Es gibt keine Fremden, es gibt nur Menschen, die sich noch nicht begegnet sind!

Neue Homepage: http://festderbegegnung.dsp.at

Bericht:


Rekordbesuch beim 19. Fest der Begegnung am Rathausplatz!
 
Motto: Miteinander leben - miteinander reden - miteinander feiern!
 

Religionen als „Teil der Lösung des Zusammenlebens“

„Es hat Gründe, warum Menschen fliehen“, wie Sepp Gruber aufzeigte, „doch statt zu helfen versuchen wir, Mauern aufzubauen.“ Ein Vorbild für das „Fest der Begegnung“ sei Franz von Assisi, der sich sogar in der Zeit der Kreuzzüge mit dem damaligen Sultan getroffen hat, erklärte Gruber. „Alle Religionen glauben an die Würde des Menschen; das ist eine Grundlage für das Zusammenleben.“

„Religionen werden oft als Teil des Problems Integration angesehen“, sagte Festredner, Staatssekretär Sebastian Kurz. „Das heutige Fest zeigt jedoch, dass Religionen ein Teil der Lösung des Zusammenlebens sein können.“ In zahlreichen Ländern bestehe ein Nebeneinander von Religionen und Kulturen. Dies sei zwar ein mögliches Konzept, „aber nicht für uns, nicht für Österreich“, so Kurz. Es gelte, einerseits Hürden und Vorurteile abzubauen, andererseits Motivationen zu schaffen, „nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Herzen Österreicher zu sein“, betonte Kurz.

Vielfalt genießen

Die „Grenzen im Kopf“ sprach Landesrätin Barbara Schwarz in Vertretung von Landeshauptmann Erwin Pröll an: „Als die Grenzen gefallen sind, haben wir Grenzen im Kopf aufgebaut – auch bei den Religionen. Warum versuchen wir nicht, die Vielfalt zu genießen?“ In der Natur freue sich jeder über die Vielfalt bei Pflanzen und bei Tieren. „Nur bei uns Menschen haben wir Probleme mit der Vielfalt“, sagte Schwarz. Das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen geschehe zwar „nicht von heute auf morgen“ und sei „ein steiniger Weg“; aber, so Schwarz, „wir können bei uns selbst beginnen“.

„Ich möchte keine Welt erleben, in der alle gleich sind“, ergänzte Bürgermeister Matthias Stadler. Das „Fest der Begegnung“ führe Unterschiedliches zusammen und zeige auf, dass Heimat nicht ein Ort, sondern der Mensch sei, den wir dem Herzen vernehmen und annehmen“ sollten „mit allem, was er ist und was er schon erlebt hat“.  Stadler dankte Sepp Gruber für sein Engagement: „19 Jahre nicht aufzugeben ist ein Zeichen, dass wir diesen Prozess nicht verlieren werden.“
Nach einem sehr gelungenen Kooperation mit dem Festival 'Fabelhaft!' und dem 'Fest.Gebet' am 4. Juni um 11 Uhr im Leopoldsaal des Landhauses (mit Vertretern von 4 Weltreligionen) und Politikprominenz vom neuen Staatssekretär für Integration Sebastian Kurz angefangen über die neue Landesrätin Schwarz bis zu Bürgermeister Stadtler startete das Fest der Begegnung diesmal mit dem Trio Auturja, dem Chor der Daniel Gran VS II, einer kosovarischen Folkoregruppe, dem Bläserensemble Amadeus Brass, ungarischen TänzerInnen mit der Band Besci Banda und afrikanischen Trommern und Info-und Essenständen direkt beim Landhaus.
 
Von dort zog ein bunter Zug mit Musikern, Tänzern und 
Trommlern durch den Landhausboulevard und die Wienerstraße zum bereits gut gefüllten Rathausplatz mit Hüpfburg und Kletterturm für die Kleinen und internationalem Gedränge für das breite Publikum.
Um 15 Uhr begann dort unter der Moderation von Mirsada Zupani (Emmaus) das offizielle Kulturprogramm mit Becsi Banda und ungarischen TänzerInnen, bosnischer und serbischer Folklore und allen Menschen durcheinander sowie den 'Plattler Mädl' der Landjugend St.Pölten, tschetschenischen Tänzerinnen, einem Hiphoper, den Trommlern usw.
Natürlich kam das Kulinarische nicht zu kurz bei 9 verschiedenen 
gastronomischen Angeboten aus aller Welt und den zahlreichen 
Informationsständen und dem breiten Kinderprogramm.
 
Der Höhepunkt des Abend war dann  der Auftritt von 'Dobrek Bistro', einem mitreißenden, multikulturellen Konzertereignis der speziellen Art auf der Rathausbühne.
Doch dann verwandelte der Benefizauftritt der großartigen St. Pöltner Beatboxing Band 'Bauchklang' den Rathausplatz in einen Hexenkessel im besten Sinne. Ca. 2000 BesucherInnen allen Alters und Herkunft 
lauschten und klatschten begeistert mit und eine echte Begegnung der Herzen (und Ohren) fand statt.
 
Am Sonntag schloss eine Filmmatinee im Cinema Paradiso über das 
umstrittene Staudammprojekt Ilisu in der Osttürkei und einer 
Fachdiskussion über die Konflikte zwischen Wirtschaftlicher Ausbeutung und den Natur- und sozialen Rechten den Reigen der Veranstaltungen des heurigen 19. Festes der Begegnung.
 
Auf unserer neuen Homepage finden sie nähere Informationen und demnächst viele Fotos vom großartigen Fest (http://festderbegegnung.dsp.at

 

 

Fest der Begegnung 2011 von 3.-5. Juni St. Pölten

Fest der Begegnung  fabelhaft 3. – 5. Juni 2011

 

Multikulturelles Begegnungsfest mit 19-jähriger Tradition in St. Pölten + gut 20 NGO’s (Koordination Betriebsseelsorge).

 

Die Betriebsseelsorge St. Pölten organisiert seit 19 Jahren mit verschiedenen Organisationen und Initiativen * regelmäßig Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Herkunft in St. Pölten, die dem besseren Verständnis und dem Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen und Religionen dienen durch die Vorstellung von kultu­rellen Eigenheiten in Musik, Tanz, Literatur, Handwerk, Film, Kulinarik und im Gespräch und Diskussion. Es geht um das Verständnis, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben. Es soll erfahrbar werden, dass wir alle gemeinsam in einer Welt leben.

 

 

Fr. 3. 6. 21 Uhr - cinema paradiso: Jugend aller Länder „on stage“ (eigene Vorbereitungsgruppe trifft sich am 16.3.17‚

im alevitischen Kulturzentrum, Ratzersdorf)

 

Sa. 4. 6. 11 Uhr interreligiöse Begegnung (Fest.Gebet) mit ‚fabelhaft’ beim Landhaus mit Hindus, Juden, Christen (Abt Christian & Mönchschor aus Seitenstetten) und Muslimen (eigene Beilage), dabei Gruppe ‚Auturja’ (Musik aus allen Religionen),

12 - 14 Uhr: Eröffnung des ‚Festes der Begegnung’, multikulturelle Chöre und Tanzgruppen, ungarische Musiker‚ Amadeus Brass (Franz Grießler &Co) und afrikanische Trommler sowie Info- und Essensstände.

 

14.30 - 15 h: gemeinsamer Marsch vom Regierungsviertel zum Rathausplatz mit Bläsern, Trommlern, ungar. Band u.a. vorbei an Synagoge …

 

15 – 21h Rathausplatz - Nord: multikulturelle Musik, Tanz und Kulinarisches, Workshops und Kinderprogramm am Rathausplatz,

Höhepunkte ‚Dobrek Bistro’ und Bauchklang

 

So. 4.6. 10-13 h: Filmmatinee mit Diskussion zum Thema „Wasser“

 

* Veranstalter sind folgende Gruppen: Betriebsseelsorge, KAB (= kath. Arbeitnehmer-bewegung), Welthaus St. Pölten, Missio,  Caritas – Flüchtlingsberatung, Beratungsstelle FAIR/Volkshilfe, Diakonie, Südwind NÖ/ St.Pölten, Jugendtreff Little Phönix, Jugendzentrum Steppenwolf, Rotes Kreuz, Verein Wohnen, Emmaus St. Pölten, Pakistan Press Club,

österr.-türk. Freundschaftsverein, Islamischer Kultur- und Wohltätigkeitsver­ein, Mesopotamia Kulturzentrum (Kurden), Cinema Paradiso, kosovarischer Kulturverein, afrikanischer Kulturverein, kroatisch katholische Mission, kosovarischer Kulturverrein, ADA (Alternative Solidarität), Öneri, Frauenzentrum St. Pölten, kath. Jugend/KBW, JVP, SJ, serbischer Kulturverein Wilhelmsburg, ungar.Kulturverein, Campusradio,  u a…

 

Kooperation gibt es mit: Fachstelle für Integration NÖ, Integrationsbüro St. Pölten

 

 

Info unter: www.festderbegegnung.at.tf und bei Sepp Gruber (0676/826688398)

 

Ansprache beim 'Fest der Begegnung' am 12. 6. 2010

  

Liebe Freunde und Freundinnen aus aller Welt, liebe Festgäste!

 

„Die Erde ist für alle geschaffen worden ohne Unterschied. Die Natur kennt keine Reichen, sie bringt nur Arme hervor. Was du den Armen gibst, ist nicht dein Gut, du gibst ihnen vielmehr einen Teil von dem zurück, was ihnen gehört. Denn das Gut, das du an dich reißt, ist ein gemeinsames Gut, das allen zum Gebrauch gegeben wurde.“

Dieser Satz von Bischof Ambrosius von Mailand aus dem 5. Jh. ist zeitlos und mahnt uns auch heute in der Zeit des Materialismus, Konsumzwanges und einer neoliberalen Wirtschaft, die das Eigentum und den Besitz über alle anderen Werte stellt, zum Umdenken.  Zur Verteidigung des Reichtums vor den Armen der Welt werden Zäune und Grenzen errichtet, wird Polizei und Militär eingesetzt. So ist auch die heftige Reaktion des reichen Nordens auf die armen Flüchtlinge aus dem Süden zu verstehen. Nirgends gibt es Grenzen für die Reichen oder für Geld und Güter, egal woher sie kommen. Aber die Armut und die Hilfsbedürftigen führen zur Abwehr der reichen Gesellschaft und natürlich auch die diffusen Ängste gegen das ‚Fremde’. So hat mich letzte Woche auch die Reaktion mancher Anrainer in Viehofen schockiert auf die Pläne von Emmaus, in der jetzigen Jugendnotschlafstelle JUMP jugendliche Flüchtlinge unterzubringen. An die in Not geratenen österr. Jugendlichen mit Suchtproblemen hatte man sich gewöhnt, aber was könnten doch diese fremden Jugendlichen, die ja nicht arbeiten (dürfen) alles anstellen! Doch wenn man weiß, dass diese afghanischen Kriegsflüchtlinge ohne ihre Eltern in abenteuerlichen Fluchtwegen bis nach Österreich gekommen sind in der Hoffnung, endlich etwas für die Eltern und ihre Familie zu tun und sich jetzt in der verzweifelten Situation sehen, dass sie nicht arbeiten dürfen, dass sie mit ihrem Status (subsidiärer Schutz) ihre Eltern nicht nachholen können, kann diese Abwehrreaktion vor diesen verzweifelten Jugendlichen, die nichts als Familie und Frieden wollen, nicht verstehen. Charly Rottenschlager hat in einem Mail von einem Jugendlichen erzählt, dessen Mutter jetzt gestorben ist im Lager in Pakistan und er konnte 4 Jahre nichts für sie tun und er möchte jetzt nicht mehr leben in seiner Verzweiflung. Wozu das alles? Über diese Jugendlichen geht es auch in der morgigen Matinee mit dem Film ‚Little Alien’ im Cinema paradiso. Die Jugendlichen wollen nicht als ‚aliens’, als Fremde angesehen werden, sondern als normale liebesbedürftige junge Menschen mit all ihren Träumen. Warum gibt ihnen Österreich nicht einfach die Chance auf ein neues Leben mit ihren Familien?

