Amandas Katzenkinder Beck Anneliese
An einem wunderschönen Frühlingstag kamen drei kleine Kätzchen in einem Kuhstall zur Welt. Warum ausgerechnet dort? Warum in einem Kuhstall? Ganz einfach: In diesem Kuhstall hatte sich ihre Mama in dem Stroh ein Nest gebaut, damit es ihre Kinder schön warm haben sollten. Und ihre Mama, das war die Katze Amanda. Amanda hatte ein schwarz-weiß-geflecktes Fell, was sehr hübsch aussah. Und sie wohnte auch in dem Kuhstall.
Katzen-Mamas wohnen immer alleine. Sie wohnen nie mit dem Katzenpapa zusammen. Kleine Kätzchen kennen ihren Papa gar nicht. Natürlich haben sie auch einen Papa, und der Papa der drei kleinen Kätzchen war der große rote Kater Attila! Der hatte nämlich ein wunderschönes rotes Fell ohne irgendeinen hellen oder dunklen Flecken darin. Und er war ständig auf der Jagd nach Mäusen. Nicht nur auf dem Bauernhof, wo er eigentlich wohnte, und wo sich auch der Kuhstall befand. Nein, er jagte auch in dem großen Garten hinter dem Bauernhof. In ihn gelangte er, indem er einfach durch den Gartenzaun schlüpfte. Wie der Wind sauste er die Bäume hinauf, um auch nach Eichhörnchen zu jagen! Erwischte er je ein Eichhörnchen? Nie! Immer, wenn er sich im Garten herumtrieb, wenn er durch Beete oder über den Rasen schlich, fingen die Vögel an, ganz laut zu rufen! Sie warnten alle anderen Tiere vor dem roten Kater Attila, der unterwegs sei und man sich vorsehen soll. Wenn die Vögel also solch einen Lärm machten, dann sagte die Bäuerin zu den Kindern: „Jetzt schleicht der Attila wieder durch den Garten!“
Der Kater Attila jagte auch auf den Wiesen rund um den Bauernhof, und er ging zum Fischen an einen Bach, der in der Nähe des Bauernhofes vorbei floss. In diesem Bach gab es nämlich Fische! Und er liebte Fische! Sie waren sein Lieblingsfressen. Und er war ein guter Fischer! Denn er hatte viel Geduld! Er konnte stundenlang am Bach sitzen und die Fische beobachten. Und Zack! Plötzlich fasste er mit einer seiner Vorderpfoten blitzschnell hinein in das Wasser, und wenn er Glück hatte, dann erwischte er einen Fisch! Und wenn er kein Glück hatte, dann schüttelte er seine nasse Pfote aus und trollte sich davon.....Nicht immer hat man Glück!
Wie gesagt: der rote Kater Attila, der Papa der kleinen Kätzchen, wohnte auch auf dem Bauernhof. Er tat aber so, als gehöre der Hof ganz allein ihm, und nicht dem Bauern, der Bäuerin, und schon gar nicht den Kindern! Das große schöne Bauernhaus nämlich, in dem der Bauer, die Bäuerin und die Kinder wohnten, der große Stall, in dem die Katze Amanda und die Kühe wohnten, der große Heuschober, der große Garten, in den er ja gelangte, indem er einfach durch den Zaun schlüpfte, und alle die Wiesen und der Bach: das alles gehörte ihm, dem roten Kater Attila! So tat er wenigstens!
Die Kühe, die in dem großen Stall wohnten, konnten, wenn sie wollten und so oft sie wollten, aus dem Stall aus und ein gehen. Wenn nämlich das Wetter schön war, dann gingen sie gern hinaus und trotteten ganz allein auf eine der Wiesen, die es rund um den Bauernhof gab, und wo oft der Kater Attila im Gras lag. Sie gingen dann immer zusammen, denn sie waren es gewöhnt, immer zusammen zu sein. Kühe sind so. Sie bilden immer eine Herde. So nennt man das, wenn zum Beispiel die Kühe immer zusammen sind: zusammen Stehen, zusammen liegen, zusammen schlafen, zusammen fressen. Und das sind sie immer! Und wenn die Kühe dann auf einer der Wiesen zusammen Gras fraßen oder sich in das Gras legten, dann riefen die Kinder: „Die Kühe sind auf der Weide!“ Denn wenn Kühe das Gras auf der Wiese abzupfen, um es aufzufressen, dann sagt man: „Die Kühe weiden!“ Oft trieben sich die Kühe auch eine Weile auf dem Hof herum, gingen dort hin und her und schauten mit ihren großen Kuhaugen alles genau an. Aber wenn es wirklich kalt war, im Winter zum Beispiel, dann blieben sie ganz einfach im warmen Stall. Denn in einem Kuhstall ist es immer schön warm, auch im Winter.
Der rote Kater Attila also fühlte sich überall auf dem Hof als der King, und er legte sich sogar in die Hundehütte, um sein Mittagsschläfchen zu halten. Und wenn der große schwarze Hund Heiko mit seinen langen Schlappohren in seine Hütte hinein wollte, weil er eben auch müde war und sein Mittagsschläfchen halten wollte, dann fauchte ihn der große rote Kater an, und manchmal schlug er sogar mit seiner rechten Pfote nach der Hundenase, um den armen Hund Heiko zu vertreiben. Und auch, weil er sauer war, dass der Heiko mit den langen Schlappohren ihn aufgeweckt hatte. Da blieb dem armen Heiko nichts anderes übrig, als sich einen Platz irgendwo auf dem Hof im Schatten zu suchen, sich dort hinzulegen und dort seinen Mittagsschlaf zu halten. Oder sich gar in den Kuhstall zu trollen und in eine Ecke zu verkriechen. Dann mussten die Kinder darüber lachen, dass der Attila den Heiko aus seiner Hütte vertrieben hatte, und sie schimpften auch mit ihm. Aber der Attila hörte gar nicht hin und dachte: lass sie ruhig schimpfen: hier in der Hütte habe ich es schön warm und gemütlich!
Wenn der Hund Heiko aber schon in der Hütte lag und der Kater Attila stolzierte vorbei: dann knurrte der Heiko und sprach: „Hier kommst du nicht herein! Das ist mein Haus!“ Und dann versuchte es der Kater Attila auch gar nicht erst, sondern spazierte stolz mit hoch erhobenem Schwanz vorbei und tat so, als sei er gerade gar nicht müde und wolle gar nicht schlafen. Der Schlankl!
Wenn der Kater Attila aber gerade nicht müde war und irgendwo schlief – am liebsten in der Hütte vom Heiko, natürlich – dann trieb er sich also in dem großen Bauerngarten und auf den Bauernwiesen herum, immer auf der Suche nach einer großen fetten Maus und nach Abenteuern. Katzen sind sehr neugierige Tiere, und sie lieben Mäuse, das hat die Natur so eingerichtet, damit es nicht zu viele Mäuse gibt auf der Welt, die ja, wie man weiß, alles wegfressen. Am liebsten fressen die Mäuse Wurst und Speck und harten Käse und Getreide! sogar durch Holz können sie sich durchbeißen. Und damit es nicht zu viele Mäuse auf dieser Welt gibt, die den anderen Tieren und den Menschen alles wegfressen würden, deswegen gibt es auch die Katzen. So ist das in der Natur.
