Disclaimer: Die beiden Hauptcharaktere habe ich mir geliehen, aber die dritte Person (Rick) ist ganz alleine von mir! :-) Habe diese Story just for Fun geschrieben, will also kein Geld und bekomme es wohl auch nie! Also, viel Spaß mit „Ein Neuer Anfang?“.

Ein schwarzer Tag

 

Die Musik dröhnte ohrenbetäubend durch das Haus der Barrett- Brüder. Eine Musik, mit der Mick nicht wirklich etwas anfangen konnte, da sie einfach nicht seiner Zeit entsprach.

Die Bässe hörten urplötzlich auf und er nahm diese Gelegenheit sofort wahr um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen indem er rief: „Geht` s auch leiser?“ Doch das hätte er sich sparen können, denn im selben Moment stürmte Rick die Treppe herunter, seine Jacke auf halb- acht hängend und den Rucksack hinter sich her ziehend. Erst kurz vor Mick bremste er ab, da dieser ihm genau im Weg stand und reichlich zerknirscht dreinblickte. „Können wir uns darauf einigen, dass morgens diese Musik nur auf Zimmerlautstärke läuft?“ fragte Mick mit gespielt zorniger Stimme, denn er liebte es, seinen kleinen Bruder aus dem Konzept zu bringen, während dieser mal wieder versuchte, pünktlich zur Schule zu gelangen. Das Ganze verfehlte auch diesmal seine Wirkung nicht und so musste Mick nach ein paar Sekunden doch anfangen zu grinsen, als er Rick` s sehr irritierten Blick einfing, der offenbar mit seinen Gedanken ganz woanders war. Er machte dem Jungen Platz und setzte sich wieder an den Küchentisch um wenigstens noch einen Kaffee zu trinken bevor er den Surfshop öffnete. Rick verabschiedete sich mit einem knappen „Bis nachher!“ und war schon verschwunden, ehe Mick „Ja, viel Spaß!“ sagen konnte.

 

`Ruhe ist doch was Schönes.` dachte der älteste Barrett und nahm gerade genüsslich einen großen Schluck aus seiner Tasse, als plötzlich Joey vor ihm stand. Es kam nicht oft vor, dass sein mittlerer Bruder vor ihm aufstand und, wie jetzt, auch schon im Surfshop nach dem Rechten sah. „Joey, so früh schon auf? Ein Murmeltier wie du kommt doch normalerweise vor 8 Uhr nicht aus den Federn!“ witzelte Mick, verstummte jedoch sogleich wieder, als er das blasse Gesicht des jungen Mannes sah. Der 22 jährige sah aus, als hätte er einen Geist gesehen. Reichlich besorgt stand Mick auf und ging auf seinen Bruder zu. Der fing an zu stottern: „Mick, da unten... Der Shop...“ „Was ist mit dem Shop?“ Der Ex- Cop befürchtet das Schlimmste. „Joey?“ „Jemand hat dort eingebrochen. Es ist alles durcheinander. Ich wollte erst mal gucken, ob was fehlt, aber... ich blicke da unten einfach nicht durch!“ Joey fühlte sich mies, so als hätte er einen Albtraum gehabt, der sich selbst im Wachzustand noch fortsetzte. So lief er einfach nur seinem großen Bruder hinterher, der sich bereits eine Etage tiefer befand, und blickte sich erneut um. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld: Die Regale und Ständer mit Verkaufsware lagen auf dem Boden, Verpackungen waren aufgerissen worden und flogen ebenfalls kreuz und quer durch den Laden. Poster waren von den Wänden gerissen worden und die Ladentüre stand offen, das Schloss herausgebrochen, mit Gewalt. `Wie sollen wir das so schnell wieder in Ordnung bringen?` fragte sich Joey. Auch Mick war in Gedanken. Er fragte sich, wer so was tun konnte und warum! Er war wütend! Nein, er war stinksauer! Und wenn nicht sowieso schon alles zerstört gewesen wäre... So hätte er es jetzt getan!