Vor 2 Jahren haben wir hier für eine Bleiberechtsregelung für Langzeitasylwerber protestiert. Vor gut einem Jahr kam dann ein vages Gesetz, das den humanitären Aufenthalt regeln soll, doch nur für einen Bruchteil der Betroffenen ist die Chance gegeben. Ich kenne in St. Pölten noch keinen einzigen positiv abgeschlossenen Fall des ‚Bleiberechts’ seit 15 Monaten. Meinem Freund John wurde letzten August im negativ beendeten Asylverfahren dieses humanitäre Bleiberecht zugesagt, nur brauchen die Behörden nun schon fast 1 Jahr, dieses auch auszustellen, damit er endlich nach 10 Jahren noch seine Mutter in Nigeria sehen kann, bevor sie vielleicht stirbt. Und immerhin: unser Freund Innocent darf nun 5 Jahre nach seiner Hochzeit endlich aufatmen, weil er doch bei seiner Frau und seiner Tochter bleiben kann und endlich wieder legal arbeiten darf. Viele gleich Betroffenen wurden nach Nigeria zurückgeschickt, denn nur dort dürfen sie das Ansuchen stellen, aber sie warten meist länger als 1 Jahr abseits von Frau und Kind! Und das nennt sich humanität!

Aber ich höre auf mit dem Lamentieren. Wir sind ja auch zum Feiern hier und zum Dialog mit Menschen mit verschiedenster Herkunft, Hautfarbe und Religion und Kultur. Wir wollen miteinander in eine gerechtere Welt gehen, in der die Güter dieser Welt wirklich Allen zur Verfügung stehen und nicht nur den Reichen.

Lasset uns einander begegnen, denn: „es gibt keine Fremden, es gibt nur Leute, die sich noch nicht richtig begegnet sind!“ (Pinchas Lapide)

 

Sepp Gruber (0676/826688398

 

11. bis 13. Juni 2010 Pressebericht:

„Mit-Menschen im Dialog“

 

Fest der Begegnung in St. Pölten als Einladung zum gegenseitigen Kennenlernen

 

Unter dem Motto „Mit-Menschen im Dialog“ fand das jährliche „Feste der Begegnung“ von 11. bis 13. Juni am Rathausplatz St. Pölten & im Cinema Paradiso statt. Die Betriebsseelsorge St. Pölten organisiert seit 18 Jahren gemeinsam mit anderen Organisationen und Initiativen das „Fest der Begegnung zwischen Menschen verschiedener Herkunft in St. Pölten“, wie Initiator und Leiter Sepp Gruber erklärte. Das Fest soll dem besseren Verständnis und dem Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen und Religionen dienen durch die Vorstellung kultureller Eigenheiten in Musik, Tanz, Literatur, Handwerk, Film, Kulinarik und im Gespräch.

 

Der Abend des 11. Juni im Cinema Paradiso stand ganz im Zeichen der Jugend. Junge tschetschenische Flüchtlingsmädchen präsentierten in einer einzigartigen Modeschau selber geschneiderte Trachten aus ihrer Heimat, aber gestanden, diese hier nicht öffentlich anzuziehen, weil das hier nicht passe – wohl ein Missverständnis. Andere Jugendliche mit Migrationshintergrund präsentierten in Plakaten und Texten ihre Träume von einer friedlichen und liebevollen Welt. Danach traten 6 verschiedene Hiphop und Rapformationen auf, die vielfach erstmals öffentlich ihre kritischen Texte einem breiten Publikum präsentierten.

 

Das Openairfest am 12. Juni begann bei drückender Hitze mit der Bläsergruppe der ÖBB-Lehrlinge ‚Young’, denen ein Chor der Daniel Gran VS und Kindertänze aus dem Kosovo, aus Bosnien und Tschetschenien folgten. Völlig ungeplant trat auch eine indische (Sikh) Tanzgruppe auf. In den Begrüßungsworten von Intitiator Sepp Gruber, den ModeratorInnen Mirsada Zupani und Cagri Dogan sowie den VertreterInnen von Stadt und Land und der Kirchen wurde die Chance des gemeinsamen Lebens aller Menschen und Kulturen betont. „Es geht um das Verständnis, dass alle Menschen die gleichen Rechte und die gleiche Würde haben. Es soll erfahrbar werden, dass wir alle in einer Welt leben.“ Gruber entzündete eine Kerze im Gedenken an den Nigerianer Kelly Iyenkepolor, einem langjährigen Mitarbeiter des „Festes der Begegnung“, der bei der katastrophalen Gasexplosion in St. Pölten ums Leben gekommen war. Ebenso eine Kerze wurde entzündet für Nicols Bardi, einen jungen Nigerianer, der erst im letzten Jahr mit aktiv dabei war und mit seinen jungen Jahren an Herzversagen verstarb.

Fremdenfeindlichkeit habe vor allem zwei Ursachen, erklärte Betriebsseelsorger Gruber: die irrationale Angst vor allem Fremden und die „Angst vor Armut“. Viele Menschen wollten sich gegen eine „Invasion der Armen“ schützen, um ihren Reichtum nicht mit anderen teilen zu müssen. Dabei zitierte er den hl. Ambrosius, der schon im 5. Jh. meinte: „Die Erde ist für alle geschaffen worden ohne Unterschied. Was du den Armen gibst, ist nicht dein Gut, du gibst ihnen einen Teil von dem zurück, was ihnen gehört. Denn das Gut, das du an dich reißt, ist ein gemeinsames Gut, das allen zum Gebrauch gegeben wurde.“ Vor zwei Jahren haben die Organisatoren des Festes „Bleiberecht jetzt!“ gefordert. Seit 15 Monaten gibt es ein neues Gesetz, das jedoch „viele Schlingen und Fallen“ aufweise und so „nur wenigen hilft“, kritisierte Gruber. Es gelte daher „Druck auszuüben, dass die Gründe für einen humanitären Aufenthalt großzügiger ausgelegt werden“.

 

 Hiphoptänzer, die Trommlergruppe ‚black of white’, Gedichte aus Tschetschenien, ein Radioworkshop des Cityradios, die hervorragende ungarische Band ‚Cimbali’, die extra aus der europäischen Kulturhauptstadt Pecs angereist waren und beschwingte Balkanmusik präsentierten, setzten das Programm fort. Neben dem Kulturprogramm auf der Bühne gab es wieder zahlreiche kulinarische Stände in den Zelten des Roten Kreuzes und Informationsmöglichkeiten sowie Workshops von Südwind („Welt-Wirtschaft-Frau“), von Missio und der Caritas. Die Pfadfindergruppe Viehofen betreute hervorragend die zahlreichen Kinder bei der Hüpfburg genauso wie bei den Spielgeräten und Schminkstationen. Wolfgang Zechner konnte daneben auch mit seinem „Scheiberlfußball“ zahlreiche junge FußballerInnen begeistern, wegen der Hitze allerdings kein wirkliches Turnier durchführen.

Nach Tanzeinladen von afghanischen Flüchtlingsjugendlichen und 2 kleinen ‚herzigen’ interkulturellen Tanzpaaren brauchten der ‚Ausnahmeakkordeonist’ Otto Lechner und der marokkanische Sänger Kadero neuen Schwung in das Fest am endlich kühleren Platz. Doch leider beendete ein Orkansturm mit Wolkenbruch das Konzert des ‚Vienna Rai Orchesters’ nach 15 Minuten und das Fest musste frühzeitig beendet werden. Trotzdem war der Tag ein neuer Höhepunkt des Miteinanders der Kulturen in St. Pölten.

 

Bei der Matinee am 13. Juni zeigte das Cinema Paradiso (vor leider nur gut 20 Zusehern) den Film „Little Alien“ von Nina Kusturica über die Situation jugendlicher Flüchtlinge in Europa. „Sie sind Teenager, die allein und unter größter Gefahr aus den Krisengebieten der Welt nach Europa flüchten in der Hoffnung, hier endlich leben zu können“, so das Resumee des Filmes. Hier angekommen kämpfen sie für ein normales Leben und „gegen ein System, das von ihnen verlangt, ihre Jugend einer ungewissen Zukunft zu opfern“. Herbert Langthaler von der Asylkoordination, ein Proponent des Filmes,  DSA Wolfgang Kienecker von der Jugendwohlfahrt NÖ, Johannes Kerschbaumer von der Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge der Emmaus sowie Murat Düzel vom Integrationsservice NÖ diskutierten danach unter der Leitung von Sepp Gruber über die Probleme speziell der jugendlichen Flüchtlinge in Österreich, über umstrittene Methoden der Altersfeststellung und über unmenschliche Praktiken in der Asylpolitik in Europa im Allgemeinen. Als positive Initiativen wurde das Projekt ‚connecting people’ (Art Patenschaft für jugendliche Flüchtlinge) sowie ein Gesundheitsprojekt für Flüchtlinge in St. Pölten der Asylkkordination mit der Diakonie und Verein Wohnen vorgestellt sowie die Integrationsmaßnahmen auf Landesebene.

