Erbsenlied
Als mich die Liebe einst bedrängte
sang sie mir ein Liebeslied
Worauf sich mir mein Herz verengte
und ich einen Krampf erlitt
Alles Blut stieg mir zu Kopfe
aus des Herzens Kämmerlein
Eine Erbse, die wild klopfte
blieb von meinem Herz allein
Heiß wurd mir in meinem Poller
Gedanken wurden weggespült
und es wurde immer doller
Nur mein Blut hab ich gefühlt
Nachdem das Lied verklungen
saß ich ganz stille da
Vom Liebesrausch noch trunken
Der Fülle ganz gewahr
Wird Leid mich einst bedrängen
und große Bitterkeit
sing ich in meinen Zwängen
dies Lied, das mich befreit
Dann wird die Erbse knattern
Pumpt meinen Kopf voll Blut
Gedanken hören auf zu schnattern
ertrunken in der Flut
Die Liebe sitzt im Herze´
In einem kleinen Spalt
nicht größer als ´ne Erbse
singt sie mit frohem Schall
kohle 2003
Mitleid
Duft steigt auf
aus Deiner Mitte
zu des Menschen schweren Herz
Du rufst hinauf
ach, Menschlein bitte
weine nicht um Deinen Schmerz
Tränen rollen
aus traurigem Aug´
in Dein Herz das für ihn glüht
Aufsteigen Wolken
aus Rosentau
der mit den Schmerz vorüberzieht
Kohle
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Bahnfahrt
im Intercity nach Bremen
sitzen Menschen mit Problemen
Wie werden die Geschäfte laufen?
ich möchte meine Frau verkaufen.
Dann kauf ich für hundert Mark
Liebe im Vergnügungspark
Im Tunnel in den Alpen
legt sich die Stirn in Falten
wer kann mir tausend Euro borgen?
als Pfand erhälst Du meine Sorgen
Wer füllt meine leeren Hände
bis zum nächsten Monatsende?
Unter der Loreley
wird ein Sitzplatz frei
Wann hat alles bloß ein Ende
Wieviel Jahre noch zur Rente?
Vom Stehen tut mein Rücken weh
ob ich bald an Krücken geh?
Der Zug verlässt den Niederrhein
mir schlafen schon die Glieder ein
Fremd bleiben mir die Gesichter
nur die Zeit rückt immer dichter
Gegen den Zeiger kreisen die Räder
Mit der Zeit tanzt hier ein jeder
In Bremen endet die Runde
pünktlich auf die Sekunde
Mit der Fahrt wurde Zeit gewonnen
Gedanken wurden ausgesponnen
Eine Fahrt voller Gerechtigkeit
jeder gewann die gleiche Zeit
Kohle
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Kleine Sonne
Alle Himmel weinen
nur eine kleine Sonne lacht
Im Mai vereinen
sie sich zur Blütenpracht
Kohle
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kleiner Tröster
Wer Trost in vollen Flaschen sucht
der findet ihn im Taschentuch
Im Flaschengeist zerfallen Sorgen
Dein Kopf zerplatzt am nächsten morgen
Wenn in den Augen Tränen pullern
dann lass sie in das Tuch reinkullern
Tränen die ein Tuch benetzen
können keine Leber zersetzen
Kohle
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Liebe
kein Wort erzählt
wie Liebe quält
ein Wort vergisst
dass Liebe IST
sie holt zurück
zum wahren Glück
aus Trug und Schein
ertrag die Pein
In Erdenliebe
brennen Triebe
unersättlich
ungöttlich
Lebe
diese Liebe aus
diese Imitation
von Gottes Thron
bis sie verdorrt
am geheilten Ort
zu einem Funken vereinigt
der das Unheilige reinigt
kohle
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Salz der Augen
Erinnerungen an das Salz meiner Tränen:
Tränen, Quell meines Innern
brecht den verhärteten Fels aus meinen erstarrten Fingern
unterspült meine trügerischen Fundamente
Traurigkeit, Trübsal meiner Armut
In Deinen verregneten Pfützen spiegeln sich graue Wolken
Doch Deine Seufzer tränken die Keime der Morgenröte
Wortlosigkeit, Sprache der Wahrheit
Strahlen meiner Mitte versiegeln die Unstetigkeit meiner Lippen
Glück, Hoffnung, Mitleid
Nehmt meinen Wahn mit Euch. Doch Eure Krallen graben sich tief in mein Blut. Bis der rote Schleier zerreisst
Tränen,
tragt mich auf Euren Bächen weg von dem Joch dieses Landes. Taucht mich ein in Euer Meer von Perlen.
