Disclaimer: Die beiden Hauptcharaktere habe ich mir geliehen, aber die dritte Person (Rick) ist ganz alleine von mir! :-) Habe diese Story just for Fun geschrieben, will also kein Geld und bekomme es wohl auch nie! Also, viel Spaß mit „Ein Neuer Anfang?“.
Ein neuer Anfang?
 
Es versprach ein Tag wie jeder andere zu werden. Naja, fast wie jeder andere. Joey war allein zu Hause und musste deshalb auch ohne seinen Bruder den Surfshop unter ihrer Wohnung schmeißen. Doch das war die leichteste Übung. Sollte Mick sich ruhig in Downtown San Diego mit irgend einem alten Schulfreund zwei tolle Tage machen – er, Joey, blieb lieber hier im Surfshop und flirtete mit all den netten Kundinnen. Und am Abend, wer weiß, gab es sicher noch die ein oder andere Party zu stürmen. So etwas ging nämlich auch ohne großen Bruder.
 
So verbrachte der jüngere Barrett den Vormittag damit, Kunden zu beraten (und zu seinem Leidwesen nicht nur weibliche). Er war gerade dabei die gelieferte Ware auszupacken, als plötzlich das Telefon klingelte. „ Na, wenn das nicht Mick ist, der mich kontrollieren will, fresse ich `nen Besen!“ dachte Joey und so nahm er den Hörer ab und sagte: „Bis auf dass ich gerade komplett ausgeraubt wurde und wir anscheinend nun pleite sind, läuft hier alles nach Plan.“ Stille, Schweigen. „Hallo?“ Nichts. Plötzlich sprach die Person am anderen Ende der Leitung doch noch: „Sorry, ich konnte ja nicht ahnen, dass heute ein schlechter Tag für diesen Anruf ist. Am besten ich melde mich noch mal, wenn...“ „Nein, nein!“ unterbrach Joey . „Hier ist alles ok. Wollte nur jemanden vereiern, aber wer spricht da überhaupt?“ Die Stimme erkannte er nicht, sie hörte sich noch sehr jung an. Wahrscheinlich ein Kunde... „Ähm, ach so. Also, bin ich da richtig bei Michael und Joseph Barrett?“ ‚Komisch, so hat uns schon lange keiner mehr genannt, muß wohl was geschäftliches sein’, überlegte Joey, der mit ganzem Namen eigentlich Joseph Patrick Barrett hieß. So sagte er einfach nur „Ja“ Und wartete. „Gut.“ Hörte er nur noch und schon war die Leitung unterbrochen.
 
Am nächsten Abend war Mick zurück und sein Bruder erzählte ihm von dem Anruf. „Ja, das ist wirklich merkwürdig, Bro. Aber mach` dir keinen Kopf. Da wollte dir sicher auch nur jemand `nen Streich spielen.“ Er gab Joey einen Knuff an die Schulter.
Sie unterhielten sich noch eine Weile und beschlossen gerade, ins Bett zu gehen, als es an der Tür klingelte. „Wer mag das sein?“ fragte Mick, war aber schon auf dem Weg zur Tür um sie zu öffnen.
Vor ihm stand ein Teenager mit großer Reisetasche. Er trug eine dieser Skaterhosen, die, die irgendwie immer zwei Nummern zu groß wirken, dazu einem dunkelgrünen Kapuzenpulli und hatte, passend zum Look, ein Skateboard unter seinem Arm. Er blickte Mick erwartungsvoll an. Sofort fiel Mick die verblüffende Ähnlichkeit auf, die der Junge zu Joey hatte. „Hi“ sagte der Junge etwas zurückhaltend und war sich anscheinend nicht ganz sicher ob er das Richtige tat. „Hi“ sagte Mick und plötzlich stand sein Bruder neben ihm und fragte: „Besuch?“
„Ja“, antwortete Mick und wechselte sogleich einen flüchtigen Blick mit Joey, der offensichtlich auch im ersten Moment die Ähnlichkeit zu ihm festgestellt hatte.
Jetzt unterbrach der Junge das Schweigen. „Ich war mir nicht ganz sicher ob ich die richtige Adresse hatte, deshalb habe ich gestern hier angerufen. Ich bin übrigens Rick, aber alle nennen mich Ricky.“
 
