Kerpen (AP) Ein Spezialeinsatzkommando der deutschen Polizei hat in Kerpen ohne Blutvergießen einen Geiselnehmer überwältigt, der in Belgien zwei junge Frauen in seine Gewalt gebracht und mindestens eine von ihnen mehrfach vergewaltigt hatte. Bei dem Täter handelte es sich nach Angaben der Polizei um einen 28-jährigen Staatenlosen, der in dem Nachbarland seit 1994 wegen eines anderen Gewaltdeliktes eine Gefängnisstrafe verbüßt, aber vor drei Tagen Hafturlaub bekam.
Der 28-Jährige habe zunächst offenbar ein Sexualverbrechen geplant, berichtete die Polizei in Köln. Er habe seinen Opfern, zwei 20 und 23 Jahre alten Belgierinnen, nach einem Disko-Besuch im belgischen Hasselt aufgelauert. Er täuschte vor, eine Waffe zu besitzen und zwang die Frauen zu einer Irrfahrt durch Belgien, die Niederlande und Deutschland. Unterwegs vergewaltigte er den Abgavben zufolge eines seiner Opfer mehrfach.
Erst in Aachen gelang es der jüngeren Geisel, die den Wagen steuern musste, an einer roten Ampel aus dem Wagen zu flüchten, wie Einsatzleiter Walter Volmer berichtete. Bei der sofort eingeleiteten Großfahndung entdeckten die Polizisten das Fluchtauto leer an der Autobahnausfahrt Kerpen-Buir. Gegen 05.00 Uhr stießen sie dann in einem nahgegelegenen Wald auf den flüchtigen Verbrecher mit seiner letzten Geisel.
In den Verhandlungen mit der Polizei forderte der 28-Jährige die Zusage, nicht nach Belgien ausgeliefert zu werden. Dabei hielt er eine Hand unter das T-Shirt seines Opfers, um eine Waffe vorzutäuschen. Erst nach der Zusage ließ er sein letztens Opfer frei und wurde anschließend von Spezialkräften überwältigt. Vollmer zufolge wurde er dabei leicht verletzt. Eine Waffe fand die Polizei bei dem Geiselnehmer nicht.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kidnapper nun Nötigung, Geiselnahme und mehrfachen sexuellen Missbrauch vor. Es sei noch offen, ob er auch sein zweites Opfer missbraucht habe, sagte Volmer. Die junge Frau befinde sich in einem psychischen Ausnahmezustand und könne noch nicht vernommen werden.
Trotz der taktischen Zusage der Polizei in der Auslieferungsfrage werde der Prozess gegen den 1972 in Genk in Belgien geborene Staatenlosen voraussichtlich im Nachbarland stattfinden, hieß es in Köln. Da die Opfer aus Belgien stammten, der Täter dort eine Haftstrafe verbüße und die Tat auch in dem Nachbarland ihren Anfang nahm, werde er einem Auslieferungsgesuch sicherlich stattgeben, sagte Staatsanwalt Alfred Willwacher.
Wegen der Geiselnahme musste die Autobahn 4 Aachen - Köln bei Kerpen-Buir für mehrere Stunden in beide Fahrtrichtungen gesperrt werden. Dadurch kam es zu kilometerlangen Staus.