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Ich verstehe nur Bahnhof - Erfahrungen mit der Telefonauskunft der DB

In meinem Adressbuch suche ich unter "B" wie "Bundesbahn" die Telefonnummer der Auskunft heraus: 1 94 19. Niemand meldet sich. Ich wähle die zweite Nummer, die ich mir irgendwann einmal in Klammern und krakeliger Schrift unter die erste notiert hatte: 01 15 31. Sofort ertönt eine freundli-che Frauenstimme: "Die Nummmer, die Sie ge-wählt haben, ist nicht mehr aktuell. Wählen Sie unser neues Reise-Dialog-System unter der Ser-vice-Nummer 0185 99 66 22. Die Telefongebühren für diese Nummer betragen 24 Pfennig pro Minu-te." Jetzt rufe ich also die dritte Nummer an. Höflich werde ich von einer anderen Frauenstimme be-grüßt. Sollte ich mit dem Dialogsystem schon ver-traut sein, so solle ich sagen, zur Abfrage von Informationen . Neugierig ant-worte ich . Jetzt wird die Dame aus-führlich. Sie erklärt, ich hätte auf die Fragen zu antworten, die mir gleich gestellt würden. Wenn ich etwas nicht verstehen sollte, so solle ich oder für weitere Erklärungen sagen. Ich könne alle Bahnhöfe in Deutschland und im Ausland als Zielorte angeben. Bei ausländischen Bahnhöfen sei zuerst das Land zu nennen und dann solle man weitere Fragen abwarten. Bei in-ländischen Bahnhöfen ist die genaue Bezeichnung zu beachten, z.B. Frankfurt Main Hauptbahnhof. Sie erklärt und erklärt. Es sind sicher schon fünf Minuten vergangen. Dann geht es los: "Nennen Sie ihren Abfahrtsort!" Brav antworte ich: "Köln Hauptbahnhof!" "Nennen Sie Ihren Zielort!" "Düsseldorf Flughafen!" Ich träume schon von London. "Sie möchten also von Köln Hauptbahnhof nach Düsseldorf Flughafen fahren?" "Ja, warum denn nicht?" Monoton sagt die Stimme: "Ich habe Sie leider nicht verstanden. Antworten Sie bitte auf meine Frage mit Ja oder Nein! - Sie möchten also von Köln Hauptbahnhof nach Düsseldorf Flughafen fahren?" Genervt sage ich: "Ja." "An welchem Tag möchten Sie von Köln Hauptbahnhof nach Düsseldorf Flughafen fahren?" "Am zwoten Januar." Mal sehen, ob sie das ver-steht? "Sie möchten also am zweiten Januar von Köln Hauptbahnhof nach Düsseldorf Flughafen fahren?" Scheint ein schlaues Programm zu sein: "Ja!" "Bitte nennen sie die Abfahrtszeit!" Ich rechne schnell zurück, Dreiviertel Stunde Fahrt, wir sollen eine Stunde vor dem Abflug da-sein ... Die Stimme redet auf mich ein: "Bitte nen-nen Sie die Abfahrtszeit!" "So ungefähr kurz vor sieben." Prompt werde ich bedient: "Sie haben am 2. Janu-ar folgende Zugverbindung: 6 Uhr 49 Abfahrt Köln Hauptbahnhof mit dem Interregio 2314. Ankunft in Düsseldorf um 7 Uhr 54." Während ich noch denke, das kann doch nicht wahr sein, so eine lange Fahrt, redet die Frau weiter: "Zu dieser Zugverbindung gibt es einen Umstieg. Wollen sie darüber eine Information, so sagen Sie . Möchten Sie eine spätere Abfahrt, sagen sie , möchten Sie eine frühere Abfahrt, sagen Sie , soll die Verbindung wiederholt werden, sagen Sie ." Wie war das mit den 24 Pfennig? Ich höre schon die Groschen rasseln. "Ja!" "Sie möchten am zweiten Januar von Köln Hauptbahnhof nach Düsseldorf Flughafen fahren und haben folgende Zugverbindung mit folgender Um-stiegsmöglichkeit: 6 Uhr 49 Abfahrt Köln Haupt-bahnhof mit dem Interregio 2314. Ankunft Duis-burg Hauptbahnhof um 7 Uhr 26, Umsteigen in S-Bahn S1, weiter um 7 Uhr 35, Ankunft in Düs-seldorf Flughafen um 7 Uhr 54. - Möchten Sie nun eine Verbindung für die Rückfahrt suchen oder eine neue Zeit angeben oder eine andere Verbin-dung suchen? Antworten Sie mit oder oder oder !" Ich knalle den Hörer aufs Telefon. Duisburg! Ich stürze ins Kinderzimmer und rufe: "Roman, stell dir vor: die Bahn will, dass wir über Duisburg nach Düsseldorf fahren!" Roman liebt Geographie und schlägt sofort seinen Atlas auf. Er sucht lachend die passende Seite: "Sieh mal, erst geht die Fahrt hoch in den Norden nach Duisburg, dann wieder zurück in den Süden zum Düsseldorfer Flughafen. Die spinnen, Mama!" Dario, unser Kleiner, kräht dazwischen: "Das hätte sogar ich gewußt, dass das ein Umweg ist!" Die beiden laufen mit dem Atlas zu meinem Mann Christoph ins andere Zim-mer und erzählen ihm die Geschichte. "Ein Com-puter-Dialog-Service-System? Duisburg? Aber vielleicht ist das gar nicht so weit, sieht nur so weit aus!" "Doch," rufen wir wie aus einem Munde. "Und mehr als eine Stunde Fahrt!" Christoph beschwich-tigt: "Morgen ist Sonntag. Da gibt es vielleicht nicht so viele Verbindungen." "Nein, wir sind doch immer einfach zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gefahren und von dort mit der S-Bahn. Da fahren immer viele Züge!" sage ich. "Nächstes Mal fliegen wir besser von Köln ab. "Regt euch doch nicht so auf. Ich rufe jetzt an," sagt Christoph. Hinter der Tür lauschen wir seinem Gespräch. Er sagt alles auf einmal, antwortet nicht wie ich mit und und und und und. Dann kommt er heraus und verkündet strahlend: "Ich habe mit einem lebendigen Menschen gespro-chen. Er sagt, die Nummer sei Tag und Nacht geschaltet, 24 Stunden! Und er hat mir sofort eine gute Verbindung genannt. 6 Uhr 22 von Köln Hauptbahnhof, Ankunft in Düsseldorf Flughafen um 7 Uhr 28. Umsteigen in Solingen." Roman wirft die Arme hoch: "Solingen! Das liegt doch im tiefsten Bergischen Land. Dann fahren wir erst ganz in den Osten und wieder zurück in den Westen. Was für ein Umweg! Nein!" Ich verstehe nicht, warum Christoph mit einem Menschen ge-sprochen hat und ich mit einem Computer: "Zeig mir bitte die Nummer, die Du gewählt hast! Das muss eine andere sein!" Christoph reicht mir mein Telefonbuch. Da steht tatsächlich noch eine Num-mer unter "D" wie "Deutsche Bahn AG". "Ich werde trotzdem nicht über Solingen fahren, auch wenn da ein lebendiger Mensch gesprochen hat. Jetzt reicht es mir. Wir nehmen ein Taxi!" grolle ich. Christoph: "Ein Taxi ist zu teuer!" Wütend stapfe ich hin und her und fülle die Koffer mit Kinderpullis und -hosen. Zum Schluss ringe ich mich durch und wähle noch einmal Christophs Nummer. Sobald sich der lebendige Mensch gemeldet hat, lege ich los: "Guten Tag. Ich möchte morgen früh am zweiten Januar gegen sieben Uhr vom Abfahrtsort Köln Hauptbahnhof zum Zielort Düsseldorf Flug-hafen fahren, aber bitte nicht mit Umstiegsmöglichkeiten über Solingen-Ohligs oder sogar über Duis-burg Hauptbahnhof, sondern ganz normal über Düsseldorfer Hauptbahnhof mit Umstieg in die S-Bahn, wahrscheinlich S1, und Weiterfahrt nach Düsseldorf Flughafen." Der Angestellte atmet tief durch und nennt mir sofort die Verbindung: "Abfahrt 7 Uhr 16 mit dem EC140, Ankunft in Düsseldorf Hauptbahnhof um 7 Uhr 36, Umsteigen in die S-Bahn S7, weiter um 7 Uhr 45, Ankunft in Düsseldorf Flughafen um 7 Uhr 58. - Wenn nur alle Leute ihre Wünsche so korrekt äußern würden! Vielen Dank und gute Fahrt!" Maria Blechmann-Antweiler

