Disclaimer: Keiner der benutzten Charaktere gehört mir und wird es (leider) auch nie. Ich mache kein Geld mit dieser Story, sie dient nur zur Unterhaltung. Das Copyright liegt bei Christina und Kerstin, jegliche Veröffentlichung ist verboten.

 

 

 

High Tide Story

Schatten der Vergangenheit

 

2.58 Uhr... Nach einem Blick auf die beleuchtete Anzeige seines Radioweckers, die ihm zeigte, daß es noch mitten in der Nacht war, überlegte Joseph Barrett einen Augenblick, was ihn wohl gerade aus seinem wohlverdienten Schlaf gerissen hatte. Aber so sehr er sich auch bemühte, ihm fiel es nicht ein. Aber irgend etwas mußte es gewesen sein, denn der jüngere der beiden Barretts wachte sonst selten in der Nacht auf. "Murmeltier" nannte ihn sein älterer Bruder deswegen auch des öfteren scherzhaft.... Joey mußte lächeln, als er darüber nachdachte und beschloß, nachdem er noch eine Weile in die Stille hinaus gelauscht hatte, aber alles ruhig zu sein schien, daß es vielleicht nur ein schlechter Traum gewesen war. Er legte sich auf die andere Seite und versuchte, wieder einzuschlafen. Doch es gelang ihm nicht und nachdem er eine Weile wach gelegen hatte, beschloß er, in die Küche hinunterzugehen, um sich einen Kakao zu machen. Als er noch ein Kind war, hatte ihm seine Mutter immer einen Kakao gemacht, wenn er nicht schlafen konnte und sogar sein Bruder Mick hatte diese Angewohnheit noch ab und zu, das wußte Joey nur zu gut. Also stand er auf und ging leise den Flur entlang, um seinen Bruder nicht zu wecken, der im Nebenzimmer schlief. Doch als Joey an Mick's Zimmer vorbeiging, sah er durch den Spalt der offenen Tür, daß dessen Bett gar nicht angerührt war, das Zimmer war leer.....

*Merkwürdig* dachte Joey in diesem Moment,  es war doch sonst nicht Mick's Art, so spät... oder sollte er lieber sagen, so früh noch nicht schlafen gegangen zu sein. Der jüngere der beiden Barretts überlegte einen Moment und dachte ein paar Stunden zurück, wo er zu Bett gegangen war. Sein Bruder Mick hatte noch einen Film im Fernsehen zu Ende sehen wollte, den er, Joey, schon auf Video gesehen hatte und ziemlich langweilig fand.....Na, vielleicht war sein Bruder ja auf der Couch eingeschlafen, dachte Joey schläfrig und ging hinunter, um sich zu vergewissern. Aber auch im gemütlichen Wohnzimmer oder in der angrenzenden Küche war Mick  nirgends zu finden.  Joey begann, sich schon Sorgen zu machen, als sein Blick aus der Terrassentür auf den angrenzenden Strand und das Meer fiel. Dort, auf dem zum Grundstück gehörenden großen Felsen, den die Barrett-Brüder meistens als Sitzplatz benutzten, wenn sie vom Surfen zurückkamen, um noch ein wenig auf's offene Meer hinauszuschauen, entdeckte er seinen Bruder Mick.

Joey schnappte sich seine Jacke vom Garderobenständer im Flur und nahm auch für Mick eine Jacke mit, denn, obwohl sie Hochsommer hatten, waren die Nächte zur Zeit ziemlich kühl und Joey ahnte, daß Mick schon länger als ein paar Minuten dort saß. Er öffnete die Terrassentür und ging die wenigen Schritte den Rasenabhang hinunter, bis er am Felsen ankam. Mick hatte noch nicht bemerkt, daß sich ihm jemand genähert hatte, er schien völlig in Gedanken versunken......

Vorsichtig, um seinen Bruder nicht zu erschrecken, sprach Joey ihn  leise an: "Bro?"

Erstaunt drehte sich Mick um, man sah ihm an, daß er völlig überrascht war, seinen Bruder vor sich zu sehen.

"Joey.... was machst du denn hier, jetzt und zu dieser Zeit?"

"Na, dasselbe wollte ich dich gerade fragen, ich habe mir Sorgen gemacht, ich bin wach geworden und wollte bloß in die Küche gehen, um etwas zu trinken, als ich bemerkt habe, daß du hier draußen sitzt....also, was machst du hier?"

"Nachdenken", antwortete Mick und drehte seinen Kopf wieder in Richtung des Meeres. Joey überraschte diese Art Reaktion seines Bruders, denn normalerweise redeten sie offen über alle ihre Probleme, doch diesmal schien Mick wenig Interesse zu haben, sich seinem jüngeren Bruder anzuvertrauen.

Doch Joseph Barrett hatte nicht vor, seinen Bruder wieder sich selbst zu überlassen und legte ihm deshalb kurzerhand die Jacke über die Schulter und setzte sich anschließend neben Mick auf den Felsen.

"Was machst du da?", wandte sich Mick wieder an seinen jüngeren Bruder, "ich würde gerne alleine sein."

"Na, was denkst du wohl, was ich hier mache, ich leiste dir Gesellschaft, ob du es nun willst oder nicht!"

"Joey, bitte geh wieder ins Haus, es ist ziemlich kalt, du wirst dich erkälten!"

"Achja, und du nicht? Bestimmt hast du dich bereits erkältet und ich werde mich dann sowieso bei dir anstecken, also kann ich auch gerade hierbleiben, was soll’s...!"

Mick mußte plötzlich lächeln, die Logik seines jüngeren Bruders war mal wieder einmalig und eigentlich war Mick sehr froh, daß sein Bruder gerade jetzt gekommen war, er mußte dringend mit jemanden reden.

Dies hatte Joey natürlich längst bemerkt, er wußte, daß sein Bruder Sorgen haben mußte, denn bestimmt saß er nicht einfach nur so hier, um sich das Rauschen des Meeres anzuhören.....Er legte seinem älteren Bruder die Hand auf die Schulter und fragte: "Also, Bro, was ist los, ich kann dir nämlich nicht helfen, wenn ich nicht weiß, was dir Sorgen macht und ich weiß genau, daß du Kummer hast, also bitte sag mir was dich bedrückt, okay?"

"Okay", Mick seufzte, "es geht um eine gewisse Sicherheitsfirma, Phoenix Security." Als Mick diesen Namen erwähnte, lief es Joey eiskalt den Rücken herunter. Nie würde er diesen Tag vergessen. Er war gerade 10 Jahre alt geworden und konnte damals noch nicht so richtig begreifen, was da passiert war, aber Mick hatte ihm später alles erzählt.  Aber er sah in diesem Moment wieder Mick's Gesicht vor sich, als er ihm erzählte, daß ihre Eltern nicht mehr zurückkommen würden, daß sie für immer fortgegangen wären. Mick war selbst gerade erst 20 Jahre alt gewesen und hatte gerade seinen Job bei der L.A. PD angefangen. Joey wußte genau, was sein großer Bruder alles für ihn aufgegeben hatte und war ihm dafür unendlich dankbar. Was wäre wohl aus ihm geworden ohne Mick. Er wollte gar nicht daran denken. Gewiß, es war nicht immer leicht gewesen. Mick hatte durch seine Arbeit bei der Polizei oft nicht viel Zeit, um sich um seinen kleinen Bruder zu kümmern. Und als Joey dann diesen Ray kennenlernte und mit ihm zusammen ein Auto knackte und dieses an den nächsten Baum fuhr, hatte er sogar Angst vor der Reaktion seines Bruders. Aber Ray hatte damals die ganze Sache auf sich genommen und Mick hatte erst viel später davon erfahren, als Joey schon erwachsen war.

"Joey", sagte Mick, "hörst du mir überhaupt zu? Dir sagt doch der Name Phoenix Security etwas, oder?" Joey schreckte aus seinen Gedanken auf. Phoenix Security, gerade vor zwei Monaten hatten sie den Namen das erste Mal seit damals wieder gehört. Ihre Freundin Grace, in deren Strandhaus sie kostenlos wohnten, seit sie ihren Surfshop in San Diego verkauft hatten und nach Santa Barbara gezogen waren, hatte die Barrett-Brüder wieder einmal gebeten, einen Fall zu übernehmen. Einer Freundin von ihr, die ihr Haus verkaufen wollte, wurde bei einem "Open House" , einem Tag der offenen Tür sozusagen, an dem Interessenten das Haus begutachten können, eine wertvolle Maske gestohlen. Der Dieb schlug ihren Mann brutal nieder und konnte unerkannt flüchten. Die Sicherheitsfirma, die sie beauftragt hatte, war Phoenix Security, es stellte sich allerdings heraus, daß nicht  sie, sondern die Maklerin Joanna Street dahintersteckte. Aber als der Name damals fiel, hatten beide Barretts erschrocken aufgehorcht. Sie hatten Grace nichts davon erzählt, niemand von ihren Freunden wußte, wie ihre Eltern damals ums Leben kamen.

"Ja, ich weiß, wer Phoenix Security ist, Mick."

"Also, ich erhielt gestern einen Anruf von Sam aus San Diego", begann Mick zu erzählen. "Sie erwähnte beiläufig auch ihren aktuellen Fall. Du weißt ja, wir waren Kollegen bei der L.A. PD, und außerdem waren wir ja eine Zeitlang sehr gut befreundet." Joey mußte lächeln. Sehr gut befreundet war wohl etwas untertrieben. Während ihrer Zeit in San Diego war Samantha Harrold sehr oft bei den Barretts und zwischen Mick und Sam war wohl etwas mehr als nur Freundschaft gewesen. Die beiden Brüder waren in einige Fälle von Sam mitverwickelt gewesen und hatten ihr am Ende oft bei der Aufklärung geholfen.

"In San Diego ist wieder eine Frau ermordet worden, als sie vom Urlaub vorzeitig zurückkehrte. Ihr ganzer Schmuck und wertvolle Gemälde wurden gestohlen. Und rate mal, welche Sicherheitsfirma sie beauftragt hatte, auf ihr Haus aufzupassen, während sie weg war", fuhr Mick fort.

"Phoenix Security", wußte Joey sofort.

"Bingo! Ich hab mich gleich mal im Staatsgefängnis erkundigt nach Mike Johnson, dem damaligen Chef der Firma. Was ich da erfahren habe, gefällt mir überhaupt nicht. Er ist vor 2 Wochen ausgebrochen, genau einen Tag vor dem Einbruch bei der Frau. Mein Gefühl sagt mir, daß er was mit dem Raubmord zu tun hat. Und er weiß, daß ich für seine Verhaftung gesorgt habe damals. Ich bin mir sicher, daß er nach mir suchen wird, und irgendwann wird er bei uns auftauchen. Er ist sehr gefährlich und unberechenbar. Und ich bin ganz ehrlich, der Gedanke daran macht mir Angst. Er wird sich rächen wollen, und ich weiß nicht, zu welchen Mitteln er greifen wird."

Joey konnte seinen älteren Bruder nur zu gut verstehen. Mike Johnson hatte die Eltern der Barretts damals kaltblütig umgebracht. Dabei war es so sinnlos gewesen, denn sie waren nicht besonders reich gewesen, und alles, was er erbeutete, war nicht von großem Wert. Aber ein Mike Johnson würde schon wegen 100,-- Dollar einen Menschen töten. Für ihn zählte nur Geld, und jedes Mittel war ihm recht dazu. Und auch Joey war klar, daß er Vergeltung üben wollte für die 19 Jahre, die er im Gefängnis verbracht hatte. Er hatte Mick versprochen, irgendwann wieder bei ihm aufzutauchen. Und jetzt war der Moment gekommen. Auch Joey schauderte bei dem Gedanken an Johnson. Er hatte dessen Verhaftung damals im Fernsehen gesehen, und der Haß in den Augen dieses Mörders war furchterregend.....

Einen Moment lang schwiegen die beiden Barretts, doch Joey war es, der die Stille schließlich unterbrach. "Mick, was wollen wir jetzt tun?"

Mick blickte seinen Bruder an: "Wir tun hier gar nichts, Joey, Mike Johnson wird sich an mir rächen wollen, ich habe schon die ganze Zeit hier draußen überlegt, wie ich dich da am besten raushalten kann, das Sicherste ist, wenn du einige Zeit verreisen würdest...." Mick wollte fortfahren, doch sein jüngerer Bruder schüttelte energisch den Kopf. "Vergiß es Mick, niemals!"

"Joey, bitte sei vernünftig", Mick versuchte erneut, auf seinen Bruder einzureden, "wenn du hier bleibst, bist du in großer Gefahr, Mike Johnson wird nicht aufgeben, ehe er mich gestellt hat..." Mick’s Stimme klang schon beinahe flehend und er schaute seinen Bruder eindringlich an.

Doch der jüngere der beiden Barretts schüttelte nur noch energischer den Kopf und antwortete: "Mick, was soll das bitte?! Kannst du mir das sagen? Du denkst doch nicht im Traum daran, ich würde dich in dieser Situation alleine lassen und gemütlich in den Urlaub fahren?! Du mußt einen Vogel haben, und zwar einen gewaltigen!"

"J o e y !"

"Mick, laß es gut sein, wir werden die Sache hier gemeinsam durchstehen oder gar nicht, bitte vergiß nicht, sie waren auch meine Eltern!"

Mick senkte betrübt den Kopf und murmelte: "Bitte verstehe mich, Bro, ich möchte nicht, daß du auch noch durch Mike Johnson getötet wirst, du bist alles, was mir noch geblieben ist, ich könnte nicht mehr weiterleben, wenn dir etwas passieren würde...."

Joey blickte seinem Bruder direkt ins Gesicht, als er ihm mit einem einzigen Wort leise antwortete:...... "DITO!"

Für eine Weile konnte keiner der beiden Barretts weiterreden, Mick wußte jetzt, daß es sinnlos war, seinen Bruder noch weiter überreden zu wollen, sich aus dieser Sache herauszuhalten, er würde es niemals tun.

Und, obwohl Mick große Angst um seinen kleinen Bruder hatte, war er in diesem Moment auch wahnsinnig stolz auf ihn, Joey hatte genau so reagiert, wie er, Mick, es im umgekehrten Fall auch getan hätte. Mick Barrett wurde in dieser Sekunde bewußt, daß sein Bruder ihn niemals im Stich lassen würde, egal was passieren würde und im Kampf gegen Mike Johnson würde Mick unbedingt einen Partner brauchen, dem er uneingeschränktes Vertrauen schenken und auf den er sich hunderprozentig verlassen konnte. Und sein Bruder war der einzige Mensch auf dieser Welt, der diese Voraussetzungen erfüllte.

Auch wurde Mick in diesem Moment klar, daß er niemals im Leben einen besseren Freund und Partner finden würde, Joey Barrett war der beste Freund, den man sich wünschen konnte.

"Okay, Bro", Mick legte einen Arm um seinen Bruder, "wir werden gemeinsam versuchen, diesem Burschen das Handwerk zu legen!"

"Na also, Partner, warum nicht gleich so...!", Joey versuchte zu lächeln, doch es gelang ihm nicht so ganz, denn insgeheim hatte er ebenfalls große Angst davor, diesem Mike Johnson gegenüberzutreten, dem Mann, der seinen Eltern ermordet hatte.

"Okay, laß uns reingehen und drinnen weiterreden, Joey, hier draußen ist es ja wirklich ziemlich kalt geworden!"  Die beiden Barrett-Brüder gingen zurück ins Haus.

 

[

 

Am anderen Morgen war Joey früh aufgewacht. Mit einem Blick in Mick’s Schlafzimmer hatte er sich überzeugt, daß sein Bruder noch am Schlafen war,und er beschloß, ihn noch nicht zu wecken, denn Mick hatte die halbe Nacht ja draußen gesessen und etwas Schlaf würde ihm sicherlich gut tun.

Der jüngere der beiden Barretts zog sich an und ging in die Küche, wo er sich erst mal einen Kaffee machte.

Ein paar Minuten später saß er am Küchentisch, trank seinen Kaffee und versuchte sich auf die Morgenzeitung zu konzentrieren, die er  inzwischen aus dem Briefkasten geholt hatte. Doch es gelang ihm nicht, immer wieder wanderten seine Gedanken die wenigen Stunden zurück, als Mick ihm die schlimme Nachricht vom Ausbruch Johnson's überbracht hatte.

Was würde ein Kerl wie Johnson als erstes tun, überlegte Joey. Sicherlich war er bereits auf der Suche nach Mick und würde es zunächst natürlich in San Diego in ihrem Elternhaus in der Oxnard Street versuchen, ob Mick vielleicht noch dort wohnen würde. Dort würde er ihn nicht mehr antreffen und würde sicherlich früher oder später auf “High Tide”, ihren früheren Surfshop in San Diego stoßen.

Oh Gott, wir müssen die jetzigen Besitzer unbedingt vorwarnen, schoß es Joey plötzlich durch den Kopf.

Eine Stimme von der Tür her unterbrach den jüngeren der beiden Barretts aber zunächst in seinen Gedankengängen. "Bro, Du bist schon auf? Wie spät ist es?"

"Guten Morgen, Mick." Joey hob den Kopf und sah seinen älteren Bruder an. "Ich hab dich gar nicht kommen hören. Es ist erst kurz nach sechs, aber ich konnte einfach nicht mehr schlafen." "Na, das ist ja ganz was Neues", staunte Mick und boxte seinen Bruder freundschaftlich auf den Arm. "Wo ich dich doch sonst morgens fast aus dem Bett prügeln muß." Vor 9.00 Uhr war normalerweise mit Joey überhaupt nichts anzufangen und Mick hatte deswegen schon oft Streit mit seinem kleinen Bruder bekommen, wenn er die halbe Nacht unterwegs war und morgens dann nicht aus den Federn kam, während sie an einem Fall arbeiteten. Aber Mick wußte genau, warum Joey heute schon so früh in der Küche saß. Ihm ging es da nicht anders, auch er hatte nur wenige Stunden geschlafen und war immer wieder aufgewacht. Johnson ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Seit er am Vortag mit Sam telefoniert hatte, konnte er an nichts anderes mehr denken und er überlegte krampfhaft, wie sie gegen ihn vorgehen sollten. Eins war klar, sie mußten bei diesem Fall ganz besonders vorsichtig sein. "Mick, was denkst du, wie lange Johnson braucht, um uns zu finden? Er ist schon seit 2 Wochen frei, normalerweise hätte er doch schon längst hier auftauchen müssen. Ich meine, schließlich sind wir ja nicht weit weg von der Oxnard Street, wo wir damals wohnten. Er kennt ja die Adresse von da. Unsere Nachbarn wissen ja alle, daß wir den Surfshop gekauft haben und in die Wohnung darüber gezogen sind. Es ist ja wirklich kein Problem, herauszufinden, daß wir jetzt hier in Santa Barbara wohnen. Meinst Du, wir sollten die Drake's, die unseren Surfshop gekauft haben, nicht vorwarnen? Er wird uns doch bestimmt erst mal dort suchen. Vielleicht sollten wir sie fragen, ob sich nicht schon jemand nach uns erkundigt hat. Du hattest mir doch erzählt, Johnson hatte damals noch 2 Komplizen, die ihm bei den Einbrüchen geholfen haben. Was ist eigentlich aus denen geworden?", wollte Joey wissen.

Mick dachte nach. "Sie wurden damals soweit ich weiß auch verhaftet. Da sie aber mit den Morden nichts zu tun hatten, bekamen sie nur 5 Jahre. Sie müßten also schon längst wieder frei sein. Ich überlege gerade, wie sie hießen. Ob Johnson Kontakt mit ihnen aufnimmt? Hm, vielleicht sollte ich Luis  mal fragen, vielleicht kann er herausfinden, wo sie sich aufhalten. Ich werde ihn später gleich mal anrufen." Luis Ortega war der Chef der hiesigen Polizei und in der Zwischenzeit ein guter Freund der beiden Barrett-Brüder geworden. Er hatte ihnen schon bei einigen ihrer Fälle geholfen.

"Erzählst du ihm alles? Er kann uns vielleicht helfen, was meinst du?"

"Nein, nein", Mick winkte ab. "Ich will ihn da nicht mit reinziehen. Es läuft ja eine Fahndung nach Johnson, die Polizei kann für uns sowieso nichts tun, solange wir nicht bedroht werden. Da müssen wir beide schon alleine durch, Joey. Aber du hast immer noch die Möglichkeit, zu verschwinden, bis alles vorbei ist. Johnson will mich."

"Sei ruhig, Mick. Verdammt, ich habe dir gesagt, ich bleibe hier." Joey schlug mit der Faust auf den Tisch. "Wir beide, wir haben schon so viele Gefahren überstanden, wir werden auch damit fertig, ist das klar?"              

Joey legte den Arm um Mick und drückte ihn eine Weile fest an sich.

"Vielleicht fängt die Polizei Johnson auch, bevor er uns findet?", wagte Mick zu hoffen. "Das glaubst du doch selbst nicht! So wie du ihn mir beschrieben hast, ist der nicht so dumm und läßt sich so leicht wieder schnappen. Wie lange hat es damals gedauert, bis die Polizei auf ihn kam. Er wußte genau, wie er sich verhalten mußte, um keinen Verdacht zu erregen. Ohne dich wären sie nie auf ihn gekommen. Sie haben die ganze Beute von ihm doch nie gefunden, oder? Außer Mom's Halskette", erinnerte sich Joey.

Die Kette war damals der entscheidende Punkt in dem Fall gewesen. Johnson hatte sie seiner Freundin geschenkt. Das war ein schwerwiegender Fehler von ihm. Wie konnte er auch wissen, daß der junge Polizist, der mit an dem Fall arbeitete, der Sohn der Frau war, die er zusammen mit ihrem Mann umgebracht hatte. Die beiden hatten ihn damals überrascht, als er gerade ihr Haus ausräumte, und da er keine Maske trug, hätten sie ihn identifizieren können. Mick erkannte das Schmuckstück seiner Mutter natürlich sofort, als er mit seinem Kollegen bei Johnson war, um noch ein paar Routinefragen zu stellen. Keiner dachte natürlich, daß der Chef der Sicherheitsfirma selbst hinter den ganzen Diebstählen steckte. Auf Mick's Entdeckung hin durchsuchte die Polizei dann Johnson's Wohnung und fand schließlich auch  die Tatwaffe, mit der die Barretts umgebracht worden waren.

Joey betrachtete traurig die Kette, die er seither ständig um den Hals trug. Mick hatte sie ihm damals gegeben, sie war das  einzige Andenken an ihre Mutter.

"Ja, Geldsorgen hat er bestimmt keine", sagte Mick gedankenverloren mit einem Blick auf den goldenen Anhänger in Joey's Hand. Ich frage mich, warum er den Überfall gemacht hat. Warum hat er sich nicht gleich auf die Suche nach mir gemacht? Falls er an die Beute von damals nicht rangekommen ist, wird es für ihn jetzt kein Problem mehr sein, unterzutauchen. Er konnte ja genug bei der armen Frau mitgehen lassen. Ich trau ihm wirklich alles zu. Eins ist sicher, er wird alles genau planen. Er ist kein dummer Anfänger. Er  w i r d  kommen, ich glaube kaum, daß er sich im Gefängnis geändert hat. Und er will mich! Er wird nicht voher aufgeben, bevor ich nicht tot bin."

"Aber das werden wir nicht zulassen. Ich werde nicht zulassen, daß er dich umbringt, Mick. Ich brauch doch schließlich jemanden, den ich als ärgern kann, was, Alter?", versuchte Joey, die Stimmung etwas aufzulockern. Aber es gelang ihm nicht so recht. Auch er machte sich große Sorgen. Wenn sie nur wüßten, was Johnson vorhat.

"Wir müssen uns unbedingt ein Bild von ihm besorgen. Ich hab ihn seit damals nicht mehr gesehen. Und die beiden anderen gehen mir auch nicht aus dem Kopf. Ich bin mir fast sicher, er wird das nicht alleine durchziehen. Er braucht jemandem, der ihm hilft. Und außerdem will ich, daß du nicht alleine irgendwo hingehst, ist das klar? Er weiß, wie sehr ich an meinem Bruder hänge, ich könnte mir vorstellen, daß er versucht, dich als Druckmittel gegen mich zu benutzen. Deshalb mußt du gut aufpassen, hast du mich verstanden, Bro?" Mick sah Joey scharf an. Er wußte, daß sein Bruder oft leichtsinnig sein konnte. Er hatte die beiden schon oft in brenzlige Situationen gebracht, weil er einfach nicht nachdachte, bevor er handelte. "Joey, ist das klar?", fragte er noch einmal. "Ja, ja, klar", bekam er schließlich als Antwort.

In der Zwischenzeit war es kurz nach 7.00 Uhr. Die beiden Brüder saßen beide schweigend am Tisch und hingen ihren Gedanken nach. Mick wollte gerade aufstehen und sich einen Kaffee holen, als plötzlich das Telefon klingelte.

Beide fuhren erschrocken zusammen. "Wer kann das sein um diese Zeit? Mick, so früh ruft uns doch sonst nie jemand an", stellte Joey fest und sah Mick mit seinen großen braunen Augen an. 

"Ganz ruhig, kleiner Bruder, vielleicht hat sich jemand verwählt", Mick versuchte, die Situation herunterzuspielen, doch es gelang ihm nicht und er atmete noch einmal tief durch, bevor er das Handy vom Küchentisch nahm und sich meldete: "Mick Barrett!" Er horchte für einige Sekunden in den Hörer hinein, ohne nach außen hin eine Reaktion zu zeigen. Dieser Moment erschien Joey wie eine Ewigkeit, er versuchte krampfhaft an Mick’s Gesicht eine Regung zu erkennen. Doch dann erhellte sich die Miene seines Bruders zunächst etwas: "Oh hi Sam!

Nein, nein, ist okay, wir waren schon auf, was gibt’s so früh am Morgen?"

Mick schwieg für einige Sekunden, doch dann änderte sich sein Gesichtausdruck, er warf einen kurzen erschrockenen Blick in Richtung seines Bruders, während dieser krampfhaft versuchte, aus den Gesprächsfetzen etwas Konkretes mitzubekommen:

"Oh nein, bitte nur das nicht... wie sieht’s aus, Sam, wird er es überstehen?!

Hmm, okay...was ist mit seiner Frau?!

Ja, das verstehe ich......ja, bitte mach das, wir sind auf alle Fälle heute den ganzen Tag telefonisch zu erreichen.

Danke, daß du es mir gleich gesagt hast, okay, ich höre dann von dir... bye, Sam."

Mick legte den Hörer gedankenverloren zurück auf den Tisch, es schien, als ob er meilenweit entfernt war.

Die Stimme seines Bruders brachte ihn schließlich in die Wirklichkeit zurück.

"Bro, was ist passiert?"

Mick sah seinen jüngeren Bruder an: "Das war Sam gerade am Telefon."

