MEINE ERLEBNISSE ALS KIND MIT GEWALT
UND DIE FOLGEN DAVON IN MEINEM HEUTIGEN LEBEN
Meine gesamte Kindheit war nicht gerade auf Rosen gebettet. Als erster Sohn eines Jugoslawen und einer Deutschen hatte ich in meinen jungen Jahren wirklich nichts zu lachen, denn ich habe Tag für Tag die Tobsuchtsanfälle meines Zeugers am Körper zu spüren bekommen. Schläge waren an der Tagesordnung, es verging kaum ein Tag, an dem er mir nicht irgendwelche blauen Flecken, Striemen oder Blutergüsse zufügte, so daß ich vor Schmerzen kaum noch laufen konnte.
Mein Vater war Alkoholiker, was besonders schlimm wurde, als mein ein Jahr jüngerer Bruder ganz plötzlich im Alter von 13 Jahren an einem bis dahin unentdeckten Gehirntumor verstarb. Von diesem Tag an war der Alte nur noch am Saufen und heulte dann seinem verstorbenen Sohn hinterher. Diejenigen, die am Leben waren, wurden von ihm mißachtet und geschlagen, ganz besonders ich. Ich hatte bald das Gefühl, er hätte sich gewünscht, ich wäre anstelle meines Bruders gestorben, aber ich denke heute, er hätte dann denselben Zirkus veranstaltet. Nur - die Wut hätten dann eben andere zu spüren bekommen.
Neben der täglichen Schläge wurde ich zum Arbeiten verdonnert. Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Kinderzeit einmal etwas von den Sommer- und den Herbstferien gehabt zu haben. Da wurden zehn Morgen Rüben zum Bearbeiten angenommen, bei der Getreideernte mußte ich helfen, ebenso bei der Kartoffel- und der Rübenernte. Nebenbei durfte ich Zeitungen austragen, Holz hacken oder den Schweinestall ausmisten. Wenn ich das rein körperlich nicht geschafft habe, durfte ich zur "Belohnung" ins Bett, ohne etwas zu essen bekommen zu haben. Und Geld für meine Plackerei - das habe ich nie gesehen, alles hat der Alte eingesackt und damit den großen Mann gemiemt.
Ich kann mich noch daran erinnern, wie er mich zusammengeschlagen hat, als ich in der vierten Klasse hängengeblieben bin. Er hat nicht nach der Ursache gefragt, die ja in seiner Brutalität zu finden war und die mir jeden Nerv und jede Kraft für alle anderen Dinge des Lebens, auch für die Schule, geraubt hat. Er schlug mit einem Weidenstock, den ich nach seinen Anweisungen noch selbst holen mußte, auf mich ein, als hätte er einen Teppich vor sich, den es auszuklopfen galt. Ich dachte, er würde mich totschlagen, denn es hörte überhaupt nicht mehr auf. Und zu meiner "Freude" durfte ich am nächsten Tag Holz hacken, damit ich auf andere Gedanken komme, wie er so schön sagte.
Auch, als ich später in der Lehre war, hat sich für mich nichts geändert. Im Gegenteil. So mußte ich von morgens 8 Uhr bis abends 18.30 Uhr im Geschäft stehen und durfte in meiner Freizeit Frondienste für meinen Alten leisten. Meine Ausbildungsvergütung hatte ich pünktlich auf Heller und Pfennig abzugeben, undzwar bis auf den letzten Pfennig. Das hat meine Freude an der Arbeit nicht gerade gefördert, aber ich war ja froh, möglichst lange aus der Reichweite des Alten zu sein. So hatte ich wenigstens etwas Ruhe, aber innerlich braute sich mein ganzer Haß gegen ihn zusammen.
Und dieser brach dann auch aus, als ich eines Tages in der Mittagspause nach Hause kam und meinen Lehrlingslohn noch nicht erhalten hatte, weil mein Chef am Vormittag nicht dagewesen ist. Das hat der Alte nicht begriffen, schnappte sich das Brot von Tisch und schlug damit auf mich ein mit den Worten: "Du faules Schwein frißt nur auf meine Kosten!" - Genau in diesem Moment ist meine Sicherung durchgebrannt. ich sprang auf, packte den Alten in die Haare, riß ihn vom Stuhl und warf ihn auf den Boden. Als er wieder aufgestanden war und auf mich zukam, schubste ich ihn von mir weg - direkt gegen den Küchenschrank, dessen Oberteil auf ihn stürzte. Damit war er zunächst einmal ko und ich fuhr wieder zur Arbeit.
Was ich nicht wissen konnte: Er hatte sich an diesem Nachmittag wieder einmal sinnlos besoffen und wartete nur darauf, daß ich nach Hause komme. Gleich ging er wieder auf mich los, er wollte ja immer noch das Geld haben, was ich eigentlich schon Mittags abliefern mußte. Ich habe es ihm gegeben, indem ich die 80 Mark in kleine Schnippsel zerriß und ihm diese vor die Füße warf. Ich habe ihm gesagt, daß er sich nicht noch einmal wagen sollte, mich auch nur noch ein einziges mal anzufassen, sonst würde ich für nichts mehr garantieren. Ich war damals ohne jeden Gewissensbiß in der Lage, den Alten umzubringen.
Schlimm an meiner Situation war ja auch, daß ich überhaupt nichts durfte, was mir einmal Spaß bereitet hätte. Freunde durfte ich auch nicht haben, jeder, der sich für mich interessierte, war in seinen Augen ein Verbrecher. Daß er selbst der Verbrecher war, vermochte er nicht einzusehen. Ich würde schließlich auch in der Schule gehänselt, weil ich der Schwächeste von allen war, und das bekam ich oft genug zu spüren.
