Sozialpolitisches Abendgebet am 16. März 2008: „Selig die Friedensstifter“
Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Da begann er, sie zu unterweisen: "Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört die neue Welt Gottes. Glücklich sind die Trauernden, denn sie werden Trost finden. Glücklich sind die Friedfertigen, denn sie werden die ganze Erde besitzen. Glücklich sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie sollen satt werden. Glücklich sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren. Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben. Denn ihnen gehört Gottes neue Welt. Glücklich könnt ihr sein, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt. Ja, freut euch und jubelt, denn im Himmel werdet ihr dafür reich belohnt werden! Genauso haben sie die Propheten früher auch verfolgt." (Mt 5, 1-12)
"Es heißt auch: 'Auge um Auge, Zahn um Zahn!' Ich sage euch aber: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut! Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin! Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so gib ihm auch noch den Mantel! Und wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei Meilen mit ihm! Gib jedem, der dich um etwas bittet, und weise keinen ab, der etwas von dir leihen will. Es heißt bei euch: 'Liebt eure Freunde und hasst eure Feinde!' Ich sage aber: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen! So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne für Böse wie für Gute scheinen, und er lässt es regnen für Fromme und Gottlose. Wollt ihr etwa noch dafür belohnt werden, dass ihr die Menschen liebt, die euch auch lieben? Das tun sogar die Zolleinnehmer, die sonst nur auf ihren Vorteil aus sind! Wenn ihr nur euren Freunden liebevoll begegnet, ist das etwas Besonderes? Das tun auch die, die von Gott nichts wissen. Ihr aber sollt so vollkommen sein wie euer Vater im Himmel." (Mt 5, 38-48)
"Hört mir zu: Ich schicke euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid klug wie Schlangen, aber ohne Verschlagenheit wie Tauben. Nehmt euch in Acht vor den Menschen! Denn sie werden euch vor die Gerichte zerren, und in den Synagogen wird man euch auspeitschen. Nur weil ihr zu mir gehört, werdet ihr vor Machthabern und Königen verhört werden. Dort werdet ihr meine Botschaft bezeugen, denn sie und alle Völker müssen von mir erfahren. (Mt 10, 16ff)
"Meint nur nicht, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen. Nein, ich bringe Kampf! Ich werde Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Schwiegertochter und Schwiegermutter gegeneinander aufbringen. Die schlimmsten Feinde werden in der eigenen Familie sein. Wer seinen Vater oder seine Mutter, seinen Sohn oder seine Tochter mehr liebt als mich, der ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. Und wer nicht bereit ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir nachzufolgen, der kann nicht zu mir gehören. Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer es aber für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen." (Mt. 10, 34-39)
“Herr, lass das Böse geringer werde und das Gute umso kräftiger sein.
Lass die Traurigkeit schwinden und Freude um sich greifen.
Lass uns annehmen und geben können und einander behilflich sein.
Lass die Missverständnisse aufhören und die Enttäuschten Mut gewinnen.
Lass die Kranken Trost finden und die Sterbenden deine Erbarmung.
Lass uns wohnen können auf Erden und die Ernten gerecht verteilen.
Lass Frieden unter den Menschen sein, Frieden im Herzen – rund um die Erde. (Gotteslob)
Herr, mach’ mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glaube bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten, nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
Nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet;
Wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. (Franziskus)
9 Danach sah ich: eine gro�e Schar aus allen Nationen und St�mmen, V�lkern und Sprachen; niemand konnte sie z�hlen. Sie standen in wei�en Gew�ndern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den H�nden. 10 Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. 11 Und alle Engel standen rings um den Thron, um die �ltesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an 12 und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, / Weisheit und Dank, / Ehre und Macht und St�rke / unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen. 13 Da fragte mich einer der �ltesten: Wer sind diese, die wei�e Gew�nder tragen, und woher sind sie gekommen? 14 Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der gro�en Bedr�ngnis kommen; sie haben ihre Gew�nder gewaschen und im Blut des Lammes wei� gemacht. 15 Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt �ber ihnen aufschlagen. 16 Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. 17 Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen f�hren, aus denen das Wasser des Lebens str�mt, und Gott wird alle Tr�nen von ihren Augen abwischen. 1 In jener Zeit - Spruch des Herrn - / werde ich der Gott aller St�mme Israels sein / und sie werden mein Volk sein. Die Heimkehr aller Versprengten 2 So spricht der Herr: Gnade fand in der W�ste das Volk, / das vom Schwert verschont blieb; / Israel zieht zum Ort seiner Ruhe. 3 Aus der Ferne ist ihm der Herr erschienen: / Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, / darum habe ich dir so lange die Treue bewahrt. 4 Ich baue dich wieder auf, / du sollst neu gebaut werden, Jungfrau Israel. Du sollst dich wieder schm�cken mit deinen Pauken, / sollst ausziehen im Reigen der Fr�hlichen. 5 Wieder sollst du Weing�rten pflanzen / auf Samarias Bergen. Wer Pflanzungen anlegt, / darf ihre Fr�chte genie�en. 6 Denn es kommt der Tag, / da rufen die W�chter auf Efraims Bergland: Auf, lasst uns hinaufpilgern nach Zion / zum Herrn, unserem Gott. 7 Ja, so spricht der Herr: Jubelt Jakob voll Freude zu / und jauchzt �ber das Haupt der V�lker! Verk�ndet, lobsingt und sagt: / Der Herr hat sein Volk gerettet, / den Rest Israels. 8 Seht, ich bringe sie heim aus dem Nordland / und sammle sie von den Enden der Erde, darunter Blinde und Lahme, / Schwangere und W�chnerinnen; / als gro�e Gemeinde kehren sie hierher zur�ck. 9 Weinend kommen sie / und tr�stend geleite ich sie. Ich f�hre sie an Wasser f�hrende B�che, / auf einen ebenen Weg, wo sie nicht straucheln.Denn ich bin Israels Vater / und Efraim ist mein erstgeborener Sohn. 10 H�rt, ihr V�lker, das Wort des Herrn, / verk�ndet es auf den fernsten Inseln und sagt: Er, der Israel zerstreut hat, wird es auch sammeln / und h�ten wie ein Hirt seine Herde. 11 Denn der Herr wird Jakob erl�sen / und ihn befreien aus der Hand des St�rkeren. 12 Sie kommen und jubeln auf Zions H�he, / sie strahlen vor Freude �ber die Gaben des Herrn, / �ber Korn, Wein und �l, �ber L�mmer und Rinder. Sie werden wie ein bew�sserter Garten sein / und nie mehr verschmachten. 13 Dann freut sich das M�dchen beim Reigentanz, / Jung und Alt sind fr�hlich. Ich verwandle ihre Trauer in Jubel, / tr�ste und erfreue sie nach ihrem Kummer. 14 Ich labe die Priester mit Opferfett / und mein Volk wird satt an meinen Gaben / -Spruch des Herr. Gespr�chsrunde "Mein Leben und die Bibel� zum am Dienstag, 1. Juni 2005 im Betriebsseelsorgezentrum St. P�lten In jenen vielen Tagen geschah: Der K�nig von �gypten starb. Die S�hne und T�chter Israels aber seufzten aus dem Dienst und schrien auf, ihr Hilferuf stieg zu Gott empor aus dem Dienst. Gott aber h�rte ihr Gest�hn. Gott aber gedachte seines Bundes mit Abraham, mit Isak und mit Jakob. Gott aber schaute die S�hne und T�chter Israels an, Gott erkannte. Mose weidete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, Priesters von Midian. Er leitete die Schafe hinter die W�ste Und SEIN Bote lie� von ihm sich schauen Er schaute: Mose sprach: Ich will doch hintreten Als ER aber schaute, dass er hintrat, um anzuschauen, Mose! Mose! Er sprach: Da bin ich. Er aber sprach: Nahe nicht herzu, denn der Ort, darauf du stehst, ist Boden der Heiligung. der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs. Mose barg sein Antlitz, denn er f�rchtete sich, zu Gott hin zu blicken. ER aber sprach: Angeschaut habe ich, angeschaut die Bedr�ckung meines Volks, das in �gypten ist, ihren Schrei vor seinen Treibern habe ich geh�rt, ja, erkannt habe ich seine Leiden. Und ich zog nieder, aus der Hand �gyptens zu retten, es aus jenem Land hinaufzubringen nach einem Land, gut und weit, nach einem Land, Milch und Honig tr�ufend. Nun, da ist der Schrei der S�hne und T�chter Israels zu mir gekommen und geschaut habe ich die Qual, mit der der die �gypter sie qu�len: nun geh, ich schicke dich zu Pharao, f�hre mein Volk, die S�hne und T�chter Israels aus �gypten! Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe, dass ich die S�hne und T�chter Israels f�hre! Er aber sprach: Wohl, ich werde da sein bei dir. Zusammenfassung des Referats von Eva Berger-Wisb�ck Bei dieser Bibelrunde haben wir den Zusammenhang vom Glauben an Gott und der Erfahrung von Befreiung, von einem menschenw�rdigen Leben besprochen. In den �ltesten Glaubensbekenntnissen ist das Bekenntnis zum befreienden Gott immer mit Gerechtigkeit und Frieden verbunden. Ausgehend vom Text �ber die Berufung des Mose, Ex 2,23 � 3,12 wurden die Zusammenh�nge von Gottes Handeln und der Befreiung der Menschen diskutiert: �Angeschaut habe ich die Bedr�ckung meines Volkes, das in �gypten ist, ihren Schrei vor seinen Treibern habe ich geh�rt � und ich zog nieder, aus der Hand �gyptens zu retten, es aus jenem Land heraufzubringen, nach einem Land gut und weit� Eva sieht folgende Schritte: Bibelteilen in Lateinamerika Beim Bibelteilen in Lateinamerika wird die Heilige Schrift im Kontext mit den Lebensumst�nden der Menschen reflektiert. Folgende �Schl�ssel� sind wichtig:Die Offenbarung des Johannes, Kapitel 7
Bibelrunde am 2.11. 2005:
Das Buch Jeremia, Kapitel 31
Exodus 2, 23 - 3, 12
(�bersetzung Martin Buber)
und kam an den Berg Gottes, zum Horeb.
