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(nicht von mir)

Schluchten, reißende Flüsse, Wasserfälle, Wüsten, rießige Felsengebirge, leere Straßen und Prärien soweit das Auge reicht, kurz Amerika, das waren die Träume die mich seit meiner frühesten Jugend begleiteten.
Mit zunehmenden Alter wurde mir klar, das Amerika durch die sich selbst eingemauerte DDR, in der ich lebte und gedeihte, in unerreichbarer Entfernung lag und die Träume verblaßten im Laufe der Jahre. Mit dem Ende der DDR kam die große Reisefreiheit, aber auch die uns unbekannten Tücken der freien Marktwirtschaft. So dauerte es noch einmal 10 Jahre, bis ich im Alter von 44 Jahren mit meiner Familie für 3 Wochen in die USA reiste und so ein Jugendtraum doch noch in Erfüllung ging.
Der hier geschriebene Reisebericht dient, so hoffe ich zumindestens, zur Unterhaltung mit ein wenig Hintergrundwissen für zukünftige Amerika- Urlauber. Da auch ich mir vor unserem Urlaub viele Tips und Hinweise durch Reiseberichte im Internet holte, hoffe ich das mit diesen Beitrag das Angebot noch ein wenig bunter und abwechslungsreicher wird.

Was ich damals vermisst hatte, waren genaue praktische Vorstellungen über die finanziellen Ausgaben einer durchschnittlichen Familie. Deswegen die Aufschlüsselung der Ausgaben zum Schluss eines jeden Tages, wobei ich die täglichen Schwankungen des Umrechnungskurses ein wenig rundete.
Noch etwas zu den Bildern: Bestehend hauptsächlich aus Aufnahmen unserer analogen Videokamera, habe ich im Interresse kurzer Ladezeiten, die Auflösung dieser Bilder ziemlich kurz gehalten. Dementsprechend ist halt auch die Qualität.
Die Routenkarte stammt aus dem Buch "Durch den Westen der USA" von Hans-R. Grundmann, eine Empfehlung für jeden Erstreisenden in die USA.

Für die Adressen welche über Links auf diesen Seiten zu erreichen sind übernehme ich keine Verantwortung in Bezug auf Inhalt und Aktualität.

Schluchten, reißende Flüsse, Wasserfälle, Wüsten, rießige Felsengebirge, leere Straßen und Prärien soweit das Auge reicht, kurz Amerika, das waren die Träume die mich seit meiner frühesten Jugend begleiteten.
Mit zunehmenden Alter wurde mir klar, das Amerika durch die sich selbst eingemauerte DDR, in der ich lebte und gedeihte, in unerreichbarer Entfernung lag und die Träume verblaßten im Laufe der Jahre. Mit dem Ende der DDR kam die große Reisefreiheit, aber auch die uns unbekannten Tücken der freien Marktwirtschaft. So dauerte es noch einmal 10 Jahre, bis ich im Alter von 44 Jahren mit meiner Familie für 3 Wochen in die USA reiste und so ein Jugendtraum doch noch in Erfüllung ging.
Der hier geschriebene Reisebericht dient, so hoffe ich zumindestens, zur Unterhaltung mit ein wenig Hintergrundwissen für zukünftige Amerika- Urlauber. Da auch ich mir vor unserem Urlaub viele Tips und Hinweise durch Reiseberichte im Internet holte, hoffe ich das mit diesen Beitrag das Angebot noch ein wenig bunter und abwechslungsreicher wird.

Was ich damals vermisst hatte, waren genaue praktische Vorstellungen über die finanziellen Ausgaben einer durchschnittlichen Familie. Deswegen die Aufschlüsselung der Ausgaben zum Schluss eines jeden Tages, wobei ich die täglichen Schwankungen des Umrechnungskurses ein wenig rundete.
Noch etwas zu den Bildern: Bestehend hauptsächlich aus Aufnahmen unserer analogen Videokamera, habe ich im Interresse kurzer Ladezeiten, die Auflösung dieser Bilder ziemlich kurz gehalten. Dementsprechend ist halt auch die Qualität.
Die Routenkarte stammt aus dem Buch "Durch den Westen der USA" von Hans-R. Grundmann, eine Empfehlung für jeden Erstreisenden in die USA.

Für die Adressen welche über Links auf diesen Seiten zu erreichen sind übernehme ich keine Verantwortung in Bezug auf Inhalt und Aktualität.

Vorabendcheck 14.07.00

Eigentlich war der Zeitpunkt genau richtig. Vom Sommer war in Deutschland nichts zu spüren und wir wollten in den sonnigen Westen der USA. Und so ging es im strömenden Regen von Weimar zum Flughafen München, natürlich unter Mitnahme der obligatorischen Staus, die nun mal Freitags auf jeder Autobahn in Deutschland anzutreffen sind.

Bis zum Vorabendcheck war trotz Stau noch reichlich zwei Stunden Zeit, die beim Schaufensterbummel und Café- Besuch unter erheblichen Absinken des Geldspiegels in der Brieftasche, auf dem Münchner Flughafen relativ schnell vergingen. Pünktlich um 18:00 Uhr gaben wir am LTU- Schalter unser Gepäck auf. In 20 Minuten war alles problemlos erledigt, und wir hofften nur, unser Gepäck pünktlich zur Ankunft in L.A. wieder zusehen.
Dann ging es, natürlich auch in strömenden Regen, nach Au i.d. Hallertau, ein typisches bayrisches Dorf, wo wir uns für eine Nacht in einer Pension eingemietet hatten. Die geplante Besichtigung dieses Kleinodes am späten Abend viel wegen Dauerregens buchstäblich ins Wasser. So schweiften unsere Gedanken den Rest des Tages um die nächsten 3 Wochen, ich schaute zum x-ten mal nach, ob alle Papiere anwesend waren und mit dem Gefühl alles richtig gemacht zu haben, schlief ich irgendwann ein.

Sonnabend 15.07.2000
München - Düsseldorf - Los Angeles
Abflug: 8:00
Ankunft: 13:20
Reisezeit: 16,5 Std.
Flugzeug: Boing 767- 300
Entfernung: über 9000 Km

Flug nach L.A.,

15.07.00 8:25 Uhr

Auch beim Start gegen 6.00 Uhr von der Pension zum Flughafen nichts wie Regen, Regen, Regen ! Es war gerade so, als wollte " Der da oben", daß wir uns aus dem Staube machten. Gegen 7:00 einchecken, um 8:00 saßen wir im Flugzeug nach Düsseldorf. Da erst noch ein Magnetventil am Flugzeug ausgewechselt werden mußte, hatte die Maschine 20 Minuten Verspätung. Der erste Flug in unserem Leben verlief ansonsten sehr ruhig. In Düsseldorf angekommen ging es mit der gleichen Maschine (Boing 767-300) weiter nach L.A.
13 Stunden Flug lagen nun vor uns.
Claudia und Kerstin saßen in der ersten Reihe. Das klingt erst einmal gut, war es aber nicht. Denn sie saßen vor der Trennwand zur First-Class und konnten nur mit angewinkelten Beinen sitzen. Dafür bekamen sie die Kopfhörer für Fernseher u. Radio. Ich saß mit Marcus dahinter in der zweiten Reihe, wo wir den Kampf gegen die Zeit mit Lesen und Schach spielen aufnahmen. Seltsamer Weise gewann Marcus ständig (Meine Gedanken waren wohl schon in L.A.).
Ein Blick aus dem Bullauge: Ozean.
Nach 5 Stunden hatte ich das erste mal das Gefühl, daß mein Blutkreislauf aufgehört hatte zu kreisen.
Bullauge: Ozean
Ich stellte mich in den Gang, machte ein paar Verrenkungen und sah mitleidige Blicke der Passagiere auf mich gerichtet, was mir aber sch...egal war. Der größte Teil der Mitflieger waren wahrscheinlich Schreibtischtäter und dem entsprechend abgehärtet.
Zwischendurch gab es dreimal Mikrowelle, war aber ganz o.k. Überhaupt war der Service nicht der schlechteste.
Weiter ging es mit Lesen, Schach und vor sich hin dösen.
Bullauge: Ostküste Nordamerikas in Sicht.

Und dann kam das Dilemma mit den Einreise -u. Zollformularen. Als ich die Stewardeß zum dritten mal nach einem dieser gottverdammte grünen Formulare rief, bekam ich einen roten Kopf und sie sagte mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck, daß die Formulare zur Neige gehen.
Info: Die Formulare mußten in amerikanischer Blockschrift ausgefüllt werden. Das heißt: Die 7 ohne Querbalken in der Mitte, die Eins als Strich, das A spitz usw.
Ich hätte nie gedacht, daß die Macht der Gewohnheit so groß sein kann. Auch aus der vorderen Reihe kam ein Stöhnen. Kerstin hatte für Claudia und sich die Zettel fast vollständig ausgefüllt und scheiterte dann am Datum. Wir staunten über Marcus, der Gute schaffte es doch tatsächlich mit einem Exemplar. Naja, kann man nach sieben Jahren Gymnasium auch verlangen. Nach dieser Schwerstarbeit gab es erst einmal wieder Entspannung beim wohl letzten Essen an Bord.
Bullauge: zerklüftete Landschaft unter vereinzelten Wolken.
Ein Blick auf dem Monitor vor uns zeigte, wir kamen unserem Ziel langsam aber stetig näher. Überhaupt war das einzig Interessante während des Fluges, daß man auf dem Bildschirm vor uns bestimmte Daten des Flugzeuges wie Höhe, Geschwindigkeit und Außentemperatur in regelmäßigen Zeitabständen einblendete. Auch die Flugroute, sowie den aktuellen Standort des Flugzeuges wurde in Form einer Landkarte in drei Zoomphasen angezeigt.
Bullauge: Wir fliegen über Las Vegas.

Von hier oben ein unscheinbares Städtchen mitten in grauer Einöde. Aber wir sollten es ja noch ganz anders kennen lernen. Das Ende der Fliegerei oder besser der Quälerei war in Sicht. Wir begannen unsere Utensilien zu verstauen und waren froh es bald geschafft zu haben. Nach einer halben Stunde lag L.A. unter uns. Also die gewaltige Ausdehnung dieser Stadt sieht man wirklich erst von hier oben und kommt wohl daher, daß die meisten der 14 Millionen Einwohner dieser Stadt in Einfamilienhäusern wohnen. Dagegen wirkte Düsseldorf wie ein kleinerer Stadtteil, aber dafür umgeben von mehr grün, als wie Kaliforniens größte Stadt.
Dann war es geschafft. Gott sei Dank ! Die Landung verlief ohne Probleme, wie überhaupt der ganze Flug.

Sonnabend, 16.07.00
Ankunft in L.A.

Endlich raus aus der Röhre. Aber wohin? Wir gingen erst einmal da lang, wo alle lang gingen. Ich glaube eine andere Möglichkeit gab es auch gar nicht. Düsterer Flur links, dann wieder rechts und plötzlich großer Saal mit was weis ich 15-20 Schaltern, vor jedem Schalter eine Menschenschlange. Da saßen sie nun die gefürchteten Emigration-Officers. Ihre Mienen erinnerten mich ein wenig an gewisse Leute in der damaligen DDR. Wir stellten uns an einer der vermutlich kürzeren Menschenschlange an. Ständig sprang eine Uniformierte herum und versuchte den Leuten beizubringen, wie man "ordentlich" in der Schlange steht. Da verstehen die Amerikaner wahrscheinlich keinen Spaß. Ich verbrachte unterdessen die Zeit damit, die Papiere von unten nach oben und umgekehrt zu sortieren. Marcus, das Nervenbündel fragte mich zum dritten mal, ob er seinen Paß selber nehmen soll, was ich auch dreimal verneinte.
Da Marcus mein Sohn aus einer früheren Lebensgemeinschaft war, flog er unter einen anderen Nachnamen. Das machte Ihn nervös, warum auch immer.
Nach 20 Minuten waren wir an der Reihe. Und es ging alles locker vom Hocker. Der Mensch grüßte freundlich, fragte nach dem Aufenthaltsgrund, prüfte die Papiere, klebte den unteren Abschnitt des gottverdammten Einreiseformulars in die Pässe, wünschte uns angenehmen Urlaub, das war`s. Als auch noch unsere Koffer und Taschen unversehrt am Rondell 7 standen, der Zoll nach Abgabe des Formulars anstandslos passiert werden konnte, signalisierten wir unseren Nerven Entwarnung. Wir waren drin, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten !
Beim Betreten des öffentlichen Flughafengebäudes begrüßten uns ca. 100 jubelnde Chinesen, was natürlich nicht uns galt, wie ein Blick hinter uns sagte, aber Einbildung ist alles und so winkten wir fleißig zurück.
Kaum herausgekommen aus dem Terminal, wurden wir vom Großstadtflair dieser Stadt fast erschlagen. Verkehrschaos allerfeinster Sorte. Vor lauter Schreck ging es erst einmal in eine stille Ecke, zündeten die erste Zigarette nach 15 Stunden Abstinenz an und schauten dem Wahnsinn auf der Straße zu.

Nach 10 Minuten sahen wir von weitem den Hertz-Zubringer-Bus. Er hielt chancenlos mitten auf der vierspurigen Straße. Daß Hupen ignorierend, kämpften wir uns durch die Autoschlange. Der Busfahrer wartete schon an der Tür, schnappte unser Gepäck und schon ging es los. Die Fahrt bis zur Hertz-Station dauerte 10 Minuten. An der Abfertigung machte ich drei Kreuze das Marcus bei uns war, ohne ihn wären wir wahrscheinlich zum Schluß mit einem Truck und diversen zusätzlichen Versicherungspolicen durch Amerika gefahren. Die Sprachgeschwindigkeit der Hertzmitarbeiterin entsprach ungefähr der einer Italienerin. Ein größeres Auto ließen wir uns nicht aufschwatzen, dafür den Router, der uns an diesen Tag noch viel Ärger bereiten sollte, ansonsten aber eine große Hilfe war.
Info: Der Never-Lost-Router ist ein Navigations- u. Informationssystem. Im Zusammenspiel mit GPS und einem exakten Berechnungssystem im Fahrzeug sowie elektronischen Straßenkarten, kann er Dich nach Eingabe einer Adresse überall hinführen.

Es dauerte auch nicht lange, da hatten wir unser Auto gefunden. Ein Ford Taurus Automatik sollte uns nun 3 Wochen rund 6000 Km über die Prärie tragen. Das Auto war unverschlossen, der Schüssel steckte, weit und breit war kein Personal zu sehen. Also wurde erst einmal das Gepäck verstaut. Der Kofferraum war Gott sei Dank geräumig, trotz anderer Aussagen, die ich vorher aus Reiseberichten gelesen hatte.
So, dann rein ins Auto und los ins Chaos von L.A. - hatten wir uns zumindestens gedacht. Erst einmal ließ sich der Zündschlüssel nicht dazu bewegen, auch nur eine halbe Umdrehung zu machen. Da es mittlerweile 15.30 Uhr (daheim 02.30) war, unsere körperliche und geistige Kondition stark nach unten tendierte, winkten wir einen Mitarbeiter heran.
Der machte mit uns einen 3 Minuten- Kurs und fragte sich dabei wahrscheinlich, ob wir auf dem Mond groß geworden waren. Auf alle Fälle reichte es danach um loszufahren.

Info: Bei Autos mit Automatikgetriebe:
- Vorm Anlassen immer Fuß auf die Bremse.
- Handbremse lösen, erst dann läßt sich der Zündschlüssel überhaupt drehen.
- nach dem Anlassen, Schalthebel auf Drive, Fuß vom Bremspedal - das war`s.
- Linkes Bein unter Ulk laufen lassen.

In der Zeit wo ich ein paar Runden auf dem Parkplatz drehte, hatte sich Marcus mit dem Router bekannt gemacht. Er hatte es auch ziemlich schnell im Griff. Wir tauften den Never Lost Router, so die offizielle Bezeichnung, auf den Namen Ingrid, wegen der weiblichen Blechstimme. Also Adresse vom Hacienda- Hotel eingegeben und... das Elend begann. Ingrid schickte uns überall hin, bloß nicht dorthin, wo das Hacienda-Hotel stand. Der positive Nebeneffekt: Ich lernte das Auto und die Fahrweise der Amerikaner kennen. Die Autofahrer von L.A. fuhren einigermaßen rücksichtslos. Mit meiner Fahrweise, Blinker setzen, größere Lücke abwarten, dann Spurwechsel, kam ich nicht weit. Das Blinken wurde zu 90% nicht für voll genommen, größere Lücken gab es demzufolge nicht. Es dauerte aber nicht lange, da hatte ich meine Fahrweise der von L.A. angepaßt. Jede Lücke wurde zum Spurwechsel genutzt. Von der hinteren Sitzbank hörte ich öfters mal solche Worte wie "Wahnsinniger", die ich geflissentlich überhörte. Nachdem wir 2 Stunden sämtliche Highways von L.A. befuhren hatten, sagte ich zu Marcus, er soll Ingrid abschalten, wir denken jetzt wieder selbst. Also zurück zum Flughafen, von dort aus hatte ich die Route Zuhause ausgedruckt, und nahm einen neuen Anlauf diesmal nach meinem Plan. Sch... , schon hatten wir wieder die linke Abfahrt verpaßt. Gegen 18.30 Uhr lagen bei mir die Nerven blank. Wir wußten wirklich nicht mehr wo wir waren. In einen ruhigen Viertel hielt ich an und Marcus steuerte auf einen L.A.er zu, der gerade mit dem Auto gegenüber angehalten hatte. Und wir waren wirklich erstaunt, wie hilfsbereit und freundlich dieser Amerikaner war (Vorurteile lassen grüßen). Er telefonierte mit dem Hotel, ließ sich den Weg beschreiben und machte uns dann eine Wegskizze.

Gegen 20.00 Uhr landeten wir im Hacienda-Hotel und suchten noch 20 Min. einen Parkplatz. Wir waren jetzt 25 Stunden auf den Beinen, dementsprechend gehoben war die Stimmung. In dem miserablen Zimmer gingen mir solche Gedanken wie gemütliches Zuhause, Urlaub auf Balkonien usw. durch den Kopf. Die Bude war eng und mit das schlechteste Zimmer, was wir im Laufe der Reise kennengelernt hatten. Gegen 22.00 Uhr Ortszeit versuchten alle zu schlafen. Wegen der Zeitumstellung war das eigentlich der richtige Zeitpunkt. Während die zwei Damen bei Zeiten schliefen, studierten Marcus und ich erst einmal die amerikanische Bettlakentechnik. Die bestand aus drei Schichten: 1. Lage: Bettlaken; 2. Lage: wieder Bettlaken, das über eine Wolldecke geschlagen wurde; 3. Lage: eine Art Überdecke, alles war schön verspannt. So fanden wir die Betten an jedem Ort vor, wo wir waren. Irgendwann kamen wir jedenfalls zur Ruhe. Ich lag auf dem Rücken und dachte daran, daß mein 30 Jahre alter Wunschtraum heute in Erfüllung gegangen ist. Auch wenn der erste Tag nicht gerade zur Entspannung beitrug.

Sonntag, 17.07.00
Los Angeles

Nach einer miserablen Nacht wurde in der Reihenfolge: Ich , Marcus, Kerstin und Claudia aufgestanden. Diese Reihenfolge hatte übrigens während des gesamten Urlaubes Bestand. Wir waren begierig darauf unser erstes amerikanisches Frühstück einzunehmen. Es ist wahrscheinlich kein Kunststück zu erraten, wo wir gelandet sind. Ich sage nur eins: mindestens eine Ewigkeit gerührte Eier (scrambled Eggs), dünnen hart gebratenen Speck (bacon), labberige Bratkartoffeln (hash browned potatoes) usw. Marcus, Kerstin und ich aßen ein "special Breakfest", was auch durchaus satt machte, nicht mehr und nicht weniger. Claudia schlingte so eine Art Eierkuchen hinein und machte dabei einen sehr zufriedenen Eindruck.

Eigentlich hatten wir über unser Reisebüro für heute eine Fahrt zu den Universal-Studios gebucht. Da aber das Busunternehmen 24 Stunden vorher noch mal über die Teilnahme informiert werden wollte, hatte sich das auf Grund unserer gestrigen Verspätung erledigt. Aber ich muß ehrlich sagen, es tat uns recht gut, etwas Ruhe zu haben.

Auf dem Weg von McDonalds zum Hotel beschlossen wir, zu Fuß den Strand zu suchen. Das Wetter war gerade richtig für so einen Fußmarsch, zumindestens jetzt ließ sich die Sonne noch nicht blicken. Im Hotel angekommen folgte ein Abstecher in den Giftshop, Kerstin kaufte Ansichtskarten, ich eine Telefonkarte für 20 Dollar.
Info: Calling-Card ist die einfachste Art in Amerika zu telefonieren.
Man kann sie für jedes Telefon verwenden und es gibt sie praktisch überall.
Und so funktioniert es: Nummer der Telefongesellschaft wählen, der Operator, der sich dann meldet, kann man ignorieren, statt dessen die angegebene Pin wählen, dann 11 für Ausland, 49 für Deutschland, 3643 für Weimar und Apperate- Nr. Beachte bei den Vorwahlen den Wegfall der Nullen.