Und was taten die anderen, die von meinem Märtyrium wußten? Nichts! Wirklich, es ist nicht zu glauben: Alle wußten von meinen Qualen, aber keiner unternahm etwas dagegen! Meine Mutter war dem Kerl nicht gewachsen, sie wurde selbst oft genug geschlagen und getreten. Meine Lehrerin sprach mit ihm, aber es gab keine Einsicht, ebensowenig nach Gesprächen mit dem Jugendamt und meinem Lehrherrn. Selbst der Rest der Verwandtschaft ist ihm in den Ar... gekrochen, nachdem er versicherte, ich sei selber Schuld, weil ich doch ein so faules Schwein bin. Mehr will ich dazu nicht schreiben, allerdings einmal analysieren, was meine traumatischen Kindheitserlebnisse für mein heutiges Leben bedeuten.
Ich nehme es vorweg: Ich habe das Kindheitstrauma total verarbeitet und habe heute keine Schäden daraus mehr. Das war harte Arbeit an mir selbst, aber dieser Einsatz hat sich wirklich gelohnt. MIR KANN HEUTE KEINER MEHR ERZÄHLEN,ER HABE EINE SCHLECHTE KINDHEIT GEHABT UND DESWEGEN EINE STRAFTAT BEGANGEN. Das ist eine reine Schutzbehauptung, auf die unsere studierten Psychologen und Richter immer wieder reinfallen. Was hat die Kindheit damit zu tun, auf welche Handlungen ich mich 20, 30 oder noch mehr Jahre einlasse? Da müßte ja jeder von uns das Kind geblieben sein, was gerade diese schrecklichen Erfahrungen macht!
JEDER EINZELNE HAT ES IN DER HAND, SEIN LEBEN JEDEN TAG NEU ZUM GUTEN ZU ÄNDERN! Wer das unterläßt, kann keinen anderen - und erst recht nicht seine Kindheit - daran die Schuld geben! Und ich weiß, wovon ich spreche, ich habe es ja selbst erlebt!
Was habe ich heute davon, daß ich meine Kindheit aufgearbeitet habe? Zunächst einmal habe ich einen unheimlichen Gerechtigkeitssinn entwickelt. Wenn ich sehe, daß irgendwo jemandem Unrecht geschieht, bin ich da und prokele solange, bis ich die Ursachen dafür herausgefunden habe und helfen kann. Das begründet auch meinen Hang zur absoluten Wahrheit, was viele Menschen schon zu spüren bekommen haben. Außerdem bin ich recht feinfülig geworden und hin und wieder sogar sensibel. Ich setze mich immer dort ein, wo einem Schwächeren Unrecht geschieht.
Mein besonderes Verhältnis gilt allen Kindern, mit denen ich immer sofort warm werde und die jeden Schutz díeser Erde erhalten müssen. Meine Tochter sagt mir immer, ich sei ein guter Papa, und das erfüllt mich mit besonderer Freude.
Und was ist mit den Menschen, die mich gepeinigt oder nicht geholfen haben? Die habe ich ersatzlos aus meinem Leben herausgestrichen. Der Alte ist schon einige Jahre tot, meine Mutter lebt zwar noch, aber ich habe seit 26 Jahren keinen einzigen persönlichen Kontakt mehr zu ihr, die restliche Verwandschaft ist für mich gestorben und alle anderen haben sich durch Tod oder Umzug selbst erledigt. Und ich habe auch keinen Bedarf, mit denen noch ein einziges mal Kontakt zu haben...
ICH KANN NUR JEDEM RATEN, seine Kindheitserlebnisse, sofern sie schlecht waren, aufzuarbeiten. Das geht nur mit harter Konsequenz sich selbst und allen anderen, die daran beteiligt waren oder noch sind, gegenüber. UND DENKT IMMER DARAN, BEVOR IHR EINE SCHANDTAT - ZUM BEISPIEL AN EINEM KIND - BEGEHT: Das Opfer kann nichts dafür, was andere Dir angetan haben, es trägt daran keine Schuld und darf deswegen auch nicht "bestraft" werden. Wenn Du gerade anders denkst, gehörst Du für mich auf den elektrischen Stuhl, denn eine Bestie hat kein Recht mehr auf sein eigenes Leben. NIMM ALSO DEINE PFOTEN VON KINDERN, FRAUEN UND MÄNNERN, DIR NICHTS GETAN HABEN! Wenn Du Dich schon rächen willst, dann mache das auch an den Tätern und nicht an unschuldigen Menschen, die Du zufällig triffst!
Radovin Zips

Anmerkung: Ich habe meine Geschichte hier stark verkürzt wiedergegeben, weil ich zum einen meine Kindheit nicht mehr aufarbeiten muß, zum anderen aber darauf hinweisen will: ES WAR DIE HÖLLE! Allerdings würde ich nie auf die Idee kommen, ein Kind zu schänden oder eine Frau zu vergewaltigen, um mir meine eigene Stärke zu beweisen. Natürlich bin ich stark, wenn ich auf eine Ameise trete, aber nur für die Ameise. Für mich selbst bin ich allerdings schwach, sonst hätte ich es mit einem Stärkeren aufgenommen. Das ist wahre Größe und nicht das Gejammere von der "verlorenen" Kindheit. DU KONNTEST DICH ALS KIND NICHT DAGEGEN WEHREN, UND DAS KIND, DAS DU ZU QUÄLEN GEDENKST, KANN ES HEUTE GENAUSO WENIG! Also verteidige das Kind und schütze es - dann bist Du wirklich stark!