In dem Kuhstall wohnten auch Mäuse. Sie versuchten jedenfalls, dort zu wohnen, aber die Katzenmama Amanda war auch eine gute Jägerin, so gut wie der rote Kater Attila, und sie schaute darauf, dass sich nicht all zu viele Mäuse in dem gemütlichen warmen Kuhstall herumtrieben. Wie gesagt, in dem Kuhstall war es ja so gemütlich warm, und im Frühling, als die drei kleinen Kätzchen zur Welt kamen, da kann es draußen noch ganz schön kalt sein. Besonders nachts! Die Mäuse sind ja sehr kleine Tiere, und deshalb können sie sich gut verstecken, aber die Katze Amanda hatte eine sehr gute Nase und sehr gute Ohren. Und so roch sie die Mäuse und hörte sie rascheln, wenn sie im Stall von einer Ecke in die andere huschten.
Die Kinder auf dem Bauernhof waren ganz entzückt, als sie die kleinen neugeborenen Kätzchen entdeckten. Aber sie getrauten sich nicht, sie anzufassen, und die Bäuerin, ihre Mama, sagte, sie müssten noch eine Woche warten, bis sie die kleinen Kätzchen streicheln oder gar auf den Arm nehmen dürften. Sie seien noch viel zu klein, und sie hätten noch ihre Augen geschlossen und könnten noch gar nichts sehen, und hören könnten sie auch noch nicht. Nur ihre Mama dürfe sie belecken und dürfe sie füttern. Das tat sie, indem sie die drei kleinen Kätzchen an ihrem Bauch an den Zitzen ihres Gesäuges – so nennt man das – zutzeln und saugen ließ. Da konnten die drei Kätzchen so viel Milch trinken, bis sie richtig satt waren und gleich wieder einschliefen. Denn ganz kleine Katzenbabys schlafen sofort ein, wenn sie getrunken haben, und sie wachen erst wieder auf, wenn sie hungrig sind, ganz so, wie die Menschenbabys.
Ihre Mama, die Katze Amanda, war noch sehr jung. Wäre sie älter gewesen, so hätte sie wahrscheinlich mehr Kätzchen auf einem Mal bekommen. Aber ganz junge Katzenmamas bekommen nicht so viele kleine Kätzchen auf einmal, und so konnte sich die Katze Amanda um ihre kleinen Katzenkinder sehr gut kümmern. Sie hatte sich ja in der hintersten Ecke im Kuhstall ein kleines Nest aus Stroh zurechtgemacht. In diesem Nest bekam sie ihre kleinen Katzenkinder, und dort wohnten sie auch alle zusammen, eine richtige kleine Katzenfamilie. Nachdem die Kinder auf dem Bauernhof ihrer Mama erzählt hatten, dass sich bei der Katze Amanda drei kleine Kätzchen an ihren Bauch kuschelten, da stellte die Bäuerin in dem Kuhstall nicht nur ein Schälchen Milch in die Ecke, wie sie es sonst immer tat, nachdem die Kühe gemolken worden waren, sondern sie stellte das Schüsselchen in der Nähe der kleinen Katzenwohnung auf, füllte es immer nach, damit die Katzenmama genug gute fette Milch hatte, und sie legte auch ein Stückchen Fleisch dazu, damit sie nicht auf die Jagd nach Mäusen gehen musste und bei ihren Kleinen bleiben konnte. Und sie wollte auch, dass die Katzenmama selbst genug Milch für ihre kleinen Katzenkinder hatte. Dem Kater Attila aber stellte sie sein Milchschüsselchen vor die Haustüre, wenn er maunzte und nach seiner Milch schrie: „Miau! Miau! Miau!“ Man wusste natürlich nie, wer die Milch, welche die Bäuerin für den Kater aufgestellt hatte, in Wirklichkeit ausgetrunken hatte. Denn der Kater konnte sehr launisch sein! Erst nervte er ganz schrecklich, dann trollte er sich doch davon. Aber die Bäuerin sagte: „Der Attila ist schlau! Der kommt nicht zu kurz! Der bringt sich schon durch!“
In ihrem Nest fühlte sich die Katzenmama Amanda auf die Dauer nicht so ganz sicher. Sie hatte immer Angst, jemand von den Tieren auf dem Bauernhof könnte es finden und könnte ihren drei kleinen Kindern etwas antun, ihnen weh tun vielleicht, oder eines von ihnen oder sogar alle drei wegschleppen. Vor allen Dingen hatte sie vor dem roten Kater Attila Angst, weil der auch immer so wild und ungestüm war. Also verließ sie nach drei Tagen ihr Nest und suchte ein Neues, Besseres, das wirklich niemand finden konnte, nicht der Hund Heiko mit seiner guten Spürnase, nicht der Kater Attila, nicht die Menschen, wirklich niemand, keine Seele! Sie fand es in einer ganz versteckten Ecke des Heuschobers und richtete es dort her, indem sie trockenes Heu niedertrampelte und sich mit ihrem ganzen Körper hin und herkuschelte, so lange, bis sie ein richtig schönes Nest hatte. In den Heuschober gelangte die Katzenmama Amanda durch ein Katzenloch, ein kleines rundes Loch, das ganz unten in der Heuschobertür ausgesägt war, und durch das sie so gerade eben hindurchschlüpfen konnte. Amanda nahm nun jedes ihrer drei Kätzchen ganz vorsichtig in ihr Maul, rannte mit ihm zum Heuschober, schlüpfte mit ihm durch das Loch und trug es in das neue Nest. Als die Kinder merkten, dass die Katzenfamilie aus dem Stall verschwunden war, wurden sie ganz traurig, aber ihre Mama erklärte ihnen, dass Amanda ihre Ruhe haben müsse, dass sie ihre Kinder vor allen versteckt habe, um sie zu schützen, und dass eines Tages die kleinen Kätzchen ganz von selbst auftauchen würden. Tatsächlich war das Milchschüsselchen auch immer leer, wenn die Bauerin nachschaute, um es aufzufüllen, und das Fleisch war auch aufgefressen. Da wusste die Bäuerin, dass das Nest ganz in der Nähe sein müsse und beruhigte die Kinder.