 

Für den Bericht Sepp Gruber (+ z.T. Pressereferat der Diözese)

 

 

Fotos:

Veranstalter mit Weltkugel

Kindertänze

Cimbaliband


 

 

www.festderbegegnung.at.tf

 

Programmablauf/Presseinformation Fest der Begegnung 11.-13. Juni 2010

 

Die Betriebsseelsorge St. Pölten organisiert seit 18 Jahren mit verschiedenen Organisationen und Initiativen * regelmäßig Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Herkunft in St. Pölten, die dem besseren Verständnis und dem Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen und Religionen dienen durch die Vorstellung von kultu­rellen Eigenheiten in Musik, Tanz, Literatur, Handwerk, Film, Kulinarik und im Gespräch und Diskussion. Es geht um das Verständnis, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben. Es soll erfahrbar werden, dass wir alle gemeinsam in einer Welt leben.

Wir wollen diesmal 3-tägig am Freitag, den 11. Juni, ab 21 h im cinema paradiso, am Samstag, 12. Juni, ab 11.45 auf dem Rathausplatz St. Pölten & am Sonntag, den 13. Juni, ab 10.30 im cinema das „Fest der Begegnung“ feiern und begehen.

Das Motto dieses Festivals ist ‚Mit – Menschen im Dialog’ und es geht speziell um die Probleme der Jugend, angefangen mit den ‚unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen’.

 

Fr., den 11. 6. ab 21 Uhr heißt esJugendliche on stage“ mit ‚Fashion & Art’ (Ausstellung, Modeschauen, Gedichten) und Hiphop und Rap im cinema paradiso. Bis 1 Uhr früh!

Auftritt von:  Chill III &DJ kwality, DJ dog-ma, Beatboxer, Real 66, Kremser Rapzirkel

Liveübertragung von Campus Radio; gefördert von Come On – Jugendvernetzung NÖ

 

Openairfest am Sa. 12. Juni ab 11.45  (bis 21 Uhr):

 

11.45 Jugendblasmusikkapelle der Eisenbahner ‚Young’

12.00 Eröffnung und Begrüßung: Bgm. Mag. Matthias Stadler, LAbg. Franz Grandl,  Religionsvertreter (Superintendent Mag. Paul Weiland, Dompfarrer, u.a.)

Gedenken für verstorbene Mitarbeiter (Nichols Bardi & Kelly Iyenkepolar)

12.40  kosovarische Kindertanzgruppe

13.00 Chor der Daniel Gran VS II

13.20 Theatergruppe von Migrantenkinder (Zorica Primorac)

13.30 bosnische Kindertanzgruppe mit Livemusik

13.50 Start des ‚Scheiberlturniers’ und Erklärung (Wolfgang Zechner)!

14.00 tschetschenische Kindertanzgruppe und Gedichte in tschet. und deutsch

14.20 kurdische Volkstanzgruppe (Mesopotamia) zum Mittanzen für Alle

14.40  Radiowerkstatt (Cityradio) + Kurzpause

14. 50 ‚black of white’ (Trommeln, Gitarre, Gesang) mit Helga & Badara Gueye

15.30 Cimbaliband aus Ungarn bis 17.00 (1,5 Stunden) –   

Ungarischer Folk, klassische Musik und Jazz begegnen Balkan- & Gypsymusik und Rock'n Roll, vereint durch Freundschaft und ein magisches ungarisches Instrument, das cimbalom, gespielt vom "Chuck Berry of cimbalon" Balazs Unger (Infos unter www.cimbaliband.hu)      

17.15: Hiphop von Daniel Fuchs

17:30 Tanz von afghanischen Jugendlichen

18.00: Soundcheck für Hauptgruppe Vienna Rai Orchester

18.30 – 20.00 (30) Uhr: Vienna Rai Orchester (mit Otto Lechner & Kadero Rai)

Der marokkanische Rai Sänger KADERO ('the voice of maghreb) spielt zusammen mit dem österr. Ausnahmeakkoreonisten Otto Lechner u.a. nordafrikanischen und österr.Musikern eine "fröhliche Mischung aus nordafrikanischen Rhythmen, österr.Klängen, französisch-arabischem Afropop sowie Groove und viel Gefühl" eine einmalige Tanzmusik im Zeitalter der Globalisierung.

 

Workshops und kulinarisches Programm am 12. Juni:

Ab 11 Uhr: Heuriger mit Traisentaler Wein und Jause

Ausstellung von Südwind NÖ/St. Pölten „Welt – Wirtschaft – Frau“

Ausstellung der Caritas Flüchtlingsberatung über Asyl u.a.

Ab 12 Uhr: Informationsstände des Frauenzentrums St. Pölten, Basisbildung NÖ, Diakonie, Betriebsseelsorge, Öneri, islamischer Kultur- und Wohltätigkeitsverein, Büchertisch Buchhandlung Böck, Missio, Caritas, Südwind; Weltladenstand

Essenstände mit Essen aus Kroatien, Türkei, Kurdistan, Indien-Pakistan, Iran, mongolisch-syrisch-irakisch-afghanisch u.a.

Getränke und Bier von Ottakringer (& Weltladen)!

Hüpfburg und Kinderbetreuung der Pfadfindergruppe Viehofen und DSG St.Pölten

Ab 13/14 Uhr: Turnier ‚kick da scheiberlkistn’ Nachhaltigkeitscup 2010 Quali St. Pölten

 

Möglichkeit: 22.15 im Cinema Paradiso: Film ‘Welcome’ (F 2009) zum letzten mal!

 

So. 13. Juni 10.30 Matinee: Little Alien (94 min, Regie: Nina Kusturica),

Eintritt: 5.-€ (mit Asylkarte nur 1.-€)
"Sie sind Teenager, die allein und unter größter Gefahr aus den Krisengebieten der Welt nach Europa flüchten in der Hoffnung, hier endlich leben zu können. Hier angekommen kämpfen sie für ein normales Leben und gegen ein System, das von ihnen verlangt, ihre Jugend einer ungewissen Zukunft zu opfern."

Mit anschliessender Diskussion über jugendliche Flüchtlinge in Österreich mit Johannes Kerschbaumer (Emmaus), Wolfgang Kienecker (Jugendwohlfahrt NÖ), Murat Düzel (Integrationsservice NÖ), Herbert Langthaler (Asylkoordination) und Sepp Gruber

 

Sonst bei allen Veranstaltungen Eintritt frei!

 

* Veranstalter sind folgende Gruppen: Betriebsseelsorge, KAB (= kath. Arbeitnehmer-bewegung), Welthaus St. Pölten, Caritas – Flüchtlingsberatung, Beratungsstelle FAIR/Volkshilfe, Diakonie, Südwind NÖ/St.Pölten, Jugendtreff Little Phönix, Jugendzentrum Steppenwolf, Rotes Kreuz, Verein Wohnen, Emmaus St. Pölten, Pakistan Press Club,

österr.-türk. Freundschaftsverein, Islamischer Kultur- und Wohltätigkeitsver­ein, Mesopotamia Kulturzentrum (Kurden), Cinema Paradiso, kosovarischer Kulturverein, afrikanischer Kulturverein, kroatisch katholische Mission, kosovarischer Kulturverrein, ADA (Alternative Solidarität), Öneri, Frauenzentrum St. Pölten, Campusradio,  u a…

Kooperation gibt es mit: Fachstelle für Integration NÖ, Integrationsbüro St. Pölten

 

Homepage: www.festderbegegnung.at.tf

 

Info bei Sepp Gruber unter 0676/826688398

 

 

 

Presseaussendung Fest der Begegnung 19. & 20. Juni 2009!

St. Pölten, am 22. Juni 2009

 

Am 19. und 20. Juni fand wieder zweitägig das multikulturelle ‚Fest der Begegnung‚ im cinema paradiso und am Rathausplatz mit viel Erfolg statt.

Den Auftakt machte der preisgekrönte Film des Austroiraners Arash Riahi „Einen Augenblick Freiheit – Leben ist mehr als nur Sein.“ am 19.6. um 17 Uhr im cinema paradiso.

Ab 19 Uhr präsentierte der gebürtige Kongolese und Mitarbeiter des AAI in Wien, Esperance-Francois Bulayumi sein Buch „Requiem für Peischo – eine Trauerarbeit der anderen Art“, in dem er die Tragik der ertrinkenden Bootsflüchtlinge aus Afrika behandelt und die Folgen für die Familien, aber auch die Ursachen dieser Misere und die völlig unzureichende Antwort Europas durch Errichten von immer neuen Sicherheitsmaßnahmen statt durch Hilfe. Anschließend stellte der Furche-Redakteur Wolfgang Machreich sein Buch „Gestrandet oder gelandet? Wie Integration gelingen kann“ vor, in dem er 12 Beispiele von Flüchtlingsschicksalen erzählt, die auch gelungen sind. So konnten in der Diskussion neben der Tragik und Brutalität der Flüchtlingssituation auch die positiven Beispiele erzählt werden.

Machreich betonte vor allem den großen Widerspruch zwischen großer Hilfsbereitschaft in Einzelfällen und der immer stärkeren öffentlich gezeigten Ausländerhetze in Österreich.

In der Podiumsdiskussion ab 20 Uhr gab es somit genug Stoff für Diskussion mit der stellvertretenden Leiterin der Abteilung für Aufenthaltsbewilligung im Innenministerium, Fr. Mag. Maria Markovics, mit der Leiterin des Integrationszentrums Wien des österr.Integrationsfonds, Fr. Natalie Failla, mit Mag. Murat Düzel vom Integrationsservice NÖ sowie mit Elisabeth Welser vom Integrationszentrum der Diakonie in St.Pölten. Der Diskussionsleiter Mag. Augustus Chukuma Ohajiriogu (Obmann des afrik. Kulturvereines St. Pölten) schaffte es, das weite Thema der Migration, Aufenthaltsfragen und Integration in einer spannenden Diskussion zu lenken. Bei der Frage des ‚humanitären Bleiberechtes’ (Neuregelung seit 1.4.) konnte die Vertreterin des BMI nicht überzeugen, dass das eine humane Regelung für Langzeitmigranten sei, denn das Gesetz ist so kompliziert, dass es ein Teilnehmer die Schilderung als ‚kafkaesk’ empfand und es auch so viele Bedingungen gibt, die kaum Jemand erfüllen kann und überdies während des Ansuchens darum keine ‚aufschiebende Wirkung’ gegeben ist, was konkret Abschiebung während der Prüfung bedeuten kann. Mag. Markovics versprach aber Unterstützung bei Härtefällen, die leider den NGO’vertretern im Saal genug bekannt sind. So werden laufend Migranten, die mit Österreicherinnen verheiratet sind und gemeinsame Kinder haben, von den Fremdenbehörden mit Strafandrohung zum Verlassen des Landes aufgefordert, um von dort um die Niederlassungsbewilligung anzusuchen, was aber keineswegs dann gesichert ist, d.h. das Recht auf Ehe- und Familienleben wird nach wie vor mit Füßen getreten (Beispiele kann ich sofort nachliefern). Im Bereich der Diskussion wurde einhellig die Verweigerung der Doppelstaatsbürgerschaft kritisiert und gefordert, dass die Staatsbürgerschaft erleichtert werden solle, damit diese zu einem Motor der Integration werden kann und nicht erst zur Krönung wie derzeit. Weiters wurde für eine Öffnung der Herzen auf beiden Seiten appelliert und zu Maßnahmen gegen Ghettobildungen und gegen Alltagsrassismus wie die Verweigerung des Eintritts für Schwarze in einer bekannten Diskothek in St. Pölten.

