Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl. United States of America, kurz USA, oder in der amtlichen Kurzform Vereinigte Staaten (engl. United States, kurz U.S.) sind eine Bundesrepublik in Nordamerika.
Das Land nimmt rund die Hälfte der Landmasse des Kontinents ein und ist der flächenmäßig drittgrößte Staat der Erde.
Die Vereinigten Staaten gingen aus den dreizehn britischen Kolonien hervor, die sich 1776 vom Mutterland unabhängig erklärten. Durch stete Immigration aus Europa, territoriale Expansion nach Westen und Industrialisierung gewannen die USA im 19. Jahrhundert rasch an weltpolitischem Einfluss. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren sie nach der Überwindung des totalitären Faschismus im 2. Weltkrieg und des Kommunismus im Kalten Krieg die einzige verbliebene Supermacht.
Geographie
Die Vereinigten Staaten bestehen aus 50 Bundesstaaten, wobei Alaska und Hawaii außerhalb des Kernlandes (continental U.S.) liegen. Das Kernland umfasst 48 der 50 Bundesstaaten sowie den District of Columbia (Bundesdistrikt), die innerhalb einer gemeinsamen Grenze liegen (sog. „lower 48“).
Es liegt zwischen dem 24. und 49. nördlichen Breitengrad und zwischen dem 68. und 125. westlichen Längengrad und ist in vier Zeitzonen eingeteilt. Alaska und Hawaii sowie die politisch angeschlossenen Außengebiete (beispielsweise Puerto Rico und Guam) liegen außerhalb dieser Zone.
Im Norden grenzt das Kernland auf einer Länge von rund 6.000 km an Kanada, im Süden an Mexiko und den Golf von Mexiko. Im Jahr 1959 wurden auch die pazifische Inselgruppe Hawaii sowie das nordwestlich gelegene Alaska, das über die 100 km breite Beringstraße an Russland grenzt, als Bundesstaaten Teil der Vereinigten Staaten. Im Osten liegt der Atlantische Ozean und im Westen der Pazifische Ozean. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 2500 km. Zwischen Atlantik und Pazifik liegen rund 4500 km.
Das Landschaftsbild ist sehr vielfältig: es existieren Waldgebiete und Mittelgebirge an der Ostküste, Mangrovenwälder im subtropischen Florida, die Flusssysteme von Mississippi River und Missouri River, weite Ebenen im Zentrum des Landes, große Gebirgszüge wie die Rocky Mountains, trockene Wüsten im Südwesten, gemäßigte Regenwälder im Nordwesten und Küstengebirge an der Westküste der USA. Hinzu kommen die arktische Region der Tundra in Alaska und die tropischen Inseln von Hawaii mit dem 4205 Meter hohen Vulkan Mauna Kea.
Die Vereinigten Staaten sind der territorial drittgrößte Staat der Erde nach Russland und Kanada.
Afroamerikaner, Nachfahren der afrikanischen Sklaven, stellen etwas mehr als 13 % Bevölkerungsanteil. Sie leben vor allem im Süden und in den großen Industriestädten des Nordens, wie z. B. Detroit. Asiatische Einwanderer, z. B. aus China, Japan, Korea, Indien und den Philippinen bilden noch eine relativ kleine Gruppe (ca. 4 %). Die Einwanderungspolitik war Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber Asiaten besonders restriktiv.
Heute zeigen sich weiterhin große Unterschiede in der Sozialstruktur zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung: Schwarze haben im Durchschnitt ein geringeres Einkommen, eine kürzere Lebenserwartung, eine schlechtere Ausbildung, eine höhere Kriminalitäts- und Hinrichtungsrate. Die Ursachen dafür und mögliche Wege der Problembehebung sind innerhalb der USA heftig umstritten. Nicht nur in den Südstaaten sind Wohngegenden und nicht-öffentliche Einrichtungen – wie die sozial wichtigen Kirchen oder private Organisationen – oft faktisch noch nach Rassen getrennt, wenn auch die formale Trennung inzwischen ungesetzlich und verpönt ist. Vielfach liegt dies ebenfalls an den ökonomischen Unterschieden, aber auch an traditionellen und festgefügten Vorurteilsmustern in den jeweiligen Ethnien bzw. Bevölkerungsgruppen.
