Wieder ein Wolpertinger gefunden

Versuch einer biografischen Lebensgeschichte

Von Zeit zu Zeit besuche ich hier in Frankfurt den «Flohmarktbunker», einen alten Luftschutzbunker aus dem letzten Krieg, drüben in Sachsenhausen in der Schifferstraße. Da drinnen findet man über mehrere Stockwerke verteilt allen möglichen Trödelkram aus uralter, alter und neuerer Zeit. Also wirklich, was es da alles zu sehen gibt, findet man auf der ganzen Welt nicht mehr auf einem Haufen zusammen. Vom abgewetzten Uralt-Teddybär bis zum elektrischen Salzhering, von der Zuckerdose mit Alarmanlage bis zum Flohkratzer von König Ludwig dem Heizbaren, vom elastischen Schaumgummispazierstock bis hin zu dem goldenen Schuh von Aschenputtel ist alles in kunterbuntem Durcheinander vertreten. Da kann man einen ganzen Tag lang herumwühlen und schauen und staunen und wird trotzdem nicht fertig alles aufzuspüren, sondern fällt von einer Überraschung, von einem Entzücken geradewegs in das nächste hinein.

Das ist schon recht interessant, das könnt Ihr mir glauben - sonst ginge ich ja erst gar nicht da hin. Letzte Woche war ich wieder einmal dort, um zu stöbern, denn wenn man auch hundertmal dort gewesen wäre, man findet unter Garantie bei jedem Besuch wieder etwas neues, unbekanntes, einmaliges - kurz - jedermann kommt immer wieder auf seine Kosten. Apropos - kosten tut es natürlich auch etwas, wenn man von den Schätzen etwas mit nach hause nehmen möchte. Und billig sind die Brüder auch nicht grad, wenn man bedenkt, daß ich für ein vielleicht acht Zentimeter langes einzelnes Rehhörnderl, das jetzt den Wolpertinger Monocerus ziert, immerhin acht Mark habe bezahlen müssen, obwohl außer mir Deppen wahrscheinlich kein anderer geistig gesunder Mensch sowas gekauft hätte. Höchsten ein hundertjähriger Chinese, der das Horn zu Pulver zerreibt und es gegen Rheuma auf seine große Zehe schmiert - oder sonst ein Wahnsinniger. Da macht man sich natürlich hinterher schon Gedanken, ob man selber vielleicht auch eine Schraube locker hat im Hirnkastel.

Nun ja, wenn ich heftig den Kopf schüttele, scheppert es drinnen nicht und das könnte mich wieder beruhigen. Allerdings hab ich's in letzter Zeit recht arg im Kreuz, aber das kommt natürlich von dem kräftezerfetzenden Rentneralltag, der in der breiten Öffentlichkeit leider viel zu wenig gewürdigt wird. Ich will aber nicht von mir reden, denn das ist ganz und gar unwichtig, sondern von der Entdeckung galaktischen Ausmaßes, die ich bei meinem letzten Besuch zu machen das Glück hatte! Und was wohl habe ich entdeckt, ich der wohl eifrigste Wolpertingerforscher der neueren Neuzeit: Der Spürhund aller Spürhunde unter den Wissenschaftlern dieser Spezies? Einen bisher unbekannten, längst verschollen geglaubten, echt bairischen, königlichen Gebirgswolpertinger (Wolpertingus alpinum bavariæ royalis).

 [Anmerkung des Lektors: Der Verfasser erlaubte sich bei dem von ihm erwähnten lateinischen Namen einen Lapsus. Er bezeichnete die entdeckte Spezies als Wolpertinga alpinum bavariæ royal. Wie der intime Kenner der Wolpertingerogie aber weiß, sind Wolpertinger grundsätzlich maskulin, was allein durch die häufigen Nachstellungen durch das weibliche Geschlecht mehr als bewiesen ist. Die lateinische Endung muß daher auf "-us" lauten. Zweitens klingt "royalis" noch akademischer als "royal". Diese Verkürzung ist bestenfalls bei gewissen Getränken der verblödeten Münchener Schickeria angebracht.]

