Survival für USA-Fans in Germany
Wenn man als USA-Fan in Deutschland festsitzt, aus welchen Gründen auch immer, dann kann man ganz schön aufgeschmissen sein. Nach einem USA-Aufenthalt würde man am liebsten einen ganzen Supermarkt aus Amerika nach Deutschland mitimportieren um auf nichts verzichten zu müssen. Auf den ersten Blick gibt es in diesem Land überhaupt nichts amerikanisches, und den Deutschen gefällt das auch noch so. Aber es gibt eine nette kleine "US-underground-Szene", die aus Versandhändlern, US-Ketten und Food-Importeuren besteht und einem das Leben dann doch von Zeit zu Zeit erleichtern kann.
Im folgenden sind die verschiedenen Institutionen nach Themen sortiert, für weitere Tipps bin ich sehr dankbar.
American TV
Da das deutsche Fernsehen ja für jeden echten USA-Kenner (und -Fan) an Körperverletzung grenzt, ist es ein sehr wichtiges Anliegen, Produktionen aus Amerika im original schauen zu können. Synchronisation kann man vergessen, nur Originale zählen.
Über empfangbare Kanäle gibt es leider nicht besonders viel zu sehen. Da wären zu nennen


Und damit hat es sich dann auch eigentlich schon. Bei Premiere World mag es noch die eine oder andere Möglichkeit geben, US-TV zu schauen, aber zum Grossteil tummeln sich auch dort Sendungen in germanischer Sprache.
Dagegen ist es fast interessanter zu erwähnen, was einmal möglich war!!! Mitte der 90er waren amerikanische Sachen nämlich noch wesentlich beliebter in Deutschland und Europa als heutzutage.
Es gab damals noch den NBC Super Channel (heute "NBC Giga", wo nur noch Quatsch läuft!), und der bot einen ganz besonderen Service: Täglich um 13 Uhr lief da nämlich live vom US-Network NBC die "Today Show", zwei Stunden lang. Die beliebteste Morgensendung Amerikas konnte man täglich live verfolgen, und das zu einer recht praktischen Uhrzeit. Ausserdem lief auf diesem Sender damals täglich die "Tonight Show with Jay Leno" (die heute immerhin noch wöchentlich auf CNBC-Europ zu sehen ist). Gegen Ende der 90er war damit aber leider Schluss, und der Sender verkam immer mehr zur Müllhalde.
Ein weiteres Highlight in den 90er war der Versuch von RTL2, die "Late Show with David Letterman" im Nachtprogramm zu etablieren, auf English mit Untertiteln. Täglich wurde die CBS-Show vom Vortag auf RTL2 gesendet, und es gab zahlreiche Insider denen dieses Angebot sehr viel wert war. Aber leider waren es wohl nicht genug, sodass ein grösserer Erfolg ausblieb, und was aus RTL2 heute geworden ist bedarf keinem weiteren Kommentar!
Desweiteren gab es den Sender "Lifestyle" in europäischen Kabelnetzen, der regelmässig US-Gameshows im original sendete. Der Sender existiert heute nicht mehr.
Über ASTRA konnte man die Sender "Cartoon Network" und "TNT" im Tag/Nacht-Wechsel empfangen, das waren die europäischen Ableger der amerikanischen Sender von Ted Turner. Bei Cartoon Network gab es zahlreiche animated shows, bei TNT alte amerikanische Filmklassiker, alles auf English. Der Sender wurde Ende der 90er verschlüsselt und auf den britischen Markt eingegrenzt.
Bis vor kurzem war der britische Nachrichtensender SkyNews noch analog auf ASTRA zu empfangen, bei dem man jede Nacht die aktuellen "CBS Evening News" verfolgen konnte. Nachdem Sky aber nur noch digital sendet, ist damit in Deutschland auch Schluss.