Vor allem im Südwesten der USA und in Florida gibt es einen hohen Bevölkerungsanteil lateinamerikanischer (hispanischer) Herkunft (Latinos). Sie werden in den Statistiken separat geführt, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Ihr Anteil wuchs in den letzten Jahrzehnten stetig (bis 2004 auf knapp 13 %), da viele Lateinamerikaner vor der wirtschaftlichen Not ihrer Heimatländer in den Norden fliehen. Sie leben oft als illegale Einwanderer und halten stark an ihrer Kultur und Sprache fest.
Die Indianer („native Americans“) (siehe auch Indianer Nordamerikas) bilden heute eine kleine, jedoch langsam wieder wachsende Minderheit; nur in Alaska erreichen sie eine zweistellige Prozentzahl der Bevölkerung. Ebenfalls relativ viele Indianer leben in South Dakota und Oklahoma.
Die meistgesprochene Sprache der USA ist historisch bedingt amerikanisches Englisch. Daneben werden noch viele Sprachen der amerikanischen Ureinwohner und die Sprachen anderer Immigranten gesprochen. Besonders hoch ist der Spanisch sprechende Anteil, da viele lateinamerikanische Einwanderer meist nur ihre spanische Muttersprache sprechen und zunehmend eigene Viertel in Städten haben (z. B. East Los Angeles). In Kalifornien beträgt der Anteil der Latinos mittlerweile 30 %, wobei viele davon zweisprachig sind, und manche (in der zweiten oder späteren Generation) auch nur Englisch können. Etwa 30 bis 40 Mio. Latinos (englisch: Hispanics) leben in den USA; von denen, die die amerikanische Staatsbürgerschaft noch nicht besitzen, haben auch nicht alle gültige Aufenthaltstitel. Während es im 19. Jahrhundert viele Zeitungen in den USA in deutscher Sprache gegeben hat, ist Spanisch die Sprache, in der nach Englisch Zeitungen heute am häufigsten erscheinen.
Neben dem Spanischen werden auch viele andere Sprachen gesprochen, wie z. B. Koreanisch, Polnisch, Chinesisch und Vietnamesisch, Französisch und Deutsch, da aufgrund der Einwanderung sehr viele Migranten aus diesen Regionen in die USA kamen. Nur in Fällen, wo die Vermischung mit der üblichen Bevölkerung geringer ist als sonst, wird die Fremdsprache auch in späteren Generationen beibehalten (z. B. von den Amishen in Pennsylvania, Ohio, Indiana und Illinois).
Obwohl die Vereinigten Staaten von Amerika sich als multikultureller Einwanderungsstaat verstehen, hat sich eine gemeinsame Sprache als äußerst nützlich erwiesen. Dennoch hatten die USA als Bundesrepublik bisher keine einheitliche Amtssprache festgelegt. Alle amtlichen Schriftstücke werden jedoch auf Englisch verfasst. In einigen Bundesstaaten ist Englisch Amtssprache; einzelne Staaten und Territorien definieren sich aber auch als zwei- oder dreisprachig. Zunehmend werden Dokumente und Beschilderungen ins Spanische übersetzt, jedoch bleibt dieses Phänomen meist regional beschränkt und erregt die Gemüter von einigen Gegnern dieser Entwicklung.
Am 18. Mai 2006 beschloss der Senat eine Resolution, nach der Englisch zur „Nationalsprache“ erklärt wird. Hintergrund ist die in den Vereinigten Staaten heftig geführte Debatte zum Thema Immigration. Knapp 18 Prozent der Einwohner der USA sprachen im Jahr 2006 zu Hause nicht Englisch. Zehn Prozent gaben bei der Volksbefragung 2000 Spanisch als Muttersprache an.
Religion
Im Jahr 2004 bezeichneten sich 54 % der Bevölkerung als protestantisch, 25 % als römisch-katholisch, 10 % gaben keine religiöse Überzeugung an (aber nur 0,3 bis 0,5 % waren explizit Atheisten oder Agnostiker), 3 % waren Mitglied einer orthodoxen Kirche, 2 % waren Mormonen, 2 bis 3 % Juden und weniger als 2 % moslemisch. Kleinere Gruppen, je 0,3 bis 0,5 %, bezeichneten sich als Buddhisten, Hindus, Adventisten, Zeugen Jehovas oder hingen dem Unitarismus an. Die größte einzelne Konfession war die Römisch-Katholische Kirche, gefolgt von der Southern Baptist Convention, der United Methodist Church und den Mormonen.