Jedenfalls fand ich den überaus prächtigen Wolpertinger in einem kaum beachteten versteckten Winkel der Räumlichkeiten, wo er verlassen und unbeachtet sein ärmliches Dasein fristete. Mir stockte der Atem, mein Herz schlug höher und ich hätte einen Juchuzer herausgeschrien, wenn ich nur des Jodelns mächtig gewesen wäre. Wie konnte es kommen, daß diese einmalige, epochale Köstlichkeit nicht längst die verdiente Aufmerksamkeit eines anderen Besuchers auf sich gezogen hatte? Der Grund ist die einfältige, arrogante Überheblichkeit jener Völker nördlich der Mainlinie, welche diese Barbaren der längst nachgewiesenen Existenz des Wolpertingers, ja des gesamten Wolpertingertums sich erdreisten entgegen zu setzen. Herrgott nochmal, so geht das wirklich nicht!

Nun, ich erkannte sofort welchen Schatz ich hier gehoben hatte und eilte mit meiner Beute frohen Mutes zum Ausgang, wo die Kasse war. Schon unterwegs hatte ich eilig alle Hosentaschen und Jackentaschen nach außen gestülpt, damit offenkundig würde, daß ich keine versteckten Barschaften besitze und eindeutig der ärmsten Bevölkerungsschicht zugeordnet werden muß. So gelang es mir bei den langwierigen Preisverhandlungen immerhin einen gehörigen Rabatt herauszuhandeln, denn de Betreiber des Flohmarktes hielten meinen Wolpertinger bestenfalls für den mißglückten Versuch der Herstellung eines geflügelten Teddybären und waren irgendwie froh für das vermeintlich wertlose Ding einen kleine Gewinn noch zu erwirtschaften. Nur für die Schnapsflasche, welche der Wolpi in seinem Körbchen hatte, mußte ich ein Draufgeld von drei Mark hinlegen, denn der Schnaps schien ihnen an dem Ganzen noch das Wertvollste zu sein. Jetzt hängt der Wolpertinger bei mir zu Hause an der Wand, beziehungsweise, er sitzt auf einem bequemen Schlafast, den ich an der Wand befestigt habe.

An dem unverkennbaren Feuer seiner smaragdgrünen Augen erkenne ich, daß es sich nicht um eine Mumie eines verstorbenen Exemplares handelt. Nein - dieser Wolpertinger befindet sich ganz offen-kundig in der dieser Gattung eigenen sogenannten Verweigerungsstarre, welche angenom-men wird, wenn sich das edle Geschöpf unbeachtet und schlecht behandelt fühlt oder wenn ihm der notwendige Haustrunk einer frischen Maß Bier - am besten mit zwei Paar Weiß-würsten und einer Laugenbrezen - verweigert wird. Daran jedenfalls soll es ihm bei mir nicht fehlen, in der Beziehung bin ich selber ein Wolpertinger, jedenfalls mehr als der Präsident Kennedy, der behauptet hat "Ich bien ein Börliener", wozu immer das gut sein mag. Wenn man schon das Glück hat, daß einem so ein seltener Gast ins Haus schneit, dann möchte man auch gerne wissen, wie er heißt, woher er kommt und welchen Lebensweg er durch schritten hat. Das ist ja gar nicht so einfach, denn Wolpertinger werden im allgemeinen mehrere hundert Jahre alt, sodaß Spuren und Hintergründe oft, man kann sagen meistens, nur unter großen Mühen aufzudecken sind.

 Um dazu erste Anhaltspunkte zu finden, untersuchte ich den putzigen Kerl erst einmal aufs genaueste. So fand ich denn auch bald unter dem Nagel seiner rechten mittleren Zehe eine Tätowierung mit einigen aufschlußreichen Hinweisen. Diese winzige Markierung ist mit bloßem Auge natürlich nicht zu erkennen. Dazu bedarf es einer Vergrößerung um das zwanzigtausenfache, welche ich dadurch erzielte, daß ich die genannte Stelle durch den Boden eines Marmeladenglases betrachtete, wobei das Gefäß beziehungsweise der Gefäßboden mit einer reichlichen Portion Obstler bedeckt sein muß, der anschließend ausgetrunken werden darf. Die Schrift kommt allerdings nicht bei erstem Hinsehen zur Erscheinung, sondern man muß das Glas wenigstens zwölfmal leer trinken, ehe der erforderliche Vergrößerungsfaktor erzielt wird. Jedenfalls fanden sich folgende Angaben:

Seine Exzellenz königlich bayerischer Kammerherr, Seiner Majestät König Ludwig II, Florian Korbinian von Zanglmeier, zu Schloß Pähl. Leibwolpertinger Seiner königlichen Majestät und wissenschaftlicher Beauftragter für den Hopfenanbau.

