Hier werden wir Texte veröffentlichen, die unsere Positionen in Bezug auf
Zustände inner- und außerhalb der Szene nehmen. U.a. steht hier ein Text
zum verlogenen "Antifaschismus" vieler bürgerlicher Politiker. Es geht uns
nicht darum den Antifaschismus zu diskreditieren. Die Nazis sind eine
Gefahr für dieses Land und das kriegen nicht nur Flüchtlinge oder
Andersaussehende tagtäglich zu spüren. Diese Gefahr gilt es zu bekämpfen.
Keine Frage. Aber uns geht es um die Funktion, die der "Antifaschismus"
oftmals spielt: die Funktion der Legitimierung der Zustände im Kapitalismus
ohne Faschismus und Nazis an der Macht.
"Antifaschismus" und Kapitalismus
Der 40. Jahrestag des "Kriegsendes" lieferte letztes Jahr all den
"Demokraten", egal ob nun den "christlichen", den "sozialen", "freien" oder
den sich "links" gebenden, die Gelegenheit ihr Entsetzen über den
"Wahnsinn" des Krieges und des Holocaust zu äußern.
Wie stets reduzierten sie die Verbrechen der Nazis vornehmlich auf den Mord
an rund 6 Millionen Juden und stellten dies als Machwerk "armer Irrer" hin.
Kaum ein Wort darüber, daß es neben den 6 Millionen Juden Millionen
Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Schwule,
Kriegsdienstverweigerer, etc. aus den verschiedensten Nationen an Opfern
gab und daß dieser "Wahnsinn" sehr gut durchdacht und geplant war.
Hinzu kam 1995 die elendige Diskussion, ob denn nun der 8.Mai eine
Niederlage oder eine Befreiung gewesen sei. So mancher trauerte da wohl der
Ehre und dem Ruhm nach, den Nazi-Deutschland bei einem Sieg errungen hätte.
Aber vollkommen ging auch in "linken" Kreisen der Blick für Zusammenhänge
verloren. Man ließ sich die Debatte der Herrschenden aufdrücken, die auf
einen teilweisen Meinungswechsel in der Frage, ob denn nun Befreiung oder
Niederlage, hinarbeitete und zumindest "die" Deutschen spaltete.
(Die große Unklarheit ist wohl auch eine Folge der Kollektivschuldthese,
die durch die bewußte Reduzierung des dt. Widerstandes auf ein paar adlige
Generäle unterstützt wurde. Versagt hat auch die dt. Linke, welche die
Verbrechen der Vertreibung (welchen Volkes auch immer) nicht als das
brandmarkte, was es war: ein Verbrechen, ein Stück Fremdbestimmung. Dies
trieb viele dt. Vertriebene den Revanchisten in den Vertriebenenverbänden
in die Hände.)
Vollkommen ausgeblendet wurde (und das soll jetzt keine Relativierung oder
Verniedlichung der Nazi-Verbrechen sein, die nicht nur an Juden, sondern
auch an Deutschen, Russen, ... begangen wurden), daß die gesamte Geschichte
des Kapitalismus eine einzige Geschichte von Verbrechen, Krieg und
Ausbeutung ist. Nur der politische Deckmantel ist stets ein anderer. Mal
Faschismus, mal "Demokratie", ...
Vor den Verbrechen des Faschismus (die allerdings inzwischen auch immer
mehr verleugnet werden) sollen wir die Verbrechen des alltäglichen
Kapitalismus vergessen. Wir sollen denken, ach wie schön ist doch die
"Demokratie" im Vergleich zum Faschismus. Vor dem Greuel des
kapitalistischen Todes sollen wir die Greuel des kapittalistischen Leben
vergessen und daß beide unzertrennlich miteinander verbunden sind.
Vor den Verbrechen der SS-Ärzte soll vergessen werden, daß der Kapitalismus
im großen Maßstab mit Alkohol, Medikamenten, krebserregenden Produkten, mit
den Strahlungen der "demokratischen" Atombomben und Atomkraftwerke, etc.
experimentiert. Man zeigt die Lampenschirme aus Menschenhaut, damit wir
vergessen sollen, daß der Kapitalismus aus dem lebendigen Menschen, seiner
Arbeitszeit, einen Lampenschirm macht. Der eine Tod ist kurz und grausam,
der andere nennt sich "Leben", dauert meist die Lebenszeit eines Menschen
und verabreicht einem jeden Tag eine kleine Dosis Schmerzen.
Vor den Bergen von Haaren, Goldzähnen, zu dem zur Ware gewordenen Körper
des toten Menschen im KZ soll man vergessen, daß der Kapitalismus das Leben
der Menschen selbst, die Arbeit, zur Ware gemacht hat, die auf dem
Arbeitsmarkt gehandelt wird.
Der Kapitalismus ist die Quelle des Leids und nicht irgenwelche "armen
Irren", die ihre "Ideen des Wahnsinns" verwirklichen. Dies hinter den
Leichen der Opfer des Kapitals, hinter den Leichen von Auschwitz, von
Buchenwald, von Oranienburg usw. verstecken zu wollen, diese Leichen zum
Schutz des Kapitalismus zu verwenden, das ist wirklich die abscheulichste
Art, sie bis zum bitteren Ende auszunutzen.
Oder wie sagte der alte Horkheimer einst: Wer vom Kapitalismus nicht reden
will, soll vom Faschismus schweigen! Red Devil
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