Die Zahl der praktizierenden Christen ist im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern sehr hoch. Allerdings hat auch hier der Bevölkerungsanteil, der sich zum Christentum bekennt, in den Jahren von 1990 (86,2 %) bis 2004 (81 %) abgenommen.
Von der Kolonisierung bis zur Unabhängigkeit
Das Gebiet der heutigen USA wurde vor Jahrtausenden durch die Vorgänger der späteren Indianerstämme besiedelt. Die Geschichtsschreibung beginnt jedoch erst mit der Ankunft der europäischen Siedler im 16. Jahrhundert. Die erste europäische Siedlung auf dem heutigen US-Gebiet wurde im Jahr 1565 von den Spaniern in St. Augustine, Florida, gegründet.
Eine politische Bedeutung in Nordamerika konnten letztlich außer den Briten nur die Franzosen und Spanier einnehmen. Die drei Mächte hatten allerdings voneinander abweichende Motivationen bei dem Aufbau ihrer Kolonien. Für Spanien hatte seine nördliche Kolonie Florida nur eine sekundäre Funktion. Frankreich wiederum beschränkte sich bei der Besiedlung auf sein koloniales Kerngebiet am Sankt-Lorenz-Strom im heutigen Kanada. Allerdings hatte es dennoch ein starkes wirtschaftliches Interesse an seinen übrigen Territorien, die zwischen dem Mississippi River und den 13 Kolonien der Briten gelegen waren, da es am Pelzhandel verdiente. Deswegen wurden diese ansonsten nicht von Europäern besiedelten Gebiete durch ein System von Forts geschützt. Die britischen Kolonien hingegen standen unter einem hohen Einwanderungsdruck, was zu einer beständigen Verschiebung der Siedlungsgrenze gen Westen führte. Dies geschah sowohl nach staatlichem Plan (durch eine einzelne Kolonie) als auch in wilder Kolonisation. Dies machte die mittellosen Siedler zu natürlichen Feinden der Franzosen und Indianer, die ihre Gebiete nicht kampflos aufzugeben gedachten.
Im Franzosen- und Indianerkrieg von 1754 bis 1760, der in erster Linie als einzelner Schauplatz der globalen Auseinandersetzung zwischen Großbritannien und Frankreich angesehen werden muss, prallten diese gegensätzlichen Interessen aufeinander. Die meisten Indianerstämme kämpften auf Seiten der Franzosen, zu denen sie über gute Beziehungen verfügten. Die zentrale Kriegsführung auf Seiten der Briten ging vom Mutterland aus, welches eine Chance sah, ganz Nordamerika für sich gewinnen zu können. Allerdings nahmen die Milizen der Kolonisten bei der Last der Kriegsführung schon eine faktisch gleichbedeutende Stellung ein, was vom Empire zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahrgenommen wurde.
Nach dem überaus erfolgreichen Ausgang des Krieges für die britische Seite fielen im globalen Friedensschluss 1763 die gesamten bisher französischen Territorien östlich des Mississippi (ausser New Orleans) sowie die von Franzosen besiedelten Gebiete um Québec und Montreal an Großbritannien. Das bourbonische Spanien hatte sich im Verlauf des Krieges auf die Seite seiner französischen Verwandten geschlagen. Nach dem Krieg musste es Florida an die Briten abtreten, erhielt aber als Ausgleich das bisher französische Gebiet westlich des Mississippi. Für die Indianer erwies sich diese neue politische Situation als fatal, da sie jetzt nur noch mit einer einzigen europäischen Macht verhandeln und diese nicht mehr wie zuvor gegeneinander ausspielen konnten. Von nun an war die britische Zentralregierung in London ihr einziger Verbündeter, da die Kolonien die erkämpften Gebiete bis zum Mississippi besiedeln wollten. Die Krone wollte hingegen stärkere Konflikte mit den Indianern vermeiden, da sie ihre außenpolitische Situation nach dem kostenspieligen letztem Krieg zunächst konsolidieren wollten. Da die dreizehn Kolonien aber nach wie vor unter hohem Immigrationsdruck standen, machte sich das Mutterland seine Siedler dadurch zum Feind.