Nachdem wir Mutter und Schwiegermutter in Deutschland versicherten, daß es uns gut ging, man uns weder ausgeraubt noch angeschossen hatte, machten wir uns auf den Weg durch El Segundo zum Pazifik. Einziger Höhepunkt: Wir kamen an einer Verleih-Station für Stretch-Limousinen vorbei und bei der Vorstellung, so ein Geschoß in einer Parklücke unterzubringen, wurde der Plan zum Kauf dieser Karosse ad acta gelegtNach etwa 1 Meile sahen wir einen Amerikaner vor seinem Haus den Rasen sprenkeln. Als Marcus ihn nach dem Weg zum Strand fragte, und er erfuhr, daß wir aus Deutschland kamen, war die Freude groß. Mit einem herzlichen Aufschrei
" Willkommen in Amerika " schätzte er den Weg zum Strand auf noch etwa 1 Meile. Auch wenn sich am Ende herausstellte, daß es noch 3 Meilen waren, ist man doch sehr überrascht gewesen über die lockere Freundlichkeit des Amerikaners.
Info: 1 Meile = 1,6 KmUnterwegs wurden unsere Wasservorräte an einer Tankstelle aufgefüllt, denn in der Zwischenzeit hatte der Himmel aufgerissen und es wurde ziemlich warm. Dann endlich waren wir am Strand .
Der war trotz des schönen Wetters noch ziemlich leer, und das wiederum gefiel uns natürlich. Claudia war kaum noch zu halten, sie lief am Strand entlang und nahm wieder alles mögliche Viehzeug unter die Lupe. Ich merkte langsam, wie sich der Sonnenbrand auf meiner Glatze breit machte. Die Dämmschicht, die ich so vor ca. 20 Jahren noch hatte, fehlte halt. Was noch fehlte, war meine Kopfbedeckung und natürlich Sonnencreme.
Wir beschlossen uns auf dem Rückweg zu machen, mit der festen Absicht, nachmittags wieder mit dem Auto hier zu erscheinen. Ein kleines mexikanisches Restaurant sorgte dann für unser Wohlergehen zur Mittagszeit. Beim Bezahlen, der wirklich guten, exotischen, noch nie vorher gegessenen Mahlzeit, verlor unsere Visacard ihre Unschuld.

Wieder im Hotel angekommen, schnappten wir unsere Badesachen, diverse Kopfbedeckungen und Sonnenschutzmittel, wobei letzteres zu mindestens für mich schon zu spät war. Dann hinein in unseren Ingo (So wurde unser Mietwagen liebevoll von unseren Damen getauft) und gegen 14:00 waren wir wieder am Pazifik. Gegen Zahlung von 6 Dollar bekam man auch noch einen guten Parkplatz direkt am Strand.
In den nächsten 2 Stunden war Spaß angesagt im Kampf gegen die großen Wellen, und ich mußte meine Stimme ziemlich anheben, um Claudia aus dem Wasser zu bekommen. Mittlerweile hatte auch Kerstin den Sonnenbrand und wir machten uns zwecks Schadenbegrenzung auf den Weg ins Hotel. Marcus und Claudia hatten die Sonne gut verkraftet, ich sah dagegen aus, wie ein frischgebrühter Krebs und ich schwor mir ohne Gegen 18:00 Uhr Abendbrot bei McDonalds. Ich erspare mir jeden Kommentar zu den kulinarischen Kostbarkeiten, die dort vertilgt wurden.
Abends auf dem Zimmer sprühte mir Kerstin mein kahles Haupt mit Pantanol-Spray ein, was zumindestens einen leichten Kühleffekt hervorrief. Trotzdem waren alle der Meinung, daß der erste Urlaubstag ein voller Erfolg war. Morgen sollte es dann richtig los gehen. Unsere erste Etappe nach Palm Springs.

Ausgaben:

 

 

Calling - Card

20 D

44 DM

Essen

72 D

157 DM

Parkplatz Strand

06 D

13 DM

Montag, 17.07.00
L.A. - Palm Springs

123 M 197 Km

Ich war heilfroh, als uns der Wecker um 5.00 Uhr mitteilte, daß die Nacht zu Ende war und ich den Versuch einstellen konnte, herauszubekommen, ob Kerstins Schnarchen oder der Lärm der Klimaanlage mich nicht schlafen ließen. Das Kofferpacken und die Aufteilung der Sachen auf die einzelnen Taschen verlief auch noch nicht so organisiert ab, aber das sollte sich bald einspielen. Trotzdem, gegen 6.00 Uhr fuhr man durch die Vororte von L.A.
Wir erlebten einen herrlichen Sonnenaufgang, hatten noch knappe 3 Wochen Amerika vor uns, dementsprechend gut war unsere Stimmung, woran auch das Frühstück bei McDonalds nichts ändern konnte.
Auf der Carpool-Lanes verließen wir L.A. in Richtung Südost und sahen bald die ersten Ausläufer der San Jacinto Mountains
.
Info: Carpool- Lanes ist eine extra Fahrspur auf vielen I-States, die zu bestimmten Zeiten nur von Motorrädern und Autos mit mindestens 2 Insassen benutzt werden dürfen.

Nach 80 Meilen (130 Km) machten wir Stop in Cabazon, einer schöne Raststätte mit Dino-Skulpturen an der I-10 gelegen. Dort wurde auch das erste mal getankt. Marcus und ich studierten erst einmal den Automaten an der Zapfsäule. Nach 5 Minuten wußten wir Bescheid. Und so ging es: per Tastendruck auswählen, Cash oder Karte, Karte einschieben, Benzinsorte wählen, volltanken, auswählen ob mit oder ohne Beleg, das war`s.
Info: Die einfachste, bequemste und schnellste Art zu tanken ist mit Kreditkarte. 90% aller Tankstellen haben mittlerweile Tanksäulen mit Kreditkarten- Automaten.
Nach dem Tanken drückte mich noch ein menschliches Bedürfnis. Entschlossen fragte ich in der Tankstelle: Where is the Restroom, please? Mensch war ich glücklich als die Kassiererin mein Kauderwelsch sogar verstanden hatte.

Info: An jeder Tankstelle, in den Fastfood-Ketten und auch in den Restaurants gibt es Toiletten, die auch ohne, daß man etwas kaufen mußte oder Gast zu sein, benutzen durfte. Die Toiletten sind einfach aber sauber gehalten und bestehen meistens nur aus einer "Schüssel", so das Wartezeiten einzuplanen sind, was mir manchmal die Schweißperlen auf die Stirn trieb.
Wir saßen dann noch 10 Minuten im Schatten eines großen Beton- Apatosaurus, denn mittlerweile herrschten Temperaturen um die 30 Grad und das vormittags gegen 9.00 Uhr. Ein Blick zum strahlend blauen Himmel sagte mir das, daß Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht war. Nun ja, Sonnenbrand konnten Kerstin und ich nicht mehr bekommen, weil, er war schon in seiner ganzen Pracht vorhanden.

Auf dem weiteren Weg nach Palm Springs durchfuhren wir noch ein Gebiet mit hunderten von Windgeneratoren und gegen 10.30 Uhr war Palm Springs in Sichtweite.
Die Straße führte uns zu einer mit Palmen bepflanzten Allee und man holte sich ein Auge an den Luxusvillen links und rechts. Das Hotel Quality Inn war dank Ingrid (Router) ohne größere Probleme schnell gefunden. Aus dem Auto gestiegen, war es, als ob wir in einem Backofen gesprungen wären. Die Sonne gab mittlerweile ihr Bestes, ich fing schon an, sie regelmäßig zu verfluchen. Da das Zimmer noch nicht fertig war, suchten wir uns erst einmal einen Supermarkt. Kerstin hatte eine nicht unerhebliche Liste gefertigt mit Dingen für den täglichen Gebrauch. Das Wichtigste davon waren sicherlich die Kühltasche und viel Trinkwasser für unterwegs
.

Das erste, was uns am Supermarkt mit dem Namen " Longs Drug Store" auffiel: Die Einkaufswagen gab es ohne lästiges Einstecken eines Geldstückes. Dann die angenehme Kühle beim eintreten, draußen zeigte das Thermometer mittlerweile über 100 Grad Fahrenheit an.
Info: 104 Grad Fahrenheit = 40 Grad Celsius
Das allein machte den Einkauf schon zum Vergnügen. Ansonsten ist alles ein wenig größer und geräumiger als bei uns. Also rein in den Korb kam: 1 Kühltasche für 5 Dollar (sie hielt gerade die 3 Wochen Urlaub durch, war aber ein absolutes Muß), 6 Gallonen Wasser für 99 Cent pro Gallone (ebenfalls ein absolutes Muß bei den Temperaturen, wir hatten immer zwischen 5 und 6 Gallonen im Auto, aber man brauchte es auch im Hotel, weil das Leitungswasser vor lauter Chlor teilweise nicht genießbar war), 2 Strohhüte für Kerstin und Marcus (ohne Kopfbedeckung hätten wir den Urlaub nicht unbeschadet überlebt ) und ein paar Hygieneartikel.
Info: 1Gallone = 3.8 Liter
In der Lebensmittelabteilung standen wir ziemlich ratlos vor den unzähligen Auslagen, die es an Wurst, Käse, Fisch usw. gab. Viel Gutes hörte man vorher ja nicht von den Wurstwaren Made in USA (schon wieder diese verdammten Vorurteile!),deswegen kauften wir auf gut Glück zwei verschiedene Sorten Würstchen, so eine Art Leberkäse und 3 verschiedene Sorten Brötchen.
An der Kasse dann einen Service, den man in Deutschland vergebens sucht: Die Ware ging über das Band und wurde dann nach dem durchscannen des Preises gleich in Tüten verpackt. Bezahlt wurde mit Visa- Card und raus ging es in den Backofen.

Wieder am Hotel, war das Zimmer bereits fertig, wir schleppten unsere Sachen bestehend aus 2 Koffern, 2 Reisetaschen, 2 Rucksäcke und den gerade gekauften Gallonen nach oben und fielen erst einmal fast ohnmächtig auf die Betten.
Info: Wir übernachteten insgesamt in 16 verschiedenen Hotels und Motels der Kategorie 2 und 3 Sterne. Die Doppelzimmer hatten fast immer den gleichen Aufbau und die gleiche Standartausrüstung. Sogar der Bettenbau war immer derselbe.
Immer vorhanden waren: Klimaanlage, Fernseher, Telefon, Handtücher, Dusche, Weckradio und außerhalb des Zimmers Pool und Eismaschine.
fast immer vorhanden: Kaffeemaschine, Kühlschrank und außerhalb des Zimmers Waschmaschine und Trockner.
selten vorhanden: Mikrowelle

Noch etwas soll nicht unerwähnt bleiben: In jedem, aber auch wirklich in jedem Zimmer lag die Bibel, ist schon komisch in einem Land, wo fast jeder mit einer scharfen Waffe rumläuft. Aber wahrscheinlich war es auch der Gegenstand im Zimmer mit der geringsten Abnutzung.
Nach dem auspacken der wichtigsten Sachen machten wir erst einmal Mittag. Also die Wurst konnte man durchaus essen, bloß die Brötchen verdienten ihren Namen nicht. Es war als hätten die Amis das Gummi noch mal neu erfunden. Marcus und ich machten dann erst mal Siesta, mir war es unmöglich jetzt vor die Tür zu gehen Die Klimaanlage lief auf Hochtouren, was die Ohren ganz schön nervte, aber nur so konnte man es aushalten. Claudia war schon im Pool, wir sahen Sie den ganzen Nachmittag nicht mehr. Kerstin hatte eine Waschmaschine entdeckt, die Sie mit Hilfe von Marcus und einen Haufen Quarters in Gang setzte.

Info: Quarter= 25 Cent. Quarter sind die wichtigsten Münzen in den USA. Man braucht sie vor allen für alle möglichen Automaten. Beim Waschen z.B.: 1 Dollar für Waschmittel, 1 Dollar für die Waschmaschine, 1 Dollar für den Trockner.
Nach dem Kerstin ihren ständigen Trieb zum Wäsche waschen befriedigt hatte, wurde eine Neuordnung der verschiedenen Sachen auf die Koffer und Reisetaschen vorgenommen. Marcus und ich, sowie Kerstin und Claudia teilten sich jetzt je einen Koffer. Damit das tägliche Ein- und Auspacken schneller und organisierter vonstatten ging, wurden jeweils die Schuhe in eine Reisetasche und die Waschtaschen, Nachtzeug und sonstiges des täglichen Bedarfs in die andere Reisetasche verlegt. Im Rucksack waren alle Papiere, Schecks, Kamera, Kassetten usw. Dieser Rucksack wurde natürlich nicht aus den Augen gelassen. Da wir ihn weder auf dem Zimmer und schon gar nicht im Auto liegen ließen, begleitete er uns auf Schritt und Tritt.

Jetzt sind alle Drei im Pool, ich trau mich immer noch nicht aus dem Zimmer, mache sozusagen Sonnenbrandpflege, und genieße die Ruhe.
Gegen 18.30 gehen wir im hauseigenen Restaurant Abendbrot essen. Hier versuche ich mein erstes Rindsteak im Leben und viele weitere sollten in den kommenden Tagen folgen. Auch unsere ersten Reisechecks gingen hier über den Ladentisch.

Info: Wir hatten 30 Reiseschecks zu je 50 Dollar pro Scheck mitgenommen, mit denen fast überall bezahlt werden konnte.( Fastfood-Läden wie MCDonalds usw. ausgenommen). Außerdem wären sie bei Verlust umgehend ersetzt wurden.
Gott sei Dank mußten wir den Wahrheitsgehalt des vorhergehenden Satzes aber nicht überprüfen.
Noch mal Gott sei Dank ! Die Sonne machte den Abflug. Genüßlich schauten wir zu, wie sie hinter den Bergen verschwand. Jetzt kam meine große Stunde. Badehose an und ab in den Pool, der mittlerweile mit Lichterketten beleuchtet wurde und sehr romantisch aussah. So konnte man es aushalten. Claudia ging gegen 19.30 Uhr freiwillig ! total erschöpft ins Bett. Ihr hatte wohl der Tag am besten gefallen. Kerstin trank dann noch ihren "zu Bett geh Kaffee" und ich spielte mit Marcus die tägliche, abendliche Runde Pflichtschach. Ich kann es mir auch nicht verkneifen hier zu schreiben, daß meistens ich als der Gewinner hervorging.
Dann noch 2 Tätigkeiten, die ich grundsätzlich jeden Abend machte: Aufschreiben der Ausgaben des jeweiligen Tages und kurzes Studium der Strecke, die am nächsten Tag zu bewältigen war.
Gegen 22.30 Uhr wurde es ruhig im Zimmer. Ruhig ? Denkste ! Ich sage nur Klimaanlage.

Ausgaben:

 

 

Benzin

17 D

35 DM

Einkauf, Verpflegung

108 D

236 DM

Dienstag, 18.07.00
Palm Springs - Yoshua Tree N.P. - Lake Havasu

242 M 387 Km

Eigentlich hatten wir den Wecker auf 6.00 Uhr gestellt, aber um 5.45 Uhr waren alle hellwach. Uns hatte das Reisefieber voll im Griff. Also raus aus den Federn und Action. Das bedeutet: Morgenwäsche, danach Kühltasche geschnappt, mit Eiswürfeln ein Drittel aufgefüllt und 2 Gallonen Wasser kalt gestellt.
Info: In jedem Hotel oder Motel gibt es mindestens eine Eismaschine die auf Knopfdruck Eiswürfel spuckt.
Diesen kostenlosen Service nahmen wir auch jeden Tag in Anspruch. Bei Temperaturen um die 40 Grad unterwegs, hatte man immer einigermaßen kaltes Wasser zur Verfügung.
Danach schleppte ich die 2 Koffer zum Auto, die Kerstin schon am Abend vorher gepackt hatte. In der Zwischenzeit war Marcus auch soweit und kam mit den 2 Reisetaschen angelaufen. Hm, angestolpert ist wohl der zutreffendere Ausdruck ! Aber der Ehrlichkeit halber, ein bissl Gewicht hatten die Taschen schon. Dann waren da noch die restlichen Kanister mit Wasser zu holen, noch mal in den Rucksack geschaut, ob alle Papiere und Unterlagen dabei waren, 1 Dollar für die Reinigungskraft auf das Kopfkissen gelegt, den Damen höflich gesagt, sie möchten doch vor Mittag noch fertig werden mit der Morgentoilette, tja das war's. Das spielte sich dann von Tag zu Tag besser ein. Im Durchschnitt brauchten wir so ca. 30 Min. Das Frühstück richtete sich nach den Öffnungszeiten der lokalen Restaurants. Machten die erst nach 07.00 Uhr auf, fuhren wir schon los und frühstückten unterwegs.
Heute wurde direkt im hauseigenen Restaurant gefrühstückt, es machte um 06.30 Uhr auf. Wir hatten also noch etwas Zeit und genossen den Sonnenaufgang und vor allen Dingen die morgendliche Ruhe, die nur durch das zischeln der Rasensprenkler unterbrochen wurde. Und die waren wahrscheinlich Tag und Nacht im Einsatz, sonst hätte das Grünzeug hier wohl keine Chance. Tagsüber wird vor Hotel - Eingängen und am Pool, wo Kletterpflanzen und ähnliches wachsen, sogar Wasserdampf versprüht, damit das Chlorophyll gegen das Wüstenklima überhaupt eine Chance hat.

Das Frühstück war gut, reichlich und etwas teuer, naja, dafür war es halt kein Fastfood.

Also gut genährt, waren gegen 7.00 Uhr alle im Auto. Marcus schaltete Ingrid an und gab das erste Etappenziel ein (Joshua Tree N.P.).
Palm Springs wurde auf der gleichen Straße verlassen, auf der wir gekommen sind, kamen wieder an hunderten von Windkraftmühlen vorbei, und bogen dann auf die 62. Straße Richtung Osten. Und eins muß ich jetzt unbedingt einmal sagen: Das Auto fahren in den USA, ausgenommen die Großstädte, ist wirklich eine ruhige und erholsame Sache. Die Verkehrsdichte auf dem Lande hält sich in Grenzen, es gibt kein drängeln und kein dichtes auffahren. Auch die Geschwindigkeitsvorschriften werden im Großen und Ganzen eingehalten, wenn ich da an Deutschland denke, nur Verrückte! Na gut, ich gebe es zu, auch ich gehöre hin und wieder zu der Kategorie.

Info: Geschwindigkeitsbegrenzung ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Meistens war es so:
I-States (Autobahn): 75 mph 120 km/h
Bundesstraße: 65 mph 104 Km/h
Landstraße: 55 mph 88 Km/h
Ortschaften: 35 mph 56 Km/h

Da Kerstin und ich uns mit der Fahrerei abwechselten, kam aus der Richtung auch kein Streß auf. Ich fuhr immer den ersten Teil der Strecke, so das die Damen hinten noch ein wenig Augenpflege betreiben konnten. Besonders Claudia schlief meistens noch 1-2 Stunden.
Aber auch wenn man selbst am Lenkrad saß, ein Blick für die Landschaft hatte man bei den dünnen Verkehr immer übrig.

Gegen 8.00 Uhr tauchten die ersten Joshua Trees auf. Wir näherten uns den gleichnamigen Nationalpark. An der Einfahrt zum N.P. wurde erst einmal der National Park Pass (früher Eagle-Pass) für 50 Dollar gekauft.
Info: Mit dieser Karte kommt man für ein Jahr in sämtliche National Parks der USA.

Da wir neun N.P. besuchten, die zwischen 10 und 15 Dollar jeweils Eintritt kassierten, hatte sich diese Ausgabe unbedingt gelohnt. Dann gab es noch Informationsmaterial wie Wegskizzen, Beschreibungen der Flora und Fauna des Parkes und Verhaltensregeln bei außergewöhnlichen Situationen. Diese Broschüren gab es in jedem N.P.