Ein Blick auf den Jüngeren brachte  ihn aber schnell wieder runter, durfte er Joey doch nicht zeigen, dass es ziemlich schlecht aussah, da einiges an Ware fehlte. Mick ging rüber zu Joey, legte einen Arm um seine Schulter und sagte: „das bekommen wir schon wieder hin, was Bro? Davon lassen wir uns doch nicht unterkriegen, hm? Wenn die Cops hier alles aufgenommen haben räumen wir auf und Morgen geht` s weiter wie bisher. Da haben wir doch schon Schlimmeres überstanden!“ Mick wunderte sich selbst darüber, wie beherrscht seine Stimme klang, kochte er doch innerlich nach wie vor. „Klar Alter“, antwortete Joey, „zusammen bekommen wir das hin. Wie immer großer Bruder.“ Ein Bisschen klang seine Stimme zittrig und Joey hoffte, dass man ihm seinen Optimismus abnahm. Er boxte Mick leicht in die Seite, holte das Telefon und reichte es mit den Worten „Ruf du deine Ex- Kollegen an“ weiter.

 

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Nach einigen Stunden, in denen sie die Polizei bei sich hatten und ihren Surfshop aufräumten, fuhren die beiden Besitzer Richtung Polizeirevier. Sie mussten noch ihre Aussagen unterschreiben und Unterlagen für die Versicherung abholen.

 

Sie saßen schweigend nebeneinander in Mick´ s Auto. Jeder hing seinen Gedanken nach. Nach einiger Zeit war es Joey, der das Schweigen brach und der ältere Barrett musste innerlich schmunzeln, als er hörte was sein Bruder sagte. „So langsam könnte ich was zu Essen vertragen Bro!“ „Ja, du hast Recht, wir sollten was essen. Wie wäre es mit Fast Food? Was anderes bekomm` ich jetzt nicht runter.“ „Prima. Weißt du was? Ich schick` Rick `ne Nachricht. Er hat doch gleich Schulschluss, dann können wir uns treffen, ist ja nicht weit von der Schule.“ „Mach` das. Dann kommt er nicht alleine nach Hause und sieht das Chaos.“ Die SMS wurde abgeschickt und, wie bei Jugendlichen üblich, sogleich beantwortet. „Er kommt zum Tacco Bell.“ „Alles klar, dann lass` uns mal schnell zur Versicherung fahren und ihnen die schlechte Nachricht überbringen!“

 

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Bei der Versicherung lief es allerdings nicht wie gewünscht. Ein kleiner Mann, mit Nickelbrille und einem viel zu großen Hemd, plusterte sich vor Mick und Joey auf als er ihnen mitteilte: „Tut mir leid Mr. Barrett, um ihren Fall bearbeiten zu können, benötigen wir noch weitere Unterlagen.“ ‚Das darf doch nicht wahr sein!` dachte Joey, ‚was für ein Tag!’ Mick baute sich mit hoch rotem Kopf vor dem Angestellten auf und zischte zuckersüß, seine Wut nur schwer im Zaum haltend: „Ich werde ihnen gleich mal zeigen, was sich alles bearbeiten lässt! Wir sind nicht zum Spaß hier! Geben sie uns was wir wollen und sie können in Ruhe ihren Tag fortsetzen!“ Leicht ängstlich blickte der kleine Mann den größeren Mann an, der so aussah, als wolle er ihn gleich über den Schalter ziehen. Auch Joey bemerkte Mick’ s Aggression, packte ihn am Arm und zog seinen Bruder energisch Richtung Ausgang. „Lass gut sein Mick! Das bringt doch nichts. Wir kommen eben später wieder.“ Mick wusste, dass sein Wutausbruch wohl nicht viel brachte, aber jetzt ging es ihm wenigstens ein wenig besser. Er murmelte leicht genervt: „Du hast ja Recht. Lass uns was essen. Rick wartet sicher schon.“ ‚Wird auch mal Zeit’, dachte Joey, ‚ich bin am verhungern.’

 

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Keine zwei Minuten später fuhren die beiden auch schon auf den Parkplatz des Tacco Bell. Da ihr kleiner Bruder offensichtlich noch nicht da war, schlenderten Joey und Mick schon mal langsam zum Haupteingang des Restaurants. Die miese Stimmung war im Hinblick auf das Essen kurz verflogen. „Ich könnte ein halbes Schwein verdrücken“, sagte Joey, worauf Mick ihn spielerisch an die außen hängende Speisekarte drückte und meinte: „Steht das vielleicht auf der Karte Kleiner?“ Beide mussten lachen als sie ihren kleinen Bruder auf der anderen Straßenseite erblickten. Wie immer flitzte dieser zielsicher auf seinem Skateboard über den belebten Gehsteig. Rick sah seine Brüder winken, wollte so schnell wie möglich zu ihnen und hielt schnurstracks auf die Straße zu.

