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Das Borderline - Syndrom
in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse nicht einheitlich
definierter Begriff.
Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung auf der "Grenzlinie"
(engl. borderline) zwischen Neurose und Psychose.
Psychotische - meist spontan rückläufige - Episoden können auftreten;
unterscheidet sich von der Psychose durch die (weitgehend) intakte und
reproduzierbare Realitätsprüfung. Das psychoanalytische Modell einer
spezifischen Ich - Struktur (nach Kernberg) geht von einer frühkind-
lichen psychischen Fehlentwicklung aus (u.a. radikales Auftrennen der
Objektrepräsentanzen in gut und böse; Abwehrmechanismen wie Spaltung,
Idealisierung, Verleugnung, Omnipotenz, Entwertung). Das psychiatrische
Klassifikationsmanual DSM-IV definiert die Borderline - Persönlichkeits-
störung als ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischen-
menschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von
deutlicher Impulsivität. Nach der ICD-10-Klassifikation handelt es sich
um eine emotional instabile Persönlichkeit mit der Neigung zu intensiven,
aber unbeständigen Beziehungen; zusätzlich sind oft das eigene Selbst-
bild, Ziele und innere Präferenzen unklar und gestört.
Quelle: Roche Lexikon Medizin
Wie können die Angehörigen auf dieses Zustandsbild reagieren?
Für die Angehörigen ist es meist sehr verunsichernd, wenn sie
von den Selbstverletzungen und den damit verbundenen Folgeproblemen
erfahren.
Dies kann vielfältige Reaktionen auslösen.
Manche reagieren mit Schuldgefühlen und Hilflosigkeit, andere mit
Enttäuschung und Ärger. Über einen längeren Zeitraum ist auch ein
Wechsel von Reaktionen möglich, manche reagieren zunächst mit Für-
sorge und Überhütung und ziehen sich dann später von den Betroffenen
zurück.
Unabhängig davon können durch stützende Familien- und Einzelgespräche
die Schwierigkeiten aufgefangen und bearbeitet werden. Es ist immer
das Ziel, ein besseres Verständnis statt gegenseitige Vorwürfe für
alle Beteiligten zu erreichen.
Meist handelt es sich aber um Familien, in denen es nicht üblich ist,
über seelische und familiäre Probleme zu sprechen. Mit derartigen
Schwierigkeiten wird umgegeangen, als ob sie nicht vorhanden wären.
Insbesondere bei der Vermutung, dass die Probleme und die Selbst-
schädigung der Betroffenen Ausdruck eines familiären Konflikts sein
könnten.
Ganz schwierig wird es, wenn der Vorwurf eines Missbrauchs im Raum
steht, der vielleicht schon einmal oder auch gar nie angesprochen
wurde.
Hier stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, dass die übrigen Fa-
milienmitglieder die Heimlichkeit oder Verleugnung mittragen?
Kann es zur Behandlung beitragen, wenn die Familienmitglieder das
"Nicht-hinschauen-dürfen" ebenso aushalten wie die Betroffenen?
Wie schon angedeutet sprechen auch die Betroffene wegen ihrer eigenen
Schuldgefühle und der Angst, von den Familienmitgliedern bestraft zu
werden, meist nur andeutungsweise über den Missbrauch.
Sie brauchen sehr viel Mut und Unterstützung von anderen, um das
"Dunkle" ans Tageslicht zu bringen.
Im alltäglichen Miteinander wird es schwierig, wenn die Betroffenen
in Situationen, in denen sie sich zurückgesetzt, verletzt, ungerecht
behandelt oder verlassen fühlen, mit erneuten Selbstverletzungen rea-
gieren. Das kann die Umgebung enorm unter Druck setzen, weil es Schuld-
gefühle auslöst und die Angehörigen/Partner/Freunde Angst vor einer
weiteren Selbstverletzung oder einem Selbstmord haben.
Unabhängig davon, ob die Angehörigen mit Rücksicht oder Vorwürfen rea-
gieren, meist werden dadurch die Konflikte nicht gelöst und das Ver-
halten nicht verändert.
Deshalb ist es immer sinnvoll, die Enttäuschung und Wut, sowie die
Hilflosigkeit anzusprechen. Auch die Betroffenen können dadurch die
Reaktionen ihrer Umgebung leichter verstehen. Im zweifelsfall sollte
man sich therapeutische Unterstützung oder Rat in einer Selbsthilfe-
gruppe holen. Schon allein die Tatsache, mit diesem Problem nicht
allein dazustehen, wird oft als entlastend erlebt.
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