Nach 10 Tagen, das sind so viele Tage wie wir Finger an beiden Händen haben, hatten alle drei Kätzchen ihre Augen geöffnet, sie spitzten ihre Öhrchen und fingen an, eifrig herum zu krabbelten. Eines der Kinder, der ältere Bruder, der Kilian hieß, entdeckte sie nämlich ganz zufällig im Heuschober und rief nach seiner Mama und seinen Geschwistern. Alle kamen schnell angelaufen, auch der Bauer, ihr Papa, und nun konnten sie sehen, dass alle drei Kätzchen ganz verschieden aussahen: Eines war rot-weiß gefleckt, eines war ganz schwarz und eines hatte drei Farben in seinem Fell: rot-weiß-schwarz. „Das ist eine Glückskatze!“ sagte die Bäuerin zu den Kindern, und Amanda, die Katzenmutter, erlaubte ihnen, die kleinen Kätzchen vorsichtig anzufassen und zu streicheln. Als die Familie am nächsten Tag beim Abendessen saß, sagte die Bäuerin zu ihren Kindern:
„Nun müssen wir für die drei kleinen Kätzchen einen Namen finden! Nun was meint ihr?“
Das war aber gar nicht so einfach! Man denke sich einen Katzennamen aus! Da fällt einem zuerst einmal gar nichts ein. Das älteste der Kinder, der große Bruder Kilian also, war für Billy oder Sammy oder Julian, denn so hieß sein bester Freund, dem er am nächsten Tag gleich die kleinen Kätzchen zeigen würde. Seine jüngere Schwester – sie hieß Sophie – war für Jenny oder Holly oder Lena – so hieß ihre beste Freundin. Und der wollte sie die kleinen Kätzchen natürlich auch gleich morgen zeigen. Ihre kleine Schwester Lilly, sie war erst kürzlich vier Jahre alt geworden, wurde ganz traurig. Ihr fiel überhaupt nichts ein, und so piepste sie nur „Fiona“, denn so hieß ihre Puppe. Doch ihre Mama, die Bäuerin sagte:
„Erst müssen wir doch wissen, wer ein Katzenbübchen und wer ein Katzenmädchen ist. Ein kleiner Kater kann doch unmöglich Fiona heißen, oder?“
Daran hatten die Kinder noch nicht gedacht.
„Aber wann werden wir das wissen?“ fragten sie gleich ganz aufgeregt, und die Mama sagte:
„Ich glaube, ich weiß es: Das Rot-Weiß-Gefleckte ist ein kleiner Kater, ein Katzenbübchen also, und die beiden anderen Kleinen sind Katzenmädchen. Und nun könnt ihr Euch etwas ausdenken! Und wenn der Herr Dr. Eder auf den Hof kommt, dann werden alle drei geimpft!“
Das kannten die Kinder, denn der Herr Doktor Eder war der Tierarzt, und er kam öfter auf den Hof und geimpft wurden alle Tierkinder, die auf dem Hof zur Welt kamen, so, wie die Menschenkinder auch geimpft werden müssen.
„Und wann kommt er?“ fragten sie ganz ungeduldig.
„Da müssen wir schon noch ein bisschen warten!“ sagte der Papa, „jetzt sind die Kätzchen noch zu klein. Aber einen Namen könnten wir ihnen schon geben!“
Endlich hatten die Kinder mit Hilfe ihrer Eltern Namen für die drei kleinen Katzenkinder gefunden: das Rot-Weiß-Gefleckte nannten sie Wasti, die Glückskatze hieß von heute an Tris und die kleine Schwarze, das wurde die Gretel.
Die Katzenmutter Amanda erlaubte den Kindern, die Kätzchen, die immer munterer und neugieriger wurden, auf den Arm zu nehmen. Sie wusste ja, dass ihre Kleinen bei ihnen gut aufgehoben waren. Also konnte sie auch mal ein bisschen auf Mäusejagd gehen. Aber sie behielt ihre Katzenkinder doch immer im Auge und passte genau auf, dass ihnen nichts passierte. Die fingen nun an miteinander zu spielen, oder sie spielten mit ihrem eigenen Schwanz, was ganz putzig aussah. Denn da drehten sie sich immer ganz schnell um sich selbst und versuchten, ihre Schwanzspitze zu erhaschen. Doch dann bemerkte die kleine Schwester Lilly eines Tages, dass das Nest im Heuschober wieder leer war – die Katzenmama Amanda und ihre Kinder waren schon wieder verschwunden. Weinend lief sie zu ihrer Mama, aber die beruhigte sie und sagte:
„Die Amanda hat ihre Kinder wieder woanders hingetragen. Sie ist nicht weit. Die Kätzchen kommen schon wieder zum Vorschein!“
„Aber wo könnten sie denn sein?“ jammerte die kleine Schwester.
„Nun sei nicht so traurig, meine Kleine!“ tröstet sie ihre Mutter, „Du wirst sehen, das werden wir ganz schnell erfahren!“ Und so war es auch:
„Stellt euch vor!“ sagte die Bäuerin am nächsten Abend zu den Kindern, als sie alle zusammen zum Abendessen um den Küchentisch versammelt waren, „Die Amanda ist mit ihren Kätzchen wieder in den Kuhstall gezogen!“ Da waren die Kinder aber sehr erstaunt. Warum denn das? Warum hat es ihnen im Heuschober denn nicht mehr gefallen?
„Ich glaube, ich weiß es!“ sagte ihre Mama. „Die Amanda wollte mehr Platz für die Kleinen, denn die können jetzt schon ein bisschen herumlaufen, wie ich beobachtet habe. In dem vielen Heu im Heuschober wären sie dann vielleicht verloren gegangen, und das wäre doch eine Katastrophe gewesen! Stellt euch das mal vor: Sie wären irgendwo im Heu verschwunden, und wir hätten sie vielleicht gar nicht so schnell gefunden! Da hätte ihnen etwas sehr Schlimmes zustoßen können! Da war die Amanda sehr schlau, dass sie wieder in den Kuhstall gezogen ist!“ Also konnten die Kinder die kleinen Kätzchen wieder im Kuhstall besuchen. Wenn aber der rote Kater Attila in den Kuhstall kam, dann versteckten sich die Kleinen sogleich im Stroh und ihre Mama Amanda fauchte den Kater an, damit er nicht zu nahe kam. Der trollte sich dann auch gleich wieder davon. Und auf den Hof hinaus getrauten sich die kleinen Katzenbabys noch lange nicht!
Als die kleinen Kätzchen zwei Monate alt waren, waren sie so sehr verspielt, dass die Bäuerin mehrere kleine alte Stofftiere vom Speicher holte, mit denen sie schon gespielt hatte, las sie selbst noch ein kleines Kind war. Die kleinen Kätzchen waren ganz wild darauf und balgten sich mit ihnen und bissen sich mit ihren kleinwinzigen Zähnchen in ihnen fest. Die Kinder ließen bunte Fäden vor ihren Augen baumeln, nach denen sie haschten, und sie raschelten mit kleinen Stöckchen vor ihnen im Stroh. Die Kätzchen sprangen mit allen Vieren in die Luft und auf das Ende der kleinen Stöckchen und versuchten, es zu fangen und sich mit ihren kleinwinzigen Zähnchen darin festzubeißen.
Draußen war es inzwischen richtig heiß geworden. Es war Hochsommer! Aber im Kuhstall war es schön kühl. Die Kühe befanden sich nun den ganzen Tag über auf der Weide. Sie kamen erst abends zurück in den Stall, wo sie dann auch gemolken wurden. Am folgenden Morgen trotteten sie dann wieder hinaus, nicht, bevor sie eine kleine Weile auf dem Hof hin und her spaziert waren und nachgeschaut hatten, ob auch alles in Ordnung war. Ach! Und dann gab es ja auch noch die frisch geschlüpften Schwälbchen hoch oben im Gebälk des Kuhstalls. Sie hockten in den Nestern, die ihre Eltern gebaut hatten und sperrten ihre Schnäbel auf, wenn der Vogel-Papa oder die Vogel-Mama durch die geöffneten Fenster des Kuhstalls hereingeschossen kamen und auf den Nestern landeten, um ihre Kleinen zu füttern. Denn auch die kleinen Vögelchen, die dazu noch fast nackt waren, denn die Federn wuchsen ihnen erst mit der Zeit, mussten immer fressen, wenn sie nicht schliefen, damit sie groß und stark werden und später ebenso gut fliegen konnten wie ihre Eltern. Die kleine Schwester Lilly besuchte die Katzenfamilie mehrmals am Tag im Kuhstall, und sie hörte auch die Schwälbchen piepsen, aber die Katzenkinder schliefen immer noch sehr viel, und sie saugten immer noch ihre Milch von ihrer Mama Amanda.