Info: Der Joshua Tree N.P. ist eine mit extremen Höhenunterschieden gekennzeichnete, mit Kakteen und Joshua-Bäumen bewachsene Wüstenlandschaft. Auch die vielen Kletterfelsen und Granit-Monolithen machen diesen Park so einzigartig.
Tja, und dann erlebte man eine Landschaft, die vor Einsamkeit nur so strotzte. Weit und Breit war kein Mensch zu sehen. Wir hielten am nächsten Scenic- Point und beim Verlassen des Autos, war er wieder da, der Backofen. Jetzt wußte ich auch, warum weit und breit kein Mensch in der Nähe war. Bei den Temperaturen wagt sich keiner in die Wüste, nur Laue`s waren im heißesten Monat des Jahres unterwegs. Nach der Temperaturanzeige an meiner Armbanduhr waren es jetzt um 10.30 Uhr, 42 Grad im Schatten. Wobei das eigentliche Problem nicht die Wärme an sich war, sondern eher die Sonne, die uns gnadenlos auf das Haupt schien. Die Hitze selber war wegen der trockenen Luft verhältnismäßig gut zu ertragen. Also wurde wieder Sonnencreme aufgetragen und ab ging es ein paar Meter durch die Steppe. Es war wirklich herrlich, diese Ruhe und Einsamkeit und so weit das Auge blickte nichts von Menschen Geschaffenes (die Straße ausgenommen). Das war so ungewohnt, daß es schon wieder bald unheimlich war. Eigentlich fehlte bloß noch, daß auf dem nächsten Kakteenbaum ein Geier saß und wir hätten eine Kulisse gehabt, wie sie jeder Westernregisseur gesucht hätte.

Wir hielten dann noch an ein paar Scenic-Points und kamen dann schließlich zu den Jumbo-Rocks, daß sind besonders schöne Kletterfelsen in einer Vielfalt ohne gleichen. Viele Felsen sahen aus wie überdimensionale Kieselsteine. Trotz dieser Hitze krabbelten wir noch auf ein paar besonders schöne Exemplare und schossen ein paar Fotos. Claudia kroch wieder mal in einer Felsspalte herum, was mir sofort die Schweißsperlen auf die Stirn trieb, diesmal aber nicht wegen der Hitze, sondern wegen der Klapperschlangen, die es laut Broschüre hier zu Hauf gab und die mit Vorliebe in schattigen Felsspalten herumlungerten. Zum Glück sahen wir selbst aber nur Eichhörnchen und ein paar Salamander und kein weiteres Viehzeug. Weiter ging es durch die Wüste, links und rechts türmten sich Felsen auf Felsen, dazwischen immer wieder die Kakteenbäume mit ihren Kerzenständer ähnlichen Zweigen, die in den Himmel ragten, als wollten sie uns drohen. Es war schon beeindruckend, was die Natur uns Kleinstadtmenschen hier bot.

Gegen 11.00 Uhr verließen wir den Park und fuhren wieder auf die 62. Straße Richtung Osten, mitten durch die Mojave-Wüste, unser Ziel war Lake Havasu über Parker.
Und jetzt wurde es richtig ruhig. Es war wie in vielen amerikanischen Road- Filmen: Vor uns eine kerzengerade Strecke, so weit das Auge schauen konnte. Und wieder waren wir weit und breit die einzigen, die sich auf dieser Straße befanden. Die Strecke führte durch eine trostlose Landschaft, die an Langeweile kaum zu überbieten war. Einzige " Sensation": Claudia hat ihren letzten Milchzahn, wahrscheinlich vor lauter Langeweile, verloren.
Nach ca. 150 Km kreuzte sich die 62. mit der 95. Straße und an dieser Kreuzung wurde auch getankt.

Info: Die Straßen sind nach System numeriert, das bedeutet z.B. die 62. als gerade Nummer geht von Ost nach West und die 95. als ungerade Nummer geht von Nord nach Süd.
So öde und trist wie die ganze Gegend, stellte sich auch die Tankstelle dar. Als wir an einer von den 2 Tanksäulen tanken wollten, bewegte sich erst einmal gar nichts. Mir fiel dann ein, daß ich irgendwo gelesen hatte, das es noch Tankstellen gibt wo man an der Kasse erst bezahlen muß. Genau so war es dann auch. Ich löhnte erst einmal 20 Dollar, schnappte mir dann die Pistole, aber es lief immer noch kein Tropfen Benzin ! Der Tankwart war dann so gnädig und kam persönlich vorbei, und legte genau den Hebel um, an dem normal die Pistole hing. Da wäre ich nie darauf gekommen. Dann holten wir uns noch eine Kleinigkeit zum Essen und gingen unter die zwei einzigsten Bäume weit und breit, um ein paar Meter Schatten zu erhaschen. In der Zwischenzeit war es so heiß geworden, daß ich mich fragte, wie die Bäume überhaupt überleben konnten. So schnell wie möglich ging es weiter, weil am angenehmsten war es halt im Auto, dessen Klimaanlage uns nie im Stich ließ.

Nach ungefähr 30 Km sahen wir das erste mal den Colorado River als durch den Parker Damm aufgestauten See, namens Lake Havasu. Kurzes Päuschen. Herrlich blauer See inmitten von kahlen Felsen. Wir überqueren den Damm und damit die Grenze zwischen Kalifornien und Arizona. Das bedeutete die Uhr eine Stunde vorzustellen. Bis Lake Havasu waren es noch rund 50 Km, die hatten wir auch locker in einer Stunde abgespult. Auf der Suche nach einer Übernachtung gab es auch keine Probleme. Ein preiswertes Motel der Mittelklasse mit der üblichen Standartausrüstung wurde unser Domizil.
Info: Dies war die einzige Etappe wo keine Übernachtung vorgebucht war. Und eins muß ich klar sagen: Die Vorbuchung der Unterkünfte war ein Fehler. Ich bin überzeugt, wir hätten an jedem Ort auch ohne Reservierung ein Zimmer bekommen und unsere Reiseroute wäre sehr viel flexibler und zeitunabhängiger gewurden.

Nach dem Abendbrot im hauseigenen Restaurant, machten wir einen Abstecher in die Innenstadt und besichtigten die London Bridge, die im Jahr 1967 in London Stein für Stein abgebaut und hier original wieder aufgebaut wurde, was eigentlich auch das einzige nennenswerte an der Brücke ist. Rundherum um die Brücke war alles ein wenig auf England getrimmt ( typisch englischer Doppelstockbuss, engl. Telefonzelle, Pub usw.).
Danach fuhren wir zum Stausee und genossen im Wasser den Sonnenuntergang. Genau genommen genossen nur Kerstin und ich im Wasser den Sonnenuntergang. Denn unser Nachwuchs enttäuschte mich nun doch ein wenig. Das Wasser war den beiden zu verschlammt und zu krautig (Natur pur). Während Claudia wenigstens kurz ins Wasser ging, aber bei jeder Berührung mit einer Pflanze einen halben Anfall bekam, schaffte es Marcus nur bis zur Hüfte ins Naß und machte dann eine stramme Kehrtwendung ins Trockene. Mensch, was wächst da nur für eine klinisch rein, vom Chlorwasser verwöhnte Schwimming-Pool- Jugend auf. Da wundert es mich nicht mehr, wenn ich in der Zeitung lese, daß Allergien gegen alles mögliche zunehmen. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird ein Mückenstich eine ernsthafte Bedrohung sein.
Der Sonnenuntergang jedenfalls war mit einer der schönsten, den ich in Amerika erlebte. Die Berge rund um den See waren so schön in rot getaucht und spiegelten sich im Wasser, die Temperaturen gingen ins erträgliche, kurz es war einfach nur schön.
Zurück im Hotel holten sich Marcus und Claudia noch ihre Portion Chlorwasser im Pool. Ich machte die üblichen Aufzeichnungen und Abrechnungen und Kerstin sortierte wieder mal die Sachen von Marcus und mir. Gegen 22.30 Uhr Nachtruhe.

Ausgaben:

 

 

Benzin

18 D

39 DM

Eagle-Pass

50 D

110 DM

Verpflegung

100 D

220 DM

Übernachtung

72 D

153 DM

Mittwoch, 19.07.00
Lake Havasu - Route 66 - Grand Canyon

250 M 400 Km

6.00 Uhr aufstehen, alles wie gehabt, außer das diesmal die Eismaschine defekt war. Mußten an der Tankstelle um die Ecke 2 Beutel Eis für je 99 Cent kaufen. Frühstück im Hotelrestaurant. Gut und teuer.
Gegen 7.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Grand Canyon. Es ging 20 Km über die 95. Straße, danach auf die I-State 40 rund 60 Km, um dann bei Kingman, auf die berühmte Route 66 zu gelangen.

Info: Im Jahre 1926 gebaut, war die Route 66, der erste Highway die den Osten (Chicago) mit dem Westen (Los Angeles) verband. Heute ist sie nur noch Historie, die daneben gebaute I-State 4 nahm ihr den Autostrom ab.
Obwohl nur noch eine von Touristen befahrene ganz normale Straße, wurde ich doch ein wenig sentimental als wir so durch Kingman fuhren, die Reclameschilder, die Trucks und die typisch amerikanischen, wieder herausgeputzten Salons an uns vorbei flogen. Als dann noch der gleichnamige straßeneigene Radiosender die Stones mit dem Titel "Route 66" brachten, standen mir bald die Tränen in den Augen. Vor 25 Jahren hatte ich genau davon geträumt und schon gar nicht hätte ich gedacht, daß dieser Traum einmal Wirklichkeit wird.
Unterwegs sah ich dann noch die berühmten, putzigen Präriehunde auch Erdhörnchen genannt, am Straßenrand stehen. Nachdem ich die Entdeckung meinen Mitfahrern mitteilte, hörte ich mal wieder solche Kommentare,wie " wird Zeit das die Hitze nachlässt" usw. Es dauerte schon ein Weilchen bis meine halbblinden Mitfahrer diese ulkigen Tierchen sahen. Mit Genuß nahm ich die Entschuldigungen entgegen.

In Seligman war dann ein längerer Stop fällig. Als erstes stürmten wir einen alten Souvenirladen und wühlten uns durch einen Haufen Plunder: Vom nachgemachten Skalp bis zum Totempfahl und natürlich Route 66- Andenken in ungezählten Variationen. Auch Marcus und ich ließen uns hinreißen und kauften je ein amerikanisches Route 66- Autokennzeichen. Wir sahen uns dann noch eine 08/15 Westernkulisse an, lieblos aufgebaut, gingen auch mal in die Knastzelle, in der Dreifinger-Jack eingebuchtet war. Ihr kennt Dreifinger-Jack nicht ? Die Postkutscher von 1818 müssen wohl nicht so gut auf ihn zu sprechen gewesen sein, denn in dieser Zelle wurde er auch erhängt. Den Tank unserer Benzinkutsche machten wir auch noch voll, daß klappte nun mittlerweile reibungslos.

Gegen 10.30 fuhren wir wieder auf die I 40 bis nach Williams, dort Richtung Norden auf die 64. Straße, die dann nach 40 Km in die 180. Straße endete. Nach 50 Km erreichten wir dann um 11.30 den Grand Canyon Village und buchten uns auch gleich in das Hotel " Rodeway Inn Red Feather Lodge" ein.
Info: Der Grand Canyon ist mit einer Länge von 350 Km und einer Breite von 5-30 Km eine der größten Schluchten der Erde. Der Colorado River grub sich in Jahrmillionen rund 1600 Meter in die Tiefe.
Danach Rundgang durch das Touristenzentrum und Mittag bei "Pizza- Hut". Da ging es ab, wie am Fließband. Vor uns 20 Asiaten, hinter uns eine 10 köpfige Jugendgruppe, in 10 Minuten saßen sie alle am Tisch. Hier ließ ich auch Kopfbedeckung Nr.1 von 3 liegen. 5 Minuten nach dem Aufstehen, wollte ich sie noch holen, aber der Reinigungsdienst hatte schon zugeschlagen. Alle Achtung !
Danach, wir waren schon wieder auf dem Zimmer, gab es erst einmal einen kleinen Schlagabtausch zwischen jung (Marcus) und alt (Ich), jung wollte ruhen ,alt wollte sich umschauen. Konsequenz aus diesem Streit: Funkstille zwischen jung und alt bis gegen 17.00 Uhr und Marcus verpaßte aus Trotz oder Protest oder wie immer man es auch nennen will, daß Imax- Kino.
Und dieses Kino war wirklich seinen Eintritt wert. Wie dieser Film über den Grand Canyon informierte, war einfach phänomenal. Der Flug mit dem Gleiter durch die Schlucht über den Colorado River war durch die große Leinwand so realitätsnah, daß Kerstin die Augen schließen mußte, weil ihr von der Fliegerei schlecht wurde. Es war einer der schönsten und eindrucksvollsten Naturfilme, die ich je gesehen hatte.

Nach dem Kino wollten wir nun die größte Schlucht der Welt mit eigenen Augen sehen. Auf dem Weg zu den Aussichtspunkten konnte man wirklich nicht erahnen, daß wir neben einen 277 Meilen langen Abgrund fuhren. Erst als wir an den ersten Aussichtspunkt anlangten (Mather-Point), sahen wir das ganze Ausmaß dieses Naturwunders. Eine Schlucht durchwachsen mit vielen kleinen Schluchten, eigentlich gar nicht schön, aber gigantisch. Ich schaute den 1350 Meter tiefen Abgrund herunter und hätte nichts dagegen gehabt, unten am kaum erkennbaren Ufer des Colorado- River zu stehen. Doch das war ein weiteres Manko dieser Reise: Wir sahen zwar viel, aber eben nichts intensiv genug. Ein Abstieg zum Colorado-River bei einer Länge von 11-14 Km hätte allein mindestens einen Tag in Anspruch genommen. Dazu fehlte uns leider die Zeit. Die reichte bloß, um uns wenigstens satt zu sehen. Marcus und ich gingen dann noch ein wenig abseits in den Wald und tasteten uns bis an den Rand des Abgrundes vor und filmten den Canyon aus allen Lagen. Irgendwann fuhren wir dann noch mal runter ins Touristenzentrum holten uns bei McDonalds Abendbrot und schon ging es wieder zum nächsten Aussichtspunkt (Yaki-Point), die Sonne sollte sich nicht ohne uns verabschieden. Ich ging noch einmal ein wenig abseits, versuchte eine gute Stelle für den Sonnenuntergang zu finden und genoß den Ausblick ganz für mich allein. Claudia schnüffelte wieder nach allen möglichen Viehzeug herum und erschreckte dabei ein Mäuschen, dieses wiederum erschreckte Kerstin, was bei ihr einen mittleren Aufschrei auslöste. Ich wunderte mich dann noch, wie wenig überlaufen doch die Aussichtspunkte waren. Beim Sonnenuntergang standen vielleicht noch 10 Autos da. Auch die Sauberkeit, ich sah nicht ein einziges Stückchen Abfall, fiel mir auf. Was doch so eine 1000 Dollar-Strafe für weggeworfenen Abfall alles bewirken kann ! Sollte man in Deutschland auch mal darüber nachdenken.
Ansonsten gab sich die Sonne redlich Mühe uns in Verzücken zu setzen. Die Felskuppen fingen auf einmal an zu glühen, doch es dauerte nicht lange, da hörte einer nach dem anderen auf zu leuchten. Als ob einer durch die Schlucht ging und ein Licht nach dem anderen löschte. Marcus und ich beschlossen, daß wir beim Sonnenaufgang wieder hier waren.
Gegen 21.00 Uhr waren wir wieder im Hotel. Außer Marcus fingen wir uns jetzt alle an zu häuten (Sonnenbrand von L.A.). Ohne Kopfbedeckung sah uns jetzt keiner mehr.

Ausgaben:

 

 

Benzin

20 Dollar

36 DM

Verpflegung

80 D

176 DM

Donnerstag, 20.07.00
Grand Canyon - Page

139 M 231 Km

Es war noch dunkel als Marcus und ich Richtung Canyon fuhren, um am Motherpoint den Sonnenaufgang mit zu erleben. Welch Freude für die Sonne, daß sie so früh am Tag gleich ein paar vernünftige Menschen sieht. Aber wir waren nicht die Einzigen. Es war entschieden mehr los, als gestern Abend beim Sonnenuntergang. Gegen 5.00 Uhr zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen und die tauchten die Felsen erst in Rotwein, brachten sie dann wieder zum glühen, um sie danach zu vergolden. Es war schon ein interessantes Farbspektakel. Wobei mir der Sonnenuntergang gestern Abend von der Farbintensität her, besser gefallen hat. Aber vielleicht standen wir auch nur am falschen Ort.

Gegen 6.00 Uhr weckten wir die Damen, worüber besonders Claudia nicht gerade begeistert war.
Frühstück bei McDonalds. Najaa...., es war nun mal die einzige Bude, die um die Zeit schon auf hatte.
Unser Ziel war heute Page, gelegen am Glen Canyon Staudamm, der den Colorado River auf einer Länge von 300 Km zum Lake Powell aufstaute. Die Strecke führte uns auf der 64 Straße Richtung Osten, noch rund 50 Km am Südrand des Grand Canyon lang. Wir hielten noch an vielen Scenic- Points und prägten uns die letzten Eindrücke dieses Naturdenkmals ein, denn zumindestens ich war mir sicher, den Grand Canyon sah ich in diesen Leben nicht noch einmal. Oder ?

Dann runter von der 64. und weiter auf die 89. Richtung Norden. In Cameron kurzer Stop zum Tanken und Füße vertreten. Wir befanden uns jetzt auf den Gebiet der Navajo- Indianer. Man sah jetzt öfters Schilder am Straßenrand mit Aufschriften wie "Indian next market". Sie kündeten Verkaufsstände der einheimischen Indianer an, die hauptsächlich am Straßenrand und an Scenic-Points standen. Verkauft wurden Schmuck, Vasen, Web- und Lederarbeiten, aber auch traditionelle Gegenstände wie Pfeil und Bogen. Zu Wohlstand scheint dieses Gewerbe jedenfalls nicht zuführen, denn es waren weiß Gott keine Prunkbauten, die uns auf der weiteren Fahrt, inmitten der kahlen, heißen und trockenen Prärie begegneten. Oft sahen wir einzelne halbverfallene Wohnwagen mitten in der roten Einöde bei Temperaturen um die 40 Grad und ich fragte mich ernsthaft, wie die Leute es hier aushielten. Aber Ihnen blieb wohl auch nichts anderes übrig. Ich fand es schon beschämend für die USA, wie armselig die ehemaligen Ureinwohner und Hausherren in diesem reichen Land leben müssen. Aber solche Gegensätze sahen wir dann in San Francisco noch zu Hauf.

Gegen 12.00 Uhr checkten wir bei "Courtyard by Marriott" in Page ein, danach Einkaufen im Supermarkt: Wasser, Obst, ein wenig zum Knappern für unterwegs usw. Wir experimentierten wieder ein wenig mit amerikanischer Wurst, Käse und Brötchen zu Mittag, haben es überlebt.

Danach 2 Stunden Pool, hatten viel Spaß zusammen.
Während Kerstin wieder mal das Chaos im Gepäck in System umwandelte, fuhren Marcus und ich zum Walmart shoppen. Mensch, war ich froh, daß ich den Jungen mal überreden konnte, sich ein paar Sachen zu kaufen, zu mal man hier ein paar echte Schnäppchen machen konnte. Aber der Junge hing an seinen alten Klamotten wie der Teufel an der Seele. Natürlich hatten wir den Zettel mit den Konfektionsgrößen auch nicht dabei, hätte ja sonst zu einfach werden können. Marcus machte mit der Verkaufsdame dann ein Schwätzchen und die gab sich dann auch redlich Mühe, ein paar Hosen in seiner Größe aufzutreiben. Während Marcus mindestens 3 Hosen anprobierte, machte ich einen Rundgang durch die Textilabteilung. T- Shirts für 6 Dollar, Jeans für 12 Dollar, Jacken für 15 Dollar usw., zwar keine Markenware, sah aber trotzdem alles sehr stabil und ordentlich aus. Auch wenn man den Preis mal zwei nimmt, wären selbst Arbeitssachen in Deutschland teuerer. Wieder an den Umkleidekabinen angekommen, sah ich Marcus gerade mit Hose Nr. 4 verschwinden. Für die Umkleidekabinen gab es extra einen zuständigen Mitarbeiter, der für die jeweils freie Kabine eine Plakette verteilte und er somit immer eine Übersicht über die freien Zellen hatte. Ich legte noch 2 Videokassetten zum Preis von 9 Dollar in den Korb (in Deutschland hatte ich vor dem Urlaub für 2 Stück des gleichen Types 48 DM bezahlt), später bereute ich es, nicht noch mehr genommen zu haben, denn es mußten später noch vier Kassetten erheblich teuerer gekauft werden.
Danach schauten wir uns noch den Staudamm an und ich spielte noch mit dem Gedanken gegen Abend im Stausee baden zu gehen, dachte aber dann an die chlorwasserverwöhnte Jugend und ließ den Gedanken wieder fallen.

