meine Gedanken |
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Meine Gedanken Als mein Bruder mich Sonntagabend anrief, um mich über den Unfall zu informieren, waren meine ersten Gedanken „Nein, das kann ja gar nicht sein“ und „Sicher ist es doch nicht so schlimm, wie man vermutet“. Aber es war so schlimm und ich konnte es irgendwie gar nicht fassen, sicher war Sascha schon immer ein kleiner „Wilder“, aber das, nein, das konnte ja gar nicht sein. Wie kann man denn so schwer verletzt sein, wenn man seinen Sturzhelm an hatte, wozu sind diese Dinger denn dann nützlich? Mittlerweile war Sascha im Wachkoma und ich hoffte immer nur darauf, dass er bald aufwachen und sich eine Besserung einstellen würde. Als er dann im August nach Hause entlassen wurde, schwanden meine ersten Hoffnungen auf Veränderung und ich dachte über die enormen Belastungen nach, die jetzt auf meine Schwägerin, meinen Bruder, aber auch auf Jennifer, seine Schwester, zukommen werden. Die drei meisterten die schwere Aufgabe jedoch sehr gut und ich kann nur stolz auf alle sein. Dann hieß es auf einmal, nachdem Sascha seine Baclofenpumpe erhalten hatte, die Spastik wird besser und er ist auch lebendiger. Der Arzt schlägt jetzt eine Spezialtherapie in Burgau vor. Oh man, dachte ich, nachdem ich Infos über diese Klinik eingeholt hatte, es bestehen ja immer noch gute Aussichten auf eine Veränderung. Na, Gott sei Dank. Den Versuch ist es auf jeden Fall wert, denn diese Therapieeinrichtung hat einen ausgezeichneten Ruf und bisher auch schon gute Erfolge erzielt. Und jetzt, was soll ich jetzt denken und Sascha wünschen, nachdem wegen des MRS-Keims die Baclofenpumpe wieder entfernt werden musste, die Spastik und auch die Schmerzen dadurch sicher wieder stärker werden und er jetzt auch noch eine Lungenentzündung und Wasser in der Lungen hat. Ich weiß es nicht, ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher. Bisher war immer noch ein bisschen Hoffnung auf Besserung da, aber jetzt!! Sollte ich Sascha vielleicht wünschen, das er friedlich einschläft und seine Qualen endlich ein Ende haben, ist es nicht hart und herzlos, so zu denken? Es ist immer furchtbar, wenn Eltern ein Kind verlieren, aber sollten wir hier nicht darüber nachdenken, was für Sascha das Beste ist? Ich habe selbst noch einen 14jährigen Jungen und ich weiß nicht, wie ich entscheiden würde, wenn ich es müßte. Wir wollen doch für unsere Kinder nur das Beste. Aber, was ist das Beste? Gibt es vielleicht doch noch einen Funken Hoffnung auf eine Veränderung? Ein Leben als Schwerstpflegefall, so wie es im Moment ist, ist Sascha jedenfalls nicht zu wünschen, aber…… Dieses „aber“ ist es, das einen so unsicher macht und warum man nicht weiß, was nun wirklich das Beste für Sascha ist. Alles Nachdenken hat wohl wenig Sinn, vielleicht sollte man doch die Zeit entscheiden lassen und abwarten, was Sascha selbst für sich will, ob er es aus eigener Kraft schafft, denn Maschinen werden ja jetzt nicht mehr angeschlossen und das ist auch gut so, ich finde diese Entscheidung seiner Eltern völlig richtig. Sascha, wir alle möchten dich gerne behalten, doch nicht um jeden Preis. Sascha, hast du dich wirklich heute entschieden uns zu verlassen? Du schläfst jetzt ruhig und friedlich und hast keine Kraft mehr zu kämpfen. Sicher ist deine Entscheidung richtig, denn die Schmerzen und Qualen der letzten Zeit sind dann endlich zu Ende und du hast deinen Frieden. In meinem Herzen und meinen Gedanken wirst du immer bleiben. Ich denke es wird dir dort, wo du dann bist, sicher gutgehen. Heute am 06.02.2007 gegen 7.00 Uhr bist du von uns gegangen. Ich bin sehr traurig, aber auf der anderen Seite auch erleichtert, dass dein Leiden nun ein friedliches Ende gefunden hat. Vergessen werde ich dich nie, aber die Zeit heilt die tiefsten Wunden und es bleiben die schönen Erinnerungen. Ich hatte solche Angst vor dem Tag deiner Beisetzung, aber es ging dann doch noch relativ gut. Ich habe nur immer an deine Schmerzen gedacht und das du nun deinen Frieden gefunden hast. Es waren so viele da, die dich auf deinem letzten Weg begleitet haben, wirklich überwältigend. Deine besten Freunde haben deinen Sarg getragen und etliche Tränen vergossen. Wir alle, aber vor allem deine Eltern und deine Schwester vermissen dich sehr, aber wir gönnen dir deine Ruhe, weil wir alle wissen, das das der beste Weg für dich war. Ich denke oft an dich, denn tot ist nur, wer vergessen ist. Ich weiß, wir werden uns irgendwann wiedersehen. 