in der Lohe eines Feuers mitten aus dem Dornbusch.
da, der Dornbusch brennt im Feuer, doch der Dornbusch bleibt unverzehrt.
und anschauen diese gro�e Schau �
warum der Dornbusch nicht verbrennt.
rief Gott ihn mitten aus dem Dornbusch an,
er sprach:
streif deine Schuhe von deinen F��en,
Und sprach:
Ich bin der Gott deines Vaters,
und der Diskussion bei der Bibelrunde am 1. Juni 2005
nicht Luxus, sondern das normale Leben ohne Bedrohung und ohne Angst,
Freiheit und Dankbarkeit
�vergesst nicht, dass Gott euch gerettet hat�, erinnert euch eurer schlimmen Situation, bei euch soll es anders sein,
geht nicht zu anderen G�ttern
Gott hat euch nicht aufgegeben,
selbst in der Gefangenschaft von Babylon Trost, in der Not, wo sie nachzudenken beginnen, Trost, auch wenn andere V�lker kommen und sie zu vernichten drohen
Gott will das Leben der Sch�pfung, Gott will, dass wir im Garten Eden in Gemeinschaft mit ihm leben, Gen 8, 20-22
Wir erinnern uns, dass Gott uns gerettet hat, wir sind sein Volk.
�erw�hlt� bedeutet nicht, dass sie etwas Besseres sind, sondern wenn sich das Volk Gottes von Gott entfernt, hei�t �erw�hlt�: Denkt daran, zu Gott zur�ckzufinden.
Magnifikat - Lukas 1,39 - 56
am Dienstag, 3. Mai 2005 im Betriebsseelsorgezentrum St. P�lten
39 Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Jud�a.
40 Sie ging in das Haus des Zacharias und begr��te Elisabet.
41 Als Elisabet den Gru� Marias h�rte, h�pfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erf�llt
42 und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 In dem Augenblick, als ich deinen Gru� h�rte, h�pfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45 Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erf�llt, was der Herr ihr sagen lie�.
46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Gr��e des Herrn, /
47 und mein Geist jubelt �ber Gott, meinen Retter.
48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. / Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49 Denn der M�chtige hat Gro�es an mir getan / und sein Name ist heilig.
50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht / �ber alle, die ihn f�rchten.
51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: / Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
52 er st�rzt die M�chtigen vom Thron / und erh�ht die Niedrigen.
53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben / und l�sst die Reichen leer ausgehen.
54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an / und denkt an sein Erbarmen,
55 das er unsern V�tern verhei�en hat, / Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
56 Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zur�ck.
1:39-45 - With little delay Mary got ready and hurried off to the hillside town in Judea where Zacharias and Elisabeth lived. She went into their house and greeted her cousin. When Elisabeth heard her greeting, the unborn child stirred inside her and she herself was filled with the Holy Spirit, and cried out, "Blessed are you among women, and blessed is your child! What an honour it is to have the mother of my Lord come to see me! Why, as soon as your greeting reached my ears, the child within me jumped for joy! Oh, how happy is the woman who believes in God, for he does make his promises to her come true."
1:46-55 - Then Mary said, "My heart is overflowing with praise of my Lord, my soul is full of joy in God my Saviour. For he has deigned to notice me, his humble servant and, after this, all the people who ever shall be will call me the happiest of women! The one who can do all things has done great things for me - oh, holy is his Name! Truly, his mercy rests on those who fear him in every generation. He has shown the strength of his arm, he has swept away the high and mighty. He has set kings down from their thrones and lifted up the humble. He has satisfied the hungry with good things, and sent the rich away with empty hands. Yes, he has helped Israel, his child: he has remembered the mercy that he promised to our forefathers, to Abraham and his sons for evermore!"
Magnifikat
Von Ernst �ffner
(ver�ffentlicht in: Predigtstudien f�r das Kirchenjahr 2002/2003, Perikopenreihe I � Erster Halbband hg. v. Volker Drehsen u.a., Stuttgart: Kreuz-Verlag, 2002; ISBN 3783121361
(ein Predigtvorschlag f�r den 4. Adventsonntag in der Evangelischen Kirche, gek�rzt A.R.)
Maria durch ein Dornwald ging
Zwei Frauen in guter Hoffnung.
Zwei Frauen, die Leben in die Welt tragen. Marias und Elisabeths Begegnung k�nnte in einem einzigen Wort zusammengefasst werden: Ja. Ja zueinander. Ja zu dem Kind in sich. Ja zum eigenen Geschick, zur eigenen Geschichte. Eine sehr verworrene, unklare, schmerzliche Geschichte. Ein gro�es Ja � trotzdem. Ein Ja nicht ohne Zweifel, ohne Fragen, ohne Anfechtung. Man sp�rt das in der Erz�hlung deutlich, wie viele Fragen, wie viel Unverst�ndnis. Ein Ja, das die Angst und Unsicherheit und das Trotzdem einschlie�t. Zwei Frauen in herzlicher Umarmung. Einander ganz nah. Nicht nur aus verwandtschaftlichen Gr�nden. Einander nah, weil Gott in ihnen beiden gehandelt hat, an jeder in besonderer Weise. Und sie haben dieses Handeln Gottes in ihrem Leben trotz aller Fragen bejaht. Es dr�ngt sie, das, was sie erf�llt und bewegt, miteinander zu teilen; denn nicht nur Leid, auch Freude, Gl�ck und Erf�llung dr�ngen danach, geteilt zu werden. Dieses Teilen m�ndet in �berschw�ngliches Lob: Elisabeth r�hmt den Segen Gottes, der Maria zuteil wurde. Und Maria stimmt ein gro�es Loblied auf Gott den Befreier an.
So sch�n, so gut.