Joey nickte, soviel hatte er auch schon mitbekommen. "Ja, und was wollte sie?"
"Sie... sie rief aus der Nähe unseres ehemaligen Surfshops an, bzw. was davon übrig geblieben ist. Die Drake's sind heute Nacht überfallen worden, und "High Tide" ist angezündet worden. Der ganze Laden ist abgebrannt, Joey!"

"Oh nein", Joey schaute einen Moment unter sich, hob dann jedoch den Kopf, einer schlimmen inneren Vorahnung folgend: "Was ist mit den Drakes, Mick?! Sind sie.....?"

"Nein", sein Bruder schüttelte leicht mit dem Kopf, "aber es sieht nicht gut aus, Mr. Drake ist schwer verletzt, auf ihn ist geschossen worden während des Überfalls. Er hat sich aber noch aus dem Haus schleppen können, bevor alles abgebrannt ist. Seine Frau war glücklicherweise nicht zu Hause, sie war über Nacht ihre Schwester besuchen gefahren, und hat eben erst von all dem erfahren. Sie ist jetzt im Krankenhaus bei ihrem Mann.”

Der ältere der beiden Barretts schwieg, lehnte sich nach vorne und stützte seinen Kopf verzweifelt auf seine beiden Hände.

Nach einer längeren Pause hob er seinen Kopf wieder und sprach weiter :

"Warum.. warum verdammt habe ich nicht früher erfahren, daß Johnson ausgebrochen ist, ich hätte was tun können, nun müssen vielleicht Unschuldige sterben, nur weil sich dieser Mörder an mir rächen will... !" Trübsinnig schüttelte Mick den Kopf, stand danach auf und wandte sich von seinem Bruder ab, um zur Terrassentür zu gehen. Für einen Moment schaute er wortlos auf das offene Meer hinaus....

Joey hatte jede Reaktion seines Bruders beobachtet, ihm gefiel gar nicht, was er sah, noch nie hatte er ihn so erlebt, Mick, der immer und für alles eine Lösung zu haben schien, Mick, der immer dann auftauchte, wenn es brenzlig wurde, Mick, der immer so furchlos "über den Dingen" stand, er schien nicht mehr weiter zu wissen....

Joey fühlte in diesem Moment eine große Liebe zu seinem Bruder, ihm war klar, daß  es diesmal an seiner Reihe war, ihm beizustehen, Mick brauchte ihn in diesem Moment, mehr als jemals zuvor.

"Verdammt"....Joey sprang bei Mick’s lautem Ausruf erschrocken von seinem Stuhl auf und eilte zu seinem Bruder hin, der wütend mit der Faust gegen die Zimmerwand geschlagen hatte und seinen Bruder nun verzweifelt ansah.

"Verdammt... Joey... ich weiß nicht.. ich weiß nicht, was ich tun soll....er wird uns umbringen, dich und mich, und ich kann absolut nichts dagegen tun......" Mick traten Tränen in die Augen und er konnte nicht mehr weitersprechen.

Noch nie hatte Joey einen so angsterfüllten Blick in den Augen seines Bruders gesehen und er tat das einzig richtige in diesem Moment. Er nahm seinen Bruder wortlos in die Arme und Mick ließ es stumm mit sich geschehen.

"Ganz ruhig, Mick!", Joey hielt seinen Bruder fest und streichelte mit einer Hand vorsichtig über seinen Rücken. "Ganz ruhig, es ist okay, wenn du im Moment nicht weiter weißt, wir werden gemeinsam eine Lösung finden, hörst du? Ich verspreche es....wir finden einen Weg...."

 

[

 

Wie lange genau Joey mit seinem Bruder im Arm an der Terrassentür gestanden hatte, er wußte es nicht mehr, waren es Sekunden, Minuten, gar Stunden gewesen, er hatte in diesem Moment jegliches Zeitgefühl verloren.... Doch schließlich war Mick etwas ruhiger geworden und Joey hatte ihm befohlen, sich auf der Couch ein bißchen auszuruhen, was Mick auch unter Protesten endlich getan hatte.....

Joey hatte sich in der Zwischenzeit wieder an den Küchentisch gesetzt und hatte seinen Laptop aufgeklappt. Im Internet hatte er nach Info’s über Phoenix Security gesucht und hatte herausgefunden, daß der neue Inhaber ein Typ namens José Fernandez sein mußte.

"Klingt extrem spanisch", mit diesen Worten wählte sich Joey aus dem Internet ab und klappte seinen Laptop schließlich zu. Viel weitergeholfen hatte ihm diese Information noch nicht und  er beschloß, erst einmal ins Wohnzimmer zu gehen, um nach seinem Bruder zu schauen. Doch Mick schlief noch und Joey brachte es nicht über’s Herz, ihn zu wecken, dieser Anblick wirkte so friedlich. Also setzte sich Joey neben die Couch auf einen Sessel und schaute aus der geschlossenen Terrassentür auf das offene Meer hinaus... Seine Gedanken wanderten zurück....

Die Beerdigung seiner Eltern.... Joey konnte sich erinnern, wie er an Mick’s Hand am Grab gestanden hatte. Er hatte zu seinem Bruder aufgeblickt, doch dieser hatte in diesem Moment keinerlei Reaktion gezeigt, er hatte einfach nur stumm dagestanden, und wie es schien, dem Priester bei seiner Rede zugehört.

Viele Leute waren nicht auf der Beerdigung gewesen, da die Barretts keine weiteren Verwandten mehr gehabt hatten. Nur ein paar Freunde und die Nachbarn waren anwesend  gewesen.... Was war in Mick damals vorgegangen, Joey konnte es heute nur noch erahnen, er wußte es nicht genau, denn Mick hatte später niemals wieder den Tag der Beerdigung erwähnt.

Sicher, sie waren später zusammen oft am Grab der Eltern gewesen, doch Mick war dort jedes Mal, auch die letzten Jahre noch, ziemlich ruhig gewesen und hatte möglichst wenig gesprochen.

"Oh Mick, ich Idiot, ich habe niemals geahnt, wie sehr dich das damals doch alles getroffen hat und wie tief dich der Schmerz darüber auch heute noch quält", murmelte Joey leise mit einem Seitenblick auf seinen schlafenden Bruder. "Es tut mir leid Bro", flüsterte Joey leise weiter, "ich bin so naiv gewesen, ich war wahrscheinlich noch zu jung, um zu begreifen, was der so sinnlose Tod von Mom und Dad in dir ausgelöst hat... aber vielleicht .. vielleicht habe ich... nein, haben wir jetzt gemeinsam die Chance, diesem  ein für allemal ein Ende zu setzen, damit du in Zukunft etwas ruhiger leben kannst. Vielleicht müssen wir den Kampf mit Mike Johnson einfach noch einmal aufnehmen, damit du auch deinen innerlichen Kampf gewinnen kannst!...."

Joey verstummte, als er merkte, daß sein älterer Bruder wach wurde. Mick blinzelte und schlug schließlich die Augen auf. "Joey, was ist los... hast du nicht gerade etwas gesagt, ist etwas passiert?"

"Nein, nein, Mick, alles in Ordnung, es war nichts, ich habe nur laut gedacht, bitte entschuldige, daß ich dich geweckt habe."

"Wie lange hab ich denn geschlafen?" Mick rieb sich erschöpft die Augen.

"Nicht mal eine Stunde, leg dich doch noch ein bißchen hin", bekam er als Antwort. Aber Mick war schon wieder hellwach. Sofort fiel ihm alles wieder ein.

"Hat Sam sich schon gemeldet? Sie wollte mir doch Bescheid geben, wie es Mr. Drake geht. Er muß den oder die Einbrecher gesehen haben. Dann wüßten wir wenigstens genau, mit wem wir es zu tun haben, und mit wievielen. Aber im Grund besteht ja kein Zweifel, wer hinter dem Überfall steckt! Aber ich glaube nicht, daß Johnson das alleine durchgezogen hat. Ich bin mir fast sicher, er arbeitet wieder mit den beiden von damals zusammen. "

"Mick." Joey schaute seinen Bruder besorgt an. "Ich denke, wir sollten jetzt wirklich die Polizei mit einschalten. Wie können sie sonst den Überfall auf den Surfshop mit dem Raubmord vor 2 Wochen in Verbindung bringen. Wir müssen es sagen! Am besten ist es, du erzählst alles Sam. Sie ist doch auch für den Fall zuständig, oder?"

Mick überlegte einen Augenblick. Er wußte einfach nicht, was zu tun ist. Normalerweise hatte er immer irgendeine Idee, um die beiden aus gefährlichen Situationen heil herauszubekommen, aber in dieser Angelegenheit blockierte ein- fach etwas seinen Verstand. Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Sein Blick fiel auf seinen jüngeren Bruder. Er mußte einfach verhindern, daß ihm etwas passierte. Ihm war auch klar, daß Joey ihn immer noch brauchte. Gewiß, er war inzwischen erwachsen, aber in vielerlei Hinsicht einfach zu naiv und vertrauens- voll. Und auch er, Mick, konnte sich ein Leben ohne Joey nicht vorstellen. Die beiden Brüder waren sich vor allem seit dem Tod der Eltern so nah, nie waren sie lange getrennt voneinander gewesen. Meistens traten die "Barrett-Brothers" zusammen auf. Für beide war es selbstverständlich, daß sie immer noch eine gemeinsame Wohnung hatten, zusammen arbeiteten und auch in ihrer Freizeit meistens etwas gemeinsam unternahmen.

Vielleicht wäre es wirklich das Beste, Sam alles zu erzählen, dachte Mick. Schließlich war sie eine sehr gute Freundin. Nach der letzten Nacht war es sogar seine Pflicht, die Polizei darüber aufzuklären, was er wußte.

"Okay, Joey, ich bin deiner Meinung. Ich werde Samantha alles berichten, alles!

Sie weiß ja, daß Johnson wahrscheinlich für den Überfall auf die Frau verantwortlich ist."

Die beiden Brüder sahen sich eine Weile schweigend an.

Nach ein paar Sekunden stupste Joey seinen Bruder an. "Weißt du was, Mick? Du rufst jetzt gleich Sam an, und  danach gehen wir erst mal 'ne Runde surfen. Das wird ein herrlicher Tag heute, und die Wellen sind perfekt."

Joey steckte seine Arme aus in Richtung Meer. "Hörst du nicht, sie rufen uns! Mick, Joey, kommt und surft auf uns!"

Mick mußte lächeln.

"Ja, so gefällst du mir schon besser. Im Moment können wir sowieso nichts machen und du mußt dringend etwas abschalten. Vielleicht kommt uns ja auch eine Idee, wie wir die ganze Geschichte angehen. So ein bißchen Ablenkung tut uns beiden jetzt gut." Der jüngere Barrett strahlte seinen Bruder unternehmungslustig an.

"Los, ich hol schon mal unsere Surfanzüge und die Bretter."

Joey sprang auf und knuffte Mick in den Arm. Der machte keine Anstalten, aufzustehen oder nach dem Telefon zu greifen.

"Miiick, los!", drängelte Joey.

Langsam hellte sich auch das Gesicht von Mick wieder etwas auf. Er mußte sogar lachen. Sein kleiner Bruder war wirklich unglaublich. Er verlor nie seine gute Laune und seinen Optimismus. Und genau das liebte er an ihm. Wie oft hatte er, Mick, sich schon über Dinge aufgeregt, während Joey seelenruhig darüber lachen konnte.

Und Joey hatte ganz recht! Er mußte etwas zur Ruhe kommen, etwas abschalten. Und das geht nirgends besser als auf dem Surfbrett, weit ab von Lärm und Sorgen, nur das Meer und die Wellen.

"Überredet, kleiner Bruder." Mick stand auf und griff zum Telefon, das noch auf dem Tisch lag.

"Hier sind wir auch nicht sicherer als auf dem Meer", sagte Mick. Ich ruf aber erst noch schnell Sam an. Sie sollte schnellstens Bescheid wissen. Geh du doch schon vor, ich komm gleich nach. Aber laß mir noch ein paar Wellen übrig, o.k.?"

Mick schlug Joey freundschaftlich auf den Kopf.

Der wollte gerade los in Richtung Garage, um die Anzüge und Bretter zu holen, als Mick ihn plötzlich am Ärmel festhielt und zurückzog.

"Halt, warte, Bro. Ich will erst schnell den Strand überprüfen."

"Come on, Mick!" Joey schaute ihn erstaunt an. "Du glaubst doch nicht im Ernst, daß Johnson irgendwo da draußen ist! Heute nacht war er noch in San Diego. Jetzt ist noch nicht mal 9.00 Uhr. Außerdem ist gar nicht sicher, ob er schon weiß, daß wir jetzt hier wohnen. Immerhin hat er uns letzte Nacht in San Diego überfallen wollen. Also beruhige dich wieder, ja?"

Mick ließ den Ärmel von Joey's Hemd wieder los. Er entspannte sich wieder etwas und meinte dann leise: "Es wäre mir trotzdem lieber, du wartest auf mich..."

Mick sah seinen Bruder liebevoll an.

In diesem Moment klingelte das Telefon, daß Mick schon in der Hand hielt. Wieder fuhren beide zusammen. Jeder von ihnen rechnete wohl damit, daß Johnson sie gefunden hatte und nun feststellen wollte, ob sie zu Hause waren und ob die Adresse stimmte.

Die Barretts wechselten einen aufgeregten Blick.

Dann drückte Mick die Annahmetaste, um das Gespäch entgegenzunehmen.

Er meldete sich nur mit einem "hallo" und horchte nervös, was sich am anderen Ende der Leitung wohl tun würde.

Auch Joey starrte auf den Hörer in Mick's Hand und hatte die Luft angehalten. Aber er atmete auf, als er merkte, daß auch Mick’s Gesichtszüge sich wieder entspannten. "Oh hi Sam", hörte er seinen Bruder sagen, "nett, daß du gleich zurückrufst...."

Nachdem der jüngere der beiden Barretts aus den Gesprächsfetzen seines Bruders herausbekommen hatte, daß Sam noch nichts wesentlich Neues über Mr. Drake zu wissen schien und Mick danach sagte: "Sam?.. hast du einen Moment Zeit, ich glaube,ich muß dir etwas erklären", ging er zunächst einmal in die Garage, um die Surfanzüge und die Bretter für sich und seinen Bruder zu holen.

Er wußte, daß dieses Gespräch für Mick nicht leicht war, denn sein Bruder hatte niemals gerne über den Mord an ihren Eltern gesprochen und er hatte ihn, Joey, immer wieder gebeten, niemals an außenstehende Dritte ein Wort darüber zu verlieren. Für Joey war dies über all die Jahre kein Problem gewesen, denn erstens wurde auch er nicht gerne an diese schlimme Tat im Jahre 1979 erinnert und  zweitens wollte er seinen älteren Bruder in dieser Hinsicht niemals enttäuschen. Aber jetzt mußte es sein, das Leben von Menschen inklusive ihrer eigenen hing davon ab und Joey wußte, daß auch Mick dies längst begriffen hatte.....

Als Joey mitsamt den Bretten und Anzügen wieder aus der Garage zurückkam und zurück ins Wohnzimmer ging, hörte er seinen Bruder gerade noch sagen: "Okay, Sam, danke für dein Verständnis, wir sehen uns dann heute am späten Nachmittag... Okay, ja, wir kommen dann dorthin... bis dann....bye!"

*Wie ?.. Bis dann ?* Joeys Gesicht war ein einziges Fragezeichen. "Wer kommt wann wohin, Bro?" Joey blieb mitten im Wohnzimmer stehen und ließ sämtliche Sachen, die er in den Händen hielt, einfach fallen! Mick, durch den Krach, den die Surfbretter beim Aufprall auf den Boden verursachten, aufgeschreckt, schaute zunächst etwas entgeistert auf seinen jüngeren Bruder, man merkte ihm an, daß er mit seinen Gedanken noch bei dem soeben geführten Gespräch war... Einen Augenblick schwieg er, fand dann jedoch sofort in die Wirklichkeit zurück : "Äh... achso... ja, ich habe Sam gesagt, daß wir beide, du und ich, heute noch nach San Diego kommen würden...."

"M i i i i i c k !" Joey’s Gesicht zeigte nicht gerade Begeisterung über die Worte seines älteren Bruders..., "und unsere Surf-Stunde?" Der jüngere der beiden Barrett-Brüder schaute wehmütig durch die Terrassentür auf das offenen Meer hinaus.

"Ein anderes Mal, okay, Bro?" Mick, der noch immer mit dem Handy in der Hand am Fenster stand, ging die wenigen Schritte zu seinem Bruder herüber und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Bitte entschuldige", sagte er leise, "aber dies ist jetzt wirklich wichtiger, ich habe Sam alles erzählt und sie sagte mir, daß Mr. Drake schon wieder bei Bewußtsein ist. Sie wird gegen Abend kurz zu ihm können und ihm ein paar Fragen stellen können und wir meinten beide, daß es wohl das Beste wäre, wenn ich gleich mitkäme. Ich denke, das ist wirklich das Beste, ich kann sowieso nicht in aller Seelenruhe surfen, und vor allen Dingen nicht hier untätig herumsitzen, wenn ich weiß, daß der ...", Mick holte einmal tief Luft, bevor er das nächste Wort aussprechen konnte, "Mörder unserer Eltern frei herumläuft und wahrscheinlich sogar noch in San Diego ist. Ich kann einfach nicht  Nichtstun und warten, bis er sich überlegt hat, wie er uns am besten umbringen kann und hier auftauchen wird. Nein, Bro, ich muß etwas unternehmen, das ist mir eben im Gespräch mit Samantha klar geworden, ich hoffe, das ist okay für dich, ja? Ich verspreche dir,  wir werden unsere Surfstunde nachholfen, wenn alles vorbei ist." 

Joey lächelte, "okay, Bro, in diesem Fall widerspruchslos akzeptiert, aber wenn du jetzt vielleicht denkst, ich würde dich alleine nach San Diego fahren lassen, dann irrst du dich.. aber gewaltig... ich werde mitkommen, okay?"

Mick drückte seinen jüngeren Bruder kurz an sich, "anders sowieso nicht, Bro!"

 

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Ca. 1 ½ Stunden später waren die Barrett-Brothers schon in ihrem Auto auf dem Highway in Richtung San Diego. Rund 190 Meilen lagen vor ihnen und sie würden ein paar Stunden brauchen, aber sie hofften, zur verabredeten Zeit bei Sam in San Diego einzutreffen.

Joey hatte sich ans Steuer gesetzt, und sein Bruder hatte nichts dagegen gehabt, normalerweise war es meist Mick, der die längeren Strecken gerne selber fuhr, aber ihn beschäftigen in diesem Moment zu viele Gedanken, als daß er sich noch auf's Fahren konzentrieren konnte.

War es richtig, daß sie jetzt auf dem Weg nach San Diego waren?! Ja, Mick nickte, während er darüber nachdachte, vielleicht könnten Joey, Sam und er diesen Johnson ja sogar noch in San Diego ausfindig machen und stellen, das war Mick’s größter Wunsch in diesem Moment. Mit einem kurzen Seitenblick schaute er auf seinen jüngeren Bruder, der dies nicht zu bemerken schien, sondern konzentriert auf die Straße blickte. Nein, er durfte einfach nicht zulassen, daß Joey durch diesen Johnson in Gefahr geraten würde, sie mußten diesem Verbrecher einfach zuvor kommen....Johnson darf gar nicht erst die Gelegenheit haben, dies zu versuchen...Mick atmete tief durch, schon alleine der Gedanke daran ließ ihn erschaudern...

Was war, wenn Johnson schon herausbekommen hatte, daß sie jetzt in Santa Barbara wohnten und sogar schon auf dem Wege hierher war, während sie jetzt gerade nach San Diego fuhren?!

Die Alarmanlage im Strandhaus hatten sie eben, bevor sie abgefahren waren, angestellt, ihre Freundin Grace war sowieso für 2 Wochen in Urlaub gefahren, sie war momentan nicht in Gefahr, wenn Johnson auch ihr Haus "besuchen" sollte... nein, es war okay so. Nach San Diego zu fahren, war das Beste, was sie jetzt im Augenblick tun konnten.

Sollte er Luis verständigen?! Ja, Mick schien dies jetzt die vernünftigste Lösung zu sein. Er drehte sich um, nahm seine Tasche vom Rücksitz und holte sein Handy heraus.

"Wen rufst du an?" Joey, der die ganze Zeit ruhig neben ihm gesessen und sich auf's Fahren konzentriert hatte, warf jetzt einen kurzen fragenden Blick auf seinen Bruder.

"Ich werde Ortega anrufen, ich denke, es ist das Beste, wenn er über unser Vorhaben auch Bescheid weiß, auch für den Fall, daß Johnson inzwischen hier auftauchen sollte, während wir in San Diego sind."

"Okay", Joey nahm kurz seine rechte Hand vom Steuer und streichelte über Mick’s linken Oberarm, "gute Idee, Bro!"

Mick wählte die bekannte Nummer seines Freundes bei der hiesigen Polizei, es dauerte einen Augenblick, bis sich jemand meldete. "Ortega!"

"Hola amigo, hier ist Mick, hast Du einen Augenblick Zeit?"

"Hola Miguel. Wie geht's? Klar hab ich Zeit. Was gibt's denn?", hörte Mick seinen mexikanischen Freund sagen. Luis Ortega hatte die Angewohnheit, Mick immer bei seinem spanischen Namen zu nennen. Er lebte zwar schon viele Jahre in den USA, aber er fühlte sich doch immer noch mehr als Mexikaner.

"Ich habe ein ziemlich ernstes Problem, ein privates Problem, über das ich mit dir reden muß", fuhr Mick fort. Wieder atmete er tief durch, bevor er weiterredete. "Es geht um Joey's und meine Eltern."

Mick und Joey warfen sich einen kurzen Blick zu, dann begann Mick zu erzählen.

Als er geendet hatte blieb es am anderen Ende der Leitung noch für einige Sekunden ruhig, bevor Luis schließlich sagte: "Das tut mir echt leid, amigo. Ich hatte ja keine Ahnung." Nach einer nochmaligen kurzen Unterbrechung meinte der Polizist dann in ruhigem Ton: "Es ist gut, daß du mir Bescheid gesagt hast. Ich werde auf jeden Fall meine Augen offen halten. Und ihr beide paßt bitte gut auf euch auf, comprende?"

Damit beendeten sie das Gespräch und die beiden Barrett-Brüder fuhren schließlich eine ganze Weile schweigend weiter. Joey war es schließlich, der die Stille unterbrach.

"Hey Bro, laß uns doch mal eine kurze Pause machen, o.k.? Ich hab mächtigen Hunger. Ich brauch jetzt unbedingt was zu essen!"

Mick mußte lächeln. Typisch Joey, selbst in den extremsten Situationen konnte ihm nichts den Appetit verderben, im Gegenteil. Während er, Mick, im Moment beim besten Willen keinen Bissen herunterbringen würde, konnte Joey bestimmt schon wieder eine riesige Portion verdrücken.

Aber Mick kam zu dem Entschluß, daß auch ihm eine kleine Pause nichts schaden würde. Es war in der Zwischenzeit außerdem ziemlich heiß geworden und auch das offene Auto konnte keine richtige Abkühlung mehr bringen. Eine eiskalte Coke wäre jetzt genau das richtige.

"Also gut, kleiner Bruder. Auf eine halbe Stunde kommt es jetzt auch nicht an. Und ich will ja schließlich nicht, daß du mir noch verhungerst! Da vorne kommt schon ein Mc Donalds." Mick deutete mit dem Finger auf das große M, das einsam in der Landschaft stand. Doch Joey verzog das Gesicht.

"Nein, ich brauch jetzt unbedingt einen Burrito!" Bei dem Gedanken an eine gefüllte Tortilla hellte sich Joey's Gesicht auf. Es gab nichts,  was er mehr liebte als dieses mexikanische Essen. Er könnte sich jeden Tag nur von Burritos ernähren.

"Da vorne war schon ein Taco-Bell angeschrieben, das müßte eigentlich jetzt gleich kommen", freute sich Joey schon. "Auch recht, ich hab sowieso keinen großen Hunger", erklärte sich Mick einverstanden.

Einige Minuten später bogen die beiden auch schon in den Parkplatz des mexikanischen Fast-Food-Restaurants ein. Auch Mick zwang sich schließlich, eine Kleinigkeit zu essen. Es würde schließlich ein langer Tag werden und er mußte einen klaren Kopf behalten.

Nachdem sich beide gestärkt hatten, fuhren sie  weiter in Richtung San Diego.

Nach einigen Stunden hatten Mick und Joey schließlich ihr Ziel erreicht und fuhren bei dem Police Department in San Diego vor. Sie hatten während der restlichen Fahrt kaum gesprochen, sogar Joey, der normalerweise keine 5 Minuten ruhig sein konnte, war schweigsam am Steuer des Autos gesessen.

Auch er war viel zu sehr mit dem Gedanken daran beschäftigt, was wohl in den nächsten Tagen passieren würde. Auch die Tatsache, daß der Surfshop abgebrannt war, machte ihm zu schaffen. Mick und er hatten dort eine schöne Zeit verbracht. Gewiß, es gefiel ihm auch in Santa Barbara sehr gut, aber "High Tide" hatten sie beide zusammen gekauft, es war ihr gemeinsamer Laden gewesen, und der Gedanke, daß es ihn nicht mehr gab, stimmte ihn doch etwas traurig. Joey war zwar auch mit dem Verkauf einverstanden gewesen, der Shop hatte einfach zu wenig Profit abgeworfen. Außerdem wollte Joey schon immer als P.I. tätig sein, nur Mick hatte sich die ganze Zeit dagegen gesträubt. Bis vor einigen Monaten: Da konnte Joey ihn endlich dazu überreden, daß beide als professionelle Privatdetektive anfangen. Sie hatten ja schließlich schon oft Fälle gelöst, damals, für Gordon, den Restaurantbesitzer, hatten sie mehrere Male "Private Investigator" gespielt. Naja, meistens hatte er, Joey, sich von Gordon überreden lassen, wieder irgendeiner seiner Patentöchter aus der Klemme zu helfen, und Patenkinder hatte Gordon wirklich genug. Mick war davon immer weniger begeistert. Gordon, was er wohl jetzt machte? dachte Joey bei sich. Schon lange hatten die Barrett-Brüder nichts mehr von ihm oder seiner "rechten Hand" Fritzi gehört.  Das Restaurant wurde vor einigen Monaten verkauft und Fritzi wollte zurück in ihre Heimat, nach Deutschland.

"Joey, wir sind da! Los, komm, laß uns aussteigen. Sam wird schon auf uns warten", unterbrach Mick ihn in seinen Erinnerungen.

Die beiden stiegen aus dem Wagen und betraten das Revier.

"Mick, Joey , da seid ihr ja, hi", kam Samantha Harrold auf die beiden zu.

Sie umarmte erst kurz Joey, ehe sie Mick fest an sich drückte und ihm einen Kuß auf den Mund drückte. "Das alles tut mir so leid", sagte sie mitfühlend. Sie sah ihrem ehemaligen Kollegen eine ganze Weile tief in die Augen. Joey war es schließlich, der die Szene mit einem lauten Räuspern unterbrach, das Mick und Sam verlegen aufblicken ließ.