Damit konnte man schon etwas anfangen. Nun galt es die bayerischen Staatsarchive durchzuforsten, Gemeindechroniken zu studieren und insbesondere in der Umgebung der zahlreichen königlichen Schlösser bei den Nachkommen der seinerzeitigen Bediensteten herumzuhören. Schließlich mußte eine so auffällige Erscheinung wie der königliche Leibwolpertinger in der Überlieferung des Volkes seine Spuren hinterlassen haben. Danach folgte eine mehrmonatige Expedition in die einschlägigen Gegenden, einschließlich der Hollerdau bei den Hopfenbauern von wo ich erst seit wenigen Tagen zurückgekehrt bin. Aber es hat sich gelohnt! Wie ich zu Recht vermutet habe, konnte ich mit einem ganzen Sack voll unglaublicher Details an meinen Schreibtisch zurückkehren und nun die Geschichte erstmals in groben Zügen skizzieren.

Es ist sicher jedermann geläufig, daß es bei der Geschichtsschreibung nicht so sehr auf Tatsachen ankommt als vielmehr auf Einzelheiten. Und davon habe ich nun einen ganzen Sack voll. Meine Nachforschungen habe ich in Pähl begonnen, wo der Wolpertinger seinen ständigen Wohnsitz gehabt haben soll. Zufällig habe ich auch gleich den Burger Willi getroffen, den ich schon seit mehr als fünfzig Jahren kenne. Er war seinerzeit Bäckergeselle und hat mich in den Kriegszeiten immer mit Brotmarken und Kuchenmarken versorgt. Ohne die hat man in keinem Kaffeehaus etwas zu knabbern bekommen, höchstens ein Dünnbier von abscheulicher Qualität, Aber der Willi hat auch nichts rechtes gewußt von einem Wolpertinger, und so haben wir recht erfolglos die ganze Nacht durchgesoffen bis früh um vier, und ich habe eine Zeche bezahlen müssen von 68 Mark 40 Pfennig und außerdem den Willi auf dem Buckel heimtragen, weil er nicht mehr stehen konnte. Er hat mir aber doch noch einen brauchbaren Tip gegeben, daß ich die von Krempelhuber Musch fragen soll, denn diese Adeligen wissen über ihresgleichen doch besser Bescheid als unsereins.