Aber der Weg, der zu dieser gl�cklichen Begegnung im Hause Elisabeths gef�hrt hat? Es war ein Weg �bers Gebirge, wie es am Anfang der Geschichte hei�t, also ein durchaus beschwerlicher Weg. Mit den Worten eines alten Adventsliedes: �Maria durch ein Dornwald ging�. Das deutet darauf hin, dass es f�r Maria nicht leicht war, das, was in ihrem Leben geschah, mit Gott in Verbindung zu bringen, geschweige denn, ein Ja dazu zu finden. Ging es Josef und Zacharias anders? Zacharias verschlug es die Sprache. Und nur ein Engel im Traum kann Josef bewegen, nicht davon zu laufen, sondern zu seiner Maria zu stehen � trotz aller Verd�chtigungen. Ihrer aller Ja: ein Weg �bers Gebirge und durch Dornen, ein m�hsamer Weg, bis sie ihr Ja finden und ins Lob Gottes einstimmen k�nnen! Geht es denen denn anders, die mit einem schweren Schicksal zu k�mpfen haben, mit dem Tod eines Angeh�rigen, mit der Behinderung eines eigenen Kindes, die leiden unter Unrecht und Gewalt? Unser Leben von Gott her zu deuten, unseren Alltag und unser Geschick mit Gottes Handeln in Verbindung zu bringen, die �im Glauben vollzogene Transzendierung dessen, was vor aller Augen ist� (A), das ist oft nicht leicht. Die Begegnung mit Menschen, mit denen wir unsere Fragen, unsere Zweifel und unsere Hoffnung teilen k�nnen, kann da eine begl�ckende Erfahrung sein, neue Perspektiven er�ffnen und vielleicht hinfinden lassen zum Lob Gottes. R�ckblickend, vielleicht, entdecken wir das eine oder andere Mal, dass wir einem Engel begegnet sind. �Da haben die Dornen Rosen getragen� hei�t es am Schluss des Adventsliedes. Ein Bild, das sagt, dass es sich am Ende f�r Maria �gelohnt� hat, sich zu Elisabeth auf den Weg gemacht zu haben, ihre �Sache mit Gott�durch den Dornwald zu tragen. Ein Bild, das Mut machen kann, die Erfahrungen unserer dornigen Wege miteinander zu teilen in der Hoffnung, dass Freude und Lob �ber Gottes wunderbares Handeln schlie�lich wieder aufbl�hen werden. � A legt Wert darauf, diese im Magnifikat manifestierte Gotteserfahrung herauszuarbeiten. Darum verzichtet er auf manch andere Zug�nge, die in letzter Zeit erschlossen wurden (lateinamerikanische Befreiungstheologie, feministische Theologie). Ich will mich auf seinen Impuls einlassen.
Ein gef�hrlich parteilicher Gott
Ein Loblied will ich singen
(�). Kein Loblied auf Maria, obwohl Vers 48 den biblischen Ursprung der Marienverehrung markiert. Evangelische Marienpredigt preist nicht Maria, sondern singt mit Maria das Loblied auf den Gott, der das Unterste zuoberst kehrt, das Niedrige erh�ht, die Hungrigen s�ttigt, die Traurigen tr�stet und die M�chtigen in ihre Schranken weist.
Dieser Lobgesang der Maria hat es in sich. Er ist gef�hrlich. Er ist das Lied eines gro�en Umsturzes. Oft sind es in der Bibel Frauen, die solche gef�hrlichen Lieder singen: Mirjam (Ex 15,20 f.), Hanna (1 Sam 2,1 ff.). Und so beginnt die Geschichte Christi hier mit Marias Lied auf diesen Gott des Umsturzes, der nichts einfach l�sst, wie es ist. �Gott� ist keine feierliche Dekoration f�r unsere Feste, nicht politisch vereinnahmbar zur Stabilisierung der Verh�ltnisse. Nicht nur Kurt Marti findet den �kniefall von potentaten und schergen gegen die sie doch einst gesungen hatte voll hoffnung� blasphemisch. Gott ist ein erschreckend parteilicher und darin zugleich herrlicher Gott. Die versklavten Israeliten befreit er und st�rzt die �gyptischen Sklavenhalter mit ihren modernen Streitwagen ins Meer. Den angefochtenen und anklagenden Hiob macht er gerecht und besch�mt Hiobs fromme, theologisch wortgewandte Freunde. Den vom j�dischen Gesetz verfluchten und von der r�mischen Macht gekreuzigten Jesus f�hrt er aus dem Tod in seine herrliche Freiheit, ins Leben. Dort also, wo wir Menschen lieber nicht sein wollen, wohin wir andere aber oft verdammen, dort kommt Gott, dort bricht seine Herrschaft an. Darum preist Jesus die Armen, Barmherzigen, Friedfertigen selig und beklagt den Selbstbetrug der Reichen. Darum sitzt der arme Lazarus �in Abrahams Schoߓ und der reiche Mann im Totenreich. Darum nennt Jesus die Leidtragenden selig und nicht diejenigen, die anderen Leid zuf�gen. Darum macht er die nach Gerechtigkeit Hungernden zu seinen Bundesgenossen und nicht diejenigen, die das Recht durch Macht beugen. Darum begnadet er Maria, das arme M�dchen vom Lande: �Ave Maria, gratia plena!� Diesen Gott der Gnade, der oben und unten vertauscht in einem �wunderbaren Tausch�, diesen Gott mit seinem �Hang nach unten� und seiner �Option f�r die Armen�, der sich an Weihnachten gezeigt und verk�rpert hat, den nennt Maria beim Namen. Dieser Gott �steckt� schon in Maria. An ihn glaubt sie, die Gedem�tigte. (Und Luther sagt: Wer glaubt wie sie, glaubt recht!) Ihm singt sie ihr Lied. Ein Liebeslied auf Gott. Nimmt es wunder, dass Maria gerade dort zur Hoffnungstr�gerin wird, wo Unterdr�ckung und Elend besonders gro� sind, z.B. in Lateinamerika?
An Marias Lied kann man lernen, was Hoffnung ist:
�Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist� (Tagore). Er singt im Dunkeln auf den Tag zu. Er hat die Hoffnung in der Kehle. Das Magnifikat ist solch ein Hoffnungslied. Aber: Ist das Hoffnungslied der Maria, dieser �Gesang aus der Tiefe�, Maria in den Mund gelegt- wirklich unser Lied? �Armentheologie� � aber wir stehen doch auf der Seite der Reichen, der M�chtigen! Ist das Lied f�r uns nicht eher eine Drohung oder Warnung? Jedenfalls nicht so leicht und wohlgemut zu singen. Nein, dieser Gott ist von uns nicht so einfach zu vereinnahmen! Vorsicht! Und doch: mein Wunsch, meine Bitte ist, dass ich die Sehnsucht nicht verliere, die Sehnsucht nach Gott, die Sehnsucht nach Gottes verwandelndes, barmherziges Eingreifen in mein Leben, in diese Welt! (�)
Die Gewaltigen st��t er vom Thron und erhebt die Niedrigen
Der Lobgesang der Maria, ihr Glaube wertet das Leben um.
Er�ffnet neues Denken, neues Leben. Wie? Menschen k�nnen sich selbst und ihr Handeln im Rahmen verschiedener �stories�, im Rahmen gegens�tzlicher �gro�er Erz�hlungen� verstehen und interpretieren: etwa im Horizont der �gro�en Erz�hlung vom menschlichen Fortschritt�, oder im Horizont einer �Verfallsgeschichte mit katastrophalem Ausgang�, im Rahmen einer Befreiungsgeschichte oder einer Unterdr�ckungsgeschichte oder im Horizont einer Geschichte vom �Clash of civilisations�. In eben solche �Rahmenerz�hlungen� sind dann die individuellen Biografien und gesellschaftlichen Erfahrungen eingef�gt. In welchem Rahmen leben und handeln wir? Sowohl die �gro�en Erz�hlungen� als auch die von ihnen abh�ngigen Einzelbiografie-Entw�rfe sind Deutungen menschlicher Gesamtgeschichte und menschlicher Einzelgeschichten. Damit freilich interpretieren sie nicht nur Wahrnehmungen, sondern sie steuern auch menschliches Verhalten: Wer sein Selbstverst�ndnis von einer Befreiungsgeschichte her gewinnt, lebt und handelt anders als einer, der sein Leben im Horizont einer Verfalls- und Katastrophengeschichte interpretiert.
J�rgen Moltmann schrieb nach dem 11. September 2001 eine aufschlussreiche Analyse der geistigen Hintergr�nde der Terroranschl�ge (DIE ZEIT Nr. 1 v. 27.12.2001). Er unterscheidet zwei Formen der Apokalyptik: einen �passiven� apokalyptischen Terrorismus (der Weltuntergang ist nahe und unabwendbar, wenn er kommt, werden die wahren Gl�ubigen �entr�ckt� und die Gottlosen vernichtet). Nur weniges, meint Moltmann, wirkt so verh�ngnisvoll wie dieser apokalyptische Fatalismus, denn von der passiven Enderwartung zu aktiven Beendigung der Welt ist der Weg nicht weit: die Konsequenz ist nackter apokalyptischer Terror, nur der Vernichtung gewidmet.