„Schön, hallo Ricky! Und darf ich erfahren, womit wir dir helfen können?“ frage Mick kurz angebunden. Er konnte es nicht ausstehen, wenn jemand lange um den heißen Brei herumredete. „Nun, ich habe da etwas herausgefunden. Etwas, was man wohl eher nicht am Telefon besprechen sollte. Da dachte ich mir, ich komme einfach mal vorbei.“ Ein leichtes Grinsen zeichnete sich auf dem Gesicht des Jungen ab, aber ganz wohl in seiner Haut schien es ihm dennoch nicht zu sein. „Na, dann komm` mal erst mal rein.“ Kaum im Wohnzimmer angelangt, hagelten auch schon einige Fragen von Mick auf den Teenager ein. „Müsstest du in deinem Alter nicht längst zu Hause sein? Wissen deine Eltern wo du steckst? Kommst du überhaupt von hier?“ ‚Typisch Mick’, dachte der jüngere Barrett, ‚sein Ermittlerinstinkt macht nicht einmal vor Kindern halt.’
„Ich bin 17 und kein kleines Kind mehr! Und was meine Eltern anbelangt – die existieren für mich nicht! Zumindest nicht meine Ma!“ Das hatte gesessen! Mick und Joey waren sprachlos, was eigentlich nicht oft vorkam. Der Junge fuhr fort, jetzt etwas schüchterner, sich seines Tons den Fremden gegenüber bewusst geworden. „Meine Mutter und ich wohnen in Eureka, etwas weiter die Küste rauf. Meinen Vater kenne ich nicht persönlich. Nur aus Erzählungen meiner Mutter, wenn sie mal wieder besoffen war und ein Klagelied darüber sang, wie einfach ihr Leben ohne Kind wäre und dass sie das Schwein, von dem sie es hatte, hätte verklagen sollen um wenigstens Kohle dafür zu bekommen!“ Rick stand auf und ging zu den Fotos an einer Wand der Junggesellenbude, auf denen man Familienbilder der Barretts sah. „Sind das eure Eltern?“ Mick wusste nicht genau was er zu all dem sagen sollte, zumal er tief in seinem Bauch ein merkwürdiges Gefühl hatte. Warum, wusste er selber nicht, und so kam es ihm gerade recht als er registrierte wie Joey sich zu dem Jungen gesellte und ihm die Bilder erklärte.
 
„Man könnte meinen, die beiden seien Brüder“, dachte Mick und so nahm er sich vor, ein paar konkretere Fragen zu stellen, auch wenn ihm der 17jährige leid tat, hatte dieser doch offenbar keine leichte Kindheit gehabt.
„Darf ich fragen, wie du an unsere Namen und unsere Adresse gekommen bist? Warum du uns das alles erzählst?“ ‚Tja’, dachte Joey, ‚manchmal ist mein Bruder einfach ein Cop geblieben. Er kann von Natur aus keiner Person trauen.’ Aber es interessierte ihn natürlich auch. „Man könnte annehmen, du willst uns versuchen weis zu machen, dass du mit uns verwandt bist!?“
„Toll“, dachte Joey, „das hatte er ja prima hinbekommen! Was soll der Kleine von uns denken?“
Doch der drehte sich nur langsam um und antwortete tonlos:“ Wenn das, was in meiner Geburtsurkunde steht stimmt, und wenn ihr die Söhne von einem gewissen Allan Barrett seid, dann sind wir verwandt. Er ist mein Vater!“
 
Joey kam es so vor, als hätte er einen harten Stoß vor den Kopf bekommen und er musste sich erst mal setzten. Auch Mick blickte reichlich verwirrt drein. In den Köpfen schwirrte es nur so von Gedanken. Gedanken, die eigentlich keinen wirklichen Sinn ergaben. Rick starrte die beiden erwartungsvoll und erleichtert zugleich an. Erwartungsvoll, weil er nicht wusste, wie die beiden Männer ihm gegenüber reagieren würden. Erleichtert, da nun endlich der Grund seines Besuches ans Licht kam.
 