Tränen lösen auf
fügen neu,
schleifen Stein
kühlen mein Herz
Kohle
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Urwerk
Wenn meine Uhr fällt
stirbt ein Werk
Wenn ein Urteil fällt
stirbt mein Herz
Die Unruhe
lenkt das Werk
Die Zunge
lenkt den Menschen
Kohle
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Wasserhahn
Geh zum Wasserhahn
Stell das Wasser an
Lass die Hähne drehn
Dann wirst Du Wasser sehn
Nach einem kurzen Ruck
kommt der erste Wasserschluck
Freudentränen schießen hervor
aus dem engen Wasserrohr
Perlen springen aus dem Wasser
Deine Füße werden nasser
Wasser, nasses Element
Du wirst nass bis auf´s Hemd
Wasser verwandelt Dich sogleich
mit seinem Mantel feucht und weich
Frischer Tau in Deinen Taschen
Kohlenstaub wird ausgewaschen
Und aus einer Pore schreit
Deine verlorene Seele befreit:
"Wasser steig zum Herzen auf
Und trag es zu den Quellen rauf"
Doch aus der Spass
vom feuchten Nass!
Jemand in der Unterwelt
hat den Schieber abgestellt
Er will kein Wasser mehr verkaufen
Du musst das Nass vom Himmel saufen
Eine Wolke bricht und Regen platzt
in Dein Gesicht, klitsch klatsch
Feucht stehst Du im Wassergrab
Es wäscht Dir allen Kummer ab
Es reinigt nicht nur Bein und Kleid
In ihm verliert sich Pein und Leid
Wasser wurde Dir gegeben
Es nimmt den Druck aus Deinem Leben
Schau nur die Oberfläche an
wie entspannt sie lächeln kann
Zum Ende noch ein Seelentrost:
Vergiss den Wahn
Dreh am Hahn
und sag Prost !
Kohle
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Zaubertrank
Meisterin des Zaubertranks
für Deinen Zauber sei gedankt
Du hast mir meinen Durst gestillt
der nach lebendem Wasser brüllt
Dein Trunk die Kehle runterrinnt
Er kühlt mir meinen dunklen Sinn
Deine Tropfen sie erfrischen
meine Glut, die Funken zischen
Wie Balsam wäscht Dein feuchter Kuss
aus meiner Seele den Verdruss
Wie Perlen Deine Tropfen klingen
die mein Blut zum Schweigen bringen
Lass mich den Kelch der Fülle loben
den Du an meinen Mund gehoben
In der Menschen Seelenweiten
soll sich dieser See ausbreiten
Kohle
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Zeit
He,
Du liebst die Echtzeit?
Nee,
da wird mir schlecht bei
was
hälst Du von Esszeit
das
ist doch völlig stressfrei
arm
wirst Du in der Endzeit
da
nur das letzte Hemd bleibt
Danach
hast Du dann ewig Zeit
Von da an
bis in Ewigkeit
Zeit ist rund
wie eine Uhr
Vergangene Stund
Wo bleibst Du nur?
Bleibt die Sanduhr
einmal stehen
brauchst Du sie nur
umzudrehen
Und die Zeit fängt
wieder an
wo sie unlängst
schon begann
Zeit ist kein
Problem von Zeit
wenn Du in ein
Eis reinbeißt
Mit der Eiszeit
auf der Zunge
schmilzt die Zeit
Junge, Junge
Kohle
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Zeittakt (Text)
Unbedachtes Reden und Urteilen ist taktlos wie eine defekte Uhr und führt auch im Herzen zur Unruhe, zum Gerädertsein.
Uhrwerk ist Bewegung, Rastlosigkeit bis zur letzten Stunde. Der Antrieb ist nicht die innere Mechanik. Es ist die potentielle Energie in der Spiralfeder. Ein Mensch hat die Energie dort hineingedreht. Die Unruhe setzt die potentielle Energie in kinetische Energie um.
Nun beginnt das Werk zu drehen,
es soll nicht länger stille stehen
Nun die Parallele:
Der Erdenmensch ist Bewegung, Rastlosigkeit bis zur letzten Stunde. Sein Antrieb ist ruhende Energie. Wer ihm diese Energie eingeatmet hat, darüber streiten die Religionen. Das Wunderwerk von Gedanken, Hormonen, Drüsen und Willen setzt die ruhende Energie in Bewegungsenergie auf die Muskeln um. Dieses Wunderwerk ist die Unruhe. Hast Du schon einmal einen Moment ohne Gedanken erlebt? Wenn ja, dann warst Du sehr sehr glücklich, denn die ruhende Energie wehte durch alle Organe.
Die ruhende Energie liegt im Herzen. Was wir davon spüren ist unser Sehnen. Zur ruhenden und bewegenden Energie im Menschen fällt mir noch folgender Gewerkschaftsspruch ein.
Zitat:
" Wenn Ihr Schiffe bauen wollt, dann lehrt die Arbeiter nicht den Umgang mit den Werkzeugen.
Erweckt in Ihnen die Sehnsucht nach der Weite des Meeres."
Kohle