„Was hat der vor?“ rief Joey und auch Mick hatte kein gutes Gefühl im Bauch. Im selben Moment erreichte der Teenager die Straße und gerade, als sein ältester Bruder seinen Namen schrie, quietschten auch schon die ersten Reifen.

Joey stand wie gelähmt auf dem Bordstein vor dem Schnellrestaurant. Was er sah, nahm er lediglich in Zeitlupe wahr: Auf seinen Namen nicht reagierend, fuhr Rick geradewegs auf die Fahrbahn. Von rechts kam im selben Moment ein blauer Chevrolet, bremste, rutschte jedoch noch voll auf den 17 jährigen zu und erwischte ihn frontal. Im selben Moment war Mick ebenfalls auf der Straße angelangt und kniete neben seinen kleinen Bruder nieder.

Erst als Joey seinen Namen hörte, kam er wieder zu sich. Er wusste nicht was er tun sollte. Er stand nun neben dem leblosen Körper des Kleinen und hörte in weiter Ferne Mick’ s Stimme Befehle rufen. ‚Ich muss was tun!’ sprach Joey sich selbst Mut zu und traute sich erst jetzt sich ebenfalls auf dem Asphalt zu knien und Rick’ s Hand zu nehmen. „Mick, was ist hier los? Wie geht es ihm?“ „Ich weiß nicht genau. Er ist nicht ansprechbar. Gib mir mal deine Jacke.“ Zitternd zog Joey seine Jacke aus, die Mick behutsam unter den Kopf des Verletzten legte. In solchen Momenten bewunderte Joey Mick immer sehr. ‚Er behält selbst in brenzlichen Situationen seine Nerven.’  Doch Mick hatte Angst! Panische Angst um das Leben von Rick! War er doch kein Arzt und wusste nicht, was Sache war. „Komm’ schon Kleiner! Wach auf! Lass’ mich hier nicht hängen, ja?! Wach auf! Du musst jetzt stark sein! Wie sonst auch, OK?“ Als er das Blut an seiner Hand registrierte, sah er Joey an. Der sah es ebenfalls und in seinen Augen stand Panik.

Nach schier endlosen Minuten kam der Rettungswagen. Die Sanitäter taten routinemäßig ihre Arbeit und schon war das Unfallopfer auf dem Weg ins Krankenhaus.

 

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„Mick, ich habe Angst!“ Joey’ s Stimme brach. Mick, der die ganze Zeit vor dem Eingang des OP- Bereiches stand, kam zu ihm und setzte sich neben den blassen Joey. Er nahm seine Hand und blickte ihm direkt in die Augen. „Du brauchst keine Angst haben. Unser Bruder ist zäher als du denkst. Der wird es schaffen. Du wirst sehen – nachher ist er wach und beschwert sich über den schlechten Service hier.“ Mehr als ein klägliches Lächeln brachte der mittlere Barrett nicht zustande und es tat ihm verdammt gut, als Mick ihn an sich drückte. Nach einer Weile lösten sie sich voneinander und Joey meinte leise: „Ja, er ist zäh. Das sind schließlich alle Barretts. Hätte ich damals gewusst, dass Pa noch mal so einen wie uns zustande gebracht hat, dann hätte ich eher gewollt ihn kennen zu lernen.“ Da fiel es Mick wieder ein: ‚Joey wusste, dass unser Vater eine Affäre hatte und ein uneheliches Kind. Wie hat er das heraus gefunden?’ Seine Neugierde war geweckt. „Hey Bro, woher hast du das mit Pa’ s Affäre erfahren? Warum hast du nie was gesagt?“ „Mick, du wusstest es doch selbst! Du wusstest es sogar länger als ich! Warum hast DU mir nichts erzählt?“ Joey war aufgebracht. Er sprang auf und fing an, im Wartezimmer hin und her zu laufen. „Ich wusste doch damals auch nicht, dass du es schon erfahren hattest Mick. Ich hab’ es für mich behalten. Ich wollte nicht, dass du schlecht über unseren Vater denkst! Sie waren doch gerade erst beerdigt und du hattest so viel um die Ohren, da wollte ich dich nicht damit belasten.“ „Oh, Bro, hätte ich das geahnt...“ Aber Joey war jetzt richtig in Fahrt. Er wollte sich diese Geschichte von der Seele reden, das spürte sein großer Bruder. Also lies er ihn gewähren und hörte einfach bloß gespannt zu.

