Schon einige Jahre ist es her, seit Dirk im Gehege 8 des Katzenhauses im Tierschutzzentrum Deinen riesigen gelbgrünen Kugelaugen erlegen ist, die ihn intensiv musterten und ihm unmissverständlich klar machten, dass Du dringend in unsere Familie aufgenommen werden müsstest. Diese Riesenaugen verhinderten, dass wir Deinen kleinen, zierlichen und roten Mitbewohner-Kater, den ich eigentlich schon ausgewählt hatte, mit nach Hause nahmen, sondern statt dessen Dich, den riesengroßen Tigerkater mit Namen „James“, aus dem dann schnell „Gerry“ wurde. Dirk schaute in Deine Augen und erklärte schlicht: „Ich möchte gerne diesen Kater“. Widerspruch war zwecklos, hatte doch bis zu diesem Zeitpunkt ich alle unsere Tiere ausgesucht ( na ja: mehr oder weniger, manchmal suchten sie auch uns aus), jetzt war Dirk einfach mal dran. Gerry, ich bin so glücklich, dass Dirk Deinen Augen nicht widerstehen konnte! Du hast uns in den vergangenen neun Monaten soviel Freude bereitet, Liebe geschenkt und Trost gespendet, dass mir sehr schnell klar geworden ist: Du bist unsere Bestimmung, der noch fehlende Katzenteil in unserer Familie. Mit Deiner Dir eigenen Beharrlichkeit hast Du es geschafft, unseren Felix, der zuerst gar keinen Katzenbruder bei uns haben wollte, auf Deine Seite zu ziehen. Monatelang hat er Dich gemieden, höchstens mal angefaucht und Dir seine Krallen gezeigt. Aber Du hast nie aufgegeben. Wenn Felix oben unter dem Dach auf seiner Lieblingsstelle geschlafen hat, hast Du Dich hoch geschlichen und Dich unbemerkt ganz an den Rand von Felix Lager gekuschelt, nur um nahe bei ihm zu sein. Und Du hast es geschafft. Kurz vor Felix Tod am 24. Dezember 2006, seid ihr Freunde geworden, 5 lange Monate hast Du gebraucht, Felilein klar zu machen, wie schön es ist, im Garten wild zusammen zu spielen und gemeinsam vor der Haustür darauf zu warten, dass ich endlich mal die Türe aufmache, um den „Katerzug“ ( so hat Dirk es immer genannt, wenn ihr hintereinander her laufend zur Tür hereingekommen seid) einzulassen. Ich werde den Anblick von zwei vor der Türe sitzenden Katern, vorwurfsvoll schauend, immer in mir bewahren. Gerry, während ich das hier schreibe, weine ich viele Tränen, Du weißt selbst am besten, wie viele ich in der letzten Zeit bereits vergossen habe. Den Verlust unseres Felix, der rücksichtslos nach einem Unfall am Straßenrand zurückgelassen wurde, kann ich nicht verwinden, der Schmerz ist tief in mir verwurzelt. Auch Du hast Deinen Spielkameraden verloren und hast lange um ihn getrauert. Und uns zu verstehen gegeben: Schenkt einem anderen verlorenen Tier ein neues Zuhause! Ich brauche jemanden zum Spielen! Zu Deinem Leidwesen konnten wir uns nicht entschließen, eine Katze aufzunehmen, ist die Angst vor einem weiteren Verlust durch einen Verkehrsunfall bei mir einfach zu groß. Ich habe doch schon so große Angst um Dich! Aber als ob Du das spürst: Seit Felix Tod bleibst Du immer in der Nähe des Hauses, wenn ich Dich rufe ( ja, ich weiß, so oft soll ich nicht immer rufen), kommst Du brav und zeigst mir, dass das Katerleben schön ist. Auch seit Mio, der „nervige“ Hund eingezogen ist! Wie schnell hast Du den kleinen Welpen akzeptiert, der ständig um dich rumwuselt und Dich bedingungslos anhimmelt, Dich, den starken und souveränen Gerry! Aber Du hast eindeutig das Sagen in Eurer Kater-Hund-Beziehung! Du bestimmst die Tobespiele im Garten, Miolein macht alles brav mit. Und lässt sich auch immer wieder von Dir Ungetüm erschrecken, wenn Du plötzlich hinter dem Busch lauernd hervorspringst. Über Deinen zufriedenen Gesichtsausdruck nach einer erfolgreichen Erschreckaktion könnte ich mich regelmäßig totlachen.