Endlich begannen die großen Ferien, und die beiden größeren Geschwister, der Kilian und die Sophie, konnten nun auch den ganzen Tag über auf dem Hof bleiben. Nun mussten sie ja nicht mehr in die Schule gehen. Sie halfen oft ihren Eltern. Besonders der große Bruder saß gern auf dem Traktor und fuhr mit dem Vater hinaus auf die Wiesen, wo sie beide mit der Mähmaschine das Gras mähten und in langen Reihen aufhäufelten. Die kleinen Katzen waren jetzt fast drei Monate alt und begannen überall hoch zu klettern und große Sprünge zu machen. So kletterten sie an einem Holzpfosten hinauf und sprangen von ihm zum nächsten, und sie versuchten auch, bis in das Gebälk hinauf zu klettern. Aber das war ihnen denn doch zu hoch. Allmählich krochen sie im Kuhstall in jede Ecke, in jede Ritze. Deshalb waren sie oft gar nicht zu finden, und die kleine Schwester Lilli hatte dann immer Sorge, die Kleinen könnten endgültig verschwunden sein. Aber ihre Mama beruhigte sie immer, und half ihr im Kuhstall suchen. Und immer fanden sie die Kleinen wieder. Die Bäuerin stellte nun auch für sie ein Futterschüsselchen hin, denn die Kätzchen wollten nicht mehr an ihrer Mama saugen. Amanda hatte auch nicht mehr genug Milch für alle drei. Ihre Kleinen bekamen nun weiches Fleisch, gemischt mit Gemüse, damit sie schön gesund blieben. Und gesund waren sie! Und geimpft waren sie inzwischen auch! Nun war es Zeit, dass sie Katzenunterricht bekamen: ihre Mama, die Amanda, brachte ihnen bei, wie man Mäuse fängt!
Ach! Es war ein herrlicher Sommer, den die Kinder mit den Tieren auf dem Hof verlebten: mit den Kühen, den Hühnern, den Gänsen, den Enten, den Katzen und dem Hund Heiko!
Die schwarze Gretel war die erste, die sich auf den Hof hinaus wagte. Ganz vorsichtig streckte sie ihr kleines schwarzes Köpfchen aus dem Stall und schaute neugierig um die Ecke. Dabei hielt sie ihr rechtes Pfötchen angehoben und spielte mit ihren kleinen Ohren. Natürlich hatte sie auch Angst, aber da kam schon ihre Mama angelaufen und schwups! Sie musste zurück in den Stall. Doch schon nach einer kleinen Weile war sie schon wieder am Stallausgang und wagte ein paar Schritte in den Hof hinein. Da stolzierte der bunte Hahn Tony vorbei und schwups! schon war sie wieder im Stall verschwunden.
Am nächsten Tag lernten alle drei Kätzchen unter Aufsicht ihrer Mama Amanda den Hof kennen. Sie passte genau auf, dass ihre Kinder immer in ihrer Nähe blieben und legte sich dann in den Schatten, um alles zu beobachten. Die Kätzchen hingegen krochen und kletterten herum, und wagten auch gar nicht davon zu laufen. Dafür hatten sie auch noch viel zu viel Angst. Schließlich wurden sie müde und kuschelten sich an ihre Mama. Da führte sie die Mama in den Stall zurück und alle legten sich schlafen. Der große Hof war für sie auch zu aufregend gewesen.
Die kleinen Katzen wuchsen sehr schnell und bald fingen sie an, auf die Bäume zu klettern. Der kleine Kater Wasti liebte das Klettern ganz besonders. Er war sehr mutig und kletterte auf einen großen Nussbaum, der im Garten stand. Auch er war heimlich durch den Zaun geschlüpft, wie er es aus der Ferne beim Kater Attila beobachtet hatte. Er hörte nicht auf die Rufe seiner Mama Amanda. Doch als er ein Stück weit oben im Baum herumturnte, da bekam er plötzlich mächtig Angst und schrie laut nach seiner Mama: „Miau! Miau! Miau!“. Die kam sofort angerannt und kletterte auch hinauf, um ihn herunter zu locken. Sie zeigte ihm den Weg, aber der Kleine war nun so ängstlich, dass er sich gar nichts mehr getraute und nur noch schrie“ „Miau! Miau! Miau!“ Die kleine Schwester Lilli hörte das Geschrei, rannte sofort zum dem Baum und sah den kleinen Wasti jammernd da oben sitzen. Sofort rannte sie zu ihrer Mama, und die telefonierte sogleich mit ihrem Handy mit dem Papa und fragte ihn, wo der große Bruder Kilian sei. Der half gerade dem Papa auf einer Wiese. Also sagte die Mama, der Kilian möge sofort heim kommen und auf den Nussbaum klettern und den Wasti herunter holen. Denn der Kilian konnte sehr gut auf Bäume klettern. Dafür war er berühmt! Der Kilian kam auch sofort heim und stieg auf den Nussbaum. Der Wasti hatte immer mehr Angst und war auch ganz heiser von seinem Geschrei, aber nach einiger Zeit bekam ihn der Kilian doch zu fassen, und er brachte den Wasti auch heil herunter, während die Katzenmama Amanda ganz aufgeregt um den Baum herum lief und Jammerte: „Miau! Miau! Miau!“. Da war noch einmal alles gut gegangen! O.K.!
Mehrmals kam es noch vor, dass eines der kleinen Kätzchen plötzlich Angst bekam und sich nicht mehr getraute, von irgendwo oben, wohin es sich in seiner Abenteuerlust und in seiner Neugier gewagt hatte, wieder herunter zu klettern und dann ganz erbärmlich schrie. Seine Mutter versuchte es dann immer zu locken und kletterte zu ihm hinauf und wieder hinunter, um ihm den Weg zu zeigen. Aber das klappte nicht immer. Das Kleine hatte einfach zu viel Angst! Also musste der Kilian erneut irgendwo hinaufsteigen und das Kätzchen wieder herunter holen. Manchmal musste er zusammen mit seinem Papa die große Leiter holen, um hinauf zu klettern und das kleine Kätzchen zu erwischen. Für die Kinder aber waren die kleinen Katzen wunderbare Spielgefährten. Wenn sie nicht gerade schliefen, waren sie immer munter und zum Spielen aufgelegt, und wenn man sie auf den Arm nahm, dann schnurrten sie!