Nach ein paar schier endlosen Minuten sprach Joey als erster, und was er sagte, verwunderte Mick überhaupt nicht:“ Cool, dann hab` ich ja jetzt endlich `nen kleinen Bruder den ich ärgern kann!“ Alle Müdigkeit war verflogen. Ans Schlafen dachte keiner mehr.
 
Nun war es wieder Mick, der die Euphorie seines kleinen Bruders bremste. „Warte, warte, warte! Da kann doch jeder kommen und behaupten in seiner Geburtsurkunde steht, dass sein Vater Allan Barrett heißt! Weißt du eigentlich, wie viele Allan Barretts es in den USA gibt? Sicherlich Tausende! Sorry, das kann ich so nicht akzeptieren!“ Joey wusste nicht, wie er reagieren sollte, er hielt es für am Besten zu schweigen. Da auch der Junge anscheinend nicht die passenden Worte fand, fuhr Mick fort: „Hast du Beweise? Woher kannten sich unsere Eltern? Ich will alles wissen, alles!“ Mit zitternden Fingern kramte Rick in seiner Reisetasche nach einem Stück Papier. Er hielt es Mick unter die Nase, vermied aber den Blickkontakt, da er Angst hatte Ablehnung in den Augen des anderen zu sehen. Dieser nahm das Papier aus der Hand des Jungen. Es war die Geburtsurkunde, die eindeutig besagte, dass Allan Barrett der leibliche Vater eines am 19.04.1989 in Eureka geborenen Kindes namens Rick Alexander Carter war.
Plötzlich wurde Mick alles bewusst! Es fiel ihm gerade wie Schuppen von den Augen! Das ganze war schon so lange her, dass er es schon fast vergessen hatte.
 
Er war damals 14 Jahre alt gewesen, als er von der Schule nach Hause kam und seine Eltern in der Küche streiten hörte. Es war ein heftiger Streit und er erinnerte sich noch daran, dass seine Mutter weinte. Das kam nicht oft vor, denn seine Mutter war eine starke Frau, deshalb hatte Mick damals noch mehr Angst, etwas Schlimmes sei geschehen. Am Abend sprachen seine Eltern mit ihm darüber, da sie merkten wie mitgenommen er aussah.
Sie erzähltem ihm von einer anderen Frau die ein Kind bekommen hatte. Sie lebte in Eureka und sein Vater lernte sie kennen, als er mal wieder beruflich dort oben zu tun hatte. Das alleine wäre nicht das Schlimme gewesen, jedoch sollte dieses Kind den gleichen Vater haben wie er! Das wollte und konnte er, schon damals nicht, nicht akzeptieren. Er hasste seinen Vater deswegen nicht, aber er hasste das Kind! Warum wusste er heute nicht mehr. Für ihn war klar gewesen, dass es nur ihn und seinen kleinen Bruder Joey gab.
 
