francisco ist vor 30 Jahren erst gegründet worden und heute gibt es

daselbst schon 85 Millionäre! Alle bis jetzt entdeckten Lager von Kohlen

und Metallen, alle Ölquellen, kurz alle Bodenreichtümer des ungeheuren

herrlichen Landes gehören schon jetzt (nach kaum 100jähriger Etablierung

der "Republik") nicht mehr dem Volke, sondern einer Handvoll von verwegenen

Abenteurern und raffinierten Gaunern.

Vor dem Einflusse dieser Börsenkönige, Eisenbahnmagnaten, Kohlenbarone und

Schlotjunker sinkt die "Souveränität des Volkes" buchstäblich in den

Straßenkot. Diese Kerle haben die ganzen Vereinigten Staaten in den

Taschen, und was sich da an scheinbar freier Gesetz- und Stimmgeberei breit

macht, ist eitel Mummenschanz.

Wenn so etwas am grünen Holze geschieht, was soll da erst am morschen

Gebälk werden? Wenn die junge amerikanische "Republik" mit ihren

unerschöpflichen Naturreichtümern in so kurzer Zeit derart kapitalistisch

verludert werden konnte, was braucht man sich da noch über die Eolgen

länger wirkender Ursachen gleicher Art in dem altersschwachen verrotteten

Europa zu wundern?!

Wahrlich, es scheint, als ob die amerikanische "Republik" vorläufig nur den

einen kulturhistorischen Zweck gehabt hätte, dem Volke diesseits wie

jenseits des atlantischen Ozeans durch krasse Tatsachen zu zeigen, welch

ein Ungeheuer die Eigentumsbestie ist, und daß weder Bodenbeschaffenheit

noch Ausdehnung des Landes, noch politische Gesellschaftsformen die

Bösartigkeit dieses Raubtieres zu alterieren vermögen, ja daß dasselbe um

so gefährlicher sich zeigt, je weniger Notwendigkeit für die individuelle

Habgier von Natur aus gegeben ist. Möge die arbeitende Menschhcit daraus

die Nutzunwendung schöpfen, daß dieses Ungeheuer nicht gezähmt oder

ungefährlich oder gar gemeinnützig gemacht werden kann, sondern daß ihm

gegenüber nur ein Heilmittel existiert: der unerbittliche. unbarmherzige

und vollständigste Vernichtungskrieg!

Auf gütlichem Wege ist da nichts zu Erhoffen; höchstens hat das Proletariat

Spott und Hohn zu gewärtigen, wenn es so kindisch ist, seinen TodEeinden

mit Petitionen, Abstimmungen u. dgl. Harmlosigkeiten Respekt einflößen zu

wollen.

Allgemeine Volksaufklärung, sagen manche, werde Wandel schaffen; allein

dieser Rat bleibt wesentlich auch nur eine Phrase; denn die Volksaufklärung

wird erst dann allgemein möglich sein, wenn die Hindernisse, die sich

derselben gegenwärtig in den Weg stellen, beseitigt sind. Und das ist nicht

eher der Fall, als bis das ganze heutige System von Grund aus zerstört ist.

Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß in dieser Richtung gar nichts

geschehen solle oder könne. Nein! Wer immer die Niederträchtigkeit der

jetzigen Zustände erkannte, hat die heiligste Pflicht, überall seine Stimme

zu erheben, um dem Volke über diese Dinge die Augen zu öffnen. Man muß sich

aber hüten, diesen Zweck durch hochgelehrte Betrachtungen erreichen zu

wollen. Möge das den ehrlicheren Männern der Wissenschaft überlassen

bleiben, die auf solche Weise der sogenannten "gebildeten Welt" die

Schminke der Humanität von der häßlichen Raubtierfratze kratzen. Die

Sprache, welche das Proletariat verstehen soll, muß einfach und kräftig

sein.

Wer diese führt, wird stets von der herrschenden Sippschaft der Aufreizung

geziehen, grimmig gehaßt und verfolgt werden. Daraus können wir ersehen,

daß die einzig mögliche und praktische Aufklärung aufreizender Natur sein

muß. - Reizen wir also auf!

Zeigen wir dem Volke, wie es durch Land- und Stadtkapitalisten um seine

Arbeitskraft betrogen wird; wie es Krämer, Haus- und andere Wirte um den

kargen Lohn prellen; daß ihm Kanzel-, Press-, Partei- und andere Pfaffen

den Verstand zu töten suchen; wie zahllose Büttel ewig bereit sind, es zu

malträtieren und zu tyrannisieren - endlich muß ihm die Gedold ausgehen. Es

wird rebellieren und seine Eeinde zermalmen.

