Libanesische Krise

 
  • Die Libanesische Krise

 

 

Unser Volk schuf eine nationale und universelle Kultur und schenkte der Welt die Schrift, die Sprache Jesu, das Bier, die erste Zivilisation und der Traum zum Gott zu gelangen. Schenkte jedoch auch die Mathematik, die Astronomie, Alchemie und erste Kanalisation sowie zwei Weltwunder und das erste christliche Reich Edessa.

Durch Gewalt vertrieben, blieb das Volk Mesopotamiens auch in der Zerstreuung, seiner Heimat, seiner Geschichte und seinen Kirchen in Treue verbunden.

In Mesopotamien prägte sich ein geistiges, religiöses und im Libanon sogar auch ein politisches Wesen.

Die meisten Denker und Intellektuelle wussten zwar, dass das Libanon eine Heimat aller unserer Volksangehörigen sein kann, doch dies zeigte sich mehr in der gemeinsamen Ost-christlichen Religionszugehörigkeit. Sie haben allerdings von der einsetzenden Entwicklung in Libanon nicht profitieren können und hofften eher auf maronitischer Unterstützung. Doch diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Und der Krieg hat keiner gewonnen und die Christen in Libanon waren übervorteilt. Es hat sich doch herausgestellt, dass die Unterstützung der Christen im Nahen Osten unentbehrlich war, was auch die maronitischen Politiker nicht bedachten und strategisch ein großer Fehler der christlichen Führer war.

Der Libanon, war seit vielen Jahren zu einem bevorzugten Schauplatz von militärischen Auseinandersetzungen zwischen regionalen und externen Akteuren geworden. Insbesondere die libanesische Zivilbevölkerung musste seit 1975 einen hohen Blutzoll bezahlen. Die Bilanz des libanesischen Bürgerkrieges spricht eine deutliche Sprache: mehr als 170.000 Tote, 300.000 Verwundete,

Die christliche Völkerschaft Libanons mit mesopotamisch-syrischen jedoch auch phönizischen Ursprungs, die ihre Wurzeln in den ersten Gemeinden in Syrien und Mesopotamien hat, sind zum größten Teil maronitischer Kirchenangehörige, leiten ihren Namen dem ´syrischen Heiligen Mar Maron´, der im 5. Jahrhundert mit zahlreichen syrischen Menschen in Mesopotamien lebte. Die Kirchensprache ist das Westsyrische und wurde bis zu den fünfziger Jahren allen Maronitischen Knaben in Abendsschulen gelehrt. Durch die Muslime wurden unsere Volksangehörigen in das Bergland des Libanon gedrängt. 1181 vollzog der maronitische Patriarch mit seinen Gläubigen die Vereinigung seiner Kirche mit der katholischen Kirche in Rom. In der Mitte des 19. Jahrhunderts verübten die Drusen, Massaker an die in Libanon friedlich lebenden syrischen Christen.

Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert hinein ist die Geschichte des Libanons – als autonomes Fürstentum des osmanischen Reiches – eng mit der Syriens verbunden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts baute Frankreich seinen Einfluss im Libanon aus.

Der Alltag in der Politik des Libanons wurde von konfessionellen, persönlichen bzw. lokalen Interessen bestimmt.

Unter den christlichen Gruppierungen des Libanon nimmt die Falange-Partei eine herausragende Stellung ein. Die Falange wurde im November 1936 von Pierre Gemayel gegründet, der mit Hilfe dieser maronitischen Sammlungsbewegung den Aktivitäten der panarabisch orientierten Moslems begegnen wollte und für einen westlich orientierten Staat eintrat. Nach den Konfrontationen zwischen diversen christlichen Milizen um die Vorherrschaft in Ostbeirut und im Mont Liban etablierten sich 1978 die Forces Libanaises (FL) unter der Führung des ermordeten Präsidenten und Syrisch-Maroniten ´Shaikh Bashir Gemayel´, als Einheitskraft aller Kräfte und Richtungen der christlichen Wiederstand im Libanon. Als Verteidiger des Status quo waren die Forces Libanaises daran interessiert, die Hegemonie der Christen im Libanon und ihre Identität als Nichtaraber mit allen Mitteln zu erhalten. Sie versammelten Christen verschiedener Konfessionen in Organisationen und in einer militärischen Kraft.