Demgegen�ber wollen die j�dischen und christlichen Apokalypsen Hoffnung in den drohenden Gefahren erwecken. In diesem Sinne �apokalyptisch� war zu allen Zeiten die Theologie der M�rtyrer, die unter Schmerzen, aber voll Hoffnung den Fall der gottlosen M�chte vor sich sahen. Apokalyptische Weltvernichtung aus Hoffnungslosigkeit � versus apokalyptische Vision einer verbesserlichen Welt aufgrund leidenschaftlicher Hoffnung auf die Umwertung aller Werte, ja der Verh�ltnisse. Die �Religion der Unterdr�ckten� als Hoffnung gegen den Augenschein. Befreiungstheologie also. Eine �Theologie der Armen�, aus Sehnsucht geboren, klingt anders als eine �Theologie der Reichen�. Das Magnifikat, ein (in diesem Sinn) �apokalyptisches�, alttestamentlich-prophetisches Lied von der Erniedrigung der M�chtigen und der Erh�hung der Niedrigen (vgl. Psalm 146) k�ndet k�mpferisch-produktiv eine heilvolle Umwertung der Rangordnung dieser beste-
henden Welt an. Stellt diese Welt (mit einem Wort von Heinz Zahrnt) auf den Kopf, genauer: vom Kopf auf die F��e. Das bringt diese Welt in Ordnung! Ziel und Vision n�mlich ist Gerechtigkeit (Hungrige sollen satt werden), Schalom, Frieden � nicht durch Gewalt und Gegengewalt, sondern durch �compassion�, durch Erbarmen (V. 54). (�)
Marias Lobgesang � weitergesungen
�Meine Seele erhebt den Herrn�, singt Maria. Dann folgt die Begr�ndung: �denn...� Wer das Lied der Maria mit- und nachsingt, der muss diese Begr�ndung: Gottes Handeln, jeweils aktuell und pers�nlich im Rahmen der eigenen Geschichte mit Gott formulieren, k�nnte ein pers�nliches Magnifikat dichten. (Anregend: Anselm Gr�n, Das pers�nliche Magnifikat, in: Ders., Die eigene Freude wiederfinden, Kreuz V., 1998, S. 149 ff.) (�) Fulbert Steffensky schrieb einmal, hymnisches Gotteslob habe es an sich, sich sprachlich zu ��bernehmen�. �Mehr sagen, als man sagen kann, das hei�t hoffen.� Solcher Sprache bed�rfen Menschen besonders angesichts von Grenz- und Krisenerfahrungen � in �Dornenzeiten�, angesichts des Todes etwa. Bestes Beispiel: Paul Gerhardts Lieder, in schlimmer Zeit entstanden. Und da dichtet er: �Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betr�ben lauter Freude sein.� (EG 396) Oder das Osterlied EG 112: �Die H�ll und ihre Rotten, die kr�mmen mir kein Haar...� �Mehr-Wert� des Glaubens gegen�ber der sog. �Realit�t�, ��berschuss� der Hoffnung. Wo denn sonst als in der Kirche ist der Ort, an dem die Geschichten von der Befreiung und Bergung des Lebens erz�hlt werden: die Gefangenen sollen frei werden, die Tyrannen gest�rzt, die Armen in ihr Recht eingesetzt und die Toten sollen leben. Gerechtigkeit ist dort Programm, manchmal nicht mehr, aber wenigstens das. Denn so viele Gruppen, in denen Gerechtigkeit f�r alle, weltweit, Programm ist, gibt es nicht mehr. Das ist der revolution�re, verhei�ungsvolle Inhalt und Impuls des Magnifikat. Er wirkte im Laufe der Geschichte der Kirche, manchmal kritisch gegen sie selbst, wenn sie die Verbindung von Thron und Altar allzu eng gestaltete. (�) Unser Leben, unser Leid und unser Gl�ck, ist eingebunden in die gro�e �Rahmengeschichte�, in die Befreiungs- und Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk, die im Magnifikat besungen wird. Das gibt mir die Erlaubnis, das Hoffnungslied der Maria mit- und weiterzusingen, auch wenn meine Situation ganz anders ist als die ihre. Aber wer wei�, wann ich diese Worte brauche... Ich will mich in meinem Glauben und Handeln anstecken lassen von ihrer �berw�ltigenden Sehnsucht nach Gott � und damit ineins ihrer Sehnsucht nach Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Nicht nur, aber auch in dem Land, an den Orten, in denen Maria lebte, damals, und auch heute... K�nnten wir leben ohne Sehnsucht � nach mehr, nach dem ganz Anderen, nach dem von Gott Verhei�enen? Hoffnung macht Leben erst lebenswert. Tr�gt Leben in die Welt. Denn der Vogel Hoffnung singt in der Nacht den Tag herbei: Gott selbst und �alle seine Guttaten� (Luthers Auslegung zum Magnifikat)!
Gespr�chsrunde "Mein Leben und die Bibel� zum
Philipperbrief 2,5-11
am Mittwoch, 6. April 2005 im Betriebsseelsorgezentrum St. P�lten
�bersetzung: Annette Merz
5 Euer Verh�ltnis zueinander soll der Gemeinschaft mit Jesus Christus entsprechen. 6 Christus verf�gte �ber g�ttliche Gestalt und hielt doch die Gottgleichheit nicht wie ein gl�ckliches Los fest, 7 sondern ent�u�erte sich selbst aller Vorz�ge und nahm die Gestalt eines versklavten Menschen an, wurde den Menschen gleich und seine ganze Erscheinung zeigte: er war ein Mensch wie du und ich. 8 Christus erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, dem Sklaventod am Kreuz. 9 Darum hat Gott den Erniedrigten erh�ht und ihm den Namen verliehen, der �ber jeden Namen erhaben ist: den Gottesnamen, 10 damit unter Anrufung des Namens Jesu sich alle Knie beugen sollen im Himmel und auf Erden und unter der Erde, 11 und jede Zunge bekennen soll, dass Jesus Christus die Herrschaft geh�rt. Dies geschehe zur Ehre Gottes, unserer Mutter und unseres Vaters.
Einheits�bersetzung
5 Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
6 Er war Gott gleich, / hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
7 sondern er ent�u�erte sich / und wurde wie ein Sklave / und den Menschen gleich. / Sein Leben war das eines Menschen;
8 er erniedrigte sich / und war gehorsam bis zum Tod, / bis zum Tod am Kreuz.
9 Darum hat ihn Gott �ber alle erh�ht / und ihm den Namen verliehen, / der gr��er ist als alle Namen,
10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde / ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
11 und jeder Mund bekennt: / �Jesus Christus ist der Herr� - / zur Ehre Gottes, des Vaters.
King James Bible
Let this mind be in you, which was also in Christ Jesus: | |
who, being in the form of God, thought it not robbery to be equal with God: | |
but made himself of no reputation, and took upon him the form of a servant, and was made in the likeness of men: | |
and being found in fashion as a man, he humbled himself, and became obedient unto death, even the death of the cross. | |
Wherefore God also hath highly exalted him, and given him a name which is above every name: | |
that at the name of Jesus every knee should bow, of things in heaven, and things in earth, and things under the earth; | |
and that every tongue should confess Is. 45.23 that Jesus Christ is Lord, to the glory of God the Father. |
Luise Schottroff
Ein Auferstehungslied
Predigttext zu Philipperbrief 2,5-11 vom 4. April 2004
"Name �ber jeden Namen"
Ein Lied, das Extremes miteinander verbindet, wird hier gesungen: Ein Mensch erh�lt den Namen Gottes als Ehrengabe, den Namen, "der �ber jeden Namen erhaben ist". Und zugleich lebt dieser Mensch das Leben eines Verdammten dieser Erde. Er ist ein Sklave. Dieses Lied ist in den Gemeinschaften, die Jesus nachfolgten, schon sehr fr�h gesungen worden. Die Gemeinschaften bestanden aus Menschen j�discher Herkunft oder solchen, die den j�dischen Glauben annahmen. Das so genannte "Heidenchristentum" der ersten Generationen verstand sich als Anh�ngerschaft des Gottes Israels und lebte nach der Tora des j�dischen Volkes. Das Lied geht bewusst bis an die Grenze: Jesus, der Messias erh�lt den Namen Gottes geschenkt. Das ist mit den Worten "Namen �ber jeden Namen" ausgedr�ckt. Im Rahmen j�dischen Gottesglaubens war und ist die Ehrung der Gottheit Gottes Ausdruck der Gottesbeziehung. Gottes Name wird wegen seiner Heiligkeit nicht ausgesprochen. Menschen wurden nicht verg�ttlicht. Das w�re Blasphemie.
Das Christuslied �berschreitet diese Grenze der Ehrfurcht nicht, macht aber deutlich, dass Christus aus der N�he Gottes gekommen ist und nach seinem Tod g�ttliche Macht geschenkt bekommt, die alle finsteren M�chte, die die Erde beherrschen, in die Schranken weist. Aber die Distanz zu Gott wird dabei gewahrt, Gott hat ihn erh�ht und ihm den g�ttlichen Namen gegeben (V.9).