Ausserdem gab es von Sky noch die anderen verschlüsselten analogen Sender, u.a. SkyOne (ein Serienkanal, der bis 1993 sogar unverschlüsselt sendete) und SkyMovies. Dort lief so ziemlich alles aus dem amerikanischen Fernsehen im Original, aber das Problem war, dass man die Sender ausserhalb von Grossbritannien nicht abonnieren durfte. Piratenkarten (die legal waren, da man die Sender offiziell nicht abonnieren konnte, und somit nicht dem Diebstahl gleichkamen) waren wenig erfolgreich da sie nur einige Wochen lang funktionierten, und für z.T. 1000 Mark gehandelt wurden. Es lohnte sich nie wirklich, und heute hat sich das eh erledigt, weil alle Sky-Sender heute nur noch digital senden.
Das waren eigentlich die nennenswertesten Versuche, amerikanische Shows im original auf dem deutschen/europäischen Markt zu plazieren, und was davon heute übriggeblieben ist, das ist schon sehr dürftig!
Eine TV-Alternative: DVD
Eine recht gute Möglichkeit, in Deutschland Filme und Serien aus Amerika im Original zu sehen, bieten DVD's. Fox hat vor gerade einmal 3 Jahren den Trend gestartet, Fernsehserien in Staffelboxen auf DVD zu vermarkten. Die erste Serie war "The Simpsons", als nächstes folgte dann als erstes Mammutprojekt "Star Trek - The Next Generation". Inzwischen sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es so gut wie alle Fernsehserien, die es jemals gegeben hat, auf DVD erhältlich sind - ein Paradies für einen Fan des amerikanischen Fernsehens, der hier sonst keine Möglichkeit hat, Serien im Original zu sehen. Vorzugsweise natürlich in den USA erscheinen Monat für Monat neue Serien in Boxenform. Einen Überblick über die derzeitige Marktsituation kann man sich bei TV Shows on DVD machen.
Bei Filmen sollte man bei DVD's ja immer auch auf die Specials etc. achten, näheres dazu auf der DVD-Seite. Wenn man in Deutschland original US-DVD's mit Code1 beziehen will, gibt es entweder die Möglichkeit über ausländische Versandhändler (auch bsw. in GB), oder die beiden einzigen mir bekannten Händler in Deutschland, zum einen Little Hollywood in Stuttgart, und zum anderen CD-Wow . Näheres zu Code1-DVD's ist auf der DVD-Unterseite auführlich beschrieben.
Radio
Mit Radiosendern ist es in der Regel nicht weniger problematisch wie mit TV. Besser haben es die USA-Fans, die im Süden Deutschlands wohnen, dort gibt es in vielen Städten die AFN-Sender, die über FM frei empfangbar sind (und im Gegensatz zu den AFN-TV-Sendern extrem starke Sendeleistungen haben, und deshalb immer in ganzen Regionen zu hören sind). Bei diesen stations gibt es "American talk" rund um die Uhr, oft laufen auch Programme die über Satellit aus den USA übertragen werden wie bsw.
Auf die US-Werbespots muss man dabei aber leider verzichten, weil es verboten ist sie hier zu senden und sich die Gesellschaft AFRTS ansonsten die Sendungen aus Amerika nicht leisten könnte.
Ansonsten gibt es nur noch einen nennenswerten Sender in Deutschland, der den Ansprüchen eines USA-verwöhnten Hörers gerecht wird. Das ist KISS-FM in Berlin, der nach dem berühmten Vorbild in New York amerikanischen HipHop und R&B spielt. Die Macher dieser Station haben wirklich Ahnung von dem was sie tun, und es ist wirklich schade dass die Verbreitung nur auf Berlin begrenzt ist.
Wenn man diese Möglichkeiten nicht hat, dann kann ich als Ersatz höchstens noch die ENERGY-Sender empfehlen die es in einigen deutschen Grosstädten gibt. Sie sind auf jeden Fall Tekkno- und DeutschHipHop-frei, was für einen Sender in Deutschland meiner Ansicht nach zunächst mal die wichtigsten Qualitätsmerkmale sind. Darüberhinaus mag es noch andere, lokale Sender nach dem ENERGY-Konzept geben, die ich aber logischerweise nicht alle kenne.