Im Anschluss an die Diskussion konnte dann im cinema mit den Klängen der dj’s Cay Taylan und lichtfels so richtig abgetanzt werden, was aber leider zu wenige Teilnehmer auch taten.

Das Openairfest am 20. Juni ab 12 Uhr am Rathausplatz war trotz widriger Wetterumstände gut besucht von In-und Ausländern verschiedenster Länder. Es konnte wieder zwischen gut 10 verschiedenen Essensangeboten gewählt werden, konnten Informationen gesammelt werden bei vielen NGO’s, im Dialogzelt über Islam und Christentum ausgetauscht werden sowie zu Fragen der Bildung und Frauen. Und natürlich gab es wieder Tanz- und Musikvorstellungen aus den verschiedenen Kulturen, aber auch viele gemeinsame Tänze, die sehr verbindend wirkten zwischen Menschen in österreichischen oder anderen Trachten, zwischen modernen und traditionellen Menschen, Jungen und Alten, Gläubigen und Atheisten. Einfach Mensch sein miteinander stand im Mittelpunkt!

(Aus der Presseaussendung der Kath.Press vom 20.6.):

„Gegen die "Fremdenhetze" in Teilen von Politik und Gesellschaft sprachen sich Veranstalter und Ehrengäste des "Festes der Begegnung" am 20. Juni auf dem Rathausplatz von St. Pölten aus. Der Stimmung von Slogans wie "Abendland in Christenhand" müsse entschieden entgegengearbeitet werden, betonte Sepp Gruber von der Betriebsseelsorge St. Pölten bei der Eröffnung des Festes. Die weitere Verschärfung des Fremdenrechts sei Anlass für Trauer. So sei etwa das Bleiberecht weiterhin lediglich eine "Bleibegnade". Migranten sollten von der Politik nicht nur als "Sicherheitsthema" behandelt, sondern auch als Bereicherung gesehen werden, forderte
Gruber.
"Wir dürfen nicht auf die hören, die gegen Migranten hetzen", unterstrich auch der St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler. In St. Pölten lebten "Menschen aus mehr als 100 Nationen", so Stadler, und das jährliche "Fest der Begegnung" zeige, "dass das Zusammenleben funktioniert".
Die verschiedenen Zelte und Farben auf dem Rathausplatz seien ein "Symbol für St. Pölten", erklärte Dompfarrer Norbert Burmettler: "Wir gehören alle zusammen, und wollen auch miteinander leben". Bei dem Fest seien viele Sprachen zu hören, die nicht jeder kennt, doch "die Sprache der Herzen können wir verstehen".
Die Kremser Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Inge Rinke wies in Vertretung von Landeshauptman Erwin Pröll darauf hin, dass es notwendig sei, einander kennen zu lernen, um Vielfalt zu leben: "Nur wenn die Leuten einander kennen, verstehen sie sich".
Integration sei die Basis und der Schlüssel für ein "Leben miteinander statt nebeneinander", sagte Landtagsabgeordnete Heidemaria Onodi. Dafür müssten vor allem die Gleichbehandlung, die
Kommunikation miteinander sowie die Möglichkeiten der Selbstentfaltung gefördert werden.

"Grenzen-los feiern" war das Motto des diesjährigen "Festes der Begegnung", das bereits zum 17. Mal von der Betriebsseelsorge St. Pölten gemeinsam mit Südwind NÖ, Caritas, Diakonie, Emmaus, Amnesty International und zahlreichen Migrantenvereinen veranstaltet wurde.“
Musikalische Höhepunkte waren der Auftritt der Italoband ‚All’Arrabbiata’ aus Anlaß des 25-Jahrjubiläums von Südwind NÖ und das Abschlusskonzert der  ungewöhnlichen Reaggeaband ‚Jayasri’ (Musiker aus Sri Lanka, Bangladesh, Nigeria und Österreich), die sich mehr BesucherInnen verdient hätten.

Sepp Gruber

Betriebsseelsorge + Jugendtreff Little Phönix (und Südwind NÖ, AI…)

Schneckgasse 22

3100 St. Pölten

02742/72240 & 0676/826688398

www.festderbegegnung.at.tf

 

Ansprache Fest der Begegnung 20. Juni 2009                  

 

Liebe BesucherInnen, Mitveranstalter und Ehrengäste!

 

Vor Kurzem stand im Standard ein Kommentar von Ursula Plassnik und Alexander van der Bellen, in dem sie vor der „geistigen Verzwergung der Republik“ warnten im Hinblick auf die EU-Verdrossenheit. Wörtlich schreiben sie: „Der letzte Gartenzwerg flüchtet aus Angst vor Fremdem aus dem Schrebergarten ins Haus, lässt die Jalousien herunter und verrammelt die Tür ….“ Ständige Abwehr von Neuem und Anderem, Aufheizen von Ängsten aller Art und Österreich in der Gartenhausidylle, ohnmächtig gegen den Moloch EU und gegen die Fremden… So sehen sie die politische Debatte in Österreich derzeit. Und da haben sie großteils recht.

Als ich von unserer Radtour nach Jerusalem Ende Mai nach Österreich kam, wurde groß über die Slogans der „Abendland in Christenhand“ durch die rechten Hetzer debattiert und über den Missbrauch des Kreuzes durch Strache. Gegen diesen Missbrauch des Christentums muss mit Entschiedenheit aufgetreten werden. Getrieben von dieser Hetze löst eine Debatte die andere ab über die Kriminalität der Asylwerber und den Asylmissbrauch und die Verschärfung der Schubhaftbestimmungen und Beschleunigung der Abschiebung auch ohne gerichtliche Verurteilung durch die Innenministerin, leider großteils unterstützt von beiden Regierungsparteien. Die Asylwerber und Migranten werden nur mehr als Sicherheitsrisiko diskutiert und nicht mehr als Menschen, die Hilfe suchen bei uns und eine Bereicherung für unserer Gesellschaft sein können. Und das so groß diskutierte Bleiberecht, das mit 1. April in Kraft getreten ist, verdient diesen Namen nicht, man könnte höchstens von einer ‚Bleibegnade’ reden, abhängig von der Gnade der Polizei und der Innenministerin. Die Berater in den Hilfsorganisation wissen noch keine Fälle, die positive beschieden wurden, oft werden sogar die Anträge von den zuständigen Beamten nicht angenommen, obwohl die Betroffenen das Recht dazu hätten. Ich schäme mich für diese zunehmende Verhärtung der öffentlichen Meinung in Österreich, getrieben von den rechten Parteien und einigen Medien. Wenn ein afrikanischer Asylwerber selbstverständlich ehrlich Geld, das er gefunden hat, zurückgibt, ist das für Medien sensationell, denn „ehrliche Haut“ passt doch nicht zu „dunkler Farbe“, suggeriert eine Schlagzeile in den Bezirksblättern. Dieser latente Rassismus zeigt sich auch das generelle Eintrittsverbot für Schwarze in einer Diskothek im Süden der Stadt, wie gestern in der Diskussion im cinema paradiso bestätigt wurde. Und Niemand von den Verantwortlichen unternimmt etwas dagegen.

Es gibt aber auch positive Zeichen wie das gestrige ‚Lichtermeer’ in Wien und anderen Städten – initiiert von zwei Studentinnen -, die sich gegen diesen primitiven Rassismus und Fremdendiskriminierung wehren. Und ich möchte sie auch aufrufen, aktiv gegen diese wieder gewachsene Ausländerfeindlichkeit aufzutreten mit Worten und Taten.

Diese Liebe und Akzeptanz der Fremden wird auch in allen Religionen gepredigt und wie ich es bei unserer Radtour persönlich erlebt habe, in islamischen Ländern sogar weit mehr gelebt als bei uns im angeblich ‚christlichen’ Europa. Daher möchte ich auch wieder die Bibel zitieren, die für das ‚christliche Abendland’ die Grundlage sein sollte: „Wenn bei dir ein Fremder lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ (Lev 19,33f)

So möchte ich uns allen jetzt nur noch wünschen, dass diese ‚Fest der Begegnung’ wirklich eine Möglichkeit zum Kennenlernen wird und zum Abbau von Vorurteilen und zum Dialog miteinander im Reden, Tanzen, Essen und Feiern.

Sepp Gruber

 

 

 

Programm des Festes der Begegnung St. Pölten 6./7. Juni 2008

 

Thema: Grenzen- los feiern!

 

Im heurigen Jahr wollen wir erstmals 2-tägig am Freitag, den 6. Juni im cinema paradiso ab 19 Uhr und am Samstag, 7. Juni 2007 auf dem Rathausplatz - Nord St. Pölten ab 12 Uhr das „Fest der Begegnung“ feiern.

 

Fr. 6. 6.ca. 18.30 Uhr im cinema paradiso:

 

·         Buchpräsentation „Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa mit Mary Kreutzer und Joana Adesuwa Reiterer (Verein Exit) mit Kurzfilm und Interviews mit Betroffenen;

·         anschließend Diskussion mit VertreterInnen von MigrantInnenberatungsstellen über die Situation von mehrfach ausgebeuteten Migrantinnen in Österreich  

·         21 Uhr „Eine mystische, musikalische Reise durch Asien, Afrika, Europa, Carribic…“ mit ‚Jayasri’ , einer 6-köpfigen Band aus Musikern von Sri Lanka, Bangladesh, Nigeria und Österreich, die die Leute zum Mittanzen und -fühlen für Toleranz, Friede und Zusammengehörigkeit aller Menschen führen will.

FOTO der Band!

 

Sa. 7. 6. von 12 – 22 Uhr am Rathausplatz-Nord – Open Air:

 

* 12 Uhr: Begrüßung durch Veranstalter, Bürgermeister Mag. Stadler, Landeshauptmann Dr. Pröll (angef.), Diözesanbischof, u.a. Religionsvertreter und Prominenz auf der Bühne vor der Franziskanerkirche

* ab 12.30: multikulturelles Musik- Tanz- und kulinarisches Programm aus aller Welt – auch zum Mittanzen (Reigentänze): Trommlergruppe des afrikanischen Kulturvereines, Kindertanzgruppe des kosovarischen Kulturvereines, Musik-und Tanzgruppe des kurdischen Kulturvereines ‚Amara-Mesopotamia’, bosnisch -kroatisches Kindertheater, türkische, palästiniensische, österreichische (u. ev. tschetschenische und ungarische) Folkloregruppen, Chor des BORG St. Pölten (?), gemeinsame Reigentänze mit Silvia Wesely, Hip-hopgruppe (2gether), provokantes Einmanntheater ‚Dreck’ (?), palästinensische Tanz- und Musikgruppe, Badara oder Samba-Attac (?)