Abendbrot dann im typisch amerikanischen Steakhouse. Bevor wir plaziert wurden, verneinte ich die Frage: Smoking or non-smoking erstaunt mit non smoking. Es war die erste Lokalität, die wir in den USA betraten, in dem geraucht werden durfte.
Info: In den USA ist es üblich plaziert zu werden (Fastfood- Läden ausgenommen), egal ob Tische frei sind oder nicht. Das geht aber bei normalen Gästeandrang ziemlich flott.
Ansonsten war der Ablauf im Restaurant eigentlich immer ungefähr derselbe:
Nach der Plazierung am Tisch wird erst einmal kaltes Wasser serviert, das kostet nichts und war bei der Hitze der beste Durstlöscher. Die Bestellung gab meistens Marcus auf, das ging halt am schnellsten. Danach Sturm auf die Salatbar und die war meist hervorragend sortiert, manchmal standen sogar noch Suppen dabei. Natürlich durfte die Salatbar nur bei Bestellung einer Mahlzeit geplündert werden, was auch meistens eindeutig ausgeschildert war.
Kerstin und Claudia bestellten sich so eine Art gebackenes Hähnchen (baked chicken), Marcus nahm den Kampf mit ein paar Rippchen, so groß wie die Zinken einer Mistforke auf und ich schoß mich immer mehr auf Beefsteak (New York strip steak) ein, weil das wußte ich mittlerweile, da bekam man etwas vernünftiges zwischen die Kauleisten. Wir lehnten uns schon zufrieden zurück, da säbelte Marcus immer noch an seiner Rippe herum. Tja, essen muß nicht immer Vergnügen sein, manchmal steckt auch harte Arbeit dahinter. Und es geschehen noch "Zeichen und Wunder", seine Sachen waren noch unbefleckt, was man vom Teppich unter seinem Stuhl nicht sagen konnte. War man mit dem Essen fertig, kam dann auch meistens ungefragt die Rechnung und nach Hinterlegung des Trinkgeldes auf dem Tisch wurde vorn an der Kasse bezahlt. Man konnte das Trinkgeld aber auch auf der Rechnung eintragen lassen, dann wurde es mit der Kreditkarte abgezogen.
Info: Trinkgeld (Tip) im Restaurant in Höhe von 10-20% des Preises sind in den USA üblich,da das Personal davon lebt. Das gilt auch für das Zimmermädchen (1 Dollar), den Kofferträger (1 Dollar/Koffer), Taxifahrer usw.

Abendausklang im üblichen Stil: Kerstin, Claudia im Pool, Marcus und ich spielten noch zwei Runden Schach, meine grenzenlose Bescheidenheit verbietet mir zu sagen, wer der Sieger war. Danach warf ich noch ein Blick auf die morgige Route, die Längste auf unserer Reise.

Ausgaben:

 

 

Benzin

13 D

28 DM

Verpflegung

106 D

229 DM

Einkauf, Sachen

32 D

67 DM

Freitag, 21.07.00
Page - Monument Valley- Four Corners
- Cortez
285 M 476 Km

5.00 Uhr, die Sonne ließ sich Gott sei Dank noch nicht blicken, aber Familie Laue war schon in Action, denn uns stand die längste Etappe unserer Reise bevor. Da in Page noch alles dicht war, machten wir ein kräftiges Frühstück unterwegs bei Dennys. Unser erstes Ziel war das Monument Valley im Navajo-Reservat. Wir fuhren auf die 98. Straße Richtung Südost ca. 100 Km, dann auf die 160. Straße Richt. Ost ca. 60 Km, um auf die 163. Straße zum Valley zu kommen, von dort waren es noch 40 Km bis zum ersten Ziel. Die Erde und die Felsen in diesen flachen Tal wurden immer rötlicher. Ich hatte mal gelesen, die Indianer wurden Rothaut genannt wegen ihrer roten Kriegsbemalung, ich könnte mir aber gut vorstellen, das die rote Erde, auf der sie lebten, ihren Beitrag zu dem Namen leistete. Die Landschaft sah jetzt wirklich so aus, wie in den alten Westernschinken. Hochstehende Sonne, sporadisch aus dem Boden ragende Felsen in allen möglichen Formen, spärlich bewachsene Ebene. Gegen 9:30 waren wir am ersten Etappenziel.

Nach Bezahlung von 3 Dollar/Person Eintritt standen wir nun vor dem, was uns schon x-mal in Bild und Film gezeigt wurde. Ich sagte zu Kerstin sie solle doch ein paar Fotos machen, schließlich kamen Fotografen aus der ganzen Welt zum Monument Valley, um ihr Foto des Lebens zu schießen. Und was macht mein ordnungsliebendes Häschen ? Es fängt an den Fotoapparat in ihrem selbstentwickelten System von 2 Koffern und 2 Reisetaschen zu suchen ! Und der blieb verschwunden, als hätte ihn der Medizinmann der Navajo- Indianer persönlich weggezaubert. Um es vorweg zunehmen: Nachdem wir schon meilenweit wieder unterwegs waren, fand ihn Claudia an der Einstecktasche vom Vordersitz ! Den Disput mit Kerstin nach diesem Fund verkneif ich mir aus moralischen Gründen an dieser Stelle.
So versuchte ich wenigstens mit der Videokamera diese bizarren Felsen aus roten Sandstein, jeder mit seiner eigenen Form und bis zu 200m hoch, auf Zelluloid zu bannen. Die Überlegung einen Jeep samt Fahrer zu mieten, verwarfen wir wieder ,als wir die mit rotem Staub durch und durch bedeckten Touristen sahen, die gerade von so einer gemieteten Besichtigungstour wieder kamen.

Nach 30 Minuten ging es dann weiter und wir fuhren erst einmal so rund 60 Km umsonst.
Grund: Ingrid hatte uns hereingelegt. Nach der Zieleingabe durch Marcus berechnete sie den kürzesten Weg zum Ziel, in dem sie alle Straßenarten u.a. auch Gravelroads mit einbezog.
Info: Gravelroads sind wenig befahrene Straßen, meist mit Schotter oder ähnlichen Materialien belegt. Im Westen der USA sind viele abgelegene Dörfer damit verbunden. In unserem Mietvertrag war ausdrücklich festgelegt (natürlich nur mit starker Brille zu lesen) das diese Straßen mit dem Mietauto nicht benutzt werden dürfen.
Es dauerte auch nicht lange, da wußten wir warum: Die Straße wurde immer enger, staubiger und vor allen Dingen welliger, so das wir bald nur noch im Schrittempo fahren konnten. Auch die Indianersiedlung die wir passierten, es lungerten ein Haufen Leute vor ihren Hütten herum, flößte uns wenig Vertrauen ein. Da nach Angabe von Ingrid das noch 70 Km so weiter gehen sollte, drehten wir nach 30 Km um und fuhren dieselbe Strecke zurück, wobei ich beim passieren der schon genannten Siedlung aus Sicherheitsgründen das Tempo ein wenig anhob.

Nach 40 Km Prärie, immer wieder unterbrochen von Felsmonumenten aller Formen machten wir am Baby Rock die nächste Rast. Lange hielt man es dort nicht aus, denn die Hitze wurde schon wieder unerträglich. Also weiter auf der 160. Richtung Nordost, der einzige Radiosender den man jetzt noch empfing brachte Indianermusik so mit jhe, jhe.... wir jaulten alle mit und hatten viel Freude. Dann kamen die 11.00 Uhr Nachrichten und Marcus hörte irgendwas von Mesa Verde, das es dort brennt. Zu dem Zeitpunkt machten wir uns noch keine großen Gedanken darüber, weil Marcus sich auch nicht sicher war, ob er alles richtig verstanden hatte.

Gegen 12:30 Uhr kamen wir in Four Corners an, die einzige Stelle in der USA, wo vier Staaten im rechten Winkel zueinander grenzen. Diese sind Colorado, New Mexico, Utah und Arizona, wobei wir den Rest der heutigen Strecke durch Colorado fuhren. Erst einmal wurden wieder 2 Dollar/Person Eintritt fällig, um sich auf einer Plattform so zu stellen, daß man gleichzeitig in allen vier Staaten war. Das ging aber eigentlich nur, wenn man sich auf allen Vieren niederließ. Das kam uns aber doch etwas blöd vor, zumal noch nicht einmal die Amerikaner auf diese Idee kamen und das wollte bei diesen "verrückten Volk" schon was heißen. Also schossen wir noch ein paar Fotos von uns auf diesem Fleck Erde, in dem alle vier Wappen der angrenzenden Bundesländer eingelassen waren, damit die 2 Dollars nicht ganz umsonst waren. Die restliche Wurst und die Brötchen von gestern Mittag mußten noch daran glauben, bevor wir uns wieder auf dem Weg machten. Bei der Hitze hatte man sowieso keinen großen Hunger.

Es ging weiter auf der 160. Str. und in der Ferne kamen die ersten dicken Qualmwolken in Sicht. Erst so 30 Km vor dem Ziel wurde uns so richtig klar, daß der Rauch, der immer dichter wurde, so ziemlich in unserer Richtung lag.
Dann endete unsere Fahrt in dem ersten und einzigen Stau, den wir in Amerika erlebten. Grund: Wahrscheinlich zur seelischen und moralischen Vorbereitung auf das größere Feuer, schickte uns der Gott des Feuers erst einmal einen kleineren Brandherd in Form eines Feldbrandes auf der rechten Seite der Straße, die natürlich von den Einsatzkräften in Beschlag genommen wurde. Nach rund einer Stunde ging es weiter und mich beschlich immer mehr das Gefühl, daß wir Mesa Verde heute nicht zu Gesicht bekamen. Die Qualmwolken nahmen immer bedrohlichere Ausmaße an und wir fuhren genau darauf zu.

Es dauerte auch nicht lange, da wurden unsere Befürchtungen Wirklichkeit. Der erste Warnhinweis "Due tu Fire" tauchte mittels Leuchtschrift am Straßenrand auf. Gleich danach war zu lesen: "Park closed". Während in den anderen N.P. unsere Hotels immer irgendwo außerhalb lagen, war ausgerechnet hier unsere Unterkunft direkt im Park. Und genau da brannte es. Das war auch der Grund warum wir erstmal weiter fuhren, was sollten wir sonst machen? Das Hotel war schließlich gebucht. Weit kamen wir nicht, Straßensperre, ab hier ging nichts mehr. Und jetzt muß ich die Amerikaner doch mal wieder loben. Also mit welcher Ruhe hier alles umorganisiert wurde, ohne langes wenn und aber, nötigte uns doch einigen Respekt ab. Eine Mitarbeiterin des Hotels stand schon mit einer Liste der für heute ankommenden Gäste da, unser Name stand zum Glück auch mit darauf. Sie überreichte uns dann fünf Hoteladressen in der näheren Umgebung ,wo wir uns ohne Zusatzkosten einchecken konnten. Dort wurde uns auch gesagt, daß der Park für unbestimmte Zeit geschlossen ist. Für mich persönlich war gerade dieser Nationalpark einer der wichtigsten, den wir besuchen wollten und ich war doch ein wenig enttäuscht, daß daraus nichts wurde. Später sagte uns jemand, daß der N.P. Mesa Verde noch 3 Wochen geschlossen hatte.
Info: Mesa Verde zu deutsch "grüne Tafel" ist eine dicht bewaldete Hochfläche. Auf ihr lebten bis zum 13 Jahrhundert die Anassazi- Indianer. Ihre Behausungen sind heute noch erhalten und zählen zu den Weltattraktionen. Warum sie im 13 Jahrhundert diesen Ort verließen ist bis heute noch ein Rätsel.

In Cortez, etwa 20 Km vom Parkeingang entfernt, nahmen wir dann das erst beste Hotel welches auf der Liste stand, denn mittlerweile waren doch alle etwas angeschlagen. Das "Holiday Inn Expreß" war nicht die schlechteste Wahl, an der Rezeption wußten auch alle Bescheid, als wir auftauchten. Dann war erst einmal 1 Stunde abmatten angesagt, die Hitze hatte mich doch wieder ein wenig geschafft. Kerstin und Claudia hatten schon wieder einen Supermarkt entdeckt und gingen shoppen. Und welch Wunder, sie kamen wieder und hatten nicht einen Cent ausgegeben.
Auch Marcus und ich machten noch einen Abstecher durch Cortez, viel zusehen gab es nicht, eben eine Touristenstadt mit vielen Hotels und Motels. Schlürften dann an einer fadenscheinigen Bruchbude 2 Cola´s, nahmen von McDonalds noch das Abendbrot mit und ließen den Tag in Ruhe ausklingen (Kerstin und Claudia im Pool, was sonst !, Marcus fernsehen, danach wir beide Schach). Eigentlich war ich hundsmüde, als ich in die Waagerechte ging, trotzdem dauerte es noch ewig bis ich Schlaf fand.

Ausgaben:

 

 

Benzin

14 D

29 DM

Verpflegung

60 D

126 DM

Eintritte

20 D

44 DM

Sonnabend, 22.07.00
Cortez - Moab (Arches N.P.)

110 M 183 Km

Heute machten alle mal einen auf Langschläfer und erhebten die Häupter erst gegen 6.00 Uhr aus der Waagerechten. Danach erlebten wir, was in Amerika unter einem Continental- Frühstück zu verstehen ist, berauschend war es nicht - dafür kostenlos.
Info: Continental-Frühstück: Wird in vielen Hotels angeboten, Kaffee, Apfel, übersüßes Gebäck, das war's. Die erste Hälfte des Tages bekommt man damit nicht über die Runde.

In der nächsten halben Stunde war telefonieren in die Heimat angesagt, denn die erste Woche unseres Urlaubs war herum. Ich mußte meiner Mutter wiederholt versichern, das niemand mit der amerikanischen Unterwelt in Berührung gekommen ist, ich nicht so schnell fuhr, meine Mütze bei Sonnenberührung aufs kahle Haupt setze (sie hat ja so recht !), auf die Kinderchen aufpasse usw. Nach solchen Gesprächen hoffe ich immer, daß ich nicht mal genauso werde (Mutter möge mir verzeihen !). Ein wenig traurig fuhren wir dann gegen 7.00 Uhr los, in dem Bewußtsein, durch den Brand in Mesa Verde viel verpaßt zu haben. Doch das war halt wie man so schön sagt "höhere Gewalt".

In Cortez wurde Ingo noch gefüttert, dann ging es auf die 666. Straße Richtung Nordwest. Wir sahen jetzt eine Landschaft die immer grüner wurde, unsere Augen waren das gar nicht mehr gewohnt. Richtige grüne Wiesen und Laubbäume standen jetzt im Mittelpunkt. Links und rechts der Straße tauchten immer mehr Ranchs auf, was auf eine gesunde Landwirtschaft schließen ließ. Von Claudia wurden jetzt auch zunehmend Rinder gesichtet, was bei ihr jedesmal ein Freudenschrei auslöste.
Wir hielten alle Ausschau nach einem Fluß oder irgendwas Nasses halt, denn irgendwo mußte die plötzliche Fruchtbarkeit ja herkommen, zu mal die Hitze nicht nach gelassen hatte. Aber wir sahen eigentlich nichts. Nach so 50 Km war es auch wieder vorbei mit dem Grünen, Prärie und Felsen wechselten sich wieder ab. Nach noch mal 40 Km auf der 666. ging es dann auf die 191. Straße Richtung Norden.

Rund 40 Km vor Moab kam ein herrlicher Scenic Point, er lieferte uns einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns im Arches-N.P. erwartet. Ein kleineres Felsmassiv mit einem großen Fensterbogen luden zum klettern ein. Das war Entspannung pur in der Natur. Oh das reimt sich sogar ! Bis auf Kerstin, die uns von unten filmte, standen wir nach 5 Minuten unter dem Fensterbogen und genossen den herrlichen Rundblick über die felsige Landschaft. Und wieder hatten wir das Fleckchen Natur ganz für uns allein. Das mag jetzt ein wenig egoistisch klingen, aber gerade das gefiel mir so in diesem Land.

Gegen 10.30 Uhr näherten wir uns Moab, daß Hotel "Big Horn Lodge" stand direkt an der Hauptstraße, war also nicht schwer zu finden.
Den frühen Einmarsch nach Moab nutzten Kerstin und Claudia gleich zum Wäsche waschen an einer öffentlichen Waschstube die gegenüber des Hotels lag.
Marcus und ich machten einen ersten Abstecher zum rund 5 Km entfernten Arches- N.P. Nach dem Empfang diverser Karten und Info- Materialien am Haupteingang ging es gigantisch bergauf mitten durch phantasieanregende Felsgruppen, jede für sich ein kleines Wunderwerk der Natur.
Info: Arches zu deutsch: Bogen, 2000 Felsbögen soll es im N.P. geben und Dank der Erosion ändern sie sich ständig, alte Bögen brechen zusammen, durch Frost, Regen und Hitze entstehen Neue.

Der Hunger trieb uns nach einer Stunde zurück nach Moab. Da die Wäscherinnen vom Dienst noch nicht fertig waren, legten Marcus und ich an Hand des Kartenmaterials die Route durch den Arches N.P. für heute Nachmittag fest.
Wegen des zwar "gesunden" aber unzureichenden Frühstückes von heute morgen, und in Anbetracht der geplanten Unternehmen, die noch vor uns lagen, beschlossen wir heute Mittag "ungesund" zu speisen. Da machte uns aber der amerikanische Alltag leider einen Strich durch die Rechnung. Denn das Mittagessen nimmt der Amerikaner leider nicht für voll, dementsprechend war das Angebot in dem Restaurant.
Info: Die 2 Hauptmahlzeiten der Amerikaner sind das Breakfest zwischen 7 und 10 Uhr und das Dinner zwischen 19:00 und 20:30 Uhr. Mittagessen (Lunch) ist nichts anderes als ein Snack zwischendurch, bestehend aus belegten Brötchen, Suppen, Salate usw.

Nach dem Schwur, heute Abend die Küchenvorräte eines ganzen Restaurants zu vertilgen, füllten wir den Rucksack mit 2 Gallonen Wasser, genügend Sonnenschutz (Sonne pur, es war wieder verdammt heiß), und ab ging es in die Prärie.
Und wir waren begeistert ! Alleine die Fahrt durch den Canyon zum Double Arches führte uns an Steinformationen aller möglichen Gestalten vorbei. Nur als Beispiel:
"Die drei Geschworenen", eine Steinformation, die aussah als ständen drei überdimensionale Richter in ihren Talaren und verkündeten ein Urteil zu dem Winzling Mensch. Wir wanderten dann zwischen Felsbögen, aus Sandstein bestehende Felsblöcke, auf engen Wege zwischen hohen Felswänden, an schmalen Türmen auf den beängstigend große Felskugeln lagen, immer wieder schattensuchend, etwa 5 Km und genossen die intakte Natur auf diesen Teil der Erde. Doch die Hitze forderte ihren Tribut: Das Trinkwasser ging zu Ende. Wir hatten in 2 Stunden 2 Gallonen ( rund 8 Liter ) Wasser getrunken und ohne Wasser ging gar nichts. Auch die Video- Kamera hielt der Hitze nicht stand und meldete sich mit einem Fehler- Code ab. Aus der Gebrauchsanweisung erfuhr ich dann anhand des Fehlercodes daß die Betriebstemperaturhöchstgrenze überschritten war und die lag immerhin bei 40 Grad. Also zurück nach Moab.

Für mich war ausruhen angesagt, die Hitze hatte mich wieder prima hingebimmelt. Während die anderen, die Main Street entlang Eis essen gingen, versuchte ich unter zu Hilfenahme einiger Flüche die Kamera wieder zum laufen zu bewegen. Nach einer halben Stunde hatte auch sie sich von dem Hitzeschock erholt. Dann stellte ich noch notgedrungen den Service des Hotel auf die Probe, weil der Toilettenabfluß verstopft war, es dauerte keine 5 Minuten, da war der Fall erledigt. Also auch in dieser Hinsicht kann man von den Amis lernen.

Gegen 18:00 Uhr auf zum Lunch und diesmal bekamen wir auch etwas Handfestes zwischen die Kauleisten. Noch beim Essen beschlossen Marcus und ich den Sonnenuntergang im Arches N.P. nicht zu versäumen und wir bereuten es nicht.
Wir erlebten ein Naturspektakel, da rang ein der Sonnenuntergang am Grand Canyon nur ein müdes Lächeln ab. Daheim wurde es zu meiner Lieblingsbeschäftigung auf dem Videorecorder mir diese Szenen mindestens einmal im Monat anzuschauen. Wir suchten uns einen erhöhten Aussichtsplatz auf einem Felsen und schauten zu wie alles rings um uns zu "glühen" anfing. Während Marcus ein wenig herum lief, saß ich da, zog mir die Prärie ins Auge und dankte Gott und der Welt, daß ich das erleben durfte.
Wieder zurück im Hotel spielte sich alles wie immer ab, die Damen waren - na wo schon ! Genau ! Im Pool. Ich machte wieder meine üblichen Hausaufgaben, Marcus hing an der Klotze. Gegen 23.00 schliefen alle, außer ich, was ja nun aber auch nichts Neues war.