‚Joey’, kam es Mick wieder in den Sinn. ‚Mein Bruder weiß gar nichts von der Geschichte...’ 
Er blickte seinen Bruder Joseph ausdruckslos an, stand auf und bedeutet Rick sich auf das Sofa zu setzten. „Was ist Mick? Du tust ja gerade so, als wüsstest du mehr als ich“ , witzelte Joey und grinste seinen „neuen“ Bruder an. Dieser jedoch fühlte sich schrecklich. Am liebsten wäre er wieder aufgestanden und gegangen. Dieser Mick sah aus, als hat er ein Gespenst gesehen. „Joey“, begann Mick und wusste nicht ganz, wie er fortfahren sollte. „Es gibt da was, was du wissen musst. Eigentlich wollte ich es dir nicht sagen, da Mum und Dad es auch für besser hielten es dir vorzuenthalten. Wie auch immer, ich glaube, das, was Rick uns da erzählt, könnte der Wahrheit entsprechen.“ „Was soll das heißen – könnte?“ fuhr der Junge dazwischen, verstummte aber gleich wieder, als er den Blick des älteren Mannes einfing. „Vor einigen Jahren, vor 17 um genau zu sein“, fuhr dieser nachdenklich fort, „hatte Pa beruflich in der Heimatstadt von Rick zu tun – Eureka. Und, na ja, er lernte eine Frau kennen, verbrachte eine Nacht mit ihr und das Ergebnis, was ich erst akzeptieren werde, wenn alles hieb- und stichfest ist, sitzt neben dir!“ Nun erwarte Mick einen heftigen Gefühlsausbruch von seinem kleinen Bruder, der von seinem Vater maßlos enttäuscht sein musste. Doch diese Reaktion blieb aus. Stattdessen kam ein leises „Ich wusste es schon längst!“ Und nach einem liebevollen Blick auf den Jungen zu seiner Rechten, „Und was kann er dafür? Nichts! Also lass` uns die Sache vergessen Mick. Ich werde dir später erzählen wie ich es erfahren habe.“
 
 
Damit war die Sache erst mal gegessen. Dem „Neuen“ fiel ein Stein vom Herzen. Und Mick dachte ‚Klar, der Kleine ist echt nett, etwas schüchtern vielleicht, aber wirklich ein Barrett? Dass muss sich in den nächsten Tagen wohl noch heraus stellen.’ Auf den Anruf bei seiner Mutter in Eureka meldete sich niemand, also war klar, dass Rick die Nacht in der Wohnung über dem Surfshop verbringen würde. Zusammen mit seinen Brüdern? Wer weiß?
Bis morgens um 4 Uhr erzählte der neue Barrett von seiner „Familie“ und man musste ihn einfach gern haben.
Dass sein leiblicher Vater allerdings bereits tot war, brachte den Teenager aus der Fassung und er fing an zu weinen, was ihm sichtlich peinlich war.
Joey jedoch nahm ihn in den Arm und hielt ihn fest, bis er einschlief. „Tja“, dachte Mick, „wenn er wirklich zu uns gehört, bleibt er hier. Und es wird wohl noch einiges auf uns zukommen:“
Fortsetzung folgt...
Ein Aufregender Tag
 

Es war jetzt ein halbes Jahr her, seitdem Rick plötzlich ins Leben der beiden Barrett- Brüder getreten war. Wie sich herausstellte, war er tatsächlich ein Barrett! Und da er partout nicht mehr zurück zu seiner Mutter nach Eureka wollte, begann ein langes Hin und Her um die Frage, ob er in San Diego bleiben durfte oder nicht. Seine Mutter, wie nicht anders zu erwarten, war erst nicht sonderlich begeistert von der Idee, stimmte aber doch zu, als sie erfuhr, dass sogar das Jugendamt eingeschaltet werden sollte.

Zum vorerst endgültigen Abschied sagte sie zu ihrem Sohn: „Jetzt hast du endlich die Möglichkeit, dieser Familie das Geld aus der Tasche zu ziehen, welches ich nie für dich bekommen habe! Mach das Beste draus!“ Ihr Sohn jedoch war nach dieser Aussage sprachlos. Er starrte sie verständnislos an, drehte sich um, schnappte sich seine restlichen Sachen und trat aus der Tür von dem Haus, in dem er seine Kindheit verbracht hatte. Eine Kindheit, die definitiv hätte besser sein können. ‚Aber was soll `s’, dachte er, sprang in das Auto, in dem seine Brüder saßen und sagte: “Lasst uns nach Hause fahren!“

 

&

 

Als endlich Ruhe in das Leben der drei Barretts eingekehrt war (den Namen durfte Rick deshalb ändern, da sein Vater diesen Namen trug), trat der Alltag an die Stelle der Aufregung. Rick ging nun seit 2 Monaten in La Jolla zur Schule und Mick und Joey nahmen neue Aufträge an.