 

* Daneben gibt es zahlreiche Informationsstände und Workshops zum Thema Migration, Asylproblematik, Integration und Entwicklungspolitik in Österreich der verschiedenen Beratungsstellen und Volksgruppen in 4 Zelten

* Ebenso gibt es wieder ein Kinderprogramm, u. a. einen Fußballworkshop von Südwind NÖ sowie ein Jugendprogramm durch das Jugendzentrum Steppenwolf; Hüpfburg u. a.

* in den Zelten wird auch wieder vielfältiges internationales Essen (aus Afghanistan, Iran, Palästina, Tschetschenien, Sri Lanka, Afrika, Türkei, Bosnien etc.) angeboten.

 

* Musikalischer Höhepunkt des Festes ist der Auftritt der schon legendären‚Wiener Tschuschenkapelle’ ab 18.30 mit der Möglichkeit zum gemeinsamen Tanzen und Begegnen.

 

·         Um 16 Uhr läuft im cinema paradiso noch der Film: „Kurz davor ist es passiert“ (von Anja Salomonowitz zur Zwangsprostituition)

 

 

 

Ziel dieses 16. Festes der Begegnung soll wieder das Kennenlernen von Menschen durch Vorstellen unterschiedlichster kultu­reller Eigenheiten in Musik, Tanz, Literatur, Handwerk, Film und im Kulinarischen sein. Zugleich sollen auch die Anliegen der MigrantInnen in eine breitere Öffentlichkeit getragen werden. Es geht um Verständnis, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben. Es soll erfahrbar werden, dass wir alle gemeinsam in einer Welt leben.

Ein weiteres Ziel ist der Abbau von Vorurteilen zwischen Menschen verschiedener Herkunft und der Abbau von Rassismen; zumindest jedoch eine Auseinandersetzung mit diesen Vorurteilen. Es soll auch der interkulturelle Dialog im Bereich Schule, Arbeit und Wohnen angeregt und gestärkt werden, auch außerhalb des Festivals.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des EU-Jahres des interkulturellen Dialoges 2008 statt.

 

 

Veranstalter sind folgende Gruppen: Betriebsseelsorge, KAB (= kath. Arbeitnehmerbewegung), Welthaus St. Pölten, Caritas – Flüchtlingsberatung, Beratungsstelle FAIR/Volkshilfe, Diakonie -INTO, Südwind NÖ, Emmausgemeinschaft, AI-Gruppe 79, Austro-Asi­atisches Forum, österr -türk. Freundschaftsverein, Jugendtreff Little Phönix, Jugendzentrum Steppenwolf, Rotes Kreuz, Verein Wohnen, Islamischer Kultur- und Wohltätigkeitsver­ein, alevitischer Kulturverein, Kulturzentrum Amara- Mesopotamia, Cinema Paradiso, kosovarischer  Kulturverein, afrikanischer Kulturverein, kroatische katholische Mission, u a.

 

Die Koordination liegt bei Mag. Josef Gruber, Betriebsseelsorge, 0676/826688398

www.festderbegegnung.at.tf; E-mail: bszgruber@gmx.at

 

Die "Feste der Begegnung" in St. Pölten stehen schon in einer 14-jährigen Tradition verschiedener multikultureller Feste, die auf verschiedene Weise immer das Ziel verfolgten, Menschen verschiedener Herkunft, Kultur, Sprache, politischer Anschauung und Religion zusammenzubringen, gegenseitiges Kennenlernen ihrer Kultur zu ermöglichen und so zu einem größeren gegenseitigen Verständnis beizutragen. Mit Musik, Folklore, Essen, Sport, Spiel und Diskussionen hat eine Gruppe von Organisationen und Einzelpersonen seit 1992 – meist unter der Koordination der Betriebsseelsorge (zweimal unter der der Caritas und einmal gemeinsam mit dem alevitischen Kulturverein) – solche Feste der Begegnung/Kulturen in St. Pölten organisiert; daneben gab es auch viele andere interkulturelle Kontakte wie Diskussionsveranstaltungen, interreligiöse Begegnungen, Deutschkurse und viel soziale Unterstützung von bedürftigen AsylwerberInnen und anderen MigrantInnen von Seiten der Betriebsseelsorge und der Partnerorganisationen wie Amnesty International u. a.

Wie kam es zu der Idee?

Sepp Gruber kam 1990 nach St. Pölten, um die Betriebsseelsorge in der Umgebung von St. Pölten neu aufzubauen, nachdem sie seit 1976 geruht hatte. 1990/91 arbeitete er zunächst ein halbes Jahr als Hilfsarbeiter in der Maschinenfabrik VOITH, um Kontakte mit der Arbeitswelt zu knüpfen, dabei entstanden auch die ersten Kontakte mit türkischen und jugoslawischen Gastarbeitern in und außerhalb der Firma.

Im Rahmen des sog. 'Projektes Boot' von 1. bis 3. Mai 1992 am Rathausplatz, das der Südwind NÖ-West zusammen mit der KAJ, AI-Gruppe 79 und der Betriebsseelsorge organisiert hatte und das auf mehrere soziale Probleme aufmerksam machen wollte: das weltweite Elend durch unser ungerechtes Wirtschaftssystem (weshalb wir Slumhütten aufbauten), die Obdachlosigkeit auch im reichen Europa und die wachsende AusländerInnenfeindlichkeit in Österreich (Stichwort FPÖ-Volksbegehren 'Österreich zuerst') sowie die schlechte Behandlung der AsylwerberInnen, meldeten sich Eco und Kazim, zwei junge türkischstämmige Männer, deren Väter zu den ersten Gastarbeitern in der Fa. Glanzstoff in St. Pölten zählten, und äußerten ihren Wunsch nach vermehrten Kontakten mit aufgeschlossenen ÖsterreicherInnen und nach gemeinsamen Veranstaltungen. So organisierte der 'österreichisch-türkische Freundschaftsverein', in dem beide aktiv waren, gemeinsam mit der KAJ, Südwind, AI und der Betriebsseelsorge das erste 'Multikultifest' im Pfarrgarten in Viehofen im Sommer 1992. Beim Fest 1993 kamen auch der alevitische Freundschaftsverein, Hr. Akhter Baig und die Caritas Flüchtlingshilfe u. a. dazu und es gab schon ein organisiertes Musikprogramm, einen Infobus 'Miteinander leben' aus Wien und ein Zelt der Sahauris aus Wien. 1995 änderten wir den Namen von 'Multikultifest' auf 'Fest der Begegnung', da wir so nicht nur Leute aus der Alternativszene anzusprechen hofften. Dieses Fest war auch das letzte Fest im Pfarrgarten von Viehofen, der sich als zu wetterabhängig herausstellte. 1996 fand das erste 'Fest der Begegnung' im Lilienhof in Stattersdorf statt, wo wir den alten Stadel benutzen konnten und auch Möglichkeiten zum Fußballspielen und für Kinderprogramm vorfanden und Möglichkeit zur Ausstellung für ausländische KünstlerInnen, als Mitveranstalter war die Evangelische Jugend und das KBW Wagram dazugekommen und erstmals erhielten wir eine Unterstützung durch die Österr. Gesellschaft für politische Bildung. 1997 fand das Fest einmalig im Bildungshaus St. Hippolyt statt unter der Koordination der Caritas - Flüchtlingsberatung und sprach auch stärker ein kirchliches Publikum an sowie Schulklassen aus der ganzen Diözese, da im Rahmen des Festes die Prämierung eines Zeichenwettbewerbes für Kinder durch die Caritas stattfand. Ein Manko war, dass die MigrantInnengruppen keine kulinarischen Köstlichkeiten anbieten konnten und das Fest auch sonst viel stärker programmorientiert war als sonst. 1998 wagten wir die Kooperation mit einem Fußballverein und organisierten auf dem Sportplatz in Stattersdorf ein multikulturelles Fußballturnier kombiniert mit dem Fest der Begegnung mit Musik, Tanz und Essen. Leider kam es beim Tournier zu einigen Streitigkeit zwischen einzelnen Gruppen, weshalb der Idee und der Verständigung nicht nur ein guter Dienst geschah. Allerdings hatten wir auch das erste Mal finanzielle Unterstützung der Kulturverwaltung der Landeshauptstadt sowie durch einige Firmen, weshalb wir uns ein aufwändigeres Konzertprogramm leisten konnten. 1999 kehrten wir daher wieder in den Lilienhof zurück. Außerdem gelang es uns, auch beim 'Höfefest' im September in der Innenstadt mit einem 'Eine-Welt-Hof' mit Beteiligung der St. Pöltner MigrantInnengruppen vertreten zu sein. Im Jahr 2000 verzichteten wir zugunsten des großen multikulturellen Jugendfestivals 'Friends 2000' im Kulturhaus Wagram auf ein eigenes Fest und beteiligten uns dort in der Durchführung des Festes mit einer hochkarätigen Podiumsdiskussion zur Flüchtlingsproblematik sowie mit türkischer und brasilianischen Musikgruppen und kulinarischen Ständen. Im Frühjahr 2001 fand unter der Federführung der Caritas und auch der zusätzlichen Beteiligung vom 'Weg der Hoffnung' und Forum XXIII das 'Fest der Begegnung' im Kolpinghaus St. Pölten mit Vortrag und Diskussion sowie zahlreichen Kultur- und Tanzbeiträgen statt. Allerdings ergab sich das Problem, dass alles in einem Saal stattfinden musste, Information und Begegnung bei den Ständen etc. Erstmals gab es auch eine taiwanesische Gruppe und indische Tänzer.

2002 kehrten wir noch einmal in den Lilienhof zurück und konnten den neuen Saal und den Stadel benutzen, was sich als sehr gute Kombination herausstellte; nach einer Podiumsdiskussion zum Thema Integration auch erstmals mit einem Vertreter der islamischen Gemeinschaften gab es Kulinarisches sowie Musik, Folklore und Tanz im Freien.