Ausgaben:

 

 

Benzin

15 D

32 DM

Verpflegung

80 D

168 DM

Sonntag, 23.07.00
Moab(Arches N.P.)-
Panquitch (Bryce Canyon N.P.)
268 M 446 Km

Heute lag die zweit längste Strecke unserer Rundreise vor uns, dementsprechend früh war unser Start in den Tag.
Essen um 6.00 Uhr im Burger King, tanken in Moab, danach ging es über die 191. Straße 50 Km Richtung Nordwest sowie auf die I- States 70 Richtung West. Und wieder herrlich leere Autobahn, war natürlich auch ziemlich langweilig, aber nach 54 Km fuhren wir auf die 24. Straße Richtung Südwest auf der wir ca. 200 Km blieben. Viel gibt es erst einmal nicht zu berichten, weite Präriefläschen wechselten sich mit allen möglichen Gesteinsformen ab, mal rötliche, mal graue Schattierungen. Nach 50 Km tauchte neben der Straße ein Flüßchen Namens Freemont auf, was sicherlich dazu beitrug das die Gegend langsam ein wenig zivilisiertes Grün ausstrahlte. An einer günstigen Stelle am Flüßchen machten wir erst einmal Rast. Ich mußte, ohne das es Claudia merken sollte, vom Nummernschild Blut abwischen, weil Kerstin ausversehen in eine Gruppe von Rebhühnern fuhr, die plötzlich auf der Straße waren. Das tat uns allen leid und wir waren froh das Claudia gerade geschlafen hatte, als dies passierte. Wenn es um Tiere ging, verstand mein liebes Töchterchen keinen Spaß. Nachdem ich das Nummernschild auch wieder gerade gebogen hatte, ging es weiter. Die nächste Rast machten wir an einer romantisch grünen Stelle, ebenfalls am Flüßchen, umgeben von rießengroßen Felsen, auf denen Zeichnungen der Ureinwohner sehr deutlich zu erkennen waren

Ingrid hatte zeitweise auch die Orientierung verloren, sie forderte uns immer wieder mit ihrer Blechstimme eindringlich auf: "Bitte auf die vorgesehene Route zurück zukehren", obwohl wir genau da fuhren. Ein Blick auf den Monitor von Ingrid sagte alles: Der rote Pfeil, was unser Auto darstellte, war neben der Straße, wo eigentlich nur Felswände waren. Das erlebten wir noch öfters, besonders wenn wir durch Straßen fuhren, die links und rechts von hohen Felswänden begleitet wurden. Ich vermute, daß da die Verbindung zum Satelitten abriss. Ich sagte zu Ingrid im zarten Deutsch, sie möge doch das Maul halten, worauf Marcus wiederum sofort reagierte und Ingrid ausschaltete.
Dann durchfuhren wir den Capitol Reef N.P., was in uns heimische Gefühle weckte, weil, es war so, als fuhr man durch den Thüringer Wald.
Weiter ging es auf der 12. Straße Richtung Südwest, die uns bis zum Brice Canyon führte. Der Weg brachte uns jetzt in den Dixie National Forest mit vielen Zeltplätzen. Wir waren jetzt auf einer Höhe von über 9000 Fuß und hatten eine wunderschöne Aussicht auf die Umgebung.
Info: 1 Food (Fuß) = 30,48 cm oder 10 Food rund 3 Meter
Auch sah man jetzt viele Tracking- Radfahrer, die mir auch teilweise ganz schön auf den Nerv gingen, denn manche hatten wahrscheinlich mit dem Fahrrad auch die gesamte Straßenbreite gemietet. Vielleicht waren es aber auch radikale Autogegner, die uns das auch zu verstehen geben wollten, weiß der Teufel !

Jetzt kam eine Strecke, die hatte für Auto- und Naturfreaks alles zu bieten. Die kurvenreiche, ach was, sagenhafte ! Streckenführung wälzte sich erst über eine Hochebene, dann durch Felslandschaften, immer wieder durchdrungen mit Bäumen, und gipfelte auf einem schmalen Gebirgskamm, wo es links und rechts ziemlich tief auf den Mittelpunkt der Erde zuging. Da stockte mir schon der Atem ein wenig als Beifahrer, auch von Marcus und Claudia war in diesen Momenten nicht viel zuhören. Von Kerstin kam nur ab und zu ein Stöhnen, ob der vielen, engen Kurven, aber sie hielt uns cool auf der Straße, sonst würde ich wahrscheinlich diese Zeilen auch nicht schreiben.

So langsam aber sicher wurde es Mittag und der Hunger befahl uns irgend etwas aufzutreiben. Aber selbst in Amerika war es Sonntags nicht so einfach, speziell auf dem Lande, ganz schnell mal irgendwo einkaufen zu gehen. In Tropic, kurz vor dem Bryce Canyon, erwischten wir dann einen kleineren Laden. Dort wurden ein paar Truthahn- und Käsesandwiches erstanden, naja ich sag es mal so, wir wurden zumindestens satt.
Dann fuhren wir durch den Bryce Canyon, wo uns die orangfarbigen und vom Grün der Bäume durchsetzten Berge entgegen leuchteten. Die Straße führte uns durch hohe Steilwände, über die sich bogenförmige Felstunnel spannten.
Info: Bryce Canyon ist ein Park mit einer Fläche von 145 Km
2, wo im Laufe der Zeit tausende von Wind, Nässe, Kälte und Wärme entstandene Fels- und Nadeltürme in einer beeindruckenden Wüstenlandschaft zu bewundern sind.

In Panquitch angekommen, fanden wir das Best Western Town Hotel auch ziemlich flott oder besser gesagt, die Baustelle des Hotels. Denn das hier noch Baumaßnahmen im vollen Gange waren, war nicht zu übersehen. Man merkte, daß die Hotelanlage sehr sporatisch in Betrieb genommen wurde. Es gab keine Kaffee- und Eisautomaten, es gab überhaupt bloß die Möglichkeit, sich über das Hotel- Restaurant zu versorgen und das machte erst um 19.00 Uhr auf. Das Zimmer war eingerichtet wie alle anderen vorher auch , es roch halt alles noch neu.

Wir hielten uns auch nicht lange auf und fuhren zurück in den N.P. zum berühmten Amphitheater of standing Rocks. Der Name drückt schon alles aus. Angekommen am Sunset Point schaute man von der "Loge" in ein "Theater" hinunter, wo alle Mitwirkenden in tausenden von Jahren zu Stein verzaubert wurden. Meterhohe Säulen, steinerne Riesennadeln, Skulpturen in allen Formen und Schattierungen, hielten uns zwei Stunden in Erstaunen. Und das alles in den Farben gelb, rosa, rotbraun durchsetzt mit ein wenig Grün der vereinzelteten Bäume. Wir hatten nun schon viele Landschaftsformen kennengelernt, doch hier zeigte uns die Natur, daß sie mit ihren Möglichkeiten noch lange nicht am Ende war. Und das bewies sie uns auch im weiteren Verlauf unserer Reise.

Zurück auf der "Baustelle" war erst einmal abschalten angesagt. Kerstin und Claudia vermißten den obligatorischen Pool, aber der war wahrscheinlich noch in der Planung. Essen dann im riesigen, nagelneuen Restaurant, diesmal ohne Plazierung, denn wir waren die einzigen. Beim Lesen der Speisekarte traute ich meinen Augen kaum, ich laß doch tatsächlich in der Speisekarte "Sauerkraut, Bratwurst und Kartoffelsalat aus Germany". Kerstin, Marcus und Claudia bestellten sich dann auch in ihren grenzenlosen Optimismus genau das. Aus meinen langjährigen Erfahrungen auf Montage, wußte ich natürlich, wie solche Experimente ausgingen. Das geht ja schon im eigenen Land nicht gut. Ich weiß zum Beispiel noch, wie ich nach der Wende in Bayern eine Thüringer Bratwurst kaufte. Damals war es nur Bequemlichkeit, die mich davon abhielt den Verkäufer wegen Fälschung zu verklagen. Naja, ich bestellte mir das nun mittlerweile obligatorische Steak und für Marcus und mich unser erstes amerikanisches Bier in der Hoffnung, daß keiner Marcus seine 18 Jahre ansah.
Info: In den USA ist die Abgabe von Alkohol an Personen unter 21 Jahren nicht gestattet. Die meisten Staaten untersagen ab einer bestimmten Zeit Abends Alkohol. Auch dürfen sich im Auto keine geöffneten Flaschen mit Alkohol befinden, überhaupt ist Alkoholtrinken im Freien untersagt.
Ich wußte aber nach dem ersten Schluck, Marcus hätte noch 3 bis 4 Flaschen trinken können, es hätte ihn nicht geschadet. Aber als guten Durstlöscher konnte man das Bier schon bezeichnen. In der Zwischenzeit, hatten die drei auch ihr Essen bekommen und als ich das Elend von einer Bratwurst auf den Teller liegen sah, wußte ich, diesmal hatte nicht ich mich verwählt. Nach einer Kostprobe von Claudias Teller konnte man zumindesten dem Sauerkraut die Note 2 geben. Bei der Bratwurst gab es nur eins für die Drei: Augen zu und rein. Auch dem Kartoffelsalat sah man an, daß die Amerikaner was anderes darunter verstanden als wir. Es war mehr so ein Kartoffelbrei mit Zwiebeln, vermischt mit den Schalen der Kartoffel.
Info: So wie wir mitbekommen haben, wird bei den Amerikanern die Kartoffel grundsätzlich nicht geschält.

Am Anfang hatten wir so unsere Skrupel mit der Kartoffelesserei, aber dann herrschte die Devise: was den Ami nicht umbringt, das kann uns auch nicht schaden.
Dann saßen wir Abends noch auf der Holzbank vor unserem Zimmer, schauten in den amerikanischen Sternenhimmel und ließen den Tag ausklingen. Eins möchte ich noch erwähnen: Der Tag heute hatte mit 30 Grad angenehme Temperaturen.

Ausgaben:

 

 

Benzin 2*tanken

29 D

62 DM

Verpflegung

90 D

192 DM

Montag, 24.07.00
Panquitch (Bryce Canyon) - Springdale (Zion N.P.

75 M 125 Km


Heute war die kürzeste Etappe unserer Rundfahrt. 7.00 Uhr gemütliches Frühstück im wieder menschenleeren Restaurant.
7.45 Uhr Aufbruch. So ca. 80 Km ging es auf der 89. Straße Richtung Süden, wo sich Wald, Berge, Felsen, und Weiden abwechselten. Es häuften sich die gelben Verkehrsschilder mit der Kuh oder dem Reiter darauf, wir sahen jetzt auch öfters ein paar Rinder herumlaufen. Ansonsten ein herrliches entspanntes Fahren auf fast leerer Straße, so das auch der Fahrer immer mal ein Blick für die Umgebung haben konnte. Dann ging es auf die 9. Straße Richtung Südwest und plötzlich fuhren wir auf rotem Straßenbelag. Der Zion N.P. rückte näher.

Info: Zion Canyon ist eine von den Mormonen entdeckte, tief eingeschnittene Schlucht, die von 700- 1000m hohen, glattgeschliffenen Felswänden begleitet wird.
Nach Empfang der üblichen Unterlagen am Eingang des Parkes, erst einmal kurze Rast, um dann genießerisch durch die herrliche Felslandschaft zu fahren. An einem längeren, schmalen Tunnel wurden wir erst einmal gestoppt. Aus der Gegenrichtung kamen Busse und Motorhomes, die wegen ihren hohen Aufbaus in der Mitte des Tunnels fahren mußten und demzufolge der Verkehr nur in einer Richtung möglich war. Nach 10 Minuten Einfahrt in den Tunnel und mit dem Tageslicht am Ende der Röhre, erblickten wir auf der linken Seite riesige Steilwände, während meine Mitfahrer auf der anderen Seite in eine tiefe Schlucht schauten. Diese kurvenreiche Fahrt hinunter in den Canyonground durch die zerklüftete heile Welt der Natur, die die Steilwände der Felsen in den Farben Rosa, Rot, Gelb, Weis und Grau erstrahlen ließ, war das Nonplusultra dieser Reise. Als wir unten in Springdale ankamen war es 10:00 Uhr und der Tag hatte eigentlich erst begonnen. Aber allein diese Anreise zum Zion- Canyon war das Aufstehen heute früh schon wert gewesen.

Zum Einchecken im Hotel war es noch zu früh, wir nutzten die Zeit und schlenderten durch den Ort, tranken in einem kleinen Café Kaffee, der auch danach schmeckte und kamen dann im äußersten Norden des Ortes vor den Haupteingang des Zion-N.P. an einem Campground, der unter anderen auch ein IMAX- Theater vorweisen konnte. Auch dieser Film, der über den Zion N.P., Canyonsland und zu unserer großen Freude auch über Mesa Verde berichtete, war absolute Spitzenklasse.
Anhand der Aushänge erfuhren wir hier auch, daß der Zion Scenic Drive zu den einzelnen Aussichtspunkten entlang des Virgin Rivers nur noch mit dem Shuttelbus zu erreichen ist. Nach dem Verzehr von Hot Dogs zum Mittag ging es zurück zum Hotel "Best Western Zion Park Inn".
Das Hotel war in Ordnung, der diesmal vorhandene Pool versetzte Kerstin und Claudia in Stimmung.

Mit Hilfe des Kartenmaterials wurde eine Wanderroute heraus gesucht und eine Stunde später verließen wir das Zimmer wieder mit vollbepacktem Rucksack. Direkt vor dem Hotel fuhr der Ortsbus kostenfrei zum N.P. Eingang, wo man auf den Shuttlebus umstieg. Das ging alles ziemlich flott, die Busse fuhren alle 10 Minuten. Die Fahrt entlang des Scenic Drive neben den Virgin River hatte den Vorteil das man sich entspannt alles in Ruhe hineinziehen konnte.
Am Zion Lodge Point angekommen, überquerten wir das Flüßchen Virgin River und wanderten bis zu den Emerald Pools. Zur Überquerung wurde zwar die Brücke genutzt, wir hätten aber auch durch das Wasser durchwaten können. Man sah dem Flüßchen jetzt nicht an, daß er es war, der in Millionen von Jahren dieses Tal in die Felsen geschnitten hatte. Erst im Herbst und im Frühjahr nach Regenfällen wird er zum reißendem Strom. Regen war hier schon seit Wochen nicht mehr gefallen, deswegen vielen die Wasserfälle des Flusses auch ziemlich dürftig aus. An den Emerald pools blieben Kerstin und Claudia zurück, Marcus und ich liefen noch weiter, denn jetzt wurde es erst richtig interessant. Es ging auf unbefestigten Weg jetzt ziemlich steil nach oben, doch der Ausblick nach unten in die Schlucht entlohnte uns für die Mühen. Zurück am vorher festgelegten Treffpunkt, hatten es sich Kerstin und Claudia an der Brücke am Fluß gemütlich gemacht, wir gesellten uns dazu und ich beobachtete Claudia, die gerade wieder mal kreativ eine Unterkunft für irgendwelche Insekten baute. Das machte sie mit einer Inbrunst, daß man sich gar nicht traute, sie dabei zu stören. Trotzdem, gegen 17.30 Uhr machten wir uns wieder auf den Rückweg, die verdammte Hitze hatte mich doch wieder ein wenig mürbe gemacht.

Gegen 19.00 Uhr gingen wir beim Mexikaner essen. Außer mir waren auch alle zufrieden, bloß ich hatte mir auf Verdacht eines der vielen unbekannten Gerichte auf der Speisekarte bestellt und dieses war genau entgegen meiner Geschmacksrichtung. Das bestärkte mich in meinen Verhalten, in Zukunft keine Experimente mehr mit dem Essen zu veranstalten. Leider ließ sich das aber nicht immer verwirklichen.
Auf dem Basketballplatz am Hotel gab mir dann die liebe Jugend noch den Rest und ich bekam wieder mal zu spüren, daß ich die vierzig weit überschritten hatte. Gegen 10:30 Nachtruhe, denn morgen ging es nach Las Vegas!

Ausgaben:

 

 

Verpflegung

114 D

245 DM

IMAX - Theater

28 D

49 DM

Mittwoch, 26.07.00
Springdale (Zion N.P.) - Las Vegas

187M 313 Km

Um 5.00 Uhr lautete unser Schlachtruf "Auf nach Vegas". Natürlich schlief das Nest noch und los ging es ohne Frühstück. Nach 50 Km auf der 9. Straße in Richtung Westen einlegen eines Tankstops in La Verkin und zum Frühstück natürlich bei McDonald. Dann ging es auf die I-States 15 Richtung Südwest, auf der wir nach ca. 50 Km den Staat Utah verließen und Nevada betraten. Gleichzeitig mußte die Uhr wieder eine Stunde zurück gestellt werden. Die Landschaft sah der auf dem Mond immer ähnlicher, Wüste halt. Nach weiteren 60 Km Abfahrt von der Autobahn. Um der Eintönigkeit der Landschaft zu entkommen, machten wir einen Umweg zum Nordteil des aufgestauten Lake Mead und zurück über das Valley of fire zur I 15 auf der 169. Straße. Aber so toll war es am See nun auch wieder nicht, denn ein richtiger Strand war nicht vorhanden. Wir fuhren wieder zurück Richtung I- 15 über den Valley of Fire Park was 5 Dollar/Person kostete. Der Name sagt es schon: Feuer- bis rostrote Felsformationen, wohin das Auge sah. Als wir anhielten und ausstiegen, war er wieder da: "Der Backofen". Mein Gott, es war neun Uhr und die Sonne tat jetzt schon alles, um uns mürbe zu machen. Die Gegend sah auch aus als hätte hier der Teufel schon mal Kehraus gemacht.

Dann ging es wieder auf die I- 15 durch die Wüste von Nevada und irgendwann tauchten die ersten Silhouetten von Las Vegas auf. Das sah alles so trüb und neblig aus, daß wir dachten es wäre ein Sandsturm über der Stadt. Aber wahrscheinlich war es nur der übliche Smog einer Großstadt, der in der Hitze flimmerte, denn um so näher wir kamen, um so klarer wurde es. Der Verkehr wurde jetzt natürlich immer dichter, um so mehr wir uns der Stadt näherten. Die ersten großen Reclameschilder an den Straßenrändern versuchten gleich dem Einfahrenden zu zeigen, wo er seine Millionen machen kann.
Info: Las Vegas, eine Stadt mitten in der Wüste, eine Stadt der Spieler und der besten Shows dieser Welt.
Fakten:
400 000 Einwohner
620 m über Meeresspiegel
219 Km
2 Fläche
30 Millionen Besucher/Jahr
121 000 Zimmer
18,9 C Jahresdurchschnitt, Durchschnitt im Juli 40 C
Von den weltweit 30 größten Hotels stehen 23 in Las Vegas, darunter die zwei größten der Welt:
"The Venetion" mit 6100 Zimmern und das" MGM Grand Hotel" mit 5005 Zimmern.

Unser Hotel das Circus,Circus belegt mit 3900 Zimmern den 6. Platz in der Weltrangliste. Dank Ingrid und der guten Ausschilderung war es auch schnell gefunden, so das wir gegen 11.00 Uhr in die Tiefgarage des Hotels einfuhren. Während Kerstin und Claudia im Auto sitzen blieben, machte ich mich mit Marcus zur Rezeption. Und was uns da erwartete, war durchorganisierte Massenabfertigung allererster Güte. Ein Gewimmel von Menschen aus aller Herrgotts Länder empfing uns, so das ich unwillkürlich sofort sämtliche Hosentaschen abtastete, ob noch alles an Ort und Stelle war. Also eingereiht in die Schlange und nach 20 Minuten hielt ich eine Wegskizze in den Händen die uns zu den Zimmer im 13 Stock führen sollte. Erstmal fuhren wir mit dem Auto vor die Empfangshalle, um auszuladen. Sofort war ein Kofferträger da und ehe wir uns versehen konnten, hatte er unser Gepäck auf einen Karren umgeschaufelt. Auf einer Karte wurde die Anzahl der Gepäckstücke notiert, man bekam eine Telefonnr. in die Hand gedrückt und schon war der Mensch mit samt unseren Klamotten verschwunden. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, unser Gepäck immer selbst zu transportieren, aber hier und später dann auch in San Francisco war es wahrscheinlich so besser. Denn es war doch ein ganz schöner Weg von der Empfangshalle bis zu unserem Zimmer. Später freilich, als ich das Auto in die Parkhochgarage nebenan fuhr, wußte ich es ging auch kürzer.

