Berichte über die beiden sächsischen CSD 

 

Es war wieder mal soweit: der CSD bzw. die CSD – Woche in Dresden fand statt. Dieses Mal ging die Parade vom Albertplatz zum Theaterplatz, da der Altmarkt gerade umgebaut wird.

Die Initiative DmK  im LSVD Sachsen.war gemeinsam mit dem LSVD Sachsen auch diesmal mit vertreten an einem Stand.

Während der CSD- Woche konnte man verschiedene Veranstaltungen besuchen, so etwa z.B. einen Leseabend mit der Schriftstellerin Rica Fischer, die ein Buch über das Coming – Out ihrer Tochter geschrieben hat. Der Abend fand im Cafe Sappho , das ein Frauencafe in der Neustadt und einen Besuch auch ohne Leseabend wert ist, statt.

Die musikalische Umrahmung dieses Abends z.B. gestaltete der Liedermacher Tom Haus .

Oder man ging zu einem der trans- und schwullesbischen Filmabende, die unter der Woche angeboten wurden.

Wer in der Woche keine Zeit dafür übrig hatte, sparte sich diese vielleicht für den Samstag auf, um bei der bereits erwähnten alljährlichen Parade mit anschließender Kundgebung teilnehmen oder um abends bei der Abschlussparty im Fahrenheit 100 im Industriegebiet schwofen zu können.

Dies sollte natürlich den Höhepunkt der CSD-Woche darstellen.

Das Motto der diesjährigen Parade war „Regenbogenfamilie – Entdecke die Vielfalt

Am Samstag ging es ab 13:00 Uhr am Albertplatz mit der Parade los. Ein kurzer Regenschauer beim Marsch durch die Neustadt tat der blendenden Stimmung keinerlei Abbruch. Eher im Gegenteil, angenehm erfrischt zog der Demonstrationszug weiter durch die Neustadt, über die Carolabrücke und dann am Terrassenufer entlang zum Theaterplatz.

Die Route war diesmal etwas kürzer, aber dafür war man vielleicht nicht ganz so ausgelaugt vom Laufen.

Die Kulisse direkt vor der Semperoper passte hervorragend zur Feierlaune etwa 2000 Lesben, Schwulen, Transsexuellen sowie Sympathisanten vor Ort. Diese wurden auch vom abwechslungsreichen Bühnenprogramm nicht enttäuscht. Ganz besonders hatte es den Feiernden eine Sängerin angetan, die mit ihrer souligen Stimme dem Theaterplatz einen

leichten Hauch verlieh. Wer es ruhiger mochte, konnte sich mit Speis und Trank stärken, um sich dann den zahlreichen Ständen auf dem Theaterplatz zu widmen.

Wir freuten  uns über zahlreiche informationsdurstige BesucherInnen. Dabei war das Thema „Regenbogenfamilien“ auch immer wieder zugegen. Etliche fragten, ob es eine kirchliche Gruppe für Lesben und Schwule in Dresden gäbe. Wir empfahlen den Christlich Schwullesbischen Stammtisch im Gerede e.V.

Am Stand hatten wir auch großen Bahnhof aus Südostasien. Hierbei handelte es sich um eine Reisegruppe von Singapuresen, die sich allem Anschein nach rein zufällig in Dresden unter die Leute auf der Kundgebung gemischt hatten.

Dabei konnten wir wieder unsere eingerosteten Englischkenntnisse testen..

Mit Händen und Füssen sprechend verständigten wir uns den Umständen entsprechend recht gut. Die Gäste aus übersee wollten unter anderem wissen, um was für Leute es sich bei den bunt angekleideten Menschen, insbesondere den Drag Queens und andere Kostümierte, handelt. Als wir es ihnen erklärt hatten, wurden ihre Gesichter immer breiter, ein Grinsen machte sich breit. Sie sagten, so was Ausgefallenes hätten sie bei sich zu Hause nicht, auch wenn es dort auch Gays gäbe. Weiterhin erfuhren wir, dass es insbesondere in Singapur und muslimischen Ländern wie Indonesien und Malaysia überhaupt nicht einfach, sondern eher sehr schwierig sei für sexuelle Minderheiten und Frauen.