Zu der außenpolitischen Entfremdung zwischen den Kolonien und der Zentrale kamen innenpolitische Spannungen. Die Regierung in London verlangte, dass die Kolonisten einen höheren Anteil an den immensen Kosten der Nachkriegsordnung tragen sollten. Diese wiederum argumentierten, dass dies gegen das alte englische Budgetrecht verstoßen würde, nach dem es keine „Besteuerung ohne politische Repräsentation“ geben dürfe. Damit erklärten die Siedler faktisch das britische Parlament für nicht weisungsberechtigt in den dreizehn Kolonien (nicht aber die Krone). Zudem verlangte das Mutterland zwar eine höhere Besteuerung, blockierte aber die Entwicklung von wirtschaftspolitischen Instrumenten wie eigener Währungsemission, da es einer amerikanischen Staatsbildung nicht noch Vorschub leisten wollte. Darüber hinaus vergifteten verschiedene als ungerecht empfundene Steuern (offizielle Stempel, Zucker, Tee) die Atmosphäre zwischen Zentrale und Peripherie. London stationierte schließlich Soldaten zur Unterdrückung der Kolonisten, was die separatistischen Tendenzen in den dreizehn Kolonien weiter anfachte.
Ein Versuch britischer Soldaten, ein koloniales Waffenlager auszuheben, war schließlich 1775 der Auslöser des Unabhängigkeitskrieges. Ein amerikanischer Kontinentalkongress trat zusammen, der das militärische Oberkommando George Washington übertrug. Am 4. Juli 1776 wurde die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verkündet. Nicht zuletzt durch die militärische Unterstützung Frankreichs zwangen die Amerikaner 1783 das Empire zur Anerkennung ihrer staatlichen Souveränität im Frieden von Paris.
Nachdem sich die 1777 verabschiedeten und 1781 ratifizierten Konföderationsartikel als zu schwach erwiesen hatten, um das Überleben des jungen Staatenbundes zu gewährleisten, wurde 1787 in Philadelphia die Verfassung der Vereinigten Staaten unterzeichnet, welche die modernste Verfassung der damaligen Zeit war und die heute - neben der noch heute gültigen Verfassung der Republik San Marino aus dem Jahre 1600 - die älteste noch gültige geschriebene republikanische Staatsverfassung der Welt ist. Erster Präsident der USA wurde George Washington, der General des Unabhängigkeitskrieges.
Der neugegründete Staat trug an zwei ethnischen Hypotheken: einerseits die weitere Landnahme zu Lasten der Indianer, andererseits die Auseinandersetzung um die Sklaverei, die später den Kampf um die Bürgerrechte der Nachkommen der ehemaligen Sklaven bestimmte. Zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges lebten etwa zwei Millionen Weiße und 500.000 versklavte Schwarze in den ursprünglichen 13 Kolonien. Jenseits der Appalachen erstreckte sich bis zum Mississippi-Fluss ein weiteres, großes Gebiet, das von Indianern bewohnt wurde.
Durch den „Louisiana Purchase“, den Erwerb des Louisiana-Territoriums (nicht identisch mit dem heutigen Staat) 1803 verdoppelten die USA auf einen Schlag die Ausmaße des damaligen Staates. Durch die Wirren der Revolutionskriege in Europa war das Territorium von Spanien zurück an Frankreich gefallen, doch der in finanzielle Nöten steckenden Napoléon sah keine realistische Möglichkeit zur Wiedererrichtung des französischen Übersee-Imperiums und verkaufte das Gebiet zwischen Mississippi und Rocky Mountains für relativ günstige 22,5 Millionen Dollar. Schon seit 1803 traten die ersten Staaten aus dem Northwest Territory den USA bei, ab 1813 auch aus dem Louisiana-Gebiet.
Die USA verfolgten gegenüber Frankreich und Großbritannien einen Neutralitätskurs. Jedoch unternahmen die Amerikaner im Britisch-amerikanischen Krieg von 1812, also während der Endphase der napoleonischen Kriege in Europa, einen Versuch sich des weiterhin britischen Kanadas zu bemächtigen, doch endete die Auseinandersetzung unentschieden. Von diesem Zeitpunkt ist die Grenzziehung in den entscheidenden Bereichen zwischen den USA und dem späteren Kanada abgeschlossen. Die Indianer, die größtenteils die Briten unterstützten, haben im Krieg von 1812 zum letzten Mal eine eigenständige Rolle in einer außenpolitischen Frage spielen können.