Der Aufstieg der PLO und die Aufnahme des bewaffneten Kampfes gegen Israel von libanesischem und jordanischem Territorium aus, sowie die Einmischung in innere Angelegenheiten des Libanons und die Mitverursachung eines langen Krieges - mit dem Ziel die Überwindung der Nichtarabisch-Christlichen Hegemonie im Libanon – stellte dem libanesischen Staat vor größte Probleme. Es gelang der libanesischen Administration nicht, die Kontrolle über die palästinensischen Flüchtlingslager zu erlangen, die zu politischen und militärischen Zentren der palästinensischen Organisationen und der Gewalt wurden. Das verstärkte sich nach der Vertreibung der PLO im September 1970 aus Jordanien.

Die Tatsache, dass die Palästinenserfrage sich verschärfte zu einer Auseinandersetzung zwischen dem islamischen Lager, welches die PLO für seine eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren versuchte, und den christlichen Kräften, die Beendigung der palästinensischen Präsenz in der Zedernrepublik mit Waffengewalt anstrebten, ebnete den Weg für die Intervention der Nachbarländer Syrien und Israel.

Der libanesische Bürgerkrieg hatte eine Situation geschaffen, die es der Regierung in Damaskus erlaubte, als sogenannte Friedensstifter aufzutreten und die terroristische Hisbullah sowie die letzte verbliebene Operationsbasis der Palästinenser unter ihre Kontrolle zu bekommen. Bis zum heutigen Tag und trotz internationalem Druck, ist die syrische Besatzungsarmee mit 30000 Soldaten im Libanon stationiert, die das gesamte Land kontrollieren.

Im Juni 19 zogen sich die israelischen Soldaten aus dem Südlibanon zurück, die Likud-Regierung in Jerusalem fasste jedoch den Entschluss, eine eigene Sicherheitszone nördlich der internationalen Grenze einzurichten und deren Kontrolle nicht der UNO, sondern der südlibanesischen Miliz anzuvertrauen, der eng mit ihnen kooperierte. Doch nach dem überraschenden Abzug der israelischen Streitkräfte aus Südlibanon, löste sich diese Armee auf und brachte das Gebiet in den Händen islamitischer Fundamentalisten.

In den Ostchristlichen Institutionen, die in sehr aktiven Institutionen, die zu den verschiedenen Christlichen Milizen nah standen, bildete sich einen Intellektuellen- und Politikerschicht, die ein spürbares Interesse an der aktiven Teilnahme am politischen Leben in Libanon gezeigt hat. Es zeigte sich jedoch auch, eine aktive politische Arbeit im Rahmen der Nationalbewegung, was ein frisches Wind und alternative freie Ideen und Meinungen in diese Bewegung in der ganzen Welt brachte. Auch innerhalb der LF haben sich Angehörige der SHURAYA und der Alrabita Alsuryania organisiert.

Es konnten sich jedoch Gemeinden und Gemeinschaften Einwanderern etablieren und nehmen an dem libanesischen Gesellschaftsleben teil.

Als General Michele Aoun im März 1989 zu einem nationalen Befreiungskrieg gegen die syrische Besatzungsmacht aufruft, bombardiert die syrische Armee, die christliche Ostbeirut und vertreibt Aoun im Dezember 1990, die christlichen Gebiete litten unter Anarchie und viele Ost-Christen fielen Opfer. Seit dem werden christlichen Oppositionelle verfolgt, inhaftiert und vor politisierten Gerichtsverhandlungen gestellt oder fallen auch Opfer von Attentaten.

Alle libanesischen Milizen auch die Einheitskraft des christlichen Wiederstandes – die Libanese Forces – wurden entwaffnet und aufgelöst. Mit Ausnahme der Hisbollah. Syrien sieht in dieser schiitischen Miliz ein geeignetes Druckmittel, um Israel zu größeren Konzessionen im Hinblick auf eine potentielle Rückgabe der Golanhöhen zu bewegen.

Viele Ost-Christen wandern aus. Viele ihrer Verbände und Institutionen, werden geschlossen und es beginnt eine Zwangsauswanderung der Christen und eine rigorose Arabisierung und Islamisierung des Landes. Zu beobachten ist auch eine veränderte Einstellung der unter Repressalien Lebenden Menschen und eine mehrheitliche Position gegen das syrische Präsens. Doch zu beobachten ist auch eine Zunahme der Macht pro-syrischer Politiker. Doch eine bessere Zusammenarbeit der Kräfte des christlichen Widerstandes ist zu sehe, worin auch aktive assyrische Mitarbeit zu sehen ist. Eine Meinung von der einen Nationalen Zugehörigkeit bildete sich. Auch eine Zusammenarbeit von verschiedenen irakischen und libanesischen Organisationen innerhalb unseres Volkes ist zu beobachten.