Sklave, Bruder von Sklavinnen und Sklaven
Die christliche Auslegungstradition hat das Wort "Sklave" hier meist nicht ernst genommen. Es wurde als Umschreibung der Menschwerdung des Messias verstanden; es wurde also metaphorisch gelesen. Eine solche Deutung des Sklaveseins Christi als Metapher verschlie�t sich den Zugang zu diesem Lied. Sklaverei war in der Welt Jesu und der fr�hen christlichen Gemeinde Alltagsrealit�t. Sklavinnen und Sklaven arbeiteten f�r ihre Besitzer auf dem Feld. Sie arbeiteten in Bergwerken, sie arbeiteten in den Haushalten der Gro�en. Ihre Lebensbedingungen waren unmenschlich. Sie wurden geschlagen, angekettet, erniedrigt und gekreuzigt. Ihre K�rper waren Besitz ihrer Herren und Herrinnen. Die konnten sie sexuell benutzen, sie konnten sie qu�len. Und das geschah auch. Unter den Menschen, die das Christuslied gesungen haben, waren auch Sklavinnen und Sklaven. Sie haben das Wort Sklave nicht symbolisch verstanden. Sie haben in Christus einen Mitsklaven erkannt. Das war auch in sp�teren Zeiten so. Ich zitiere aus einem Gebet schwarzer Sklavinnen in den USA des 19. Jahrhunderts:
"Lieber Massa Jesus, wir alle bitten dich, komm, besuch uns jetzt an diesem Tag. Wir sind nix wie arme �thiopische Frauen, und die Leute scheren sich kaum was um uns. Wir trauen keinem von diesen Gro�en da oben, die in unsre Kirche kommen [um zu predigen], aber du bist der eine gro�e Massa, viel, viel gr��er als Massa Lincoln, du sch�mst dich nicht, dich um uns afrikanische Leute zu k�mmern" (�bersetzung Eske Wollrad). So war es auch damals. Die gedem�tigten und vergewaltigten Sklavinnen und die Sklaven, die mit dem Stachelstock aufs Feld gejagt wurden, haben das Abendmahl gegessen und dieses Lied gesungen. Ich bin keine Sklavin, aber ich m�chte dieses Christuslied trotzdem singen. Das kann ich nur, wenn ich meine Augen ge�ffnet habe, um das Leiden der Sklavinnen und Sklaven, damals wie heute, zu sehen, in Solidarit�t zu sehen. Rechtlich ist Sklaverei in der heutigen Welt abgeschafft, aber de facto ist sie wieder da; wenn Menschen �ber ihre Kr�fte endlose Arbeitstage arbeiten m�ssen, um �berleben zu k�nnen. Wenn z. B. osteurop�ische Frauen unter schrecklichen Bedingungen von Gewalt und Ausbeutung ihre K�rper verkaufen m�ssen, um Geld f�r sich und ihre Familien zu verdienen. Sklaverei ist die "radikale, grauenvollste Konsequenz der Besitzgier. In ihr werden rechtlos gemachte, systematisch jeder Autonomie und W�rde beraubte Menschen zu Waren, zu benutzbaren Dingen und verk�uflichen Objekten" (Dorothee S�lle). Sklaverei war im R�mischen Reich, dem ersten globalen Weltreich dieser Erde, die brutale Kehrseite der gl�nzenden Weltherrschaft und sie w�chst heute mit der Weltherrschaft des Geldes wiederum.
Im rechtlichen Sinne war Jesus kein Sklave, er war ein freigeborener j�discher Mann aus der �rmsten Schicht der Bev�lkerung. Im fr�hen Christentum ist die Entw�rdigung der Sklavinnen und Sklaven im R�mischen Reich sehr wach wahrgenommen worden. Das Christuslied ist ein Akt der Solidarisierung Freigeborener mit versklavten Menschen. Diese Solidarisierung bleibt nicht im romantischen Nebel. Hier wird die Wirklichkeit des Lebens Jesu beim Namen genannt. Christus ist wie ein Sklave durch Kreuzigung hingerichtet worden. Sich zu einem Gekreuzigten zu bekennen, war ein Akt des Widerstandes und der Befreiung.
Sprache der Herrschaft - Sprache der Auferstehung
Der von den Inhabern der Weltherrschaft Gekreuzigte wird als neuer Herrscher der Welt besungen. Das Lied endet mit einer Vision "globaler Herrschaft". Alle d�monischen M�chte im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sollen dem neuen Herrn der Welt huldigen, und alle Menschen werden ihn anbeten. Es ist dieselbe Sprache, die auch die Sklavin in dem erw�hnten Gebet spricht: "aber du bist der eine gro�e Massa, viel, viel gr��er als Massa Lincoln". Linke und feministische Kritik hat sich am Gedanken der Weltherrschaft Christi gesto�en: also doch wieder Herrschaft, nur mit anderen Vorzeichen, den Vorzeichen der Institution Kirche gar. Das fr�he Christentum hat die politische Herrschaftssprache seiner Zeit benutzt, um die Vision einer neuen Erde und eines neuen Himmels auszudr�cken und der Unterdr�ckung entgegenzusetzen. Die d�monischen M�chte, die Hunger und Krieg �ber die Erde bringen, werden besiegt. Die Weltherrscher, selbst die in Rom, werden zu bescheidenen Br�dern und Schwestern werden, die das Lob Gottes singen lernen. Auch sie werden ihre Knie beugen (V.10) und Christus anerkennen (V.11). Die Auferstehung Christi beendet alle Gewaltherrschaft. Es ist zu fragen, ob dieses Lied nicht anma�end ist. Die Wirklichkeit war doch auch damals globale Sklaverei, Hunger, Kriege und demgegen�ber das gl�nzende Leben einer kleinen Elite, die es geschafft hat, die Bev�lkerungen zu unterjochen! Wie k�nnen diese Menschen, die das Abendmahl feiern, eine erneuerte Erde besingen, von der noch nichts zu sehen ist? Sie haben sie eben doch gesehen, sie haben begierig die Anzeichen aufgez�hlt: Jesus hat damals Kranke geheilt, seine Nachfolgerinnen und Nachfolger haben damit weitergemacht. Sie haben angefangen, neue gerechte Lebensgemeinschaften von versklavten und freigeborenen Menschen aufzubauen. Sogar alleinlebende Frauen waren in diesen Gemeinschaften gleichberechtigt. An die Auferstehung Christi glauben hei�t, die Zeichen der Auferstehung am eigenen Leibe zu erkennen und an den Gemeinschaften der Auferstehung zu bauen. Es ist eine bombastische Sprache, mit der Christi Weltherrschaft besungen wird. Er ist der �berschwang der Hoffnung, der aus den Erfahrungen mit Gottes Gegenwart in einer brutalen Welt entsteht. Es ist das Wissen, dass eine andere Welt nicht nur m�glich, sondern da ist.
Literatur: Eske Wollrad, Gebete schwarzer Sklavinnen, in: Renate Jost, Eveline Valtink (Hg.), Ihr aber, f�r wen haltet ihr mich? Auf dem Weg zu einer feministisch-befreiungstheologischen Revision von Christologie, G�tersloh 1996, 120 f. Annette Merz, Phil 2,5-11, in: Erhard Domay, Hanne K�hler, Der Gottesdienst. Liturgische Texte in gerechter Sprache Bd.4: Die Lesungen, G�tersloh 2001, 195 f. Dorothee S�lle, Mystik und Widerstand, Hamburg 1998, 308 f. Klaus Wengst, Pax romana. Anspruch und Wirklichkeit, M�nchen 1986.
(noch Matth�us 6)
mia woin di in Ehrn hoidn -
richt do bitte dei Heaschoft auf!
Lo� des gschegn, wo du w�sst,
ned nur in Himmi, sondan aa auf da Eadt.
Gib uns jedn Tog, wos ma zan Essn brauchan,
und trogs uns ned noch, waunn ma di wo
kr�nkt oda
beleidigt haum.
Mia woin mitanaund aa guat sei und ned
nochtrogad sei.
Und bring uns ned auf an foischn Weg,
sondan ram aus unsan Leben ois weg, wos
van Teifi is.
Gespr�chsrunde �Bibel und Leben� am Mi., 2. M�rz 2005:
Die Psalmen, Kapitel 85 -
Bitte um das verhei�ene Heil
1 [F�r den Chormeister. Ein Psalm der Korachiter.]
2 Einst hast du, Herr, dein Land begnadet / und Jakobs Ungl�ck gewendet,
3 hast deinem Volk die Schuld vergeben, / all seine S�nden zugedeckt, [Sela]
4 hast zur�ckgezogen deinen ganzen Grimm / und deinen gl�henden Zorn ged�mpft.