Vor den Kühen hatten die Kätzchen überhaupt keine Angst, und vor dem Hund Heiko eigentlich auch nicht. Nur vor dem Kater Attila, da hatten sie Respekt. Und vor dem Ganter Adam, der es nicht leiden konnte, wenn sie versuchten, seine Gänse durcheinander zu bringen! Dass sie das nicht durften, das brachte ihnen dieser Gänsemann bei. Die kleinen Katzen jagten zwar die Hühner über den Hof, die kreischend und laut gackernd und flügelschlagend vor ihnen davon liefen und schließlich über den Gartenzaun flatterten, um sich in Sicherheit zu bringen. Und auch der bunte Gockelhahn Tony hatte schon mehrmals die Flucht vor ihnen ergriffen und war seinen Hühnern hinterher geflattert. Doch mit dem Adam war nicht zu spaßen. Der streckte angriffslustig seinen langen Hals ganz weit nach vorne, rannte auf die Kätzchen zu und zischte vor Zorn. Wären die nicht sofort davon gelaufen und hätte er eines von ihnen erwischt, dann hätte er es nämlich ganz schön gezwickt. Zum Glück erwischte er nie eines, denn sie rannten so schnell sie konnten und kletterten – hui – wie der Wind am Spalier hinauf, das sich an der Wand des Bauernhauses befand und an dem saftige große Birnen wuchsen. Ja, was ist denn ein Spalier? Ein Spalier ist ein Gitter, meistens an einer Hauswand, und an ihn lehnt sich oft ein schöner Baum mit ausgebreiteten Ästen, so dass er ganz flach aussieht. So verhielt es sich auch am dem Bauernhof, wo die Katze Amanda mit ihren Kindern lebte. Also: Da konnte der Ganter Adam natürlich nicht hin. Gänse können zwar fliegen, aber klettern können sie nicht. Katzen hingegen können nicht fliegen, denn sie haben ja keine Flügel, dafür aber können sie sehr gut klettern. Wenn so ein Kätzchen also auf der Flucht vor dem Ganter im Spalier saß, dann stand der Adam unten und zischte und schimpfte in die Höhe, dass die Kinder immer lachen mussten. Schließlich machte er sich davon! Dabei fühlte er sich stets als der Sieger! Ha!
In dem Spalier kletterten alle drei Kätzchen sehr gern herum, besonders aber die flinke schwarze Gretel. Sie war auch die erste, die von dort aus durch ein offenes Fenster sprang und im Zimmer der beiden Schwestern landete. Man! War das aufregend. Da roch es ja sooo interessant. So ganz anders, als im Kuhstall oder im Heuschober oder im Hühnerstall, den die Gretel auch schon einmal besucht hatte. Sie kroch in alle Ecken, sprang auf den Tisch, warf ein Schüsselchen um, in dem lauter bunte Knöpfe lagen, die dann alle auf dem Boden herumkollerten, fand ein Wollknäuel, denn die ältere Schwester Sophie lernte gerade stricken, jagte es durch das ganze Zimmer und unter einen Schrank, wobei das Strickzeug zu Boden fiel, sprang in den Puppenwagen der kleinen Schwester Lilli und beschnupperte die Puppe Fiona, sprang wieder heraus und kletterte auf ein Bücherregal. Patsch! Da fiel ein Buch um und ein zweites Buch krachte zu Boden. Das machte einen ungeheuren Lärm, und die schwarze Gretel erschrak davon so sehr, dass sie sich erst einmal unter dem Bett der kleinen Lilli verkroch. Als alles ganz still blieb, kroch sie nach einer kleinen Weile wieder hervor, sprang auf das Bett der kleinen Schwester, und, weil sie von dem großen Abenteuer, das sie gerade bestanden hatte, rechtschaffen müde und so richtig erschöpft war, und weil es dort so beruhigend nach ihrer Freundin Lilli roch, kuschelte sie sich in die Kissen und schlief auch gleich ein. Man kann sich vorstellen, wie überrascht die kleine Lilli war, als sie die schwarze Gretel in ihrem Bett fand. Aber ihre Mama sagte: „Das kommt ja gar nicht in Frage, dass sich die Katzen angewöhnen, in den Betten zu schlafen. Sie wohnen im Kuhstall, und da bleiben sie! Basta!“ Natürlich wusste sie, dass Katzen immer versuchen, ihren Willen durchsetzen, und so kam es auch immer wieder vor, dass die schwarze Gretel bei ihrer Freundin Lilli im Bett schlief. Da war nichts zu machen!
„Ach du liebe Güte!“ rief die Bäuerin ein paar Tage später entsetzt, als sie sah, wie die Glückskatze Tris auf ihrer frisch gebügelten Wäsche, die ordentlich zusammengelegt im Waschkorb lag, herumtrampelte und sich ein Schlafnest zurecht machen wollte. Gerade als das Kätzchen dabei war, sich zusammenzurollen, um ein kleines Schläfchen zu halten, kam die Bäuerin dazu und musste zu ihrem Ärger feststellen, dass die Tris so richtig schmutzige Pfoten hatte. Entsprechend sah die Wäsche aus. Lauter schwarz-graue kleine Tappser, und alles ein Durcheinander! Nun musste die Wäsche noch einmal in die Waschmaschine gestopft und erneut gewaschen werden. Und die ganze Bügelei ging auch von vorne los! Die Bäuerin nahm das Kätzchen und setzte es vor die Haustüre, wo es erst einmal ganz verdutzt und traurig für eine Weile sitzen blieb. Dann trottete es in den Kuhstall – wo es ja eigentlich hingehörte.
Immer wieder schlichen sich die Kleinen in die Küche, wo es doch so aufregend roch! Der Kater Wasti stahl von der Leberwurst, die auf einem Teller offen herum stand, und die schwarze Gretel machte sich über frisch geschlagenen Rahm her, der für einen Kuchen gedacht war, und schlabberte mit einer solchen Lust, dass sie ein ganz weißes Mäulchen und ein ganz dickes Bäuchlein davon bekam und ein jeder sehen konnte, dass sie von dem Rahm stibitzt hatte. Die Bäuerin musste immer wieder schimpfen, aber die Kinder mussten immer über alles lachen, was die kleinen Katzen so anstellten: Gläser und Vasen umschmeißen zum Beispiel, in Blumentöpfen buddeln, sich verstecken.....Es war immer etwas los. Der Wasti langte, zwar vorsichtig, auf die warme Herdplatte, schrie wie am Spieß und versteckte sich sogleich unter dem Küchenschrank, wo er sich seine verbrannte Pfote heftig leckte. „Das hat er nun davon! Der Frechdachs!“ sagte der Bauer, legte sich auf den Bauch und zog den Wasti unter dem Küchenschrank hervor. Dann betrachteten alle die Pfote, konnten aber nichts Besonders daran finden, schon gar nicht, dass die Pfote verbrannt war, und schon bald hüpfte der Wasti wieder auf allen seinen Vieren davon, darauf aus, ein neues Abenteuer zu bestehen.
Herr Dr. Eder, der Tierarzt, erschien wieder mit seinem Jeep auf dem Bauernhof, ging in den Stall und schaute nach den Kühen, ob sie denn auch alle gesund seien. Er hob Heikos Schlappohren hoch schaute in seine Ohren und in sein Maul. „Das ist ganz wichtig!“ sagte er zu den Kindern. „Saubere Ohren und gute Zähne! Wie bei den Kindern! Ihr putzt euch doch jeden Morgen und jeden Abend eure Zähne, oder? Und wascht euch die Ohren? Sehr gut! Bei den Tieren ist es genau so! Da muss man auch immer hinterher sein. Wenn sie sich auch nicht die Zähne putzen können!“ Die kleinen Katzen nahm er mit, denn er sagte: „die muss ich noch einmal richtig behandeln, und das kann ich nur in meiner Praxis machen. Heute Abend könnt ihr sie wieder abholen! Und dann werden sie noch ein bisschen müde sein und lange schlafen!“
So geschah es. Am nächsten Tage blieben die Kätzchen im Kuhstall und schliefen Stunden um Stunden im Wäschekorb, den ihnen die Bäuerin hergerichtet hatte. Eine dicke Decke lag darin, damit sie es schön weich hatten. Und hin und wieder schaute sie nach ihnen.