„Na Alter, was liegt an? Wer darf sich heute geehrt fühlen, von uns beschattet zu werden?“ kam Joey morgens in die Küche geplatzt. „Guten Morgen Bruder! Ja, ich habe gut geschlafen, danke der Nachfrage!“ lautete die knappe Antwort von Mick. „Äh, ja. Also? Ich spüre, dass es heute ein guter Tag zum Arbeiten ist.“ „Soso, als hättest du das Arbeiten erfunden wie? Wie auch immer, ich habe um 11 Uhr noch einen Termin, aber unser Auftraggeber sagt, dass wir seine Tochter im Auge behalten sollen. Die treibt sich angeblich um diese Uhrzeit lieber am Pier rum anstatt zur Schule zu gehen. Es sollen auch ein paar merkwürdige Typen dabei sein, die wohl selbst vor `nem Drogendeal nicht zurückschrecken. Der Vater des Mädchens will Beweise dafür, damit er seine Tochter wieder unter Kontrolle bekommt. Könntest du das Observieren übernehmen?“ „Klar“, kam die prompte Antwort, „im Observieren von Frauen bin ich Spezialist, Mick! Ist sie hübsch?“ „Joey, sie ist in Rick `s Alter, also Finger weg! Aber ja, sie sieht gut aus.“

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht machte sich Joey auf dem Weg zur Pier. Dort angekommen nahm er das Foto des „Objeks“ das erste Mal zur Hand und musste seinem großen Bruder recht geben – das Mädchen, Sarah, war ganz niedlich. Aber natürlich zu jung für ihn...

Nach etwa einer Stunde, die dem Beobachter endlos vorkam, sah er Sarah auf der Promenade, ein paar Jungs um sie herum. ‚Die scheinen ja `ne menge Spaß zu haben außerhalb der Schule’, dachte der, jetzt, mittlere Barrett grimmig. Er musste zusehen, wie die Jungs ein paar Mülleimer umtraten, Passanten anrempelten und sich dabei riesig freuten. Offensichtlich war die Gruppe auf Ärger aus. Joey knipste ein paar Fotos, als sich plötzlich ein weiterer Junge auf einem Skateboard zu der Gruppe gesellte. „Das glaube ich nicht!“ flüsterte Joey zu sich selbst. Er machte ein weiteres Bild. Was er sah, erschreckte ihn, denn das war das Letzte, was er erwartet hatte. Er war soeben dabei, seinen „neuen“ Bruder dabei aufzunehmen, wie dieser mit einem zwielichtigen Typen irgendetwas tauschte! Das taten die beiden so unauffällig wie möglich, doch Joey entging es nicht. Was sollte er tun? Dazwischen gehen? Lieber nicht, wahrscheinlich sah alles nur schlimmer aus als es war. So beschloss Joey, reichlich verwirrt, nach der Schule mit Rick zu reden.

 