"Okay", ergriff die Polizistin das Wort, "ich hab gerade mit dem Krankenhaus telefoniert. Mr. Drake geht es noch sehr schlecht, aber wir können kurz zu ihm. Hoffentlich kann er uns genauere Angaben über die Täter machen. Laßt uns am besten gleich losfahren."

Die drei machten sich auf den Weg zum Memorial Hospital, daß nur einige Autominuten vom Polizeirevier entfernt war. Mick und Joey sahen sich erwartungs- voll an, als sie hinter Samantha den langen Krankenhausflur entlanggingen. Würde sich Mr. Drake an den Überfall erinnern? Hatte er erkannt, wer auf ihn geschossen hatte und würde er ihn identifizieren können? Ein Bild von Johnson, ein aktuelles Bild, würde ihnen unheimlich weiterhelfen. Solange sie nicht genau wußten, wie er aussah, waren sie ohne jede Chance.

Als das Trio das Krankenzimmer betrat, erhob sich Mrs. Drake von dem Stuhl, auf dem sie neben dem Bett ihres Mannes gesessen hatte. Mr. Drake sah sehr bleich aus, er konnte kaum die Augen offen halten.

"Mrs. Drake, es tut mir so leid!"  Mehr konnte Mick im Augenblick nicht sagen.

Verdammt, das war alles seine Schuld! Er hätte die Drake's gleich anrufen müssen, als er von der Flucht Johnson's erfahren hatte. Aber er war viel zu sehr mit sich beschäftigt gewesen, und jetzt mußten diese Leute soviel durchmachen!

Samantha wandte sich an Mr. Drake. Das Sprechen fiel ihm sehr schwer, aber er konnte ihnen mitteilen, daß er von zwei Männern angegriffen wurde, als er nach einem lauten Knall in den Laden hinuntergegangen war.

"Konnten sie die Männer erkennen, Mr. Drake? Würden Sie sie wiedererkennen?", mischte sich Joey ein. "Einer hat sofort auf mich geschossen", flüsterte Mr. Drake. "Plötzlich war überall Feuer, ich weiß selbst nicht mehr, wie ich es nach draußen geschafft habe... ich weiß nur noch, ich bin irgendwie durch die Hintertür rausgekommen...”

"Wie sahen die beiden Männer aus, Mr. Drake? Bitte versuchen Sie sich sich zu erinnern, es ist sehr wichtig", leise sprach Samantha auf den verletzten Mann ein.

"Ich.. ich weiß es wirklich nicht mehr, es ging alles so... so schnell...es tut.. mir leid." Die letzten Worte flüsterte er nur noch und war kurz darauf wieder erschöpft eingeschlafen.

"Okay, Jungs, wir kommen hier im Moment nicht weiter, am besten warten wir bis morgen und versuchen es dann noch mal", Sam sah Mick und auch Joey kurz ins Gesicht und beide nickten. "Ja, du hast recht, Sam." Und zu Mr. Drake gewandt fügte Mick hinzu, "wir kommen morgen noch mal wieder, Mrs. Drake, bitte halten Sie durch, Ihr Mann wird es bestimmt schaffen, er ist ein zäher Kerl!"

Mrs. Drake nickte zögernd, "ja, John war immer sehr stark!"

"Auf Wiedersehen Mrs. Drake, bis morgen", Sam und die beiden Barrett-Brüder verließen das Krankenzimmer.

Schweigend gingen sie zunächst den langen Krankenhausflur entlang. Als sie schließlich an der großen Eingangstüre des Memorial Hospitals wieder angekommen waren, unterbrach Sam die Stille. "Also Jungs, ich muß zurück zum Dienst, können wir uns später treffen, wo werdet ihr wohnen?"

Mick und Joey schauten sich achselzuckend an, "na, wir werden uns jetzt erstmal ein Motel suchen und danach sehen wir weiter, ich rufe dich nachher an, Sam, und sage dir, wo wir untergekommen sind, okay?!"

"Ja, mach das, vielleicht können wir uns später zum Abendessen treffen und alles weitere besprechen, okay?! Mein Dienstschluß ist gegen 21.00 Uhr, bis dann Jungs!"

Die Polizistin verabschiedete sich mit einer kurzen Umarmung von Joey und Mick und stieg danach in ihr Auto ein und fuhr davon.

Nachdem ihr Auto hinter der nächsten Straßenecke verschwunden war, blickte Joey seinen älteren Bruder an: "Also, welches Motel bevorzugen der Herr?"

"Das ist mir egal, Bro, wie wär’s mit dem Sunshine-Beach-Motel?! Das hatte doch immer einen guten Ruf."

"Hauptsache, die haben Burritos da", murmelte Joey.

"Werden sie schon haben, Bro", antwortete Mick und mußte lächeln. Schon wieder dachte sein kleiner Bruder ans Essen, das war mal wieder typisch für ihn...

"Wie spät haben wir es eigentlich, Bro?!"

Mick schaute auf seine Armbanduhr, "kurz nach sechs, wir haben noch ca. 3 Stunden bis Sam Feierabend hat, warum?"

"Können wir kurz noch woanders vorbeifahren, bevor wir zum "Sunshine-Beach" fahren?!"

Mick schaute seinen Bruder kurz ins Gesicht und wußte instinktiv sofort, was er meinte. "Ja, okay, aber bist du sicher, das du es wirklich sehen willst?"

"Ja, Bro, du doch auch, oder?"

"Ja, du hast recht, also laß uns zunächst bei "High Tide" vorbeifahren."

"Beziehungsweise zu dem, was davon übriggelieben ist", murmelte Joey betrübt und beide Barretts stiegen in ihr Auto und fuhren los.

 

[

 

"Hach", zufrieden lehnte sich Mike Johnson in seinem Sessel zurück, sein Plan war genial gewesen, diesen "High Tide"-Surfshop zu überfallen gestern nacht war leichter gewesen, als er zunächst angenommen hatte. Zu dumm nur, daß ihm der Besitzer so schnell in die Quere gekommen war, aber sein Partner Jeff Brubaker hatte schnell reagiert und ihn auf den hereinkommenden Mann aufmerksam ge- macht. Einfach abgeknallt hatte Johnson diesen dämlichen Besitzer, recht so, was hatte er auch im Ladenraum zu dieser Nachtzeit zu suchen gehabt, selbst dran schuld.  Nachdem Mike Johnson gefunden hatte, wonach er gesucht hatte, hatten er und sein Partner Brubaker den ganzen Laden einfach von außen mit Benzin übergossen und angezündet. Ihr zweiter Partner, Bobby Lorenzo hatte draußen "Schmiere" gestanden, aber zu dieser Nachzeit war keiner am Strand unterwegs gewesen.

Laut Recherchen seines Partners Bobby Lorenzo hatte Johnson schon vorher die Information erhalten, daß sein verhaßter Gegner Mick Barrett nicht mehr in diesem Surfshop wohnte, aber durch ihren nächtlichen Überfall hatte Johnson die gewünschten Papiere gefunden, die er jetzt triumphierend in den Händen hielt. Der Kaufvertrag, der ihm nun zeigte, daß Mick Barrett inzwischen nach Santa Barbara gezogen war. Okay, die genaue Adresse stand nicht darauf, aber was bedeutete das schon, außerdem war Brubaker schon auf dem Weg, die Straße ausfindig zu machen. "Ich krieg dich Barrett, es wird nicht mehr schwer sein, dich in Santa Barbara ausfindig zu machen, dann bekommst du, was du schon lange verdient hast...du und dein geliebtes Brüderchen, ihr werdet nicht mehr lange am Leben sein", murmelte Johnson zufrieden, während er mit seinem Feuerzeug den Kaufvertrag in seinen Händen anzündete und dabei zusah, wie er langsam in Flammen aufging.

"Verdammt", fast hätte er sich jetzt noch verbrannt, fluchend ließ er den letzten Rest des verkohlenden Papieres fallen, die Glut erlosch auf dem Boden.

"Hast du was gesagt, Boss?" Lorenzo kam in das Wohnzimmer, eigentlich war es ja seine Wohnung, aber schon fast 2 Wochen hatte er seinen ehemaligen Partner Johnson bei sich aufgenommen, nachdem dieser aus dem Staatsgefängnis geflüchtet war. Hier würde ihn so schnell keiner finden, Bobby Lorenzo war "clean", seit er vor 14 Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden war. 5 Jahre hatten er und sein Freund Brubaker damals bekommen, während ihr Boss Johnson lebenslänglich erhalten hatte. Lorenzo und Brubaker hatten nicht erwartet, ihn je wiederzusehen, aber nachdem Johnson aus dem Gefängnis ausgebrochen war und sich kurz darauf bei ihm gemeldet hatte, waren auch in Lorenzo die alten "Jagdinstinkte" wieder erwacht und er war gleich Feuer und Flamme gewesen, seinem alten Partner und Boss wieder beizustehen. Schließlich war es dieser verdammte Barrett gewesen, der ihm 5 Jahre seines Lebens gekostet hatte. Und er wußte, daß sein Freund Brubaker genauso empfand, schließlich hatten sie beide über all die Jahre ihren Kontakt aufrecht erhalten, hatten aber nie ernsthaft daran gedacht, sich an Barrett zu rächen, dafür hatten sie einfach zu viel Angst, aber jetzt unter Führung ihres ehemaligen Chefs Johnson war es eine andere Situation.

"Bobby, hast Du was von Bru gehört?"

"Nee Chef, er ist noch nicht zurück, er wollte persönlich zu Mr. Fernandez, da er ihn telefonisch nicht erreichen konnte. Er und Josè sind alte Bekannte, laß ihn mal machen, er wird für dich die neue Adresse von diesem Barrett rauskriegen, da bin ich mir sicher. Was sollen wir tun, wenn Bru mit der Adresse wiederkommt?!"

"Na, was wohl, wir werden gleich morgen früh alle drei nach Santa Barbara fahren, wir werden diesen Barrett und seinen geliebten  Bruder schon kriegen... das mußt du dir mal vorstellen, Bobby, laut dem Kaufvertrag hat Mick Barrett diesen dämlichen Surfshop mit seinem Bruder zusammen gehabt, die zwei wohnen doch tatsächlich immer noch zusammen, ist es zu glauben?! In all den vielen Jahren hat sich da gar nichts verändert... wir haben leichtes Spiel, wir werden sie beide zusammen abmurksen können, da haben wir Glück."

Zufrieden grinsend lehnte sich Johnson zurück, sprach aber noch weiter, "aber vielleicht, Barrett, quäle ich dich auch noch ein bißchen, bevor du stirbst, du hast es nicht anders verdient...sicherlich wirst du leiden, wenn ich deinen Bruder vor deinen Augen abknallen werde....!"

"Boss?"

"Hm?"

"Was ist eigentlich mit diesem Surfshopbesitzer?"

"Na, was soll mit ihm sein, er wird verbrannt sein, mit samt seinem Laden, denke ich, ich habe mich nicht mehr darum gekümmert... was ist, Bobby, kriegst du jetzt Skrupel oder was ist los mit dir?! Auf ein Menschenleben kommt es doch nun wirklich nicht an!"

"Nein, natürlich nicht, Boss, da hast du recht!......."

 

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Da die letzten Meter für Autos nicht zugänglich waren, mußten Mick und Joey zu Fuß die Strandpromenade entlanggehen. Beide hatten sie sich auf der kurzen Fahrt hierhier schon in Gedanken ausgemalt, welcher Anblick sie wohl erwarten würde, aber das, was sie jetzt erblickten, verschlug ihnen fast die Sprache.

Von ihrem Surfshop war absolut gar nichts mehr übriggeblieben. Nur ein paar verkohlte Reste ließen erkennen, daß hier mal ein Gebäude gestanden war. Unter all dem Schutt konnte man noch ein paar Teile der Surfbretter erkennen, die im Laden gestanden waren.

Stumm blickten die beiden Barretts auf den leeren Platz. Keiner war fähig, ein Wort zu sagen, zu betroffen waren sie von dem Anblick. Beide dachten in diesem Moment zurück an die schöne Zeit, die sie hier zusammen verbracht hatten, an ihre Wohnung mit dem herrlichen Ausblick direkt auf's Meer, wie sie vor dem Shop in der Sonne gesessen hatten.... Es gab so viele schöne Erinnerungen an die Zeit.

Nachdem sie ungefähr 5 Minuten schweigend dagestanden hatten und auf die Asche starrten, war Joey der erste, der zu reden anfing.

"Mick", er blickte seinen großen Bruder an und sah, daß auch Mick's Blick fassungslos war, "Mick, laß uns gehen, bitte!" Beinahe flehend sprach er die  Worte aus. Er wollte nur noch weg, keine Sekunde länger würde er den Anblick ertragen können. Als Mick keine Anstalten machte, mitzukommen, zerrte Joey ihn am Ärmel mit sich zurück auf den Weg, auf dem sie gekommen waren. Als sie schließlich ihr Auto erreichten, stiegen beide stumm ein und Mick lenkte den Wagen in Richtung Sunshine-Beach-Motel. Dort angekommen verweilte Mick noch einen Moment, ehe er ausstieg und in Richtung Eingang losmarschierte. Er bemerkte erst gar nicht, daß sein Bruder gar nicht mitgekommen war. Als er sich umschaute, sah er, daß sein kleiner Bruder immer noch auf dem Beifahrersitz saß.

"Hey, Joey", Mick ging den Weg zurück zum Auto und öffnete die Tür auf Joey's Seite. Erst jetzt bemerkte dieser, daß sie längst angekommen waren. "Komm, Bro."

Mick legte die Hand auf Joey's Schulter und zog ihn sanft aus dem Auto. Er drückte ihn fest an sich und Arm in Arm marschierten die beiden zur Reception. Mick buchte ein Zimmer und holte anschließend noch das Gepäck aus dem Kofferraum, während sich Joey schon auf eines der beiden Betten gelegt hatte und immer noch ungewohnt ruhig war. Auch Mick beschloß, sich nach den anstrengenden Stunden noch ein bißchen auszuruhen, bevor sie schließlich losfuhren, um ihre Freundin Samantha zu treffen.

 

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In der Zwischenzeit war Jeff Brubaker in das Haus Bobby Lorenzo's zurückgekehrt, das jetzt dem flüchtigen Verbrecher Johnson Unterschlupf gewährte.

Johnson, der noch immer gemütlich im Sessel saß und sich jetzt eine Talkshow im Fernsehen anschaute, sprang erwartungsvoll auf, als Brubaker ins Wohnzimmer kam.

"Hast du die Adresse von Barrett, Bru?"

"Ich hab zwar nicht den Namen der Straße, aber ich hab herausgefunden, daß die beiden in einem Strandhaus wohnen, das einer Grace Warner gehört", berichtete Brubaker aufgeregt. "Wenn wir in Santa Barbara sind, wird es kein Problem sein, herauszufinden, wo es ist. Die Alte ist die Frau des ehemaligen Senators Warner, der vor ein paar Jahren abgekratzt ist. Schwerreich, die Lady. Er hat ihr ein riesiges Vermögen hinterlassen! Vielleicht sollten wir ihr auch gleich einen kleinen Besuch abstatten. Sie bewohnt eine Riesenvilla direkt nebenan!"

"Na wer sagt's denn", Johnson lächelte zufrieden. "Nicht, daß wir endlich den beiden Barretts das Licht auspusten, jetzt können wir gleich noch ein bißchen Kohle dabei abstauben. Das ist ja prima, dann lohnt sich der Weg ja richtig."

Johnson lachte laut. Da kam auch Bobby Lorenzo ins Zimmer. "Was ist los, Boss? Hey, Bru, wieder zurück. Und, hast du die Adresse?"

"Alles bestens", rief Johnson. "Packt eure Sachen, Jungs. Wir machen einen kleinen Ausflug nach Santa Barbara. Der Strand dort soll toll sein, haha." Bobby sah Bru fragend an. "Los, macht schon. Wir wollen unseren beiden Freunden einen Besuch abstatten", drängelte Johnson, der es kaum erwarten konnte, abzufahren. Wie freute er sich, das Gesicht von Barrett zu sehen, wenn er ihm gegenüber stand. Aber irgendwie mußte er sich noch was Besonderes ausdenken. Die beiden einfach abzuknallen war viel zu einfach, nein, Barrett sollte leiden. Ihm würde schon noch was einfallen. Dieser ehemalige Bulle sollte bezahlen für die Jahre, die Johnson im Gefängnis verbringen mußte zwischen all diesen brutalen Idioten. Er hatte ihn viele Jahre seines Lebens gekostet! Die ganze Zeit hatte ihn nur der Gedanken an Rache am Leben gehalten, er hatte sich geschworen, eines Tages würde er es schaffen, aus diesem Loch auszubrechen, und jetzt war der Moment endlich gekommen. Und du, Barrett, wirst jetzt endlich bezahlen!

 

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Kurz vor 21.00 Uhr trafen die  Barrett-Brüder im dem Restaurant ein, in dem sie sich mit Samantha Harrold verabreden hatten. Da Sam noch nicht da war, beschlossen die beiden, draußen im Auto auf ihre Freundin zu warten. Beide waren wieder etwas entspannter, die Zeit im Hotelzimmer hatte ihnen gut getan. Joey hatte sogar eine halbe Stunde geschlafen. Jetzt freute er sich schon auf ein ausgiebiges Diner, schließlich war es schon eine ganze Weile her, seit die beiden in dem Taco-Bell etwas gegessen hatten.  Gerade, als Mick auf seine Armbanduhr schaute, kam auch schon Samantha angefahren. "Na, endlich", murrte Joey, "ich bin schon fast am verhungern." Schnell sprang er aus dem Auto und marschierte nach einem kurzen "hallo" zu Sam in Richtung Eingang. "Hi, Sam", Mick umarmte die Polizistin kurz und beide folgten Joey ins Restaurant.  Sie setzten sich an einen ruhigen Tisch am Fenster und Joey griff sich sofort die Speisekarte, die auf dem Tisch stand. "Gibt's denn schon irgendwas Neues?", wollte Mick wissen.

"Ich hab mir mal die Akten von damals angeschaut", begann Samantha. "Du hattest mir ja erzählt, daß Johnson mit zwei anderen Angestellten von Phoenix Security zusammengearbeitet hatte, die Namen der beiden sind Jeff Brubaker und Bobby Lorenzo." "Genau!" Mick schlug sich mit der Hand auf die Stirn. Auch Joey schaute jetzt auf und hatte aufgehört, die Speisekarte zu studieren. 

"Ich hab die beiden überprüfen lassen. Seit sie aus dem Gefängnis entlassen worden  sind, haben sie sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen, nicht mal ein Strafzettel wegen falschem Parken. Rein gar nichts."

"Hm",  Mick runzelte die Stirn, "hast du die Adresse der beiden?"

Die beiden Barretts blickten Samantha neugierig an. Die mußte lächeln. Wie damals, dachte sie bei sich. Schön war die Zeit, als die beiden noch in San Diego wohnten und immer wieder an den Fällen von ihr beteiligt waren.

"Die beiden wohnen hier in San Diego, ich werde ihnen morgen mal einen Besuch abstatten." 

"Warum erst morgen?" Mick schaute seine Freundin fragend an, Samantha runzelte leicht die Stirn. "Ist die Frage jetzt erst gemeint, Mick?" Dieser nickte und Samantha schüttelte leicht lächelnd den Kopf. "Du hast dich wirklich nicht verändert, Mick, da spricht noch immer der Polizist in dir!" Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: "Okay, ich weiß, dir ist die Sache sehr wichtig, aber ich habe wirklich bisher absolut nichts in der Hand gegen diese beiden Männer, unter was für einem Vorwand sollte ich also heute abend noch bei ihnen auftauchen?! Gib mir noch einige Stunden Zeit, Mick, ich muß morgen erstmal einige weitere Recherchen über die beiden einholen, wenn sie wirklich beteiligt sein sollten, kriegen wir sie schon, verlaß dich auf mich!"

"Okay", zögernd nickte der ältere der beiden Barretts, "du hast recht, bitte entschuldige."

"Ist schon gut", murmelte Sam, "ich kann dich ja verstehen."

Joey, der die Unterhaltung zwischen der Polizistin und seinem Bruder aufmerksam verfolgt hatte, beschloß, entgegen seiner sonstigen Prinzipien, sich diesmal nicht einzumischen, sondern wandte sich wortlos wieder seiner Speisekarte zu.

Um die Situation etwas aufzulockern, unterbrach Samantha die Stille. "Okay Jungs, was essen wir?! Ich habe einen Mordshunger, ich bin seit heute morgen ständig auf den Beinen und hatte noch keine Pause, laßt uns für eins, zwei Stunden mal den Alltag vergessen und trotz allem unser Wiedersehen feiern, ja? Es ist schön, daß ihr da seid!"

 

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Es hatte nicht ganz geklappt, zwar hatten sich Mick, Joey und auch Sam bemüht, die Sache mit Johnson wenigstens während des Essens zu verdrängen, doch schon nach einer Weile war ihr Gesprächsthema wieder bei diesem Thema gelandet und dementsprechend schleppend war der Abend verlaufen.

Bereits gegen 22.45 Uhr hatten sich die Barrett-Brüder von der Polizistin verabschiedet, da diese auch hundemüde war und dringend etwas Schlaf verdient hatte. Zu Sam’s Dienstbeginn wollten sie sich am anderen Morgen wieder auf dem Revier zusammenfinden. Bis dahin sollte auch ein Fahndungsfoto von Johnson vorliegen, welches Sam am Nachmittag schon angefordert hatte.

Zurück in ihrem Motelzimmer hatten die Barrett-Brüder nicht mehr viel miteinander gesprochen und jeder hatte sich, seinen eigenen Gedanken nachhängend,  ziemlich schnell in sein Bett verzogen.....

"Neeeiiin!", rund drei Stunden später schreckte Mick, durch seinen eigenen Schrei geweckt, in seinem Bett auf.

"Mick!", auch Joey war durch diesen Ausruf aufgewacht und sprang sofort auf, um zum Bett seines  Bruders zu eilen. "Bro, was ist passiert, was hast du?" Er blickte sorgenvoll auf seinen älteren Bruder, der ziemlich verstört in seinem Bett saß und sich einen Augenblick sammeln mußte, um seine Gedanken zu ordnen.

"Was?" Mick blickte auf und realisierte erst jetzt, daß er im Bett saß, sein Bruder mit ziemlich erschrockener Miene vor ihm stand und ihn fragend anblickte.

Mick seufzte tief und begann stockend zu erzählen. "Oh Bro, ich habe einen schlimmem Traum gehabt, du warst drin und Mom und Dad... und Johnson....."

"Erzähl mir davon, Mick". Joey setzte sich neben seinen Bruder auf die Bettkante und legte eine Hand auf die Schulter seines Bruders, "bitte!"

"Okay, da war... unser Elternhaus und ich kam von der Arbeit nach Hause und wollte bloß meine Uniform gegen meine Surfsachen tauschen... dann betrat ich die Diele .. und Mom und Dad... sie lagen dort.... tot...ich bin rausgerannt und vor dem Haus, da hast du dann gestanden und wolltest mir etwas sagen, aber dieser Johnson tauchte plötzlich wie aus dem Nichts auf und richtete eine Waffe auf dich... ich wollte dir helfen und mich auf Johnson stürzen, aber er war schneller...er hat dich getroffen, Bro... ich konnte nichts machen... gar nichts..."  Mick senkte den Kopf und schwieg.

"Hey, come on, Bro, es war bloß ein blöder Traum, sonst nichts..das wird bestimmt nicht in Wirklichkeit passieren...da bin ich mir ziemlich sicher..." Joey schüttelte seinen Bruder leicht an der Schulter, als wollte er versuchen, ihn aus seinen Gedanken zurück in die Realität zu rütteln...

"Ja, mag sein, Joey, aber es sah alles so verdammt echt aus in meinem Traum."

"Ich weiß, Bro, Alpträume dieser Art sind selten anders, sie wirken so real....ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, nachdem Mom und Dad gestorben waren, wie oft hatte ich nachts ähnlich schlimme Träume, in denen ich plötzlich ganz alleine war und in denen dann auch du fortgegangen bist und mich einfach zurückgelassen hast."

Mick hob erstaunt den Kopf und schaute seinen Bruder an: "Ja, genau, ich erinnere mich daran, das hatte ich ganz vergessen, daß es mindestens ein Jahr gedauert hat, ehe du wieder durchgeschlafen hast, wie oft habe ich damals gedacht, du würdest nie mehr ruhig durchschlafen können... aber irgendwann dann haben diese Träume aufgehört."

"Ja, Bro, ich glaube, das war zu der Zeit, in der ich endlich akzeptiert hatte, daß Mom und Dad nicht mehr bei uns waren und ich mir sicher war, daß du mich nicht auch noch verlassen würdest... ja, da haben die Träume dann aufgehört.... und noch was, Bro, es ist niemals eingetreten, du hast mich nicht verlassen und ich weiß nur, daß es meine Ängste waren, die mich dieses träumen ließen. Wir sind zwar jetzt keine Kinder mehr, Mick, aber ich denke, bei dir ist es nichts anderes im Moment, du befürchtest nur, daß Johnson mir oder uns etwas antun könnte, daher hast du diesen Traum gehabt. Laß ihn bloß los, Bro, und vergiß ihn schnell wieder, das ist das beste, was ich dir raten kann für den Augenblick. Solltest du in nächster Zeit wirklich Johnson gegenübertreten, wird dir der Traum nur im Wege stehen, das zu tun, was du in diesem Moment vielleicht tun mußt... Also bitte, Mick, versuch ihn zu vergessen und bitte versuche jetzt, noch ein bißchen zu schlafen, glaubst du, das kannst du?!"

Mick schaute seinem jüngeren Bruder in die Augen und lächelte leicht, "ja, ich denke, das kann ich jetzt, danke für deinen Ratschlag, Bro." Mick legte sich zurück auf sein Kissen und war bereits kurze Zeit später wieder eingenickt.

Joey war solange sitzengeblieben, bis er gemerkt hatte, daß sein Bruder wieder eingeschlafen war, dann stand er seufzend auf und ging zurück zu seinem eigenen Bett. Eine Weile stand er unschlüssig davor, doch er wußte, daß er selbst im Moment bestimmt nicht einschlafen konnte, also ging er zum geöffneten Fenster und setzte sich auf die breite Fensterbank. Er schaute hinaus, in diesem Zimmer machte das "Sunshine-Beach-Motel" seinem Namen alle Ehre, es gab einen Blick auf einen der langen Strände San Diego’s frei, der zu dieser Nachtzeit allerdings ziemlich ausgestorben wirkte. Nur vereinzelt sah man noch einen nächtlichen Spaziergänger entlanggehen und außer dem Rauschen der Brandung war nichts weiter zu hören. Die befahrene Straße lag zur anderen Seite hinaus und ihr Geräuschpegel klang nicht bis hierher hinüber.