Im Jahr 2003 war das bisher größte und aufwändigste 'Fest der Begegnung' im alevitischen Kulturzentrum in Ratzersdorf unter der gemeinsamen Koordination der Betriebsseelsorge und des alevitischen Kulturvereines, was sich nicht als ideal herausstellte. Musikalisch gab es ein Riesenprogramm von einer Saxophongruppe, afrikanischen Trommlern, südamerikanischer Musik, türkisch-orientalischer und als Höhepunkt der 'Tschuschenkapelle', dazu noch Folkloregruppen und viele internationale Essensstände. Trotz der gut 500 BesucherInnen kamen sich die Leute zeitweise in der Riesenhalle etwas verloren vor. Daher wagten wir uns 2004 wieder in die Mitte der Stadt auf den Rathausplatz (wie zu Beginn 1992), allerdings ohne großer Bühne und Technik am Platz, was der Qualität etwas schadete, trotzdem gab es eine Fülle an Folklore- und Tanzgruppen sowie kulinarische Stände; allerdings wurden die meisten BesucherInnen frühzeitig durch ein Gewitter vertrieben. Die Fortsetzung im cinema paradiso mit einer Diskussion und der Präsentation eines eigens produzierten DVD-Filmes zu '40 Jahre Gastarbeiter in St. Pölten' fand dann großen Anklang, der Film anschließend leider weniger, dafür umso mehr wieder das abschließende Konzert mit Halil Gürsu & Vienna Orient Project. Als Mitveranstalter waren erstmals die GastarbeiterInnenseelsorge, das Rote Kreuz und als Kooperationspartner das cinema paradiso sowie die FH für Medientechnik vertreten.

Durch das gute öffentliche Echo unseres Festes am Rathausplatz waren wir angespornt, diese Linie fortzusetzen und auch 2005 und 2006 wieder am Rathausplatz und im cinema paradiso zu feiern, allerdings mit besserer Tontechnik und einer überdachten Bühne und professionellerer Vorbereitung, was auch gelang. Nach 14/15 Jahren hat sich das 'Fest der Begegnung' in der Stadt St. Pölten etabliert als Begegnungs-möglichkeit von Menschen verschiedenster Herkunft, Kultur und Religion in dieser Stadt, was sich auch am großen Andrang an politischer Prominenz und der Medien dieses Jahr zeigte.

 

Sepp Gruber

 

 40 Jahre Gastarbeiter in St. Pölten (eigentlich schon 42)

Artikel von M.Wieninger dazu:

 

 

 

Der erste Gastarbeiter St. Pöltens


Was er sich mit 73, nach einem arbeitsreichen und nicht immer leichten Leben noch wünsche, frage ich Kamer Arslan. Gesundheit natürlich, antwortet der schwer Zuckerkranke, vor allem aber ein beheizbares Badezimmer. Dann könne er es sich im Winter ersparen, mehrmals wöchentlich die Arbeiter-Duschen des nahen Glanzstoff-Werkes zu frequentieren, wozu er als ehemaliger, langjähriger Mitarbeiter dieser Chemie-Fabrik noch immer das Recht habe. Wenn er jetzt auf einen Schlag um vierzig Jahre jünger wäre und noch einmal vor der Alternative stünde, als Gastarbeiter nach Österreich zu kommen, frage ich weiter, wie würde er sich entscheiden. Die Antwort kommt ohne zu zögern: Ja. Er würde wieder ja sagen.

Kamer Arslan wurde 1933 als Kleinbauernsohn in einem Bergdorf nahe der Stadt Tunceli in einer anatolischen Kurdenprovinz geboren. 1938 werden alle Bewohner des Kurdendorfs an das Schwarze Meer zwangsumgesiedelt. Beim Abtransport der Dorfbevölkerung wird Arslans Großvater erschossen. Erst 1947 darf die Familie wieder in ihre angestammte Heimat zurück. In der Folge heiratet Kamer Arslan ein Mädchen aus dem nächsten Dorf. Sie bekommen vier Kinder. Als die Landwirtschaft auf den steilen und kargen Böden seine junge Familie nicht mehr ernähren kann, wandert er wie so viele anatolische Kurden mit den Seinen nach Istanbul ab. Dort findet er zunächst nur Beschäftigung als Träger. Schließlich wird er als Hilfskraft bei einer großen Werbeagentur eingestellt. Seine Kinder gehen in türkische Schulen und verlernen ihre kurdische Muttersprache völlig. Um für den Lebensunterhalt seiner Familie mehr zu verdienen, bewirbt er sich beim Istanbuler Arbeitsamt um Gastarbeit in Deutschland. Bei den strengen Gesundheitschecks wird ein kleiner Schatten in seiner Lunge entdeckt, die Deutschen nehmen ihn nicht. Daraufhin macht man ihm am Arbeitsamt ein Angebot für Gastarbeit in Österreich, dort würde er 500 türkische Lira mehr als in der Werbeagentur verdienen. Er weiß über Österreich genau so wenig wie über Deutschland, er sagt ja. Am 26. Mai 1966 ist Kamer Arslan mit drei türkischen Kollegen am St. Pöltner Hauptbahnhof angekommen. Die Gruppe wird vom Dolmetscher und vom Personalchef des Glanzstoff-Werkes, wo bereits rund 90 türkische Gastarbeiter malochen und weitere ausländische Arbeitskräfte dringend gebraucht werden, in Empfang genommen und zu ihrer Wohnbaracke auf dem Firmengelände gebracht. Das Zimmerchen für die vier Neuankömmlinge ist eher dürftig: vier Betten, ein Tisch, ein Fenster. Eine Gemeinschaftsküche für dutzende Arbeiter. Dafür werden die Holzbaracken mit Fernwärme geheizt.

Die Glanzstoff ist eine alte St. Pöltner Chemiefabrik. Seit 1906 wurden dort Kunstfasern erzeugt und zu Kunstseide für Textilien, eben zum Glanzstoff, später auch zu Reifencord verarbeitet. Bei der Produktion entstanden große Mengen an Schwefelwasserstoff und Schwefelkohlenstoff, die beim damaligen Stand der Technik und Umweltgesetzgebung natürlich völlig ungefiltert aus den Produktionshallen nach außen drangen und weiten Teilen des Stadtgebietes einen allgegenwärtigen Gestank nach faulen Eiern bescherten. Erst 1955 war der Betrieb aus der sowjetischen Usia-Verwaltung entlassen worden. Sowohl unter den Sowjets als auch zuvor in der NS-Zeit war in die Fabrik kaum etwas investiert worden. Unter solchen Bedingungen war die lokale Arbeiterschaft spätestens Mitte der Sechziger Jahre praktisch nicht mehr dazu zu bewegen, die schwere und wohl auch gesundheitsschädliche Arbeit in diesem Chemiebetrieb anzunehmen.

An seinem ersten Tag in St. Pölten spaziert Kamer Arslan in der Stadt herum. Er kommt bis zum Hammerpark südlich der Innenstadt. Der Park mit seinen alten, hohen Bäumen und der guten Luft gefällt ihm. Am nächsten Tag ist es mit der guten Luft vorbei, er fängt in der Glanzstoff an und beginnt seine erste Sechs-Stunden-Schicht im so genannten Spinnsaal. Zur Entgiftung bekommen alle Produktionsarbeiter pro Schicht einen halben Liter Milch auf Firmenkosten zu trinken. Die Vierer-Schichten zu je sechs Stunden bringen es mit sich, dass es praktisch keinen freien Tag gibt. Deutsch lernt Kamer Arslan nämlich in der Fabrik, im Spinnsaal. Die Firmenleitung weiß, was sie an den türkischen und kurdischen Arbeitern hat und erlaubt zum Beispiel das Gebet während der Arbeit. Zudem richtet sie in der so genannten Präsidentenvilla am Betriebsareal schon bald einen islamischen Gebetsraum ein, den Kamer Arslan aber als Alevit nicht nützt. Seinen Glauben kann er die nächsten Jahre mehr oder weniger nur dadurch praktizieren, dass er keinen Alkohol trinkt und auch Wurstsemmeln meidet, da darin Schweinefleisch enthalten sein könnte. Schon bald wird Wiener Schnitzel seine österreichische Leibspeise, auch deshalb, weil es in der klassischen Machart nur aus Kalbfleisch, Mehl, Semmelbrösel und Ei besteht.

Trotzdem verliert die Glanzstoff immer wieder türkische Mitarbeiter. Manche kehren aus Heimweh und aus Sehnsucht nach ihren Familien an den Bosporus zurück, viele wandern weiter nach Deutschland oder in die Schweiz. Daher gehen die Anwerbebemühungen in Istanbul und in Anatolien weiter. Der Glanzstoff-Personalchef und der Betriebsarzt reisen sogar in das kurdische Tunceli, um geeignete Gastarbeiter auszuwählen. Kamer Arslans Bergdorf in der Nähe dieser Stadt leert sich. Heute ist es völlig verlassen, und überdies militärisches Sperrgebiet. 1969 errichtet die Glanzstoff vier zusätzliche, gemauerte Baracken in unmittelbarer Nähe des Firmengeländes. In diesem Jahr kommen Frau Arslan und die Kinder für drei Monate zu Besuch nach St. Pölten. Die Kinder tragen die türkische Nationaltracht und sind dieses folkloristischen Exotismus wegen geradezu eine Attraktion für die Hiesigen. „Als richtige Türken“ werden die vier kleinen Kurden ausgiebig fotografiert und bei Spaziergängen immer wieder von Einheimischen auf ein Getränk oder eine Nascherei in Wohnungen und Häuser eingeladen.

Um dem Barackendasein zu entkommen und vor allem um seine Familie dauerhaft nach Österreich holen zu können, versucht Kamer Arslan eine Wohnung zu bekommen. Erst 1973 gelingt es ihm, ein möbliertes Zimmer in der Klostergasse zu mieten, aber auch diese Bleibe ist zu klein für eine mehrköpfige Familie. 1975 erleidet Kamer Arslan einen fürchterlichen Arbeitsunfall. Nach Schichtende will er noch das so genannte Schergatter reinigen. Zu diesem Zwecke wird ein Knopf, der die Geschwindigkeit der Maschine regelt, mit Klebeband niedergedrückt, wodurch das Gatter sehr langsam läuft und man die Reinigungsarbeit wagen kann. Zu Arslans Pech geht das Klebeband irgendwie auf, die Maschine läuft plötzlich rasend schnell und er wird mit seinem rechten Arm, mit seinem Rücken und dem halben Kopf in die Anlage gezogen. Er ist allein in der Halle und wird zu seinem Glück schnell ohnmächtig durch die Verbrennungen, durch die Schmerzen. Er erwacht erst wieder im Krankenhaus, wo er ein halbes Jahr bleiben und 25 Operationen, die meisten davon Hauttransplantationen, über sich ergehen lassen muss. Nach seiner Entlassung aus dem Spital bekommt er in der Glanzstoff Frauenarbeit, man nimmt einige Jahre lang Rücksicht auf seine geminderte körperliche Leistungsfähigkeit. Als er jedoch das 58. Lebensjahr erreicht hat, wird er in die Arbeitslosigkeit geschickt. Als er mit 60 pensioniert wird, kann er sich die 60-Quadratmeter-Firmenwohnung nicht mehr leisten und muss in eine kleine Wohnung ohne Zentralheizung umziehen.