Zum Abschluß ließen wir uns dann noch fotografieren, jetzt gibt es Schnappschüsse von der DmK auch in Südostasien. Vielleicht irgendwann ein Kontaktbüro in Singapur ?:)

Internationale Kontakte des LSVD gibt es ja bereits schon.

Im weiteren Tagesverlauf kamen auch immer wieder Fragen, was denn die DmK  überhaupt sei, gerade unter jungen Menschen gab es kaum Kenntnis von ihr. Die Kenntnis, dass es die DmK gibt, scheint sich zumindest in Sachsen noch nicht weit herum gesprochen zu haben. Deswegen sind solche Tage wie der CSD wichtig, um unsere Präsenz zu zeigen.

Zum Schluß hatten wir alle Hände voll zu tun, unsere Materialien vor einer grossen Regenhusche in Sicherheit zu bringen, aber da war die Kundgebung auch schon vorüber. Etwa um neunzehn Uhr haben wir dann zusammengepackt , blieben aber noch ein Weilchen, um mit den Leuten von anderen Ständen, wie dem von Bündnis 90/Die Grünen oderAmnesty International, zu plauschen.

Wir hoffen, mit unserer Präsenz auf dem CSD Dresden ein Zeichen von Toleranz und Respekt unter Menschen gesetzt zu haben.

 

Als nächste Präsentation der DmK stand der CSD am 21. Juli in Leipzig in unserem Kalender. Gemeinsam mit dem LSVD Sachsen und queerkids e.V. schlugen wir unseren Stand auf dem Nikolaikirchhof auf, an der Stelle, von welcher im Jahr 1989 schon einmal ein Signal friedlichen Demonstrierens ausging.

Beginn war später als in Dresden, diesmal um 14.00 Uhr. Präsent waren neben  der DmK auch der  LSVD und  ILSE Sachsen, die AIDS-Hilfe Leipzig sowie Vertreter verschiedener Parteien Los ging es zuerst mit ein paar  Hinweisen zum friedlichen Ablauf der Veranstaltung und einem Eröffnungssamba, präsentiert von einer professionell wirkenden Samba-Performancegruppe aus Leipzig.

Deren heisse Rhythmen haben den CSD.Teilnehmern so richtig eingeheizt und einen Hauch von Exotik gezaubert, der einen schönen Kontrast zur eher erhabenen und feierlich wirkenden Nikolaikirche und den angrenzenden Gebäuden bot.

Nach dem halbständigen Sambafieber war dann erst mal die Demo angesagt. Der Zug bestand zwar nur aus zwei Wagen, dafür aber aus umso mehr Demonstranten, die schon von weitem hörbar und mit Trillerpfeifen und anderen Instrumentalien „bewaffnet“, für Aufmerksamkeit sorgten.

Die Demo verlief dabei friedlich  über den östlichen Teil des Leipziger Stadtrings und der Innenstadt und kam glücklicherweise nicht ins Kreuzfeuer mit der NPD-Demo, die auch in unmittelbarer Nähe abgehalten wurde. Aufgrund der geringen Anzahl von NPD-Sympathisanten und dem lautstarken Auftritt des CSD-Demozuges drängte dieser rechtsgesinnte Kundgebung an den Rand des Geschehens. Zu allem Verdruß der NPD_Leute hatte ihr Megafon auch noch einen Funktionsschaden, sprich es war kaputt. Vielleicht lag es daran, dass die CSD-Demonstranten einfach ihrem Lebensgefühl Ausdruck verliehen haben.

Wo soviel Energie frei wird, muß ja alles dahinschmelzen.

Während dessen kam es auf dem Startgelände an der Nikolaikirche zum Infoaustausch zwischen den Teilnehmern der einzelnen Informationsstände einerseits und den Informierenden und vielen auf dem Nikolaikirchhof verbleibenden Kundgebungsteilnehmern.

