Gwaith-il-Edhil

Ein Schatten löst sich aus der Dunkelheit des Waldrands. Er bewegt sich langsam und lautlos auf Euch zu. Im tauglitzernden Gras spiegelt sich das Licht des Vollmonds. Der Schatten verharrt. Etwa fünf Meter von Euch entfernt. Im Schatten der Kapuze ein glänzender kleiner Lichtpunkt, der Euch abschätzend zu fixieren scheint. Ihr fühlt unsichtbare Blicke über Euch streifen. Langsam macht sich eine gewisse Nervosität bei Euch breit. Der kleine Finger Eurer linken Hand zuckt leicht. Hastig ballt Ihr die Hand zur Faust und versucht Atmung und Muskeln unter Kontrolle zu bringen.  Ihr atmet gerade tief ein, als Ihr plötzlich eine winzige Bewegung unter der Kapuze wahrnehmt. Ein Arm löst sich schemenhaft aus der Silhouette und schiebt die Kapuze des Umhangs in den Nacken.

...Suilaid.

Eine dunkle, wohlklingende Stimme. Nicht feindlich.. eher... amüsiert. Schamesröte schießt Euch ins Gesicht. Nervös wischt Ihr Euch ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Nickt den Gruß unter Murmeln zurück. Ihr fühlt Euch unangenehm beobachtet und zudem in Eurer Nervosität ertappt. Ihr beginnt Euch fast schon zu ärgern.

...Warum beobachtet Ihr mich?! fahrt Ihr den Fremden an.

...Ich nehme mir Zeit dafür.

Sein Tonfall hat sich kaum verändert. Höflich. Leise. Immer noch mit einem leicht amüsierten Anklang. Eigentlich ein angenehmer und sympathischer Ton. Doch gerade das verärgert Euch noch mehr. Zu gut-deutsch - Ihr fühlt Euch glatt verarscht. Mit blitzenden Augen mustert Ihr den Fremden.

Ein langer Umhang mit weiter Kapuze befestigt nur mit zwei einfachen silbernen Spangen liegt locker und schmeichelnd auf seinen Schultern auf und fließt förmlich in samtigem dunkelfarbenen Nachtblau bis zum Boden herab. Von gleicher Farbe seine weitere Kleidung, schlicht und zweckmäßig aus Leinen und Wildleder gefertigt.

Abwartend verschränkt der Fremde die Arme.

Ihr kneift die Augen zusammen und setzt die Musterung verbissen und schweigend fort. Quer über seine Brust knüpft sich ein Waffengurt an dem sechs kurze Dolchgriffe schimmern. Wurfdolche. Ihr versucht Euch nichts anmerken zu lassen. Erstaunen überkommt Euch allerdings, als Ihr seine meisterhaft gefertigten Armschienen erblickt. Sie scheinen geradezu mit dem Mondschein zu wetteifern, wer ein schöneres Bild abgäbe. Das muss Mithril sein! Geschmückt - als ob der Glanz nicht ausreichen würde!- mit kunstvoll eingelassenen Lapislazuli, einigen geschwungenen Gravuren und seltsamen fremdartigen Zierelementen. Schwarze Schatten auf den Handrücken. Als Ihr Euren Blick verschärft erkennt ihr die Tätowierungen. Die Kobra Seths. Unwillkürlich schluckt Ihr leicht und huscht mit Eurem Blick hoch in sein Gesicht. Der Blick, der Euch erwidert wird, ist beinahe sanft... wenn auch der Schalk kurz aufzublitzen scheint... ein merkwürdig leuchtender Blick von hellgrau durchscheinender Farbe - doch das Gesicht des Fremden wirkt seltsam verzerrt. Über das rechte Auge verläuft ein einfaches blaues Tuch. Eine Augenbinde. Ihr runzelt die Stirn. Der Fremde scheint also nur ein Auge zu haben. Und Ihr erinnert Euch....

*...Im Schatten der Kapuze ein glänzender kleiner Lichtpunkt, der Euch abschätzend zu fixieren scheint...*

Sein schlohweißes von silbergrauen Strähnen durchzogenes Haar, seitlich nachlässig und dennoch irgendwie kunstvoll zu einem Knoten gefasst, fällt in feinen Strähnen etwa bis in Brusthöhe noch über die rechte Schulter herab.

...Nein ich bin kein Mensch... und nein Ich habe gerade nicht vor, Euch anzugreifen oder dergleichen.

Etwas heiser aber sympathisch ertönt sein leises Lachen. Sprachlos starrt Ihr ihn an. Und klappt dann erst einmal den Mund wieder zu. Auf seinen Wink hin erkennt Ihr nun auch die zarten Spitzen an seinen Ohren. Aha, denkt Ihr Euch. Alles klar. Elbenvolk. Seltsamerweise könnt Ihr aber nicht ausmachen zu welchem der vielen Elbenvölker Euer Gegenüber gehören mag. Soweit Ihr Euch eben auskennt, besitzt er kein wirklich auffälliges der typischen Merkmale.

...Nun?

Ein amüsiertes Schmunzeln seinerseits.

Ach!

Ihr winkt harsch und abweisend ab.

– Beobachtet doch weiter! Aber sucht Euch dazu gefälligst einen Anderen aus!

Schleunigst und ohne weiteres Wort macht Ihr euch aus dem Staub. Nur weg von diesem komischen Spitzohr! ...Mal abgesehen, dass man sowieso nie wissen kann, was die im Schilde führen...! Ihr ertappt euch selbst beim Murmeln. Gehetzt dreht Ihr euch um.

Der Elb steht immer noch an der gleichen Stelle. Regungslos. Er sieht Euch nach - Ihr könnt die Blicke auf Euren Wangen brennen spüren. Und plötzlich überkommt Euch ein seltsames Gefühl. Irgendwie fühlt Ihr Euch auf einmal... schuldig. Nur langsam vermögt Ihr Euren Blick von seiner statuengleichen, schemenhaften Erscheinung loszureißen, und mit seltsamen, neuen, äußerst verwirrenden Empfindungen setzt Ihr, sehr nachdenklich geworden, Euren Weg fort.........

 



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