Nun bahnten wir uns erst einmal einen Weg durch die Menschenmassen auf der Suche nach unserem Zimmer. Über eine Rolltreppe kamen wir eine Etage höher an Geschäften, Lokalen, Freßbuden und als Höhepunkt an einem Vergnügungspark mit Achterbahn, Autoscooter, Wasserrutschen, Schieß- u. Losbuden usw. vorbei. Schon von weitem sah man das Glitzern und Flimmern, hörte das Piepsen, Klingeln und Scheppern, das Spielkasino empfing uns. An der Schwelle zu dieser Halle standen wir erst einmal ehrfurchtsvoll da und waren sprachlos. Also hier ging die Post ab, das ein Hören und Sehen verging. Allein der ständige Lärm und das Geflimmer, die hunderte von Spielautomaten erzeugten, hätten bei längerem Aufenthalt mein Nervenkostüm schon ins Wanken gebracht. Wir stellten später fest, wollten wir aufs Zimmer, ging es nur durch das Kasino, egal aus welcher Richtung man auch kam. Ein Schelm der Böses dabei denkt !
Erst einmal ging es an den Slotmaschinen vorbei und ohne auch nur einen Quarter zu verspielen, gelangten wir zu den Fahrstühlen. Das Zimmer im 13. Stock war O.K. und nach kurzen Telefonat waren unsere Koffer auch da.

Aufatmen, sammeln und lockern war die nächste halbe Stunde angesagt. Dann ging es auf zum Strip. Erst einmal mit der Einschienenbahn von einem Hotelkomplex in den anderen. Wieder führte uns der Weg natürlich durch das Kasino und dann waren wir draußen auf dem Strip. Erst einmal sag ich nur: "Backofen" 40 Grad !! Es ging in den Panda - Expreß Mittag essen. Die Vorteile dort: Klimaanlage, man konnte sich das Essen vor der Bestellung ansehen, es war recht preiswert und nebenbei war es auch noch ganz gut.

Danach zurück in das Hotel, es war einfach zu heiß draußen. Wir nahmen uns jetzt den Vergnügungspark unter die Lupe. Einfach Wahnsinn, was unter dieser Circuskuppel alles untergebracht wurde. Wahnsinn war auch der Preis für die Achterbahn mit doppelten Looping, der dann bezahlt werden mußte. 18 Dollar/Person für 2 Minuten, was soll´s, wir machten es ja nie wieder. Ich hatte sowieso nichts von der Fahrt, weil ich die Augen sicherheitshalber geschlossen hatte. Kerstin und Claudia fuhren später noch mit dem "Run- Raider" ( Holzstamm auf Wasserrutsche) für 20 Dollar, später fragte ich dann Kerstin, ob sie für das Geld nicht den Holzstamm mit nehmen durfte. Marcus und ich waren derweil im Spielkasino gelandet und hatten es uns vor so einem einarmigen Banditen gemütlich gemacht. Ich muß jetzt hier dazu sagen das ich von Natur aus kein Spieler bin, welcher Art auch immer. Aber da wir nun mal in Vegas waren, bestimmte die Ausnahme die Regel. Also setzte ich ein Limit von 20 Dollar fest und Marcus schob die Quarter in den Rachen des Automaten, daß mir himmelangst wurde.
Info:1 Quarter = 25 Cents
1 Dime = 10 Cents
1 Nickel = 5 Cents

Die meisten Maschinen waren für Quarter ausgelegt, aber auch für Dime und Nickel mit dementsprechend geringeren "Gewinn" gab es die einarmigen Banditen. Nach dem wir dem Betrüger so 20 Quarter in den Rachen geschmissen hatten, gab es doch mal einen Hieb und der Automat spuckte 50 Quarter wieder aus. Das war dann aber auch das letzte, was er ausspuckte. Ab jetzt ging nichts mehr. Eigentlich war es genau so, wie ich es mir gedacht hatte, also 20 Dollar abgehakt.

Abendbrot dann beim Mexikaner im Circus, Circus. Am Tisch umsorgten uns gleich drei Mann, was sich dann auch im Preis niederschlug. Gegen 19.00 Uhr machten wir uns dann Ausgehfertig, eine Stretch- Limousine, diese hatte ich damals durch das Reisebüro gleich mit gebucht, sollte uns durch Las Vegas chauffieren.
Also standen wir 18.50 Uhr unten am Empfang und harten der Dinge, die da kommen mögen. Und es kam dann in Form einer schwarzen Luxus- Limousine, der Fahrer stieg aus, guckte gelangweilt in den Kofferraum und ich sagte zu Marcus er solle doch mal bei dem Mann nachfragen. Und tatsächlich waren wir fündig geworden. Also rein, auf zwei gegenüberliegenden Sitzreihen bequem gemacht und erst einmal umgeschaut: Fernseher, Bar, Telefon, kleiner Kühlschrank, alles feinstes Edelholz und Leder. Dann ging die Tür auf und der Fahrer brachte noch eine Flasche Sekt und je 1 Rose für Kerstin und Claudia. Damit hatten wir freilich nicht gerechnet. Dann ging es los, den Strip hoch um das berühmte Schild mit der Aufschrift "Welcome to fabulous Las Vegas Nevada". und den Strip wieder runter. Durch den starken Verkehr der herrschte, ging es auch nicht zu schnell vorwärts, so das auch vieles in Ruhe betrachtet werden konnte. Wir sahen faktisch alles was Vegas berühmt und einmalig machte. Der Fahrer gab sich redlich Mühe, versuchte viel zu erklären und Marcus hatte ganz schön zu tun, um es uns zu übersetzen. Aber er machte seine Sache gut. Dann fuhren wir auf einen Hügel außerhalb von Vegas, es wurde nun langsam dunkel und die ganze Stadt lag vor uns. Ich hielt natürlich die Kamera drauf, was das Zeug hielt, wie eigentlich während der ganzen Fahrt.
Es war nun schon Nacht, als das Auto auf den alten Strip ankam. Ein einziges Lichtermeer und jedes einzelne Licht schien in Bewegung zu sein. Hier stiegen wir erst einmal aus und warteten auf die Lasershow, die hier jede Stunde los gehen soll. Nach 5 Minuten wurde es auf einer Länge von 300m für Sekunden stockdunkel, dann kam der Sound und dann ein Laserspektakel allerfeinster Sorte. Die ganze Show dauerte 5 Minuten und wir waren dem Chauffeur wirklich dankbar, daß er uns hierher geführt hatte. Am Mirage endete unsere Rundreise mit der Luxus- Limousine, die uns viel Spaß gemacht hat. Besser und aufregender konnten wir Las Vegas wirklich nicht kennenlernen. Am Mirage erwartete uns gleich das nächste Spektakel. Dort brach alle 15 Minuten ein Minivulkan rotglühend aus. Dann ging es weiter zum Treasure Island, das Spektakel einer nachgemachten Seeschlacht zwischen einem englischen Linien- und einem Piratenschiff konnte man sich dort anschauen. Die 21.00 Uhr Show war gerade vorbei und wir beschlossen die 22.00 Uhr Show nicht zu verpassen. So erwischten wir noch ein ansehnliches Plätzchen, aber gegen 21.30 Uhr konnte man sich unter den Menschenmassen nicht mehr bewegen. Geschlagene 40 Minuten standen wir so da, Wasserdampf flog uns um die Ohren, daß war bei der immer noch großen Hitze zwar angenehm, aber für die Kamera nicht eben ideal.
Info: Unter jeder Laterne waren kleine Düsen angebracht die Wasserdampf versprühten, um die Luftfeuchtigkeit auf ein bestimmtes Level zuhalten. Das war bei den Temperaturen sicher notwendig, um die Pflanzen am Leben zu erhalten. In Palm Springs sahen wir das schon einmal.

Pünktlich um 22.00 Uhr kam die englische Fregatte um die Ecke und nach einen kurzen Gespräch mit dem Gegner knallte und pfiff es uns um die Ohren, die Flammen schossen aus den Wracks, die Wasserfontänen der einschlagenden Kanonenkugeln schossen in die Höhe, kurz gesagt eine ausgefeilte Pyrotechnik wurde hier vorgeführt. Als dann noch das Segelschiff mit samt dem Captain unterging, waren alle hellauf begeistert.

Zufrieden und zerschlagen ging es dann auf den Heimweg. Gegen 23.00 Uhr Einmarsch durch das Spielkasino auf unser Zimmer. Wir sahen junge Frauen und Männer, Rollstuhlfahrer, Omas und Opas, alle in der frohen Hoffnung die flimmerten Kisten auszutricksen.
Jeder von uns war froh, als wir auf unserem Zimmer waren, denn der Tag hatte es wirklich in sich gehabt. Obwohl ich hundemüde ins Bett fiel, brauchte ich noch lange ehe ich den Tag verarbeitet hatte. Aber das war Wurst, denn morgen war wirklich der erste Tag in unserem Urlaub, wo wir schlafen konnten so lange wir wollten.

Ausgaben:

 

 

Benzin

14 D

29 DM

Vergnügen

110 D

234 DM

Verpflegung

100 D

212 DM

Donnerstag, 27.07.00
Las Vegas

Heute war gammeln angesagt und es wurde auch tatsächlich bis 7.30 Uhr geschlafen. Gegen 9.00 Uhr waren wir, wie die Spielerprofies wieder im Kasino, aber nicht um zu spielen, sondern um zu frühstücken. An einer Snake- Bar würgten wir dann auch das üblich amerikanische Frühstück hinein, es hing mir wirklich langsam zum Halse heraus. Danach ging es auf den Boulevard, und ich sage bloß eins: "Backofen"! Eigentlich wollten wir heute gemütlich über den Strip laufen und auch ein wenig einkaufen (Video- Kassetten usw.), aber die Hitze machte uns einen Strich durch die Gemütlichkeit. Während ich und Marcus ein paar Geschäfte suchten, liefen Kerstin und Claudia zum Mirage um noch ein paar Fotos zu schießen. Nach einer halben Stunde machte ich Marcus klar, daß ich nicht gewillt bin, mir von der Sonne das Leben verkürzen zu lassen. Also machten wir eine stramme Kehrtwendung und begaben uns in die klimatisierten Räume des Kasinos. Ich muß auch sagen das man sich Las Vegas tagsüber eigentlich sparen kann, daß Leben in dieser Stadt ist nun mal auf die Nacht ausgerichtet.

Im Kasino zauberte ich dann noch ein paar Quarter aus der Tasche, aber auch die hätten wir genauso gut auf die Straße werfen können. Kerstin und Claudia tauchten auch noch auf und wollten uns bei der Zockerei zugucken, aber es war sofort ein Sicherheitsbeamter da und forderte die beiden zum weitergehen auf. Da Claudia erst 12 Jahre alt war, durfte sie nur durch das Kasino gehen, nicht jedoch stehen bleiben.
Info: Sicherheitsbeamte gab es wirklich genug und die hatten auch alles im Griff. Überhaupt hatten wir in Vegas das Gefühl, als wurde hier streng darauf geachtet, daß zumindestens auf dem Strip und in den Kasinos die Kriminalität außen vor blieben.

Zu Mittag ging es wieder in den chinesischen Schnellimbiß und auf dem Rückweg zum Zimmer verspielten wir noch mal 2 Dollar. Dann machte jeder was er wollte. Ich zum Beispiel machte erst einmal gar nichts, denn ich dachte nach. Heute war sozusagen Bergfest, das heißt die Hälfte des Urlaubes lag hinter uns. Bis auf den Ankunftstag in L.A. und den Brand in Mesa Verde, ist bis jetzt alles so gelaufen, wie es geplant war. Wir waren nicht enttäuscht wurden, von den Erwartungen, die wir in die Reise gesteckt hatten. Kerstins größte Bedenken vor dem Urlaub: die tägliche Fahrerei mit dem Auto erwies sich als belanglos. Meine größten Bedenken: Die Hitze, nun ja, Kopfbedeckung, viel Wasser und immer schön einschmieren, dann kann man auch damit leben.
Marcus löste das Problem mit der Sprache auch anstandslos, besseren Praxisunterricht in Englisch kann man sich wohl nicht vorstellen. Claudias größte Sorge vor dem Urlaub, nicht zum baden zu kommen, wurde auch hinfällig, fast immer war ein Pool, See oder der Pazifik vorhanden. Also, ich hätte jedenfalls nichts dagegen gehabt, würde es so weiter gehen.

Es war dann gegen 16.30 Uhr, wir mußten uns fertig machen zum "Legends in Concert", daß ebenfalls über das Reisebüro gebucht wurde. Unterwegs machten wir Abendbrot im Restaurant" Peppermill L.V.". Das war ganz gut. Ich bekam endlich wieder mal ein Steak zwischen die Kiemen.
Dann liefen wir fast den ganzen Strip hinunter, bis der Imperial Palace auftauchte. Einreihen in die 20 Meter lange Schlange war angesagt, ging aber ziemlich flott vorwärts. Dann erinnerte man uns daran, das wir doch nur popelige Touristen waren. Wir landeten, dezent plaziert, vorn an der linken Ecke der Bühne. Die Tische standen dermaßen eng zusammen, daß man sich nur unter höflicher Anfrage des Sitznachbarn und eigener gymnastischer Übungen setzen konnte. Die Kellnerin schmiß uns statt der Drinks, die mit im Preis inbegriffen waren, je eine Flasche Wasser auf den Tisch und war dann erst einmal verschwunden. Als sie wieder auftauchte, machte ich ihr erst einmal energisch klar, daß zumindestens ein Glas und Eiswürfel zu der Flasche Wasser nicht zuviel verlangt wäre. Das hatte dann auch geholfen und nach einem "sorry", kam das Gewünschte. Die Show war für meine Begriffe auch ziemlich primitiv und heruntergekommen. Einzig Elvis hatte mir ein wenig gefallen. Aber die anderen waren begeistert, vor allen Marcus vom Damenballett.

Zu allem Überdruß ließ ich dort Mütze Nr. 2 liegen, was erst einmal nicht zu schlimm war, denn die Sonne hatte sich, sehr zu meiner Freude, schon verabschiedet. Wir maschierten dann den Strip zurück, filmten und machten noch ein paar Fotos und verabschiedeten uns gedanklich bereits von Vegas.
Im Circus, Circus nahm ich mit der Kamera noch mal den Weg durch das Kasino auf und gegen 23.00 Uhr waren wir auf dem Zimmer. Mit ein wenig Skepsis betrachtete ich noch die Route für morgen, die uns über die heißeste Ecke Nordamerikas führen sollte. Doch die Wassertanks waren voll, die Klimaanlage vom Auto top, mit diesen Gedanken schlief ich ein.

Ausgaben:

 

 

Vergnügen, Einkauf

90 D

191 DM

Verpflegung

89 D

189 DM

Donnerstag, 27.07.00
Las Vegas - Ridgecrest (Death Valley)

254 M 423 Km

Als wir gegen 5.30 Uhr mit unserem Gepäck durch das Kasino spazierten, war der Spielbetrieb noch voll im Gange. Ein paar Knallharte versuchten, wahrscheinlich mit aller Gewalt, noch das große Glück zu machen. Gleich nebenan bei McDonald Frühstück, dann fuhren wir raus aus Vegas, was um diese Zeit auch keine Schwierigkeiten bereitete. Das einzige Problem tauchte beim ersten Tankstop auf, als die Tankpistole bei 1 Gallone absolut nichts mehr rausrücken wollte und wir für 3 Dollar tankten.
Bei der nächsten Tankstelle ging es dann wieder wie gewohnt.
Also erst mal rauf auf die 160. Str. Richtung Nordwest und 70 Km totale Einöde, die Autos die uns entgegen kamen, konnten wir an einer Hand abzählen. Dann ging es auf die 372. Str.Richtung Südwest, wo wir die Landesgrenze zu Kalifornien überschritten und nach weiteren 40 Km auf die 127. Str. Richtung Norden und weiterhin Trostlosigkeit pur. Nach 50 Km fuhren wir auf die 190. Str. Richtung Nordwest die uns direkt ins Death Valley führte.
Info: Der Death Valley ist geprägt von einer Wüstenlandschaft umgeben von Gebirgsketten. Hier befindet sich der tiefste Punkt Nordamerikas. Im Sommer sind Temperaturen um die 50 Grad keine Seltenheit.

Grünes war jetzt gleich Null, Sanddünen und Sandgestein wechselten sich ab, Hitze unerträglich. Am Zabriski Point konnte man sich die unwirtliche Umgebung genauer ansehen. Marcus, der Gute, borgte mir dazu seinen " Mexikanischen Bohnenpflückerhut", meine Kopfbedeckung war ja in Vegas geblieben, sonst hätte ich die 200 Meter gar nicht hinlaufen können. Weiter ging die Fahrt zum tiefsten Punkt Nordamerikas. Wir fuhren jetzt über das, was früher mal Teil eines Ozeans war. Am tiefsten Punkt angelangt waren wir 84 Meter unter dem Meeresspiegel. Wir trauten uns 5 Minuten in den Hitzekessel, machten ein paar Bilder und zurück in das klimatisierte Auto. Mehr war einfach nicht drin. Dort hatten übrigens ein paar Wahnsinnige einen Stützpunkt aufgebaut, von wo Extremsportler starteten, um ans andere Ende des Tales zu laufen, bei Temperaturen um die 50 Grad ! Kerstins Kommentar: Die sind doch alle Irre!

Auf der 190 Straße Richtung Südwest fuhren wir dann an der teuersten (2,24 D/Gallone) und erst einmal letzten Tankstelle vorbei. Die Tanknadel zeigte noch fast 70% an und mein manchmal zu Tage tretender Geiz befahl mir weiter zu fahren, was dann später doch zu ein wenig Aufregung führte. Es ging jetzt schier endlos über Tal und Berg, teilweise steil nach oben über Gebirgskämme, die man auf der Karte gar nicht so für voll genommen hat. Auf den 220 Km herrschte totale Einsamkeit. Die 2 Autos die uns in der Zeit entgegen kamen, gaben Lichthupe, wahrscheinlich auch vor lauter Freude in diesem ungastlichen Gebiet jemanden zu begegnen.
Die Straße führte uns durch hohe Sanddünen, felsige Steilwände und glitzernde Salzseen und soweit das Auge blickte, nur ausgetrocknete Büsche. Ich durfte gar nicht daran denken was passiert, wenn hier das Auto schlapp macht. Dann viel mein Blick auf die Benzinanzeige und die hatte nun doch bedrohlich abgenommen. Leicht nervös sah ich den nächsten Gebirgszug, den es zu überqueren galt. Diese Steigungen mit dem voll besetzten und doch schwer beladenen Auto hatten den Tank doch ganz schön geleert. Sicherheitshalber machte ich dann erst einmal die Klimaanlage aus, was die Temperaturen im Auto natürlich sofort in die Höhe trieb. Also Klimaanlage nach 20 Minuten wieder an und versucht sparsam zu fahren Wir waren dann alle froh als in der Ferne die ersten Anzeichen von Zivilisation auftauchten. Als erstes erhielt ich von Kerstin den Auftrag Ingo zu füttern , denn Sie hatte mich unterwegs mehrmals drohend darauf hingewiesen, daß die Tankanzeige dem Ende zu ging. Nicht auszudenken was mir angetan, wenn Ingo im Tal des Todes wegen Benzinmangels den Geist aufgegeben hätte. Da wäre die Hitze wohl das geringere Übel gewesen. Nachdem wir also in Trona getankt hatten, begann die Suche nach Futter für uns, was in dieser Einöde gar nicht so einfach war. Irgendwann tauchte dann eine Holzhütte als Schnellimbiß auf, in der wir unser Glück versuchten. Und siehe da es gab wiedermal sehr gewöhnungsbedürftige Hot Dogs , und Hot waren sie immer. Nach dem Lunch machten wir uns auf die noch 42 Km lange Strecke in Richtung Ridgerest. Gegen 14.30 Uhr einchecken in das"Heritage Hotel Inn& Suites". Prima Hotel mit herrlichen Pool. Nach ausgiebigen Kaffeegenuß machten wir uns einen herrlich, ruhigen Nachmittag am Pool. Man merkte Claudia an, daß sie 3 Tage nicht schwimmen war. Sie pflügte durch das Becken, als wäre der weiße Hai hinter ihr.
Gegen 17.30 Uhr Essen im Restaurant neben dem Hotel. Sah von außen aus wie ein normales Familienrestaurant, war aber in Wirklichkeit der blanke Nobelschuppen. Obwohl so ziemlich das preiswerteste auf der Speisekarte bestellt wurde, war es unser teuerstes Abendbrot in Amerika. Aber dafür hatten wir ja den ganzen Tag bescheiden gelebt.
Abends machten Marcus und ich noch einen kleinen Einkaufsbummel, daß was wir wollten bekamen wir freilich nicht.
Ansonsten verlief der Abend sehr friedlich, eine Hälfte am Pool, die anderen vor dem Fernseher, bzw. auf dem Bett mit Leselektüre für den morgigen Tag.