Die Musch konnte sich an mich nicht mehr erinnern, weil sie ja auch nicht zu meinem damaligen Freundeskreis gehört hat, und sie selber hat sich auch recht arg verändert in den Jahrzehnten. Ihr Kopf hat ausgesehen wie ein hundertjähriger Lederapfel, und ich habe mir gleich gedacht, daß jemand mit so einem markanten Kopf für historische Auskünfte geeignet ist, wie kein zweiter. Als ich sie nach dem Wolpertinger gefragt habe, hat sie zuerst geglaubt ich frage sie nach ihrem Vater, denn der muß so ähnlich ausgesehen haben. Immerhin wußte sie, daß Ende der siebziger Jahre im vorigen Jahrhundert in einem Turm von Schloß Pähl (im runden Turm!) tatsächlich ein Herr von Zangelmeier gelebt hat, der aber selten zu hause gewesen ist und sich meistens bei Hofe oder im "Goldenen Hirschen" in Weilheim aufgehalten hat. Und daß er fuchsrote Haare gehabt haben soll. Das wußte sie noch. Ihr verstorbener Vater habe in den frühen dreißiger Jahren versucht den Herrn von Zanglmeier in die Partei aufzunehmen, was der aber nur gemacht hätte, gegen das urkundlich verbriefte Recht auf lebenslängliches Freibier. Dazu hatte die Partei aber kein Geld weil alles für die Rüstung draufgegangen ist. Hier darf man getrost einflechten, daß der Ausschank von Freibier wesentlich vernünftiger gewesen wäre! Nachdem ich so erfahren habe, daß der ominöse Herr von Zanglmeier fuchsrot gewesen ist, war mir klar, daß es sich nur um den Wolpertinger gehandelt haben kann, mithin jede Verwechslung ausgeschlossen werden muß. Ich verabschiedete mich von der Musch von Krempelhuber unter leidvoller und völlig unfreiwilliger Hinterlassung von drei Flaschen Jägermeister (eine halb leer) und einem Karton Forstgehilfen (das sind die kleinen Portionsflaschen), um meine Nachforschungen im Anbaugebiet des Hopfens fortzusetzen. Ich beschloß im Zentrum des Gebiets, also um Wolnzach herum, mit meinen Ermittlungen einzusetzen, denn dort habe ich als Erntehelfer 1940 selber hopfenzupfen müssen, und so ist mir das Metier ebenso vertraut, wie die Gegend selbst. Ein Schulkamerad von mir, der Bauer Max, hat dort sogar seine Braut und jetzige Frau gefunden und ich meine Erholung, so daß jeder von uns etwas hat, woran er denken kann. Ich darf auch berichten, daß ich es bei der Zupferei immerhin auf elf Metzen (große Körbe) täglich gebracht habe; das macht fünf Mark fünfzig und war damals für mich ein gewaltiger Batzen Geld. Die alten Hopfenbauern können sich noch recht gut an den königlichen Hopfenanbau-Beauftragten erinnern, denn er hatte das Privilegium bei sämtlichen Starkbierfesten das erste Faß anzuzapfen und war nicht verpflichtet den Zapfhahn zu verlassen, solange er wenigstens noch mit einem Bein stehen konnte. Ansonsten hat er den Bauern nicht in ihr Geschäft hineingeredet, denn da ist es in den besten Händen und man kann seine Funktion mehr im repräsentativen Rahmen sehen, wie etwa die Bedeutung des heutigen Bundes-präsidenten, obgleich man befürchten muß, daß dessen Kenntnisse im Hopfenanbau ebenso beklagenswert sein mögen, wie seine Fähigkeiten ein Hektoliterfaß kunstgerecht anzustechen. Jedenfalls wird auch heute noch mit Respekt und traditioneller Anhänglichkeit vom Hopfen-anbaubeauftragten gesprochen und auch über seine historischen Bemühungen zur Friedenssicherung und Umweltschutz, denn er, der Urgroßvater unseres Wolpertingers hat bereits im Jahre 1728 das gesamte Anbaugebiet, einschließlich der Hausgärten der Bauern, zur atomwaffenfreien Zone erklärt und so für einen ganz wesentlichen Beitrag für das friedliche Fortbestehen bairischen Brauchtums gesorgt. Erwiesenermaßen ist auch kein einziger Fall bekannt, daß dieses Gebiet seither durch atomare Waffen geschädigt worden wäre. Die abschreckende Wirkung der allerortens aufgestellten Hinweisschilder ist somit dokumentiert. Nachdem ich mit großer Befriedigung zur Kenntnis nehmen konnte, daß der von mir entdeckte Wolpertinger kein Allerweltswolpertinger ist wie sie zu Dutzenden in den Wirtsstuben hängen, sondern eine Persönlichkeit von epochaler Bedeutung, beendete ich meine Sondierungen im Hpfengebiet um nun rund um die Königsschlösser weiteren Spuren nachzugehen. Als nächstes Reiseziel habe ich mir daher einen Besuch in Neuschwanstein auserkoren. Neuschwanstein ist wohl das märchenhafteste Schloß, welches der heute noch allseits geliebte Bayernkönig Ludwig II errichten ließ. Die alten Leute in der