5 Gott, unser Retter, richte uns wieder auf, / lass von deinem Unmut gegen uns ab!
6 Willst du uns ewig z�rnen, / soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?
7 Willst du uns nicht wieder beleben, / sodass dein Volk sich an dir freuen kann?
8 Erweise uns, Herr, deine Huld / und gew�hre uns dein Heil!
9 Ich will h�ren, was Gott redet: / Frieden verk�ndet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, / den Menschen mit redlichem Herzen. [Sela]
10 Sein Heil ist denen nahe, die ihn f�rchten. / Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.
11 Es begegnen einander Huld und Treue; / Gerechtigkeit und Friede k�ssen sich.
12 Treue sprosst aus der Erde hervor; / Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.
13 Auch spendet der Herr dann Segen / und unser Land gibt seinen Ertrag.
14 Gerechtigkeit geht vor ihm her / und Heil folgt der Spur seiner Schritte.
Prayer that the LORD Will Restore Favor to the Land
To the Chief Musician. A Psalm of the sons of Korah.
1 LORD, You have been favorable to Your land;
You have brought back the captivity of Jacob.
2You have forgiven the iniquity of Your people;
You have covered all their sin.Selah
3You have taken away all Your wrath;
You have turned from the fierceness of Your anger.
4Restore us, O God of our salvation,
And cause Your anger toward us to cease.
5Will You be angry with us forever?
Will You prolong Your anger to all generations?
6Will You not revive us again,
That Your people may rejoice in You?
7Show us Your mercy, LORD,
And grant us Your salvation.
8I will hear what God the LORD will speak,
For He will speak peace
To His people and to His saints;
But let them not turn back to folly.
9Surely His salvation is near to those who fear Him,
That glory may dwell in our land.
10Mercy and truth have met together;
Righteousness and peace have kissed.
11Truth shall spring out of the earth,
And righteousness shall look down from heaven.
12Yes, the LORD will give what is good;
And our land will yield its increase.
13Righteousness will go before Him,
And shall make His footsteps our pathway.
Dr. Heino Falcke, Propst i. R., Erfurt
"Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben"
Predigt beim Schlussgottesdienst beim
27. Deutschen Evangelischen Kirchentag, 22. Juni 1997, Leipzig
Liebe Kirchentagsgemeinde,
vorhin haben wir mit dem Psalm Gott gedankt und dann deftig geklagt. H�rt jetzt aus dem Psalm Gottes Antwort. Sie will das Danken in Hoffen, das Klagen in neuen Aufbruch wandeln.
Ich will h�ren, was Gott, der Herr, sagt.
Ja, er sagt "Frieden" zu seinem Volk und zu seinen Frommen,
und zur Torheit wollen sie sich nicht zur�ckwenden.
Gewiss, nahe ist denen, die ihn f�rchten, seine Hilfe,
auf dass W�rde wohne in unserem Land:
G�te und Wahrheit begegnen einander,
Gerechtigkeit und Frieden k�ssen sich,
Wahrheit sprie�t aus dem Land hervor,
und Gerechtigkeit schaut vom Himmel herab.
Mit diesen Hoffnungsbildern kommt uns Gott entgegen auf dem Weg der Gerechtigkeit. "Gerechtigkeit und Friede k�ssen sich", das klingt wie ein Traum, himmelweit entfernt von unseren K�mpfen und Konflikten. Aber der entgegenkommende Gott bringt uns diese Hoffnung nahe, weil wir ohne sie kaputtgehen in unserem Land. Seht doch, was er unter uns anbahnen und erm�glichen will! Lasst euch anstecken von seiner Hoffnung!
Gerechtigkeit und Frieden k�ssen sich. Ohne einander k�nnen sie nicht. Sie k�ssen sich in der �ffentlichkeit des Landes. Steuergerechtigkeit und Arbeitsfriede k�ssen sich. Soziale Gerechtigkeit und Demokratie bl�hen miteinander auf. Beteiligungsgerechtigkeit gibt allen ihre Chance, und statt der Wut gegeneinander w�chst der Mut, miteinander anzupacken. Ostdeutsche und Westdeutsche werden einander gerecht, beide Seiten arbeiten ihre Vergangenheit auf und stellen sich den heutigen Herausforderungen. In Bosnien schafft Gerechtigkeit Frieden, Menschenrechte heilen die Verletzungen, Friedensdienste helfen dabei. "G�te und verl�ssliche Wahrheit begegnen sich." Solidarit�t wird zum Fundament unseres Zusammenlebens. G�te bleibt kein Reservat der Wohlfahrtsverb�nde, sondern wird zum G�tesiegel einer Wirtschaft, die den Menschen dient und so Stabilit�t gewinnt. Die Gerechtigkeit des Sch�pfers leuchtet vom Himmel, wir werden unseren Mitgesch�pfen gerecht. Die gequ�lte Erde sprie�t auf, wir d�rfen der Zukunft des Lebens wieder trauen.
Und die Frommen im Lande, wir Christen, die Juden, denen wir diesen Psalm verdanken, die Muslime �ffnen ihre Herzen dem entgegenkommenden Gott, feiern sein Kommen. Gerechtigkeit und Friede strahlt von ihnen aus auf unsere L�nder.
Diese Hoffnung soll unser Handeln leiten, uns den Weg ins Morgen zeigen. Sie kann die Arbeitslosen herausholen aus dem Teufelskreis von Ausgrenzung und Entmutigung. Sie kann denen, die sich von lauter Sachzw�ngen umstellt sehen, neue Wege aufschlie�en. Und die Ostdeutschen, die im Labyrinth der Freiheit den Weg ins Freie nicht finden: Der entgegenkommende Gott ist euch n�her als ihr denkt!
Diese Hoffnung will uns bewahren, dass wir uns nicht zur Torheit zur�ckwenden. Nicht zur �stlichen Torheit von gestern. Sie wollte Gerechtigkeit und Frieden mit Druck und Staatssicherheit zusammenzwingen. Gerechtigkeit und Friede aber k�ssen sich, aus Lust und Liebe und also in Freiheit, nur in Freiheit.
Aber auch nicht in die entgegengesetzte Neotorheit, die sagt: Freiheit hei�t Rivalit�t, Rivalit�t bringt Produktivit�t, und der Markt wird's schon richten. Ja, streiten m�ssen wir. Aber nur, wo wir in Gerechtigkeit streiten, wo alle mitstreiten, mit konkurrieren k�nnen, streiten wir fair um Gerechtigkeit. Und nur wo wir im Frieden streiten, ohne Gewalt, ohne Feindbilder, um gemeinsame Ziele, wird Hoffnung den Streit befl�geln.
Dies alles, was Gott unter uns anbahnen will, sammelt er in die eine Zusage: dass W�rde wohne in unserem Land. Beides vereint sich da: Gottes W�rde und Menschenw�rde. Gott setzt die ganze W�rde seiner Gottheit daf�r ein, dass Gerechtigkeit und Friede sich auf Erden k�ssen und so die Menschenw�rde Raum gewinnt. Der Standort Deutschland soll zum Wohnort seiner W�rde werden, und die Menschenw�rde wird unantastbar. Die Ehrfurcht vor Gott zeigt sich in der Ehrfurcht vor dem Leben, und die W�rde der Mitgesch�pfe wird geachtet.
Gottes W�rde wohnte in dem Menschen Jesus. In seiner Ausstrahlung strahlt sie auf in ihrer liebevollen, heilenden, befreienden Kraft. Entdecken und erz�hlen wir neu seine Geschichten von der aufgerichteten Menschenw�rde! Erz�hlen wir sie an gegen Gottvergessenheit und Menschenverachtung!
Wie er mit den Ausgegrenzten, Armgemachten, Abgeschobenen lebte und ihnen ihre W�rde wiedergab: Ihr seid wichtiger als ihr denkt, st�rker als ihr euch f�hlt, sch�ner als ihr euch seht! Traut eurer W�rde - auch trotzig und k�mpferisch! Wie Jesus sich zu denen stellte, die ihre W�rde selbst beschmutzt und entstellt hatten und nun herabgew�rdigt wurden - ganze Volks- und Berufsgruppen. Er richtete ihre W�rde wieder auf. In W�rde konnten sie zu ihrer Schuld stehen, die Vergebung ihrer Opfer suchen, neu anfangen. Wie Jesus zu den Starken und Reichen sprach: Besinnt euch auf eure W�rde, dass ihr sie nicht bei eurem Gewinnen verliert! Die W�rde Gottes, die das Gesicht der G�te tr�gt, will sich in euch spiegeln. Lebt eure W�rde im Teilen und Beteiligen, schafft menschenw�rdige Verh�ltnisse!