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„Na, wie war die Schule?“ Eine schnelle Antwort blieb aus, das machte den Jungen um so verdächtiger, sagte er doch sonst, wie aus der Pistole geschossen, „Wie immer!“ „Oh, hallo Joey. Du bist schon zu Hause?“ Ricky nahm sich was zu trinken und setzte sich an die Küchenbar. „Offensichtlich.“ Offenbar hatte sein Bruder nicht wirklich das Verlangen zu reden, also sprach Joey ohne Umschweife weiter. „Ich habe dich heute auf der Promenade gesehen, mit `nem Mädchen namens Sarah und ein paar Typen, die nicht so aussahen, als wollten sie nur ein wenig Spaß haben.“ Mehr als ein unverständliches Gemurmel war nicht zu vernehmen. „Soll ich dir sagen, wonach das Ganze aussah, was da ablief?“ „Ach, was weißt du denn schon hä?“ „Ricky, wenn es irgendwas gibt, was du mir sagen willst, dann raus mit der Sprache. Sofort!“ „Spielst du jetzt den Vater, den ich nie hatte?“ Das reichte. Nun wurde Joey wütend. Er setzte sich dem Jungen gegenüber.  „Nein, das hatte ich nicht vor! Ich will dich nur davor bewahren, die gleiche Scheiße anzustellen, die ich gemacht habe. Solltest du also in irgendwelchen Schwierigkeiten stecken, sag` es mir mein Gott! Und eins sag` ich dir: Wenn Mick davon erfährt, dass du die Schule schwänzt, bist du eh erledigt!“

 

&

 

Laut Rick war alles in Ordnung und er versprach, die Schule nicht mehr zu schwänzen. Joey wollte seinem Bruder wirklich vertrauen. Der hatte schon als Kind lernen müssen was Alkohol und Drogen aus einem machen konnten. Warum sollte er so blöd sein und es selbst ausprobieren? ‚Doch irgendwas ist da im Busch’, dachte Joey. Und noch am sleben Abend sah es so aus, als sollte Joey Recht behalten. Nur, dass diesmal Mick davon Wind bekommen sollte...

„Eigentlich könnte unser kleiner Bruder so langsam mal nach Hause kommen. Es ist fast 24 Uhr, abgemacht war 22 Uhr“ , sagte Mick leicht gereizt, als er und Joey am Abend vor dem TV saßen. „Ach Bro, er ist auf `ner Party, lass` ihm doch den Spaß!“ „Klar, aber Ricky ist erst 17!“

Da wurde auch schon die Tür aufgeschlossen und ein ziemlich aufgedrehter Teenager kam ins Wohnzimmer. „Trara, da bin ich!“ Er drehte sich im Kreis, verlor fast das Gleichgewicht, fing sich aber wieder und begann reichlich zusammenhangloses Zeug zu reden. ‚Oh, oh’, dachte Joey sogleich als er dessen glasige Augen registrierte und im Augenwinkel sah, wie Mick aufsprang, zu seinem kleinen Bruder lief, (der sich noch immer wankend mitten im Raum befand), ihn an den Schultern packte und rief: “Du guckst mir jetzt sofort in die Augen!“ Reichlich verblüfft tat dieser das dann auch. „Was ist los? Bist du betrunken? Stehst du vielleicht sogar unter Drogen? Ich habe schon einige Jugendliche in deinem Alter gesehen die sich `ne Pille reingeworfen haben, nur so zum Spaß, und die benahmen sich alle so, wie du jetzt!“ Mick war wütend und Joey wusste genau, dass das noch nicht der Höhepunkt sein musste. Als Antwort erhielt er lediglich ein „Mir ist schlecht!“, worauf der Junge zusammenbrach und bewusstlos liegen blieb. „Joey, hol Wasser und einen Lappen“, rief der Ex- Cop und da der Angesprochene nicht reagierte, noch mal, diesmal lauter, „Joey!“ Er lief los und als er zurückkam hatte Mick seinen Bruder bereits auf das Sofa gelegt. „Mick, ich…” Joey `s Stimme erstarb. Mick sah ihn an. „Du wusstest, dass er eventuell in Schwierigkeiten steckt, richtig? Ich habe die Bilder von der Observation am Pier gesehen, da war er drauf. Anscheinend waren wir beide etwas blauäugig und dachten dass er nicht direkt etwas mit diesen Typen zu tun hatte.“ „Ja“ war alles was Joey rausbrachte und deshalb war er doppelt so froh, dass sein kleiner Bruder wach wurde. Langsam zwar, aber nach ein paar Minuten bekam er seine Augen ganz auf. „Wie geht es dir?“ fragten seine Brüder ungewollt unisono. Ein leises Stöhnen. „Beschissen.“ kam darauf die kurze Antwort und ‚wenn man ehrlich ist’ , dachte Joey, ‚sieht er auch gerade so aus.’

