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Erste Gedanken meiner Mama:
Ich habe in der Schwangerschaft keinen Test machen lassen. Da wir nicht zur sog. „Risikogruppe“ gehören, stand eine Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) für mich nicht zur Diskussion. Rodarn Leonhard wurde in der 39. Schwangerschaftswoche + 5 geboren. Die Schwangerschaft verlief komplikationsfrei, bis zu dem Moment, als wir im Kreißsaal waren. Nach dem ein CTG geschrieben wurde, kam die diensthabende Oberärztin und untersuchte mich. Dann wurde es schon recht hektisch um mich herum. Mein Mann saß in einer Ecke vom Kreißsaal und beobachtete das Geschehen. Ich wurde dann darauf aufmerksam gemacht, dass unser Sohn nun bald das Licht der Welt erblicken sollte mit folgenden Worten: „ Frau Kuhfeld wir holen jetzt ihr Kind!“ Ich darauf: „Nein!“ Und die Oberärztin wieder: „Dooch! Es muss sein!“ Diese Worte werde ich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen.
Das war der Moment, wo gleich mehrere Träume platzten! Aber es sollten noch welche folgen.
Als ich auf dem OP-Tisch lag, meine Fruchtblase geöffnet wurde und ich plötzlich unter Vollnarkose stand, wurde unser Sohn geholt und mein Mann musste draußen warten.
Keine Geburt in der Geburtswanne, keine nervöser Mann der mir beistand, keine Vater der die Nabelschnur durchtrennte und somit seinen Sohn in Empfang nahm. Nichts von dem, was wir geplant hatten. Die Natur lässt sich nicht planen.
Ca. zwanzig Minuten später kamen die Notärzte aus der nahegelegenen Wedau Klinik und nahmen ihn mit. Das wurde mir so erzählt. Wieder platzten ein paar Blasen. Ich kam auf die Frauenstation. Am Tag seiner Geburt durfte ich nicht zu ihm, da wir in unterschiedlichen Kliniken lagen und ich durch meinen Kaiserschnitt leider eingeschränkt war.
Die Situation wurde für mich nahezu unerträglich. Man entwickelt neun Monate mütterliche Gefühle und dann?, wohin damit? Nach einer fast schlaflosen durchweinten Nacht, durfte ich am folgenden Tag endlich meinen Sohn bewundern, wie er seelenruhig in seinem Inkubator lag. Und Minuten später durfte ich ihn auch auf meinem Körper spüren. Das war der schönste Moment, den ich seit dem Weg ins Krankenhaus hatte.
Was war denn nun los? Was war denn mit dem ersten Hautkontakt zu den Eltern...? ... was mit dem Stillen? ...was war das? Ich habe mein Kind erst am nächsten Tag live sehen dürfen und bis dahin nur auf dem aller ersten Bild.
So hatten wir uns das alles aber überhaupt nicht vorgestellt.
Bis zu dem Moment, wo ich endlich auf der Station angekommen war, wusste ich nicht, was mit unserem Sohn passiert war. Wo er war und wie es ihm ging. Nach einiger Zeit kam dann endlich mal eine Ärztin um sich um mich zu kümmern. Das war auch der Moment, wo der Verdacht mir gegenüber geäußert wurde, dass unser Sohn Trisomie 21 haben könnte.
Okay, dachte ich. Vielleicht war der Arzt nur ein wenig müde und konnte nicht richtig aus den Augen schauen, immerhin war es 4:41 Uhr als Rodarn endlich auf der Welt war. Vielleicht irrt sich der Arzt. Vielleicht……
Aus dem Vielleicht wurde leider ein paar Tage später ernst! Der Befund aus dem humangenetischen Labor war da. Unser Sohn hat eine freie Trisomie 21! In dem Moment tat sich der Boden auf und wollte mich hinabziehen. Mein Adrenalinspiegel stieg ins Unermessliche. Ich blieb ruhig, konnten jedoch nicht mehr wirklich zuhören, wollte nur noch weg. Ein Kartenhaus viel in sich zusammen!
Warum wir? Haben wir nicht schon genug durchgemacht? Ich hatte nur den Gedanken, dass ich stark sein muss!!! Meinem Mann ging es verständlicherweise nicht so gut. Und da musste ich die Starke sein. Das gelang mir auch immer, bis mein Mann mir den Rücken zudrehte und nach Hause fuhr und ich mit mir und meinen Gedanken alleine war.
Auf Grund der anfänglichen Schwierigkeiten unter der Geburt musste unser Sohn noch 3 Wochen auf der Kinderintensiv-Station liegen, wo sich alle sehr rührend um ihn und uns gekümmert haben. Dort kam es zu täglichen Kuscheleinheiten und zu den ersten Stillversuchen. Ich bin sehr dankbar für die tolle Unterstützung durch die Ärzte und besonders durch die Schwestern.