Mangelndes Informationsmanagement bei DB Regio

Zeitungsberichte und Nachrichtenmeldungen mit Pannen bei der Deutschen Bahn AG waren in den vergangenen Herbstmonaten mehr die Regel denn die Ausnahme. Die Bahn machte widrige Wetter-umstände (nasses Laub auf den Schienen verhin-dere ein kontrolliertes Bremsen vor allem bei den älteren Lokomotiven) verantwortlich und verwies auf größere Pannen und Zugausfälle im Vorjahr), doch ein Unternehmen, welches bei der Fahrga-stinformation noch nicht einmal das Einmaleins des Kundenservice beherrscht, muss sich daher schon massive Kritik von Betroffenen gefallen las-sen. Wie anders ist zu erklären, dass zum Beispiel Samstag nachts die letze S-Bahnverbindung aus-fällt, die Bahn es jedoch nicht für nötig hält, dies den verzweifelt wartenden Fahrgästen mitzuteilen. Warum erwähnen Bahn bzw. der Verkehrsverbund nicht (DB-Zeitung: Takt bzw. im VRS-Info), dass es in den neuen Triebwagenzügen für Raucher keine eigenen Abteile mehr gibt (stattdessen ist in einem Triebwagen die Toilette vollgequalmt und für die restlichen Fahrgäste deren Benutzung eher eine Zumutung). Warum funktioniert der Busersatzver-kehr auf dem wegen eines Unfalls gesperrten Bahnabschnitt bei Troisdorf, 20 km weiter jedoch warten die Fahrgäste in Richtung Norden vergeblich auf Züge und Durchsagen. Pannen können passieren, nicht zu entschuldigen ist jedoch fehlendes Informationsmanagement (fehlende Durchsagen, ahnungsloses Zugbegleit-personal etc.). Hier müssen die Verkehrsunternehmen und -verbünde schnellsten handeln! Norbert Schmidt
Beide Artikel sind erschienen in Heft 1/00 (Nr. 57) der Zeitschrift "NACHRICHTENBLATT - Informationen zur Verkehrspolitik im Rheinland" (Herausgebergemeinschaft: AK Schienenverkehr im Rheinland, Köln/Bonn/Koblenz, PRO BAHN Rhein-Sieg e.V. und Strassen- und U-Bahn-Freunde Köln e.V.). Bezugsadresse der 4x jährlich zum Jahres-Abopreis von DM 19,00 im 16. Jahrgang erscheinenden Zeitschrift: Frank Haase, Friedl-Ferdinand-Runge-Str. 88, 51373 Leverkusen, Fax 0214/8404687, eMail Frank.Haase@telelev.net



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