Umgebung dort haben aber auch nichts gewußt. Wenn ich nach dem Wolpertinger gefragt hab, denn haben sie mir höchstens angeblich echte Wolpertingereier und auch Gemseneier zum Kauf angeboten, weil sie dachten ich sei ein Tourist, dem man so einen Schmarrn teuer andrehen kann. Nur einer hat geantwortet: " Wos moansd, da Kini? Ob dea 'n Woipadinga ghobd hod? ha?! So vui i woaß war'n bei dem lauter Woipadinga in seine lezdn Joar, lauta saubläde Woipadinga - vaschdehsd?" Dann ging er weg und hat mich nicht weiter beachtet. Nicht viel besser ist es mir auf Schloß Linderhof ergangen, in Nymphenburg, Schloß Schleißheim und Schloß Berg am Starnberger See. Auch Hohenschwangau war nicht ergiebiger. Die Landbevölkerung hält eben auch heute noch zu ihrem Kini und läßt nichts auf ihn kommen. Und wenn es ginge, täten sie den Monarchen sofort und gleich wieder in seine angestammten Rechte einsetzen. Das geht natürlich nicht, weil er ja dank der sach-kundigen Bemühungen einiger Psychiater und Neurologen deren Fürsorge nicht überlebt hat, wie man weiß. Ersatzweise könnte man allerdings in Erwägung ziehen, ob an Stelle des nun auch nicht mehr verfügbaren Franz Josef Strauß vielleicht doch noch der Stoiber oder der Wieshuber in Frage käme - unter Umständen auch der Gauweiler. Allerdings, wie machen sich diese Köpf auf dem Grunde eines Maßkrugbodens, wo nach altem Brauch die geliebten Herrscher abgebildet werden, daß man bei jedem Austrinken das verehrte Antlitz bewundern kann. Da denke ich als Alternativvorschlag doch eher an den Krutzenbichler Max aus Rosenheim, wenn nämlich dem sein Kopf unter dem Bier auftaucht, läßt jeder sofort freiwillig nachschenken, und das wäre ein Gewinn für das bayerische Brauereigewerbe. Einen letzten Versuch habe ich dann noch auf Schloß Herrenchiemsee unternommen, wo allein schon die gemütliche Fahrt mit dem Bimmelbähnchen nach Stock und der anschließende Weg mit dem Raddampfer zur Herreninsel sein Geld wert ist. Da war so ein alter Wurzelsepp, der die Leut mit seinem Pferdefuhrwerk zum Schloß fährt, daß ihnen die Haxen nicht müd werden und sie keine Wasserblasen kriegen an die Füaß. Der war sehr gesprächig, weil ihm das Warten auch recht langweilig war, und so hat er mir erzählt, daß der König selbstverständlich einen Wolpertinger zu seiner persönlichen Bedienung gehalten hat. Die zwei wären auch ganz gut miteinander ausgekommen, wenn nicht dieses blöde Wasser gewesen wär. Wieso hab ich gefragt? Was hat ein Wolpertinger mit dem Wasser zu tun? "Ja woasd", meinte er,"der Woipadinga hod's Wasser ned so meg'n. Akrat so wia i soiba! So wia i dös siag, braachd ma s'Wossa Erschdens: Daß ma a guads Bier davo machd. Zwoatens: Fürs Vieh zum Dringa. Drittens: Für d'Landwirdschafd auf's Foid. Viertens: Damid ma wos zum Wegschüttn hod. "Sunsd", so meinte er, "foid ma dazua nix ei!" Und der Wolpertinger, so erzählte er, hat den Kini allwei gewarnt, daß er nicht so leichtsinnig ist mit dem Wasser. Aber der hat da schon gleich nicht drauf hören wollen, und sogar gebadet hat der im Wasser - gelegentlich - "Dös ko nia guad geh!" Ja, und wie man weiß, ist der König dann auch prompt ertrunken, bei Schloß Berg - und das hätt nicht sein müssen, wenn es nach dem Wolpertinger gegangen wäre. Danach ist er auf seinem Kutschbock eingeschlafen und seine zwei Pferde gleich mit, wie ich beim Weggehen noch feststellen konnte. Das also ist mein Versuch einer Biographie, und ich kann wirklich nichts dafür, daß nicht mehr zu erfahren gewesen ist. Immerhin ist es noch besser als die Biographie einer Germanistikstudentin aus Frankfurt mit abgeschlossener Gesamtschulbildung, welche als Klausurarbeit eine Autobiographie schreiben sollte. Abgeliefert hat sie - wohl auf grund eines Mißverständnisses in der Aufgabenstellung - eine 36 Seiten starke Abhandlung über ihren Opel Kadett mit besonders ausführlicher Schilderung über Gründe und Ursachen der Farbauswahl. Dessen ungeachtet wurde sie vom Dekan der Universität als wissen-schaftliche Assistentin verpflichtet und ist heute eifrig bemüht jüngeren Studenten das Fachgebiet zu erschließen. So gesehen bin ich dann doch noch einigermaßen zufrieden, schon weil Besseres von mir ohnehin nicht zu erwarten ist. Im Übrigen ist die Geschichte selbstverständlich wahr. Wer's glaubt wird selig, wer's nicht glaubt, ist selber schuld!

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