Joe Barrett atmete tief ein, es roch etwas salzig, nach "Meer" eben, diesen Geruch, der ihm so vertraut war und den er so mochte... Es war sein Leben, schon immer gewesen. Plötzlich lief ihm ein Schauer über den Rücken, er mußte wieder an den zerstörten Surfshop denken, den er am Abend zuvor zu Gesicht bekommen hatte... nein, entschieden schüttelte er den Kopf, nicht wehmütig werden, Joseph Patrick, sagte er zu sich selbst, die Zukunft ist wichtig, nicht die Vergangenheit. Ein zerstörter Surfshop kann wieder aufgebaut werden, die Drake's werden es schaffen.

Joey schaute hinüber zu dem Bett seines Bruders, doch dieser schlief jetzt ganz ruhig. Die Schatten der Vergangenheit, vor allem der Mord an ihren Eltern machte Mick in diesen Tagen ganz schön zu schaffen, das wußte Joey ganz genau und er mußte alles versuchen, seinen älteren Bruder seelisch zu unterstützen, damit dieser nicht daran zerbrechen würde. "Wir schaffen das schon, Bro", murmelte Joey und drehte seinen Kopf wieder in Richtung des Meeres, um den Blick noch einen Moment zu genießen, bevor auch er wieder in sein Bett zurückkehrte.

Nachdem er sich wieder hingelegt hatte, mußte Joey plötzlich noch mal lächeln..was hatte er eben am Fenster für einen Ausdruck gebraucht?! Schatten der Vergangenheit.... Shades of the past...hmm, wäre ein guter Buchtitel, klingt irgendwie geheimnisvoll...und mit diesem Gedanken schlief auch er endlich wieder ein.

 

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Zur gleichen Zeit waren Johnson, Lorenzo und Brubaker in Lorenzo’s Jeep auf der Schnellstraße Richtung Santa Barbara unterwegs. Sie hatten sich entschlossen, noch heute nacht loszufahren, nein, eigentlich war es Mike Johnson gewesen, der diesen Entschluß durchgesetzt hatte, er konnte es nicht mehr ertragen, noch länger untätig in San Diego herumzusitzen. Außerdem lockte ihn auch die Villa von dieser stinkreichen Grace Warner...der würden sie natürlich auch noch einen Besuch abstatten. Was hatte Bru gesagt?! Wenn diese Dame wirklich alleine in diesem Kasten wohnt, haben wir leichtes Spiel. Zufrieden lächelnd lehnte sich Johnson auf dem Beifahrersitz zurück. Ein auftauchendes Schild am Straßenrand zeigte ihm, daß sein Partner Bobby, der ein flottes Tempo fuhr, noch etwa  eine Stunde brauchen würde, ehe sie in Santa Barbara eintreffen würden. Johnson blickte auf seine Armbanduhr... 2.30 Uhr, sicherlich lag dieser Barrett jetzt friedlich in seinem Gästehaus und wenn sie es geschickt anstellten, könnten sie Barrett und seinen Bruder im Schlaf überraschen...."Los, Bobby, gib Gas, wir haben heute Nacht noch etwas zu erledigen."

"Okay, Boss", mit einem kurzen Seitenblick auf Johnson erhöhte Bobby Lorenzo das Tempo noch ein wenig. Sein Blick traf sich danach für einen kurzen Augenblick mit dem seines Freundes Jeff Brubaker, der auf dem Rücksitz saß. Sah er da nicht etwas Unsicherheit in den Augen seines Freundes?! Nein, sicher hatte er sich getäuscht, aber er wollte auch jetzt, in der Anwesenheit von Johnson, Bru nicht darauf ansprechen, er würde ihn später fragen.....

 

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Es war kurz nach 7.00 Uhr, als Mick Barrett auf den Wecker auf seinem Nachttisch schaute. Höchste Zeit, aufzustehen, wenn wir um 8.00 im Polizeirevier sein wollen.

Ein Blick hinüber zu seinem Bruder Joey zeigte Mick, daß dieser noch tief und fest zu schlafen schien. Auch Mick war noch ziemlich müde, aber nach seinem schrecklichen Alptraum hatte er dann doch noch für einige Stunden einen ruhigen Schlaf gefunden. Die Sonne schien schon durch das Fenster herein, es versprach ein wunderschöner Tag zu werden.

Mick kroch aus seinem Bett und ging hinüber zu seinem Bruder. "Hey, Joey, Zeit zum Aufstehen!" Mit einem kräftigen Rütteln gelang es Mick schließlich, Joey aufzuwecken. Der blinzelte ihn verschlafen an. "Was!?", fragte er nur erstaunt. "Was ist denn los?" "Es ist Zeit, wir wollen  uns doch um 8.00 mit Sam treffen. Los, mach schon. Raus aus dem Bett!" Mick zog die Bettdecke beiseite und zerrte seinen kleinen Bruder aus dem Bett. Der murrte noch etwas vor sich hin, ehe er Mick schließlich ins Badezimmer folgte. Nachdem sich die beiden angezogen hatten, beschlossen sie, noch schnell bei dem Coffee-Shop ganz in der Nähe vorbeizufahren. Nach einem ausgiebigen Frühstück war schließlich auch Joey einigermaßen ansprechbar und sie fuhren los zum Polizeirevier.

Samantha Harrold erwartete die Barrett-Brüder bereits. "Hi, guten Morgen, ihr zwei!", begrüßte sie die beiden. "Hi Sam. Wie sieht's aus, können wir gleich losfahren?", fragte Mick ungeduldig. Er konnte es kaum erwarten, endlich Lorenzo und Brubaker aufzusuchen. Vielleicht würden sie dann endlich was Neues erfahren.

"Losfahren? Wohin?", wollte Sam wissen. Aber ein kurzer Blick zu ihrem ehemaligen Kollegen sagte ihr sofort, was er vorhatte. "Oh nein, Mick. Lorenzo und Brubaker werde ich aufsuchen. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, aber das ist mein Fall, und du bist kein Polizist mehr. Außerdem bist du emotional viel zu erregt in der Sache." Mick schüttelte bei ihren Worten nur den Kopf. "Sam, es geht hier um unsere Eltern, und um Joey's und mein Leben. Wir kommen  mit!"

Die Polizistin gab schließlich nach und die drei machten sich auf den Weg zu Bobby Lorenzo's Haus, das nicht weit vom Revier entfernt in der Springfield Road stand.

Nachdem sie mehrere Male geklingelt und geklopft hatten, rührte sich immer noch nichts. Kein Laut kam aus dem Haus. "Scheint niemand zu Hause zu sein", meinte Mick enttäuscht. Joey war in der Zwischenzeit zu einem der Fenster gegangen und versuchte, durch den Vorhang irgendwas zu erkennen. Aber das Haus schien wirklich leer zu sein.

"Ich werde mich mal bei den Nachbarn umhören", schlug Sam schließlich vor und marschierte los in Richtung des Hauses, das direkt neben dem Lorenzo-Haus stand.

Mick und Joey folgten  ihr und warteten gespannt, ob jemand öffnen würde.

Nach einiger Zeit hörten sie schließlich Schritte und die Tür wurde geöffnet. Vor ihnen stand eine Frau Mitte 50, auf dem Kopf hatte sie rosarote Lockenwickler, und sie war mit einem alten Bademantel bekleidet.     

"Was gibt's denn?", krächzte sie mit rauher Stimme.

Sam zog ihre Polizeimarke und gleichzeitig ein Foto aus ihrer Tasche und hielt ihr die Marke hin. "San Diego Police, ich hätte ein paar Fragen an Sie, Mrs..." Die Polizistin warf einen Blick auf das Namensschild an der Klingel, ehe sie fortfuhr, "Mrs. Potter?" "Ja, die bin ich", raunte die stämmige kleine Frau. "Es geht um ihren Nachbarn, Bobby Lorenzo",  fuhr Sam fort. Sie hielt Mrs. Potter das Foto hin, das sie vorher aus der Tasche geholt hatte. Neugierig schauten Mick und Joey den Mann auf dem Bild an. Mick erkannte in ihm sofort Mike Johnson wieder, nie würde er dieses Gesicht vergessen. Johnson hatte sich nicht groß verändert seit damals, sein Blick war noch immer kalt und gefühllos. Joey schaute seinen Bruder fragend an, erkannte aber gleich an dessen Blick, daß das Johnson sein mußte. Er selbst konnte sich nicht mehr so genau an das Aussehen des Verbrechers erinnern. Das war schon so lange her, und er hatte ihn ja nur kurz im Fernsehen gesehen. Außerdem war er viel zu durcheinander gewesen wegen dem Tod seiner Eltern, und wahrscheinlich war er auch einfach zu klein gewesen, um sich jetzt noch genau an die Zeit zu erinnern. 

"Kennen Sie diesen Mann? Haben Sie ihn in den letzten Wochen gesehen?" Sam hielt Mrs. Potter das Foto noch etwas näher hin. Die nahm es und überlegte einen Augenblick. "Hm, ich glaube, den hab ich heute nacht gesehen. Ich konnte nicht schlafen, und irgendjemand hat mit einer Autotür geknallt, da bin ich zum Fenster und hab rausgeschaut, was denn da los ist mitten in der Nacht. Ich sah, daß Lorenzo und sein Kumpel was in ihr Auto luden, sah aus, als ob sie verreisen wollten. Ja, und der...", sie zeigte auf das Foto, "der war auch dabei. Sie standen direkt unter der Straßenlaterne, deshalb konnte ich ihre Gesichter genau sehen.

Ja, das war der Typ. Ich fragte mich, warum die um diese Zeit aufbrechen. Was ist denn mit dem, hat er was ausgefressen?" Neugierig schaute die Frau nochmal auf das Foto, das sie immer noch in der Hand hielt. Mick und Joey wechselten einen aufgeregten Blick, ehe sie sich wieder Mrs. Potter zuwandten.

"Und Sie sind sicher, daß es dieser Mann war?", hakte Sam noch einmal nach.

"Ja", die Frau nickte. "Das war er, ich bin mir sicher."

Sam schaute erst zu Mick und dann zu Joey.

"Vielen Dank, Mrs. Potter, Sie haben uns sehr geholfen." Mit diesen Worten verabschiedeten sich die drei und kehrten zu ihrem Wagen zurück.

"Ich werd verrückt, der ist wirklich da!", flüsterte Joey, als sie eingestiegen waren. "Er  w a r  da", verbesserte Mick. "Verdammt, die sind bestimmt auf dem Weg nach Santa Barbara, sicher haben sie unsere neue Adresse rausgekriegt. Ich muß sofort Luis anrufen." Mick zog auch schon sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer des Polizisten von der Santa Barbara Police. "Wer ist Luis?", Sam warf einen fragenden Blick zu Mick und dann zu Joey. Der erklärte ihr schließlich, wer Luis Ortega war und  daß er  ihnen schon oft bei ihren Fällen als P.I.'s geholfen hat.

Als Mick dasTelefongespäch beendet hatte, wandte er sich zu Sam. 

"Und was tun wir jetzt?" Mick war ratlos. Jetzt waren sie extra nach San Diego gekommen, und dieser Johnson war schon nicht mehr hier. Zum Glück ist Grace in Urlaub. Darüber war Mick wirklich sehr erleichtert. So würde wenigstens ihr nichts passieren. Vielleicht war es am besten, wenn er mit Joey wieder nach Hause fahren würde. Irgendeinen Weg würden sie schon finden, um Johnson endlich wieder hinter

Gittern zu bringen. In San Diego konnten sie auf jeden Fall sowieso nichts mehr machen. Je mehr Mick darüber nachdachte, um so sicherer war er sich, daß Johnson heute nacht in Richtung Santa Barbara abgefahren war. Und er hatte seine beiden Komplizen von damals wirklich dabei. Sie würden es also mit drei Typen zu tun haben.  Was sollen wir nur tun? Mick versuchte krampfhaft, irgendeine Lösung, irgendeinen Plan zu finden, um sich und Joey heil  aus der Sache zu bekommen. Verdammt, wären wir nur gestern abend noch hergefahren! Aber jetzt war es eh zu spät. Sie mußten wieder zurück nach Santa Barbara, das war klar.

Mick drehte sich schließlich um zu Joey, der auf dem Rücksitz saß. "Bro, ich glaube, es ist das Beste, wir fahren nach Hause. Was meinst du?"

"Mick, nein, laß das die Polizei machen! Es ist doch verrückt, jetzt zurückzufahren, wo ihr genau wißt, daß Johnson dort auf euch wartet. Er wird euch beide umbringen, die sind zu dritt! Wie wollt ihr gegen die ankommen. Johnson ist ein Schwerverbrecher, er hat schon einige Leute umgebracht. Ich will nicht, daß er euch auch noch tötet." Samantha sah Mick flehend an. "Am besten bleibt ihr hier, bis alles vorbei ist."

"Nein", meldete sich Joey schließlich zu Wort. "Wir können hier nicht untätig rumsitzen. Ich finde auch, wir sollten zurückfahren, Mick, am besten fahren wir gleich ins Motel und packen unsere Sachen."

Mick nickte, ein Zeichen, daß er genau mit den Worten seines jüngeren Bruders einverstanden war.

Samantha versuchte erneut, die beiden Barretts umzustimmen, aber es war unmöglich, schließlich gab sie es seufzend auf und der Rest der Rückfahrt zum Polizeirevier verlief schweigend. Als Sam ihren Wagen geparkt hatte und die drei ausgestiegen waren, brach Mick das Schweigen wieder. "Okay, Sam, Joey und ich, wir fahren dann jetzt zurück, vielen Dank für alles!" Er ging auf die Polizistin zu und umarmte sie. Zögernd erwiderte Sam die Umarmung. "Mick, ich kenne dich lange genug und weiß, daß ich euch nicht umstimmen kann..", sie löste die Umarmung wieder und schaute ihrem Freund in die Augen, ".... und ich denke, du weißt, daß ich gerne mit euch nach Santa Barbara kommen würde, um euch im Kampf gegen Johnson beizustehn... ich kann es aber nicht, Mick, ich habe dort leider keinerlei Befugnis..."

"Ich weiß, Sam, ich danke dir trotzdem, für alles und bitte, mache dir keine Sorgen, Joey und ich, wir schaffen das schon, außerdem haben wir dort auch einige Freunde bei der Polizei, sie werden uns helfen, da bin ich mir ziemlich sicher."

"Okay", die Polizistin gab sich schließlich geschlagen, "bitte ruft aber gleich an, wenn irgend etwas ist, du weißt, daß ich immer für euch beide da bin!"

"Ich weiß, Sam, vielen Dank", Mick umarmte seine Freundin erneut und gab ihr zum Abschied einen Kuß.

Nachdem auch Joey sich von Samantha verabschiedet hatte, stiegen die Barrett-Brüder in ihren Wagen und verließen den Parkplatz. Die Polizistin schaute dem  Wagen noch nach, bis er nicht mehr zu sehen war. "Bitte paßt auf euch auf", murmelte sie und ging seufzend die wenigen Schritte zur Eingangstüre ihres Reviers zurück.

Nachdem die beiden Barretts den Parkplatz hinter sich gelassen hatten, war Joey es, der als erster wieder das Wort ergriff. "Was hat Luis eigentlich genau gesagt, als du vorhin mit ihm telefoniert hast?"

"Er wollte gleich mit ‘ner Verstärkung zu unserem Strandhaus fahren und es überprüfen, er will mich danach wieder anrufen."

"Das ist gut", erwiderte Joey und nach einer kurzen Pause sprach er weiter: "Mick, ich weiß, du willst so schnell wie möglich zurück nach Hause, aber wir müßten doch noch schnell was anderes erledigen heute morgen."

Mick schaute seinen Bruder an und nickte. Wieder verstanden sie sich eigentlich schon ohne Worte, aber dennoch sprach Mick sie aus. "Okay, laß uns noch schnell im Memorial Hospital vorbeifahren, das sind wir Mr. und Mrs. Drake schuldig."

Gesagt, getan, sie trafen Mrs. Drake im Krankenhausflur, wo sie sich gerade am Automaten einen Kaffee holen wollte... Sie freute sich sehr über den Besuch von Mick und Joey und hatte auch etwas erfreulichere Nachrichten für die beiden. "Meinem Mann geht es etwas besser, die Ärzte sind sich sicher, daß er außer Lebensgefahr ist, es wird zwar noch eine Weile dauern, ehe er das Krankenhaus wieder verlassen kann, aber er wird es schaffen!"

Die Barrett-Brüder waren über diese News sehr erleichtert, sie erklärten Mrs. Drake daraufhin kurz die Situation und den neuesten Stand Johnson und seine Komplizen betreffend und versprachen ihr, sich in den nächsten Tagen auf alle Fälle wieder bei ihr zu melden, wenn sie den Fall gelöst hatten.

"Alles Gute für Sie beide", Mrs. Drake umarmte die beiden Barretts kurz zum Abschied. "Für Sie und ihren Mann auch, wir melden uns", erwiderte Mick und auch Joey nickte Mrs. Drake noch einmal kurz aufmunternd zu, ehe die Brüder das Krankenhaus wieder verließen.

"Ich bin sehr froh, daß Mr. Drake über den Berg ist, Joey, ich hätte mir wahrscheinlich nicht verzeihen können, wenn er es nicht geschafft hätte, es wäre meine Schuld gewesen!"

"Unsinn, Mick, bitte höre auf, dir dafür die Schuld zu geben, du hättest es nicht verhindern können. Es ist passiert und jetzt ist nur wichtig, daß er wieder ganz gesund wird, okay?"

"Okay, Bro." Mick nickte, er war sehr froh, daß sein Bruder bei ihm war und ihn aufzumuntern versuchte, er konnte im Moment jede Aufmunterung gebrauchen.

Nachdem die beiden Barretts das Motelzimmer bezahlt und ihre Sachen wieder in den Wagen geladen hatten, fuhren sie zurück auf den Highway Richtung Santa Barbara. Diesmal war Mick es, der sich auf den Fahrersitz setzte und Joey akzeptierte es wortlos. Wenn sein Bruder sich auf die Rückfahrt konzentrieren mußte, hatte er auch nicht soviel Zeit, sich über Johnson und seine Komplizen Gedanken zu machen, so dachte wenigstens Joey in diesem Moment. Aber insgeheim wußte er, daß Mick sich trotzdem gedanklich damit beschäftigte.....

Nachdem sie ungefähr die Hälfte der Rückfahrt hinter sich gebracht hatten, klingelte Mick’s Handy. Joey meldete sich.

"Joe Barrett.... oh, hola Luis... was gibt’s Neues?" Danach schwieg Joey eine ganze Weile und Mick, der ja am Steuer saß und sich auf die Straße konzentrieren mußte, konnte immer nur mal kurz zu seinem Bruder schauen, doch dessen Gesichts-ausdruck zeigte ihm noch keinerlei Hinweis auf den Inhalt des Gespräches. 

Mit den Worten "okay, ich sag’s ihm, ja, wir sind auf dem Weg zurück, in spätestens 2 Stunden sind wir wieder in Santa Barbara", verabschiedete sich Joey schließlich von Luis Ortega und klappte das Handy wieder zu.

"Was hat er gesagt, Bro?", begann Mick nervös zu fragen, er wußte instinktiv, daß irgendwas passiert war.

"Mick, bitte halte kurz an, okay? Das ist nichts für’s Autofahren."

"Okay", Mick setzte den Blinker, da sich gerade in einigen hundert Metern voraus eine Raststätte angekündigt hatte und fuhr schließlich auf den dort vorhandenen Parkplatz.

Nachdem er den Motor abgestellt hatte, wandte er sich seinem Bruder zu.

"Also, was hat Luis gesagt?"

Joey holte tief Luft . "Luis kam gerade von unserem Haus zurück, da ist heute nacht eingebrochen worden, alles ist verwüstet, laut Ortega’s Aussage muß es schlimm bei uns aussehen, Bro. Allerdings war von den Einbrechern keine Spur mehr zu sehen, als die Polizei dort angekommen ist. Bei Grace haben sie es wohl auch versucht, allerdings müssen sie dort gestört worden sein, die Eingangstüre weist zwar Spuren von gewaltsamen Aufbrechens auf, doch die Innenkette war noch vor, sie sind nicht bis in Haus gekommen..." Joey schwieg einen Augenblick und versuchte, an den Augen seines Bruders seine Gedanken zu erkennen.

Doch dieser sprach sie bereits aus: "Du weißt, wer uns "besucht" hat, nicht wahr?!"

Joey nickte und flüsterte nur ein einziges Wort : "Johnson!"

"Ja, genau, dieser Mistkerl mit seinen beiden Kumpanen, sicherlich sind sie gekommen, um uns im Schlaf zu überraschen und uns umzubringen....was hat Ortega noch gesagt, hat unsere Alarmanlage nicht funktioniert?!"

Joey schüttelte mit dem Kopf. "Nein, sie hatten heute nacht auf dem Revier keinerlei Meldung eines Einbruchs vom Überwachungsservice her, komisch.... auch Grace’s Alarmanlage hat wohl nicht funktioniert... aber Ortega überprüft es gerade noch, wir sollen, wenn wir in Santa Barbara angekommen sind, ihn zunächst auf dem Revier treffen und er will dann mit uns zum Haus fahren."

Mick überlegte einen Augenblick und stimmte Joey’s Worten dann zu. "Ja, okay, wird  das Beste sein, ein bißchen Hilfe können wir jetzt wohl brauchen."

Eine Weile war es still und jeder der Brüder hing seinen Gedanken nach. Joey war es, der sich als erster wieder gefaßt hatte: "Mick, soll ich weiterfahren?"

"Was?.... Ach so... nein, es geht schon." Mit diesen Worten startete Mick wieder den Wagen und fuhr zurück auf den Highway.

 

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"Verdammt, wo steckt dieser Barrett?" Wütend schlug Mike Johnson mit der Faust auf den Tisch in dem kleinen Motelzimmer, in dem die drei Verbrecher abgestiegen waren, nachdem sie die Barrett-Brüder nicht in dem Strandhaus angetroffen hatten. Dabei hatte Johnson fest damit gerechnet, daß er letzte Nacht endlich Rache üben könnte. Es hatte alles so gut geklappt, es war kein Problem, das Haus ausfindig zu machen, in dem die beiden Brüder jetzt wohnten. Sogar eine Alarmanlage hatten sie, aber Jeff Brubaker war ein Meister im Lahmlegen von Alarmanlagen. Es dauerte keine zehn Minuten, bis er die des Strandhauses ausgeschaltet hatte und sie über die Hintertür in das Haus einbrechen konnten, ohne viel Lärm machen zu müssen.

Wie können sich diese Kerle nur ein so nobles Haus leisten?, dachte Johnson verärgert. Das Beach House war sehr groß, schön eingerichtet mit einem großen Privatstrand hinter dem Haus.

Als Johnson schließlich erwartungsvoll alle Zimmer durchsuchte, mußte er feststellen, daß niemand im Haus war. Beide Schlafzimmer waren leer, die Betten unberührt. Er war so außer sich, daß er sämtliche Schubladen aufzog, den Inhalt auf den Boden schleuderte und schließlich die Schränke und fast sämtliche Einrich- tungsgegenstände demolierte. Die beiden Surfbretter, die auf dem Wohnzimmer- boden lagen, schleuderte er mit solcher Wucht gegen die Fenster, daß diese zerbrachen und die Bretter in der Mitte auseinanderkrachten.

Brubaker und Lorenzo sahen nur kopfschüttelnd zu. Wie sehr mußte Johnson diesen Barrett hassen. Den beiden war nicht sehr wohl bei der ganzen Angelegenheit.

Okay, sie hatten gegen etwas Extra-Kohle nichts einzuwenden, aber das Ganze ging nun doch etwas zu weit, und mit Mord wollte eigentlich keiner von ihnen etwas zu tun haben.  Allerdings traute  sich auch weder Brubaker noch Lorenzo, Johnson das zu sagen oder ihm in irgendeiner Weise zu widersprechen, dazu hatten sie viel zu viel Angst vor ihm und vor seiner Reaktion. Er war völlig unberechenbar, das war klar, und beide wollten keinen Ärger mit ihm bekommen.

Als Johnson sich schließlich wieder etwas beruhigt hatten, gingen sie hinüber zu der Villa von Grace Warner.

Auch hier war es kein Problem für Brubaker, die Alarmanlage zu entschärfen. Sie wollten gerade die Tür aufbrechen, als plötzlich eine Gruppe von jungen Männern den Strand stürmte. Mit lautem Gejohle und mit Fackeln in den Händen ließen sie sich fast unmittelbar vor dem Hintereingang der Villa nieder, so daß es unmöglich war, unbemerkt in das Haus einzudringen.

"So ein Mist, das darf doch nicht wahr sein", stieß Johnson aus. "Bei diesem Lärm wird hier sicher gleich die Polizei aufkreuzen, heute läuft aber auch alles schief. Los, wir verschwinden hier."

Die drei Einbrecher rannten durch den Garten  und eilten zu ihrem Wagen, den sie nicht weit von dem Haus entfernt geparkt hatten.

Lorenzo, der auf den Fahrersitz gesprungen war, fragte nervös: "Und jetzt, wohin fahren wir?" Johnson überlegte kurz und befahl dann, irgendwo außerhalb von Santa Barbara ein Motel zu suchen, in dem sie erst mal unterkriechen würden, um sich  einen neuen Plan ausdenken .

Und da saßen sie jetzt, Johnson war nur noch von Rachegedanken erfüllt.

Na warte, Barrett, ich krieg dich schon noch. Ich werd es dir und deinem Brüderchen zeigen.

Johnson schmiß die Bierflasche, die er in der Hand hielt, auf den Boden. Mit einem lauten Klirren, das Brubaker und Lorenzo erschrocken zusammenfahren ließ, zersplitterte sie auf dem Teppichboden.

"Bru, Bobby, schafft mir diese Barretts her, und zwar sofort! Findet heraus ,wo die sich rumtreiben, irgendwo müssen sie doch stecken", fauchte Johnson die beiden  Männer an.  Die waren froh, endlich aus dem Motelzimmer verschwinden zu können. Schnell eilten sie zur Tür und gingen zu dem Auto, daß auf dem Parkplatz direkt vor ihrem Zimmer stand.

"Hoffentlich finden wir irgendwas raus", flüsterte Brubaker Lorenzo zu. "Der ist ja völlig unberechenbar. Ich möchte nicht wissen, was der mit uns anstellt, wenn wir die Typen nicht ausfindig machen. Verdammt, hätten wir uns bloß nicht mehr mit dem eingelassen! Der macht mir echt Angst. Wenn wir nichts Neues erfahren, wird er ausflippen!" Die beiden sahen sich ängstlich an. "Vielleicht sollten wir einfach abhauen", schlug Lorenzo vor. Aber Brubaker schüttelte den Kopf. "Dann wird er sich an uns auch rächen wollen, ich hab wirklich keine Lust, mein ganzes Leben davonzulaufen vor diesem Irren. Sobald wir das hier erledigt haben, wird sich Johnson sowieso absetzen, irgendwie werden wir schon aus der Sache rauskommen." "Hoffentlich", seufzte Bobby Lorenzo und die beiden fuhren los in Richtung Stadt, um sich dort nach den Barrett-Brothers umzuhören.