Die veränderte regionale Umwelt, hob die fundamentalen kulturelle Unterschiede zwischen den in der Region lebenden Völkern hervor und brachte unserer Volksgruppe einen gemeinsamen Bewusstsein. Der Bürgerkrieg, der die Menschen in dem ehemaligen Schweiz des Ostens traumatisierte, ist zwar zu Ende, doch der Krieg in den Köpfen der Fundamentalisten tobt immer noch. Die religiöse Trennlinie zieht sich durch viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Gebiete, Dörfer und Stadtbezirke sind nach einzelnen Religionen aufgeteilt, Parteien, Medien und zum Teil sogar Bildungseinrichtungen werden von einzelnen Religionsgemeinschaften geleitet und finanziert.

Unser Volk ist dem Nationalismus und der Entstehung der Staaten des Nahostens als Opfer gefallen.

Das Verlangen mal nach Rückkehr nach Mesopotamien, mal nach einem eignen Staat wurde für einen großen Teil unserer Schwestern und Brüdern, die in der Verschleppung und Verfolgung lebten, eine Hoffnung, die irgendwann Realität werden.

17000 Menschen blieben schlichtweg verschwunden und mehr als 800.000 Vertriebene sind seit 1975 zu beklagen und der Leid und die Vertreibung der Ostchristen hört noch nicht auf.

 

Der Libanon bleibt jedoch in den Herzen vieler von uns, als eine Heimat, die vielen unseren Volksangehörigen nicht nur ein Asyl anbot, sondern ein geliebtes Vaterland mit dem sich die meisten identifizieren können und viele sogar darin schon lange ein zweites Bet Nahrin sehen – mit Städten, deren Namen auf den gemeinsamen Ursprung hindeuten.

 

 

  • Kommentar zu einem Artikel zu Hisbullah in der Tagespost

 

In der Tagespost vom 12.03.2005 schrieb Stephan Baier über die Lage im Nahen Osten und speziell die Länder Syrien, Irak und Libanon. Ich möchte wegen der Aktualität und der interessanten und konstruktiven Ansicht, auf die von ihm beschriebene Lage in Libanon.

Stephan Baier beschrieb die jüngsten Demonstrationen, dass diese die Bruchlinien durch das Land zeigen. Denn „nicht nur die christlichen, sunnitischen und drusischen Oppositionellen, können Zehntausende „Syrien raus!“-Rufer auf dem Beiruter Märtyrerplatz versammeln. Die schiitische Hizbullah („Partei Gottes“), die aus Damaskus und Teheran unterstützt wird, kann es auch. Ist die Hizbullah eine terroristische Organisation oder ein Teil des real existierenden politischen Spektrums im Libanon die Amerikaner haben sie auf ihre Terror-Liste gesetzt, doch in Damaskus spenden iranische Pilger in schiitischen Moscheen ihr Kleingeld für die Kämpfer im Libanon.“
Nun sicherlich vertritt die fundamentalistische islamistische Hisbullah, eine extremistische Linie der Schiiten in Libanon, die auch ab Breite gewonnen hat. Doch diese Organisation ist nicht alleine, Vertreter der Schiiten in Libanon, sondern gibt es noch die Amal-Bewegung des Parlamentspräsidenten Barri, die im Bürgerkrieg eine große Rolle spielte.
Doch Hisbullah hätte ohne die politische, moralische und finanzielle Unterstützung des Irans und Syriens, nie zu dieser Größe gelungen. Und änderten damit die politische Landschaft des Libanons.
Die Hände der Terroristen dieser Organisation sind mit dem Blut der Christen befleckt. Besonders im Süden Libanons, schikaniert die Hisbullah seit dem Abzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon die christliche Bevölkerung in mehreren Gebieten. Sie bildet einen Staat im Staat und verfolgt sogar frühre Angehörige der SLA, die früher das Gebiet kontrollierte und zur Mehrheit aus Christen bestand. So hat die Hisbullah viele Christen dazu gezwungen auszuwandern.
Hisbullah ist auch laut amerikanischen Quellen verantwortlich für Attentate gegen die Amerikaner (241 Marines 1984) und andere westliche Ausländer im Libanon.