Dass W�rde wohne in unserem Land soll unsere erste Sorge sein! Weil es zur W�rde des Menschen geh�rt, dass er sich einbringen kann, d�rfen wir uns mit Massenarbeitslosigkeit nicht abfinden. Weil Gewalt Opfer und T�ter entw�rdigt, m�ssen Demonstranten und Polizisten gewaltfrei miteinander umgehen. Die Kinder - noch ungeborene und heranwachsende - sollen der Achtung ihrer W�rde sicher sein, die Sterbenden in W�rde sterben k�nnen.
Gottes W�rde kennt keine Grenzen. Darum sollen Ausl�nder bei uns heimisch werden k�nnen und die Vers�hnung mit unseren Nachbarn bei uns Wurzeln schlagen. Um Gottes willen lassen wir uns die ferne Armut nahe gehen!
F�r die W�rde jedes einzelnen steht Gott ein. Viele sind heute auf dem Weg der Vereinzelung, suchen ihren Lebenssinn in Selbstverwirklichung und pers�nlichem Gl�ck. Ja, entdeckt eure eigene W�rde, habt den Mut, sie zu leben! Aber kn�pft neue Beziehungen! Bringt euch selbst ein, aber bringt euch ein! Individualisierung muss nicht Entsolidarisierung sein. G�te und verl�ssliche Wahrheit wollen sich in deinem Leben begegnen. In deiner G�te wird dir deine Wahrheit begegnen.
Liebe Kirchentagsgemeinde, bei uns Christen und Kirchen will Gott zuerst Wohnung machen. Unsere Herzen, unsere Gemeinden will seine Gerechtigkeit und sein Friede wachk�ssen. Freut euch an unserem liebensw�rdigen Gott! Feiert ihn so, dass die Freude auf andere �berspringt! Zerrei�t den Grauschleier der Erwartungslosigkeit, der �ber unseren Kirchen liegt! Bek�mmert euch nicht �ber eure kleine Zahl und das knappe Geld, traut der wunderbaren Botschaft, die uns anvertraut ist! Fangen wir bei uns selber an mit dem Teilen der Arbeit und dem Einkommen! In unserem unchristlichen Land will Gott wohnen. Darum d�rfen wir uns nicht als Minderheit abkapseln und einspinnen. Sagt anderen, was ihr glaubt, geht in die �ffentlichkeit! Da ist so viel verworrene Sehnsucht nach Gott, die ihr Ziel sucht.
Meine Gedanken gehen jetzt zum letzten gesamtdeutschen Kirchentag in Leipzig 1954 zur�ck. Als junger Mann nahm ich an ihm teil. Seine Losung hie�: Seid fr�hlich in Hoffnung! Durch vier Jahrzehnte DDR hat uns diese Hoffnung getragen, wo wir ihr trauten. Wo wir dieser Hoffnung misstrauten, von ihr abirrten, da sind wir in Torheit geraten. Seid fr�hlich in dieser Hoffnung! Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben. Amen.
Dorothee S�lle
Gerechtigkeit und Frieden -
f�r eine Globalisierung von unten
Am 27. April 2003 verstarb die Theologin und Friedensk�mpferin Dorothee S�lle im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Vor genau einem Jahr - am 27. April 2002 - war sie Gastrednerin beim ��kumenischen Pf�lzer Forum� in Bellheim. Nachfolgend dokumentieren wir einzelne Beitr�ge ihres Vortrages, die dankenswerter Weise von Eberhard Dittus, Arbeitsstelle Friedensdienst der Evangelischen Kirche der Pfalz zusammengestellt wurden.
GERECHTIGKEIT UND FRIEDEN -
F�R EINE GLOBALISIERUNG VON UNTEN
Von Dorothee S�lle
Gerechtigkeit ist die Grundlage des Friedens. Ohne sie wird es weiterhin ethnische Konflikte geben, weitere Privatisierung der Gewalt und wachsende Verelendung der Mehrheit der Menschen, der so genannten �loser�.
Aber gerade dieses einfache �berleben der Mehrheit ist heute durch die Globalisierung von oben in Frage gestellt. Ich habe von zwei Bauern in einem s�dindischen Dorf geh�rt, die bis zum letzten Jahr ihre gepachteten Felder noch bestellt haben. Jetzt haben sie keine Kraft und kein Geld mehr dazu. Keine Kraft mehr, weil sie wie 23 andere hoch verschuldete Bauern aus ihrem Dorf, ihre Nieren verkauft haben. Mit dem Geld wollten sie die Schulden f�r Saatgut, Pestizide und D�nger bezahlen. Doch die 2000 Mark f�r eine Menschenniere haben nicht gereicht. Einer der Bauern sagte dazu: �Jeder Bauer hat nur eine Niere, die er verkaufen kann.�
Wie definieren wir eigentlich Gewalt? das Einschlagen von Schaufenstern oder das Anz�nden von Autos ist nat�rlich Gewalt, und ein klarer Rechtsbruch. Aber wenn eine Beh�rde eine Exportlizenz f�r Waffen, die Kinder gut bedienen k�nnen, erteilt, da bekanntlich aller Handel frei und unbehindert sein muss, ist das auch Gewalt? Oder wenn das Spekulieren an der Getreideb�rse in Chicago Tausende von Menschen in den Hungertod treibt, weil die Notprogramme bei steigenden Preisen nicht mehr finanziert werden k�nnen, ist das auch Gewalt? Es ist in unserer Welt v�llig legal. �Free trade� ist einer der wichtigsten G�tzen, die �ber uns herrschen. In Babylon.
Wir alle leben in Babylon. Anfang der 80er Jahre begr��te mich ein amerikanischer Freund in New York mit den Worten: �Welcome in Babylon on Hudson�. Damals stand das Wahrzeichen der wirtschaftlichen Macht, die T�rme des World Trade Centers, noch. Nach der Bibel hatten die Menschen fr�her eine gemeinsame Sprache. Aber als sie einen Turm in den Himmel zu bauen versuchten, wurde ihre gemeinsame Sprache zerst�rt, sie verstanden einander nicht mehr in Babylon on Hudson, das auch in Hamburg und K�ln liegt, versteht man immer nur noch cash und fun und cash, und die einzige Frage, die noch erlaubt ist, hei�t: �Rechnet es sich?� In Babylon.
Meditation
Dein wille
Wir wissen worauf du hinaus wolltest
als du uns dir �hnlich geschaffen hast
kinder der erde die sterben m�ssen
deine t�chter und s�hne f�hig die liebe zu lernen
schon jetzt mitten im krieg
Wir kennen deinen willen gott
leben in seiner f�lle hast du allen versprochen
nicht nur den wei�en nicht nur den reichen
nicht nur denen die kaffee trinken
auch denen die ihn pflanzen und ernten
Wir danken dir f�r deine vielen du sollst
mit ihnen fragst du uns nach unseren geschwistern
den b�umen und den tieren
dem wasser und der luft
nach unserer zeit fragst du
und nach dem was uns wichtig ist
Eines tages gott werden wir alle deine du sollst
verwandeln in ein gro�es ja ich will
ja wir werden die fremden nicht mehr hassen
und die mauern der trennung einrei�en
und die gewalt wird nicht mehr wohnen bei uns
wir werden sie nicht f�ttern und h�tscheln
nicht bezahlen und nicht f�r allm�chtig halten
dein wille wird geschehen
auch in unserm land
aus: Dorothee S�lle, Leben ohne L�gen (fietham 2000)
Mit der Zerst�rung von Rechtsregeln, wie Mindestlohn, K�ndigungsschutz, Gesundheitsschutz in Betrieben, entstehen vor unseren Augen neue Formen der Verelendung - denken Sie an die N�herinnen, die unsere T-Shirts so wunderbar billig machen. �Deregulierung�, wie die Weltbesitzer diese Rechtlosigkeit nennen, f�hrt zu neuen Formen der Verelendung und der Sklaverei. Meine in Bolivien lebende Arzttochter erz�hlte mir gerade, dass eine der h�ufigsten Todesursachen von Erwachsenen im andinen Hochland jetzt Selbstmord ist. Eine 64j�hrige Frau, die ich fl�chtig kannte, hat das billigste Mittel, Rattengift genommen. Die Verelendung ist so gro�, dass die j�ngeren Leute aus den D�rfern in die st�dtischen Slums fliehen, also in Betteln, Stehlen, Prostitution oder Drogenhandel, und die �lteren Zur�ckbleibenden keinen Sinn mehr im Weitervegetieren sehen.
