Mein Kerlchen

 

 

Ich möchte diese Seite meinem schwarzen Widder-Kaninchen Kerlchen widmen, den ich im Tierheim Leverkusen gefunden habe und an den ich heute noch fast täglich denke. Er war für mich etwas ganz Besonderes, ich habe ihn sehr geliebt. Leider war er seit Beginn seines Lebens bei uns sehr krank, letztendlich starb er an einem aufgelöstem Kiefer. Der ihn behandelnde Zahnspezialist sah keine Lebensqualität mehr für ihn und riet mir dringend an, ihn von seinen Qualen zu erlösen. Er lebt jetzt im Regenbogenland und wartet auf seine Mucki, mit der er noch wunderschöne Jahre bei uns verbringen durfte. Und vielleicht auch ein bischen auf mich...Noch heute kann ich an keinem schwarzen Widder vorbeigehen, ohne an die Zeit mit meinem Kerlchen zu denken.

 

Hier ein Artikel über ihn, den ich vor einigen Jahren in der Vereinszeitschrift "Tiere Schützen" des TSV Leverkusen, veröffentlicht habe:

 

 

Mein Kerlchen

 

 

 

 

 

Eine schwarze, wollige Fellkugel mit allerliebsten Schlappohren, klugen braunen Augen und scharfen Zähnen: So präsentierte sich mein Kerlchen mir, als ich ihn zu Beginn diesen Jahres zum ersten Mal im Tierheim Leverkusen gesehen habe. Der kleine Löwenkopf-Widder war in einem Käfig im Durchgang zum Katzenhaus untergebracht und eroberte mein Herz mit einer unbeschreiblichen Heftigkeit. Vom ersten Augenblick an war ich fasziniert von diesem kleinen Hasenmann mit der großen Persönlichkeit, dessen Unerschrockenheit sich so gar nicht mit dem gemeinhin eher scheuen Charakter der Kaninchen in Einklang bringen ließ. Sein vehementes Männchenmachen und Geknabbere an den Gitterstäben ließen jeden vorbeigehenden Besucher innehalten, um das zuckersüße Tierchen zu betrachten. Doch derjenige, der ahnungslos einen Finger durch die Stäbe steckte, um den kleinen Kerl zu berühren, musste schnell feststellen, wie faustdick es der arglos dreinblickende Hase hinter den Ohren hat: Ein kurzer und kräftiger Biss in die Fingerkuppe ließ die Besucher schnell weitergehen. Man munkelt auch, er hätte dem Lebensgefährten eines Mitglieds des Tierschutzvereines eine bleibende Erinnerung auf der Nase hinterlassen…..Falls das wirklich der Wahrheit entsprechen sollte: Eine Nase hat nun wirklich nichts in einem Kaninchenkäfig verloren! Obwohl unser Haushalt zu diesem Zeitpunkt bereits vier Hasen beherbergte, erhob mein Mann keine Einwände gegen den Einzug von Kerlchen, und dass, obwohl er zunächst einmal in unserem Wohnzimmer leben musste. Denn wir halten unsere Kaninchen draußen in großen Außengehegen und Kerli verfügte nicht über das erforderliche Winterfell. Außerdem litt er unter einer starken Augenentzündung, die auskuriert werden musste. Ich will es nicht verschweigen: Auch mein Mann erlag Kerli`s Beißattacken: Ahnungslos auf dem Sofa schlafend war er dem furchtlosen Angriff des Killerkaninchens schutzlos ausgeliefert: Letzteres näherte sich vorsichtig über die Beine, erklomm den Bauch und schnappte blitzschnell in die sich bietende Wange, bevor es sich –Unheil ahnend- in meine Arme rettete. Merkwürdig: Mich und meine Tochter Nina hat unser Kerlchen bis heute nie gebissen (höchstens mal leicht gezwickt). Im Gegenteil: Sobald er meine Stimme hört, kommt er angehoppelt, um auf meinen Schoß zu hüpfen. Was den kleinen Hasen, der mehrere Monate wie ein Hund in unserem Haus lebte, zu diesem Verhalten bewegt, wir können es nur erahnen: Hat er vielleicht schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht? Heute lebt Kerlchen, nachdem er zunächst sehr schwer an Enzephalitozoonose erkrankt war, und wir um sein Leben fürchten mussten, mit seiner Hasenfrau Mucki glücklich und nahezu gesund in einem Außengehege in unserem Garten. Natürlich verstand der Hase mit ganz besonderer Persönlichkeit sich nicht mit meiner vorhandenen Kaninchengruppe, also musste eine passende Partnerin für ihn her: Mucki, das graue Widdermädchen, befreiten mein Mann und ich aus einer jahrelangen Einzelhaft im kleinen Käfig. Und wider aller Erwartungen:  Die beiden verliebten sich sofort und bedingungslos ineinander. Keiner macht einen Hoppel ohne den anderen, Kerli und Mucki gibt es nur im Doppelpack! Ich habe noch nie zwei Tiere so miteinander Schmusen sehen! So sehr es mich erfüllt, den beiden beim Glücklichsein zuzuschauen, manchmal vermisse ich die Zeit, in der unser Kerli mit mir auf dem Sofa gekuschelt und mich an der Haustür erwartet hat. Aber eins ist gewiss: Ein Mensch kann nie den Kaninchenpartner ersetzen! Und dass beweisen mir unsere nunmehr sechs Kaninchen jeden Tag auf`s neue.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Susanne Thomas