Ich sitze im Wohnzimmer des Ehepaares Arzun und Kamer Arslan. An der Wand hängen gerahmte Fotos der Eltern und Großeltern des Ehepaares und der zwei längst nicht mehr existierenden Dörfer in den Bergen Anatoliens, aus denen Kamer und Arzun stammen. Auf den Berggipfeln, an deren steilen Flanken die Dörfer wie Schwalbennester kleben, ist Schnee zu erkennen. Im Fernsehen läuft der türkische Fernsehsender „Star“, auf dem Couchtischchen liegt die aktuelle Ausgabe der „Hürriyet“. Aber Kamer Arslan war seit 1997 nicht mehr in der Türkei.

Wie er zu dem Wort „Gastarbeiter“ stehe, frage ich Kamer Arslan.

„Gastarbeiter ist nicht schlimm“, meint Kamer Arslan leise, „Die ersten Gastarbeiter sind 1964 in Wien mit einer Musikkapelle und mit Blumen begrüßt worden. Das hat mir jedenfalls mein Bruder erzählt, der damals dabei war. Heute lebt er in Deutschland. Mir ist ein solcher Empfang nicht passiert. Aber ich fühle mich hier in meiner Heimat. Meine Pension ist 750 Euro, mit der Familienausgleichszulage 1.000 Euro. Mit diesem Geld könnte ich in der Türkei nicht überleben, weil dort alleine die Behandlung meiner Zuckerkrankheit und des Bluthochdruckes meiner Frau mehr kosten würde. Österreich ist zum Glück ein sozialer Staat.“

Kamer Arslan, denke ich, ist einer der ältesten Gastarbeiter St. Pöltens, vielleicht der älteste, der noch hier ist, seit 1966 lebt er in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Aus einem Gastarbeiter ist längst ein Österreicher geworden. Er hat weite Teile von Oberösterreich bereist, kennt sich in Wien ganz gut aus, auch in Salzburg und Graz. Trotzdem fühlt er sich in seinem Grätzel rund um die Glanzstoff-Fabrik, die heute europäischer Marktführer bei Reifencord ist und längst gute Filteranlagen hat, am wohlsten.

„Jeden Morgen gehe ich zu Fuß ins Café „Fröstl“ und frühstücke dort. Einen Käse-Kornspitz und einen Kaffee. Seit 1966 gehe ich hier spazieren. Mir ist nie etwas passiert.“

 

Bildtexte (Fotos von Josef Vorlaufer):

 Ehepaar Kamer und Arzun Arslan in ihrem Wohnzimmer.

 Kamer Arslan vor der Glanzstoff-Fabrik.

 

1992, also vor 14 Jahren kampierten hier in provisorischen Slumhütten vielleicht 20- 30 Menschen aus der entwicklungspolitischen Organisation Südwind, von der Amnesty Gruppe St. Pölten, der kath. ArbeiterInnenjugend und der Betriebsseelsorge drei Tage lang auf dieser Seite des Rathausplatzes, um auf das Elend in vielen Teilen der Welt sowie die Obdachlosigkeit auch in reichen Ländern aufmerksam zu machen. Wir luden damals auch eine Gruppe von chilenischen Flüchtlingen aus Wien hierher ein, um mit ihnen zu feiern und multikulturellen Flair auf diesen Platz zu bringen. Gegen Ende der Veranstaltung, die von den Passanten mit Kopfschütteln und auch Ablehnung bedacht wurde (immerhin war damals der Rathausplatz noch voll Autos, die wir behinderten), meldeten sich einige türkische junge Männer, die meinten, dass es ihnen und ihren Familien ähnlich gehe wie vielen Flüchtlingen in der Welt. Sie lebten damals in desolaten kleinen Firmenwohnungen der Glanzstoff und konnten keine Kontakte zu Eingesessenen finden, da sie von diesen abgelehnt wurden. Wir trafen uns darauf immer wieder bei den Treffen der KAJ in der Betriebsseelsorge und planten das 1. Multikultifest mit Grillerei und Kebab und selbst gemachter Musik am Lagerfeuer im Pfarrgarten in Viehofen im Juni 1992. Eine Idee war geboren, die sich langsam aber stetig vergrößerte und verbreitete. Die folgenden Feste nannten sich bald ‚Feste der Begegnung’ und fanden in Viehofen, im Lilienhof, im Hippolythaus, Stattersdorf, im neuen alevitischen Zentrum in Ratzersdorf und seit 3 Jahren wieder hier am Rathausplatz statt, in der Mitte der Stadt, um auch ein breiteres Publikum zu erreichen, was auch gelang.

Das damals Fremde ist mir inzwischen sehr vertraut geworden, ist mir nicht mehr fremd, ist für mich schon irgendwie Heimat. Mir sind rassistische Parolen und Ablehnung der Zuwanderer, wie sie in Flugblättern einer Partei und mancher Medien verbreitet wird, viel fremder als die sog. ‚Fremden’. Für mich sind viele Fremde zu meinen ‚Nächsten’ geworden und umgekehrt.

Ich möchte jetzt nur noch kurz auf das kürzlich gefeierte christliche Pfingstfest kommen. Viele ÖsterreicherInnen wissen ja scheinbar – wie Interviews in Ö 3 vor kurzem zeigten (viele meinten, da feiern wir Auferstehung Jesu oder was Ähnliches)

Zu

. Pfingsten feiern die ChristInnen ein Ereignis, das vor fast 2000 Jahren in Jerusalem geschah. Die entmutigten und verzweifelte Schar der Jesusanhänger hatte sich nach der Ermordung (Kreuzigung) Jesu und seiner Auferstehung eingeschlossen, weil sie sich fürchteten und um zu beten für neuen Mut, neue Perspektiven in ihrem Leben und um den heiligen Geist. Und ganz plötzlich kam ein Brausen und ein Sturm vom Himmel und Zungen wie von Feuer, wie die Bibel schreibt und der Geist Gottes erfasste sie und sie, die einfachen Fischer, Handwerker und Außenseiter der Gesellschaft bekamen neuen Mut, sie gingen auf die Straßen hinaus und begannen in fremden Sprachen zu reden und Gott zu preisen, wie es heißt. Und ganz interessant ist die nächste Passage: Die Leute gerieten in Staunen und sagten: „Die Leute, die da reden, sind doch alles Galiläer (aus der Provinz im Norden Jerusalems). Wie kommt es, dass sie Jeder in seiner Muttersprache hören kann, die Menschen aus Persien, Mesopotamien, aus Ägypten und sogar aus Rom. Also es war weniger ein Sprachenwunder, dass die Apostel plötzlich so polyglott waren, es war vielmehr ein Wunder des Verstehens. Ein Wunder, dass Jede und Jeder sie in seiner Muttersprache, in der Sprache des Herzens verstehen konnte – durch den Geist Gottes. Diesen Geist des gegenseitigen Verstehens zwischen Menschen verschiedener Herkunft wünsche ich euch und Ihnen heute beim gemeinsamen Feiern, Trinken, Essen, Singen, Tanzen und Diskutieren nach dem Motto: „Beim Feiern kemman d’Leut zaum", wie wir im Dialekt sagen.

Liebe FreundInnen und BesucherInnen aus aller Welt und allen Nationen!

 

 

 

Fest der Begegnung Samstag, 10. Juni 2006 -Ansprache

 

Bericht vom 16. Juni 2007, ab 12 Uhr Rathausplatz St. Pölten & cinema paradiso

 

Das 15. Fest der Begegnung war ein voller Erfolg. Schönes Wetter - gute Stimmung - jede Menge BesucherInnen - ein Höhepunkt der Integrationsarbeit!

 
 

 

Fest der Begegnung in St. Pölten -Eröffnung 

 

 

Seit 15 Jahren lädt die Betriebspastoral sowie weitere Vereine und Organisationen zu einem Fest der Begegnung auf den Rathausplatz. Menschen verschiedener Herkunft, Hautfarbe und Nationen gestalten mit Musik, Tanz und kulinarischen Spezialitäten diesen Nachmittag.

Unter den Anwesenden auch Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, Vizebürgermeisterin Susanne Kysela, Dompfarrer Norbert Burmettler, die evangelische Pfarrerin Baukje Leitner, der Präsident der Kath. Aktion Roman Fröhlich sowie Gemeinderätin Ulrike Nesslinger, Stadtrat Mag. Johann Rankl und Gemeinderat Walter Aigner.

Anstoß zu diesem multikulturellen Fest in St. Pölten gab einst eine Gruppe Kurden, die sich damals in St. Pölten wie in einem Ghetto fühlte, erinnert Initiator Mag. Sepp Gruber von der Betriebsseelsorge. Seit dieser Zeit wird jährlich ein Fest gestaltet, die zahlreichen Kulturen und Völker, die in der Stadt leben, einander näher zu bringen. Gruber erinnerte dabei an eine alte biblische Forderung, nicht nur den Nächsten, sondern auch den Fremden zu lieben und ihn in die Gemeinschaft mit aufzunehmen. Diese Forderung sollte „in Österreich, in Europa und überall auf der Welt gelten“, betonte er.

Es gebe leider auch Gesetze, so Gruber, „die jeglicher Logik widersprechen“. So hätte ein Ausländer in Österreich, der seit fünf Jahren einer geregelten Arbeit nachgehe, kein Recht auf einen dauernden Aufenthalt. Es komme auch vor, so Gruber, dass Flüchtlingsfamilien mit Kindern erst nach fünf bis acht Jahren plötzlich einen Ausweisungsbescheid erhalten, obwohl ihre Kinder nie ein anderes Land kennen gelernt haben.

Dompfarrer Norbert Burmettler zeigte sich erfreut über das bunte Bild von Nationen, Kulturen und Gruppen am Rathausplatz. Diese Begegnung sei ein wunderbares Ereignis für Menschen, sich kennen zu lernen. „Das ist ein Weg zwischen ich und du und ein Baustein des Lebens“, unterstrich er.
Auch die evangelische Pfarrerin Baukje Leitner erklärte, dass die Begegnung von Völkern, Kulturen und Religionen das Leben „reich und lebenswert“ mache. Dieses Fest soll eine Brücke zwischen den Menschen sein“, betonte sie.

 
Kontakt: presse.stpoelten@kirche.at

Fest der Begegnung Samstag, 16. Juni 2007 -Ansprache von Sepp Gruber

 

Liebe FreundInnen und BesucherInnen aus aller Welt und allen Nationen!