Dabei bahnten sich viele Gespräche und Diskussionen an. Wir am Stand der HuK haben dabei u.a. Lob für unsere Arbeit bekommen, dass es uns gibt und das unsere Präsenz wichtig sei. Darunter waren zu unserem Erstaunen auch immer mal ältere Menschen, bei denen man aufgrund der jüngeren geschichtlichen Vergangenheit, in denen Homo-, Bi- und Transsexualiät ein Tabuthema war, glauben würde, dass sie zu diesem Thema keine für uns positive Meinung hätten. Jedoch waren auch einige kritische Stimmen im Umgang mit der Homosexualität und ihrer sogenannten Verderbtheit zu hören. Eine gute Gelegenheit für uns, Vorurteile aus dem Weg zu räumen und ins Gespräch mit Andersdenkenden zu kommen.

Kritische Stimmen sind immer willkommen, wenn die Kritik angemessen und berechtigt ist. In den meisten Fällen erwiesen sich die Urteile als wirklich haltlos und zeugten meist von Unwissenheit und überheblichkeit. So auch bei zwei jungen Menschen, die monierten, dass man doch Sünder sei,  keine Kinder in die Welt setze und weil es doch so in der Bibel geschrieben steht.. Wir argumentierten, dass man das Leben nicht nur aufs Kinderkriegen reduzieren kann und man nichts gegen Liebe zwischen zwei Menschen sagen könne. Daraufhin meinten sie, dass Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen nicht möglich sei. Wir hielten dem entgegen, dass man Liebe nicht mit Worten aus Büchern erklären kann, sondern erleben muss. Als Antwort kamen nur die Totschlag-Argumente aus der Bibel und dass in ihr, wörtlich wie sie ist, beschrieben sei, was natürlich wäre und was nicht.

Als wir meinten, dass man das Leben nicht wörtlich aus Büchern leben kann, wurden sie etwas zornig.

Wir einigten uns darauf, dass jeder seine Meinung haben könne und man die des anderen respektieren müsse. Damit war das Gespräch dann auch beendet und die beiden zogen weiter.

Es gibt halt auch Meinungen, auf die sich manche Menschen blind berufen und an ihr festhalten wollen als der richtigen Meinung. In diesem Fall sollte man mit dem Herzen denken und diesen Menschen ihre überhöhte Meinung belassen. Was wir als Konsequenz aus diesen Gesprächen gelernt haben, ist, dass alles Gestreite und Diskutieren in diesem Fall wenig Sinn hat und vertane Zeit ist.

Zum Glück sind diese Gespräche eher selten, zeigen aber, dass Aufklärungsarbeit immer noch notwendig ist, vor allem dann, wenn man zunächst auf taube Ohren stößt.

 

Als der Demozug dann wieder auf dem Festgelände eintraf, waren scheinbar die Hälfte länger mehr Menschen anwesend als wie am Anfang, angelockt vom lautstarken Demonstrieren in der Stadt.

Als ein besonderes Schmankerl für Cheerleader-Sympathisanten gab es dann einen Auftritt vom Berliner Gegenstück zu den meist weiblichen Cheerleadern aus übersee.

Eine bunte Truppe von Berliner Jungs zog die Aufmerksamkeit mit bunten Showeinlagen im Matrosen- und Cowboy-Stil auf sich.

Die Leute amüsierten sich kräftig über das bunte Spektakel, einerseits wohl aus Belustigung über dieses doch sehr ungewöhnlich bunte aber sehr schöne Darbietung, andererseits auch wieder über den recht gelungenen Auftritt. Zum Schluß gab es dann vom Publikum gewollte zusätzliche Extra-Einlagen, mit denen die Jungs vielleicht gar nicht gerechnet hatten.

Zum Schluß wurden die politischen Forderungen des CSD, wie Beendung der steuerlichen Ungleichheit, und in Adoptionsfragen die Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren, vorgetragen.  übrigens gab auch die beim CSD vertretene, örtliche Politprominenz zu erkennen, dass sie hinter unseren Forderungen nach einem menschenwürdigen Alltag zwischen Nichthetero- und Heteropaaren steht.

Alles in allem war der CSD Leipzig ein recht gelungenes Spektakel, bei dem der eigentlich wichtigste Teil ,die Menschenrechte, auch seinen Platz hatte. Und man muß zugeben, dass er zwar klein, jedoch programmmäßig gut organisiert war. Ein Lob an die CSD – Veranstalter

 

DmK Sachsen

 

 

 

 

 

 

 

 

                       


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