In den schönen Vorbereitungsbüchern, die ich in der Schwangerschaft gelesen hatte, stand von einer solchen Situation nichts, und wenn, dann werde ich es wohl überblättert haben.
Auch meine Frauenärztin hat nie von so einer Geburt erzählt. Warum auch? Wer möchte davon auch schon in der Schwangerschaft hören? Nun ja, je mehr Tage vergingen, je häufiger ich meinen kleinen Sohn in seinem Inkubator betrachtete, um so mehr fiel mir auf, dass er gar nicht so auffällig aussah, wie die Ärzte sagten. Vielmehr suchte ich nach Merkmalen, die er von mir bzw. meinem Mann haben könnte. Mütteraugen sehen da wohl doch anders. Dennoch ertappte ich mich dabei, wie ich andere Babys auf der Station und ausserhalb der Klinik teilweise anstarrte und mit meinem Baby verglich. Das sollte also der kleine Mensch sein, den ich neun Monate in mir getragen habe? Das sollte also der kleine Mensch sein, für den wir alles Notwendige gekauft und aufgebaut hatten, dessen klitzekleine Wäsche ich sortierte und mich so oft fragte, wie mag er wohl aussehen? Kommt er mehr nach seinem Vater oder mehr nach mir? Bei jedem Gang auf die Station hoffte ich keinen Arzt zu treffen, der mir sonst wieder irgendetwas erzählen würde, was sie für Untersuchungen mit ihm gemacht haben oder machen wollen. Seine Thrombozyten waren in Unterzahl und musste aufgestockt werden. Das hat er und sein kleiner Körper dann selbst hinbekommen.
Alle anderen Untersuchungen, wie Herzfehler, Nieren, Darm, Magen oder Schildrüsenunter- oder –überfunktion konnten ausgeschlossen werden. Puh.
Ich hätte nie gedacht das Trisomie 21 eine solche Bandbreite hat.
Es gibt so viel Schlimmeres! Schlimmeres als 1 Chromosom mehr zu haben!
Unser Sohn ist keine Bestellung mit Rückgaberecht bei Nichtgefallen!!!
Ich hatte und habe immer noch furchtbare Angst. Könnte ich meiner Rolle als Mutter eines Kindes mit Trisomie 21 jemals gerecht werden? Nein, nein, nein, so wollte ich das nicht. Was werden unsere Familien sagen? Was werden unsere Freunde sagen? Wie werden sie reagieren? Doch egal wie alle reagieren werden, wir 3 sind eine Familie und uns gibt es nur noch im 3er Pack!
Die Kampfgruppe gegen die Böse Welt hat ein neues Mitglied!!
Unsere Eltern waren am Tag da, um den Kleinen Enkel zu besuchen, als wir den Befund von der Ärztin mitgeteilt bekamen. Das war auch ganz gut so, denn mein Mann war alleine zu Hause, da ich ja noch in der Klinik lag. Am selben Tag bekam ich auch endlich das ersehnte Bett in der Klinik, wo auch unser Sohn lag. Auch unsere Eltern reagierten zwar erschrocken, doch auch sehr einfühlsam, gaben uns Kraft und sagten uns jegliche Unterstützung zu. Wir waren aber auf einen solchen Ausgang meiner Schwangerschaft nicht eingestellt. Ausdrücklich möchte ich hier noch einmal betonen, dass dies eine Schilderung meiner ersten Empfindungen ist. Ab dem Tag, an dem wir unseren Sohn mit nach Hause nehmen konnten, die "Familie" sein konnten, die wir wollten, war "alles ganz anders". Der Grund, weshalb ich über meine ersten Empfindungen schreibe ist, weil ich zeigen möchte, wie sehr mein Sohn mich und meine Lebenseinstellung verändert hat. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Rückblickend wäre es für uns viel, viel schlimmer gewesen, wenn wir Rodarn Leonhard bei der Geburt verloren hätten. So danke ich der Oberärztin für ihr schnelles Handeln, denn eine natürliche Geburt hätte Rodarn nicht überlebt, wie mir später mitgeteilt wurde. So haben wir nur einen Traum verloren.
Doch die Träume, die wir mit Rodarn träumen werden, werden bestimmt genau so schön. Wir gehen zur Physiotherapie und zur Frühförderung, nehmen alle Notwendigen Untersuchungen mit und haben auch schon ein paar nette Menschen kennengelernt, denen es ähnlich ergangen ist.
Nun bauen wir täglich an unserem neuen Kartenhaus!!! Und es wächst und wächst!
Wenn andere denken man ist am Boden, dann muss man erst richtig anfangen!!
Sei stark mein Sohn!!! Ich und auch Dein Papa, wir sind soooooooooooo stolz auf Dich!!!!
Als der Befund schriftlich vorlag habe ich viel darüber gelesen und bin immer wieder froh und danke dem lieben Gott täglich dafür, dass wir noch mal Glück im Unglück hatten. Es gibt so viel Schlimmeres! Schlimmeres als 1 Chromosom mehr zu haben!! Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular! |
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