 

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In der Zwischenzeit waren die beiden Barrett-Brüder fast in Santa Barbara angekommen. Mick steuerte gerade an dem Ortseingang vorbei in Richtung Polizeirevier. Joey war vor ungefähr einer halben Stunde eingeschlafen. Er hatte die letzte Nacht nicht viel Schlaf bekommen, und das gleichmäßige Brummen des Motors machte ihn schließlich so müde, daß er sich nicht mehr wachhalten konnte.

Mick schaute hinüber zu seinem Bruder. Hoffentlich können wir diesen Johnson bald überführen. Wenn alles vorbei ist, werden wir beide einen wunderschönen Urlaub weit weg von hier machen. Vielleicht fliegen wir nach Australien, und dann werden wir nur surfen und faul am Strand liegen. Wenn nur schon alles vorbei wäre!

Als Mick vor dem Polizeirevier anhielt, stumpte er seinen Bruder sanft an.

"Joey, wir sind da." Der zuckte zusammen. "Was?"

"Wir sind in Santa Barbara. Komm, laß uns reingehen. Luis wird schon warten." Mick öffnete die Tür des Autos und stieg aus. Auch Joey war wieder hellwach, als er sah, daß sie vor dem Police-Department waren. Schnell folgte er seinem Bruder.

Luis Ortega kam schon auf die beiden zu, als sie das Revier betraten.

"Hola Miguel,... Joe", mit einem ernsten Nicken begrüßte er seine Freunde.

"Hi Luis,  Joey hat mir erzählt, was passiert ist. Warum hat unsere Alarmanlage nicht funktioniert? Hast du schon irgendwas rausgefunden?", wollte Mick wissen.

Luis nickte. "Da waren Profis am Werk, Miguel. Die Alarmanlage wurde außer Kraft gesetzt, ebenso die von Grace. Sie haben bei eurem Haus die Hintertür aufgebrochen. Es sieht ziemlich übel aus im Haus, die Spurensicherung ist aber schon fertig, ihr könnt also alles wieder aufräumen. Leider konnten wir keine Fingerabdrücke feststellen. Aber ich denke wohl, wir wissen, wer euch da heute nacht besuchen wollte. Nur gut, daß ihr nicht zu Hause gewesen seid! Die Lage ist jetzt ziemlich ernst, amigos, ich will, daß ihr alles mit mir absprecht. Wir müssen diese Kerle schnellstmöglich kriegen." 

Mick und Joey nickten nachdenklich. Eins war klar, diese Gangster würden es wieder versuchen.

"Wir müssen ihnen eine Falle stellen." Mick überlegte. "Wir müssen ihnen zuvorkommen."

Luis machte ein besorgtes Gesicht. "Ich hab einfach nicht genügend Leute, um euch ständig ausreichend bewachen zu lassen. Und du weißt ja, Miguel, wie das ist. Ich habe nicht genügend Beweise, daß Johnson in der Stadt ist, um Verstärkung von außerhalb anzufordern. Für die war es ein gewöhnlicher Einbruch, ich weiß nicht, wie ich denen von oben klarmachen kann, um was es hier geht."

"Ich weiß, Luis", Mick nickte, schließlich war er ja selber einmal bei der Polizei gewesen und wußte nur zu genau, wie frustrierend es manchmal gewesen war, wenn man eigentlich schon einen Täter "in Händen" hatte, er aber aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden mußte... Oft hatte Mick so etwas während seiner eigenen Dienstzeit miterleben müssen, zu oft!

"Tja, dann werden Joey und ich wohl alleine gegen Johnson und seine Bande antreten müssen." Mick versuchte einen witzigen Tonfall in seine Stimme zu bekommen, Luis lächelte daraufhin zunächst leicht, schüttelte dann aber wieder ernst den Kopf. "Oh nein, amigo,  du glaubst doch nicht im Ernst daran, daß ich euch zwei alleine auf diesen Verbrecher loslassen werde?!  Ihr müßt euch verstecken, bis die ganze Sache vorbei ist, am besten, ihr nehmt euch irgendwo ein Motelzimmer, oder noch besser, ihr fahrt eine Weile in Urlaub!"

"Das habe ich doch schon mal irgendwo gehört", sagte Joey ironisch und schaute seinen Bruder Mick dabei kurz an. Danach wandte er sich wieder Ortega zu: "In Urlaub fahren, warum denken immer alle, eine Urlaubsreise würde des Rätsels Lösung sein...damit verschwinden keine Probleme, Luis, glaube mir! Mick habe ich übrigens auch schon davon überzeugen können. Er denkt da jetzt ähnlich wie ich, nicht, Mick?"

Der ältere der beiden Barretts nickte und setzte die Worte seines Bruders fort: "Stimmt, Luis, Joey hat vollkommen recht, sich verstecken ist bestimmt nicht die Lösung, Joey und ich, wir werden einen anderen Weg finden..." Die beiden Brüder schauten sich für einen Moment lang an und Ortega gab sich geschlagen: "Okay, Jungs, aber ihr werdet mich ständig und überall telefonisch informieren, comprende?! Ich will in nächster Zeit immer genau wissen, was ihr gerade macht und wo ihr seid..."

"Si, amigo", Joey hob salutierend die rechte Hand an seine Schläfe und wandte sich danach ab, um zur Eingangstür zurückzugehen.

"Das ist nicht lustig, Freunde, die Sache ist ernst, ziemlich ernst", wandte sich Luis daraufhin an Mick.

"Ich weiß das, Luis, glaube mir,und er weiß es auch! Es ist nunmal Joey’s Art, so mit einer gefährlichen Situation umzugehen. Mach dir keine Sorgen, ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen."

"Okay, Miguel, wo wollt ihr jetzt hin?", fragte Ortega, als er sah, daß auch sein Freund Mick Anstalten machte, das Polizeirevier wieder zu verlassen.

"Na, erst mal zu unserem Haus... wir können doch schon wieder rein.. oder nicht?"

"Jaja, aber bitte, seid besonders vorsichtig dort, die Verbrecher könnten jederzeit wiederkommen, es ist ja erst einige Stunden her, daß sie dort waren."

"Klar, aber Joey’s und mein Vorteil ist jetzt erst mal, daß dieser Johnson und seine Komplizen denken, wir sind nicht zu Hause, sondern vielleicht auf Reisen oder so... heute werden sie sicherlich nicht mehr zum Strandhaus zurückkommen.. Naja und mal sehen, vielleicht ziehen Joey und ich dann heute nacht doch in ein Motel... wir telefonieren, ja?" Mick deutete auf sein Handy, was er in seiner Jackentasche trug und mit einem Kopfnicken reichte Luis ihm daraufhin seine Hand, "wir sehen uns später!"

Joey, der ja vorausgegangen war, hatte sich schon wieder auf den Beifahrersitz ihres Wagens gesetzt und dort entdeckte ihn Mick jetzt.

"Alles okay, Bro?", fragte er beim Einsteigen. "Ja, alles in Ordnung", nickte Joey, "und mit dir?"

"Bis jetzt schon", sagte Mick und schaute sich noch mal nach allen Seiten um, ehe er den Wagen startete und losfuhr.

 

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Gegen 14.30 Uhr hatten sie ihr Strandhaus wieder erreicht. Von außen erinnerte vor der Haustüre nur noch ein Stück rot-weißer Klebestreifen, die man zum Absichern von Tatorten benutzte, daran, daß hier wenige Zeit zuvor noch die Männer der Spurensicherung tätig gewesen waren. Als Mick dann jedoch die Haustüre aufschloß und, dicht gefolgt von Joey, das Haus betrat, blieb ihm fast die Luft weg. Er blieb so urplötzlich stehen, daß sein Bruder ihn mit einem Schubs anrempelte, ehe auch ihm der Blick auf ihre einst so schöne Wohnung freigegeben wurde:

Der Inhalt sämtlicher Schränke und Kommoden war auf dem ganzen Boden verteilt, zerbrochenes Geschirr aus der Küche vermischte sich mit Kleidungsstücken aus den Wäschekommoden, Bücher, Schallplatten, CD’s, teilweise zerbrochen, alles lag kreuz und quer im Raum. Das große Wohnzimmerfenster zur Terrasse hinaus war zersplittert, eine Hälfte von Joey’s Surfbrett lag noch im Wohnzimmer, das andere Stück lag inmitten der Glassplitter auf der Terrasse. Auch Mick’s neues Surfbrett, das ihm sein Bruder erst kürzlich geschenkt hatte und auf das er so stolz gewesen war, lag zerbrochen inmitten dem Chaos.

Das ganze Bild glich einem einzigen Schlachtfeld, es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

"Oh Mick", Joey fand als erstes seine Sprache wieder und ging hinüber ins Wohnzimmer, wo er sich neben der Hälfte seines Surfbrettes niederkniete und traurig mit der Hand darüber strich. "Was haben wir diesem Menschen getan, daß er uns so sehr haßt?! Reicht es nicht, daß er unsere Eltern getötet hat?! Nun muß er auch noch unser Leben zerstören!" Betrübt senkte Joey den Kopf.

Mick bahnte sich daraufhin ebenfalls einen Weg durch die Scherben und das Chaos zu seinem Bruder hinüber und kniete sich neben ihn.

"Hey, ist das mein kleiner starker Bruder, der mir gestern nacht so viel Mut gemacht hat? Und der mir gesagt hat, daß wir es gemeinsam gegen Johnson schaffen würden? Also werden wir das auch, okay?"

Mick schaute Joey an, als dieser den Kopf wieder hob, es schien fast, als suchte Mick in Joeys Blick selbst eine Bestätigung für seine eigenen Worte, die ihm auch so zweifelhaft in diesem Moment vorkamen.

Aber Joey hatte sich schon wieder gefangen, er versuchte zu lächeln, was ihm auch fast gelang und sagte: "Entschuldige, du hast recht, Bro, natürlich schaffen wir es. Es ist nur Materialwert, was Johnson uns hier zerstört hat, das alles kann man ersetzen, natürlich werden du und ich es schaffen, was für eine Frage!"

Und mit diesen Worten stand er auf und zog auch dabei seinen Bruder wieder mit sich in die Höhe. "Also Mick, was machen wir jetzt?"

"Na, wie wär’s mit ein bißchen Aufräumen? Und vielleicht solltest du im Computer auch schon mal in den "Yellow Pages" nach einem Glaser hier in der Nähe Ausschau halten, ich denke, wir werden sogar Rabatt bekommen", versuchte Mick mit einem Blick auf die vielen zerbrochenen Fensterscheiben zu scherzen.

Joey ging auf seinen Tonfall ein. "Gelbe Seiten im Computer? Na, ich denke, ich rufe mal lieber über mein Handy die Auskunft an, du bist nämlich gerade auf die Tastatur getreten, Bro....."

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Ungefähr zur gleichen Zeit erreichten Lorenzo und Brubaker wieder das Motel, in dem ihr Boß schon ungeduldig wartete. "Habt ihr was herausgefunden?" Johnson schien sich aber wieder etwas beruhigt zu haben, er war nicht mehr ganz so aufgebracht, oder hatte er gar einen neuen Plan ausgeheckt? Lorenzo war sich da nicht ganz sicher im Moment, aber um seine eigene und Bru’s Sicherheit war er froh, daß er seinem Boß einige Neuigkeiten mitteilen konnte.

"Ja, das haben wir, also paß auf, diese Barretts sind wohl nur für ein paar Tage weggefahren und zwar erst gestern, so wie wir herausgefunden haben. Das hat ein   Nachbar der Barretts erzählt, Bru hat dem eine Geschichte aufgetischt, daß er ein verschollener Verwandter wäre und diesen Barrett überraschen wollte... und nun wäre er nicht da usw. Dieser Nachbar hat gesagt, er hätte die Barretts gestern wegfahren sehen und allzuviel Gepäck hätten sie nicht bei sich gehabt, nur ein paar Reisetaschen. Die kommen bestimmt in den nächsten Tagen wieder, Boss."

"Okay", Johnson atmete hörbar durch, "sonst noch was?"

"Ja, Chef", diesmal ergriff Brubaker das Wort, "wir haben noch was herausgefunden, die Barrett-Brüder haben einen guten Freund hier in Santa Barbara, einen Typ namens Jay Cassidy, er war früher mal bei der Polizei, hat aber jetzt nichts mehr mit den Cops zu tun....er hat ein Büro hier ganz in der Nähe, vielleicht können wir über ihn ja herausbekommen, wo diese Barretts jetzt sind... laß uns doch mal hinfahren und ihn fragen!"

"Ihn fragen", verächtlich sprach Johnson diese Worte nach, "sag mal Brubaker, bist du so blöd oder siehst du nur so aus, wir werden ihn nicht fragen, nein, weißt du, was wir statt dessen machen? Wir fahren jetzt hin und bringen ihn um, wenn er wirklich so ein guter Freund von Barrett und seinem Bruder ist, werden sie es sich nehmen lassen, auf seine Beerdigung zu gehen, spätestens da werden wir sie endlich kriegen!"

"Boss, das kannst du nicht tun", aber Johnson hatte sich schon seine Waffe geschnappt und war auf dem Weg nach draußen, kopfschüttelnd sahen sich Lorenzo und Brubaker einen Augenblick an und eilten ihrem Chef dann hinterher.

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Jay Cassidy hatte sich gerade Kaffee gekocht und saß nun mit der Tasse in der Hand an dem Schreibtisch in seinem Büro. In der Hand hielt er das Foto von seiner neuen Freundin Sarah, das er gerade aus der Schreibtischschublade genommen hatte. Er war mit ihr heute abend im Restaurant "The Greek" verabredet und konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen.

Er war so in Gedanken, daß er erst gar nicht hörte, daß die Eingangstür geöffnet wurde und jemand hereinkam. Erst als die Tür mit einem Knall ins Schloß fiel, sah Jay auf. Vor ihm stand ein großer Mann, der ihn mit kaltem Blick musterte.

"Guten Tag, Sir, wie kann ich Ihnen helfen?", fragte Jay in freundlichem Ton. Aber irgendwas an dem Typen ließ ihn sofort mißtrauisch werden. Er schielte auf die noch offenstehende Schublade und griff langsam nach der Pistole, die darin lag, während er den Eindringling freundlich anlachte. Sicher ist sicher, dieser Kerl sieht nicht gerade freundlich aus. Jay, der ja während seiner Tätigkeit bei der Polizei schon oft mit Verbrechern zu tun hatte, erkannte sofort, daß mit dem Kerl was nicht stimmen konnte.

"Mein Name ist Johnson", sagte der Mann schließlich, während er Jay immer noch mit eisiger Miene anschaute. "Sind Sie Jay Cassidy?"

"Ja, was wollen Sie?" Jay hatte seinen Finger am Abzug der Pistole, die er unter dem Schreibtisch auf Johnson gerichtet hielt. In dem Moment faßte sich dieser in die rechte Jackentasche und griff nach der Waffe, die er dort hineingesteckt hatte, während er Jay verächtlich anlächelte.

 

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Brubaker und Lorenzo saßen vor dem Büro von Jay Cassidy im Auto und starrten gebannt auf das Gebäude vor ihnen. Beide hatten sich geweigert, mit hineinzugehen. "Boss, ich will nichts mit Mord zu tun haben", hatte Lorenzo ängstlich hervorgebracht, und auch Brubaker hatte zustimmend mit dem Kopf genickt. Zu ihrer Verwunderung war Johnson ganz ruhig geblieben. "Okay, ich werd das allein erledigen, ihr Schlappschwänze. Dann wartet ihr eben hier. Seht zu, daß ihr gleich den Wagen startet, sobald ich rauskomme. Wir werden auf dem schellsten Wege verschwinden müssen. Ihr werdet sehen, wie schnell wir die Barrett-Brüder finden, wenn ich erst ihren Freund hier umgelegt hab!"

Brubaker und Lorenzo wechselten einen verstörten Blick miteinander.

"Boss, warum räumen wir nicht einfach die Villa dieser Senatorenwitwe aus und verschwinden dann", schlug Brubaker vor. "Bist du verrückt!", wütend sah Johnson zu Bru, der bei dem lauten Ausruf zurückzuckte. "Denkst du, ich laß diesen Barrett einfach so davon kommen. Viel zu lange hab ich auf diesen Moment gewartet, ihm endlich gegenüber zu stehen." Bei dem Gedanken daran kam ein Lächeln über Johnson's Lippen. "Und bald ist der Augenblick endlich gekommen!" Mit diesen Worten war Johnson in Richtung Büreingang marschiert.

 

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In dem Moment, als Johnson die Pistole aus der Tasche zog und auf Jay richtete, hörte er auch schon einen lauten Knall. Ein Schmerz in seinem rechten Arm durchzuckte Johnson, seine Waffe fiel auf den Boden. Ungläubig starrte er auf das Blut, das sich auf seinem Hemdärmel ausbreitete. "Verdammt!" Er preßte seine linke Hand auf die Wunde und sah ungläubig zu Jay, der aufgestanden war und die Pistole auf ihn gerichtet hatte. Einen Augenblick überlegte der Verbrecher, was er tun sollte. Sein Blick fiel auf seine Waffe, die neben ihm auf dem Boden lag und dann wieder zu Jay. Johnson war klar, daß er schnell handeln mußte. Fieberhaft arbeitete sein Verstand. So ein Mist, was mach ich jetzt. Ganz langsam ging er schließlich rückwärts, wobei er Cassidy nicht aus den Augen ließ und stürzte schließlich aus der Tür hinaus ins Freie. Jay feuerte noch einen Schuß ab, der Johnson knapp verfehlte. Dieser rannte schon auf das Auto zu, in dem Brubaker und Lorenzo saßen und rief Bobby, der am Steuer saß zu, er solle den Wagen starten.

Jay konnte gerade noch das Autokennzeichen erkennen, als er die Straße erreichte. Kopfschüttelnd ging er zurück in sein Büro und ließ sich auf seinen Stuhl fallen.  Was sollte denn das? Er konnte sich den Vorfall nicht erklären. Warum sollte ihn jemand umbringen wollen? Schließlich griff er zum Telefon und wählte die Nummer des Santa Barbara Police Departments.

 

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Mick und Joey waren noch mit dem Aufräumen ihres Hauses beschäftigt. Sie hatten in der Zwischenzeit ihre Schubladen wieder eingeräumt und die kaputten Möbel und Gegenstände nach draußen gebracht.

"Na, so langsam sieht es ja wieder richtig wohnlich aus hier, was, Mick?", sagte Joey erleichtert, als er die letzten Scherben der kaputten Fensterscheibe zusammen- gekehrt hatte. Der Glaser hatte versprochen, noch heute vorbeizukommen und sich den Schaden anzusehen, so daß sie in den nächsten Tagen auch die Fenster- scheibe wieder repariert bekommen würden.

"Tja, ich glaube, wir müssen dann erst mal ein bißchen einkaufen gehen, Bro", meinte Mick und deutete auf das fast leere Wohnzimmer, in dem Johnson am schlimmsten gewütet hatte.

In dem Moment klingelte Mick's Handy. Er zog es aus seiner Tasche und drückte die Annahmetaste.

"Ja hallo, Mick hier", meldete er sich. Joey sah ihn neugierig an. Sicher war das Luis, vielleicht gibt es was Neues. Er versuchte, an Mick's Gesichtsausdruck schon irgendetwas abzulesen. "Waaas?", rief dieser laut. "Ist er o.k.?"

Joey sah seinen Bruder fragend an. "Irgendjemand wollte Jay in seinem Büro erschießen", klärte ihn Mick schnell auf, ehe er weitertelefonierte.

"Ja, wir kommen sofort, Luis. Bis gleich." Damit beendete Mick das Telefongespräch.

Die Brüder brauchten gar nicht auszusprechen, was sie beide dachten. Es war klar, wer ihren Freund Jay Cassidy da besucht hatte. Mick griff schnell nach dem Autoschlüssel und beide eilten hinaus.

 

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Lorenzo lenkte den Wagen gerade an dem Strandhaus der Barrett-Brüder vorbei, als diese in ihr Auto stiegen. Johnson traute seinen Augen kaum.

"Da", aufgeregt deutete er zu dem Auto, "verdammt, die Barretts! Bobby, halt sofort an." Doch Bobby Lorenzo brauste weiter, vorbei an dem weißen Auto, das gerade in die andere Richtung losfuhr.

"Halt an!" schrie Johnson noch einmal verärgert.

"Boss, du bist verletzt, außerdem hast du keine Waffe mehr. Wie willst du die beiden so überwältigen? Und die sind bestimmt auf dem Weg zum Polizeirevier, nachdem du ihrem Freund eine Kugel in den Kopf jagen wolltest. Sollen wir sie etwa verfolgen und der Polizei direkt in die Arme laufen? " Lorenzo raste weiter in Richtung Motel.

"Die suchen bestimmt schon nach uns", meldete sich nun auch Brubaker zu Wort, der die ganze Zeit stumm auf dem Rücksitz gesessen hatte. "Dieser Cassidy hat bestimmt schon die Polizei verständigt, wir müssen sehen, daß wie diese verdammte Kutsche loswerden!"

"Ja, du hast recht, Bru." Lorenzo schaute sich um. "Da vorne, auf dem Parkplatz, da hat's Auto's genug. Meinst du, du kriegst das hin, Bru?"

Bru nickte nur mit dem Kopf. Lorenzo lenkte den Wagen unter einen Baum und die drei stiegen aus, nachdem sie sich umgesehen hatten, ob auch niemand in der Nähe war. Jeff Brubaker schaute sich die Wagen auf dem Parkplatz genauestens an, er war früher ein As im Autoknacken gewesen und, obwohl er es lange nicht mehr getan hatte, bereitete ihm das Aufbrechen eines schwarzen Golfs GTI keinerlei Schwierigkeiten. Schnell hatte er das Auto kurzgeschlossen und seine beiden Komplizen konnten unbemerkt einsteigen.

Na, das hat ja gut geklappt, ich bin wohl doch noch nicht so ganz eingerostet, dachte Brubaker zufrieden. Was ihm allerdings Sorgen machte, war die Verletzung seines Bosses. Die Wunde sah nicht gut aus, und auch Johnson selbst, der auf dem Rücksitz ihres neuen Fahrzeuges Platz genommen hatte, war ziemlich bleich im Gesicht, er sah aus, als ob er dringend einen Arzt brauchte.

Jeff Brubaker warf einen kurzen Blick zur Beifahrerseite, wo sein Freund Lorenzo saß. "Bobby, was sollen wir tun, schlag was vor, was ist mit deinem Auto, willst du es hier stehen lassen?"

"Nein, du hast recht, hier stehen lassen kann ich es nicht, dann würde die Polizei meinen Wagen viel zu schnell mit unseren neuen Baby hier..", er klopfte kurz mit der Hand auf das Amaturenbrett des Golfs, "....in Verbindung bringen. Ich werde ihn irgendwo verstecken, fahr hinter mir her und danach sehen wir zu, daß wir für Mike einen Arzt finden", sagte nun auch Lorenzo, nachdem er einen kurzen Blick auf die Rückbank geworfen hatte.

"Okay, Kumpel." Bobby Lorenzo stieg aus, setzte sich in seinen eigenen Wagen und fuhr vom Parkplatz hinunter, dicht gefolgt von Bru und Johnson in dem neuen geklauten Wagen.

 

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Mit quietschenden Reifen kam der Wagen der Barrett-Brüder vor Jay’s Büro zum Stehen. Luis war ebenfalls schon eingetroffen, war aber gerade mit seinem Funkgerät im Wagen beschäftigt. Er signalisierte den Brüdern, daß sie schon zu Jay reingehen sollten, er würde gleich nachkommen.

Mick nickte und gemeinsam mit seinem Bruder betrat er Cassidy’s Büro. Jay saß an seinem Schreibtisch und blickte auf, als er die Barrett-Brüder hereinkommen sah.

"Hallo Mick, Joe!", begrüßte er seine beiden Freunde.

"Jay! Alles in Ordnung mit dir? Und du bist auch wirklich nicht verletzt?" fragte Mick besorgt.

"Nein, nein, alles klar, Jungs, der alte Jay läßt sich nicht so leicht hereinlegen, bloß dieser Johnson hat jetzt ein kleines Problem mit seinem Arm!"

Inzwischen hatten die Barrett-Brüder Jay’s Schreibtisch erreicht und blieben davor stehen. Beide schauten sich bei Jay’s Worten an. "Was hast du gesagt, Jay?"

"Was meinst du, Mick? Du willst doch nicht etwa bezweifeln, daß ich mich leicht ins Bockshorn jagen lassen würde?"

"Nein, nein, Jay, Mick meinte das, was du danach gesagt hast", mischte sich nun auch Joey ein.

"Achso, ja, du meinst diesen Johnson, ich habe ihm eine Kugel verpassen können. Er kam hier reingestiefelt, sagte, daß sein Name Johnson wäre und zog daraufhin eine Pistole. Aber er hat seine Rechnung ohne den alten Jay gemacht", grinste Cassidy nun die beiden Brüder an, "ganz so dumm bin ich ja auch nicht."

"Darüber sind wir sehr froh, Jay, ohne dich wäre es bestimmt ziemlich langweilig hier in Santa Barbara, nicht, Bro?" Joey schaute zuerst Jay und danach Mick an.

"Was? Hm, achso ja", nun nickte auch Mick und lächelte für einen kurzen Moment, wurde aber sofort wieder ernst: "Und er hat dir wirklich gesagt, daß er Johnson heißt?"

"Ja, Mick, stell dir vor, er war sich wohl ziemlich sicher, daß er mich umbringen könnte, was weiß ich, anders kann ich mir das nicht vorstellen, daher hat er wohl seinen Namen genannt."

Jay Cassidy erklärte den Barretts in kurzen Worten, wie sich der "Tathergang" verhalten hatte und daß Johnson ihn hier drinnen bedroht hatte, während zwei weitere Männer draußen im Auto gewartet hatten.

Nachdem Jay seine "Berichterstattung" beendet hatte, schloß er mit den Worten: "Könnt ihr Barretts mich denn jetzt endlich mal aufklären, was hier eigentlich los ist?! Ich verstehe nämlich nur noch Bahnhof. Ortega hat mir zwar am Telefon schon kurz gesagt, daß ihr beide auch irgendwie in die ganze Sache verstrickt seid, aber genaueres weiß ich sonst noch nicht. Ich finde es zwar rührend, daß ihr beide gleich kommt, um zu sehen, wie es mir geht, aber ich vermute mal, da steckt auch noch was anderes dahinter?"

Jay schaute seine beiden Freunde abwechselnd an und nachdem Mick und auch Joey zunächst keine Anstalten machten, irgend etwas zu sagen, drängte Jay sie erneut: "Los Jungs, das seid ihr mir schuldig, also bitte, erzählt ihr mir nun die ganze Geschichte oder muß ich erst Ortega bitten, euch mit Handschellen hier an meinen Schreibtisch zu ketten, damit ich irgendwas aus euch herausbringen kann?!"