„Sie sind doch nicht krank?“ fragte die kleine Lilli, aber ihre Mama beruhigte sie, und nach 2 Tagen waren die Katzenkinder schon wieder putzmunter. Eine Woche später setzte die Bäuerin die kleinen Katzen in einen großen Korb, den man verschließen konnte, und fuhr mit ihnen in ihrem Auto zu Herrn Dr. Eder in die Praxis. Die kleine Lilli durfte mitfahren, worauf sie sehr stolz war. Denn die großen Schulferien waren vorbei, und die Geschwister hatten keine Zeit mehr. Sie waren zu sehr beschäftigt.
In der Praxis des Herrn Dr. Eder saßen zwei Hunde im Wartezimmer und schauten ganz ängstlich auf die Türe zum Sprechzimmer. Hin und wieder jaulten sie ganz leise. Dann wurden sie von ihren Frauchen gestreichelt und beruhigt. Wahrscheinlich würden die beiden eine Spritze bekommen, und das hatten sie nicht so gern.
„Obgleich es ja überhaupt nicht weh tut!“ wie die Mama der kleinen Lilli versicherte.
Ach! Was würde wohl mit den kleinen Kätzchen geschehen? fragte sich Lilli. Was würde ihre schwarze Gretel aushalten müssen? Bis jetzt saßen sie alle Drei in ihrem Korb, den die Mama auf dem Schoß hatte, und maunzten vor sich hin. Die Mama sprach immer beruhigend auf sie ein, und sie und die kleine Lilli steckten ihre Finger durch die Gitter des Katzenkorbes und versuchten, die kleinen Patienten zu streicheln.
„Das geht nachher dann ganz schnell!“ beruhigte die Mama die kleine Lilli, „ Weißt du, der Herr Doktor schaut die Katzen nur noch einmal an, ob alles in Ordnung ist. Und weißt du was, Lilli? Wir gehen alle gemeinsam in das Sprechzimmer, du sagst dem Herrn Doktor „Hallo!“ und dann setzt du dich mit dem Korb in eine Ecke. Du bist doch nun schon so groß und so richtig tapfer. Wenn ich eine Katze für die Behandlung herausnehme, musst du nur auf die beiden anderen aufpassen. Und immer mit ihnen sprechen! Das tröstet sie. Dann haben sie nicht so viel Angst und wissen, dass du bei ihnen bist!“
Nachdem nun die beiden Hunde behandelt worden waren kamen Lillis Katzen dran. Die maunzten und jammerten in ihrem Korb, dass es Lilli schier das Herz brach. „Miau! Miau! Miau!“
„Das hilft gar nichts, dass sie so jammern!“ sagte die Mama. „Es wird überhaupt nicht weh tun. Sie haben nur Angst! Sprich nur weiter mit ihnen.“ Und sie nahm den Korb in ihre Hand, und sie und Lilli gingen zusammen in das Sprechzimmer.
„Ja, grüß dich Gott, Lilli! Da freue ich mich aber, dass du mich auch besuchen kommst!“ sagte der Doktor, und Lilli gab ihm brav die Hand und sagte auch „Grüß Gott“ und „Hallo!“ In der Zeit nahm die Mama den Wasti aus dem Korb. Schon wollten die beiden anderen Katzen auch herauswischen und sich verstecken, aber die Mama hatte blitzschnell den Korb wieder verschlossen, und Lilli wurde in eine Ecke auf einen Stuhl gesetzt. Die Sprechstundenhilfe, Fräulein Klara, setzte ihr den Katzenkorb vor die Füße, und Lilli sprach eifrig mit den beiden Kleinen und erzählte ihnen, dass es gar nicht weh tun würde, während die Mama den Wasti auf einen langen, mit einem grünen Tuch bedeckten Tisch setzte. Dabei hielt sie ihn fest, und der Doktor Eder und Fräulein Klara beugten sich unter einer großen sehr hellen Lampe über ihn.
„Gut! Gut!“ sagte der Doktor, „Das sieht alles sehr gut aus!“
Und es tat wirklich nicht weh! Bei allen Dreien ging es ganz schnell, und bei allen Dreien sah es sehr gut aus, meinte der Doktor. Doch als die Mama gerade dabei war, die schwarze Gretel wieder in den Korb zu setzen, entwischte sie ihr und – hui! – fegte sie in eine Ecke, drückte sich hinter einen Schrank und war nicht hervor zu locken. Zuerst versuchte es die Mama, vergeblich. Aber Fräulein Klara hatte längere Arme, als die Mama. Sie zog Handschuhe an, denn die Gretel würde ganz schön kratzen, und schließlich erwischte sie die jammernde Katze: „Miau“! „Miau“! „Miau!“ Ach! Was würden der Papa und die Geschwister sagen, wenn Lilli dieses Erlebnis beim Abendessen erzählen würde! Sie war ganz aufgeregt! Als alle Katzen endlich wieder brav in ihrem Korb saßen, sagte der Herr Dr. Eder zu Lilli:
„Das hat du aber ganz brav gemacht, Lilli, dass du die Katzen so schön beruhigt hast. Da bin ich dir sehr dankbar! Du warst mir wirklich eine große Hilfe!“
Da war die kleine Lilli aber mächtig stolz! So ein aufregender Tag! Nur schade, dass die Mama das Fenster des Kinderzimmers verschlossen halten würde der Kälte wegen. Da konnte die schwarze Gretel nicht heimlich in ihr Bett springen und bei ihr schlafen!
Da täuschte sich die kleine Lilli aber, denn als es schon längst dunkel war, hörte sie ein jammerndes „Miau!“ „Miau!“ „Miau!“ vor der Fensterscheibe. Ihre Schwester Sophie war schon auf den Füßen und öffnete das Fenster. Da war die schwarze Gretel doch glatt wieder am Spalier emporgeklettert und saß auf dem Fensterbrett! Sofort sprang sie in die Stube und war mit einem Satz in Lillis Bett! Ja, was sollte man da machen????
So verging der Sommer, und es wurde Herbst. Die Blätter fielen von den Bäumen, im Garten war alles abgeerntet, und die Katzenkinder waren nun schon so groß wie ihre Mama Amanda und halfen ihr bei der Jagd nach Mäusen. Der Kilian und die Sophie gingen nach den Herbstferien schon wieder in die Schule. Die Bäuerin begann, den Kachelofen in der Stube einzuheizen und kochte warme Suppen. Der Bauer reparierte seinen Traktor und säuberte ihn gründlich, der rote Kater Attila verbrachte seine Tage mehr und mehr im Heuschober oder im warmen Kuhstall, die Kühe gingen nicht mehr jeden Tag auf die Weide, höchstens wenn die Sonne schien, und das auch nur für wenige Stunden!