Eine ganz große Bitte hätte ich allerdings an Dich: Laß Dich nicht mehr in fremden Gartenhäusern einschließen! Ich werde nie meinen letzten Sylt-Urlaub vergessen: Dirk hatte sich extra freigenommen, um auf Euch Tiere aufzupassen, damit ich mir mit Oma und Töchterlein einen schönen Urlaub machen konnte. Was hast Du dem armen Dirk nur angetan: Du bist wohl in Nachbar`s Gartenhäuschen eingeschlafen, als es von Dir unbemerkt abgeschlossen wurde! Dirk durchlebte grausame Stunden: Statt die freien Tage zu genießen, war er damit beschäftigt, den Kater zu suchen, fürchterliche Ängste auszustehen und mich am Telefon anzuschwindeln ( natürlich aus Not!) und abzuwimmeln, damit ich nichts erfuhr von Deinem Verschwinden! Und ich litt Höllenqualen auf Sylt, weil ich mir Dirks abwehrendes Verhalten nicht erklären konnte (Er kann halt schlecht schwindeln). Erst als wir uns auf der Rückfahrt befanden, offenbarte mir Dirk, dass Du nicht mehr nach Hause gekommen seiest. Diese Zugfahrt werde ich nie vergessen, die Panik und die Angst, die ich um meinen großen Tiger hatte. Das ganze Abteil litt mit! Du weist ja, dass ich nichts für mich behalten kann! Zuhause angekommen lief ich verzweifelt durch die Straßen und rief nach Dir! Du kamst nicht wieder. Völlig aufgelöst setzte ich mich gegen Mitternacht in den Garten. Ich stellte mir vor, dass ich Dich nie mehr berühren, nie mehr in Deine aufmerksamen Augen schauen, Dich nie im Winterfell erleben dürfte! Ich rief wieder ganz verzweifelt Deinen Namen, und da hörte ich es: Ein leises, aber konstantes Miauen. Ich sprang auf, voller Hoffnung. Ich raste dem Ton nach und landete an der Grenze zum Nachbargrundstück. Und hier sah ich Dich: Hinter der Scheibe des Gartenhauses, kläglich miauend! Ich schrie und schrie und schrie, immer wieder Deinen Namen und nach Dirk und Töchterchen Nina und nach ich weiß nicht wem noch alles. Liebe Nachbarn, die ihr alle zusammengelaufen kamt, bitte verzeiht mir noch mal die nächtliche Störung, aber ich hatte meinen Kater wieder!!! Ch würde Dein Winterfell bewundern dürfen! Dirk kam mit einer Taschenlampe angelaufen und leuchtete ins Fenster. Da warst Du großes Häufchen Elend. Der in der Nacht hemmungslos herausgeklingelte Nachbar ( Danke nochmal !) ließ Dich frei und alles war gut. Hoheitsvoll marschiertest Du nach Hause, um erst mal ausgiebig zu fressen. Solche Situationen mussten wir leider noch einige Male mit Dir durchmachen, aber jetzt bewahren wir die Ruhe, wenn Du nicht nach Hause kommst, und suchen die umliegenden Gebäude ab. Da finden wir Dich dann, Du Träumerli und erfahren immer wieder aufs Neue, wie sehr wir Dich brauchen. Danke, großer Kater, dass Du da bist! Deine Dir hoffnungslos ergebene Dosenöffnerin.