"Okay, du hast recht, Jay", nickte Mick und erzählte daraufhin seinem Freund Cassidy kurz aber präsize die Geschehnisse der vergangenen Tage.

Nachdem Mick geendet hatte, schaute Jay etwas betroffen zunächst zu Mick und dann zu Joey. "Sorry, Jungs, ich wußte gar nicht, daß eure Eltern auf solch brutale Weise ums Leben gekommen sind, es... es tut mir leid!"

"Ist schon okay, Jay", meinte Joey daraufhin leise, "niemand wußte es, Mick und ich wollten eigentlich auch nicht, daß es groß an die Öffentlichkeit kommt, aber jetzt geht es leider nicht mehr anders, das Leben vieler Menschen hängt davon ab, das hast du ja heute auch zu spüren bekommen."

"Ihr wollt damit sagen, daß dieser Johnson mich nur umbringen wollte, weil ich euch zwei kenne?! Oh that’s crazy, in der Tat!" Mit einem tiefen Atemzug lehnte sich Jay in seinem Bürosessel zurück und schaute Mick ins Gesicht.

"Ja, ich weiß, und es tut mir sehr leid, Jay,  ich glaube fast, dieser Johnson will mich erst noch etwas quälen, in dem er mit mir dieses Katz- und Maus-Spiel betreibt. Da er mich selbst noch nicht erwischen konnte, versucht er wahrscheinlich erstmal jenen Menschen etwas anzutun, an denen mir etwas liegt. Es tut mir wirklich sehr leid, Jay, es ist alles meine Schuld!"

"Ach Unsinn, Mick", murmelte Jay Cassidy etwas verlegen, "du kannst doch für so eine durchgeknallte Type wie diesen Johnson überhaupt nichts, das nehme ich dir bestimmt nicht übel. Außerdem sieh es doch mal so, das Ganze hatte auch etwas Gutes. Ich habe ihm eine Kugel in den Arm verpaßt, weit wird der erst mal nicht kommen, er wird einen Arzt benötigen und da hat Ortega dann vielleicht eher die Chance, ihn aufzuspüren und wieder hinter Gitter zu bringen."

"Apropos Ortega, wo ist Luis überhaupt?", erhob nun auch Joey wieder das Wort.

"Luis wollte noch mal raus zu seinem Wagen und seine Zentrale anfunken, ich konnte das Kennzeichen des Fluchtfahrzeuges erkennen und das läßt Ortega gerade überprüfen."

"Jay, du bist großartig", murmelte Mick und in dem Moment ging auch schon die Bürotür auf und Luis Ortega trat herein.

"Hast du herausbekommen können, wem dieser Wagen gehört?", fragte Jay schon, bevor Ortega überhaupt ganz den Raum betreten hatte.

"Ja!", der Polizist nickte, "das habe ich, der Wagen ist auf Bobby Lorenzo zugelassen, wohnhaft in San Diego."

"Bobby Lorenzo", riefen die beiden Barrett-Brüder gleichzeitig und warfen sich einen vielsagenden Blick zu.

"Ich hab die Fahndung schon rausgegeben. Wenn der Wagen irgendwo auftaucht, werde ich sofort unterrichtet", berichtete Luis Ortega weiter. "Meine Männer haben ein Foto von Johnson, Brubaker und Lorenzo bekommen. Die drei werden nicht weit kommen!"

"Na hoffentlich." Mick's Gesichtsausdruck war skeptisch. Die drei sind ziemlich gerissen, so leicht lassen die sich nicht schnappen. Ein Vorteil ist natürlich, daß Johnson verletzt ist...

Nachdem die vier Freunde eine Weile schweigend dagesessen hatten, erhob sich Jay nach einem Blick auf seine Armbanduhr.

"Schon so spät? Leute, tut mir leid, aber ich muß mich jetzt verabschieden. Ich hab heute abend noch was vor, und vorher will ich mich noch umziehen." Jay's Miene erhellte sich und Mick und Joey sahen sich lachend an. Jay und seine Freundinnen! Bestimmt hatte er wieder eine Verabredung mit einem schönen Mädchen. Er schaffte es immer, sie zu erhobern. Die beiden Brüder hatten da schon einiges erlebt im Bezug auf Jay und Frauen.

"Wie heißt sie denn?", fragte Joey grinsend.

"Wie bitte?" Jay war schon so in Gedanken vertieft und voller Vorfreude auf sein "Date", daß er den Blickwechsel zwischen Mick und Joey gar nicht bemerkt hatte.

Er kramte den Autoschlüssel aus seiner Jackentasche hervor und rief den dreien nur noch ein "bye bye" und "schließt die Tür, wenn ihr geht" zu, ehe er aus dem Büro eilte.

Auch Luis verabschiedete sich schließlich mit einem "Macht's gut, amigos" und die beiden Brüder blieben allein in Jay Cassidy's Büro zurück.

"Tja, und was machen wir jetzt?" Joey sah seinen älteren Bruder fragend an. "Vor Johnson haben wir heute ja erst mal unsere Ruhe, der hat mit sich selber genug zu tun. Ja, mit Jay ist nicht zu spaßen."  Joey stellte sich das Gesicht dieses Ganoven vor, als Jay plötzlich geschossen hat. Zu gerne wär er dabei gewesen, damit hatte dieser Johnson bestimmt nicht gerechnet.

Nachdem Mick kurz überlegt hatte, legte er schließlich den Arm um seinen Bruder und lachte ihn an. "Wie wär's mit Diner im Harborside, Bro?"

"Im Harborside?" Joey sah Mick erstaunt an. Das Harborside war ein nicht ganz billiges Restaurant an der West Beach Road, direkt am Meer gelegen. Sie waren selbst noch nie dort gewesen, aber wie man hörte, war das Essen ausgezeichnet, und der Blick auf das Meer war abends traumhaft schön.

"Du zahlst?", fragte Joey vorsichtig. Wie immer war er im Moment wieder ziemlich pleite, und ein Abendessen im Harborside konnte er sich auf keinen Fall leisten.

"Ich zahle", bekam er zur Antwort. "Na dann." Joey legte seinen Arm ebenfalls um Mick und die beiden marschierten zu ihrem Auto und Mick lenkte den Wagen in Richtung West Beach Road.

 

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Nachdem Bobby Lorenzo seinen Wagen außerhalb von Santa Barbara auf einem verlassenen Feldweg abgestellt hatte, stieg er in ihr "neues" Auto ein, mit dem ihm Brubaker gefolgt war. Johnson blutete noch immer stark und stöhnte bei jedem Holpern und bei jeder Kurve.

"Und jetzt?" Brubaker sah Lorenzo fragend an. Auf was hatte er sich da nur eingelassen. Zu gerne wäre er jetzt zu Hause in San Diego, mit einer Dose Bier in der Hand, vor dem Fernseher bei einem schönen Footballspiel. Statt dessen war er auf der Flucht vor der Polizei, mit einem durchgeknallten Kerl, der Mordpläne hegte.

"Jetzt suchen wir erst mal einen Arzt", antwortete Lorenzo entschlossen. Ihm war zwar klar, daß die Schußwunde nicht so leicht zu erklären war, aber ihm würde schon irgendeine Ausrede einfallen. Johnson's Wunde mußte auf jeden Fall versorgt werden, das stand fest.

Bobby hielt schließlich vor einer Telefonzelle und suchte im Telefonbuch nach einer Adresse eines Arztes. Mit Hilfe des Ortsplanes hatten sie schließlich die Straße gefunden und parkten ihr Auto vor der Praxis von Dr. Meyers. Brubaker und Lorenzo halfen Johnson aus dem Wagen und brachten ihn hinein.

Lorenzo ergriff das Wort und erklärte dem Arzt, daß Johnson einen kleinen Jagdunfall gehabt hätte und sich aus Versehen selbst angeschossen hat.

"Einen kleinen Jagdunfall, was?" Dr. Meyers sah mißtrauisch auf Johnson's Arm. "Na, dann wollen wir uns das mal ansehen." Er zog Johnson das Hemd aus und begutachtete die Verletzung. "Ein glatter Durchschuß", befand er schließlich. Brubaker und Lorenzo sahen sich erleichtert an. Dann sah das ganze schlimmer aus als es war.

Dr. Meyers behandelte Johnson und verband seinen Arm. "Er braucht jetzt erst mal Ruhe", ordnete er an. "Am besten bringen sie ihn ins Bett."

Eilig bedankte sich Lorenzo bei dem Arzt und die drei verließen die Praxis.

Lorenzo setzte sich wieder ans Steuer, das schien ihm das vernünftigste. Bru machte einen ziemlich verstörten Eindruck, Lorenzo bemerkte, daß Jeff das ganze etwas über den Kopf wuchs. Er startete den Wagen und fuhr in Richtung des Motels, in dem sie sich eingemietet hatten.

Johnson ging es schon etwas besser, er hatte wieder etwas Farbe bekommen. Er beugte sich nach vorne zu Bobby und meinte dann: "So, und jetzt fahren wir zu den Barretts".

"Boss",  Lorenzo schüttelte den Kopf. "Erst mal bringen wir dich ins Bett und du ruhst dich aus. So kannst du es mit diesen Brüdern nicht aufnehmen." Lorenzo deutete auf Johnson's Arm, der dick verbunden in einer Schlinge hing. Johnson verzog das Gesicht, sein Arm tat noch immer weh. Bobby hat wahrscheinlich recht, dachte er.

Erst mal ruhe ich mich aus, morgen ist auch noch ein Tag. Immerhin weiß ich, daß sie wieder in der Stadt sind. Bei dem Gedanken daran lächelte Johnson zufrieden.

Morgen!

 

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Nachdem die Barrett-Brothers beim Diner im Harborside ihre Probleme für ein paar Stunden einigermaßen vergessen hatten, waren sie jetzt auf dem Heimweg. Sie hatten sich schließlich entschlossen, doch zu Hause zu schlafen. Nachdem Jay Johnson angeschossen hatte, würde er sich heute nacht bestimmt nicht bei ihnen blicken lassen. Und diese "Sache" würde Johnson bestimmt nicht seinen Komplizen überlassen, das wollte er selbst erledigen. Vielleicht konnten Mick und Joey dann diese Nacht mal wieder ruhig schlafen, beide hatten das dringend nötig.

"Wie wär's noch mit einem heißen Kakao?" Mick warf einen Blick auf seinen Bruder, der schon in Richtung Bad unterwegs war. Joey war doch ziemlich müde und freute sich schon auf sein Bett. Aber ein heißer Kakao, ja, das wäre nicht schlecht. "O.K., Bro." Joey kam zurück zur Küche und setzte sich an den Küchenschrank, der zum Glück heil geblieben war. Mick stellte zwei Tassen mit Kakao in die Mikrowelle und setzte sich zu seinem Bruder. Er versuchte, an Joey's Gesicht abzulesen, wie er die ganzen Tage verkraftet hatte. Immer noch wollte er Joey vor allem beschützen. 

Aber sein Bruder kam ihm zuvor, noch ehe Mick etwas sagen konnte. "Hast du eigentlich Angst, Bro?"

"Ja, Joey", Mick nickte, "diesmal habe ich Angst, sehr große sogar, dieser Johnson ist so gerissen, er schreckt vor nichts zurück, er will mich unbedingt tot sehen. Solche Gangster sind die gefährlichsten, Joey, sie sind unberechenbar und man kann sie nicht einschätzen."

"Du mußt keine Angst haben, wir sind doch zu zweit, außerdem haben wir Unterstützung von Ortega und Jay hilft uns bestimmt auch, da bin ich mir sicher", versuchte Joey, seinen Bruder aufzumuntern.

Für einen Moment schaute Mick seinen jüngeren Bruder einfach nur an. Er dachte nach. Joey bemerkte dies natürlich sofort und fragte "was ist, Bro? Irgendwas nicht in Ordnung? Woran denkst du?"

"Doch, alles in Ordnung, Joey, ich habe nur gerade vorhin auf der Rückfahrt hierher im Auto gedacht, wie ich dich am besten aufmuntern könnte, ich dachte, dies alles würde dich viel mehr belasten. Aber ich muß feststellen, daß du im Moment der viel Stärkere von uns beiden bist."

"Es belastet mich auch Mick, glaube mir, das tut es, aber hier geht es um etwas ganz Besonderes, um eine Person, die ich sehr liebe auf dieser Welt und diese Person möchte ich nicht verlieren, daher denke ich nicht so oft an das, was vielleicht Schlimmes passieren könnte, sondern nur daran, wie ich es verhindern kann... nein", Joey korrigierte sich, "...wie wir es verhindern können!"

Mick schwieg erneut, sein kleiner Bruder war wirklich erwachsen geworden, nie war es ihm bewußter als in diesem Moment. Und auch ihre Freundschaft zueinander war niemals stärker gewesen, Mick fühlte es deutlich. Er schaute seinen Bruder an, Joey lächelte zurück, ja, Joey war wirklich ein feiner Kerl. Noch während Mick kurz überlegte, ob er seinen Bruder jetzt einfach mal umarmen sollte, unterbrach das Klingeln der Mikrowelle die beiden in ihren Gedanken.

"Mein Herr, es ist serviert", witzelte Joey und stand freiwillig auf, um die Tassen aus der Mikrowelle zu holen.....

 

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Es hatte ihm keine Ruhe gelassen, die ganze Nacht hatte sich Luis Ortega unruhig in seinem Bett hin und her gewälzt, selbst seine Frau war ein paarmal wachge- worden und hatte ihn gefragt, was los ist... "Nichts, Liebling, ist bloß mal wieder ein Fall, mit dem ich mich noch gedanklich beschäftige."

Oh ja, Mrs. Ortega kannte ihren Mann nur zu genau und wußte, daß er mit Leib und Seele Polizist war, schon öfters hatte sie erlebt, daß Luis zwar zu Hause, aber doch mit seinen Gedanken ganz woanders war. Also wunderte sie sich auch nicht, als ihr Mann bereits gegen 4.30 Uhr in der Früh ihr gemeinsames Doppelbett verließ und sich mit einem Kuß und den Worten "ich fahre heute ein bißchen früher zum Dienst, schlaf weiter, Schatz, ich rufe dich im Laufe des Tages an" verabschiedete.

Luis war ein guter Polizist und seine Frau wußte, dieses konnte er nur sein, weil er immer hundertzehnprozentig bei der Sache war und wenn ihn mal wieder ein besonders kniffliger Fall beschäftigte, war es besser, ihn nicht davon abzubringen. Es gab dann auch wieder Tage, an denen Luis nur für sie da war.

Also murmelte sie ein "ja, ist gut, bis dann", drehte sich auf die andere Seite und schlief wieder ein. 

Gegen 5.00 Uhr kam Luis im Revier an, dort befanden sich noch die Kollegen und Kolleginnen von der Nachtschicht, deren Dienst gerade zu Ende ging. "Guten Morgen Luis, ich habe hier war Interessantes für dich", begrüßte ihn sein Kollege Richard und kramte einen Notizzettel hervor. "Ein Dr. Meyers hat gestern abend noch angerufen, er hat eine kleine Praxis hier in Santa Barbara und hatte gestern einen "John Smith" in Behandlung, der in Begleitung mit zwei weiteren Männern zu ihm in die Praxis gekommen war, um sich eine Schußwunde am Arm untersuchen zu lassen. Angeblich ein Jagdunfall, aber Dr. Meyers kam dies sofort etwas verdächtig vor, deswegen hat er gestern noch bei uns angerufen und es gemeldet. Das könnten doch die drei Männer sein, nach denen du suchst, Luis, vielleicht solltest du nachher mal diesen Dr. Meyers aufsuchen und ihm die Fahndungsfotos zeigen, ich bin mir ziemlich sicher, daß sich da eine Verbindung ergeben wird."

"Oh danke, Richard, das ist ja eine gute Nachricht, danke daß du es mir gleich gesagt hast." Und nach einer kurzen Pause fuhr Ortega fort: "Äh, Rich, sag mal, kannst du mir vielleicht noch einen kleinen Gefallen erweisen?!"

"Sag bloß, du willst, daß ich das jetzt noch überprüfen soll...Luis, es ist fünf Uhr morgens, soll ich den guten Doktor aus dem Bett klingeln?! Außerdem habe ich gleich Feierabend." Man merkte Richard Baker an, daß er nicht gerade begeistert darüber war. Aber Ortega war einer feiner Kerl und hatte auch ihm schon öfter einen Gefallen erwiesen, also fügte er seufzend, mit einem Blick auf die Armbanduhr, hinzu "Okay, weil du’s bist, ich fahre auf meinem Nachhauseweg bei diesem Doktor vorbei, werde  mal  wieder sämtliche Antisympathien auf meine Schultern laden, weil die lieben Cops mal wieder die braven Bürger zu nachtschlafender Zeit aus den Betten holen und werde ihm die Fotos zeigen."

"Danke, Rich, ich schulde dir was", Ortega klopfte seinem Kollegen auf die Schulter und wandte sich ab, um das Revier wieder zu verlassen.

"Warte Luis", rief Richard Baker ihm nach, "wo kann ich dich erreichen?"

"Na, wie immer, über mein Handy. Ich fahre schon mal zu den Barretts, um es ihnen zu sagen"... und schon war er wieder aus der Türe verschwunden...

Richard schaute ihm noch etwas kopfschüttelnd nach und mußte lächeln, nein,   man konnte Luis nicht böse sein, so war er eben, ständig voll bei der Sache.

"Dann wollen wir mal", murmelte Richard und ging hinunter in die Tiefgarage zu seinem Auto, um anschließend Dr. Meyers aufzusuchen...

 

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Kurz vor halb sechs kam Luis Ortega vor dem großen Haus der Barretts an, es war noch dunkel, die Sonne ging zu dieser Jahreszeit erst gegen 6.00 Uhr auf.

Bewegten sich da nicht Schatten im Garten der Barretts?! Ja, ganz deutlich konnte Luis zwei Gestalten sehen, die sich an dem großen Terrassenfenster zu schaffen machten. Darin fehlte die Scheibe und war nur mit einer großen Holzspanplatte notdürftig verschlossen.

Luis nahm sein Funkgerät, meldete es der Zentrale und forderte Verstärkung an.

In ca. 5 Minuten sollte sie vor Ort sein. Entgegen seiner sonstigen Prinzipien wartete der Polizist aber diesmal nicht auf die Kollegen, hier ging es schließlich um seine beiden Freunde, die Barrett-Brüder, Ortega wollte nicht, daß ihnen etwas passiert, er mußte ihnen helfen. Ohne groß zu zögern zog er also seine Waffe aus dem Halfter, stieg aus dem Auto aus und schlich auf die beiden Personen auf der Terrasse zu.

"Halt, Polizei, Waffen fallen lassen und langsam umdrehen", rief Ortega, als er unbemerkt bei den Männern angekommen war. Er richtete seine Waffe auf die beiden, die völlig erschrocken sofort ihre Werkzeuge, mit denen sie gerade versuchten, die Holzplatte aufzubrechen, fallenließen und sich mit erhobenen Händen langsam umdrehten. Luis erkannte in ihnen sofort die beiden gesuchten Verbrecher Lorenzo und Brubaker. Gerade wollte er überlegen, wie er diese Gangster am besten noch 2, 3 Minuten in Schach halten konnte, bis die Verstärkung eintraf, da spürte er einen starken stechenden Schmerz im Rücken und es wurde dunkel um ihn. Er sackte lautlos in sich zusammen und fiel bäuchlings auf den Rasen. Den Nachhall des Schusses aus der Pistole Johnson's, der ihn von hinten in den Rücken geschossen hatte, hörte er schon nicht mehr, Luis war sofort ohnmächtig geworden.

"Shit", Johnson fluchte, durch das Geräusch seiner Waffe waren bestimmt sämtliche Nachbarn einschließlich der Barretts wachgeworden, aber er wollte alles versuchen, nun auch noch die beiden Barrett-Brüder um die Ecke zu bringen.

"Los, rein in die Wohnung, wir kriegen sie", rief Johnson und trat wütend gegen die Holzplatte im Fenster, die langsam nachgab.

Entsetzt sahen Lorenzo und Brubaker auf den am Boden liegenden Polizisten, Johnson hatte ihn einfach erschossen. Es war so schnell gegangen, sie hatten gar nicht richtig realisiert, was passiert war. Als sie sich, dem Befehl des Polizisten folgend, umgedreht hatten, waren kaum 2, 3 Sekunden vergangen, als auch schon der Schuß fiel und der Polizist zu Boden fiel.

Ihr Boss schien durchgedreht zu haben, wie wild trat er jetzt gegen diese Holzplatte im Fenster und hörte die langsam lauter werdenden Sirenen der herannahenden Poizeiwagen nicht.

Lorenzo, der sich als erstes wieder gefaßt hatte, bemerkte sie aber. "Los, Boss, Jeff, wir müssen weg, die Bullen!"

Auch Brubaker hatte die Sirenen inzwischen wahrgenommen und rannte bereits durch den Garten in Richtung ihres Autos, Oh nein, er hatte keine Lust, wieder hinter Gittern zu wandern.

Lorenzo rannte zu Johnson, der immer noch auf das Holz eintrat und zerrte ihn weg. "Boss, los, wir müssen weg, die Bullen, hast du nicht gehört?"

Erst jetzt realisierte auch Johnson das Geräusch der Sirenen und gab fluchend auf.

Er und Lorenzo rannten Jeff hinterher und erreichten ihr Auto noch rechtzeitig, bevor die Polizei vor Ort war. Bobby gab Gas und sie konnten unbemerkt flüchten....

Als sie ein Stück gefahren waren, blieb Bobby auf einem Parkplatz stehen und schaute seinen Boss, der neben ihm auf dem Beifahrersitz saß, wütend an. "Verdammt, Boss, warum konntest du nicht warten, bis wir uns einen richtigen neuen Plan ausgedacht haben?! Warum mußtest du unbedingt mit deinem kaputten Arm heute nacht noch zurück zum Haus der Barretts? Das hätte doch Zeit gehabt, bis morgen. Shit, nun haben wir einen toten Polizisten, weißt du, was das heißt? Hätte ich mich doch nie mit dir eingelassen, du bist vollkommen verrückt!"

"Ach ja, bin ich das?", rief Johnson, der sich inzwischen wieder vollkommen unter Kontrolle zu haben schien. "Vergiß nicht, du und unser Looser Jeff da hinten...", Johnson deutete kurz auf die Rückbank, wo Brubaker noch ziemlich verstört saß, "....hängt da genauso mit drin wie ich, wenn ihr mich jetzt im Stich laßt, werde ich euch bei der Polizei verpfeifen, also halt die Schnauze und fahr weiter."

Lorenzo schaute seinen Chef ziemlich verstört an und entschloß sich dann aber zunächst, seinen Worten zu folgen, irgendwie mußten sich er und Jeff später am Tag aus der ganzen Sache ausklinken, das war ihm klar, sie war außer Kontrolle geraten... Bobby Lorenzo startete den Wagen wieder und die drei Männer fuhren zurück zum Motel.

 

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"Joey!" Durch den Schuß im Garten war Mick erschrocken in seinem Bett aufgewacht. Er öffnete seine Nachttischschublade, nahm seine darin befindliche Waffe und rannte anschließend zum Nebenzimmer, wo er -gottseidank- seinen Bruder vorfand und dieser noch etwas schläfrig in seinem Bett saß. Auch Joey war durch das Geräusch aufgewacht, allerdings brauchte er einen Moment länger, zu realisieren, was passiert war.

"Was war das?", fragte er noch etwas irritiert und schaute seinen Bruder fragend an.

"Bin mir nicht ganz sicher, es klang wie ein Schuß in unserem Garten, komm mit." Auch Joey nahm jetzt seine Pistole und folgte seinem Bruder vorsichtig in das Wohnzimmer. Die große Holzplatte im Terrassenfenster war zersplittert und durch die Lücken konnte Mick gerade noch drei Männer in der aufkommenden Morgendämmerung entdecken, die durch den Garten rannten, in ein schwarzes Auto stiegen und davonfuhren. Von der Ferne erklangen Polizeisirenen, die langsam näher kamen. Mick schlich näher zum Fenster und sah plötzlich eine weitere Person, nicht weit von der Terrasse entfernt, regungslos am Boden liegen. Einer schlimmen inneren Vorahnung folgend rannte Mick, dicht gefolgt von Joey, zur Terrassentür, riß hier ebenfalls die dort befindliche schwere Holzplatte, die sie zur Sicherheit, bis der Glaser alles reparieren wollte, dort angebracht hatten, herunter und rannte schließlich, zusammen mit seinem Bruder, hinaus in den Garten. Er kniete sich neben die am Boden liegende Person und drehte sie vorsichtig herum. "Oh gott, Luis, nein!"

Erschrocken schaute Mick auf das blasse Gesicht seines Freundes. Ortega gab keinerlei Lebenszeichen von sich und aus einer großen Wunde am Rücken verlor er sehr viel Blut. "Joey, einen Arzt, schnell, ruf einen Krankenwagen."

Der jüngere der beiden Barretts rannte zurück ins Haus, um über sein Handy die Rettung zu verständigen. Währenddessen hielt Mick draußen seinen Freund im Arm. "Halt durch, amigo, hörst du? Hilfe ist gleich hier, halte durch!"

Joey kam zurück aus dem Wohnzimmer gelaufen und ließ sich neben seinen Bruder

ebenfalls auf den Rasen fallen. "Der Notarzt ist verständigt, sie müssen gleich hier sein." Vorsichtig schaute Joey seinen Bruder an. "Ist Luis... ist er..?"

Bevor Mick etwas sagen konnte, hörten sie plötzlich eine Stimme. "Halt, keine Bewegung, Polizei." Mick schaute auf und erkannte Officer Tucker, ein Kollege Ortega’s.

"Nicht schießen, Tucker, ich bin es, Mick Barrett, und mein Bruder Joey ist auch hier! Wir brauchen einen Krankenwagen, Ortega ist schwer verletzt!"

"Barrett!", der Officer ließ die Waffe, die er gegen die Männer gerichtet hatte, wieder sinken und trat erschrocken näher. Er kannte die beiden Brüder und wußte, daß sie gute Freunde von Luis Ortega waren, von ihnen ging hier keinerlei Gefahr aus. Aber er sah auch sofort an Mick's besorgtem Gesichtsausdruck, daß es um seinen Kollegen Ortega ziemlich schlimm stehen mußte. "Meine Güte, was ist passiert, Mick? Wir bekamen vor fünf Minuten einen Funkspruch von Luis, er hatte Verstärkung angefordert, weil er bei Ihnen im Garten zwei Verdächtige entdeckt hatte. Warum alles in der Welt hat er nicht auf die Verstärkung gewartet?!"

"Ich weiß es nicht, Tucker", schüttelte Mick betroffen den Kopf. Noch immer hielt er seinen stark blutenden Freund in den Armen.