Der gr��te und wichtigste Terrorist in unserer Welt ist nicht Osama Bin Laden oder die Taliban sondern die neoliberale Weltwirtschaftsordnung, die die lokale Tauschordnung zerst�rt im Interesse der Selbstbereicherung der Reichen, in Burkina Faso gehen 58% des Bruttosozialprodukts in den Schuldendienst. Was wir wissen k�nnen, was wir sehen k�nnen sind diese neuen Formen der Schuldsklaverei. Alle sozialen Menschenrechte dass ein Mensch von heilbaren Krankheiten geheilt wird, ein Kind zur Schule gehen und etwas lernen darf, und dass alle t�glich satt werden, werden heute mit F��en getreten.
Und was tun wir?
* * * * * * * *
Es gibt sehr viele Dinge, auf denen das Schild steht �Zu verkaufen�, H�user, Grundst�cke, alte Kleider, Kuchenst�cke und vieles mehr. Aber nicht auf allem steht drauf �for sale�, jedenfalls bisher nicht, das Wasser, das alle brauchen, die Luft, die wir atmen, ist nicht �for sale�. Die Welt steht nicht zum Verkauf an, auch wenn die Weltbesitzer sich das einbilden und alle Anstrengungen unternehmen, unser gesamtes Leben, einschlie�lich Erziehung, Gesundheitsversorgung, Altenf�rsorge verk�uflich zu machen.
Wer sind denn eigentlich die Weltbesitzer, die das ebenso klammheimlich wie rechtsstaatlich perfekt versuchen? Es sind nicht d�monische schreckliche Kr�fte, die wir nicht �berblicken, ich m�chte da an einen gro�en deutschen Dichter erinnern, der den gro�en Satz gepr�gt hat. �Das B�se hat eine Adresse. Es hat auch eine Telefonnummer.� Ich m�chte die drei wichtigsten Adressen benennen, viele von Euch werden sie kennen, sie hei�en: Weltbank, Internationaler W�hrungsfond (IMF) und Welthandelsorganisation (WTO).
Auf einer Party fragte mich ein h�herer Manager �Finden Sie nicht auch, dass die anderen Religionen viel toleranter sind als das Christentum?� Ich wunderte mich in welcher Hinsicht er das meine. Nach kurzem Nachdenken kam; die Antwort: �Nun ja in Wirtschaftsfragen zum Beispiel.� Ihm war zu viel von Gerechtigkeit die Rede, zu viel von den Arbeitslosen hier bei uns oder den Stra�enkindern, die sich prostituieren m�ssen, um zu �berleben. In dem kurzen Geplauder wurde sein Unbehagen an - vielleicht jeder Religion, aber besonders an der biblischen - immer deutlicher. Er missbilligte die �berfl�ssige Einmischung in reale Notwendigkeiten von �konomie und Standardpolitik - Dinge, die seiner Meinung nach gar nichts mit Religion zu tun haben.
Gerechtigkeit ist einer der Namen Gottes, den viele loswerden wollen. Die �konomie ist in den letzten 12 Jahren immer totalit�rer geworden, sie bestimmt und beherrscht alles, wenn auch sehr anders als die beiden totalit�ren Systeme, die ich kennen gelernt habe. Sie br�llt nicht Kommandos herum, sondern wirbt viel intelligenter, mit sanfter Stimme, sich ihr doch anzupassen und das Geld gewinnbringend zu vermarkten. Es dient nicht dazu die Bed�rfnisse der Menschen zu stillen. Warum sollte man es in die Befriedigung gesellschaftlicher Bed�rfnisse sozialer, p�dagogischer, �kologischer Art stecken, wenn die Gewinner es doch zu mehr Geld machen k�nnen?
Margret Thatcher, eine gl�hende Vertreterin des Neoliberalismus hat das auf eine pr�gnante Formel gebracht, der f�r alle, die zu den Gewinnern geh�ren, wunderbar ist. �There is no alternative�. Wenn Sie die vierer ersten Buchstaben dieses einfachen Satzes zusammenstellen, dann nennt man dieses Denken �das TINA-Syndrom�. An dieser Krankheit leiden wir alle, dieses alternativlose Denken besch�digt uns mehr als unsere vielen Hautallergien.
Ich dein baum
Nicht du sollst meine probleme l�sen
sondern ich deine gott der asylanten
nicht du sollst die hungrigen satt machen
sondern ich soll deine kinder beh�ten
vor dem terror der banken und milit�rs
nicht du sollst den fl�chtlingen raum geben
sondern ich soll dich aufnehmen
schlecht versteckter gott der elenden
Du hast mich getr�umt gott
wie ich den aufrechten gang �be
und niederknien lerne
sch�ner als ich jetzt bin
gl�cklicher als ich mich traue
freier als bei uns erlaubt
H�r nicht auf mich zu tr�umen gott
ich will nicht aufh�ren mich zu erinnern
dass ich dein baum bin
gepflanzt an den wasserb�chen
des lebens
aus: Dorothee S�lle, Leben ohne L�gen (fietham 2000)
Eines der wichtigsten Ziele der neuen Wirtschaftsordnung ist es, uns so zu individualisieren, dass Fragen nach dem N�chsten, dem Anderen oder gar der Erde vollkommen unwichtig werden. �That�s not your business.� Ist ein Satz den, ich schon in den 80er Jahren immer wieder zu h�ren bekam. Heute klingt das von einem f�hrenden US-Management-Guru so: �Wir sind die Chefs der Ich Agentur und unser Topjob ist, Marketing-Chef f�r die Marke �Ich� zu sein. Es kommt im Leben auf den richtigen Dress im richtigen Auto beim richtigen Event an�. (N�rnberger 99f.) Jeder verkauft sich, so gut er kann. Keine weiteren Ziele, keine sonstigen Inhalte. Das Leben bekommt �wieder einen Sinn, und das Ego muss sich nicht mehr sch�men, weil Egoismus fr�her einmal als schlechte Angewohnheit gegolten hat.� Martin Luther hat in seiner Theologie des R�merbriefs den S�nder beschrieben als den auf sich selbst verkr�mmten Menschen, den homo incurvatus in se. Er kann nichts mehr denken oder f�hlen au�er sich selbst. Er kreist, m�glichst ununterbrochen um sich selber. Er kann den aufrechten Gang nicht lernen, er muss sich um sich selber drehen, Tag und Nacht. Er oder sie wird nie frei von sich selber - was doch wohl eines der sch�nsten Geschenke der Liebe ist. Ich war ganz hin als ich dich sah. Zu ihm, dem unaufh�rlich mit sieh selber Besch�ftigten sollen wir gemacht werden, das ist die Innenseite der totalit�ren �konomie und ihrer Gewalt.
Ich glaube mit der j�dischen Tradition, was Martin Buber so formuliert hat: Im Anfang war die Beziehung. Wort und Antwort, der Dialog zu den anderen und vielleicht auch zu dem Anderen, der in den Religionen so viele verschiedene Namen hat.
Ich habe oft das Gef�hl, als sei jede Form von Transzendenz undenkbar und unw�nschbar geworden und dies vor allem, weil der Schmerz, der in ihr steckt, das Ungen�gen an dem, was der Fall ist, gar nicht mehr wehtut. Er ist uns entfallen der allgemeine Schmerz der Ungerechtigkeit. Die Religion ist ein St�rfaktor im Wirtschaftsleben, sie behauptet, dass es au�er den Gesetzen des Marktes noch andere geben muss, die das Leben zu seinem Schutz braucht. Lange vor den transnationalen Unternehmen, die uns beherrschen, gab es diesen transnationalen Menschheitstraum f�r alle: vom Recht zu Essen, Obdach zu haben und Arbeit, in die Schule zu gehen und geheilt zu werden. Es gibt aber heute Alternativen zum Neoliberalismus. Der Widerstand gegen diesen neuen Totalitarismus der �konomie w�chst weltweit. Gegner der falschen Globalisierung die sich seit Seattle, Prag, Davos, Quebec, Genua, Porto Allegre immer klarer, immer �ffentlicher gezeigt haben, haben einen wunderbaren einfachen Satz gepr�gt, den ich in �bereinstimmung mit der j�disch-christlichen Tradition finde. �The world is not for sale.� Die Welt, die Luft, das Wasser, die Sexsklavinnen sind nicht Waren, auf denen steht: �Zu verkaufen�. Es gibt Sachen, die man weder kaufen noch verkaufen kann. �The world is not for sale�
Das Leben auf dieser von Gott geliebten Erde steht nicht zum Verkauf an!
Quelle: Arbeitsstelle Friedensdienst der Evangelischen Kirche der Pfalz - Referat Konziliarer Prozess �
Gro�e Himmelsgasse 3, 67346 Speyer, Tel. 06232-671517, dittus@friedensdienst-pfalz.de