Da, eines Tages, fuhr ein Polizeiauto auf dem Bauernhof vor. Es hielt mitten auf dem Hof, und aus ihm stiegen zwei Polizisten in ihren Uniformen. Sie gingen sofort in das Haus und in die Küche, wo die Bäuerin gerade Suppe für die Familie kochte. Die Polizisten begrüßten sie sehr höflich und fragten nach den Katzen. Sie hätten erfahren, dass junge Katzen im Haus seien. Der Tierarzt, Herr Dr. Eder, habe den Polizisten die Adresse des Bauernhofes mitgeteilt. Und nun seien sie hier und wollten sich die Katzenkinder anschauen.
Die Bäuerin schüttelte den Polizisten die Hand und sagte: „Kinder sind sie eigentlich nicht mehr. Sie sind inzwischen fast ausgewachsen.“
„Umso besser!“ sagte der eine Polizist.
„Die Katzen sind im Kuhstall.“ Sagte die Bäuerin. „Aber warum ist die Polizei auf der Suche nach zwei Katzen?“
Die beiden Polizisten sagten: „Ja, die Sache ist so: die Polizei benötigt zwei Polizeikatzen. Und der Herr Dr. Eder hat uns versichert, dass Ihre Katzen gesund und gute Mäusejäger sind.“
„Und wozu braucht die Polizei zwei Polizeikatzen?“ fragte die Mama.
„Tja, die Sache ist die...“ antwortete der eine Polizist. „Sie kennen doch den Stall für die Polizeipferde. Der ist doch gar nicht so weit weg von hier!“
„Ja, ja, ich weiß!“ sagte die Bäuerin, „Sie haben an die 15 Pferde dort stehen, gell?“.
„Genau! Und da brauchen wir 2 Katzen für die Mäuse, die fressen uns nämlich sonst den ganzen Hafer weg!“ sagte der Polizist.
Jedermann weiß, dass Pferde nicht nur Gras und Heu fressen, sondern sie bekommen auch viel Hafer, und Hafer ist Getreide, und Mäuse lieben ja Getreide! Das haben wir schon gehört.
. „Ja, wenn das so ist!“ meinte die Bäuerin, „Dann gehen wir hinüber in den Stall und Sie können sich unsere Katzen anschauen!“
Die ganze Zeit über hatte die kleine Lilli mit offenem Mund zugehört. Katzen für einen Pferdestall? Das war ja wieder einmal sooo interessant. Sofort nahm sie die Hand ihrer Mama und tappelte mit in den Kuhstall. Die Bäuerin ließ die Hand der kleinen Lilli los, füllte die Katzenschüsselchen mit Milch und begann, die Katzen zu locken. Die waren im Nu da und begannen sofort zu schlecken.
„Das sind ja wunderschöne Katzen!“ sagte der eine Polizist. „Da würde sich meine Melanie freuen, wenn sie so ein Kätzchen hätte!“
„Aber wir geben keines her!“ wagte Lilli sich einzumischen.
„Wir brauchen aber zwei Katzen, Kleine!“ sagte der andere Polizist zu Lilli, „Wenn die Mäuse im Pferdestall alles wegfressen, dann müssen die Pferde hungern und können nicht arbeiten. Und die Katzen sind groß genug, dass sie auch für die Polizei arbeiten können, meinst du nicht? Du wirst doch nicht wollen, dass die armen Pferde Hunger leiden, oder?“
Nein, das wollte die Lilli natürlich nicht, aber sie kämpfte dennoch mit den Tränen, und der eine Polizist, der Papa von der Melanie, strich tröstend über ihre Haare.
„Ich muss erst mit dem Bauern und den größeren Kindern darüber reden!“ sagte die Bäuerin, „Ich denke, die Schwarz-Weiß-Gefleckte kommt nicht in Frage. Sie ist die Mutter von den dreien.“
„Das ist uns Recht!“ sagten die Polizisten, „Wir kommen in den nächsten Tagen wieder vorbei!“ Und sie gingen zu ihrem Polizei-Auto. Während der eine Polizist in das Auto stieg, sagte der andere leise zu der Bäuerin:
„Mein Kollege hat ein krankes Kind! Die Melanie! Sie kann nicht laufen. Und sie wünscht sich zum Christkind so sehr ein Kätzchen! Wenn Sie sich nicht von Ihren Katzen trennen können, vielleicht geben Sie wenigstens der kranken Melanie eines von Ihren Kätzchen ab?“ Die Bäuerin nickte und gab ihm die Hand. Aber die kleine Lilli war tieftraurig. Die Bäuerin nahm sie in den Arm und sagte:
„Lilli! Ich verspreche Dir, es wird alles gut. Und heute Abend, da verrate ich euch ein ganz großes Geheimnis!“
Ein Geheimnis? Die kleine Lilli wurde ganz aufgeregt und hüpfte in der Küche umher. Dann rannte sie in den Stall, um den Katzen und den Kühen zu erzählen, dass es auf dem Bauernhof ein Geheimnis gäbe. Und sie kroch fast in die Hundehütte, um dem Hund Heiko in sein Schlappohr zu flüstern, dass sie ihm morgen ein großes Geheimnis anvertrauen würde. Und immer wieder fragte sie:
„Mama! Wann ist es endlich Abend, und wann verrätst du uns dein Geheimnis?“
Ach! Es dauerte ewig bis es endlich...endlich Abend wurde.
Als schließlich die ganze Familie um den Abendbrottisch saß hielt es die kleine Lilli nicht mehr aus, und sie plapperte ganz aufgeregt:
„Mama hat ein Geheimnis!
„Ja!“ sagte die Mama, „Das ist wahr, aber zuerst muss ich Euch erzählen, dass heute die Polizei da war!“
„Die Polizei?“
„Ja, die Polizei! Und nun ratet mal, warum!“
In dem Augenblick brach die kleine Lilli in Tränen aus.
„Unsere Kätzchen! Sie wollen uns unsere Katzen wegnehmen!“
„Aber warum denn?“ fragte die Sophie entsetzt.
„Sie sollen in den Polizeidienst, das heißt, eigentlich nur 2 von ihnen.“ Sagte die Mama, und Lilli schluchzte.
„Cool!“ rief der Kilian begeistert.
„Spitze!“ sagte der Bauer, „das ist eine große Ehre für uns!“
„Die Sache ist die!“ fuhr die Mama fort, „Der eine Polizist hat eine kranke Tochter. Sie kann nicht laufen, und sie wünscht sich so sehr ein Kätzchen. Ich denke, wir schenken ihr eines von unseren Katzen!“
„Aber nicht die Gretel!“ piepste die kleine Lilli.
„Und warum nicht?“ fragte der Kilian. „Wo wir doch sowieso alle drei Katzen fortgeben. Da ist das doch egal welche wir ihr schenken!“
„Alle Drei? Alle? Den Wasti, die Tris und die Gretel?“
Jetzt schwiegen sie, auch die Eltern, und nun wurden sie doch traurig, dass sie die niedlichen Katzen weggeben sollten.
„Und jetzt kommt mein Geheimnis:“ sagte die Mama. „Stellt euch vor, die Amanda bekommt bald wieder kleine Kätzchen. Und ich verspreche Euch, die dürfen, so lange sie so klein sind, den Winter über im Haus bleiben!“
Nun waren alle aber wirklich ganz aufgeregt! Wieder sollten sie klitzekleine Kätzchen haben! So kleine Winzlinge, wie sie auch die anderen anfangs gewesen waren.