Inzwischen waren auch noch drei weitere Kollegen Tucker’s am Tatort eingetroffen und auch der Krankenwagen näherte sich schließlich. Mick machte Platz für die Notärzte, die sich um die Erstversorgung des Polizisten bemühten.

In aller Eile trugen sie ihn in den Krankenwagen. Mick half ihnen. "Wird er es schaffen?", fragte er einen der Ärzte.

"Kann ich Ihnen leider noch nicht sagen," murmelte dieser gestresst, "wir werden alles versuchen."

Mit lauter Sirene fuhr der Krankenwagen schließlich ab in Richtung Hospital.

Mick blickte ihm besorgt hinterher, da fühlte er, daß ein Arm um seine Schulter gelegt wurde. "Bro, bist du okay?"

Mick blickte seinen Bruder an und nickte zögernd, "ja, und du?" Auch Joey nickte daraufhin. Für einen Moment standen sie so da, als eine Stimme sie unterbrach. "Mick, Joe, haben Sie einen Augenblick Zeit? Könnten Sie bitte mit auf's Revier kommen, für das Protokoll?"

Die Barrett-Brüder blickten sich um und erblickten Officer Tucker, der hinter ihnen stand.

"Tucker, Sie glauben doch nicht, daß wir etwas damit zu tun haben, oder?"

"Nein, nein", erwiderte dieser lächelnd, "ich weiß, daß Sie es nicht waren, Mick, oder Sie, Joe, dafür sind Sie viel zu gute Freunde von Luis. Außerdem bin ich mit Ihrem Fall hier vertraut, Luis hat mich gestern abend noch darüber informiert, und ich bin mir ziemlich sicher, daß es wahrscheinlich dieser Johnson und seine Männer waren, die auf Luis geschossen haben, nicht wahr?!"

Mick nickte, er war erleichtert, daß weder er noch Joey verdächtigt wurden, denn im Moment hatte er ganz andere Sorgen, hier ging es um das Leben seines Freundes.

"Okay, ja, wir kommen mit, ich muß mich nur noch umziehen." Mick schaute an sich herunter, seine Shorts und sein T-Shirt, mit denen er zu schlafen pflegte, waren voll von Ortega’s Blut.

"Okay, Jungs, ich treff’ Sie dann auf dem Revier", nickte Officer Tucker und  ging zurück zu seinem Wagen.

Mick ging schnell ins Haus zurück und zog sich frische Hosen und ein frisches T-Shirt an. Joey ging auch in sein Zimmer und zog sich ein Paar Jeans über die Shorts, die er zum schlafen angehabt hatte. Dann eilten die beiden zu ihrem Auto und fuhren los in Richtung Polizeirevier.

"Wir müssen Rosita noch Bescheid sagen! Daran hab ich in der Aufregung gar nicht gedacht", fiel Mick plötzlich ein. "Mein Gott, sie weiß noch gar nichts."

Mick griff sich sein Handy und wählte die Privatnummer der Ortega's. Rosita Ortega meldete sich, nachdem ein paar Mal der Rufton erklungen war, ziemlich verschlafen.

"Ortega". Mick holte tief Luft, ihm fiel es schwer, die richtigen Worte zu finden. Er schaffte es schließlich, Rosita schonend beizubringen, was passiert war.

"Okay, wir sehen uns dann im Krankenhaus. Wir kommen sofort hin, wenn wir auf dem Revier fertig sind", beendete Mick das Telefonat.

Joey, der das Auto fuhr, warf Mick einen besorgten Blick zu. "Wie hat sie's aufgenommen?" "Hm, naja", mehr sagte Mick nicht dazu. Joey beließ es dabei und konzentrierte sich wieder auf das Fahren.

Im Polizeidepartment angekommen, erwartete Officer Tucker die beiden Brüder schon.

"Haben Sie schon irgendwas vom Krankenhaus gehört, Dave?", fragte Mick, als sie Platz genommen hatten.

"Nein", Dave Tucker schüttelte den Kopf.

Mick berichtete dem Beamten, daß er Mrs. Ortega Bescheid gegeben hatte.

Es dauerte ungefähr eine halbe Stunde, bis Tucker die Aussagen der Barretts aufgenommen hatte.

"Okay, das wär alles", endete er, nachdem er alles im Protokoll erfaßt hatte. "Ich hoffe, wir erwischen die Kerle bald."

"Wir fahren jetzt gleich ins General Hospital", verabschiedete sich Mick. Auch Joey nickte dem Officer kurz zu und die beiden gingen zurück zu ihrem Auto.

Joey setzte sich wieder ans Steuer und lenkte das Auto in Richtung Krankenhaus.

Am Empfang erkundigten sie sich gerade nach Luis, als auch schon Rosita Ortega auf sie zukam.

"Mick, Joe." Sie schüttelte beiden kurz die Hand, ihr Gesicht wirkte angespannt und besorgt.

"Weißt du schon irgendwas, Rosita? Hast du schon mit dem Arzt gesprochen?" Mick legte den Arm um Mrs. Ortega und drückte sie leicht an sich.

"Sie operieren ihn gerade", flüsterte sie, "das wird noch eine Weile dauern. Oh Mick, warum nur. Was ist bloß passiert?"

"Es tut mir so leid", Mick drückte Rosita fest an sich und versuchte, sie etwas zu trösten. Er konnte es selbst kaum fassen, daß Luis angeschossen wurde. Jetzt waren wegen Johnson schon zwei Menschen verletzt worden. Wie sollte das nur weitergehen!

Joey ließ Mick und Rosita allein und ging zum Kaffeeautomaten, um drei Becher Kaffee zu holen. Nachdenklich drückte er den Knopf am Automaten. Was wäre wohl gewesen, wenn Luis nicht gerade da gewesen wäre? Mick und er wären dann vielleicht nicht mehr am Leben. Statt dessen lag jetzt Luis im Operationssaal. Er mußte es einfach schaffen! Er mußte!

Gedankenverloren ging Joey mit den drei Kaffee's in der Hand zurück zu seinem Bruder und der Frau des Polizisten. Die beiden hatten sich auf eine Couch gesetzt, die in dem Wartesaal vor dem OP stand. Mick hatte noch immer den Arm um Mrs. Ortega gelegt, die inzwischen die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

Gemeinsam versuchten die Barretts, sie ein bißchen zu trösten. Auch sie selbst hatten schreckliche Angst um ihren Freund.

Nach mehreren Stunden, die den dreien wie eine Ewigkeit vokamen, kam endlich der Arzt aus dem OP, er wirkte sehr erschöpft und müde.

"Mrs. Ortega?", kam er auf Rosita zu. Ängstlich blickte sie den Mediziner an.

"Wie geht es meinem Mann, Doktor?"

Der Arzt runzelte die Stirn. "Wir haben die Kugel entfernt. Er ist noch nicht bei Bewußtsein, ich kann noch nichts genaues sagen. Die nächsten Stunden sind ausschlaggebend. Wenn er die gut übersteht, ist er außer Lebensgefahr."

"Kann ich zu ihm?" Fragend sah Rosita den Doc an. Der überlegte kurz, legte dann die Hand auf ihre Schulter und nickte. "Ja, falls er aufwacht, ist es gut, wenn Sie da sind. Kommen Sie mit."

Rosita Ortega schaute noch einmal kurz zu Mick und Joey. Mick nickte ihr aufmunternd zu. "Wir bleiben noch ein bißchen hier." Er ließ sich wieder auf der Couch nieder, und auch Joey setzte sich wieder neben seinen Bruder und sah Mrs. Ortega nach, die zusammen mit dem Arzt hinter der Tür verschwand.

 

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Johnson, Brubaker und Lorenzo saßen schweigend in ihrem Zimmer in dem kleinen Motel. Lorenzo überlegte schon die ganze Zeit, wie er sich mit Bru zusammen am besten absetzen konnte. Johnson starrte wütend vor sich hin. Es hatte wieder nicht geklappt. So nah war er an seinem Ziel, was muß auch dieser blöde Bulle mitten in der Nacht da rumschleichen. Aber er würde Mick schon noch erwischen. Am besten wäre es vielleicht, sich im Haus zu verstecken, irgendwann würde er schon auftauchen.

Johnson warf einen Blick auf seine Uhr. Es war kurz vor 12.00.

Wo waren die Barretts jetzt wohl. Ob der Bulle tot war? Wenn er überlebt hatte! Auf jeden Fall war er schwer verletzt, das steht fest. Und wenn er im Krankenhaus war, dann wären die Barretts bestimmt dort, also könnte er sich unbemerkt ins Haus schleichen, sich dort verstecken und auf sie warten.... Ja, das schien ihm das beste im Moment.

"Bru, Lorenzo, los, wir fahren", rief er schließlich seinen beiden Komplizen zu.

"Was?", rief Brubaker erstaunt aus. "Wohin?"

"Zu den Barretts, du Flasche, wohin wohl sonst?" Johnson war aufgestanden, nahm den Autoschlüssel vom Tisch und holte seine Pistole aus der Nachttischschublade.

Ungläubig sah Lorenzo zu Brubaker. Das gibt's doch nicht. Der will allen Ernstes nochmal da hin.

"Aber...", mehr brachte Bobby Lorenzo nicht heraus. Brubaker schaute verängstigt zu Mike Johnson. "Mike, ich hab keine Lust, wieder ins Gefängnis zu wandern. Ich hau ab hier." Selbst erstaunt über seinen Mut, Johnson zu widersprechen, erhob sich Bru und packte seine Sachen zusammen. Auch Bobby war aufgestanden und packte sein Gepäck.

"Macht doch, was ihr wollt, ihr Flaschen. Seid ihr nicht auch wegen diesem Barrett im Knast gehockt? Ich laß den jedenfalls nicht gerade so davonkommen. Dann mach ich das eben allein."  Wütend stürmte Johnson aus dem Zimmer und rannte zum Auto.

Erleichtert, daß er sie gehen ließ, schauten sich Bru und Bobby an.

"Wo sollen wir jetzt hin, Bobby? Die Polizei sucht uns bestimmt, die wissen doch über uns Bescheid. Nach San Diego können wir nicht mehr zurück."

Bobby überlegte. Am besten war es, erst mal irgendwo in einem kleinen Kaff unterzukriechen, weit weg von Kalifornien. Vielleicht konnten sie bei seiner Schwes- ter eine Weile unterkommen, bis sich die Lage beruhigt hatte. Ja, das war die beste Lösung.

"Komm, Bru, ich weiß, wo wir hinkönnen. Es wird eine weite Fahrt, aber dort sucht uns bestimmt keiner. Jetzt mieten wir uns erst mal ein Auto, und dann erst mal so weit weg wie möglich. Mein Schwester wohnt oben in Colorado in einem kleinen Nest, da können wir 'ne Weile wohnen. Ich ruf sie nachher gleich mal an."

Damit verließen die beiden das Motel.

 

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Mick und Joey saßen noch auf der Couch im Krankenhaus. Mick hatte ein paar Zeitungen vom Kiosk geholt, außerdem hatten die beiden in der Kantine etwas gegessen. Von Luis hatten sie immer noch nichts Neues gehört. Rosita war noch bei ihrem Mann und wollte ihnen sofort Bescheid geben, wenn Luis aufgewacht war.

Endlich kam Rosita aus der Tür zur Intensivstation. Ihr Gesichtsausdruck wirkte schon etwas entspannter. Sie schaute an sich herunter, sie trug noch immer ihr Nachthemd. Sie war so durcheinander, als Mick sie am frühen Morgen angerufen hatte, daß sie sich noch nicht einmal umgezogen hatte. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

"Oh, ich glaub, ich müßte mich mal umziehen, was?" Auch Mick und Joey  entspannten sich etwas. "Luis ist aufgewacht, er ist noch nicht außer Gefahr, aber ich bin fest überzeugt, daß er es schafft." Entschlossen setzte sie sich kurz zu den Brüdern auf die Couch.

"Soll ich schnell mit dir nach Hause fahren, daß du dich umziehen kannst?", bot Mick ihr an. Aber Rosita schüttelte den Kopf. "Ich kann nicht weg hier, ich hab Luis versprochen, daß ich gleich wieder komme. Er wollte dich auch kurz sprechen, Mick."

"Okay", schlug Joey vor, "ich fahr schnell zu euch, Rosita, und hol dir was zum Anziehen, wie wär's?" Joey wäre es gerade recht, eine Weile aus dem Krankenhaus rauszukommen. Er haßte Krankenhausflure, und auch der medizinische Geruch wurde ihm langsam zuviel.

Rosita nickte. "Das wär nett, warte, ich geb dir den Schlüssel. Bring mir einfach irgendein Kleid, ist alles besser, als hier im Nachthemd rumzusitzen."

Mick blickte etwas skeptisch, es war ihm gar nicht recht, Joey allein zu dem Haus der Ortega's fahren zu lassen. Aber Rosita konnte er jetzt auch nicht allein lassen, und Luis.

"Joey, sei vorsichtig! Du weißt...." Mick sah seinen Bruder beschwörend an.

"Ja, ja, Mick. Keine Angst, ich paß schon auf." Joey zog seine Pistole aus der Tasche und hielt sie Mick unter die Nase. "Ich hab ja die hier."

“Okay”, erwiderte Mick zögernd, ganz wohl war ihm wirklich nicht in seiner Haut, nach allem, was passiert war, wenn er Joey jetzt alleine losfahren ließ, aber mit einem Seitenblick auf Rosita Ortega wußte er, daß er im Moment keine andere Lösung dafür hatte. "Okay", wiederholte er noch einmal, "aber bitte, paß auf dich auf!"

"JAAA, werd ich", erwiderte Joey, nickte seinem Bruder und Rosita noch einmal kurz zu und ging dann den Flur hinunter, um zum Fahrstuhl zu gelangen.....

 

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Das war ja kinderleicht gewesen, dieser Barrett war ja wirklich zu dämlich, dachte Mike Johnson schadenfroh. Johnson war zurück zum Haus der Barretts gefahren, hatte den schwarzen Golf aber schon ein ganzes Stück entfernt davon abgestellt, schließlich sollte das Auto seine Anwesenheit im Barrett-Haus ja nicht verraten. Er hatte ungehindert durch die jetzt noch weniger abgesichterte Terrassentür in das Wohnzimmer gelangen können und da befand er sich jetzt noch, während er sich umschaute, um ein geeignetes Versteck zu finden. "Barrett, du hast wohl gedacht, ich komme so schnell nicht zurück, danke, daß du mir den Einlaß in dein Nobelschuppen hier so einfach gemacht hast", murmelte Johnson nun vor sich hin, während er durch die Wohnung ging. Natürlich hatte er schnell bemerkt, daß das Haus leer war, die Barrett-Brüder waren also mit Sicherheit, so wie er sich das schon gedacht hatte, im Krankenhaus oder sonstwo... wahrscheinlich hatte dieser dämliche Bulle überlebt...ich hätte besser zielen sollen, dachte Mike nun mißmutig, aber egal, schließlich war es nicht so wichtig, ehe dieser blöde Cop eine Aussage machen konnte, war er, Johnson, sicherlich schon längst über alle Berge...

Mike Johnson fand schließlich ein geeignetes Versteck in einem der beiden Schlafräume, dort hatte er es sich hinter einem Sessel bequem gemacht und wartete auf die Dinge, die jetzt kommen sollten, nämlich, daß diese blöden Barretts endlich auftauchen würden... Er schaute auf die Uhr, fast 2 Uhr nachmittags.... sicherlich mußten sie bald mal wieder zurückkommen....

 

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"Halt, stehen bleiben, Polizei!" Sgt. Richard Baker hatte seine Waffe auf die beiden Männer gerichtet, die gerade wieder in ihren Jeep einsteigen und ihre Reise auf dem Highway fortsetzen wollten.

"Verdammt, Bobby, nun ist alles aus", entsetzt schaute Jeff Brubaker auf die auf ihn gerichtete Waffe und sah, daß er und sein Freund Lorenzo keinerlei Chancen mehr hatten, den beiden Polizisten, die vor ihnen standen, noch zu entkommen.

Dabei hatte alles so einfach ausgesehen. Lorenzo und Brubaker waren mächtig erleichtert gewesen, als sie so ohne weiteres von ihrem Boss Johnson wegge- kommen waren. Sie hatten sich bei der nächsten Autovermietung ein Auto gemietet, welches sie auch ohne weiteres bekommen hatten.

Daß dort allerdings schon ein Fax mit ihren Fahndungsfotos ausgelegen hatte und der Besitzer der Autovermietung die beiden gesuchten Verbrecher sofort erkannt hatte, hatten sie nicht wissen können. Der Besitzer der Autovermietung hatte, nachdem Bobby und Bru in einem gemieteten Jeep davongefahren waren, sofort die Polizei verständigt und Sgt. Baker war, nachdem er morgens von diesem Dr. Meyers bestätigt bekommen hatte, daß es sich wirklich um die gesuchten Verbrecher handelte, doch noch mal zurück auf's Revier gefahren und hatte dort von seinem Kollegen Dave Tucker dann die schlimme Nachricht von Ortega’s Verletzung erfahren. So hatte er beschlossen, seinen Dienst freiwillig zu verlängern und war nun mit Dave Tucker dem Hinweis dieser Autovermietung nachgegangen. Und tatsächlich hatten die beiden Polizisten den gesuchten Jeep recht bald auf einem Rastplatz auf dem Highway entdeckt. Die beiden Insassen, die keinerlei Ahnung von ihrer "Verfolgung" gehabt hatten, zu stellen, war jetzt ein Kinderspiel, sie leisteten keinerlei Widerstand und ließen sich ziemlich verdutzt die Handschellen anlegen. "Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das Recht einen Anwalt zu nehmen.." Lorenzo hörte den Worten Tucker's nur mit halben Ohr zu, schließlich kannte er sie noch aus früheren Zeiten. Er wußte, diesmal würde es nicht so glimpflich ablaufen wie damals, diesmal würden sie ihr Leben lang hinter Gittern wandern. Bobby blickte auf seinen Freund Bru, der, seinem Gesichtsausdruck nach, die gleichen Gedanken zu haben schien.

Aber Johnson würde dafür bezahlen, soviel war Bobby klar, er würde den Bullen alles von Mike Johnson erzählen, alles, Johnson sollte auch dafür bezahlen, daß sie nun wieder hinter Gittern wanderten. Irgendwie war er ja schuld an der ganzen Sache.....

 

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Joey Barrett hatte ohne Umwege das Haus seines Freundes Ortegas erreicht und auch schnell die gewünschten Kleidungsstücke von Rosita gefunden und in einen Beutel gepackt. Als er das Haus der Ortegas danach wieder verlassen wollte, war er an der Diele an einem Bild vorbeigekommen, welches auf der Kommode stand und Luis und Rosita bei ihrer Hochzeit zeigte. Sie sahen so glücklich darauf aus... Luis mußte es einfach schaffen, er mußte einfach. "Wenn du stirbst, wird Mick sich das nie verzeihen und ich auch nicht", hatte Joey noch gemurmelt, als er die Haustür abgeschlossen und zurück zu seinem Wagen gegangen war. Dort befand er sich nun wieder auf dem Rückweg ins Hospital und während er so die Straße entlang- fuhr, schüttelte er leicht lächelnd mit dem Kopf, als er über Mick’s Worte von vorhin nachdachte. Paß auf dich auf, haha, als ob Mike Johnson vor dem Haus von Luis auf ihn gewartet hätte, so ein Quatsch, dachte Joey nun, Johnson war sicherlich nun erstmal bedient und würde so schnell keinen weiteren Angriff wagen, jetzt, wo er auch schon wußte, daß die Polizei mit im Spiel war.

Als Joey nun an der Abzweigung vorbeikam, die ihn in wenigen Minuten zu seinem eigenen Haus bringen würde, setzte er kurzentschlossen den Blinker. Mick machte sich einfach immer zu viele Gedanken, er, Joey, würde einfach kurz zu Hause vorbeifahren und sich auch etwas anderes anziehen, schließlich hatte er ja auch immer noch die Schlafklamotten unter seinen Jeans an und wer weiß, wie lange er heute noch im Krankenhaus bleiben mußte. Die paar Minuten länger konnten Mick und Rosita ja sicherlich noch warten.....

 

[

 

Rosita war in das Zimmer ihres Mannes zurückgekehrt. Mick saß noch immer auf der Couch im Wartesaal, aber er konnte sich einfach nicht auf den Inhalt der Zeitschrif- ten konzentrieren. Er seufzte und schaute auf die Uhr, rund 40 Minuten waren nun vergangen, seitdem Joey das Krankenhaus verlassen hatte. Eigentlich müßte er jetzt jeden Moment wieder auftauchen. Mick stand auf, schaute den langen Kranken- hausflur hinunter, aber von seinem Bruder war noch nichts zu sehen...

"Bitte beeile dich, Joey", murmelte Mick und wollte sich gerade zurück auf die Couch setzen, als die Tür zur Intensivstation wieder aufging. Rosita, noch immer nur mit ihrem Nachthemd und einem Bademantel des Krankenhauses bekleidet, welchen ihr eine der Schwestern inzwischen gebracht hatte, schaute hinaus und erblickte den älteren der beiden Barretts.

"Mick? Luis möchte dich gerne für einen Augenblick sehen und der Arzt sagt, es wäre okay, aber bitte, überanstrenge ihn nicht, er ist noch sehr schwach, ich werde solange hier draußen auf dich warten, wir dürfen leider nicht zu zweit bei ihm sein."

Mick nickte Rosita beruhigend zu, die inzwischen wieder den Wartesaal erreicht hatte, "nein, keine Angst, ich werde mich kurz fassen, bin gleich wieder da, Joey müßte auch jeden Moment kommen, am besten, du wartest hier auf ihn, okay?"

"Ja, mach ich", antwortete Rosita und ließ sich erschöpft auf die Couch fallen.

Einige Augenblicke später hatte Mick die Tür zur Intensivstation erreicht und trat nun vorsichtig ein.

Luis Ortega hatte die Augen geschlossen, sein Gesicht war sehr blaß.  Mick trat an das Bett heran und sagte leise Luis' Namen. Es kostete den Polizisten noch viel Anstrengung, die Augen zu öffnen. Tapfer versuchte er zu lächeln. "Ah, Miguel, hola."

Mick nahm Luis' Hand und lächelte seinen Freund an. "Wie geht es dir? Es tut mir so leid..." Müde schüttelte Ortega den Kopf. "Das ist doch nicht deine Schuld. Ich war unvorsichtig..." Nach einer kurzen Pause fuhr Luis fort. "Haben sie die drei geschnappt?" Mick verneinte. "Seid nur vorsichtig, ich hab diesen Johnson auch unterschätzt."

Das Reden strengte Luis sehr an, erschöpft schloß er wieder die Augen. Mick merkte, daß sein Freund dringend Ruhe brauchte, er drückte nochmal kurz seine Hand. "Werd du erst mal gesund und mach dir keine Sorgen, Luis. Ich gehe dann. Schlaf erst mal ein bißchen. Ich schicke Rosita wieder rein zu dir." Luis nickte noch kurz, dann war er schon eingeschlafen. Mick verließ das Krankenhauszimmer und ging wieder hinaus zu Ortega's Frau.

Rosita saß auf der Couch und hatte die Augen geschlossen. Als sie merkte, daß jemand neben sie trat, schaute sie sofort auf. "Mick." Mick streichte ihr über die Schulter. "Er schläft jetzt. Willst du wieder rein zu ihm?" Mick warf einen Blick auf seine Uhr. "Ist Joey noch nicht zurückgekommen?" Rosita schüttelte den Kopf.

So langsam wurde Mick unruhig. Joey müßte längst zurück sein. Wo steckt er nur wieder? Mick schaute den Gang entlang, aber sein Bruder war nirgends zu sehen. Rosita Ortega, die merkte, daß Mick sich Sorgen machte, legte ihm die Hand auf die Schulter. "Er wird bestimmt gleich kommen, Mick. Gehen wir noch einen Kaffee trinken? Ich denke, Luis wird jetzt sowieso erst eine Weile schlafen."

Nachdem er noch einmal den Gang hinuntergeblickt hatte, stimmte Mick schließlich zu. Zusammen mit Luis Ortega's Frau ging er in die Cafeteria des Krankenhauses.

 

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Mike Johnson kauerte noch immer in Joey Barrett's Schlafzimmer hinter dem Sessel, der neben dem Bett stand. Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, daß er schon über eine halbe Stunde wartete. Er überprüfte nochmal den Abzug seiner Pistole. Geduld, Geduld, Mike, irgendwann werden sie schon kommen. Was mach ich eigentlich mit ihnen, wenn sie auftauchen? Soll ich sie gleich hier umbringen? Vielleicht wäre es besser, sie irgendwo im Wald zu erledigen. Da würde man sie nicht so schnell finden. Schließlich mußte er  sich  d a n a c h  schnellstmöglichst aus dem Staub machen. Wohin eigentlich? Ihm fiel ein, daß er gar keine Ahnung hatte, wo er untertauchen sollte. Schließlich hatte er keine Lust, wieder im Gefängnis zu landen. Während Johnson dasaß und sich seine Gedanken machte, bog Joey Barrett in die Einfahrt des Strandhauses ein...

 

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Nachdem Joey sein Auto geparkt hatte, stieg er aus und kramte seinen Haus- schlüssel aus der Tasche seiner Jeans. Hatten sie eigentlich die Alarmanlage angeschaltet, bevor sie so eilig aus dem Haus gestürzt waren? Joey konnte sich nicht daran erinnern. Es war alles so schnell gegangen. Ganz schön leichtsinnig!

Kopfschüttelnd schloß er schnell die Haustür auf, um sich zu vergewissern, daß alles im Haus in Ordnung ist. Er ging zu der offenen Terrassentür und versuchte, die Bretter wieder zu befestigen, um wenigstens den Eingang etwas abzusichern.

Zufrieden mit seiner Arbeit, wollte er gerade zu seinem Schlafzimmer gehen, als sein Blick auf den Kühlschrank fiel. Eigentlich hab ich ziemlichen Hunger, mal sehen, ob ich noch irgendwas finde. Also suchte er sich zuerst noch was zu essen, holte sich eine Coke und setzte sich an den Küchentisch.

Johnson, der sofort gehört hatte, daß die Haustür ins Schloß gefallen war und jemand hereinkam, saß nun aufmerksam hinter seinem Sessel und lauschte, was im Wohnzimmer vor sich ging. Na also, das Warten hat sich also doch gelohnt! Zufrieden verzog er das Gesicht zu einem breiten Grinsen. Er beschloß, erst mal noch abzuwarten, bevor er die beiden überraschen wollte. Es wunderte ihn nur, daß es so ruhig war. Vielleicht war auch nur einer der beiden Barretts bekommen. Auch recht, wenn ich einen hab, krieg ich den anderen auch. Er verstärkte den Griff um seine Pistole und blieb wartend hinter dem Sessel sitzen.

 

[

 

Mick und Rosita hatten sich gerade an einen Ecktisch in der Cafeteria gesetzt, als Mick's Handy klingelte.

"Mick Barrett", meldete er sich.