Dann beschreibt Baier, die Rolle des Patriarchen der maronitischen Kirche von Antiochien Kardinal Mar Boutros Nasrallah, als „die größte moralische Autorität im Widerstand gegen die syrische Besatzung“.
Er zitiert einige Aussagen seiner Eminenz: „Die Libanesen könnten alle ihre Probleme selbst lösen, wenn nur die Syrer endlich das Land freigeben. Wenn die Syrer aufhören, die Politik des Libanon zu dominieren und seine Wirtschaft auszusaugen, dann würde auch die Abwanderung junger Libanesen enden, ja viele würden zurückkehren“
Meiner Meinung nach, er hat Recht, denn viele christliche Geschäftsleute werden ihre Geschäfte wieder im Libanon betreiben und viele Junge Menschen, die keine Arbeit oder irgend eine wirtschaftliche Initiative in Libanon sehen, werden nach der Abschaffung mafiöser Strukturen, ihre Chance in der zu erholenden Wirtschaft finden.

Dann geht Baier in die demographischen Strukturen Libanons und schreibt: „Vor 1975 waren die Christen im Libanon in der Mehrheit; heute stellen sie noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung. Vor allem junge Christen verlassen seit Jahrzehnten das Land. Die maronitische Emigration nach Lateinamerika, Australien und Frankreich ist längst größer als die größte christliche Gemeinde in der Heimat. Seit der Zeit der Kreuzzüge sind die Maroniten engsten mit dem Papst in Rom, und politisch auch mit Frankreich verbunden...... Ihre muslimischen Landsleute sehen den Libanon aber nicht als östlichsten Außenposten Europas und des mediterranen Raums, sondern als Teil der arabischen Welt.“
Was hält ein Land zusammen, wenn sich vier von zehn Einwohnern nach Westen, die übrigen aber nach Osten orientieren? Syriens starke Hand, sagten die Syrer. Ein ausgetüfteltes System von Proporz und Kompromiss, sagen Syriens Gegner: Der Staatspräsident muss laut Verfassung maronitischer Christ sein (wenngleich Präsident Emile Lahoud paradoxerweise pro-syrischer Maronit ist), der Ministerpräsident sunnitischer Muslim, der Parlamentspräsident Schiit. Die Mandate der Nationalversammlung sind paritätisch auf Christen und Muslime verteilt, und auch die Armenier haben als anerkannte Volksgruppe ihre Sitze. Unter den 18 offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften wachsen die Schiiten (etwa 33 Prozent) am stärksten, während die Christen (
Maroniten , Griechisch-Orthodoxe, Griechisch-Katholische und katholische wie orthodoxe Armenier) die stärkste Abwanderung erleben.
Hier erwähnt Baier allerdings die Syrisch-Orthodoxe Kirche in Libanon nicht, obwohl diese die größte der sogenannten (Minderheitskonfessionen) bildet und größer als die orthodoxe armenische Gemeinde ist. Doch die Armenier konnten Dank der klugen politischen Arbeit ihrer Organisationen, nicht nur die Anerkennung als Religionsgemeinschaft erreichen, sondern haben den einen armenischen Sitz im Parlament.
Es werden zur Zeit die Stimmen höher, einen Sitz für die Syrisch-Orthodoxen zu erringen, was durchaus möglich ist, doch nur bei der richtigen politischen wette. Wenn jedoch die Syrisch-Orthodoxe Gemeinde nicht souverän und Libanongerecht auftritt, müssen wir damit leben, dass wir weiterhin nur ein Teil der Minderheiten bleiben. Doch ich bin mir sicher und ich optimistisch, dass Libanon, anders ist als der Rest der Nahoständern und die Syrisch-Orthodoxen in Libanon, kein Opfer innerlicher Zerstrittenheit werden. Sie werden keine externen und störenden Kräfte erlauben, eine Rolle im politischen Leben der Gemeinschaft zu spielen.
Bei allem Respekt und aller Ehre allen Gläubigen unserer Syrisch-Orthodoxen Kirche in den anderen Ländern des Nahosten und in den Ländern der Zerstreuung, sehe ich die syrisch-orthodoxe Libanesen, durch die vielen Jahren des Bürgerkriegs und die bereichernde politische Landschaft Libanons, so erfahren, dass primitive Politik, externe Einmischung und reine parteiische Interessen, keine dort Chance hat.
Doch ich sehe in dem neuen Libanon nicht nur die Widererstarkung der öffentlichen Aktivitäten politischer Organisationen wie
SHURAYA , sondern auch eine Wiederaufblühung der kulturellen und sozialen Verbände und Gemeinschaften unseres Volkes, mit der alten Identität, die immer eine Leuchte waren und eine fruchtbare Erde, für die Nationalbewegung und pan-mesopotamistischen Gedankenwerte.

Raif Toma
19.03.2005

 
     

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