Tag der Sachsen 2006 in Marienberg

2005 beantragten wir, die damalige HuK Chemnitz/Erzgebirge, Different People, Gerede e.V. Dresden und Gaynial.net gemeinsam einen Info-Stand zum Tag der Sachsen.
Es gestaltete sich schon am Anfang sehr schwierig. Als die erste Frage der Verantwortlichen der Kirchenmeile kam. Hat die HuK überhaupt etwas mit Kirche zu tun? Darauf meine Antwort: Ja klar, HuK ist keine Versicherung, sondern Homosexuelle und Kirche. Lange Gesichter wurden breit, und Marienbergs Kirchglieder wunderten sich, dass Homosexuelle auch im Erzgebirge etwas mit Kirche zu tun haben.
Nun war ja mein Name Tom Haus ein Synonym für Glaube mit allen Extremen verbunden, aber ich musste sie zutiefst enttäuschen, den ich bin ja nun kein Fundamentalist mehr.
Die damalige HuK war etwas, was im Erzgebirge und in der sächsischen Kirche ganz neu war.
Viele Streitgespräche gab es bereits im Vorfeld, bevor sich der Superintendent für uns als die damalige HuK Chemitz stark machte.
Dies hat mir der Superintendent , Herr Pfarrer Tischendorf, im Nachhinein mitgeteilt.
Es war Freitagnachmittag und wir reisten mit unserem Stand an. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben: Bunt, grell, und mit Lebensfreude, ähnlich dem Slogan des Ev. Kirchentages nächstes Jahr. So bauten wir unseren Stand auf, genau neben den Entschiedenen Christen(EC) und dem Kirchentagsbüro. Wir waren gespannt auf die Reaktionen der vielen Kirchenkreise im Erzgebirge und ringsherum.
Wir hatten einen Stand mit vielen bunten Luftballons, einer Musikanlage, aus der meine Stimme laut zu hören war, und Musik von Rosenstolz mitten auf der Kirchenmeile in Marienberg.
Drei Tage voller überraschungen und Gespräche, die wir hier nur kurz wiedergeben können.
Unsere besten und einzig wahren Christen Brüder fragten uns natürlich , wie wir Glauben und Homosexualität
miteinander vereinbaren können.
Leider wussten sie auch keine Antworten auf die vielen Fragen, die wir stellten.
Am ende des Gesprächs mussten wir feststellen, dass die Bibel eigentlich nichts zum Thema homosexuelle Liebe sagt.. Aber das wurde uns oft oder immer nicht geglaubt, besonders von den christlichen Gruppierungen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, uns als Homosexuelle verändern zu können. Wir wurden drei Tage regelmäig von diesen Christenmenschen umlagert, die uns an den Kopf warfen, dass wir Kinderschänder und irregeleitete Menschen seien.
Als wir im Gespräch mitteilten, dass gerade das Problem der Knabenschändung eine Sache aus dem antiken Griechenland war und nichts mit der Bibel zu tun hat, war die Empörung groß aber es kam auch keine Antwort ihrerseits mehr außer das die Bibel verbal inspiriertes Wort Gottes sei und nicht anzweifelbar wäre. Erst nachdem ich ihnen sagte, dass wir uns spätestens an der Himmelspforte wiedersehen würden und dort die Entscheidung fällt, wer von uns in den Himmel kommt wurde es endlich ganz ruhig?
Ich stellte nämlich etwas fest und meinte nur noch Wenn Du jemanden, der von Dir aus geheilt werden soll, es aber gar nicht möchte, weil er sich nicht krank fühlt, als schlechten Menschen darstellst, und dieser sich das Leben nimmt, meinst Du, dass Du dann in den Himmel kommst?
Dann wurde es still um uns, und die Brüder und Schwestern des wahren und einzigen Glaubens schwiegen in heiliger Stille. Amen.
Wir mussten nur lächeln und dachten uns, manche von ihnen geben sich so als wären sie selber schwul, so wie sich aufführten.
Aber auch das andere Extrem kam an unseren Stand. So standen am Samstag Leute von der NPD an unserem Stand und verurteilten uns als Rassenschänder und Volksvernichter, weil wir doch keine Kinder in die Welt setzen würden.
Daraufhin fragte ich einen, ob er selber Kinder hätte. Die Antwort lautete: Nein.
Ich sagte ihm, dann mach endlich los und zeuge Kinder, auf dass mehr Kinder geboren werden. Darauf hatte er keine Antwort mehr und das war gut so, den eigentlich sollte er lieber keine Kinder zeugen, das nicht noch mehr solch irregeleitete Menschlein entstehen.
Der Vorsitzende der sächsischen NPD, H .A , stürzte an unserem Stand vorbei und lehnte ein HuK- Zuckerl ab da könnte man ja schwul werden. Schade dass er keins genommen hat.
Es gab aber auch positive Erlebnisse in diesen drei Tagen.
Der sächsische Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Thomas Jurk kam an unserem Stand vorbei und begrüßte uns auf das Herzlichste.
Er war bereits Schirmherr des CSD in Dresden und sagte, es sei gut, dass wir als Schwulen- und Lesbenvereine vor Ort sind.
Der sächsische Bildungsminister Dr. Steffen Flath begrüßte uns auf das Freundlichste und wünschte uns einen guten Tag der Sachsen.
Wir erlebten drei tolle Tage mit vielen Gesprächen und vielen Stimmen des Volkes: Schön , dass Ihr da seid. So konnten auch viele Vorurteile abgebaut werden.
Wir sind dankbar, dass wir vor Ort waren und grade im Erzgebirge für Freiheit, Gleichheit und Mitmenschlichkeit kämpfen durften.
Es hat grossen Spaß gemacht, dass wir als drei Vereine hier vor Ort sein konnten und uns als Schwule und Lesben und Transgender nicht verstecken mussten.
Danke an alle Beteiligten, die uns mit unterstützt haben mit T-Shirts, Luftballons, Zuckerlis, etc....Danken möchte ich auch den Freunden vom Gerede e.V Dresden und Different People Chemnitz und Gaynial.net, wir waren ein starkes Team. Und ich freu mich schon auf das nächste Mal mit Euch. Übrigens war das Fernsehen auch an unserem Stand.
Wir sind gespannt auf die Zukunft in Sachsen. Wir können Euch nur eins sagen: Es geht aufwärts, auch bei uns!
Alles Liebe
Tom, Michel, Hartmut und alle Freunde und Mitglieder