Die frühe amerikanische Außenpolitik wurde ansonsten von der 1823 verkündeten Monroe-Doktrin des Präsidenten James Monroe geprägt, welche postuliert, dass sich die europäischen Mächte aus dem amerikanischen Kontinent heraushalten sollten, bei gleichzeitiger Nicht-Einmischung der USA in die Angelegenheiten anderer Staaten.
Die US-Indianerpolitik wurde bis etwa 1820 von einer vorsichtigen Erweiterung der europäischen Siedlungen geprägt, die im Wesentlichen die vormalige Politik der europäischen Mächte in den USA fortsetzte. Mit der Politik des Trail of Tears begann eine verstärkte gewaltsame Landnahme und Besiedlungspolitik, die zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern führte. Die Indianer wurden in für sie reservierte, zumeist unwirtliche und für die Weißen unbrauchbare Gebiete abgeschoben, den Indianerreservationen. Einer der wenigen Siege für die Indianer war die Schlacht am Little Bighorn, was aber politisch ohne Wirkung blieb. Die Indianerkriege endeten 1890 mit dem Massaker von Wounded Knee. Im Jahr 1900 wurden weniger als eine Viertelmillion Indianer gezählt, wozu nicht nur Krieg, sondern auch Krankheiten und ethnische Vermischung mit den Neuankömmlingen geführt hatten. Erst 1924 sollten die Indianer volle Bürgerrechte erhalten.
Nachdem 1860 Abraham Lincoln für die neu gegründete Partei der Republikaner zum Präsidenten gewählt worden war, traten elf Südstaaten aus der Union aus. Dies bedeutete den Beginn des Sezessionskrieges (1861–1865). Hierbei stand zunächst die Verfassungsfrage im Vordergrund, ob die Bundeszentrale überhaupt das Recht habe, über elementare Sachfragen in den Bundesstaaten zu entscheiden. Die Nordstaaten gingen als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervor, und die Sklaverei wurde abgeschafft. Die Schwarzen erhielten mit dem Civil Rights Act von 1866 und dem 14th Amendment von 1868 formal das volle Bürgerrecht.
1890 wurde die frontier für geschlossen erklärt: die Gebiete im Osten und im Westen des Kontinents waren praktisch zusammengewachsen. Der „Wilde Westen“ war damit Geschichte. Als Folge der nach dem Sezessionskrieg einsetzenden stürmischen Industrialisierung bildeten sich riesige Trusts (Kartelle), die in ihrer Machtentfaltung auch die Regierungsgewalt beeinflussten. Daher wurde 1890 der Antitrust Act verabschiedet, als dessen Folge viele Großkonzerne zerschlagen wurden. Ein prominentes Beispiel war Standard Oil von John D. Rockefeller. Populistische Bewegungen, die von Bauern unterstützt wurden, setzten auch eine Regulierung der Eisenbahntarife durch und forderten (erfolglos) einen Wechsel vom Goldstandard auf eine bimetallische (Gold- und Silber-)Währung. Die Immigration ließ nicht nach, so das zwischen 1880 und 1910 die riesige Zahl von 18 Millionen Einwanderern in die USA aufgenommen wurde. In dieser Zeit wurden die Vereinigten Staaten zur größten Industrienation der Welt.
Ein weiterer Schritt in Richtung einer imperialistischen Außenpolitik war der spanisch-amerikanische Krieg von 1898, der den USA die Philippinen, Puerto Rico, Hawaii und Kuba einbrachte. Eine offen interventionistische Politik betrieb Präsident Theodore Roosevelt (1901–1909), der das Recht der USA beanspruchte, sich in den lateinamerikanischen Staaten als „internationaler Polizist“ zu betätigen. Diese big stick policy äußerte sich zum Beispiel darin, dass die USA 1903 Panama aus Kolumbien herauslösten, um sich von dem neu gebildeten Staat die Souveränität über die Panama-Kanal-Zone abtreten zu lassen.
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