Dann gibt es da natürlich noch eine äusserst interessante Möglichkeit, amerikanische Radiosender jederzeit zu hören, die überall verfügbar ist: die online-live-streams von grossen US-Radiosendern. Man klickt auf deren Homepage den "listen live"-Button an, und schon lädt ein live-stream-player. Nach einigen Sekunden geht die Übertragung des gegenwärtigen Radioprogramms los, in der Regel ist sie sehr stabil. Lediglich local commercials müssen ausgeblendet werden, in Form von "dead air", aber nationale Werbespots werden mit übertragen.
Es gibt zahlreiche US-Radiosender die diesen Service anbieten, hauptsächlich Stationen aus grossen Städten. Ich kann zwei berühmte Sender aus L.A. empfehlen:
Zeitschriften
Eine recht gute Möglichkeit an amerikanische Zeitschriften zu kommen sind die internationalen Pressestände an deutschen Grossbahnhöfen und Flughäfen. Man findet neben den weltbekannten Publikationen wie "TIME" oder "Newsweek" auch eine Reihe von Insider-Magazinen z.B. zum Thema Autos (Car & Driver, Motor Trend) oder Musik (The Source).
Food / Drinks
Eine der wichtigsten Fragen für USA-Fans ist natürlich das Essen. Wie kommt man an US-food-Artikel und wo gibt es welche Restaurants? Zunächst die Kaufmöglichkeiten für importierte Waren, meistens gibt es pop tarts, chewing gum, einige soft drinks und candy bars.

Bei den Restaurants gibt es einige grosse US-Ketten auch in Deutschland, einige davon haben aber nur ganz wenige Filialen (und das meistens nur in Berlin).
Vereinzelt gibt es Filialen auch in anderen Städten (Berlin, Hamburg, Stuttgart)
Ausserdem gibt es an deutschen Autobahnen ein paar sogenannte "Diners", die erst in den letzten Jahren eröffnet wurden. Sie bieten eine gute Auswahl an amerikanischen Gerichten, mit richtigen grossen Restaurant-Portionen!
Clothing
Hier wird es nun kompliziert: einerseits gibt es eine Fülle von grossen bekannten Sportgeschäften in deutschen Städten, aber andererseits nutzt einem das oft nicht viel, da es auf das Sortiment ankommt. Leider ist es meist so, dass Europa ein eigenständiger Markt für Artikel grosser US-Marken ist. Daher wird für Europa oft ein ganz anderes Sortiment aufgelegt und angeboten als für die USA, was man sehr schön bei NIKE sehen kann. Der Hersteller produziert die Artikel für Europa in Ländern wie Türkei, Ungarn, Griechenland etc, und diese Artikel unterscheiden sich von den Sachen die in den USA verkauft werden. Von daher ist es selbst für einen NIKE-Fan oft schwer, Artikel zu finden die dem aus den USA gewohnten Stil entsprechen. Ein anderes Beispiel ist Levi's. In Deutschland gibt es grundsätzlich nur die sehr eng geschnittene 501, und das ist auch alles was die Deutschen von der Marke kennen. In den USA gibt es eine viel grössere Auswahl an Levi's-Jeans, in allen möglichen Schnitten und Weiten, die man in Deutschland schlichtweg nirdends kaufen kann. Der deutsche 501-Tick geht sogar so weit, dass in Gegenden der USA die bekanntermassen von deutschen Touris überschwemmt werden ebenfalls hauptsächlich die 501 angeboten wird, obwohl das eigentlich gar nicht so sehr dem amerikanischen Geschmack entspricht.
Über Preise braucht man wohl gar nicht erst sprechen, denn bekanntermassen sind Markenartikel in Deutschland um ein vielfaches teurer als in den USA. Zur eingeschränkten bzw. andersgearteten Auswahl kommen also noch die Horrorpreise.
Die besten Möglichkeiten für US-clothing die ich hier empfehlen kann sind die folgenden:
Foot Locker
Diese Läden sind genauso wie man sie aus amerikanischen Malls kennt. Klein, übersichtlich und gut sortiert. Wenn man original-US-Artikel sucht ist man hier am besten bedient.
Karstadt-Sport
In vielen deutschen Grosstädten gibt es diese Spezialkaufhäuser, die Markenshops u.a. von NIKE haben. Auch nicht so schlecht, wenn man sich ein wenig umsieht.