Vor 15 Jahren, Anfang Mai 1992, kampierten hier am Rathausplatz in provisorischen Slumhütten vielleicht 20- 30 Menschen aus der entwicklungspolitischen Organisation Südwind, von der Amnesty Gruppe St. Pölten, der kath. ArbeiterInnenjugend und der Betriebsseelsorge drei Tage lang auf dieser Seite des Rathausplatzes, um auf das Elend in vielen Teilen der Welt, die Obdachlosigkeit auch in der reichen Welt und das Schicksal der Flüchtlinge hinzuweisen. Dabei meldeten sich einige junge Burschen türkischer Herkunft bei uns und erzählten, wie isoliert sie hinter der Bahn – in der Herzogenburgerstrasse lebten und es nicht schafften, diese Barriere zu überwinden. Daraus entstanden die Multikultifeste und später Feste der Begegnung, die wir mit immer mehr Gruppen gemeinsam veranstalteten, um die Barrieren zwischen Menschen verschiedener Herkunft in St. Pölten überwinden zu helfen. So Manches ist gelungen, so arbeiten heute anders als damals auch Menschen mit Migrantenhintergrund in Banken und Versicherungen, auch in städtischen Einrichtungen und 2 MigrantInnen mit österr. Staatsbürgerschaft sitzen auch im Gemeinderat. Auch in Vereinen sind schon viel mehr Migranten selbstverständlich mit dabei. Trotzdem gibt es natürlich noch viel Nachholbedarf. Einerseits gibt es noch immer Berufsbereiche, wo Migranten eine äußerste Seltenheit sind wie bei Polizei, Bahn oder im öffentl. Dienst, aber das ist eine Frage der Zeit. Was allerdings schwieriger zu überwinden ist, sind die inneren Barrieren durch die Bilder vom Fremden, von anderen Nationen, anderen Religionen oder anderer Hautfarben. Dabei spielt die Frage der Staatsbürgerschaft eine nebensächliche Rolle.

In der Bibel gibt es ein sehr interessantes Glaubensbekenntnis im Buch Deuteronomium, das die Israeliten beim Erntedank ablegen mussten. Dort heißt es: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder etc. Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrieen zum Herrn, dem Gott unserer Väter und er hörte unser Schreien und unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. Er führte uns mit starker Hand .. aus Ägypten und brachte uns in dieses Land, in dem Milch und Honig fließt. Und siehe, nun bringe ich vom Ertrag des Landes, das du mir gegeben hast. Dann heißt es, ‚sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott dir gegeben hat: du, die Leviten und die Fremden in deiner Mitte.’ Interessant, dass hier auch die Fremden miteinbezogen werden und das geschieht durchgängig in den Büchern Mose. Aus der Grunderfahrung, dass die ‚Väter’ (von Abraham bis Jakob und seinen Söhnen) vor 100erten und 1000den Jahren selber erlebt hatten, wie es ist, fremd und ausgebeutet zu sein, wurden die revolutionärsten Sozialforderungen aufgestellt mit dem Sabbatjahr, dem Jubeljahr, aber auch im Umgang mit den Fremden, was bis zur Fremdenliebe reicht. In Lev 19 steht: „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr selbst seid Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, eurer Gott!"

Nicht: ‚Österreicher zuerst; nicht: wo kommen wir hin, wenn wir die alle aufnehmen; nicht: die sollen sich mal anpassen, die sollen wieder heimgehen oder: wir haben auch nicht gleich alle Österreich verlassen. Stimmt zwar oft, aber diese Haltung ist eines christlichen und humanistischen Landes nicht würdig.

Wenn Ausländer auch durch jahrelange Arbeit und Steuerzahlen keine Chance haben, einen Aufenthalt zu bekommen, weil sie einmal illegal eingereist sind, ist das Ausbeutung. Wenn Ausländer auch bei Heirat und Gründung einer Familie keinen Aufenthalt bekommen und nicht arbeiten dürfen, aber die Ehefrauen allein für die Kinder aufkommen müssen und der Mann beim Sozialamt nicht einmal zählt (es darf ihn ja nicht geben), da stimmt etwas nicht mehr.

Aus einem aktuellen Anlass noch ein anderes Beispiel: Wenn die Rechtsprechung scheinbar bei Ausländern, noch dazu bei Schwarzen, anders agiert als bei Österreichern, dann zweifle ich an unserem gerechten Rechtsstaat. Ganz konkret der Fall der 2 Afrikaner, die seit gut 6 Wochen hier in St. Pölten in U-Haft sitze, weil sie beschuldigt werden, eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Eine schreckliche Tat, aber zunächst muss ernsthaft geklärt werden, wer sie wirklich begangen hat. Vom Tag der Verhaftung weg hat die Polizei und haben die Medien die Beiden auf das Ärgste vorverurteilt, es wurden Ängste geschürt gegen ‚Schwarze’ (Pfeffersprayaktion der FP), es wurden die Beiden öffentlich bloß gestellt, in dem der fast volle Name mit Beruf veröffentlicht wurde (siehe NÖN). O.K., aber der Verdacht musste geprüft werden, das ist klar. Dass dann „Kommissar DNA" dann gut 5 Wochen braucht, um festzustellen, dass es keinerlei Übereinstimmung mit den Verdächtigen gibt, ist noch zu akzeptieren. Dass dann aber keine Enthaftung erfolgt ist unter Berufung auf die Aussage des Opfers, die nur sehr vage die Beiden identifiziert haben will (obwohl sie ziemlich alkoholisiert war), grenzt wirklich schon an Rassismus. Oder ist es üblich in einem Rechtsstaat, dass man Beschuldigte nicht frei lässt, weil man sich ja sonst mit der Vorverurteilung blamiert hätte. Ich vertraue auf unseren Rechtsstaat und hoffe, John und Raymund endlich wieder in Freiheit zu sehen, die die letzten Jahre hier immer mit uns mitgefeiert haben.

Das trübt meine Feierstimmung etwas, aber ich denke, die Gerechtigkeit wird siegen oder wie John mir mehrmals bei Besuchen sagte: Gott wird die ganze Sache zu einem gerechten Ende bringen und er vertraue auf ihn.

 

Und um 21 Uhr findet der kulturelle Höhepunkt des langen Nachmittags/abens statt mit einem Konzert mit 'Ljubinka Jocic & Band' im Beislkino des cinema paradiso!

Ljubinka Jokic ist die unumstrittene Entdeckung des Wiener „Balkan Fever Festivals“ 2006. Gemeinsam mit Otto Lechner und seinem „Windhundorchester“ verwandelte sie das übervolle „Porgy & Bess“ (Jazzclub in Wien) in einen brodelnden Hexenkessel.

Begonnen hat diese musikalische Geschichte in einem kleinem Lokal am Gaußplatz: dem Pomali-Grill. Letzten Frühling staunten die Pomalistammgäste nicht schlecht, als die Wirtin Ljubinka Jokiæ die E-Gitarre umschnallte und mit Otto Lechner zu jammen begann. Und eine kraftvolle Jugo-Soul-Stimme offenbarte, die so klang, als hätte sich ein Weltstar in der Tarnung einer Æevapi-Grillerin vor der Mafia versteckt. Ihre Sessions mit Otto Lechner und Musikern seines Windhund-Orchesters, waren binnen Monaten keine Geheimtipps mehr und der beschauliche Fleck auf dem Gaußplatz quoll über vor Fans.

Aus diesen musikalischen Begegnungen sind nun zwei Formationen entstanden:

www.ljubinka-jokic.com<http://www.ljubinka-jokic.com>


*Ljubinka Jokiæ* - /Gesang, E-Gitarre/*
*Mathias Jakišiæ - **/Geige, Programmierung/*
*Jovan Torbica - **/Bass/*
*Peter Rosmanith - **/Percussion, Drums, Sampler/

Traditionelle Lieder, Roma-Chansons vom Balkan bis Russland sowie Jugo-Pop-Rock-Klassiker der 70er und 80er Jahre erklingen in neuem Sound. Eine Mischung aus erdiger Perkussion, pulsierenden Basslinien, virtuosem E-Violinenspiel und einer E-Gitarre, die rauer nicht klingen kann, und über allem liegt die emotionsgeladene Stimme von Ljubinka Jokic;. Sie singt, haucht, schreit, und die Töne, die sie nicht mehr mit ihrer Stimme erzeugen kann, ringt sie ihrer Gitarre ab.

Diese Musik hat die Intensität und die Kraft der Tradition, aber den Sound des neuen Jahrtausends. Sie ist wie die Donau, die die Balkanländer verbindet, immer im Fluss, immer offen für Neues, das in sie mündet.

Konzerte bisher u.a.: Donauinselfest Wien

Nähere
Infos unter: www.festderbegegnung.at.tf

Sepp Gruber
0676/826688398

 


Fremd sein -- da sein


Theresa L. (78) aus Simmering hatte früher blau gewählt. Ihr war, als würde sie nicht in Wien, sondern "am Balkan" leben. Sie hatte Angst vor den vielen fremden Gestalten in der Siedlung, wagte nicht mehr, im Finstern allein auf die Straße zu gehen.
An einem Märznachmittag stolperte sie über den Gehsteig, kam zu Sturz, schlug mit dem Kopf auf, blieb liegen, rang nach Luft. Sie hörte mehrmals Schritte, doch keiner blieb stehen, die Passanten dachten wohl, sie sei volltrunken. Es war ein Mädchen mit Kopftuch, das sich schließlich über sie beugte und die Hand auf ihre Stirn legte. Dann waren zwei Männer und eine Frau um sie, halfen ihr auf, schleppten sie in eine Wohnung. -- Türken, keiner sprach Deutsch. Sie gaben ihr Wasser, danach "ein weißes Getränk" (Ayran), versorgten ihre Kopfwunde, bandagierten den verstauchten Knöchel ein. Das türkische Mädchen hielt die ganze Zeit über ihre Hand. Als die Rettung eintraf, war Theresa L. wieder auf den Beinen.
Die Pensionistin bittet uns, der Ministerin folgende Nachricht zu überbringe: "Ich weiß nicht genau, was ,sich integrieren' heißt. Aber ich weiß, was in der Not für wen da zu sein heißt. Das hat mir eine türkische Familie gezeigt."


(dag im Standard vom 20./21. Mai 2006)

Geschichte der
'Feste der Begegnung' in St. Pölten

 

 

 

 

 

Näheres zu den Festen und Fotos unter: www.festderbegegnung.at.tf

 

Programmablauf des Festes der Begegnung 19./20.Juni 2009 - siehe obige Homepage und www.cinema-paradiso.at

 

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