Ich führe als Mitglied des Humanistischen Verbandes Niedersachsen Ortsverband Wesermarsch weltliche Trauerfeiern durch und zwar flächendeckend in der ganzen Wesermarsch und im Landkreis Cuxhaven für alle konfessionslosen Menschen. Da ich als Redner sehr frei in der Gestaltung der Trauerfeiern bin, werden die Trauerreden sehr auf die verstorbene Person und deren Angehörigen ausgerichtet, es gibt keine genormten Abdankungsrituale. Die Grundlage für jede Trauerrede ist das Trauergespräch mit den nächsten Angehörigen, das, wenn immer möglich, im Trauerhaus stattfindet. Das Gespräch, soll im gegenseitigen Vertrauen aufgebaut sein. Es ist deshalb meine Aufgabe, voll auf die Trauerfamilie einzugehen. Sehr oft bin ich der erste Mensch, der mit den Hinterbliebenen, offen ohne Dogmen und gesellschaftliche Schranken redet und ihnen einfach zuhört, ohne zu werten. Da die Trauernden sehr oft eine gewisse Unsicherheit und auch Angst vor der bevorstehenden Trauerfeier haben, bespreche ich den eigentlichen Ablauf der Feier und gebe allgemeine Hinweise betreffend Blumen, Sitzordnung, Kaffeetafel etc. Wichtig ist auch, dass mit den Trauernden über die Musik gesprochen wird, die an der Trauerfeier gespielt wird. Wenn immer möglich sollen die einzelnen Musikstücke einen Zusammenhang haben mit der Persönlichkeit des Verstorbenen, so dass die Musik im Text der Trauerrede eingebaut werden könnte. Zum Trauergespräch gehört es auch, die Hinterbliebenen über die nötigen Kontakte zu den Amtsstellen zu beraten, aber auch Hinweise über Möglichkeiten von sozialer Hilfe für die kommende Zeit zu geben. Ich versuche mit den Hinterbliebenen einige Schwerpunkte im Leben des Verstorbenen aufzuzeigen, die ganz typisch für ihn waren. So entstehen einzelne Bilder aus dem Leben des Verstorbenen, die seine Eigenarten und Charakterzüge in verschiedenen Lebensphasen aufzeigen und in gewisser Weise wie Zahnräder ineinander greifen. So entsteht ein Bild, das dem Verstorbenen am ehesten gerecht wird. Im gewissen Sinn verstehe ich mich als Trauerredner als Anwalt des Verstorbenen, wobei ich nicht nur in schönen Farben male, nein es soll ein Bild mit allen Schattierungen, grellen und auch matten Farben ergeben. Es ist wichtig für mich, dass alle Phasen im Leben des Verstorbenen richtig gewertet und gewichtet werden. Sehr oft werden von den Angehörigen die letzten belastenden Zeiten des Zusammenlebens mit dem Verstorbenen überbewertet und dabei die schönen Jahre fast ein wenig vernachlässigt. Die Erinnerung ist oft ein Thema meiner Trauerreden. So brauche ich zum Beispiel das Gedankenbild, dass eigentlich das Lebenslicht der Verstorbenen ausgelöscht worden ist, dass ich aber jetzt das Licht der Erinnerung anzünden möchte und somit das Andenken an den lieben Verstorbenen über den heutigen Tag leuchten soll. Am meisten freue ich mich, wenn ein Angehöriger nach meiner Trauerrede zu mir kommt und sagt, erst jetzt verstehe er, rückblickend, den Vater oder die Mutter richtig. Dann hat sich meine Arbeit als Trauerredner gelohnt. Da ich Freidenker bin und ich mich von der Kirche auch innerlich gelöst habe, werde ich unsere Trauerfeiern weltlich gestalten. Bestattungsredner der Humanisten sind gefragt Trost für Trauernde Brake-Wesermarsch - Ein Familienvater ist gestorben. Der Tod kam plötzlich, unerwartet. Er war noch jung. Herbstliche Blumen bedecken den Sarg. Beruhigende Hintergrundmusik ertönt leise, als die Trauernden die blumengeschmückte Kapelle betreten. In der städtischen Kapelle auf dem Friedhof