Ausgaben:

 

 

Benzin 2*

34 D

71 DM

Verpflegung, Einkauf

123 D

262 DM

Freitag, 28.07.00
Ridgecrest (Death Valley) - Three Rivers(Sequoia N.P.)

155 M 259 Km

Alles wie gehabt, 5.00 Uhr aufgestanden, 5.30 Uhr im Nobelrestaurant gefrühstückt, 6.00 Uhr auf der 178. Str. Richtung Westen. Zur Abwechslung wieder mal Einöde und trübe Sicht, links und rechts tauchten auf einmal ganze Joshua Tree- Plantagen auf, hatten wir in der Gegend gar nicht vermutet. Doch mit der Sonne, die wahrscheinlich die Versäumnisse der ersten Stunde wieder aufholen wollte, kam auch grün in die Landschaft. Nach 70 Km stießen wir auf den Lake Isabella, einen See, eingeschlossen von Gebirgszügen. Dort ging es auf die 155. Str. Richtung Nordwest, nach 40 Km auf eine namenlose aber befestigte Straße Richtung Norden

Dabei begleitete uns das Flüßchen Kern, daß Flußbett durchsetzt von größeren und kleineren Felsbrocken und viel Flora und Fauna drum herum, so das wir öfters anhielten und uns am Ufer die Beine vertraten. Jetzt ging es durch grüne Wälder und felsige Berge und die Straße wurde immer kurvenreicher. Als wir dann aber auf die 190. Str. stießen, ging es erst einmal richtig los. Kurve links, Kurve rechts, berghoch, bergab, daß machte die erste halbe Stunde noch Spaß, nach 1,5 h war der Spaß verflogen. Falls es in Amerika beim Straßenbau nach Akkord gegangen ist, hatten die Bauarbeiter bei dieser Straße schlechte Karten. Die Gegend war jedenfalls Klasse, wenn man bei dieser Streckenführung als Fahrer auch nicht allzuviel mit bekam. Gegen 11.00 Uhr waren wir dann in Three Rivers, 10 Minuten später am "Holiday Inn Expreß", was unser gebuchtes Hotel war und welches uns eröffnete, daß wir erst 17.00 einchecken können.

Das dämpfte dann erst einmal meine Stimmung, denn solche Probleme hatten wir eigentlich bis jetzt noch nicht gehabt. Mir war es immer am liebsten gewesen, wir waren eingecheckt. Grund: Das Gepäck ist meiner Meinung nach im Hotel sicherer aufgehoben, als im Auto. Ich hatte immer kein gutes Gefühl, wenn das Auto für längere Zeit aus den Augen gelassen wurde und das Gepäck war noch darin.
Also Versuch erst einmal unsere Mägen zu füllen. Und da hatten wir heute einen echten Glückstreffer in Form eines riesengroßen Grills mit hervorragenden Hähnchen am Spieß. Und das hob die Stimmung wieder ein wenig, denn sie schmeckten uns auch hervorragend. Dann kaufte ich Mütze Nr. 3 für 16 Dollar in einem Ramschladen, die ich, man mag es kaum glauben, heute noch habe.

Danach Aufbruch zum 10 Km entfernten Sequoia N.P.
Info: Sequoia N.P. ist vor allen Dingen berühmt für seine Riesen- Mammutbäume, mit einen Stammumfang von über 30 Metern. Dort befindet sich auch der höchste Berg der USA außerhalb Alaskas mit einer Höhe von 4400 Metern.
Irgendwie war heute der Wurm drin, das Stimmungsbarameter ging wieder steilab, denn auf der rund 20 Km langen Strecke bis zum Giant Forest gab es drei Baustellen, die stets in einer Richtung gesperrt waren. Das ergab hin und zurück mindestens 1,5 h Standzeit. Oben angekommen fanden wir mit Müh und Not einen Parkplatz. Gut, dafür standen dort wirklich ein paar Prachtexemplare von "Bäumchen", da mußte man schon ein wenig laufen um diese zu umrunden, nämlich runde 30 Meter. Also hier hat Mütterchen Natur wirklich nicht an Material gegeizt. Noch interessanter fand ich ja das Alter dieser Bäume. Immerhin, der General Tree mit rund 2700 Jahren, daß älteste biologische Lebewesen auf dieser Erde. Diese Zeitspanne dürfte er aber nicht noch mal schaffen, da sorgt die Spezies Mensch schon dafür. Ich mußte mich wirklich wundern, warum die Amerikaner hier noch kein Shuttle- Verkehr wie im Zion N.P. eingerichtet hatten. Was sich hier für eine Blechlawine die Serpentinen Tag für Tag hoch und wieder runter wälzt, ist für meine Begriffe doch schon hart an der Schmerzgrenze. Wir wälzten uns dann im wahrsten Sinne des Wortes auch hinunter, brauchte es doch für die paar Kilometer eine geschlagene Stunde.

In Three Rivers angekommen kauften wir noch was zum Abendbrot und checkten im Model ein. Zwischen Marcus und mir herrschte mal wieder eisiges Schweigen, daß guckten sich Kerstin und Claudia nicht länger mehr mit an und gingen Wäsche waschen. Ich suchte derweil mit wachsender Begeisterung die Telefonkarte, fand sie nicht, verdächtigte Marcus der Schlamperei, was die Situation nicht gerade auflockerte. Gegen 19.00 Uhr würgten wir stillschweigend unser gekauftes Abendbrot hinein, das trug auch nicht zur Aufheiterung bei. Während Kerstin und Claudia ihrer Lieblingsbeschäftigung im Pool nachgingen, machte ich einen kleinen Spaziergang zur seelischen Entspannung. Und das half auch. Nach dem Duschen machten Marcus und ich wieder die ersten Kommunikationsversuche, wir spielten unserere allabendliche Party Schach, Marcus gewann, dafür fand ich die Telefonkarte da, wo ich sie auch gesucht hatte. Also hakten wir den Tag ab unter "nicht so gut gelaufen". Der nächste Tag sollte wieder besser werden.

Ausgaben:

 

 

Benzin

14 D

31 DM

Verpflegung, Mütze

68 D

145 DM

Sonnabend, 29.07.00
Three Rivers( Sequoia N.P.)- Oakhurst (Yosemite N.P.)

130 M 217 Km

Das gab es auch nur einmal in unseren Urlaub. Der Wecker hatte ein Einsehen und ließ uns bis um 6.15 Uhr schlafen. Wahrscheinlich hatte ich beim Wecker stellen am und pm verwechselt.
Info: In der USA hat die Uhr keine 24 h- Anzeige.
AM= vormittag = 0.00- 12 Uhr
PM= nachmittag = 12- 24.00 Uhr

Dann gab es wieder kostenloses Continental- Frühstück, genauso hat es auch geschmeckt. Danach, es war wieder eine Woche um, Anruf nach Old Germany an die lieben Angehörigen.
Da ich von kurvenreichen Straßen erst einmal die Schnauze voll hatte und mehr Zeit für den Yosemite N.P. herausschinden wollte, wurde kurzerhand die ursprünglich vorgesehene Route geändert. So fuhren wir nicht über den Sequoia Forest sondern westlich über die 198. Str. auf die 99. Str. Richtung Nordwest. Anders herum wäre es mit Sicherheit ansehenswerter gewesen, aber ich hatte das Manko dieser Reise schon angesprochen: Die liebe Zeit.
Da wir in Fresno eine Ausfahrt verpaßten, Abfahrt in Madera auf die 145. Str. Richtung Ost und auf der 41. Str.
nach Norden bis nach Oakhurst, wo auch unser Motel das "Yosemite Gateway" lag.
Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle. Wir fuhren durch vegetationsreiches Gebiet, Landwirtschaft und Viehzucht wurden hier wieder groß geschrieben. " Verbrannte Erde", wie oft vorher gesehen (Death Valley, Mojave- Wüste usw.) war hier out.

Gegen 10.00 Uhr starteten wir von Oakhurst zu den rund 20 Km entfernten Yosemite N.P.
Info: Yosemite N.P. ist ein 3000 Km
2 großer Landschaftspark mit einzigartigen Wasserfällen, riesigen Felswänden und einen tief in das Gestein der Sierra Nevada eingeschnittenen Tal.
Vom Rand des N.P. bis zum Glacier Point, den schönsten und beliebtesten Aussichtspunkt, waren es noch mal 40 Km kurvenreiche Bergstraße, die uns auf eine Höhe von 2200 Metern führte. Und dort erwartete uns eine Aussicht, die jeden Landschaftsmaler vor Neid erblassen ließ. Eine sagenhafte Sicht auf das 1000m tiefer liegende grüne Yosemite- Tal lag vor uns, in einiger Entfernung Wasserfälle, die in mehreren Stufen 700m ins Tal stürzten. Dann ein riesiges Felsmassiv mit dem Namen "Half Dome". Der Name sagt schon alles. Eine riesiger Felszipfel, senkrecht halbiert, als hätte der Teufel persönlich einen Handkantenschlag angesetzt. Und man konnte meilenweit über das Gebirge schauen, Berggipfel soweit das Auge reichte. Ich muß wirklich sagen, der Grand Canyon konnte dagegen nicht mithalten. Es war wirklich das beste an Natur, was wir in Amerika zu sehen bekamen. Direkt am Point war ziemlich viel Betrieb aber man brauchte nur 200m nach links oder rechts, schon war man allein im Wald. Dort beobachteten wir dann ein Reh auf das Claudia sich bis auf 10m näherte, es aß trotzdem unbeirrt weiter. Hier soll es ja sogar noch Bären in der freien Wildbahn geben, die, auf der Suche nach Nahrung, schon so manches Auto demoliert hatten. Vor der dortigen Gaststätte standen auch bärensichere Abfallcontainer, da mußten wir selber erstmal ein mittleres Studium aufnehmen, um diese zu öffnen. Als Claudia ein Eis verdrückte und etwas Sauce auf die Erde tropfte kam ein Eichhörnchen und leckte es auf. Claudia war natürlich Feuer und Flamme. Als sie ein wenig Sauce auf ihren Finger nahm, näherte sich das Hörnchen und leckte doch tatsächlich die Brühe von ihren Finger herunter. Also hier wußten die Tiere bescheid: keine Gefahr vom Menschen!
Wir aßen dann noch die Rester von gestern Abend in der Hoffnung die Bären nahmen keine Witterung auf (kleiner Scherz) und gegen 14.00 Uhr fuhren wir zurück nach Oakhurst
.

Nach dem einchecken im Hotel testeten wir erst einmal den Pool, während dessen Kerstin ein Nickerchen machte. Danach schnürten Marcus und ich die Wanderschuhe und fuhren zurück in den Park, zu der erstbesten Wanderroute die ausgeschildert war. Und damit hatten wir auch ins Schwarze getroffen. Wir stießen auf ein kleines Gebirgsflüßchen, aus der Karte erfuhr ich später, es war der Chilnualna, der von oben kommend in mehreren Stufen durch Felsbrocken seinen Weg bahnte, ideal zum klettern und wandern. Und das machten wir denn auch. Soviel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Wir stellten uns unter einen kleinen Wasserfall, saßen auf Felsen und ließen die Beine ins Wasser baumeln, kletterten und kraxelten und sprangen über die Steine des Flusses wie so ein paar zwölfjährige Pfadfinder. Das war Natur pur, keiner störte uns und das war mit das Beste was ich den drei Wochen und überhaupt in den letzten Jahren erleben durfte.

Erschöpft, aber durchaus zufrieden, machten wir uns Abends hungrig auf den Rückweg in der Hoffnung, die Damen hatten was zu Essen aufgetrieben. Diesmal war eine Mikrowelle auf dem Zimmer, und die Damen wollten im Laden ein paar Fertiggerichte kaufen. Aber widersprüchlich wie das ganze Amerika nun mal ist, konnten sie im Land des Erfinders der Mikrowelle kein Mikrowellenessen aufspüren. Also ging es wieder ins Restaurant, hervorragend gegessen, selbst der Preis konnte uns die Laune heute nicht mehr verderben.
Abends tranken Marcus und ich noch ein paar Bier auf der Terrasse, es war einer der Momente wo man mit sich und der Welt zufrieden ist, wie als hätte man Urlaub.

Ausgaben:

 

 

Benzin

15 D

32 DM

Verpflegung

103 D

226 DM

Sonntag, 30.07.00
Oakhurst (Yosemite N.P.)-
San Francisco
188 M 313 Km

San Francisco! Der Traum meiner Jugend. Heute war es soweit. Um 5.30 Uhr aufstehen, 6.15 Uhr im Bürgerking und um 7.00 Uhr fuhren wir auf die 49. Str. Richt. NW, nach 50 Km auf die 140. Str. Richt. W. Viel gibt es nicht zu berichten. Kurz vor der Auffahrt zur I-States 99 machten wir den Tank voll und gleichzeitig setzte sich Kerstin ans Steuer, was sie auch bis S.F. notgedrungen nicht mehr aus der Hand gab. Notgedrungen deshalb, weil, wir fanden gar keine Gelegenheit mehr zum wechseln. Es ging jetzt bis S.F. nur noch auf Autobahnen und Schnellstraßen vorwärts, Rastplätze, wie bei uns sah man nicht, wir hätten quasi wieder runterfahren müssen und das war uns zu umständlich. Übrigens überließen wir das Denken heute wieder Ingrid und sie führte uns eigentlich auch ziemlich sicher ans Ziel. Kurz vor Oakland überquerten wir noch eine Hügelkette mit Hunderten von "Windmühlen", find ich gut wie die Amerikaner diese nutzlosen Flächen zur Energieerzeugung nutzen. Der vierspurige Verkehr durch Oakland war nicht übermäßig dicht, so das man locker fahren konnte. Vor der Oakland-Bay-Bridge wurde es dann fünfspurig und es wurden 2 Dollar Gebühr fällig.
Leider war die Aussicht auf der Brücke durch die längsseitige Brüstung sehr bescheiden. Erst am Festland auf der Hochautobahn sahen wir die Wolkenkratzer von Downtown. Ansonsten führte uns Ingrid prima bis zur Geary Street am Union Square, wo unser Hotel, daß "Handlery Union Square" auch gleich gefunden wurde, im Gegensatz zu einem Parkplatz. Bis dahin wußten wir freilich nicht, daß sich der Eingang zur Tiefgarage an der Hinterseite zum Hotel befand, also auf der anderen Seite des Karrees.
Info: Die Straßen von San Francisco verlaufen teilweise schachbrettartig und schnurgerade durch die Innenstadt. Es herrscht weitgehend drei- oder vierspuriger Einbahnstraßenverkehr.

Also umrundeten wir das Viertel noch einmal. Als Kerstin, sie fuhr auf der Mittelspur, dann eine Lücke erspähte, fackelte sie nicht lange, wechselte die Spur nach links und...? ich schrie noch "pass auf", zu spät, ein amerikanischer Kleinbus erhielt längseitig eine Schramme, das gleiche bei uns am Spiegel und am linken Kotflügel. Claudia fing gleich an zu heulen, weil hinter uns wurde sofort hektisch gehupt. Ich filmte sicherheitshalber erst einmal den Unfallort, während Marcus Kontakt mit den Insassen des Kleinbusses, ein junges Pärchen, aufnahm. Die zwei hatten, Gott sei Dank, starke Nerven und blieben ruhig. Hinter uns stauten sich mittlerweile die Autos, die Fahrer derselben hatten keine starke Nerven und drückten auf die Hupe, was in S.F. sowieso die Lieblingsbeschäftigung der Autofahrer zu sein schien. Nach Begutachtung des Schadens beschlossen das Pärchen und wir, keine Polizei hinzuzuziehen. Der Schaden hielt sich in Grenzen und wir waren versichert auch ohne Polizei. Im übrigen hatte der Kleinbus auch schon eine Schramme auf der anderen Seite, diese Ungleichheit hatten wir nun beseitigt. Nach Austausch der Adressen wendete ich mich unserem Auto wieder zu, wo sich mittlerweile ganz unauffällig zwei Obdachlose demselben genähert hatten und ich sagte zu Kerstin, sie soll sich sicherheitshalber hinten zum Kind setzen und die Türen verrammeln. Vorher freilich fuhr ich das Auto noch in die von Kerstin erspähte und durch den Unfall blockierte Parklücke.

Marcus und ich liefen dann zum Hotel, das war ja gleich in der Nähe, dort sagte man uns, daß wir erst 15.00 Uhr einziehen konnten. Wenigstens zeigten sie uns den Weg zur Tiefgarage, wo wir das Auto erst einmal los wurden. Das heißt: Gepäck ausladen, das wurde uns später aufs Zimmer gebracht, daß Auto wurde nach äußerlichen Schäden untersucht, wahrscheinlich um Regreßansprüche zu vermeiden (unsere frischen Schrammen wurden auch notiert), dann wurde es irgendwo eingeparkt. Es wurde auch gleich abkassiert: Für 3 Tage bezahlten wir 84 Dollar, aber ich hatte es vorher schon gelesen, S.F. ist die Stadt in den USA mit den teuersten Parkgebühren.

Nun standen wir da in S.F. Downtown, ein wenig aus der Bahn geworfen, denn so war es nicht geplant. Als erstes war festzustellen das es hier erheblich kühler war, als wir es in den letzten Tagen gewohnt waren. Als zweites es ist Mittag und wir hatten Hunger, also eine Lokalität suchen. Ein paar Straßen weiter fanden wir dann auch ein kleines schäbiges, chinesisches Restaurant, daß Essen ging ja noch, bloß beim bezahlen war er ein wenig komisch, wollte nur bares sehen. Vielleicht hatte er schlechte Erfahrungen mit Touristen gemacht.

Danach gingen wir über den Union Square, ein belebter Platz mit vielen berühmten Geschäftshäusern in der Nähe. Und was mir als erstes auffiel, waren die vielen Obdachlosen und Bettler, die überall rumsaßen oder lagen, meist in einen erbarmungswürdigen Zustand. Ich sah, wie sich zwei Männer in feinem Zwirn, was hinter die Kiemen schoben und 2 Meter weiter lag eine barfüßige alte Frau teilnahmslos auf dem Pflaster mitten zwischen Tauben. Und da war es wieder, daß so widersprüchliche Amerika. Auch hier ging der Reichtum des Landes an vielen vorbei.
Dann rumpelte mit lauten quietschenden Geräusch die berühmte Cable Car an uns vorbei, ein zwar altes, aber umweltfreundliches Gefährt. Kerstin entdeckte dann noch einen original Levis- Jeans- Laden, mußten wir natürlich als alte Jeans- Fans auch rein. Und was da drin geboten wurde, daß war schon absoluter Jeans- Fetischismus. Erst einmal absolute ..... Musik. Dann so was wie eine runde Badewanne voll Wasser, dort konnte man sich mit der Jeans reinsetzen, daneben stand dann ein Trockner, wo man die Hose am Körper trocknen lassen konnte. Und natürlich Auswahl vom Feinsten. Die echte Levis für 30 Dollar gab es genauso wie die zerfetzte Levis für 300 Dollar Gegen 15.00 Uhr zweiter Anlauf zum einchecken ins Hotel. Das Zimmer fanden wir in der hintersten Flurecke und war wahrscheinlich als Besenkammer zu groß gewesen. Es war nach L.A. die zweitschlechteste Bude, die wir im Urlaub bezogen. Muß wohl in der Großstadt so sein, wenn man als Katalogtourist nicht gerade das Teuerste gebucht hat.
Aber ein Vorteil hatte die Sache schon, daß Hotel stand im Zentrum von S.F. Und von genau da starteten wir unseren ersten Ausflug nach Chinatown.
Nachdem wir das Drachentor zu Chinatown durchschritten hatten, waren wir auch gleich mitten im Getümmel. Absolut überlaufen das Viertel. Geschäfte über Geschäfte, verlockende Auslagen mit exotischen Krempel, aber man hielt sich zurück, unser großer Shoppingtag war für Übermorgen angesetzt. Es gab viele Läden mit chinesischen Spezialitäten, wie Gewürze, Kräuter und Speisen. Dementsprechend exotisch roch es auch. Für mich persönlich sahen aber manche Speisen sehr fadenscheinig aus, was aber nichts zu sagen hat, ich habe halt beim Essen wenig Sinn für Experimente.
Irgendwann war es Zeit umzukehren, denn das Viertel, wo wir plötzlich gelandet waren, sah nicht mehr so vertrauenswürdig aus.
Abends dann fanden wir ein Familienrestaurant in der Nähe des Hotels, ziemlich preiswert und wo man einigermaßen vernünftig essen konnte. Dann Abendentspannung im Hotel bei Schach, Bier und Fernsehen.