Zu seiner Verwunderung ging Mick nicht näher darauf ein. ‚Wenn es um Drogen geht, kennt er keine Gnade’, wusste Joey.

Ricky versuchte sich aufzusetzen, was ihn nur mit Hilfe gelang und fing an, schwach, zu erzählen, was passiert war. „Ich war auf dieser Party. Mit Sarah, wir verstehen uns gut und ja, wir haben auch mal die Schule geschwänzt. Die Typen, mit denen Joey uns gesehen hat, sind ihre sogenannten Freunde, ich kann die nicht ausstehen! Das wissen die auch. Sie tolerieren mich als Sarah `s Kumpel, aber akzeptieren tun sie mich noch lange nicht. Wie auch immer, die waren heute auch auf der Party und ich bin mir ganz sicher, dass einer dieser Idioten mir was in den Drink getan hat!“ Ein Husten, dann sprach er weiter:“ Ich nehme keine Drogen, ok? Und außer mal ein Bier oder so auch kein Alkohol! Wirklich nicht!“ „Gut, Bro, ich glaube dir“, meinte Mick und fühlte die Stirn des Jungen. „Geht `s dir besser?“ „Na ja, bis auf dass sich noch alles dreht und ich gern wüsste wie ich nach Hause gekommen bin, geht `s.“ „Prima!“ ging Joey dazwischen, „ dann ist ja nur die Frage offen, was ihr da am Pier gemacht habt. Ihr habt euch meiner Meinung nach ganz schön auffällig verhalten.“ „Auffällig? Toll, das sollte eigentlich keiner mitbekommen...“ „Und was?“ Ricky wollte aufstehen, doch sein Bruder Joey hielt ihn zurück. „Also?“ „Ich weiß was du denkst, was wir da getauscht haben. Drogen, richtig? Ich weiß auch, dass zwei der Jungs damit schon mal zu tun hatten. Aber diesmal war es ganz harmlos.“ Der Junge zwang sich ein Lächeln ab. Erst jetzt, als alles etwas klarer um ihn herum wurde, merkte er, dass er Schmerzen an der Brust hatte. „Was ist los?“ fragte Mick sofort besorgt als er registrierte, dass sein Bruder leicht zusammenzuckte. Ricky zog sein T-  Shirt hoch und sah sofort den riesigen blauen Fleck an seinen Rippen. „Jetzt weiß ich wieder wie ich nach Hause gekommen bin. Ich bin vom Skateboard geflogen, dabei ist es wohl passiert... Ich bin dann gelaufen. Und heute morgen gab ich Kevin lediglich ein paar Hausaufgaben. Er ist der normalste von der Gang und die anderen hätten ihn wohl voll verarscht wenn sie es mitbekommen hätten, das wollten wir vermeiden.“ Seine Brüder waren sichtlich erleichtert. Und auch Ricky war froh, das Missverständnis ausgeräumt zu haben. „Ich bin total fertig“, sagte er und legte sich, unter Schmerzen, auf das Sofa.

 

Kurz vor dem Einschlafen sagte Ricky: „Hey, ab heute versuche ich pünktlich nach Hause zu kommen. Aber versprechen kann ich nichts, klar? Kommt halt manchmal was dazwischen... Doch ihr müsst mir versprechen, euch nicht mehr so viel Sorgen um mich zu machen, ja? Ich kann schon ganz gut auf mich selbst aufpassen!“ „Nein“, flüsterte Joey, „das kann ich dir nicht versprechen.“ Er deckte seinen kleinen Bruder sanft mit einer Decke zu. „Wofür sind denn große Brüder da wenn nicht zum Sorgen machen?“ Sein Blick traf Mick `s und ein leichtes Nicken zeigte ihm, dass dieser das selbe dachte.

 Fortsetzung folgt...


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