07.05.2007 Jetzt ist schon ein ganzes Jahr vergangen seit dem Unfall und immer noch kommt es mir so vor als sei es erst gestern gewesen. Ich kann das alles immer noch nicht fassen. Warum hatte ausgerechnet unser Sascha diesen Unfall und warum mußten die Folgen gleich so schrecklich sein? Drei Monate ist es nun auch schon her, das er von uns gegangen ist und dennoch kommt es mir oft so vor, als sei er noch da. Ich sehe ihn in der Schule sitzen und seine Späße treiben oder mit seinen Freunden wie immer Unfug anstellen. Es ist irgendwie seltsam, denn seit meine Familie in der Eifel wohnt hatten wir ja nicht mehr so viel Kontakt und dennoch schmerzt es, das jetzt einer fehlt. Es ist ein seltsames Phänomen, das man an Menschen, die nicht mehr bei uns sind, jetzt öfter denkt als vorher. Ich hoffe nur, das mein Bruder, meine Schwägerin und meine Nichte den Verlust verkraften, denn das Leben muß ja nun mal für uns alle weitergehen, so seltsam es auch klingen mag, aber so ist es nun mal. Vergessen wird man nie, aber der Kummer wird schwächer werden und die Gedanken schweifen dann zu den schönen Erinnerungen. 15.07.2007 Also heute ist wieder so ein Tag, an dem ich ständig an dich denken muß. Vielleicht liegt es ja an dem tollen Wetter und an den Kiddies, die ständig vor meinem Wohnzimmerfenster mit ihren Flitzern vorbeisausen. Gedanken an dich Gedanken an dich, uns traurig machen früher brachten sie uns zum Lachen. Gedanken an dich, jetzt müssen wir weinen, früher ließen sie die Sonne scheinen. Gedanken an dich, den Schlaf uns rauben, wir können es immer noch nicht glauben. Gedanken an dich, werden nie verblassen, wir können es einfach noch nicht fassen. Gedanken an dich, unsere Taten lähmen, wie lange werden wir uns noch grämen. Gedanken an dich, sie sind immer da, keiner kann sagen warum es geschah. Gedanken an dich, wo bist du jetzt nur, doch es bleibt von dir eine Lebensspur. Gedanken an dich, was sollen wir tun, lassen wir dich in Frieden ruhn. Gedanken an dich, es hilft kein Klagen, wir werden den Weg jetzt ohne dich wagen. Gedanken an dich, werden niemals vergehn, ich weiß, wir werden uns wiedersehn. Mittwoch 09.07.2008 Es ist nun schon eine Weile her, das ich hier etwas geschrieben habe, aber ich bin mindestens jeden 2. Tag auf der Homepage und schau mir alles wieder an und lese die Gästebucheinträge. Es geschieht jeden Tag soviel auf der Welt und erst seit deinem Unfall mache ich mir mehr Gedanken darüber als vorher. Hinter jedem schrecklichen Ereignis stehen Hinterbliebene, die trauern und leiden. So viele Kinder verunglücken, werden entführt, vergewaltigt und getötet. Man kann den Schmerz der Eltern nur nachvollziehen, wenn man selbst ein Kind, oder wie in meinem Falle, seinen Neffen in jungen Jahren verloren hat. Unser Pascal wird ja jetzt bald 16 Jahre alt und das Thema Mofa steht auch hier zur Debatte. Pascal aber weiß eigentlich ganz genau wie ich dazu stehe. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich ihm gegenüber nun ungerecht und zu hart bin, denn er wird von uns kein motorisiertes Zweirad bekommen. Ich habe ihm gesagt, das man das Schicksal nicht unbedingt herausfordern solle und er müsse schon bis zu seinem 18. Geburtstag warten und dann kann er seinen PKW-Führerschein machen und bekommt ein Auto. Ich hätte jetzt keine ruhige Minute, wenn er mit einem Mofa oder Motorroller unterwegs wäre. Mache mir ja schon immer Sorgen, wenn er mit seinem Fahrrad fährt und nicht pünktlich zuhause ist. Andererseits stehe ich allerdings inzwischen auf dem Standpunkt, was geschehen soll, das geschieht. Egal wie und wann und wo. Wenn es einem bestimmt ist, kann man es nicht verhindern. Trotzdem bleibe ich diesmal eisern und es gibt kein Mofa oder Motorroller. Es fahren bei uns genug Busse und er kann überall hin, wohin er möchte. Ich hoffe, das ich damit die richtige Entscheidung treffe. Verhindern kann man einen Unfall sowieso nicht, aber man kann das Risiko minimieren. Pascal schaut mich nur an und nickt, ob er mich allerdings richtig verstanden hat und es auch einsieht, bleibt wohl sein Geheimnis. Leider höre und sehe ich von meinem Bruder und seiner Familie in letzter Zeit nicht sehr viel, da man sie kaum erreichen kann. Der Reitstall und das ganze Drum und Dran machen ja eine Menge Arbeit und es bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge. Es hat äußerlich den Anschein, als wenn es ihnen zur Zeit recht gut gehen würde, aber wer kann schon in das Herz eines Anderen schauen und ergründen, wie es darin wirklich aussieht. Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden, aber so recht glaube ich daran nicht. Die Zeit schwächt vielleicht die Trauer ab, aber heilen erden diese Wunden wohl nie. Ich denke immer wieder an Sascha und kann es immer noch nicht so recht begreifen. 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