Ausgaben:

 

 

Benzin

16 D

34 DM

Verpflegung

105 D

230 DM

Parkgebühren 3 Tage

84 D

183 DM

Montag, 31.07.00
San Francisco
2 Tag

Die Stadtrundfahrt mit Besuch auf Alcatraz hatten wir über das Reisebüro gebucht und sollte um 10.00 Uhr beginnen. Um 6.30 hatten alle ausgeschlafen, also konnten wir in Ruhe frühstücken. Vom Hotel gab es Frühstücksmarken, dafür gab es pro Person ein Stück Gebäck und Kaffee bis zum abwinken. Das reichte erst einmal für die nächsten 2 Stunden. Um 9.30 Uhr waren wir an der Sammelstelle der Tour, gleich in der Nähe vom Hotel. Dann wurden wir erst einmal in das Busdepot der Veranstalterfirma gefahren. Dort gab es die Tickets, wie wir später feststellten mit unterschiedlichen Abfahrtszeiten für die Fahrt nach Alcatraz. Danach reihten wir uns natürlich in die falsche Warteschlange ein, stiegen in den falschen Bus und fuhren mit den falschen Bus auch los. Der Unterschied zum richtigen Bus: Die Sprache.

Aber wir hatten ja unseren Marcus und er lief mit seinen Englisch zur Hochform auf. Während der dreistündigen Fahrt sahen wir eigentlich alles was S.F. so berühmt macht. Wir fuhren am City- Center und am Opera House vorbei und hielten erstmals an der berühmten Old Mission Dolores vor dessen Tür Obdachlose lagen. Weiter ging es auf den Twin Peaks, der höchsten Erhebung von S.F., wo wir ein zweites mal hielten. Trotz des Nebels über die Bucht, war die Aussicht auf S.F. hervorragend. Wir ließen uns, im Hintergrund S.F. liegend, von einer netten Amerikanerin fotografieren. Weiter ging es durch den Golden Gate Park zum Japanese Tea Garden, und hier wurde ein größerer Stop gemacht. Der war auch nötig, denn das magere Frühstück war nun restlos verdaut, worauf sich bekanntlich das Gefühl, was man Hunger nennt, meldet. Mit Big Hot Dogs bekamen wir auch das unter Kontrolle. Nach einem Verdauungsspaziergang in den botanischen Garten nebenan, ging es dann weiter zum pazifischen Ozean, wo am Cliff House ein erneuter Stop gemacht wurde. Cliff House ist eigentlich nichts anderes, als ein Seafood Restaurant mit Blick auf die Seal Rocks. Von einer Aussichtsplattform kann man die Seehundfelsen gut beobachten. So sehr ich mich aber auch anstrengte, Seehunde sah ich nicht, dafür ungezählte, ich vermute mal, Pelikane. Die weltberühmte Golden Gate Bridge überquerten wir natürlich in absoluten Nebel gehüllt, erst beim letzten Drittel der Brücke riss der Nebel plötzlich auf. Auch am Vista Point hinter der Brücke hatte man nur teilweise einen guten Blick auf S.F. und die Bucht.

Hier merkte Marcus auch, daß wir unterschiedliche Tickets für die Fahrt nach Alcatraz hatten. Nach kurzen Disput mit dem Busfahrer, rief dieser in der Zentrale an und wir bekamen mitgeteilt, daß die Karten am Pier 41 an der Fisherman´s Wharf umgetauscht werden können. Und wirklich, dort angekommen, wußten die an der Kasse schon Bescheid und wir bekamen die richtigen Tickets. Einziger Wermutstropfen: Wir konnten erst mit dem 16.15 Uhr- Boot fahren. Die 2 Stunden verbrachten wir denn auch auf Fisherman´s Wharf, zu sehen gab es genug. Denkste! Eigentlich gab es nur Restaurants und Geschäfte, allesamt völlig überlaufen. Am interessantesten war es noch am Pier 39, wo ein paar Straßenkünstler und Gaukler ihr Bestes gaben. Ich lies mich, nach dem die Jugend und auch Kerstin auf mich einredeten, auf den Gaudi ein, mich mit ein paar Punks für 2 Dollar fotografieren zu lassen. Man möge mir verzeihen, aber wir mußten die Zeit ja irgendwie totschlagen. Tranken dann noch Kaffee und am Pier 43 reihten wir uns wieder mal in eine Warteschlange ein, die auf das Alcatraz- Boot wartete.

Nach 20 Minuten landeten wir sicher auf der Knastinsel. Hier wehte uns ein kalter Wind um die Ohren, überhaupt war es sehr unfreundlich hier, eben wie im Gefängnis. Erst einmal Besichtigung der Außenanlagen, meistens nur noch Ruinen und total uninteressant. Dann gingen wir in das Hauptgebäude, was der eigentliche Knast war. Dort bekam man einen Workman umgehängt, die Audio- Kassette war auf deutsch, und dann ging es auf Anweisung selbständig auf Rundgang. Nach Besichtigung der Zellengänge kam ich zu dem Schluß: Wer hier seine Strafe absaß, der war bestraft und die Leute, die hier eingebuchtet wurden (El Capone, Kelly usw.) hatten es auch nicht anders verdient. Im Gegensatz zu deutschen Gefängnissen gab es hier keine Streicheleinheiten.

Gegen 18.00 Uhr waren wir wieder auf dem Festland und jetzt sollte es mit der Cable Car ins Hotel gehen. Das hieß erst einmal wieder einreihen in die Schlange der Wartenden für 30 Minuten. So hatten wir aber genug Zeit das Geschehen an der Wendeschleife zu beobachten. Man fühlte sich zurück versetzt in das Jahr 1873, da fuhr das gute Stück das erste mal und an den technischen Ablauf hatte sich bis heute nichts geändert. Ein ankommendes und ein weggehendes Schienenpaar liefen auf einen Drehteller mit einem Schienenpaar, die Bahn fuhr auf dem ankommenden Schienenpaar auf diese Drehscheibe auf und zwei Mann drehten diese Scheibe bis die Bahn in die entgegen gesetzte Richtung schaute. Danach wurde die Bahn auf das weggehende Schienenpaar geschoben. Nach bezahlen von 2 Dollar/Person konnten jetzt die Fahrgäste, zu 99,9% Touristen, einsteigen. Jeder wollte natürlich (ich auch) auf der Fahrgasttreppe stehen und das war nun wieder nicht so einfach. Ich stand dann auch auf dem Treppchen draußen, nur leider an der falschen Stelle, daß zumindestens befand der Fahrer der Cable Car und schob mich in die Mitte des Wagens auf den schlechtesten Platz. Das heißt so schlecht war es nun auch wieder nicht, denn ich konnte den Fahrer bei seinem Job beobachten. Mit einem langen Hebel hängt der Fahrer den Wagen an das immer laufende Seil unter der Straße und wurde von diesem dann den Berg hoch gezogen. Als Bremse dient ein zweiter Hebel und ein Pedal. Ziemlich erschöpft gingen wir gegen 19.30 Uhr noch in das Familienrestaurant von gestern und dann nach 12 Stunden S.F.- Trip auf die Bruchbude von Zimmer. Morgen war entspanntes Shopping angesagt, ich weiß zwar noch nicht wie das mit den Damen funktionieren soll, aber schauen wir mal.

Ausgaben:

 

 

Verpflegung

97 D

213 DM

Dienstag, 01.08.00
San Francisco
3.Tag

Es war schon 8.00 Uhr als die Geister sich erhoben. Es ging so zu sagen schon stramm auf Mittag zu, als wir unser "Markenfrühstück" einnahmen. Heute aber doppelt, weil die Marken für morgen gleich mit verfuttert wurden. Shoppen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten war angesagt. Hauptsächlich hatten wir es auf Klamotten abgesehen. Wir fingen am San Francisco Shopping Center an und warteten erst einmal, weil der Laden statt 9.30 Uhr erst 10 Minuten später aufmachte. Und wie in Deutschland machte die wartende Menge auch einen ganz schönen Rabatz wegen der Verspätung. Dann ging es in den Macy´s, ein eher vornehmerer Schuppen mit entsprechenden Preisniveau. Über ein Rondell mit Rolltreppe gelangte man auf die einzelnen Etagen in hunderte von Läden. Nach dem dritten Schuhladen wurde ich dann fündig und kaufte ein paar Turnschuhe. Im schon einmal erwähnten Levis- Laden kauften wir für Claudia 2 Jeanshosen und eine Jacke, auch ich konnte nicht widerstehen und kaufte noch eine Levis.

Preislich gesehen war der Kauf bei Jeans und Sportsachen gegenüber Deutschland für die gleichen Markenprodukte unbedingt ein Schnäppchen, trotz des schlechten Kurses der Mark zum Dollar. Leider hatten wir ein kleines Platzproblem. Unser Gepäck hatte sich im Laufe unseres Urlaubes schon ganz schön aufgeplustert. Ein neues Gepäckstück kam auch nicht in Frage, daß gab der Kofferraum des Autos nicht her. Aber das Packgenie Kerstin hat noch immer alles untergebracht. Marcus schlug dann auch noch einmal mit ein paar T- Shirts und 2 Hosen zu und weihte seine jungfräuliche Visa- Card ein. In einem Kaufhaus fand sich dann noch ein chinesicher Schnellimbiss, wo wir ganz gut speisten. Dann buckelten wir unsere Errungenschaften auf das Zimmer, schauten und probierten alles noch mal an und gammelten ein wenig rum Nachmittags gingen Kerstin und Claudia noch mal nach Chinatown, wollten wohl noch ein paar Andenken und Geschenke kaufen. Marcus und ich schauten uns noch einmal das Chaos der Stadt in Ruhe an. In einem kleinen Caffee machten wir es uns gemütlich, wobei es erst einmal ungemütlich wurde, da Marcus der Tolterich, seinen Kaffee erst einmal auf dem Tisch ausbreitete. So wurde der Tisch auch prima sauber. Wir resümierten dann über S.F., daß auch diese Stadt voller Widersprüche steckt. Wenn man genau hinguckt eigentlich eine, von Taubenkot und Wegwerfmüll verdreckte, hektische und von Obdachlosen und Bettlern übersäte Stadt. Dabei waren wir in den richtigen Problemvierteln aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht gewesen. Vielleicht waren meine Vorstellungen aus der verklärten Hippy-Zeit aber auch ein wenig realitätsfremd. Es kann aber auch etwas mit meinem notorischen "Großstadtkomplex" zutun haben, den ich wahrscheinlich schon mein ganzes Leben mit mir herumschleppe.

Um 17.30 Uhr waren wir alle wieder beisammen und suchten in aller Ruhe eine Gelegenheit zum Abendbrot. Die fanden wir dann in Form einer Pizzeria und da wurde auch ordentlich rein gehauen. Als am Nachbartisch die Gäste aufstanden, kam von draußen ein Bettler und holte sich die Rester vom Tisch. Der Inhaber fing gleich zu toben an. Mir tat der Penner echt leid, aber helfen konnte ich ihm auch nicht. Draußen wurden wir dann auch noch von einem, wahrscheinlich betrunkenen oder irren Schwarzen voll gelöffelt, wir waren wohl schon wieder zu weit vom Zentrum weg. Ich muß aber sagen, daß war wirklich das erste und einzige mal in unserem Urlaub, daß wir so angemacht wurden.
Tja, und das wars dann in S.F. Es war sicherlich vieles ansehenswert, aber ich persönlich würde hier nicht noch mal auftauchen.

Ausgaben:

 

 

Verpflegung, Einkauf

305 D

670 DM

Mittwoch, 02.08.00
San Francisco - Pismo Beach

259 M 432 Km

Nachdem gestern ausschlafen angesagt war, ging es heute wieder 5.00 Uhr aus den Betten. 5.30 Uhr fuhren wir durch das jetzt noch ruhige S.F. Ingrid führte uns nach einem kurzen Ausssetzer gut aus der Stadt heraus, auf die berühmte Straße 1, entlang des Pazifiks. Am Anfang behinderte der Nebel noch ein wenig die Sicht, aber als wir dann unterwegs gegen 9.00 Uhr bei Denny´s gefrühstückt hatten und weiter fuhren, löste sich der Nebel immer mehr auf. Der State Highway 1 ist zwar nicht die schnellste Verbindung nach L.A., aber dafür die Schönste. Die Straße entlang der kalifornischen Küste führt vorbei an zerklüfteten Felsenküsten an denen sich riesige Wellen brechen, herrliche Buchten und ruhige Sandstrände auf der einen Seite, auf der anderen Seite sind die Hügel und Berge der Küste, die in die Höhe schießen. Als erstes Halt an einem, um die Zeit menschenleeren Strand, wo die Sonne gerade gegen den Nebel kämpfte und im Begriff war zu gewinnen. Nach dem Großstadttrubel von S. F. war uns diese Ruhe nur willkommen. An der nächsten Haltestelle schauten wir von einer Steilwand hinunter auf die Brandung, so wie wir es noch nicht gesehen hatten.

Beim nächsten Stop an einen mit Felssteinen übersäten Strand schauten wir drei Surfern zu, wie sie meist vergeblich versuchten in Fahrt zu kommen. Einige Kilometer weiter kam ein Strandabschnitt, auf dem es sich eine Gruppe Seelöwen gemütlich gemacht hatten. Und damit diese Gemütlichkeit nicht gestört wurde, war dieser Strandabschnitt durch einen Zaun gesichert. Trotzdem ließen sie sich gut beobachten und wir hatten ganz schön zu tun, um Claudia zum weiterfahren zu bewegen.

Bei Big Sur tankten wir ziemlich teuer und machten dann noch mal an einem herrlichen Strandabschnitt eine Pause, um dann bis Pismo Beach durchzufahren. Es war gegen 15.00 Uhr, wo uns im Hotel "Casa Grande Inn" gesagt wurde, in einer viertel Stunde einziehen zu können. Als uns nach einer halben Stunde wiederum eine halbe Stunde angedroht wurde, gaben wir erst einmal auf, ließen das Auto stehen und liefen zum nahegelegenen Einkaufszentrum, was wir zuvor entdeckt hatten. Marcus schlug klamottenmäßig wieder knallhart zu, darauf vertrauend daß unser Packgenie Kerstin den Koffern schon zeigen würde, wo es lang geht.

Gegen 17.00 Uhr hatte die Hotelrezeption die Güte und ließ uns ein Zimmer beziehen. Was heißt Zimmer ! Wir zogen in eine Suite mit zwei Zimmern ein, die mit Abstand beste Unterkunft in unserem Urlaub. Nach der Bruchbude von S.F. wurde uns der Glauben an das amerikanische Hotelwesen wiedergegeben. Doch unsere Freude bekam nur eine Stunde später einen herben Dämpfer, als wir an den Strand fuhren. Wir hatten faktisch keine Chance mit unserem Auto in der Nähe des Strandes ein Parkplatz zu finden. Wobei ich unter Nähe den Umkreis von ungefähr 2 Km verstehe. Absolut überlaufen dieser Ort. Sämtliche Parkplätze waren privat oder von Strandhotels reserviert. Mit Wehmut dachten wir an die leeren Strände von heute früh, die wir passiert hatten. Warum wir da nicht ins Wasser gesprungen sind, vermöge ich heute nicht mehr zu sagen.
Da wir keine Lust mehr hatten stundenlang mit dem Auto durch die Gegend zu fahren, um dann noch eine halbe Stunde zu baden, fuhren wir zurück ins Hotel, wo Kerstin und Claudia statt in den Pazifik halt in den Pool gingen, während Marcus und ich uns um das Abendbrot kümmerten. Da auf dem Zimmer eine Mikrowelle vorhanden war, machten wir uns auf die Socken nach entsprechenden Angeboten. Im Gegensatz zu Oakhurst fanden wir diesmal was wir suchten in hunderten von Gerichten.
Das schmeckte alles auch noch nicht mal so schlecht und preiswert war es noch dazu.
Morgen ging es nun dahin zurück, wo unsere Rundreise begann und ein wenig traurig ob des fast vergangenen Urlaubes schliefen wir ein.

Ausgaben:

 

 

Benzin

29 D

64 DM

Verpflegung, Einkauf

138 D

303 DM

Ausgaben:

 

 

Benzin

29 D

64 DM

Verpflegung, Einkauf

138 D

303 DM

Donnerstag - Freitag, 03- 04.08.00
Pismo Beach - Los Angeles

202 M 337 Km

Heute war es nun so weit. Unsere letzte Etappe führt uns zurück nach L.A. Um 6.00 Uhr hatten wir, die nun mittlerweile prall gefüllten Koffer und Taschen verpackt und um 6.15 Uhr hatte uns der State Highway Nr.1 wieder. Unterwegs unser endgültig letztes Frühstück bei McDonald, man hatte sich schon fast an den Fraß gewöhnt. Auch jetzt begleitete uns der Nebel, doch gegen 9.00 Uhr hatte die Sonne wieder gewonnen. Und wieder Stops an einsamen Stränden und zerklüfteten Küsten. Gegen den abwechslungsreichen Streckenabschnitt von gestern kam die heutige Route aber nicht mit. Man merkte auch, es ging wieder Richtung Süden, denn als die Sonne den Nebel endgültig verjagt hatte, war es entschieden wärmer um die Zeit wie gestern. Deswegen stürzten wir, in L.A. angekommen, uns auch gleich an den Strand und machten erst einmal ein paar Wellen im Pazifik. Hier hatten Kerstin und ich uns vor drei Wochen den Sonnenbrand geholt. Das konnte uns heute nicht mehr passieren, denn ausgerüstet wie die Profis, hatte sich unser Körper mittlerweile auch an die Sonne gewöhnt.

Gegen 13.00 Uhr checkten wir uns ins Hacienda Hotel ein, diesmal mit der Bitte nach einen vernünftigen Zimmer. Dieser Bitte wurde denn auch stattgegeben, sage nur einer die Amerikaner wären nicht gastfreundlich. Dann machte erst einmal jeder was er wollte. Marcus hatte es sich in den Kopf gesetzt, unbedingt in L.A. zum Friseur zu gehen, weiß der Teufel warum. Als er wieder kam, hatte er ein Haufen Pomade im zurückgekämmten Haar und hatte 10 Dollar dafür bezahlt. Gegen 16.00 Uhr trafen wir uns alle in einem Café schlürften den Selbigen und dachten mit Wehmut an die zurückliegenden Tage. Wir fanden dann noch eine gemütliche Grill- Bar, wo wir unser Abendbrot einnahmen.

Am nächsten Tag war ausschlafen angesagt. Das gelang uns auch bis gegen 8.00 Uhr. Frühstück machten wir in der gestern entdeckten Grill- Bar, dann alle Vier faulenzen am Pool. Mittag wieder Grill- Bar, hätte bei längeren Aufenthalt noch unsere Stammkneipe werden können. Danach war telefonieren in die Heimat angesagt, die Telefonkarte mußte geplündert werden. Das war natürlich kein Problem für uns. Marcus und ich fuhren dann sicherheitshalber auf dem Flughafen, vorbei an der Herz- Station, damit wir morgen nicht noch großartig suchen mußten. Im Hinterkopf hatten wir immer noch den ersten Tag in L.A. Ihr erinnert euch. Am Flughafen wurde das Auto in die Hochgarage gestellt und es ging in das internationale Terminal, wo wir morgen abfliegen wollen oder besser müssen. Wir hatten vor, uns am LTU- Schalter zu erkundigen, ob sich an den Abflugzeiten etwas geändert hat. Der Schalter war auch schnell gefunden, bloß er war halt geschlossen. Na gut, dachten wir uns es gibt ja noch das Internet. Im Hotel angekommen, fragte Marcus nach einen Internet- Anschluß und der war auch vorhanden. In einen eigens dafür eingerichteten Raum mit einem Internetportal wählten wir uns ein und riefen die Flughafenseite des Airports auf. Die Gebühren die dafür verlangt wurden, waren astronomisch. Ich mußte dem Automaten alle 3 Minuten einen Dollarschein zum Fressen geben, damit dieser die Verbindung hielt. Natürlich war der Zugang auch nicht der Schnellste, ist ja klar, man könnte ja sonst in 3 Minuten fertig sein. Nach 15 Minuten wußten wir was wir wissen wollten und waren um 5 Dollar leichter. Hätten wir auf dem Flughafen für ein paar Cent angerufen, wären wir sicherlich zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Anrufen, pah ! altmodisch und hinterwäldlerisch ist das, wir sind ja moderne Menschen.

Der Rest des Tages spielte sich wieder zwischen Pool, Café und Grillbar ab. In der Letzteren aßen wir noch einmal richtig deftig amerikanisch mit allen was dazu gehört.
Abends, dann,ein letzter abschiednehmender Spaziergang am Pazifik, war schön ruhig, einsam, traurig und wehmütig.
Und das war es denn mit unseren Traumurlaub. Mit den Gedanken an den langen Flug morgen, schlief ich nicht gerade glücklich ein.

Ausgaben:

 

 

Verpflegung, Sonstiges

129 D

274 DM

 


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