"Hi, hier Officer Tucker." Mick hörte auf. Gab es was  Neues? Vielleicht hatten sie die Kerle geschnappt, schoß es ihm durch den Kopf. Er erfuhr schließlich, daß Lorenzo und Brubaker verhaftet worden waren. Erleichtert seufzte er auf. "Na, gott sei dank! Was ist mit Johnson?" Dave Tucker berichtete Mick, daß von Johnson jede Spur fehle. "Wir fangen jetzt mit dem Verhör an. Ich hab das Gefühl, daß die beiden singen werden wie die Vögelchen! Ich halte Sie auf dem Laufenden, Mick." Nach einer kurzen Pause fragte Tucker noch: "Wie geht es Luis?" Mick klärte ihn über den Zustand von Ortega auf und beendete schließlich das Gespräch.

Rosita hatte aufmerksam zugehört und sah Mick nun fragend an. "Haben sie die Verbrecher?" Auch sie war sehr froh über die Nachricht.

Mick's Gesichtsausdruck wurde jedoch plötzlich wieder besorgt. "Dieser Johnson läuft immer noch irgendwo da draußen rum. Und Joey ist immer noch nicht aufgetaucht." Er holte noch einmal sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer von Joey's Apparat. Komm schon, melde dich, Bro! Ungeduldig lauschte er auf das Klingeln. Nach kurzer Zeit atmete Mick erleichtert auf, als sich sein kleiner Bruder meldete.

"Joey, wo steckst du? Alles klar?" Nachdem Joey ihm bestätigte, daß es ihm gut ginge, berichtete Mick ihm von der Verhaftung der Komplizen von Johnson.

"Aber Johnson ist immer noch frei. Also paß bitte auf dich auf, o.k.? Und komm jetzt endlich zurück ins Krankenhaus!"

"Schon unterwegs", damit drückte Joey die Taste an seinem Handy, um das Gespräch zu beenden.

Er schob sich schnell noch den letzten Bissen in den Mund und wollte gerade nach dem Autoschlüssel auf dem Küchentisch greifen, als er beschloß, sich doch noch schnell umzuziehen. Auf die Minute kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Er ging zu seinem Schlafzimmer und öffnete gerade seinen Kleiderschrank, als sich Johnson hinter ihm erhob und lachend die Pistole auf ihn richtete.

"Hallo Barrett." Johnson entsicherte seine Pistole und grinste Joey mit eiskalter Miene an.

Der fuhr erschrocken um und starrte in das Gesicht des Mörders seiner Eltern.

 

[

 

In der Zwischenzeit erhielt Mick noch einen Anruf von Officer Tucker.

"Die beiden haben alles gestanden. Wir haben Johnson. Er ist dran, sobald wir ihn gefaßt haben. Das wird ihn lebenslänglich ins Gefängnis bringen." Weiter berichtete Tucker, daß sie das Motel, in dem Johnson abgestiegen war, schon umstellt hatten. "Aber Lorenzo meinte, er wäre losgezogen, um Sie zu suchen, Mick. Er wollte zu ihrem Haus."

"Waaas?" Mick's Gesicht wurde blaß. "Oh nein, Joey ist zu Hause! Ich fahr sofort hin. Aber ich brauch mindestens 20 Minuten." "Ich schick sofort ein paar Polizisten hin, aber die werden es nicht schneller schaffen, zu dem Strandhaus zu kommen."

Eilig rannte Mick aus dem Krankenhaus. "Verdammt, Joey hat das Auto", fiel es ihm ein. Er zog sein Handy aus der Tasche und wählte noch einmal Joey's Nummer. Ich muß ihn warnen!  Nervös lauschte Mick in den Hörer, aber als sich sein Bruder nach dem 8. Klingeln immer noch nicht gemeldet hatte, war Mick klar, daß etwas passiert sein mußte. Trotzdem ließ er es noch ein paarmal weiterklingeln, vergebens!

Joey! Micks Gedanken wirbelten durcheinander, sein Bruder mußte Johnson über den Weg gelaufen sein, jetzt gerade in diesem Moment... und er, Mick, war hier und konnte im Moment gar nichts tun, während Joey wahrscheinlich gerade um sein Leben kämpfte.

"Verdammt", fluchte Mick und für einen Moment stand er wie erstarrt vor der Eingangstüre des Krankenhauses, ohne irgendeinen vernünftigen Gedanken fassen zu können. Er fühlte sich so hilflos, die Ereignisse der vergangenen Tage liefen in seinem Gedächtnis wie in einem Film vor ihm ab, und immer wieder fiel im sein Alptraum ein, Joey stand Johnson gegenüber und gerade, als Mick in das Geschehen eingreifen wollte, wurde sein Bruder erschossen...

"Oh nein, bitte nicht", plötzlich war Mick wieder in der Lage, sich zu bewegen, er schaute sich um und merkte, daß er auf dem großen Parkplatz vor dem Hospital stand. "Taxi, hallo Taxi"... Er rannte zu einem der vielen Taxis, die dort standen und stieg eilig in einen der Wagen ein. Nervös sagte er dem Fahrer seine Adresse durch und erklärte ihm kurz, worum es ging. Dieser nickte und gab Gas.

 

[

 

Noch immer standen Joey und Mike Johnson in unveränderter Haltung im Schlafzimmer des jungen Barrett. Joey war kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, ihm war klar, Johnson würde wahrscheinlich nicht lange fackeln. War dies nun das Ende? Er würde ihn erschießen, wahrscheinlich schon in einigen Augenblicken, aber zu seiner großen Verwunderung machte sich Joey in diesem Moment fast gar keine Sorgen über seinen eigenen Tod, seine Gedanken drehten sich vielmehr um seinen Bruder Mick. Wie würde Mick es verkraften, wenn er nach Hause kommen würde und ihn, Joey, hier tot vorfinden würde?! Wahrscheinlich gar nicht, genausowenig wie er, Joey, es im umgekehrten Fall auch nicht überwinden könnte....

Es tut mir leid, Mick, es tut mir leid, du hast mal wieder recht gehabt und ich habe wieder mal gedacht, ich könnte es ohne dich schaffen...ich war viel zu leichtsinnig, sorry Bro.

Joey’s Gedankengänge wurden durch das hämische Lachen von Johnson nun abrupt unterbrochen. "Na, Baby-Barrett, da staunste.. damit hättest du jetzt nicht gerechnet, was?! Und Brüderchen ist gar nicht hier, um dir helfen zu können, das ist aber schade...." Johnson hatte weiterhin seine Waffe auf Joey gerichtet, man merkte ihm an, daß er Spaß daran hatte, sein Opfer zu quälen.

"Da hast du ja was, was mir gehört und ich schon lange vermißt habe..." Mit einem noch hämischeren Grinsen beugte sich Johnson leicht vor und riß Joey seine Kette vom Hals...Joey wollte sich wehren, doch sofort hatte er wieder Johnson's Pistole vor der Nase. Der jüngere der beiden Barretts hielt sofort inne mit seiner ab- wehrenden Bewegung und schaute wieder bewegungslos auf seinen Gegner.

"Recht so, Bruder, recht so, deine Mom war nicht so verständnisvoll mir gegenüber, sie hat sich gewehrt und ich mußte sie leider erschießen...peng...peng..."

Joey verkrampfte sich innerlich bei den Worten Johnson's...was sollte er jetzt tun?! Er sah keinen Ausweg mehr...In dem Moment unterbrach ein Klingeln von Joey's Handy, was er mit ins Schlafzimmer gebracht und auf's Bett geworfen hatte, bevor er sich dem Kleiderschrank zuwenden wollte, die Situation. Beide Männer schauten auf das Telefon. "Och, da will jemand was von dir, Baby-Barrett... aber Pech gehabt, kein Anschluß unter dieser Nummer..." Johnson lachte und schließlich verstummte auch das Klingeln des Handys wieder.

"So, Bruder, jetzt zu dir....wo ist der andere Barrett? Los, spuck es aus!" Johnson rückte näher und drückte Joey seine Pistole jetzt direkt auf die Brust.

Joey nahm all seinen Mut zusammen. " Nicht hier, siehst du doch!"

"Paß auf, Bürschchen, nicht frech werden, sonst leg ich dich hier auf der Stelle um", herrschte Johnson sein Opfer ungeduldig an, doch er besann sich wieder und sprach weiter: "Aber dann hätte dein großes Brüderchen ja gar keinen Spaß mehr, zu sehen, wie ich dich umbringe, bestimmt war er das eben am Telefon und wird schon auf dem Weg sein, um dir zu Hilfe zu eilen...also machen wir zwei es uns jetzt unten im Wohnzimmer gemütlich und warten auf ihn, los beweg dich..."

Mit Johnson's Pistole im Rücken ging Joey, gefolgt Mike langsam zurück ins Wohnzimmer. Johnson setzte sich auf die Couch und hielt weiterhin seine Waffe auf den jüngeren der beiden Barretts gerichtet, welchem er befohlen hatte, mitten im Raum stehenzubleiben...

"Was jetzt", fragte Joey und schaute Johnson an. "Na, was denkst du wohl, Bürschchen, wir warten... und halt bloß die Schnauze, sonst knall ich dich sofort ab."

Joey versuchte, möglichst ruhig stehenzubleiben..., was sollte er machen....wenn er versuchen würde, zu fliehen, würde Johnson ihn sofort abknallen, das war klar, aber wahrscheinlich hatte Johnson recht und es war wirklich eben Mick am Telefon gewesen, sein Bruder würde wahrscheinlich schon auf dem Wege zu ihrem Haus sein, weil Joey sich jetzt nicht gemeldet hatte. Mick würde nichtsahnend hereinkommen und Johnson würde auch ihn umbringen... Er mußte warten und versuchen, wenigstens Mick noch kurz vorher zu warnen... was anderes blieb ihm jetzt nicht übrig.

 

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Der Taxi-Fahrer war schnell gewesen, nur 15 Minuten hatte er bis zum Barrett-Strandhaus gebraucht. "Hier, behalten Sie den Rest", Mick drückte dem Fahrer einen 20 Dollar-Schein in die Hand und war schon durch den Garten gelaufen, ehe der Taxifahrer ein "danke, aber das ist viel zu viel" murmeln konnte.

"Tstst, Leute gibt’s, aber wenn sie gut bezahlen....", der Taxifahrer schüttelte den Kopf und fuhr wieder davon.

Etwas außer Atem kam Mick vor der Haustüre an, vorsichtig steckte er den Schlüssel in das Schloß und versuchte, ohne Geräusche die Türe aufzuschließen.

Klack...ein leises, kaum wahrnehmbares Klicken war zu hören, dann war die Türe offen. Mick nahm seine Pistole und trat vorsichtig in seine Wohnung ein.

Mike Johnson hatte das Motorengeräusch des Taxis gehört und war von seiner Couch aufgestanden, zu Joey Barrett hingegangen und stand nun hinter ihm, drückte ihm mit seiner rechten Hand seine Waffe in den Rücken, während er mit seiner linken Hand Joey den Mund zuhielt. "Keinen Mucks, Baby-Barrett, ich warne dich!"

Noch während Mick von der Haustüre aus vorsichtig weiterschlich, hörte er plötzlich eine Stimme. "Willkommen, Barrett, im trauten Heim, ich glaube, ich habe hier etwas, was dir gehört...komm ruhig rein!"

Verdammt, obwohl Mick diese Stimme seit 19 Jahren nicht mehr gehört hatte, wußte er sofort, wem sie gehörte. Mick trat mit vorgehaltener Waffe durch die offene Wohnzimmertür und was er sah, stockte ihm den Atem. Mike Johnson stand  hinter seinem Bruder mitten im Raum und hatte inzwischen seine Waffe nicht mehr auf Joey’s Rücken, sondern an Joey’s Schläfe gerichtet, Mick sollte sehen, wie er den kleinen Bruder abknallen würde...Joey schaute Mick mit einem angsterfüllten Blick an, einem Blick, den Mick nie zuvor in Joey’s Augen gesehen hatte und der ihn erschaudern ließ.

Fieberhaft überlegte Mick, was sollte er tun. Er konnte nicht auf Johnson schießen, sein Bruder war ihm im Weg. Wenn er abdrücken würde, gefährdete er Joey's Leben.

"Na, Mick Barrett, damit hast du wohl nicht gerechnet, was? Jetzt bekommst du und dein Bruder hier endlich das, was ihr schon seit 19 Jahren verdient habt!"

Verzweifelt versuchte Mick, mit Johnson zu verhandeln. "Das ist eine Sache zwischen dir und mir, Johnson. Laß Joey gehen, er hat nichts damit zu tun."

Doch Johnson lachte nur und drückte den Lauf seiner Pistole noch fester an Joey's Kopf. Den anderen Arm legte er jetzt um Joey's Hals, so daß dieser kaum noch Luft bekam. Dann schob er ihn vor sich her und ging langsam auf Mick zu.

"Laß deine Pistole fallen, Barrett! Los, aber schnell" ,fauchte er den älteren Barrett an.

Mick ließ seine Waffe neben sich auf den Boden fallen. Mit einem lauten Knall landete sie direkt neben seinem rechten Fuß.

Johnson stand mit Joey jetzt ganz nah bei Mick und sah ihn mit funkelnden Augen an. "Und jetzt darfst du zusehen, wie ich deinem kleinen Bruder hier ein bißchen weh tue."

Joey versuchte inzwischen, den Griff um seinen Hals etwas zu lockern, aber Johnson drückte immer mehr zu. Die beiden Brüder schauten sich in die Augen.

Sie mußten irgendwas tun, sonst würde Johnson sie beide gleich umbringen.

Johnson lachte laut. "Und was jetzt, Barrett? Du kannst deinem Brüderchen nicht mehr helfen ."

Johnson's Finger am Abzug seiner Pistole bewegte sich.

Was soll ich tun? Mick schaute auf seine Waffe neben ihm auf dem Wohnzimmerboden. Dann schaute er zu seinem Bruder. Er bringt ihn um!  Verzweifelt sah Mick den Verbecher an. Ich muß was tun!

In diesem Moment hörte man von weitem Polizeisirenen, die sich langsam näherten. Für einen Augenblick horchte Johnson auf und konzentrierte sich auf die Geräusche von draußen. Er war für wenige Sekunden abgelenkt, Mick und Joey verständigten sich wie so oft wortlos und ergriffen die einzige Chance, die ihnen blieb.

Joey konnte sich aus dem Griff von Johnson befreien und wirbelte herum. Er riß Johnson's rechten Arm nach unten. In dem Moment drückte Johnson ab, die Kugel schlug in den Boden ein.

Mick griff genau im gleichen Moment blitzschnell nach seiner Pistole neben ihm auf dem Boden.

Joey stürzte sich auf Johnson, der jetzt auf Mick zielte. Ein weiterer Schuß löste sich, verfehlte Mick aber knapp. Der hatte sich jetzt erhoben und hielt seine Waffe in die Richtung von Johnson und Joey, die jetzt beide auf dem Boden lagen und miteinander kämpften. Mick war es unmöglich, Johnson in seine Schußlinie zu bekommen, da sein Bruder mit dem Mörder über den Boden rollte. Johnson bekam Joey schließlich zu packen und schleuderte ihn gegen die Wand.

Für einen Moment war Joey benommen, der harte Aufprall hatte ihm die Luft ge- nommen. Johnson griff wieder nach seiner Pistole und zielte auf Joey.

Gerade als er abdrücken wollte, erschütterte ein lauter Knall die Luft. Johnson ließ die Pistole fallen und schaute fassungslos auf das Blut, daß aus seiner Seite sickerte. Langsam sank er in die Knie und fiel schließlich auf den jüngeren Barrett-Bruder, regungslos blieb er liegen.

Mick ließ seine Pistole fallen und rannte zu Joey. Er rollte Johnson von seinem kleinen Bruder. "Alles o.k., Joey?"  Mick faßte seinem Bruder unter die Arme und half  ihm, sich aufzusetzen. "Alles klar?", fragte er noch einmal besorgt und sah Joey prüfend an. Der erholte sich langsam. Mit großen Augen sah er zuerst Mick an und dann Johnson, der neben ihm auf dem Boden lag.

"Es ist vorbei!" stellte er erleichtert fest. "Mick, es ist vorbei." Die beiden Brüder sahen sich ein paar Sekunden an, ehe sie sich gegenseitig fest in den Arm nahmen. In der Zwischenzeit waren die Polizisten beim Strandhaus angekommen und hatten es umstellt. Vier von ihnen kamen durch die offene Hintertür ins Wohnzimmer und gaben schließlich Entwarnung. "Alles klar, Jungs. Die Barretts haben Johnson schon erledigt!", rief einer von ihnen. Er ging zu dem Verbrecher und überprüfte, ob er noch lebte. "Ich spüre seinen Puls", sagte der Officer zu Mick und Joey, die ihn beide fragend anschauten. Dann ging er zu seinem Auto hinaus, um einen Krankenwagen zu rufen. In dem Moment kam auch Officer Tucker angefahren. Er stürmte gleich ins Haus, um sich zu vergewissern, daß es Mick und Joey gut ging.

Die Brüder schilderten dem Officer kurz den Tathergang. Der nickte nur kurz und sagte: "Alles klar, das Protokoll kann ich nachher aufnehmen. Ich bin froh, daß euch beiden nichts passiert ist. Endlich haben wir diesen Killer!"

"Eins muß ich noch machen", fiel Joey ein, bevor die inzwischen eingetroffenen Sanitäter Johnson nach draußen brachten. Er kniete sich neben den Angeschossenen und durchsuchte seinen Taschen, bis er schließlich eine goldene Kette hervorzog. "Sorry, Dave, aber die gehört mir", sagte Joey mit einem Blick auf Officer Tucker, dieser schaute einen Moment lang auf die Kette und nickte dann: "Okay, Joe!" Er wandte sich wieder den Sanitätern zu und deutete auf den verletzten Johnson: "Das wär’s, sie können ihn jetzt mitnehmen."

Mike Johnson wurde nach draußen zum dort wartenden Krankenwagen gebracht und mit lauter Sirene fuhr dieser schließlich davon.

Mick und Joey waren mit Dave Tucker ebenfalls nach draußen vor die Haustüre getreten, der Officer verabschiedete sich mit einem "okay, Jungs, ich seh’ euch später auf dem Revier" und stieg ebenfalls in seinen Wagen ein und fuhr davon. 

Die Barrett-Brüder standen einen Augenblick schweigend nebeneinander und blickten dem Wagen nach. Joey war es, der die Stille als erstes wieder unterbrach: "Also, Bro, was machen wir jetzt?"

"Na, ich denke, wir fahren jetzt erst mal zurück ins Krankenhaus, um Rosita endlich ihre Sachen zu bringen und um Luis die gute Nachricht mitzuteilen, okay?"

"Ja, gut", antwortete Joey, "aber können wir auf dem Weg dahin eben beim Mexikaner vorbeifahren und ein paar Burritos holen?! Ich sterbe vor Hunger!"

Mick mußte lachen, er legte seinen Arm um seinen Bruder. "Ja, machen wir, Bro, mein Wort darauf!"

 

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Gegen 21.00 am selben Abend fuhr Joey Barrett mit dem Wagen vor seinem Haus vor. Er war noch kurz in der Stadt gewesen, um beim Juwelier seine Kette wieder reparieren zu lassen. Der Verschluß war kaputtgegangen, als Johnson ihm die Kette heruntergerissen hatte. Der Juwelier hatte die kleine Reparatur schnell erledigen können und inzwischen trug Joey das Andenken an seine Mutter wieder um den Hals. Er schloß die Haustüre auf. "Bro, bist Du da?", rief er, bekam aber keine Antwort. Joey ging ins Wohnzimmer, um einen Blick nach draußen zu werfen. "Aha, dachte ich es mir doch", murmelte er, als er seinen Bruder draußen auf dem Felsen sitzend entdeckte.

"Was für ein Chaos hier", sagte er lächelnd zu sich selbst, als er sich einen Weg durch die Trümmer der provisorischen Absicherung der Terrassentür bahnte, "wird Zeit, daß der Glaser morgen kommt."

Joey ging den Rasenabhang hinunter und blieb neben seinem Bruder stehen.

"Hi Bro!"

"Oh, hi Joey, wieder zurück? Kette wieder in Ordnung?"

"Ja", Joey nickte und deutete kurz auf das Schmuckstück.

"Na prima", antwortete sein Bruder und rückte ein Stückchen beiseite, damit Joey ebenfalls einen Sitzplatz auf dem Felsen finden konnte.

Joey kam der stillen Aufforderung nach und setzte sich. "Was gibt’s Neues, hast du noch mal mit Rosita telefoniert?"

"Ja, habe ich", antwortete Mick, "Luis ist endgültig über den Berg, Joey, er ist außer Lebensgefahr, die Ärzte haben es ihr vorhin gesagt. Er wird es schaffen, Bro, und er wird wieder ganz gesund werden."

"Na, das sind ja gute News", antwortete Joey.

"Es kommt noch besser", ergriff Mick wieder das Wort, "ich habe vorhin auch noch mit Mrs. Drake telefoniert, auch dort sind die Ärzte sehr zuversichtlich, daß ihr Mann wieder ganz gesund wird. Ich habe ihr gesagt, wir kommen am Wochenende mal auf einen Krankenbesuch vorbei, ich hoffe, das war okay?"

"Natürlich, Bro", nickte Joey und klopfte seinem Bruder kurz mit der Hand auf den Rücken, "das sind wir den Drake’s schuldig!"

Eine ganze Weile schwiegen die Brüder nun und schauten auf das offene Meer hinaus. Beide dachten über die Ereignisse der vergangenen Tage nach und es war ihnen auch ohne jegliche Worte bewußt, wie knapp es einige Stunden zuvor gewesen war, als sie den entscheidenden Kampf mit Johnson geführt hatten.

"Bro..". Gerade wollte Joey ansetzen, seinen Bruder etwas zu fragen, als Mick’s Handy, das er mit nach draußen genommen hatte, klingelte.

"Einen Moment, Bro", unterbrach Mick seinen Bruder und meldete sich: "Mick Barrett."

"Oh hi Dave, ja, kein Problem....."

"Ja, genau, ich habe eben auch schon mit Rosita gesprochen, das sind erfreuliche Nachrichten...."

"Was?...... Oh wow, das ist großartig..... ja.... mach ich.......danke für ihren Anruf!"

Mick schaltete sein Handy ab und legte es wieder neben sich. "Das war Tucker", sagte er zu seinem Bruder, "ich soll dir schöne Grüße ausrichten... achja und sie haben Johnson bereits im Krankenhaus in die Mangel genommen, er hat nach den belastenden Aussagen von Lorenzo und Brubaker inzwischen auch schon ein umfassendes Geständnis abgelegt, er wird wohl keinen Schaden mehr anrichten können. Dave rechnet mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe für ihn!"

"Das ist nur gerecht", antwortete Joey, "er hat es auch nicht anders verdient, be- stimmt nicht!"

Der jüngere der beiden Barretts blickte zu seinem Bruder und dieser nickte: "Ja, genau, ich möchte diesem Kerl niemals mehr in meinem Leben begegnen, er hat uns schon einmal sehr weh getan und heute hätte er es fast wieder geschafft, er gehört für immer hinter Gitter!"

"Und da soll er auch bleiben", fügte Joey hinzu und legte nun seinen Arm um seinen älteren Bruder. "Bro?"

"Ja, Joey?"

"Hmm... Du weißt ja, was du eben gesagt hast, daß Johnson es heute fast  geschafft hätte, uns zu töten. Wir haben ziemlich großes Glück gehabt, nicht wahr?"

"Ja, haben wir Joey!", antwortete Mick.

"Ich möchte dir danken, für alles, du hast mir heute wieder mal das Leben gerettet, ohne dich wäre ich jetzt tot."

"Hey, keine Ursache, kleiner Bruder, gern geschehen", auch Mick legte nun den Arm um seinen Bruder und drückte ihn für einen Moment kurz an sich.

"Auch ich möchte dir danken, Joey, ohne dich hätte ich es nicht geschafft, die letzten Tage waren mit die schlimmsten in meinem Leben und ich bin sehr froh, daß wir sie überstanden haben, gemeinsam!"

"Na, wir sind eben ein tolles Team, nicht wahr, Bro?" Joey schaute seinen Bruder fragend an, dieser nickte: "Ja, das sind wir und ich möchte es auch gar nicht anders haben, Partner!"

"Ich auch nicht, Bro!"

Die Sonne war inzwischen untergegangen und langsam kamen die Sterne am Himmel zum Vorschein und das Rauschen des Meeres übertönte schon fast die Worte der Barrett-Brüder, die Arm in Arm zurück zum Haus gingen:

"Also, Joey, was hältst du davon, wenn wir den Besuch bei den Drake’s am Wochenende gleich mit ein paar Tagen Surf-Urlaub hinterher verbinden?"

"Surf-Urlaub, Mick? Vielleicht sollten wir erst mal die Rechnung von dem Glaser abwarten, vielleicht können wir uns ja danach überhaupt keinen Urlaub mehr leisten."

"Aber für Glasbruch gibt es doch eine Versicherung, Bro!"

"Haben wir sowas denn überhaupt?"

"Na, diese Frage ist mal wieder typisch für meinen Bruder......" Mick lachte herzlich und schaute Joey an, "ich bin sehr froh, daß dir nichts passiert ist, ein Leben ohne dich könnte ich mir niemals vorstellen!"

"Ich mir meines ohne dich auch nicht, also dann, auf unser nächstes Abenteuer, Mick?"

"Ja, auf unser nächstes Abenteuer, Joey!"

"Joe, Mick, J o e !"

"Ja, alles klar, J o e y !"

 

The End

 

Nachwort der Verfasserinnen:

Diese Story wurde von Christina und Kerstin in der Zeit zwischen dem 29. März 1998 und dem 16. Juni 1998 geschrieben. Viele e-mails waren nötig, um “Shades of the past” als “Anlage” immer wieder auf den ca. 200 Kilometer entfernten “Gegen-Computer” zu zaubern und wir möchten hiermit der Deutschen Telekom für ihren unermüdlichen Einsatz und ihre grenzenlose Geduld unserer “elektronischen Post” gegenüber danken!

 

Christina, vielen Dank, daß Du gleich so spontan bereit warst, mit mir “Shades” zu schreiben, es hat mir riesigen Spaß gemacht und hat mich desöfteren von den Alltags-Problemen abgelenkt, ich freue mich schon sehr auf unsere nächste Story!

(Kerstin, 16.06.1998 / 22.30 Uhr)

 

Kerstin, auch ich hatte viel Spaß beim Schreiben von "Shades". Erst dachte ich ja: Auf was hast du dich da nur "eingelassen",aber schon nach kurzer Zeit wartete ich jedes Mal schon gespannt auf die Fortsetzung von Dir. 

Jetzt freue ich mich schon auf unsere nächste Story.

Da die Serie "High Tide" ja leider, leider nicht mehr fortgesetzt wird, entstehen wenigstens auf diesem Wege  weitere Abenteuer der Barrett-Brüder.

(Christina, 30.06.98/19.00 Uhr)


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