„Wir müssen dann für die Amanda ein Nest machen, wenn es so weit ist!“ sagte der Vater, „Und wir müssen uns überlegen, wo wir es hinstellen, damit sie ihre Ruhe hat!“
„Aber vielleicht trägt sie ihre Kinder wieder ganz woanders hin!“ gab der Kilian zu bedenken und dachte an den Heuschober. Alle redeten nun durcheinander und freuten sich ganz schrecklich auf Amandas kleine Katzenkinder!
„Und nun überlegen wir, welche von unseren Katzen wir der Melanie schenken!“ sagte die Mama. „Ich denke, sie würde sich sehr über unsere Tris freuen. Sie ist schließlich eine Glückskatze!“ Die Kinder waren sofort einverstanden, auch die kleine Lilli.
„Ihr werdet sehen!“ sagte der Papa, „nichts macht so viel Freude wie das Schenken! Wenn man etwas sehr gern hat und gibt es jemandem, der es sich so sehr wünscht, besonders, wenn derjenige krank ist und überhaupt nicht laufen kann: dann ist das Schenken das Allerschönste und das höchste Glück!“
„Das stimmt!“ sagte auch die Mama, „etwas Schöneres gibt es nicht im Leben!“
Zwei Tage später fuhren nachmittags zwei Polizeiautos vor! Ja, es waren tatsächlich zwei Stück. Aus ihnen stiegen wieder die beiden Polizisten, die Lilli bereits kannte. Sie hatten zwei Katzenkörbe bei sich. Die Mutter hatte die ganze Katzenfamilie in der Küche versammelt, und nun kamen die schwarze Gretel und der Wasti jeder in einen Katzenkorb. Die beiden jammerten zwar ein bisschen, aber sie kannten den Korb bereits und rollten sich darin zusammen. Der Kilian und die Sophie stiegen mit dem einen Polizisten in das erste Auto. Jeder von ihnen nahm einen Korb auf seinen Schoß und beide redeten beruhigend auf die beiden Katzen ein. Denn nun ging es in dem Polizei-Auto – Hurra! – zum Pferdestall. Und das war wunderbar aufregend genug! Als sie den Stall mit den Katzenkörben betraten, streckten alle Pferde neugierig ihre Köpfe aus den Boxen, um zu schauen, wer da zu Besuch kam. Und außerdem versammelten sich mehrere junge Polizisten und Polizistinnen um die Katzenkörbe.
„Macht die Stalltüre zu!“ befahl der ältere Polizist, „Sonst laufen uns die Katzen davon!“
So geschah es, und nun wurden die Körbe geöffnet. Die Kätzchen wollten aber zuerst gar nicht heraus. Es war doch alles so neu für sie, und so unheimlich! Pferde! Sie hatten ja auch noch nie Pferde gesehen! So große Tiere! Schließlich war es die schwarze Gretel, die schon immer die Mutigere war, die ihr Pfötchen in’s Freie schreckte. Nachdem sie ganz herausgekommen war, wurde sie sofort von einer jungen Polizistin auf den Arm genommen und gestreichelt, und die andere junge Polizistin nahm den Wasti auf den Arm und streichelte ihn auch. Dann bekamen die beiden gleich zwei Milchschüsselchen in ein schönes warmes Eckchen gestellt. Die Polizisten stellten nun dem Kilian und der Sophie alle 15 Pferde vor. Alle 15 hatten einen Namen, und die Kinder durften sie streicheln und ihnen Mohrrüben zum Fressen geben. Nachdem sie gesehen hatten, dass man ihnen die Mohrrübe nur einfach auf der flachen Hand hinhalten musste, und das Pferd, das den Kopf senkte, die Rübe sodann mit seinem weichem Maul aufnahm, hatten sie keine Angst und fühlten glücklich die warmen weichen Pferdelippen auf ihren Händen! Dann sahen sie zu, wie die Pferde geputzt und gestriegelt und wie ihnen die Hufe gesäubert wurden. Am liebsten wären die Sophie und der Kilian noch ganz lange im Stall bei den Pferden geblieben. So schön und interessant war es dort! Doch das ging natürlich nicht, denn Polizisten haben immer viel Arbeit und nicht so viel Zeit. Doch sie versprachen, dass die Kinder ihre Katzen hin und wieder besuchen und auch beim Pferdetraining zuschauen dürften.
Ach! Der Abschied vom Wasti und von der schwarzen Gretel! Der fiel ihnen schon schwer!
Aber: wo waren die beiden überhaupt? Ja, Wasti! Ja Gretel! Wo seid ihr denn? Da waren die beiden doch tatsächlich verschwunden und hatten sich wohl in eine Ecke verkrochen! Doch die Milch, welche die Polizisten ihnen hingestellt hatten, die hatten sie ausgeschleckt.
„Ein gutes Zeichen!“ meinte der Polizist, und die Kinder fanden das auch und waren beruhigt. Mit dem Polizei-Auto durften sie wieder heimfahren, und das war wahrhaftig „mega-cool“! Fand der Kilian.
In dem zweiten Polizeiauto aber, da waren die Mama und die kleine Lilli mit ihrem Katzenkorb, in dem sich die Glückskatze Tris zusammengerollt hatte, mit dem Polizei-Papa zu der kranken Melanie gefahren. Die Melanie wohnte mit ihren Eltern in einem hübschen kleinen Häuschen mit Garten. Da war die Bäuerin sehr erleichtert, als sie das sah. Denn da konnte die Tris im Garten herum spazieren und auf die Jagd gehen, wenn ihr danach war.
Die Melanie war schon 14 Jahre alt, ein großes Mädchen also, und sie saß in einem Rollstuhl im Wohnzimmer, als die Gäste eintraten.
„Hallo Melanie!“ sagte ihr Papa, der Polizist, „Hier bringen wir dir eine Überraschung!“
„Hallo Melanie!“ sagte auch die Bäuerin und öffnete den Katzenkorb. „Die Lilli und ich bringen dir eine Glückskatze! Schau mal! Sie hat drei Farben in ihrem Fell. Ist sie nicht hübsch? Sie heißt Tris, weißt du? Und nun sag du auch brav Hallo! Lilli!“
Die Melanie war so freudig überrascht, dass sie überhaupt kein Wort hervorbringen konnte. Noch nicht einmal „Hallo“ und „Grüß Gott“! Voller Glück schloss sie das Kätzchen, das ihr die Bäuerin auf den Schoß gesetzt hatte, in die Arme, und ihrer Mama, die inzwischen mit einem Tablett mit Kaffee und Kuchen, mit Milch und Zucker, mit Tassen, Teller, Löffeln, kleinen Gabeln und Servietten in das Zimmer gekommen war, standen vor Rührung die Tränen in den Augen.
Als die kleine Lilli sah, wie selig die kranke Melanie war und wie sehr sie sich über das Glückskätzchen freute, da war sie selbst so von Herzen glücklich und richtig froh, dass sie die Tris fortgegeben hatten. Und vor lauter Glück und Erleichterung vertilgte sie ein großes Stück Kuchen.
Ende