Ansonsten gibt es noch eine Möglichkeit, direkt aus den USA zu bestellen, den NFL-Shop online. Am besten benutzt man dazu eine Kreditkarte, und ansonsten ist noch zu beachten dass die internationalen Versandgebühren 30$ betragen, und dass Aasgeier Staat dann noch kräftig Zoll in Höhe von 20% einfordert. Trotzdem eine sehr gute Alternative zu glücklosen shopping sprees in engen deutschen Innenstädten.
Shopping allgemein (erlebnismässig)
Was einem aus den USA natürlich sofort bitter fehlt in Deutschland sind die zahlreichen wunderschönen Malls die eine einzigartige Faszination ausüben. Man geht dort nicht notwendigerweise nur hin wenn man etwas kaufen möchte, sondern auch einfach nur um seine Freizeit zu verbringen, zu schauen was die "girls" so treiben, und um sich von der Produktvielfalt begeistern zu lassen. Malls sind in Amerika seit langem nicht nur reine Einkaufsgelegenheiten, sondern auch Treffpunkt der local residents und insbesondere der Jugendlichen.
Was also tun wenn man nun wieder in Deutschland hockt, wo es statt Malls hauptsächlich total verengte autofahrer-schikanierende verdreckte Innenstädte gibt, wo man, falls man das Glück hat einen Parkplatz gefunden zu haben, sich in 10 Zügen hinein- und wieder herausquälen muss, und statt Entschädigungszahlungen dafür zu erhalten auch noch kräftig zur Kasse (nein, nur zum unpersönlichen Kassenautomaten) gebeten wird? Es macht keinen Spass dort "rumzuhängen", man geht nur hin um dringende Dinge zu erledigen und schaut dass man so schnell wie möglich wieder verschwindet um nicht von Pennern angepöbelt zu werden und nicht dank den Parkgebühren den Bankrott anmelden zu müssen!
Ich kenne in Deutschland 3 recht gute Beispiele, die den stilvollen Malls in Amerika wirklich äusserst nahe kommen. Dazu gehören die "Arkaden am Potsdamer Platz" in Berlin, das "Centro" in Oberhausen, und das vor kurzen modernisierte "Breuningerland" in Sindelfingen/Stuttgart. Hier ist wirklich zu erkennen dass sich die Verantwortlichen am amerikanischen Ideal orientieren wollten und so allen deutschen Bürokratievorgaben und Platzbeschränkungen zum Trotz versucht haben, richtige Malls hinzustellen. Supermärkte (die eigentlich grundsätzlich nie in echte Malls gehören) konnte man leider nicht entbehren, hat aber bestmögliches getan, damit sie keiner findet der sie nicht will: sie wurden in den Keller verbannt und mit einem kleinen unscheinbaren Eingang versehen! Das Breuningerland in Sindelfingen bietet sogar eine richtig stilvolle Frontpartie mit einem typischen (kostenlosen!!!) Mallparkplatz und dem grossen Haupteingang. In der Umgebung erwartet man schon fast selbverständlicherweise Restaurants wie "TGI Friday's" oder "Chili's", und stilvolle Discount Stores wie "Best Buy", die man aber natürlich vergeblich sucht. Trotzdem ermöglichen es diese 3 Mallversuche in Deutschland (von denen es ja auch viel viel schrecklichere Ausgaben hier gibt), das amerikanische Feeling aufkommen zu lassen, so dass man sich nicht in die unamerikanischen Innenstädte quälen muss.
Auf das Angebot der Geschäfte sollte man freilich nicht so genau schauen - ich habe diese Beispiele ja auch hauptsächlich für die "other-than-buying"-Aspekte der Malls angeführt. Dass man darin kein durch und durch amerikanisches Angebot erwarten kann ist klar. Aber wenigstens hat es den Anschein...
US-Cars
Auch ein sehr wichtiges (leider auch schwieriges) Thema für USA-Fans. Siehe hierzu die Unterseite Amerikanische Autos, wo ich die Lage auf dem deutschen Markt ausführlich erläutert habe.