Die Revolution des Proletariats, der Krieg der Armen gegen die Reichen, ist

der einzige Weg, der zur Erlösung führen kann.

Aber, wenden Andere ein, Revolutionen lassen sich doch nicht machen. Gewiß

nicht, aber vorbereiten kann man dieselben, indem man das Volk darauf

aufmerksam macht, daß solche Ereignisse vor der Türe stehen, und indem man

es herausfordert, sich zu rüsten.

Die kapitalistische Entwicklung, von welcher viele Theoretiker behaupten,

daß sie bis zur völligen Austilgung aller kleinbürgerlichen Existenzen

gediehen sein müsse, ehe die Vorbedingungen zu einer sozialen Revoultion

gegeben seien, hat bereits einen solchen Höhepunkt erreicht, daß ihr

weiterer Fortgang nahezu unmöglich geworden ist. Allgemein großindustriell

kann nur dann produziert werden, und allgemeiner Großbetrieb auf dem Lande

kann nur dann stattfinden, wenn die Gesellschaft kommunistisch organisiert

ist und wenn - was sich im Ietzteren Fall ganz von selbst versteht- mit der

Entwieklung der Technik der Verkürzung der Arbeitszeit und die Erhöhung des

Verbrauchs gleichen Schritt halten.

Das ist auch leicht einzusehen. Da beim Großbetrieb 10 Mal, in manchen

Eächern sogar 100 Mal mehr produziert wird, als die betreffendell Arbeiter

an gleichwertigen Waren verbrauchen, so bekommt die Trommel alsbald ein

Loch. Bisher ist die überschüssige Differenz deshalb weniger vermerkt

worden, weil der weitaus größte Teil des sogenannten "Gewinnes abermals

kapitalisiert, d. h. zu neuen kapitalistischen Anlagen verwendet worden

ist, und weil die weitest entwiekelten Industriestaaten nach weniger

fortgeschrittenen Ländern Ungeheure Warenmassen exportierten. Jetzt fängt

die Sache aber an, in dieser Beziehung gewaltig ins Stocken zu geraten. Der

Industrialismus hat überall ungeheure Fortschritte gemacht; damit kommen

Ausfuhr und Einfuhr mehr und mehr ins Gleichgewieht und schon deshalb

lohnen sich neue Kapitalanlagen immer weniger, ja sie werden unter solchen

Umständen bald ganz und gar untunlich erscheinen. Ungeheure Weltkrisen

werden dieses Mißverhältnis gar bald zum allgemeinen Verständnis bringen.

Somit ist Alles für den Kommunismus reif; es brauchen nur dessen

interessierten Gegner, die Kapitalisten und ihre Helfershelfer, beseitigt

werden. In der Zeit der, wie gesagt, bevorstehenden Krisen wird das Volk

auch genügend zum Kampfe bereit gemacht werden. Und es handelt sich dann

nur darum, ob überall ein gehörig geschulter rovolutionärer Kern vorhanden

ist, der das Zeug dazu hat, die durch Arbeitslosigkeit und Elend aller Art

zum Aufruhr getriebenen Volksmassen um sich zu kristallisieren und die so

geformte gewaltige Kraft behufs Zertrümmerung des Bestehenden in das Spiel

zu bringen.

Arbeiten wir also überall auf die Revolution hin, ehe es zu spät ist! Der

Sieg des Volkes über seine Blutsauger und Tyrannen wird dann nicht

ausbleiben können.

 

Fazit:

In einer Kommune existiert zwar Privateigentum, jedoch kein Geld und damit kein Zins. Die alte Knechtschaft durch Zins ist beseitigt.

Individualgüter sind das einzige Privateigentum, das in "Libertas Un" existiert, wobei unbewegbare Individualgüter, wie insbesondere das Privatzimmer beim Umziehen wieder zum Gemeingut werden. Bei der Definition der Individualgüter einer bestimmten Person sollte großzügig vorgegangen werden. Persönliche Kunstwerke, nostalgische Objekte von geliebten Personen sowie alle Objekte, die dem Eigentümer viel bedeuten, sollten die Kommunarden als Individualgut tolerieren, denn schließlich sind sie nicht in jenem Sinne Kapital, als daß sie zu einer expotentiellen Vermehrung des Eigentums beitragen könnten.

Gemeingüter gehören allen.

Auch beim Tode einer Person gehen seine Individualgüter in den Besitz seiner Kommune über. Vererben lassen sich jedoch familiär-nostalgische Dinge ohne Produktivwert. Vererbung gibt es demnach nur sehr bedingt.



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