„Ein halbes Jahr nachdem unsere Eltern gestorben waren, suchte ich in ihren Sachen nach Fotos. Es war kurz vor deinem 21. Geburtstag und ich dachte du würdest dich über ein Album mit Bildern von unserer Familie freuen. Du weißt schon, alle wieder zusammen... Wenn auch nur auf Papier.“ Joey hielt kurz inne. Er musste schlucken. Selbst jetzt, 11 Jahre nach dem Tod seiner Eltern, fiel es ihm sehr schwer über all das zu reden. Mick wusste das. ‚So stark Joey nach Außen hin auch sein mag’, dachte er, ‚innerlich geht ihm das Ganze mehr an die Nieren, als vielleicht gut ist.’ Aber er trieb den Jungen nicht zum Weiterreden an, stattdessen lehnte er sich zurück und beobachtete Joey, wie dieser anscheinend überlegte, was er sagen sollte. Endlich sprach er weiter. „Leider fand ich keine Bilder. Wie sich später herausstellte, befanden die sich ganz woanders, aber ich fand etwas anderes. Eine Mappe. Eine Mappe mit Unterlagen über unsere Familie. Du weißt schon Mick: Geburtsurkunden, Stammbücher, so was alles. Da war auch ein Schreiben. Oh man, vielleicht hätte ich es nicht lesen sollen, aber ich tat’ s.“

„Was stand da drin. Bro?“ „Erst konnte ich nicht viel damit anfangen. Es standen so viele Fachbegriffe drin, aber einen Satz kapierte ich sofort.“ „Und wie lautete dieser Satz?“ „ ‚Ich, Allan Barrett, erkenne die Vaterschaft zu Rick Alexander Carter, geboren am 19.04.1989, an.’“ Die Brüder verstummten. Zu hören war nur das leise Summen des Colaautomaten. Joey setzte sich wieder neben Mick auf einen der unbequemen Stühle. „Weißt du man, ich dachte es wäre ein Witz! Nur dass dieser Witz ein Gesicht hatte – ein Foto des Babys war hinter das Schreiben geheftet; auf der Rückseite stand ‚hier ein Bild deines Sohnes! Damit du immer daran erinnerst wirst, was Fehltritte für Folgen haben können’.“ Joey atmete tief ein. Er war erleichtert es seinen Bruder erzählt zu haben. „Oh man, Joey! Du kanntest sogar den Namen des Kindes! Ich hatte von all’  dem doch keine Ahnung.“ „Ja, aber ich hatte Angst, dass du unseren Vater dafür hassen würdest! Dass du ihn in schlechter Erinnerung behälst! Und..“ Joey war sich nicht sicher, ob er weiter reden sollte, schämte er sich jetzt für das, was er damals dachte. „Und was?“ „Ich wollte dich für mich alleine! Verstehst du? Nicht, dass du ihn vielleicht zu uns holen wolltest! Heute weiß ich, dass es Blödsinn war! Du hättest Nichts und Niemanden zwischen uns kommen lassen!“ Endlich war es raus. Joey fühlte sich ein wenig besser.

Jetzt war es Mick, der heftig schlucken musste. „Nein kleiner Bruder, ich hätte nicht zugelassen, dass sich Jemand zwischen uns stellt. Niemals“! „Tja man, und nun ist das kleine Baby groß und wir durften es doch noch kennen lernen.“ Die Stimmung des jungen Mannes besserte sich langsam wieder. „Und weißt du was Alter?“ „Nein, erzähl’ s mir.“ „Ich find’ s gut, dass er bei uns ist!“ Und mit einem schelmischen Grinsen fügte er hinzu: „Natürlich kann er sich nie wirklich zwischen uns stellen, aber er gehört zu uns und ich werde mich genau so um ihn kümmern, wie du dich um mich!“ „Gut zu wissen.“ Mick lachte und fuhr Joey durch das Haar, als die Tür zum OP- Bereich aufging und man den schlafenden Rick samt Bett auf den weiß gestrichenen Flur hinaus schob. Noch bevor der Arzt etwas sagen konnte, standen die beiden Barretts am Bett des Jungen und erkundigten sich gespannt nach dessen Zustand.

Erleichtert erfuhren sie, dass ihr Bruder mit einem blauen Auge davon kam, die Narkose ausschlafen musste und nach spätestens drei Tagen nach Hause durfte.

 

‚Was für ein Tag’, liess Mick das Erlebte Revue passieren als er sich einen Kaffee aus dem Automaten zog, ‚von jetzt an kann es nur noch ruhiger werden!’


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