nehmen die Angehörigen, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen Abschied. Doch nicht ein Geistlicher ist es, der dann ans Pult tritt. Dieter Hashagen hält die Trauerrede. Weder das Himmelreich noch das ewige Leben erwähnt Hashagen. Statt Gläubige oder Brüder und Schwestern nennt er diejenigen, die ihm gespannt zuhören, “Angehörige” und “Trauernde”. In seiner Rede bemüht er die Philosophie. Er sagt “Ja” zum Leben, fragt nach dessen Sinn und bezeichnet den Tod als unausweichliche Konsequenz. Hashagen ist kein Pastor. Aus der Kirche ist er schon vor Jahrzehnten ausgetreten. Hashagen ist Bestattungs- und Feierredner des Humanistischen Verbandes. Schon seit mehreren Jahren bietet er als Alternative zu kirchlichen Feiern für Verstorbene oder Angehörige, die aus der Kirche ausgetreten sind, Traueransprachen an. In seiner Heimatstadt Brake treten jedes Jahr cirka 100 Menschen aus der Kirche aus. Ähnlich sieht es in den umliegenden Ortschaften in der Wesermarsch aus. Die Kirchen untersagen ihren Priestern, Trauermessen und Trauerandachten für “Nichtkirchenangehörige” abzuhalten. Der Bedarf an Bestattungsrednern ist entsprechend groß. Bis zu 120 Beerdigungen im Jahr besucht Hashagen in der Wesermarsch und im Land Cuxhaven. Beauftragt wird er meist durch die Bestattungsinstitute. Aber nicht nur Konfessionslose fragen seine Dienste nach, auch immer mehr Kirchenmitglieder, denen die kirchliche Trauerfeier zu ritualbeladen ist oder die sich von der Kirche entfremdet haben, gehören zu den Kunden. Für das Studium von Geschichte, Geistes- und Religionsgeschichte sowie Philosophie benötige ich keine Universität, meint Hashagen, das Leben an sich hat viele Semester. Hauptberuflich arbeitet er schon über 20 Jahre als Altenpfleger und hat mit Sterbenden und dem Tod Erfahrungen gemacht, die durch keine Universität zu ersetzen sind. Mit den unterschiedlichsten Menschen umgehen können, das sind Begabungen, die ein Trauerredner einfach mitbringen muss, sagt Hashagen. Die individuelle Persönlichkeit des Verstorbenen soll im Mittelpunkt der 30-minütigen Traueransprache stehen. Die Wünsche der Hinterbliebenen - gleich ob Gedichte oder Abschiedsbriefe- arbeitet Hashagen ein. Sogar die Lieblingsmusik des Verstorbenen wird auf Wunsch gespielt. Häufig begleiten Gesang und Gitarrenklänge die Trauerfeier. Dann sitzt seine Schwester Renate an seiner linken Seite und spielt meist selbstgeschriebene und selbstkomponierte Trauerlieder, ebenfalls individuell auf das vergangene Leben des Verstorbenen abgestimmt. Hashagen möchte Trost spenden, auf die Tränendrüse drücken möchte er eigentlich nicht so gerne. Der Abschied von einem geliebten Menschen ist traurig, aber das vergangene Leben hatte doch, zumeist, seine schönen und lustigen Seiten und das soll auch hervorgehoben werden. Für ihn war es das größte Kompliment, als nach der Trauerfeier Angehörige sagten: “Es war eine schöne Feier, weil doch unser lieber Vater im Mittelpunkt stand.” Am Totensonntag im November findet jedes Jahr die Totengedenkfeier statt. Die öffentliche Veranstaltung des Humanistischen Verbandes Wesermarsch beginnt um 11 Uhr im Kaminraum der Begegnungsstätte, Schulstraße 20. Sie sind herzlich willkommen. Vorsitzender Humanistischer Verband Niedersachsen - Körperschaft des Öffentlichen Rechts - Ortsverband Wesermarsch Sprecher für alle Lebensfeiern. Oldenburger Heerstraße 35 , 26919 Brake Telefon: 04401-695817 Email: humanitas-brake@t-online.de 
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